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Moment! Aufnahme.


(gefunden bei Instagram)

Es sind erschreckende Szenen, die sich am gestrigen Mittwoch in der US-Hauptstadt abspielten. Szenen, die mindestens zum Kopfschütteln anregen. Weil der Demokrat Joe Biden nachweislich die Präsidentschaftswahlen im vergangenen November gewonnen hat und so einige Trump-Anhänger*innen und Patriotismus-Schwurbler diese Realität weder glauben noch annehmen möchten, brachen sie, aufgewiegelt und aufgefordert durch den Wahlkampfverlierer höchstselbst, in den US-Kongress in Washington, D.C. ein – ein Ereignis, welches man wohl in einer der oft genug von den US of A höchstselbst ins Feld geführten „Bananen-Republiken“ erwarten würde, nicht jedoch in der selbstberufenen „größten Demokratie der Welt“ (was selbst Ex-Präsident George W. Bush zu einem entsetzten „Bananen-Vergleich“ veranlasst). Während sich also der Mob ohne größere Probleme seinen Weg in den US-Kongress bahnte, sah man unvorbereitete, überforderte, aber vor allem vergleichsweise zurückhaltende Sicherheitsleute – und das ausgerechnet in jener Stadt der Vereinigten Staaten mit dem höchsten Pro-Kopf-Aufkommen von Polizisten (rund 2.000 sollen es sein, und jeder von ihnen sei freilich für „terroristische Angriffe“ geschult). Besser sogar: einer von jenen Sicherheitsleuten ließ sich, wie ein Video zeigt, sogar für ein Selfie mit einem Trump-Anhänger gewinnen.

Mehrere Personen des Mobs posierten nach ihrem gewaltsamen Einbruch an den Schreibtischen der Politiker*innen, verwüsteten Büros, entwendeten Rednerpulte. Viele von ihnen, wie etwa der mit freiem Oberkörper und behörnter Fellmütze auftretende rechtsradikale Selbstdarsteller Jake Angeli, trugen dabei rechtsextreme Losungen und Symbole (hier ein Beispiel) oder solche wie die der „QAnon„-Bewegung auf ihrer Kleidung (nebst so einigen Flaggen, freilich). Es sind Geschehnisse, die einem die vermeintliche weiße Vorherrschaft (oder das Aufbäumen verzweifelter weißer Rednecks) und die immer tiefer gehende gesellschaftliche Spaltung in den US of A wohl kaum treffender vor Augen führen könnten – eine bittere Ungerechtigkeit, die auch seit Stunden das Internet beschäftigt (und freilich auch die Nachrichten diesseits des Atlantiks beherrscht). Dass so etwas in Deutschland möglich ist? Wissen wir natürlich aus jedem Geschichtsbuch, und aus jüngerer Vergangenheit spätestens seit August 2020. Was das für die Zukunft bedeutet? Wird sich in ebenjener zeigen.

Alles scheint eben – mittlerweile – denkbar, wenn der tumbe Terror-Mob vorm Banner ihres eigenen vermeintlich „patriotischen“ Irrglaubens willig wüten mag, und der wahre Brandstifter, der spätestens nun allem menschlichen Abschaum Tür und Tor geöffnet hat, (noch) im Weißen Haus sitzt:

Vier Tote soll es geben haben. Und es gehört wohl wenig Fantasie dazu, um zu behaupten: Wäre der Mob nicht mehrheitlich weiß gewesen, so hätte es die Todesfall gut und gern ein zweistelliges Maß erreicht. Das bezweifelt nur derjenige, der das letzte Jahr selig unterm Stein geschlummert hat… Es ist ein wahnwitziges Possen-, ein Trauerspiel – mit überaus offenem Ausgang.

Rock and Roll.

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Tick tock, tick tock…


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(gefunden bei Facebook)

 

Wäre bei mir wohl kaum anders…

 

Rock and Roll.

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Punk Rock these days…


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(gefunden bei Facebook)

 

Macht das Greg Graffin, Brett Gurewitz und Co. dann automatisch zu Dad-Rockern? Schließlich gehen die LA-Punkrocker – Hymnen wie „Sorrow„, „Punk Rock Song“ oder „Infected“ und sozialkritischer Text-Biss hin oder her – ja bereits stramm auf die kahlköpfigen Sechzig zu…

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Screenshots – „Wir lieben uns und bauen uns ein Haus“


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Die „Generation Internet“ fördert ja vor allem im musikalischen Bereich so einige interessante Entwicklungen und – gerade durch die Brille gesetzterer Semester – gruselige Neuschöpfungen zutage. Da werden Charts derart durch Klick-Baits und Streaming-Eintagsfliegen verunstaltet, dass selbsternannte „Künstler“, von denen wohl außerhalb ihres Genres (geschweige denn ihrer digitalen Fan-Crowd) bislang kein – pardon my French!Schwein je gehört hat, plötzlich als mehrfache Nummer-eins-Hit-Lieferanten geführt werden. Wo interessierte Hörer früher noch vor Plattenläden Schlange stehen mussten, reichen heute drei, vier Klicks, um Zugang zu ganzen Diskografien zu erlangen. Regnet’s draußen? Stört mich nicht. Keine saubere Hose? Brauch‘ ich nicht. Ach du schöne neue Netzwelt…

Ebenso frisch ins Sortiment der tönenden Neuschöpfungen genommen: Die „Twitter-Band“. Gibt’s nicht. Doch, doch. Und wer nun ebenso Unsägliches befürchtet wie etwa beim Thema „Cloud Rap“, den belehren The Screenshots eines Besseren.

