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Song des Tages: Matt Berninger – „Serpentine Prison“


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Als Sänger von The National ist Matt Berninger schon länger ein Name, den man auf dem Schirm hat (oder, falls bislang unerklärlicherweise noch nicht, dringend haben sollte). Nun hat der 49-Jährige US-Musiker sein erstes Soloalbum angekündigt, das am 2. Oktober erscheinen wird. Vorab veröffentlicht der dauermelancholische Brummler bereits heute den Titelsong „Serpentine Prison“ als Single.

29135Der Song entstand im Dezember 2018, kurz nachdem Berninger die Aufnahmen zum jüngsten The National-Album „I Am Easy To Find“ beendet hatte.  „Ich habe lange Musik für Film, Musials und andere Projekte geschrieben, bei denen ich in den Kopf einer anderen Person eindringen und ihre Gefühle vermitteln musste“, erzählt der umtriebige Musiker, der im vergangenen Jahr außerdem einen gemeinsamen Song mit Indie-Singer/Songwriterin Phoebe Bridgers veröffentlichte, über das Stück. „Das hat mir gefallen, aber ich war bereit, vor meiner eigenen Tür zu kehren, und das war die erste Sache, die dabei herausgekommen ist.“

Den Titel der Platte sowie des Titelstücks erklärt er denn wie folgt: Er „stammt von einem gewundenen Abwasserrohr, das in der Nähe des LAX (Los Angeles International Airport) in den Ozean abfließt. Am Rohr befindet sich ein Käfig, der verhindert, dass Menschen aufs Meer hinausklettern. Ich habe mit Sean O’Brien und Harrison Whitford an dem Song gearbeitet und ihn ungefähr sechs Monate später mit Booker T. Jones aufgenommen. Es fühlt sich an wie ein Epilog, also habe ich die Platte danach benannt […].“

Beim Musikvideo zum Song, in welchem Berninger mit andern Musikern bei der Arbeit im Studio zu sehen ist und dessen Aufnahmen im Earthstar Creation Center in Venice entstanden, war konsequenterweise sein Bruder Tom Berninger für die Regie zuständig. Über die recht komplizierte Beziehung der beiden in recht unterschiedlicher Art und Weise Kreativen gibt es sogar bereits einen abendfüllenden, 2014 erschienenen Doku-Film titels „Mistaken For Strangers„. Auch hier der Tipp: Wer es noch nicht getan hat, sollte sich selbigen unbedingt zu Gemüte führen…

Für das neue Album arbeitete Berninger neben seinen Bandkollegen von The National unter anderem mit Drummer Matt Barrick (The Walkmen, Jonathan Fire*Eater), Bassistin Gail Ann Dorsey (David Bowie, Lenny Kravitz), Multiinstrumental-Singer/Songwriter Andrew Bird sowie Brent Knopf zusammen, mit dem er bereits 2015 als EL VY ein Album veröffentlicht hatte. Produziert wurde „Serpentine Prison“ von Produzent und Multiinstrumentalist Booker T. Jones.

 

 

Rock and Roll.

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Flimmerstunde – Teil 27


„Mistaken For Strangers“ (2013)

mistaken-for-strangers-posterBand Of Brothers… Im Grunde wäre das ein ebenso passender Bandname für die mittlerweile – völlig zu recht! – allerorten gefeierten und gelobten Indierocker von The National, die nach mehr als zehn gemeinsamen Jahren im Musikgeschäft nicht nur keinen einzigen – also: null – Besetzungswechsel im Bandgefüge zu verzeichnen haben, nein, die fünfköpfige Rockkapelle besteht auch fast ausschließlich aus Brüderpaaren: Scott und Bryan Devendorf besetzen die Rhythmuspositionen am Bass beziehungsweise Schlagzeug, die beiden Gitarristen Aaron und Bryce Dessner sind sogar eineiige Zwillinge. Nur der singende Frontmann Matt Berninger bleibt bei diesen Konstellationen aus Rhythmus und Melodie außen vor (wenn er diese Ausnahmestellung als Gesicht der Band nicht per se bereits inne hat). Doch auch der 1971 in Cincinnati, Ohio geborene Sänger mit der herrlich sonoren Ausnahmestimme hat Geschwister: eine Schwester und einen neun Jahre jüngeren Bruder, Tom. Auch Tom hat eine künstlerische Ader (was wohl auch mit dem gefühlt freigeistigen und lockeren Erziehungsstil im Hause Berninger zusammenhängen mag) und sieht sich selbst als „angehenden Filmemacher“. Nur: Ganz im Gegensatz zum älteren Bruder, der als aufstrebender Rockstar mit Frau und Kind im New Yorker Stadtteil Brooklyn lebt, mit seiner Band The National, nach Jahren voller Albumveröffentlichungen und Ochsentouren durch kleinere Clubs, mittlerweile auch kommerziell erfolgreiche Alben veröffentlicht (fünf sind es insgesamt bis 2010, mit „Trouble Will Find Me“ erschien im vergangenen Jahr Album Nummer sechs) und auf den Tourneen rund um den Erdball nun auch große Hallen ausverkauft, wohnt Tom noch immer zu Hause bei den Eltern, lebt in den Tag hinein, träumt kreative Träume und schiebt die ein oder andere Kleinstadtdepression vor dem eigenen Bierbäuchlein her…

