Archiv des Autors: evanelliott83

Song des Tages: Kevin Devine – „Albatross“


Regelmäßige Leser von ANEWFRIEND wissen es freilich: Kevin Devine ist seit Jahr und Tag ein regelmäßiger Gast auf diesem bescheidenen Blog, wannimmer es Neues über den 42-jährigen Singer/Songwriter aus Brooklyn zu berichten gibt.

Für alle anderen als kleiner Service hier einmal (s)ein Indie-Rock-Werdegang im Schnellabriss: Devines Karriere begann in den frühen Nullerjahren mit der Emo-Indie-Rock-Band Miracle of 86. Anschließend veröffentlichte er erste Soloalben, tourte mit seinem ständig wechselnden Backing-Kollektiv The Goddamn Band (welche ihrerseits unter anderem aus ehemaligen Mitgliedern von Miracle Of 86 besteht) und gründete mit Manchester Orchestra-Frontmann Andy Hull zudem das Projekt Bad Books. Neben seiner Solokarriere, welche zuletzt, 2016, die Alben “Instigator” sowie “We Are Who We’ve Always Been” (das 2017 erschien und Akustik-Versionen der “Instigator”-Songs beinhaltete) hervorbrachte, war Kevin Devine, der sich zudem auch politisch engagiert und oft genug Wort gegen soziale Missstände ergreift, auch Tourmusiker in zahlreichen anderen Bands und tourte weltweit, sowohl solo als auch mit befreundeten Bands und Musker*innen wie Frightened Rabbit, John K. Samson oder Julien Baker. Neuerdings beschritt der US-Musiker außerdem neue digitale Wege und bietet seinen treuesten Fans via Patreon exklusiven Content sowie Livestream-Shows.

Und: Kevin Devine hat, wie so einige andere Kollegen, die Corona-bedingte Zwangspause scheinbar recht kreativ genutzt und ein neues Album aufgenommen. Selbiges – es ist bereits sein nunmehr zehntes Solo-Werk – hört auf den Titel „Nothing’s Real, So Nothing’s Wrong“ und wird am 25. März via Triple Crown Records erscheinen. Wie der begleitende Pressetext – zugegebenermaßen recht blumig – wissen lässt, strahlen die elf Stücke des neuen Albums eine anmutige Reife aus. In einer Welt, die um einen herum zerfällt, ist „Nothing’s Real, So Nothing’s Wrong“ ein Rettungsboot in einem stürmischen Meer von kulturellen, familiären, spirituellen und gesellschaftlichen Krisen. Musikalisch verschmelzen Psych Folk mit Orchesterarrangements, Bedroom Pop und Indie Rock zu einem ungemein dichten Sound. Die Leadsingle „Albatross„, welche Devine nun als ersten Eindruck hören lässt, beschreibt im Refrain das bereits thematische Fundament des kommenden Albums: „If you’re sinking / Sing along / Nothing’s real, so nothing’s wrong“.

Kevin Devine über den neuen Song: „‚Albatross‘ steht für einen harten Reboot. Der Song beschreibt eine Entladung für all die, die mit den vorgefertigten Lösungen und Wundermitteln des 21. Jahrhunderts zu kämpfen haben. Wo findet man noch Trost, wenn das allgemeine Wertesystem und der Diskurs degradiert und grotesk sind? Vielleicht müssen wir loslassen, und dann noch mehr loslassen: Von der Last, etwas zu kommunizieren, für das es keine noch keine passende Worte gibt. Von den Ad-Hoc-Antworten auf unbeantwortbare Fragen. Von einer pervertierten und auf den Kopf gestellten Realität, die einen glauben lassen will, Dinge reparieren zu müssen, die gar nicht kaputt sind.“

Devine malt auf „Nothing’s Real, So Nothing’s Wrong“ ein komplexes, jedoch optimistisches Porträt eines Lebens, das größer ist als sein eigenes. Er findet, wohlmöglich sogar besser denn je, ein Gleichgewicht zwischen eigenen Mikroerfahrungen und den Makrostrukturen unserer Gesellschaft. Alte und neue Hörer*innen werden eingeladen, sich mit ihm auf eine intime Reise zu begeben, in der das Verständnis über das eigene Innenleben eine der letzten – aber vielleicht besten – Methoden des Widerstands wird.

