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Moment! Aufnahme.


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Und auch das soll keineswegs in Vergessenheit geraten: Am 29. Mai 1997 ging Jeffrey Scott Buckley im Wolf River unweit von Memphis, Tennessee schwimmen, wurde vom Wasser und der Dunkelheit verschluckt, und tauchte nie mehr lebend auf. Im Radio lief „Whole Lotta Love“ von Led Zeppelin, und die (Musik)Welt hatte eine weitere große Stimme verloren (viel zu früh, wie so oft), war jedoch um eine ihrer nicht wenigen Legenden reicher… Tragischere Geschichten als die von Jeff und Tim Buckley kann sich selbst Hollywood kaum ausdenken.

 

 

(Hier schrieb ANEWFRIEND bereits über den 20. Jahrestag von Jeff Buckleys erstem und einzigem zu Lebzeiten veröffentlichten Album „Grace„, und hier ein paar Zeilen zum 16. Todestag im Jahr 2013. Auch gut: dieser Artikel auf spiegel.de über Jeff Buckley. Für alles Weitere sei auf David Brownes Biografie „Dream Brother: The Lives and Music of Jeff and Tim Buckley“ verwiesen…)

 

Rock and Roll.

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Singen mit den Engeln – Jeff Buckleys „Grace“ wird Zwanzig


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Eine der tragischsten Erkenntnisse des Lebens ist wohl, dass dem Gros der Menschen etwas erst richtig und wahrhaftig ans Herz wächst, wenn es plötzlich (oder schon längst) nicht mehr da oder nahbar ist und sie diesem vermeintlichen „Schatz“ nicht mehr habhaft werden können. Insofern ist es auch kaum verwunderlich, dass vor allem Künstler nach deren Ableben zu ikonischen Heroen verklärt werden – und das dann nicht selten von ebenjenen Personen, die kurz vorher noch zu deren schärfsten Kritikern zählten…

Beispiele findet man freilich zur Genüge: Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin, Elvis Presley, John Lennon, Kurt Cobain, Amy Winehouse… you name it. Zu Lebzeiten noch kritisch beäugt, bedrängt und verspottet, erhebt man die Toten zu Säulenheiligen und spült jegliche Kritik den Lokus herunter. Als eine der zweifellos tragischsten Geschichten eines (zu) jung verstorbenen Talents darf jedoch die von Jeff Buckley gelten, der am 29. Mai 1997 im Wolf River, Mississippi im Alter von 30 Jahren ertrank. Warum? Nun, zum einen war sein Vater (den er jedoch nur ein Mal im Alter von acht Jahren mehr oder minder „kennen lernte“) kein Geringerer als der kaum weniger jung und tragisch verstorbene mystische Experimentalfolkmusiker Tim Buckley, zum anderen ruhten Mitte der Neunziger nicht wenige popmusikalische Hoffnungen auf Jeff Buckley, der 1994 mit der Veröffentlichung seines Debütalbums „Grace“ für allerlei Furore in der Musikszene gesorgt hatte. Zur Einschätzung der Tragweite muss der interessierte Hörer nur einmal kurz Wikipedia bemühen:

jeff-buckley-grace„Das Album ist dem Alternative Rock zuzurechnen, die Gitarre ist das dominierende Instrument. Bemerkenswert ist die stilistische Brandbreite, die Buckley und seine Band auf dem Album verarbeiten: neben dynamischen Post-Rock-Balladen wie ‚Mojo Pin‘, Jazz-Klassiker wie ‚Lilac Wine‘ (bekannt durch Nina Simone) lassen sich ein Stück von Benjamin Britten, zügigem Folk-Rock wie ‚Last Goodbye‘, eine Solodarbietung von Leonard Cohens ‚Hallelujah‘ (dessen Arrangement er von John Cale übernahm und stark reduzierte) und Dream Brother, das von klassischer indischer Musik beeinflusst ist. Ebenso lässt sich ein Lied im zeitgenössischem Grunge-Stil ausmachen (‚Eternal Life‘).