Deren drei Teile, die sich relativ nonchalant Kurt Prödel, Susi Bumms und Dax Werner nennen, lernten sich vor nicht allzu langer Zeit dank ihres jeweils recht regen Mitteilungsbedürfnisses auf dem US-Mikrobloggingdienst mit dem hellblauen Vögelchen im Logo kennen. Und da alle rein zufällig Hausschlüssel für Türen in der „Powerstadt“ Krefeld besaßen, beschlossen sie, denn mal eben eine Band zu gründen.

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So viel breitbandbetriebener Sinn für schnellschießende Slogans und Schnapsideen kann schnell schal bis – jawoll! – scheiße klingen – tut es jedoch im Fall von The Screenshots nicht (oft). Im besten Fall liefern Kurt Prödel, Susi Bumms und Dax Werner auf ihren im vergangenen Jahr via Bandcamp veröffentlichten (Mini-)Alben „Ein starkes Team“ und „Übergriff“ (beide liegen mit Längen von gerade einmal 18 beziehungsweise 24 Minuten ganz im Trend aller urbanen ADHS-Hipster-Fashionistas und stehen via Bandcamp wahlweise kostenneutral zur Verfügung) zu rumpeligem Punkrock und mit sich überschlagender Stimme mantraartig vorgetragene Plattitüden aus der digitalen Welt und offenbaren an manch einer Stelle durchaus tiefenscharfe Analysen des Jetzt.

Da ist einiges an ähnlich intelligentem Stumpfsinn, der einst zu den Geburtshelfern des deutschen Punk (Duftmarken: Hans-A-Plast, Abwärts) gehörte, viel Lust an dezent dadaistischem Sarkasmus, eine Prise Lebenswichtigkeit, die Rockmusik hin und wieder für sich reklamiert, das schmelzig-schroffe „Duhuhu“ des Schlagers, aber auch eine an „Hamburger Schule“-Bands wie etwa Tocotronic oder Blumfeld erinnernde Ahnung von Wut und Irritation, die die Songs proberaumig rumpeln lässt. Denn was irgendwo rumort, muss schließlich raus, die wahren Themen liegen ja auf der Straße: Liebe, Geld, Europa, Fußball. „Manchmal ist auch eine WM in einem anderen Land, dann grillen wir dicke Würstchen, und zünden dann was an.“ Viele kleine Antithesen zu den Tweets eines Donald J. Trump…

81uHkPLy6hL._SY355_Wenig verwunderlich also, dass The Screenshots, die beide Digital-Werke im vergangenen Dezember ganz großstädtisch und hipster-esk noch einmal auf der „Europa LP“ gebündelt veröffentlicht haben (obwohl laut eigener Aussage keiner der drei einen Plattenspieler besitzt), vor allem in der digitalen Welt allerhand Kuss-Emojis zufliegen. So bescheinigt „ZEIT Online“-Schreiberling Lars Weisbrod den Krefeldern “Diskurspop auf der Höhe der Zeit”, „Rolling Stone“-Redakteur Jens Balzer hörte in Stücken wie „Deutschland„, „Fußball ist cool„, „Cornetto“ oder „Männer“ gar den “aufregendsten deutschsprachigen Gitarrenrock der Stunde”, der sich „unironisch ins Mark der Postinternet-Generation” (sehrsehrgutetexte.com) spielt. Und Jan Böhmermann? Der holte die Band, nachdem sich diese zu Stammgästen in seiner Spotify-Playlist entwickelten, gar für ihren ersten TV-Auftritt überhaupt in sein „NEO Magazin Royale“, wo The Screenshots im vergangenen Dezember den Song „Google Maps“ zum Besten gaben. Wenn man bedenkt, dass das Trio mit seinem Liedgut, bei dem man sich nie so ganz sicher sein kann, ob da nun übermäßig viel oder besorgniserregend wenig Ironie mit an Bord ist, ähnlich oft auf der humorigen Rasierklinge tanzt wie ebenjener Jan Böhmermann und sein Kreativteam, passt das bestens.

Nee, The Screenshots wollen ganz sicher keine ewiglichen Meisterwerke liefern. Aber mit ihren Zeitgeist-Kommentaren aus der Post-Internet-Punk-Perspektive surfen Kurt Prödel, Susi Bumms und Dax Werner verdammt stilsicher auf ihrem tönenden hellblauen Vögelchen…

 

 

Für das Musikvideo zum neuen Song haben The Screenshots – Newcomer hin, Newbies her – echte Starpower versammelt, schließlich stehen da Indieschuppen- und Stadionrock-Größen wie Thees Uhlmann, Judith Holofernes, Olli Schulz, Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg oder Die Ärzte in piefiger Baumarkt-Kulisse Spalier – irgendwie. Glaubste nicht? Schauste hier:

 

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Rock and Roll.

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