Liest sich, als hätte Kevin Devine auch 2022 viel mit dieser Welt da draußen zu teilen. Man darf – nein, sollte – also mächtig gespannt aufs neue Album sein…

„In simplest terms: ‚Nothing’s Real, So Nothing’s Wrong‘ is a grown-up break-up (or break-ups, as it were) record, for strugglers by strugglers, a kitchen-sink 10th album pivot, painstakingly brought to life by two career-long collaborators and their shared (& split) obsessions. 

The mission: alchemize a chainsmoked series of destabilizing life experiences into something musically dynamic & progressive & expansive; be lyrically evocative & excavating & unflinching without irresponsibly printing your journals; navigate two successive endings, and the “how did I get here,” and the dark night of honestly assessing the soul, and digging a tunnel, and the stubborn humanity in beginning again. 

(It’s also sort of a fatherhood record.) 

And now: to get people to hear it.“

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Grace Cummings


Während vielerwebs die Jahresbestenlisten von 2021 noch lauwarm glühen, deutet sich bereits an, wer die Pop-Feuilletons der kommenden Monate einhellig verzaubern könnte. Grace Cummings etwa. Zwar hat die in Melbourne geborene Songwriterin in ihrem Heimatland mit „Refuge Cove“ bereits 2019 ein vielbeachtetes Debüt vorgelegt, abseits Australiens ist sie jedoch ein noch recht gut behütetes Geheimnis. Und man muss keineswegs der Ahnenreihe eines Nostradamus entstammen, um die risikoarme Prognose zu wagen, dass sich das in diesem Jahr und mit dem kommenden Album „Storm Queen“ schlagartig ändern könnte.

Dabei liest sich Grace Cummings‘ bisheriger Werdegang irgendwo zwischen Umtriebigkeit und gepflegter Down-Under-Langeweile. So begann die ausgebildete Schauspielerin ihre musikalische Laufbahn als Schlagzeugerin in einer Reihe von Highschool-Bands, deren Repertoire hauptsächlich aus AC/DC- und Jimi-Hendrix-Covern bestand. Als Cummings begann, eigene Songs zu schreiben, ließ sie sich vermehrt von Acts wie Paul Kelly, Bob Dylan, J Spaceman sowie traditioneller irischer Folkmusik inspirieren, die ihr Vater oft zu Hause spielte. Vor allem die Ehrerbietungen an den ewig großen Dylan hörte man an vielen Ecken der Eskapismus-Kleinode von „Refuge Cove“ heraus.

Einer weiteren Eigenart bleibt Cummings auch auf dem neuen Werk treu: sie behält die künstlerischen Zügel gern in der eigenen Hand. So übernimmt die Newcomerin, wie schon auf dem Debütalbum, auch auf “Storm Queen” das Ruder als Produzentin. Die minimalistischen Arrangements werden von einer Reihe von befreundeten Künstler*innen aus Melbourne mit unerwarteten Verzierungen geschmückt: prunkvolle Geigenmelodien, gespenstische Theremin-Töne oder das frenetische Heulen eines Baritonsaxophons, welche das Album, getreu seines Titels, in ein ganz eigenes, unbändiges Klima hüllen.