Neben der stilistischen Vielfalt beruft sich Buckley auf zahlreiche Einflüsse, die sich auf dem Album wiederfinden: unter anderem Nina Simone, Nusrat Fateh Ali Khan, Morrissey, Bob Dylan, Leonard Cohen, Alex Chilton, Led Zeppelin, Joni Mitchell, Van Morrison, Stevie Wonder, Edith Piaf, Judy Garland und Freddie Mercury.

Beim größten Teil der Lieder handelt es sich um längere Balladen (durchschnittlich fünf Minuten) in mäßigem Tempo, die vor allem dazu dienen, Buckley einen Raum für seinen Gesang zu geben, um den das Album klar konstruiert ist. Die Lieder sind auf Buckleys enormen Stimmumfang (etwa vier Oktaven) sowie auf sein klares Falsett und die Alteration zwischen verschiedenen Registern hin ausgelegt. Buckleys Stimme ist als hoher Tenor und als Countertenor zu klassifizieren. Die metaphorischen Texte des Albums handeln von der Allgegenwärtigkeit des Todes, von hingebungsvoller Liebe, vom Verlassen werden und auch von der Beziehung zu seinem entfremdeten Vater.“

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Der Kenner von Buckleys Kunst jedoch weiß: Viel mehr als im unterkühlten Interieur von Studios wusste Jeff Buckley live und auf kleinen Bühnen zu überzeugen. Bereits seit Anfang der Neunziger – kurz nach Buckleys Umzug von sonnigen Orange County, Kalifornien in die vor allem dazumal kulturell überbordende Metropole New York City – nutzte der aufstrebende Musiker nahezu jede sich bietende Chance, seine Kunst zu verfeinern und mit anderen Musikern in Kontakt zu treten. Kaum eine noch so kleine Coffeeshop-Bühne zwischen dem Manhattaner East Village, Greenwich Village, Williamsburg und Brooklyn blieb von ihm unbespielt. Tagsüber schlug er sich als gesprächsfreudiger Kaffeekocher hintern Tresen durch, abends stöpselte er seine elektrische Gitarre an den bereit stehenden Verstärker, um allein mit der am Rock, Blues und Jazz geschulten Fingerkunst und seiner glockenhellen Stimme ein immer größer werdendes Publikum zu begeistern – wohlgemerkt in einer Zeit, als das weltweite Netz noch in den Kinderschuhen steckte und Facebook, Twitter und ihre Kumpane noch feuchte Träume in den Hirnen von Eliteuniversitätsstudenten waren. Näher als auf dem 2003 erstmalig komplett als Doppel-Live-Album erschienenen Kaffeehaus-Konzert „Live at Sine-É“ (seine Erstveröffentlichung erfuhr es als sträflichst verknappte EP im Jahr 1993 als Appetizer auf das Debüt „Grace“) wird man Buckleys Kunst und Talent – ja: seiner Seele – nicht kommen. Kaum ein Hauch im Publikum, kaum je ein Gläser- oder Kaffeetassenklirren durchbricht die Stille in den Pausen zwischen den Songs, während der Verstärker verschwörerisch brummt und der Musiker mal launige, mal eigenartige Kommentare zu seinem Leben und seinen Idolen vom Stapel lässt und ebenso eigene Kompositionen („Grace“, „Mojo Pin“, „Eternal Life“…) zum Besten gibt wie für sich vereinnahmte Fremdkompositionen (Bob Dylans „Just Like A Woman“ und „I Shall Be Released“, der gespenstische Jazzklassiker „Strange Fruit“, natürlich Leonard Cohens „Hallelujah“). Große Kunst, die von Können und Begabung zeugt und – ebenso wie der postum veröffentlichte zweite Albumentwurf „Sketches For My Sweetheart The Drunk„, an dessen Songs Buckley buchstäblich bis zu seinem Tod gearbeitet hatte (er kam gerade aus einem Aufnahmestudio in Memphis, Tennessee, als er sich spontan dazu entschloss, ein Bad im Wolf River zu nehmen) – eine leise Ahnung davon vermittelt, was noch alles von Jeff Buckley hätte kommen können. Das Schicksal hatte jedoch seine eigenen Pläne…

