Song des Tages: Black Pumas – „Colors“ (live)


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Der frühe Vogel hört frische Töne. Oder: Manchmal entdeckt man schon früh morgens tolle neue Bands – in meinem Fall waren das just gestern Black Pumas im ARD Morgenmagazin, als die Band aus Austin, Texas zu früher Stunde im Kölner Studio der Öffentlich-rechtlichen Halt machte, um das im Juni veröffentlichte Debütalbum zu bewerben. Der Song dafür? „Colors“. Spontanes Urteil beim ersten Kaffee des Tages? Macht Bock auf mehr.

Also mal eben Dr. Google und Co. bemüht, und in weitere Stücke hinein gehört. Danach wundert es kaum, dass der renommierte Radiosender NPR die Band als „The Breakout Band Of 2019“ nannte und KCRW den Sound der Black Pumas als „Wu-Tang Clan meets James Brown“ beschrieb. Beim SXSW Festival im heimischen Austin, Texas bekam die Band weiteres, durchweg positives Feedback und sogar die Auszeichnungen für „Song Of The Year“ („Black Moon Rising“, die Eröffnungsnummer des selbstbetitelten Debüts) sowie „Best New Band“. Doch obwohl Black Pumas auf dem (digitalen) Papier der neuste „heiße Scheiß“ der Musiksaison sein mögen, ist der Geist dieser Band ist schon sehr viel älter, und – wenn überhaupt – lediglich in Petitessen innovativ. Das Besondere liegt vielmehr im Zusammenspiel des Quasi-Duos…

BlackPumas_BlackPumas.jpgBislang spielte der Grammy-prämierte Produzent und Gitarrist Adrian Quesada bei einigen außerhalb des Genres (sowie über Austins Grenzen hinaus) eher mittelbekannten Latin-Rock-Formationen  wie Brownout oder Grupo Fantasma. Für eine neue Band, für die ihm bereits die ein oder andere Idee durch die Hirnwindungen spukte, suchte er vor etwa zwei Jahren noch eine Stimme – und fand diese durch den Tipp eines Freundes in Eric Burton (nicht zu verwechseln mit Eric Burdon, dem ehemaligen Sänger der Animals und War). Burton wuchs im kalifornischen San Fernando Valley in einer sehr kirchlichen Umgebung auf und machte seine ersten kreativen Gehversuche zunächst in kleinen Musiktheaterstücken, dann als Straßenmusiker in Santa Monica und später in Austin. Im Grunde also eine Entdeckung, ein Newcomer – doch wer seine Stimme hört, die so voller Volumen, so voller Wärme ist, der denkt wohl unweigerlich weniger an die musikalische Formatradio-Stangenware von heute, sondern weiter zurück: an die goldenen Zeiten von Soulgrößen der Siebziger, wie den legendären James Brown. An Marvin Gaye. An Al Green. Eventuell noch an heutige Künstler wie Michael Kiwanuka oder Charles Bradley (der eine, Kiwanuka, steht mit seinem Talent beinahe allein auf weiter Flur, der andere, Bradley, wurde sträflichst spät entdeckt und verstarb 2017 viel zu früh). Wie weiches Vinyl auf digitalen Spuren…

Gemeinsam kreieren Adrian Quesada und Eric Burton auf dem Debütwerk zehn Songs, die ihre Bezüge wohl auf eine ganze Heerschar von großen Nummern der (Rock-)Musikhistorie nehmen. Mal spielt ein Titel auf Creedence Clearwater Revival an (der Opener „Black Moon Rising“ lässt einen wohl unweigerlich an deren „Bad Moon Rising“ denken). Mal gemahnt der E-Gitarren-Sound eines Stückes wie „Know You Better“ an die Beatles zu „Abbey Road“-Zeiten. Mal gelingt Quesada und Burton wie mit „Fire“ ein astreiner Neo-Western-Song, der durch die Kombination von Soul und dem typischen Ennio-Morricone-Fuzz-Sound direkt auf Soundtracks von „Shaft“ oder einem der vielen Quentin-Tarrantino-Filme gepasst hätte. Ansonsten? Bläser. Standesgemäßer Backgroundgesang. Ab und an ein paar Streicher. Und es gibt „Colors“, das Herzstück des Albums, mit seinen schönen Gitarrenakkorden, einem Boom-Bap-Beat und dem gegen Ende hin ausrastenden Piano, in dem Burton „It’s a good day to see my favorite colors“ singt – und kurioserweise mit seiner Stimme mal nicht im Zentrum steht.

Alles in allem ist das selbstbetitelte Debüt von Black Pumas eine feine Mischung aus klassischem Soul und Funk mit Elementen von East-Coast Hip-Hop und Jazz. Und hat dabei alles, was ein ordentlich groovendes Album braucht. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger (wer mag, darf natürlich im Kopf noch den obligatorischen „Retro“-Sticker drauf pappen). Es lässt den Fuß wippen und den Kopf nicken, während man sich die Spätsommersonne ins Gesicht scheinen lässt. Dafür lohnt es sich glatt, früher aufzustehen…

 

 

 

Das komplette Album kann via Bandcamp gestreamt werden…

 

…während man hier ein recht interessantes Interview mit Adrian Quesada und Eric Burton findet.

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

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