„Storm Queen“ beginnt mit der majestätischen Vorab-Single „Heaven“ und offenbart sofort die ungezähmte Intensität von Cummings‘ ebenso eigenwilliger wie mächtiger Stimme sowie ihre Vorliebe für poetische und zugleich seltsam direkte Texte. Oft genug lässt die geübte Bühnenmimin dabei die Theatralik einer Aldous Harding mit der stimmlichen Präsenz von Marlene Dietrich unikal verschmelzen. Außerdem auffällig: religiöse Anklänge. Aber auch hier verhält es sich etwas anders, als man im ersten Moment zunächst denken könnte. „Der Refrain von ‚Heaven‘ enthält zwar die Worte ‚Ave Maria‘ – aber nicht, weil ich in irgendeiner Weise religiös bin“, erklärt die Australierin, die kürzlich erst die Hauptrolle in einer Joanna Murray-Smith-Produktion an der Melbourne Theatre Company spielte. „Für mich ist das Reden und Singen über Gott oder Mutter Maria eine Art, etwas Schönes zu benennen, das ich nicht verstehe, etwas, das nicht ganz zu der Welt gehört, in der wir leben“, fügt Cummings hinzu, die ihre eigenwillige Musikalität mit einer bewusst spontanen Herangehensweise an das Songwriting kombiniert. „Ich habe ‚Heaven‘ tatsächlich in der gleichen Zeit geschrieben, die man zum Singen braucht. Ich habe gehört, dass man in alten Cowboy-Filmen immer weiß, wer der Held ist, weil er einen Zehn-Gallonen-Stetson trägt. Der Himmel könnte eine Person sein. Oder ein Ort. Oder mein Vater oder eine winzig kleine Raupe oder der Klang des Lachens eines Kookaburra. Der Kookaburra ist ein Held, ich bin es nicht.“ Mit dieser Erklärung zwischen Augenzwinkerei und heiligem Ernst begründet Cummings, warum ihr Spiel mit christlicher Symbolik der ohnehin schon überbordenden Affektkulisse ihres eigenartig reduzierten Songwritings noch eine weitere Ebene einzieht.

Diese Musik mag keineswegs gefälliger Einweg-Radiopop für Familie Jedermann sein, aber eines ist sie in jedem Fall: besonders. Ave Maria, a star is born.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Cristin Milioti – „715 Creeks“


Cristin Milioti kennen die meisten vor allem wegen ihrer Rollen in Serien wie „How I Met Your Mother“ (als die ominöse „Mutter“), „Palm Springs“, „Fargo“ oder „Black Mirror“ sowie Filmen wie „The Wolf Of Wall Street“. Dass die 36-jährige US-Künstlerin nicht nur ein hübsches Mattscheibengesicht, sondern auch ein formidables Stimmchen besitzt, bewies Milioti zudem als Teil der Broadway-Musical-Adaptierung von „Once„, was ihr 2012 sogar eine Tony-Award-Nominierung einbrachte.

Dennoch fand die vielseitige Mimin erst kürzlich Zeit, um ihr Debütalbum aufzunehmen, und als ersten Vorgeschmack auf die Richtung, in die selbiges gehen soll, veröffentlichte Cristin Milioti im vergangenen Jahr ein wunderschöne Coverversion von Bon Ivers „715 Creeks“.

Kenner des Künstlers des Originalstücks wissen freilich: Wenn es um anspruchsvolle Coversongs geht, bekommt so ziemlich alles aus dem Katalog von Bon Iver einen Extrapunkt für den Schwierigkeitsgrad, aber „715 – CRΣΣKS“ (so die Schreibweise des Originals aus der 2016 erschienenen Elektro-Folk-Album-Wundertüte „22, A Million„) geht sogar noch einen Schritt weiter, schließlich stellt das Bon Iver’sche Ausgangsstück Justin Vernons Gesang, der mit einem Prismizer-Effekt autotune’esk stark modifiziert wurde, ohne jede weitere Begleitung in den Vordergrund – der Text sowie Vernons emotionale Darbietung benötigen in diesem Fall einfach keinerlei Schmückwerk.