Am gestrigen 23. August jährte sich nun die Veröffentlichung von Buckleys einzigem zu Lebzeiten veröffentlichtem Album „Grace“ zum 20. Mal. Der Begriff „Klassiker“ mag gültig erscheinen, stellt aber im Licht der zehn Songs, von denen ausgerechnet und vor allem Buckleys Variante des Leonard Cohen-Songs „Hallelujah“ (danach tausendfach im Filmen und Serien verwandt und gar vom Urheber selbst als „besser als dessen eigene Version“ geadelt, jedoch stets unerreicht) alle anderen überstrahlt, eine glatte Untertreibung dar. Obwohl so oft versucht, ist dem Mysterium Jeff Buckleys – und hier wären wir wieder am Anfang angelangt – mit Worten schwerlich beizukommen. Und auch wenn man nicht selten dazu geneigt ist, zu viel in die Songs des Musikers herein zu interpretieren, so spiegelt sich in Buckleys mal lauten, mal leisen, jedoch immer melancholiegetränkten Stücken der Abschied im Leben. Es ist nunmal so: Manchmal verleiht erst der Tod selbst der schaurig-schönen Tragik des Lebens die rechte Würze. Der Rest ist Vermissen. Der Rest ist Lauschen…

Jeff Buckley In NYC

Zum 20. Jahrestag von „Grace“ hat David Chiu, einer der Autoren der Seite brooklynbased.com, kürzlich einen Streifzug durch New York City (und seine eigene Biografie) unternommen und elf Orte, die Buckleys Karriere und Wirken im „Big Apple“ maßgeblich mitbestimmt haben dürften, besucht – und so – leider – auch allerhand (unvermeidliche) Veränderungen in der „Stadt, die nie schläft“ festgestellt… Nachzulesen hier.

 

 

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Video- und Songneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

There Will Be Fireworks – River & In Excelsis Deo (live at Old Mill Studios)

TWBF Old Mill Studios

Da hat die schottische Band um Frontmann und Sänger Nicky McManus kurz vor Ende des vergangenen Musikjahres mit „The Dark, Dark Bright“ in der Tat ein Zweitwerk nach Maß in die Regale gestellt, mit dem wohl nur jene rechnen durften, die schon das 2009 erschienene und bis heute – völlig zu unrecht – sträflichst missachtete selbstbetitelte Debüt nicht mehr aus ihren Ohren und Playlists bekamen. Alle anderen – Medienschaffende wie Otto-Normal-Hörer mit Hang für gitarrenrockistisches Pathos – reagierten freilich euphorisch bis positiv erstaunt auf die zwölf neuen Stücke des schottischen Fünfers, und auch in 2014 dürften There Will Be Fireworks (allein der Name ist noch immer Weltklasse, oder?) noch so einige neue Fans mehr einsammeln, was wohl – hoffentlich, denn Tourneeankündigungen gestalten sich, solang‘ die Musik nur ein schönes Hobby bleibt, natürlich schwierig  – auch an ihren intensiven Livevorträgen liegt. Überzeugen davon könnt ihr euch nichtsdestotrotz anhand des neuen Songs „River“ sowie der TWBF-Version des Weihnachtsstücks „In Excelsis Deo“, welche die Band kürzlich in den heimatlichen Old Mil Studios in Strathaven, einer kleinen Stadt südlich von Glasgow, einspielte…

 

 

 

