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Sunday Listen: Pærish – „Fixed It All“


Foto: Promo / Nabila Mahdjoubi

Post-Hardcore-Experte Will Yip hat’s produziert, SideOneDummy Records hat’s veröffentlicht. So schlecht kann das, was Pærish hier an den Start gebracht haben, also kaum sein. Dass es aber an mancher Stelle dermaßen großartig tönt, überrascht dann aber doch. „Fixed It All“ – ab sofort ein neuer Lieblingsalbum-Kandidat für die Generation Post-Emo. Oder so ähnlich. 

Die 2010 von drei Filmstudenten gegründete Band kommt – ohlala! – aus Paris, klingt jedoch keineswegs nach Audrey Tautou, Café au Lait und dem Eiffelturm, sondern vielmehr nach der ganzen Alternative-Rock-Welt. Nach anno dazumal (meint: den frühen 2000ern) und heute. Man darf mit Fug und Recht vermuten, dass der Vierer von Bands wie Sparta oder Glassjaw und ganz sicher von Rival Schools bereits gehört hat (und das ein oder andere Werk ebenjener Kombos in der heimischen Plattensammlung hat). An mancher Stelle tönt gar der poppige Ohrwurm-Faktor von Weezer oder Jimmy Eat World durch, eingeweihte Szene-Füchse mögen zudem Vergleiche zu Bands wie Basement, Superheaven oder Narrow Head ziehen. Alternative Rock ist das, manchmal mit ein paar gut gemeinten Prisen Post Hardcore, mal eben auch das, was gemeinhin als Emo Punk durchs Rund rockt. Einfach eine unglaublich gute Mischung mit unglaublich guten Songs.

Da das Quartett vor allem in den vergangenen Jahren vornehmlich in Ton- statt in Filmstudios unterwegs war, lassen sich Pærish beim Schreiben ihrer Songs nun – mal mehr, mal weniger direkt – vom Kopfkino-Flimmern der weiten Filmwelt inspirieren (so etwa auch beim Bandnamen, zu welchem sich Pærish durch den von Robin Williams in „Jumanji“ verkörperten Charakter Alan Parrish inspirieren ließen). Newcomer sind die Franzosen aber keineswegs – bereits mit ihrem 2016 erschienenen Debüt „Semi Finalists“ schaffen sie es ins Vorprogramm von Bands wie Sum 41 oder den Silversun Pickups. Mit „Fixed It All“ dürfte es hoffentlich sogar noch höher hinausgehen, denn Will Yip (La Dispute, Pianos Become The Teeth, Tigers Jaw), der beim Erstling bereits fürs Mastern verantwortlich war, ist genau der Richtige, um ihre Songs mit seinem Trademark-Sound auf ein neues Level zu bringen. Gitarren und Bass klingen vor allem in den tiefen Tönen satt und wuchtig mit zeitlosem Grunge-Fuzz oder, wenn sie clean bleiben, mit leicht shoegazigem Hall wie bei den späteren Title Fight. Auch das Schlagzeug tönt groß und raumfüllend, wie im Intro von „Violet“, wo es allein für sich steht. Pærish scheuen keine dissonanten Akkordfolgen, die so aufgekratzt sind, wie es vor allem im Neunziger-Alternative-Rock üblich war. Diese Spannung geht fast immer in Refrains auf, in denen Sänger Mathias Court nicht nur ähnlich klingt wie Jim Adkins, sondern auch ein vergleichbares Talent für Melodien unter Beweis stellt wie der Jimmy Eat World-Frontmann. Klares Ding: Mit denen gehören Pærish als nächstes auf die Bühne. Ein Song wie „Archives“ wäre in einer besseren Musikwelt ein verdammter H.I.T., die „Journey Of The Prairie King“ dürfte gern niemals enden, „You & I“ punktet mit Patrick Miranda von Movements als Gast.

Unterm Strich steht ein Zweitwerk mit zehn eindringlichen, intensiven Stücken einer am internationalen Punkrock-Niveau schnuppernden Band, die weder die harten Gitarren noch das nötige Quäntchen Kitsch scheut. Je pense que ça me plaît.

Rock and Roll.

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Für ein Hundeleben – Neues Local Natives-Video zu „You & I“


ScreenShot aus "You & I"

Kinners, damit haben die Jungs mich gekriegt! Denn die Geschichte des „letzten Hunds auf Erden“, für den es sich im wahrsten Wortsinn bald ausgehechelt hat, ist wirklich herzzerreißend… Ist auch alles drin in dem viereinhalbminütigen Musikvideo zur aktuellen Local Natives-Single „You & I“, zu dem die Band aus dem sonnigen Kalifornien auch gleich noch die Story lieferte (Regie führten Daniel Portrait und Kamp Grizzly): große Momente, große Emotionen, Trauer, Wut, eine Klimax – und ein Happy End, bei dem sich das Herz eines jeden Hundefreundes vor Freude ein Steak abfeiern dürfte…

Wem das US-amerikanische Indierock-Viergespann der Local Natives noch kein Begriff sein sollte, dem sei geraten, sich das dazugehörige – zweite und im Januar diesen Jahres erschienene – Album „Hummingbird“ anzuhören, welches die Band im Studio von The National-Gitarrist Aaron Dessner aufgenommen hat, und dann auch gleich von ihm produzieren ließ (hört man irgendwie auch deutlich raus, wie ich finde).

Wer Referenzen mag: Man nehme vertrackte Indierock-Rhythmen wie die der Antlers, Grizzly Bear oder Radiohead, beschichte diese mit Fleet Foxes’schem Harmoniegesang, achte stets darauf, dass künstlerischem Anspruch und seelischem Tiefgang zu jeder Zeit eine nonchalante Note verliehen wird, dabei jedoch auch der mitreißende Pop-Faktor nach Mumford&Sons’scher Art nie zu kurz kommt – et voilà!

 

 

Rock and Roll.

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