Milioti hingegen entscheidet sich bei ihrer Interpretation dafür, ihre Stimme weitaus natürlicher und ohne derlei Verfremdung auskommen zu lassen, nur begleitet von einem Klavier und einigen Streichern. Versehen mit ausreichend Fallhöhe zunächst wohlmöglich ein gewagter Plan, der jedoch aufgeht, denn mit ihrer Stimme weiß sie voll und ganz zu überzeugen. Wenngleich der Höhepunkt des Originalsongs so kraftvoll daherkommt, dass es unmöglich scheinen mag, ihn ohne Vernons spezielle Gesangseffekte nachzubilden, macht sich Cristin Milioti mit ihrem Talent das Stück dennoch zueigen. Es schwillt an den richtigen Stellen an und hält sich an anderen Stellen wiederum zurück, um die Stille sprechen und der Melancholie Raum zu lassen. Wundersam berührend. Und macht gerade deshalb durchaus gespannt auf ihr zwar versprochenes, aber noch nicht erschienenes Debütalbum…

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


(via quotescover.com)

(Thomas Stearns „T.S.“ Eliot, 1888-1965, englischsprachiger Lyriker, Dramatiker und Kritiker, der als einer der bedeutendsten Vertreter der literarischen Moderne gilt und im Jahr 1948 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde)

Rock and Roll.

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Was bringt das Musikjahr? – Der Veröffentlichungskalender 2022


Foto: Yaroslav Blokhin / via

Same procedure as every year – Das neue Jahr ist erst wenige Stunden alt, wirft jedoch bereits – auch in Punkto Albumneuerscheinungen – den ein oder anderen langen Schatten voraus. Damit ihr auch 2022 nicht ganz und gänzlich den Überblick verliert, fasst ANEWFRIEND als kleinen Service für euch wieder die ein oder andere relevante Ankündigung zusammen.

Nachdem auch das vergangene Jahr Corona-bedingt und gerade in kulturellem Sinne, seiner einmal mehr konzertfreien, gefühlt ewig langen Zeit wegen, als ein weiteres dezent seuchiges in die Annalen eingehen dürfte, bleibt für die kommenden zwölf Veröffentlichungsmonate nicht nur zu hoffen, dass nun baldigst wieder dauerhaft Konzerte und Festivals stattfinden werden (denn irgendwoher müssen gerade kleinere Künstler fernab der Rolling Stones, Madonnas und Coldplays – Einfallsreichtum mit Streaming-Shows hin oder her – ja ihre Butter aufs Brot bekommen), sondern auch, dass die Tage bis Dezember 2022 wieder das ein oder andere fulminant tönende Glanzlicht bereit halten werden… Also denn: ANEWFRIEND ist gespannt, ANEWFRIEND bleibt auch im zehnten Blogjahr (oder sogar schon elften – je nachdem, wie man’s betrachtet) maximal neugierig!

JANUAR 2022

The Wombats – Fix Yourself, Not The World (VÖ 07.01.2022)

Beirut – Artifacts (VÖ 10.01.2022)

Blood Red Shoes – Ghosts On Tape (VÖ 14.01.2022)

Broken Social Scene – Old Dead Young: B-Sides & Rarities (VÖ 14.01.2022)

Cat Power – Covers (VÖ 14.01.2022)

Miles Kane – Change The Show (VÖ 14.01.2022)

Sea Girls – Homesick (VÖ 14.01.2022)

Band Of Horses – Things Are Great (VÖ 21.01.2022)

Billy Talent – Crisis Of Faith (VÖ 21.01.2022)

Boris – W (VÖ 21.01.2022)

Eels – Extreme Witchcraft (VÖ 28.01.2022)

Madrugada – Chimes At Midnight (VÖ 28.01.2022)

Pinegrove – 11:11 (VÖ 28.01.2022)

Tocotronic – Nie wieder Krieg (VÖ 28.01.2022)

Desaparecidos – Live at Shea Stadium (VÖ 31.01.2022)

FEBRUAR 2022

Bastille – Give Me The Future (04.02.2022)