Charles Bradley – Changes 

Charles Bradey

Erinnert ihr sch noch an die beiden ganz hervorragenden abendfüllenden Musikdokumentationen „Searching For Sugar Man“ und „A Band Called DEATH„, die ANEWFRIEND euch im vergangenen Jahr vorgestellt hat? In die gleiche Kerbe schlägt auch der 2012 erschienene Dokufilm „Charles Bradley – Soul Of America„, die den heute 65-jährigen Afroamerikaner Charles Bradley beim Erleben seines größten Traums begleitet: einem eigenen Album. Davor lebte der Mann jahrelang auf der Straße oder schlug sich, mehr schlecht als recht, mit Gelegenheitsjobs am unteren Ende des Existenzminimums durch. Erst während einem seiner raren Auftritte als James Brown-Imitator wurde Gabriel Roth, einer der Köpfe des funk- und soullastigen Daptone Records-Labels, auf ihn aufmerksam und stattete Bradley mit einem Plattenvertrag aus. Klar: wer nun Songs wie die kürzlich veröffentlichte Coverversion des Black Sabbath-Klassikers „Changes“ hört, der fragt sich wohl völlig zu recht, wieso die Musikwelt eine Stimme wie die von Bradley so lange außer Acht lassen konnte. Aber das sind sie nun einmal, die Geschichten, die das Leben so schreibt…

 

 

 

José González – Stay Alive

Stay Alive

Natürlich lässt es sich jedes Mal aufs Neue vorzüglich über Ben Stiller und sein schauspielerisches Können streiten. Auch sein neuster Film „The Secret Life Of Walter Mitty„, das als Neuverfilmung einer Verfilmung (von 1947) einer Kurzgeschichte (von 1939) vom Seelenleben und des Existenzängsten eines Fotoarchivars erzählt, dürfte wohl daran nichts ändern. Ganz anders verhält es sich dafür mit dem dazugehörigen Soundtrack, der neben dem ein oder anderen größeren Namen (David Bowie, Jack Johnson) vor allem Songs mit Songs von José González, dem schwedischen Musiker mit dem spanischen Namen und der so besonderen Stimme, sowie seiner Zweitband Junip aufwartet. Für das Musikvideo zum neuen Stück „Stay Alive“, das aus der Feder von keinem Geringeren als Ryan Adams stammt, schlüpft González selbst in die Haut der Ben Stiller-Figur Walter Mitty. Und für den Soundtrack wagte sich der Musiker sogar an die Neuinterpretation des John Lennon-Klassikers „#9 Dream“…

 

 

 

Slut – Séance Session (No. 20)

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Das bajuwarische Indierock-Quintett von Slut hat mit „Alienation“ zweifellos eines der ebenso gelungensten wie fordernsten und klügsten deutschen Alben des vergangenen Musikjahres veröffentlicht. Ihre Live-Premiere feierte ein Großteil der neuen Stücke dabei jedoch nicht etwa in der bayrischen Landeshauptstadt, sondern im cosmopolitsch großen Berlin im Rahmen der „Séance“-Sessions-Konzertreihe, in deren Rahmen auch schon Bands wie Listener oder Dark Dark Dark vor Kameras und Publikum auftraten. Den gut einstündigen Auftritt von Slut gibt es nun zum Lümmeln und Rocken auf der heimischen Couch…

 

 

 

Elle Aura – Flashes Of A Pretty Face

ElleAura

„Elle Aura is from Potsdam/Germany and lives everywhere. She writes songs, plays guitar and sings. She grew up with Indie, dances to Hip Hop, likes Pop, has a weak spot for Country, and two big brothers who can do everything. She likes to make people do stuff at her concerts like buy each other drinks and dance together. In 2013 she released her first solo-album ‚Flashes Of A Pretty Face‘.“ – soweit die Selbstauskunft der deutschen Singer/Songwriterin (oder müsste es in diesem Fall „Liedermacherin“ heißen?) Elle Aura (aka. Laura), die – sie erwähnte es ja bereits – im vergangenen Dezember ihr Debütalbum „Flashes Of A Pretty Face“ ins digitale Rund geworfen hat. Die 14 darauf enthaltenen Songs der Weltenbummlerin, die auch schon einige Zeit in Ghana oder Polen verbracht hat, klingen dem Erscheinungsmonat entsprechend mal fein melancholisch, mal dezent ausgelassen und poppig – es dürfte also für jeden etwas dabei sein. Und da es das Album auf Elle Auras Bandcamp-Seite derzeit sowohl komplett im Stream als auch zum Download nach der „Pay what you want“-Variante gibt (auch wenn die Musikerin allen potentiellen Geizhälsen mit dieser Rechnung ihren Teil der Kosten aufzeigt), sollte man der Dame mit eigenem Youtube-Kanal doch wenigstens das ein oder andere Ohr leihen…

