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„Choose Love“ – Denn hinter anonymen Zahlen stecken Menschen und ihre Schicksale


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„Refugees, activists and actors come together to #chooselove

Bei all den Debatten über Flüchtlingsquoten, Migranten in einer für sie komplett neuen, westlichen Kultur sowie das generelle Für und Wider der Tatsache, dass wir nun plötzlich nicht mehr ganz für uns sind in unserer Wohlstandsgesellschaft vergessen wir oft, dass hinter all den anonymen Zahlen tatsächlich Menschen stecken. Menschen, die oft ihre Familien zurück gelassen oder – schlimmer noch – zu großen Teilen verloren haben. Menschen mit tragischen Schicksalen, die ohne das Zutun der westlichen Welt wohl nie und nimmer aus ihrer Heimat geflohen wären. Dass verachtenswerte Arschkrampen – Pardon my French – wie die Hohlköpfe von AfD und Co. die Ängste deutscher Bundesbürger ausnutzen und mit diesen böses Spiel treiben, macht das Ganze nur noch bitterer (soll hier aber nicht weiter ausgeführt werden, Diskussionen dazu gibt’s bereits anderswo zur Genüge)…

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Glücklicherweise gibt es jedoch Organisationen wie „Help Refugees„, welche es sich auf die Fahnen geschrieben haben, den etwa in Griechenland und im französischen Calais gestrandeten Flüchtlingen so gut es denn geht zu helfen – sowohl, was die Erstversorgung mit Nahrungsmittel betrifft als auch die medizinische Hilfe. Denn die Situation ist noch immer alles andere als unter Kontrolle:

„We are currently living in a refugee crisis unseen since the Second World War. The UN estimates that 65.3 million people are now refugees, seeking asylum, or internally displaced.“

Wer also gegen Ende des Jahres noch den ein oder anderen Euro übrig haben sollte und – gerade zu Weihnachten – mal etwas Sinnvolleres geben möchte das das x-ten Paar Socken oder den y-ten Flakon Parfüm, der darf sich gern folgenden Spot von „Help Refugees“ in Gedächtnis rufen und spenden, denn auch kleine Summen können viel bewirken – und sei es nur, um das eigene Karma ins Lot zu bringen. Danke gegebenenfalls schonmal von mir.

 

 

 

Rock and Roll.

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Dziadek lernt jetzt Englisch – Wie ein polnischer Werbe-Opa das Internet rührt


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Same procedure as last year? Nun, zumindest hat der „Edeka-Opa“ aus der Weihnachtswerbung des vergangenen Jahres einen würdigen Nachfolger. Allerdings kommt der neue „Großvater der Werbung“ von den polnischen Nachbarn…

Nachdem der deutsche Einzelhändler Edeka im vergangenen Jahr die rührende Geschichte eines einsamen Großvaters erzählt hat, legt nun ein polnisches Unternehmen nach. Denn auch im neusten Werbespot von Allegro, dem polnischen Pendant zum Online-Versandriesen Amazon, geht es um einen Großvater. Doch anstatt seine Familie mit einer gewitzt-firesen Finte zu sich zu locken, wie es der „Edeka-Opa“ 2015 tat, wird der alte Herr aus Polen selbst aktiv.

So bestellt sich der rüstige Rentner via Internet ein ganzes Lern-Set „English for Beginners“ – „Englisch für Anfänger“ – inklusive CD, Buch und Kopfhörer. Und dann legt er los: „I am, you are, he, she, it is“, dekliniert er das Verb „to be“ durch.