Black Country, New Road – Ants From Up There (VÖ 04.02.2022)

The Districts – Great American Painting (VÖ 04.02.2022)

Korn – Requiem (VÖ 04.02.2022)

Mitski – Laurel Hell (VÖ 04.02.2022)

A Place To Bury Strangers – See Through You (VÖ 04.02.2022)

Shoreline – GROWTH (VÖ 04.02.2022)

The Slow Show – Still Life (VÖ 04.02.2022)

alt-J – The Dream (VÖ 11.02.2022)

Big Thief – Dragon New Warm Mountain I Believe In You (VÖ 11.02.2022)

Cult Of Luna – The Long Road North (VÖ 11.02.2022)

Johnossi – Mad Gone Wild (VÖ 11.02.2022)

Spoon – Lucifer On The Sofa (VÖ 11.02.2022)

Frank Turner – FTHC (VÖ 11.02.2022)

Eddie Vedder – Earthling (VÖ 11.02.2022)

Beach House – Once Twice Melody (VÖ 18.02.2022)

Hot Water Music – Feel The Void (VÖ 18.02.2022)

MAITA – I Just Want To Be Wild For You (VÖ 18.02.2022)

Shout Out Louds – House (VÖ 18.02.2022)

White Lies – I Try Not To Fall Apart (VÖ 18.02.2022)

Casper – Alles war schön und nichts tat weh (VÖ 25.02.2022)

Dashboard Confessional – All The Truth That I Can Tell (VÖ 25.02.2022)

Gang Of Youths – Angel In Realtime. (VÖ 25.02.2022)

King Hannah – I’m Not Sorry, I Was Just Being Me (VÖ 25.02.2022)

Johnny Marr – Fever Dreams Pts 1-4 (VÖ 25.02.2022)

Spiritualized – Everything Was Beautiful (VÖ 25.02.2022)

Superchunk – Wild Loneliness (VÖ 25.02.2022)

Brandon Boyd – Echoes And Cocoons (VÖ 28.02.2022)

MÄRZ 2022

Stereophonics – Oochya! (VÖ 04.03.2022)

Feeder – Torpedo (VÖ 18.03.2022)

Midlake – For The Sake Of Bethel Woods (VÖ 18.03.2022)

Get Well Soon – Amen (VÖ 25.03.2022)

Placebo – Never Let Me Go (VÖ 25.03.2022)

APRIL 2022

Archive – Call To Arms & Angels (VÖ 08.04.2022)

Jack White – Fear Of The Dawn (VÖ 08.04.2022)

Bloc Party – Alpha Games (VÖ 29.04.2022)

MAI 2022

Liam Gallagher – C’mon You Know (VÖ 27.05.2022)

JUNI 2022

Porcupine Tree – Closure / Continuation (VÖ 24.06.2022)

JULI 2022

Jack White – Entering Heaven Alive (VÖ 22.07.2022)

UND SONST?

Antemasque – Saddle On The Atom Bomb (tba.)

The Cure – tba. (2022)

The Distillers – tba. (tba.)

Dredg – tba. (tba.)

The Libertines – tba. (2022)

My Bloody Valentine – tba. (2022)

Pete Yorn – Hawaii (2022)

(Wurde etwas vergessen? Dann lass’ es ANEWFRIEND in den Kommentaren wissen…)

Rock and Roll.

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Willkommen in 2022 – und alles Gute zum Zehnten, ANEWFRIEND!


