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Moment! Aufnahme.


urban-outfitters

Was anmutet wie die übrig gebliebene, in seltsamen Ehren gehaltene Reliquie der letzten legendär-mitternächtlichen Universitätskneipenschlägerei, wurde so tatsächlich kürzlich von der US-amerikanischen Modemarke „Urban Outfitters“ auf deren Onlinestore zum Kauf angeboten – als unikater Vintage-Pullover zum Preis von umgerechnet 100 Euro. Und auch der Schriftzug der Kent State University ist wohl kaum zufällig aufs Leibchen gelangt, erlangte diese doch vor vielen Jahren traurige Berühmtheit: Im Mai des Jahres 1970 fand an der Universität im US-Bundesstaat Ohio ein schreckliches Blutbad statt, bei dem vier Demonstranten von der Nationalgarde erschossen wurden, neun weitere wurden teils schwer verletzt.

Wie bereits erwähnt, gab es Medienberichten zufolge nur ein einziges Exemplar des geschmacklosen Langarmshirts. Wie das „People Magazine“ berichtet, sei dieses kurze Zeit später für knapp 425 Euro bei eBay angeboten worden, fand jedoch – weshalb auch immer, eventuell haben wohl auch Fashionistas Skrupel – keinen Abnehmer.

Das Modelabel selbst nahm kurze Zeit später via Twitter Stellung. Niemals habe man einen Bezug zum Massaker an der Kent University herstellen wollen. (Natürlich nicht!) Vielmehr sei das Shirt Teil der sonnengeblichenen Vintage-Kollektion, und auch bei den roten Flecken handele es sich nicht um „Blutflecken“, sondern reguläre Farbfehler. (Schon klar…) Eine ziemlich lasche und fadenscheinige Erklärung, die lediglich erahnen lässt, wie krankhaft öffentlichkeitsgeil und erfolgsgierig manch ein selbsternannter „Designer“ heutzutage sein mag.

Und auch die unfreiwillig mit in die nach Aufmerksamkeit heischende Kampagne einbezogene Universität ließ diesen gürtellinientiefen „Gag“ nicht auf sich beruhen. „Wir nehmen es einem Unternehmen sehr übel, wenn es unseren Schmerz für seine Publicity und seinen Profit benutzt. Dieses Produkt ist weit mehr als schlechter Geschmack und trivialisiert den Verlust von Leben, der die Gemeinschaft der Kent State University auch heute noch schmerzt“, heißt es in einem Statement der Kent State University.

Nach den seit Jahren immer mal wieder bewusst um das Augenmerk der Öffentlichkeit buhlenden Plakat-Kampagnen von „Benetton“ oder – jüngst – den *hust* umstrittenen KZ-Kindershirts von „Zara“ hat Urban Outfitters nun wohl ein neues Level an Geschmacklosigkeit erreicht. Luxusprobleme, ganz und gar „first world“? Sicherlich. Dennoch sollte es einen zumindest traurig stimmen, wie abgestumpft unsere Gesellschaft mittlerweile sein muss, dass Modelabels zu solche drastischen und widerlichen Mitteln greifen müssen, um sich ihre drei Augenblicke medialer Aufmerksamkeit zu erkämpfen. Die einen finden’s genial, die anderen schütteln einfach nur noch den Kopf… Schöne neue Modewelt – du hast den Arsch mal sowas von weit offen.

 

(Ein klein wenig ausführlicher widmet sich die Online-Ausgabe des „Stern“ hier dieser Meldung. Und für all jene, denen vom Kopfschütteln noch immer nicht der Schädel dröhnt, hat digiday.com hier eine „Low 5“ der Modesünden auf der – leider – nach unten weiterhin offenen Geschmacklosigkeitsskala zusammengefasst…)

 

Rock and Roll.

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Couchsurfing ahoi! – „Auf 3 Sofas durch“ die Metropolen der Welt


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„Großstadt-Reportagen intim und hautnah. Thomas bekommt die Aufgabe, in jeder Stadt, die er bereist, 3 Sofas zu finden. Also 3 Gastgeber, die ihn bei sich in der Wohnung übernachten lassen und die ihm ihre Lieblingsplätze, Bars und ihre Geheimtipps zeigen…“