Am Blumentopf, an der Tasse, an der Toilette, ja, selbst an seinem Hund befestigt er kleine gelbe Klebezettel mit den entsprechenden Vokabeln. Man verzeiht es ihm, dass er die Vokabeln „fork“ und „knife“ verwechselt und seine Computermaus zunächst „cat“ -„Katze“ – nennt. In seiner Wohnung, in der Badewanne und unterwegs im Bus lernt er Englisch – und sagt versehentlich, ganz in Gedanken beim Neuerlernten einem weiblichen Fahrgast: „I love you. You are perfect.“

Wozu der ganze Aufwand, fragt sich der Zuschauer während des Werbespots. Erst ganz am Ende, als der grauhaarige Mann nach England reist, gibt’s die Auflösung…

Mehr als 2,7 Millionen Mal wurde das Video seit Ende November auf YouTube bereits angesehen. „Das ist das Reinste, was ich je gesehen habe“, lobt ein User, während ein anderer kommentiert: „Das ist die beste Werbung des Jahres.“ Nun, auf jeden Fall ist’s die wohl besinnlichste…

 

 

Rock and Roll.

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Ein Zug, ein Schneesturm und Adrien Brody – Wes Andersons neuer Weihnachtswerbespot


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Jetzt konnte also auch Wes Anderson nicht widerstehen.

Der 47-jährige US-amerikanische Starregisseur („Grand Budapest Hotel“, „Darjeeling Limited“, „Die Tiefseetaucher“) hat für ein großes schwedisches Modehaus einen Werbespot gedreht. Genauer: Einen Weihnachtswerbespot.

Dass Anderson dabei nicht einfach schnöd-simpel Klamotte für Klamotte abfilmen würde, dürfte von Vornherein klar gewesen sein. Stattdessen hat er sich seinen Buddy, Oscar-Preisträger Adrien Brody („Der Pianist“), der ja auch schon bei „Grand Budapest Hotel“ und „Darjeeling Limited“ mit von der Partie war, geschnappt und einen knapp vierminütigen, ebenso dezent besinnlichen wie dezent speeligen Kurzfilm in bester Wes-Anderson-Retro-Manier gedreht, welcher einmal mehr zwei von Andersons scheinbaren Vorlieben verbindet: das Zugfahren und für US-Amerikaner seltsam anmutende Regionen im Ausland (diesmal scheint der Spot irgendwo in Deutschland zu spielen).

Was wohl nur den Wenigsten bekannt sein dürfte: Es ist bei Weitem nicht der erste Werbefilm, bei dem Anderson Regie führt. In den vergangenen Jahren drehte der 47-Jährige bereits Commercials für Marken wie American Express, Ikea, Hyundai, Stella Artois und Sony Mobile – freilich stets zu seinen Regeln und mit den typischen Trademarks, welche seit jeher auch seine wie in Weichzeichner-Traumwelten spielenden Filme auszeichnen…

 

 

Rock and Roll.

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Weihnachten, oh du einsame – der neue EDEKA-Spot zum Motto #heimkommen


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Man mag’s kaum glauben, denn wie jedes Jahr kommt’s auch in diesem wieder ziemlich unverhofft: Weihnachten rückt näher und näher und langsam tauchen auch die ersten weihnachtlichen Werbespots auf. So wie der von EDEKA, welcher obendrein ungewöhnlich emotional ist und für den ein oder anderen Denkanstoß gut sein dürfte. Unter dem Motto #heimkommen (ja, selbst bei EDEKA haben sie nun die Hashtags für sich entdeckt) wird uns eine traurige Geschichte erzählt. Hauptperson ist dieser Mann. Er ist nicht mehr der Jüngste und doch tut er alles, um mit seinen Kindern und Enkeln die Weihnachtszeit zu genießen. Es wird geschmückt, gekocht und dekoriert – aber am Ende sitzt Opa dann jedes Jahr allein am Tisch.

„Wir werden es Weihnachten dieses Jahr wieder nicht schaffen“ – immer diese Ausreden. Also wird Papa (slash Opa) immer wieder aufs nächste Jahr, aufs nächste Fest vertröstet. Dabei sollte doch kein Weg zu weit sein und kein Termin wichtiger als bei der Familie zu sein. Was macht man also, wenn die Lieben einen schon vor längerer Zeit mehr so auf die Reservebank verbannt haben? Wenn die Familie ihr eigenes, hektisches Leben hat und sich nur noch selten meldet? Opa beschließt: nun ist’s genug mit den einsamen Festtagen – und schmiedet einen wahrhaft todsicheren Plan…

 

 

Rock and Roll.