Zunächst einmal: Herzlich willkommen in 2022! Wollen wir trotzdem einen letzten kurzen Blick zurück werfen? Denn obwohl die vergangenen zwölf Monate – gefühlt, gefühlt – recht schnell an einem vorbei gezogen waren, war doch einiges los: Das zweite Jahr einer weltweiten Pandemie, während derer die meisten von uns sich längst ans Maskentragen, Abstandhalten, an Nachrichtenberichterstattungen über Inzidenzwerte und Neuinfektionen, an Beschränkungen bei vermeintlichen Alltäglichkeiten wie dem Einkaufen, bei Restaurant-, Fitnesscenter oder Kinobesuchen, an immer neue Virusmutationen und Corona-Wellen gewöhnt haben. Noch immer sterben Menschen in gewaltsamen Konflikten, im Mittelmeer oder an Landesgrenzen – oder werden schlichtweg – und von einem Tag auf den nächsten – in Ländern wie dem Irak im Stich gelassen und ihrem Schicksal überlassen. Fast scheint es, als würden „wir“ privilegierten Erdbewohner wohl nie gänzlich begreifen, dass kein Mensch nirgendwo je illegal sein darf und jeder, der anderen ohne Feindschaft und Argwohn entgegen tritt, auch ein Recht auf ein Leben in Freiheit und Würde verdient hat… Noch immer brennen anderswo – und mal mehr, mal weniger weit weg in Australien, den US of A, Südamerika oder Griechenland – ganze Landstriche, wüten Naturkatastrophen – und werden plötzlich auch für „uns“ im oft so beschaulichen Deutschland spürbarer, wenn sich im Ahrtal (welches sich gar nicht mal so weit weg von mir befindet) über Nacht sonst so kleine Flüsschen zu reißenden Strömen entwickeln und ganze Dörfer wegspülen. Kontraste zwischen Arm und Reich, zwischen den privilegierten Industrienationen und der Dritten Welt, werden immer krasser, Scheren gehen immer weiter auseinander – während sich gleichzeitig eine Handvoll Milliardäre darum streiten, wer den Wettlauf um den ersten stinkreichen Arsch im Weltall gewinnt. Ja, Positivem musste man auch in 2021 oft mit der Lupe nachspüren, und Nachrichten waren auch in den letzten zwölf Monaten vor allem dann, wenn der Sprecher oder die Sprecherin einem einen „Guten Abend“ wünschte und im Anschluss sein (oder ihr) Bestes tat um zu beweisen, dass vor der eigenen Haustür gar nicht mal so viel „gut“ war… „Die Welt ist grässlich und wunderschön„, wie der große Gisbert zu Knyphausen einst sang. Diese treffliche Einschätzung kann man auch für 2021 unterschreiben – und sich trotzdem bemühen, den Kopf stets oben zu behalten und trotz alledem die Hoffnung nie so ganz an den Nagel des Zynismus zu hängen.

Was’n los, ANEWFRIEND – liegt da etwa Melancholie zwischen den Zeilen? Ja, könnte durchaus sein, und auch aus berechtigtem Grund, schließlich feiert dieser mein bescheidener Blog just heute seinen 10. Geburtstag. ZEHN Jahre. Da mache ich doch – bei aller Bescheidenheit – glatt einen anerkennenden Knicks vor mir selbst, anerkennend, dass ich’s tatsächlich eine komplette Dekade geschafft habe, am digitalen, schreibenden Ball zu bleiben – was nicht immer ganz einfach war und auch den ein oder anderen aufraffenden Arschtritt meinerseits erforderte. Zudem blicke ich beinahe zwangsläufig zurück auf das, was abseits aller „Songs des Tages“, aller „Alben der Woche“, aller „Moment! Aufnahmen.“ auch bei mir so passiert ist: fünf Umzüge und ebensoviele Jobwechsel, ich habe ein Haus gekauft und wieder verkauft, durfte mich einige Zeit als „Ziehvater“ eines kleinen Mädchens „ausprobieren“, habe mich ver-, wieder entliebt und neu verliebt, neue Sprachen gelernt, im Ausland gelebt, mich oft genug trotzig dem alten Arschloch namens „Depression“ gestellt, meine Plattensammlung zig Male in massig Kisten verpackt und wieder ausgepackt… Ja, Scheiße noch eins – war einiges los in den letzten zehn Jahren.