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Um den kleinen Bruder ein wenig aus seinem Trott zu reißen, lädt Matt Berninger Tom im Jahr 2010 – The National hatten soeben ihr fünftes Album „High Violet“ veröffentlicht, das es als erstes der Band in vielen Ländern der Welt bis in die vorderen Chartsregionen schaffte – dazu ein, seine Band als Roadie auf der dazugehörigen Welttournee zu begleiten – und das, obwohl Tom in erster Linie Heavy Metal hört und mit der Musik des großen Bruders so gar nichts anfangen kann. Was Matt nicht ahnt: Tom hat sich die ebenso fixe wie lose Idee in den Kopf gesetzt, eine Kamera mit auf Tour zu bringen und aus dem gesammelten Filmmaterial eine Dokumentation zu machen. Über was genau und mit welchem roten Faden? Davon hat der „angehende Filmemacher“ bislang nicht den blassesten Schimmer… Und ebenso blauäugig wie in in sein neustes Regieprojekt taucht Tom auch in die Welt des Indierocks ein, die am Ende weitaus weniger Sex, Drugs und Rock’n’Roll bereit hält, als er es sich bislang, in den Heavy Metal-Fantasien von seinem Kellerzimmer in Ohio aus, erträumt hatte. Außerdem ist da ja auch noch die liebevoll distanzierte Beziehung zu seinem großen Bruder Matt, dem gefragten und vielbeschäftigten Rockstarfrontmann, dem der kleine Bruder nie das Wasser reichen konnte…

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Alles in allem ist „Mistaken For Strangers„, benannt nach einem Song vom vierten, 2007 erschienenen The National-Album „Boxer„, eine ebenso kurzweilige wie etwas andere Musikdokumentation, die in ihren kurzweiligen 75 Minuten zwar, anhand kurzer Tournee- und Aufnahmestudiosequenzen irgendwo zwischen Europa und den USA, einen kleinen Einblick ins bandinterne Innenleben der (beinahe) erschreckend normalen und bodenständigen Typen von The National bietet, am Ende jedoch vielmehr das Verhältnis des so ungleichen Bruderpaares Matt und Tom Berninger beleuchtet. Dabei kommen die Bandmitglieder – allesamt sympathische Herzblutmusiker und Familienväter ohne Allüren und Interesse an angehobenen Außendarstellungen – ebenso vor Toms Kamera zu Wort wie die Eltern der Berningers oder Matts Ehefrau Carin Besser. Man sollte jedoch nicht den Fehler begehen, sich anhand großspuriger Ansagen wie „One of the best documentaries about a band that I’ve ever seen.“ (so wird zmindest „Bowling For Columbine“- beziehungsweise „Fahrenheit 9/11“-Skandaldokumentarfilmer Michael Moore zitiert, der scheinbar noch nicht all zu viele Musikdokus gesehen hat) zuviel Einblicke ins Innenleben von The National zu erhoffen (das wäre wohl auch wenig spannend, bei all der gepflegten Routine zwischen Bühne, Flughäfen und Hotelzimmern) – dem interessierten Fan der Band bietet „Mistaken For Strangers“ also höchstens Bestätigung und wenig Neues. Stattdessen beweist die dieser Tage veröffentlichte Dokumentation am Beispiel der beiden Brüder Matt und Tom, dass Blut – bei noch so unterschiedlichen Lebenswegen und -entscheidungen – am Ende des Tages eben dicker ist als Wasser. Dazu gibt’s allerlei trocken gereichte Szenen, von denen die ein oder andere beinahe schon an (unfreiwilligen) Slapstickhumor heranreicht, und, natürlich: großartige Musik.

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Hier gibt’s den Trailer…

 

…ein paar Eindrücke von der Filmpremiere beim „Tribeca Film Festival“ im vergangenen Jahr…

 

…und ein kurzes Interview von „Huff Post Live“ mit den beiden Berninger-Brüdern:

 

Rock and Roll.

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