 

 

Keaton Henson – Birthdays: A Fragment (Noisetrade EP)

K. Henson

A propos „Pay what you want“: Keaton Henson, seit einigen Jahren wohl einer der faszinierendsten Trauerbarden und Leisetreter des Musikgeschäfts, bietet derzeit via Noisetrade mit „Birthdays: A Fragment“ fünf Songs seines im vergangenen Jahr veröffentlichten zweiten Albums „Birthdays“ zum kostenlosen Download an – für all jene, denen das komplette Album vor einigen Monaten durch die akustischen Lappen gegangen sein sollte…

Auf dieser EP befindet sich auch der Song „You“, der ebenso im audiovisuellen Original…

 

…als auch in der Sprechgesangsvariante, bei welcher der Schauspieler Derek Jacobi zu den Zeilen des Henson-Songs eine lebensweise Bilanz zieht, noch immer mächtig Eindruck hinterlässt:

 

 

Mikky Ekko – Song To The Siren

Mikky Ekko

„Song For The Siren“ ist selbst im nicht eben an anspruchsvollen Kompositionen armen Backkatalog des 1975 bereits im Alter von 28 Jahren so jung verstorbenen Singer/Songwriters Tim Buckley – richtig, der Vater des ebenfalls legendenumrankten Jeff Buckley – ein Song, an den man sich nicht ohne Weiteres und den passenden Voraussetzungen herantrauen sollte. John Frusciante etwa nahm sich das Stück 2009 für dein letztes gelungenes Album „The Empyrean“ vor und vereinnahmte es zwar für sich, blieb jedoch auch nah an der Schwanengesangshaftigkeit des von 1967 stammenden Originals.

In einen ähnliche Kerbe schlägt nun auch der 29-jährige Musiker und Produzent Mikky Ekko (aka. John Stephen Sudduth) aus Louisiana, der den Buckley-Song ihm Rahmen der „Yours Truly Sessions“ für die im US-amerikanischen San Francisco beheimatete Musikwebsite gleichen Namens neu interpretierte. Wie es „Indie Shuffle“ so treffend umschrieb: „Naked, exposed, and pure, this live cover of Tim Buckley’s ‚Song To The Siren‘ by Mikky Ekko is a real ’stop, stand still, and pay attention‘ kind of track.“ Ganz genau.

 

 

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„Drown in my own tears“ – zum 16. Todestag von Jeff Buckley


Jeff Buckley

Vor 16 Jahren entschied sich ein junger Mann, im Wolf River (Memphis, Tennessee) schwimmen zu gehen, während aus dem Radio des in der Nähe geparkten Wagens Led Zeppelins „Whole Lotta Love“ tönte, und ihm ein Freund am Ufer dabei zusah, wie er sich treiben ließ und lauthals mitsang. Plötzlich wurde er von der Bugwelle eines nahenden Schiffes erfasst und unter Wasser gezogen. Sein lebloser Körper wurde erst fünf Tage später gefunden. Dieser junge Mann hieß Jeff Buckley