Was uns wieder zurück zum 1. Januar 2022 bringt. Natürlich hätte dem voraussehbaren Anlass auch Gisbert zu Knyphausens „Neues Jahr“ ausgezeichnet zu Gesicht gestanden. Oder Death Cab For Cuties ewiggrüner Jahresanfangseinläutungssong „The New Year„, welcher hier schon des öfteren die folgenden zwölf Monate einläuten durfte. Oder Dylans „Forever Young“, welches vor zwei Jahren 2020 einläuten durfte – freilich nichtsahnend, was da noch kommen würde…

Mit all der rückblickenden Melancholie im Knopfloch habe ich mich jedoch für einen ganz anderen Song entschieden: „New Year’s Eve“ vom großen, ewig tollen Grantler Tom Waits. In dem Stück vom 2011 erschienenen Album „Bad As Me“ inszenieren Waits und seine Frau und Songwriting-Partnerin Kathleen Brennan in medias res die zwar recht lakonische, aber dennoch ebenso vielfältige Szenerie einer Familienfeier, die längst aus dem Ruder gelaufen ist.

„Jeder von uns war doch schon einmal bei einem dieser Treffen, bei dem alles schief gelaufen ist, bei dem wir alle singen, obwohl das Feuerwerk den Hund erschreckt hat und er seit zwei Stunden verschwunden ist, jemand das Sofa angezündet hat, Marge eine Lebensmittelvergiftung bekam und Bill O’Neal die Polizei rief“, beschrieb der US-Musiker den Song damals typisch augenzwinkernd in einem Interview.

Der Refrain des Stückes baut zudem einen Song im Song auf, wenn die Charaktere inmitten des Trubels und Durcheinanders beginnen, alte Traditionen zu wahren und „Auld Lang Syne“ zu singen. „Der Song brauchte einen Refrain und hatte noch keinen. Also sagten Kathleen und ich uns: ‚Komm‘ schon, wir reden über Silvester, lass‘ es uns einfach machen!“, so Waits. Während der knapp fünf Minuten passiert gleichzeitig so viel und doch irgendwie auch gar nichts, alles scheint still zu stehen, während die Welt doch immer schneller rast – das passt durchaus zu einem Jahr wie 2021.

In diesem Sinne: Einen ganz uneitlen Toast auf ANEWFRIENDs 10. digitales Wiegenfest! Und auf uns. Und, natürlich: auf euch. Passt auf euch auf, bleibt gesund sowie ganz ihr selbst – und schaut ab und an mal hier vorbei… Merci vielmals.

„The door was open, I was seething
Your mother burst in, it was freezing
She said it looks like it’s trying to rain
I was lost, I felt sea sick
You convinced me that he’d left
You said ‚Keep talking but don’t use any names‘
I scolded your driver and your brother
We are old enough to know how long you’ve been hooked
And we’ve all been through the war
And each time you score
Someone gets hauled and handcuffed and booked

It felt like four in the morning
What sounded like fire works
Turned out to be just what it was
The stars looked like diamonds
Then came the sirens
And everyone started to cuss

All the noise was disturbing
And I couldn’t find Irving
It was like two stations on at the same time
And then I hid your car keys
And I made black coffee
And I dumped out the rest of the rum

Nick and Socorro broke up
And Candice wouldn’t shut up
Fin, he recorded the whole thing
Ray, he said ‚Damn you‘
And someone broke my camera
And it was New Years
And we all started to sing

Should auld acquaintance be forgot and never brought to mind
Should auld acquaintance be forgot for the sake of auld lang syne

I was leaving in the morning with Charles for Las Vegas
And I didn’t have a plan to come back
I had only a few things
Two hundred dollars
And my records in a brown paper sack

I ran out on Sheila
Everything’s in storage
Calvin’s right, I should go back to driving truck

Should auld acquaintance be forgot and never brought to mind
Should auld acquaintance be forgot for the sake of auld lang syne“

Rock and Roll.

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