Man kennt das ja: Da hat man mal ein, zwei Wochen frei vom Job und all dem tristen 9-to-5-Alltagstrott, möchte eine der angesagten Städte – nein: Metropolen! – dieses weitläufigen Erdballs bereisen und innerhalb kürzester Zeit möglichst viele Must-see’s (also die touristischen Allgemeinplätze, die man sonst nur von Postkarten und Reiseführern kennt), aber auch – und wohl vor allem – Geheimtipps abklappern und bestenfalls ein wenig in das lebendige Pulsieren und schnelllebige Treiben der jeweiligen Großstadt eintauchen. Das Problem, wie so oft: der schnöde Mammon. Freilich hat der Weg zum Ziel – ob nun per Bus, Flug oder Zug – schon einen beträchtlichen Teil der Reisekasse gefressen und – jawoll! – auch auf Reisen werden einen wohl Luft, Neugier und die Liebe zum Fernweg allein nicht satt machen… Nur zu gut, dass für all die kontaktfreudigen, zum Experiment bereiten „Urban Natives“ seit einiger Zeit die Lösung in einem ganz besonderen Phänomen liegt: Couchsurfing. Heißt: Man meldet sich bei einer weltweiten Online-Plattform an, erstellt ein Profil, bietet – nach Möglichkeit – seine eigene Couch für reiselustige Fremde zur Übernachtung an und erhält im Gegenzug die Chance, auch seinerseits auf der Liegemöglichkeit eines Fremden in einer fremden Wohnung und einer fremden Stadt zu nächtigen. Kosten: gleich null. Risikofaktor: natürlich vorhanden. Denn obwohl man im Vorfeld mit dem oder der Anderen in Kontakt treten und sich anhand weniger Sätze digital „beschnuppern“ kann, weiß man freilich nicht, wer – und was! – einen erwartet. So kann der Reisende ebenso eine bierbesudelte Winzcouch in einer ranzigen Punkerbude vorfinden wie der Gastgeber eine wandelnde Läusezuchtstation (woraufhin beide Seiten den Austausch freilich auch abbrechen können, es geschieht ja alles komplett freiwillig). Spannend, angenehm anders und preiswert ist’s – vor allem für junge Individualreisende – allemal…

auf 3 sofas (moskau)

Diesem losen Prinzip des Couchsurfing-Reisens liegt auch die EinsPlus-Sendereihe „Auf 3 Sofas durch…“ zugrunde. Moderator Thomas Niemietz, Jahrgang 1977, studierter Architekt und bewährter Radio- und TV-Journalist (etwa für die SWR-Sendung „DASDING“ oder die ARD-Reihe „Mit 1000 Euro um die Welt“), bekommt für seine Reisen lediglich drei elementare Dinge in die Hand gedrückt: Zug- oder Flugtickets zum Ziel, einen Account beim Couchsurfing-Portal und eine handliche Videokamera (okay, eventuell mögen da noch ein unsichtbarer Kameramann und ein klein wenig Reisegeld im Spiel sein, aber sei’s drum). Mit diesen „Waffen“ macht er sich auf in die angesagtesten Metropolen dies- wie jenseits des Atlantiks, immer in der Hoffnung, möglichst viele neue Eindrücke zu gewinnen. Denn die auserwählten Couchsurfer dienen Niemietz nicht nur als bloße kostengünstige Übernachtungsmöglichkeit, er lässt sich von ihnen auch ihren Alltag in der jeweiligen Großstadt, ihre Lieblingsplätze und so allerhand Geheimtipps abseits der gängigen Touristenpfade zeigen. Und so klettert Niemietz mal über die Absperrungszäune einer verlassenen U-Bahn-Station, um einen wunderbaren Blick über Moskau zu erhaschen, lässt sich und seinen deutschen Tretern in der argentinischen 13-Millionen-Metropole Buenos Aires das Tangotanzen beibringen, sieht sich im gar nicht mal so weitläufigen isländischen Reykjavik unvermittelt mit der nationalen Delikatesse, einem gekochten Schafskopf, konfrontiert oder trifft in „good old Britannia“ auf eine gebürtige Lettin, die im wohl kleinsten WG-Zimmer Londons wohnt.

Bislang haben die etwa halbstündigen Doku-Reportagen, welche seit 2012 auf dem vom SWR verantwortete ARD-Digitalkanal EinsPlus laufen, den kontaktfreudigen Thirtysomething in Metropolen wie Rom, Moskau, London, Buenos Aires, Istanbul, Amsterdam oder Barcelona geführt, aber auch für eher ungewöhnliche Reiseziele wie Marrakesch, Helsinki, Riga, Tel Aviv oder Reykjavik hat sich Niemietz bereits einen Stempel ins seinem Reisepass verdient. Sein aktuellstes Vorhaben scheint im Übrigens kaum weniger spannend: das indische Mumbai – mit immerhin 12,5 Millionen Einwohnern eine der bevölkerungsreichsten Städten der Welt…

Alles in allem bietet „Auf 3 Sofas durch…“ allerhand jugendlich-leichte, auf Kurzweil getrimmte Information mit Hang zu vielfältigen, lebensnahen und wenig geschönten Eindrücken von den Städten, in denen man vielleicht selbst schon war, diese jedoch selten (oder gar noch nie) mit den Augen eines vom Fernweh getriebenen Couchsurfing-Globetrotters gesehen hat. Gute Unterhaltung der sympathischen Art bekommt man bei diesem TV-Format, für welches die GEZ-Gebühren einmal nicht umsonst den öffentlich-rechtlichen Lokus herunter gespült wurden, allemal geliefert.

Wer mag, kann sich die bisher abgedrehten Episoden sowohl auf der EinsPlus-Seite als auch auf dem Youtube-Kanal von „Auf 3 Sofas durch…“ ansehen – und sich so ein kleines Stück vom Leben auf der großen weiten Welt auf die eigene heimische Couch holen. Couchsurfing ahoi!

sofa_london

 

Da ich selbst im südlichen Zipfel der Niederlande wohne, gibt es hier zur Einstimmung auf „Auf 3 Sofas durch…“ Thomas Niemietz‘ Stippvisite in der Stadt der roten Meilen, Coffee Shops, Holzschuhe und Grachten: in Amsterdam…

 

Rock and Roll.

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