jeff buckley newsNatürlich mag ein nicht unerheblicher Teil der Bekanntheit und Verehrung Buckleys darin begründet liegen, dass dieser so jung (er war zum Zeitpunkt seines Todes gerade einmal 30 Jahre alt) und unter so mystischen wie tragischen Umständen ums Leben kam. Natürlich mag manch einer aus dessen nicht weniger tragischer und geradezu „Rockstar-liker“ Familientragödie (sein leiblicher Vater, der bekannte Folk- und Jazzsänger Tim Buckley, starb 1975 im Alter von 28 Jahren an einer Überdosis Heroin) oder aus Jeff Buckleys durchaus tränenreicher Musik in Nachhinein verhängnisvolle Zukunftsomen lesen. Doch am Ende bleibt uns „Grace“ – jenes einzige Album, das Buckley zu Lebzeiten fertig stellte (als er starb, befand er sich mitten im Schreibprozess für den Nachfolger „Sketches For My Sweetheart The Drunk„, dessen Demo-Aufnahmen nach seinem Tod von Freunden und Verwandten vervollständigt wurden und 1998 postum veröffentlicht wurden). Klar, Buckleys Version des (zu) oft gecoverten Leonard Cohen-Stückes „Hallelujah“ wird wohl auch in 100 Jahren noch jeglichen anderen Interpretationsversuch mit Leichtigkeit überstrahlen (und nicht nur Cohen selbst ist sich sicher, dass diese Version besser ist als das eigene Original!). Dennoch besitzen die zehn Stücke der regulären Albumversion (2004 erschien die überaus empfehlenswerte und um etliche Bonus Tracks sowie eine DVD mit Musikvideos erweiterte „Legacy Edition“) auch 19 Jahre nach Erscheinen eine annähernde Perfektion, Emotionalität und Strahlkraft, die wohl keinen Hörer kalt lassen kann. Jeff Buckley sang mit der markerschütternden Stimme eines in die Gosse gefallenen Engels, spielte Gitarre, als hätte er es Robert Johnson – der Legende nach – gleichgetan und dem Teufel seine Seele an jener Kreuzung im ländlichen Mississippi ebenso im Tausch für zehn bluesgetränkte Finger vermacht – und trotz allem war er auch im Punk, im Grunge, in der Weltmusik, dem Jazz und dem Songwritertum Dylans tief verwurzelt. Die eierlegende musikalisch-manische Wollmilchsau, quasi. Auf Konzerten vor und nach dem Erscheinen seines Debütalbums (hier sei besonders auf die 2003 erschienene Komplettversion des „Live At Sin-é“-Konzertes verwiesen, wo man Buckleys Genialität während eines mehr als zweieinhalbstündigen Solo-Auftritts bewundern kann) deutete der meist scheue und in sich gekehrte Musiker all die Großtaten, die wohl noch von ihm zu erwarten gewesen wären, oftmals an…

Heute jährt sich der Todestag von Jeff Buckley zum 16. Mal. Ohne Frage war er zu Lebzeiten ein aufstrebender Musiker, ein Talent, das seinesgleichen suchte (und wohl nichts und niemanden weit und breit gefunden hätte). Wer weiß – vielleicht würden Gitarrengrößen wie Eric Clapton, Jimmy Page, Jeff Beck oder Keith Richards heute neidvoll auf das Schaffen und Können des Kaliforniers herabblicken. Doch uns bleibt lediglich „Grace“. Und die Legende von einem jungen Mann, der sich vor 16 Jahren dazu entschied, im Wolf River schwimmen zu gehen…

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Natürlich sollten und müssen beim Gedenken an Jeff Buckley die Töne für sich sprechen. Hier also seine Version des Cohen-Klassikers „Hallelujah“ in Bild und Ton…

 

…sowie meine persönlichen Favoriten „Dream Brother“…

 

…“Last Goodbye“ (in einer 1995 für MTV aufgenommenen Live-Variante)…

 

…und „Forget Her“:

 

(Einen guten Überblick auf das leider zu geringe Schaffen Buckleys bietet außerdem die 2007 – also zum 10. Todestag – erschienene Zusammenstellung „So Real: Songs from Jeff Buckley„.)

 

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