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Zitat des Tages


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(gefunden bei Facebook)

 

„Ich hab‘ geträumt, der Krieg wäre vorbei. Du warst hier, und wir waren frei…“ (aus Ton Steine Scherbens Evergreen „Der Traum ist aus„)

 

Heute wäre der große Rio Reiser, der 1996 viel, viel zu früh verstarb, 70 Jahre alt geworden. Und bleibt natürlich nicht nur an diesem Januartag, und wegen Zeilen wie diesen: unvergessen. (Nicht ohne Grund halten Künstler wie Seligs Jan Plewka – seines Zeichens Deutschlands wohl würdigster Reiser-Erbe – oder unlängst Frederick Lau das anno 1972 auf dem Scherben-Standardwerk „Keine Macht für Niemand“ erschienene Stück mit jeder Menge Herzblut und Überzeugung im Hier und Jetzt. Nicht ohne Grund wird etwa auf laut.de aus heutigem gegebenem Anlass an einen der prägendsten und einflussreichsten deutschsprachigen Musiker erinnert. Nicht ohne Grund findet man etwa hier beim „Weser Kurier“ eine ausführliche Würdigung der zeitlebens zwar keineswegs widerspruchsfreien, jedoch stets aufrecht linken Ton Steine Scherben-Stimme. Und auch wenn man sich das Gesamtwerk von Ralph Christian „Rio Reiser“ Möbius durchaus erarbeiten muss – ich schreibe da aus Erfahrung -, so fehlt einer wie er in der bundesdeutschen Musik- und Kulturlandschaft noch heute…)

 

 

„Ich hab‘ geträumt, der Winter wär vorbei
Du warst hier und wir waren frei
Und die Morgensonne schien
Es gab keine Angst und nichts zu verlier’n
Es war Friede bei den Menschen und unter den Tier’n
Das war das Paradies

Der Traum ist aus
Der Traum ist aus
Aber ich werde alles geben, daß er Wirklichkeit wird

Ich hab‘ geträumt, der Krieg wär vorbei
Du warst hier, und wir waren frei
Und die Morgensonnen schien
Alle Türen waren offen, die Gefängnisse war’n leer
Es gab keine Waffen und keine Kriege mehr
Das war das Paradies

Gibt es ein Land auf der Erde
Wo dieser Traum Wirklichkeit ist?
Ich weiß es wirklich nicht
Ich weiß nur eins und da bin ich mir sicher:
Dieses Land ist es nicht
Dieses Land ist es nicht

Der Traum ist ein Traum zu dieser Zeit
Doch nicht mehr lange, mach dich bereit
Für den Kampf um’s Paradies
Wir hab’n nichts zu verlier’n außer unser Angst
Es ist uns’re Zukunft, unser Land
Gib‘ mir deine Liebe, gib‘ mir deine Hand“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Neufundland – „Halt dich an deiner Liebe fest“


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Foto: Stefan Braunbarth / Promo

Als junge Band steht man ja heutzutage vor der durchaus spannenden Frage, wie man denn gedenkt, den Sprung ins „große Haifischbecken Musikgeschäft“ zu wagen (so man denn überhaupt die seltene Gelegenheit bekommt, sein schönes Hobby ins Lohnenswert-geschäftliche zu ziehen). Soll man authentisch bleiben, oder sich Trend und Zeitgeist anpassen? Soll man alles aus eigener Hand betreiben, oder sich einem Musikmanagement anvertrauen?

Die Kölner Band Neufundland etwa hat sich – die Frage nach der Authentizität lassen wir mal außen vor, da darf sich jeder gern selbst ein Bild machen – dafür entschieden, dass Landstreicher Booking fortan alles abseits der Bühnenbretter und Studiotüren für sie regeln solle. Keine schlechte Wahl wohl, schließlich hat die Berliner Agentur aktuell so ziemlich alles und beinahe jeden angesagten deutschsprachigen Alternative-Namen in ihrer Kartei: Casper, AnnenMayKantereit, Adam Angst, Kraftklub, Prinz Pi, Captain Planet, K.I.Z, Faber, aber auch internationale Indie-Größen wie We Were Promised Jetpacks, Keaton Henson, Woodkid, The Twilight Sad oder Ron Sexsmith. Eine gute, angesagte Adresse für Neufundland also. Und schenkt man dem artsy-fartsy Optischen Glauben, so lässt sich der 2013 gegründete Fünfer auch gut auf den stylischen Seiten von Intro, Spex, Musikexpress und Co. ablichten…

Halt, stopp! Geht’s hier etwa um Mode? Was ist bitte mit der Musik?

268x0wNun, da hat sich seit der Veröffentlichung ihrer selbstbetitelten Debüt-EP vor zwei Jahren so einiges getan. Damals noch mischten Neufundland verhaltenen Indierock mit kleinen elektronischen Experimenten, was manchmal an Mikroboy, viel öfter an den Pop-Charme von Die Höchste Eisenbahn erinnerte. Diesem Stil bleibt die Band zwar auch auf dem in wenigen Tagen erscheinenden Debütalbum „Wir werden niemals fertig sein“ grundlegend treu, denkt ihre neuen, gemeinsam mit Produzent Tim Tautorat (u.a. AnnenMayKantereit, Olli Schulz, Turbostaat) entstandenen Stücke jedoch weitaus größer und fordernder als noch 2015. Ob man die „kantigen, eigenständigen Sounds“, diese zwölf Mal „krachenden Indie-Rock, der sich nicht am Puls der Zeit bewegen, sondern abarbeiten will“ (Pressetext) ist wohl auch eine Frage der eigenen – gefühlten – Juvenilität…

Zweifellos anders gedacht und gelungen ist Neufundlands bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte Version des Ton Steine Scherben-Klassikers „Halt dich an deiner Liebe fest„. Anstatt eine simple Covervariante am Piano aufzunehmen, entzieht sich die Band mit zwei Sängern, welcher zu allem Überfluss auch noch jeweils Fabian heißen, geschickt dem direkten Vergleich mit dem ewig großen Rio Reiser (oder der ebenfalls recht bekannten Neuinterpretation durch Freundeskreis) und transportiert den Evergreen mit zackigen Gitarren ins Melancholisch-düstere. Zudem sorgte Martin Lamberty, seines Zeichens Haus-und-Hof-Fotograf von AnnenMayKantereit und mittlerweile so etwas wie das „fünfte Bandmitglied“, mit seinem in stylischem Schwarz-weiß gehaltenen Musikvideo, in dem der Songtext von Dolmetscherin Laura M. Schwengber in Gebärdensprache dargestellt wird, für den optischen Zeitgeist.

Kann man so machen.

 

 

Rock and Roll.

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