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Vorsicht vs. Nachsicht – Darf der Schwabenstern werbewirksam das Hakenkreuz platt machen?


Foto: Tobias Haase

Foto: Tobias Haase

Werbung muss auffallen, sich – bestenfalls – innerhalb weniger Sekunden vom restlichen Werbefilmcheneinerlei als mal nervige, mal willkommene Unterbrechung von Filmen, Fussballübertragungen oder Fernsehsendungen absetzen und unterscheiden. Ob sie das am Ende durch große Effekte, starke Bilder, plumpe Emotionshascherei oder gar zweischneidige Provokation tut, steht auf einem anderen Blatt…

Speziell der deutsche Autobauer Daimler hat sich seine Werbekampagnen in den letzten Jahren einiges kosten lassen – und mit dem investierten Geld auch den ein oder anderen gelungenen Werbespot produzieren lassen. Man erinnere sich da zum Beispiel an jene Reklame, welche vor wenigen Monaten in der Halbzeit des Super Bowl 2013 ihre Premiere feierte. Und die wohl eh schon sauteuren Werbesekunden dürften wohl durch die Beteiligung von Prominenz wie dem Schauspieler Willem Dafoe, Model Kate Upton oder R’n’B-Hüpfer Usher wohl kaum billiger geworden sein… Alles in allem ist die Vorstellung eines neuen Mercedes-Modells jedoch schön anzusehen:

 

 

Nun jedoch sorgt das neuste Ergebnis einer von Daimler unterstützten Förderkampagne für geteilte Meinungen. In dem etwa einminütigen Werbeclip von Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg stoppt die Mercedes-Limousine auf dem Weg durch ein historisch anmutendes Dorf in Österreich dank des Fahrerassistenzsystems automatisch, wenn spielende Kinder auf die Straße rennen. Nur auf den kleinen Adolf steuert das Auto unbeirrt zu – und überfährt ihn. Am Ende bleibt das Kind auf dem Boden liegen, seine Gliedmaßen formen ein Hakenkreuz. Die moderne Limousine verlässt Braunau am Inn, bevor die letzte Einblendung erscheint: „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen.“

Dabei begibt sich das vom 1981 in Dresden geborenen Jungregisseur Tobias Haase geleitete Filmprojekt gleich doppelt auf dünnes Eis: Darf man in einem Werbeclip ein Kind überfahren lassen? Und: Darf man mit einer Person wie Hitler Werbung machen? Am Ende sind wohl die Antworten auf diese Fragen immer auch eine nach Pietät und Humorverständnis. Die Macher des Clips mussten in das Video auf ausdrücklichen Wunsch des Autoherstellers nachträglich Hinweise einfügen, dass Daimler mit dem Spot nichts zu tun hat. Und auch die Stellungnahme des schwäbischen Konzerns fiel erwartetermaßen reserviert aus: „Wir sind der Überzeugung, dass es unangemessen ist, den Tod eines Menschen beziehungsweise eines Kindes sowie Inhalte mit einem Bezug zum Nationalsozialismus in einem Werbespot zu verwenden, auch wenn es sich hier nur um einen ‚fiktiven‘ Werbespot handelt.“

Meiner Meinung nach dürften gern mehr solcher Werbespots im bundesdeutschen Fernsehen laufen. Denn so provokant diese Reklamesekunden auch sein mögen, so versteht am Ende doch jeder Zuschauer die mehr oder minder unterschwelligen Botschaften. Plus: Die tatsächlich beworbene technische Neuerung wird ebenso höchst schwarzhumorig wie anschaulich erklärt. Oder wie es der Macher Tobias Haase ausdrückt: „Es gibt unglaubliches Potenzial, tolle Filme zu machen, aber die Firmen wollen zumeist ihre technischen Neuerungen gezeigt haben. Das ist langweilig.“ Witzig, ironisch, innovativ, einprägsam – und Daimler dürfte es – Abstandnahme hin oder her – am Ende wohl mehr positive als negative PR gebracht haben. Wer sich da aufregt, ist kleinkarierter Spießbürger aus Berufung…

 

 

Rock and Roll.

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