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Klassiker des Tages: Tiger Lou – „Sam, As In Samantha“


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Rasmus „Tiger Lou“ Kellerman sollte für den ein oder anderen regelmäßigen Leser von ANEWFRIEND kein gänzlich Unbekannter sein, schließlich war um 2016 herum, als seine Tiger-Lou-Jungs und er sich nach etwa acht langen Jahren Funkstille mit dem Album „The Wound Dresser“ zurück meldeten, ab und an die Schreibe von dem mittlerweile 39-jährigen schwedischen Musiker.

7340169404176Dass Kellerman und Co. nach ebenjenem Comeback-Werk (und ein paar gemeinsamen Konzerten) schon wieder wenig von sich hören ließen, hat einmal mehr private Gründe (über welche man in diesem aktuellen Artikel etwas mehr erfahren kann). Umso schöner, dass Tiger Lou nun wenigstens einer der ältesten Veröffentlichungen im Backkatalog, der 2007 erschienenen „Trouble & Desiree EP“, ein um ein paar B-Seiten sowie einen bislang unveröffentlichten Song ergänztes Re-release gegönnt haben. Und siehe da: Stücke wie etwa „Sam, As In Samantha“ oder „Nova Lee“ sind auch heute immer noch so tolle, melancholische Tearjerker wie damals… *hach*

 

 

„Leaving for work monday morning
It is time for a new dawning
Sitting around every day
Amounts to nothing and there’s no way
I’m doing this for another ten years
That’s one of my worst fears
Oh Sam…

Turn off your phone and bring some sheets
So this is a place where young lovers meet
This is all and all we need
Give us some food and some bullshit tv
We’ll bunker up for days and days
Call in sick, we’re never leaving this place
Oh Sam…

So come inside my room tonight
I’ll let you win, I won’t even put up a fight
We’ll have a marathon of your choice
Anything you want
Movies, tv, magazines
Music, sex or something inbetween
Oh Sam…“

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Kristofer Åström – Live at Södra Teatern, Stockholm 2001


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Wenn es Herbst wird und mein Griff immer öfter ins Singer/Songwriter-Fach wandert (was eigentlich nicht nur zu dieser Jahreszeit, sondern im Grunde ganzjährig passiert), dann ist Kristofer Åström seit eh und je einer meiner Favoriten.

Warum? Nun, die Songs, die der Schwede – der als ehemaliger Frontmann der Alternative-Rocker Fireside außerdem bereits unter Beweis gestellt hat, dass er auch ganz andere musikalische Gangarten beherrscht – in bester Scandinavian Cowboy-Manier  vom Stapel bricht, suchen in Punkto süßer Herzschmerz-Melancholie schon immer ihresgleichen (und wer’s nicht glauben mag, dem sei die 2013 veröffentlichte Werkschau „An Introduction to….“ ans Hörerherz gelegt). Ob es die Vergleiche zu Genre-Größen wie Elliott Smith braucht? Wohl kaum. Passt auch nicht. Vielmehr stehen Åström Landmänner wie Christian Kjellvander oder Rasmus „Tiger Lou“ Kellerman näher…

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Dass der mittlerweile 43-jährige Musiker aus Luleå (dem ortsansässigen Eishockey-Team spendierte er übrigens vor einigen Jahren eine Hymne) auch auf Bühnenbrettern zu überzeugen weiß, beweist unter anderem das Live-Album „Göteborg String Session„, welches er im vergangenen Jahr in die (digitalen) Plattenläden stellte (das letzte Studiowerk „The Story Of A Heart’s Decay“ wiederum erschien 2015). Und wer sich ein Hörbild von Kristofer Åström ohne Streicher und im mal satt rockenden, mal akustisch klampfenden Outfit machen möchte, dem seien der Mittschnitt einer Show, welche er 2001 im Stockholmer Södra Teatern gab (ein Teil des Konzerts fehlt wohl, dafür ist die Audio-Qualität sehr gut), sowie die Soundboard-Aufnahme eines Konzerts im Wiener Stadtsaal aus dem Jahr 2012 (gibt’s hier als kostenlosen Download) empfohlen.

Eine Überdosis als Åström’schem Liedgut ist in dieser Jahreszeit ja ohnehin ausgeschlossen…

 

 

Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick – Teil 1


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Dem regelmäßigen Besucher von ANEWFRIEND mag eventuell nicht entgangen sein, dass es in den letzten zwölf Monaten – gerade im Vergleich zu den Vorjahren – recht wenige „Alben der Woche“ gab. Doch keine Angst, natürlich – und auch das dürfte wohl aufgefallen sein – habe ich nicht plötzlich aufgehört, (neue) Musik wie ein nach Tönen verrückter Schwamm in mich aufzusaugen. Nein, 2016 ließ mir einfach, bei all den Nebenschauplätzen im Privaten und Beruflichen, zu wenig Raum und Energie, um mich hier in längeren Artikeln mit all den tollen, (für mich) neuen Alben und Künstlern zu beschäftigen. Stattdessen wurde so manches Werk – ob nun verdient oder nicht – im Zuge des ein oder anderen „Song des Tages“ *hust* „abgefrühstückt“.

Auch werden im diesjährigen Jahresrückblick Besprechungen zu meinen persönlichen „Filmen des Jahres“ und „Serien des Jahres“ fehlen. Und obwohl ich auch da das ein oder andere in Erinnerung bleibende Beispiel erwähnen könnte (etwa „Money Monster„, „Eye In The Sky„, „The Lobster“ oder „Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children“ bei den Filmen sowie die Dauerkandidaten „The Walking Dead“ oder „Shameless“ bei den Serien, da jedoch auch die tolle britische Sci-Fi-Miniserie „Black Mirror„), fehlt mir in diesen letzten Tagen von 2016 einfach die Energie, um hier länger darauf einzugehen… Ich hoffe, ihr versteht das.

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Zeichnung: Oli Hilbring / Facebook

Doch zurück zur Königsdisziplin, den „Alben des Jahres“ von und auf ANEWFRIEND! Oder: zum Musikjahr insgesamt. War grässlich, oder? Klar, auch in den vergangen zwölf Monaten erschienen so einige tolle Alben von neuen wie bewährten Künstlern, aber was hat sich diese kleine Schlampe namens „2016“ für eine Mühe gegeben, nicht wenige unserer Lieblingskünstler nur ja nicht mit ins neue Jahr (aka. 2017) zu lassen? David Bowie, Prince, Leonard Cohen – alle drei Jahrhundertgenies und Musiker von Weltformat, die zwar nicht zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere unfehlbar waren (welcher Künstler ist das schon?), aber irgendwie immer da waren, immer verlässlich Neues und absolut Eigenständiges ablieferten. Außerdem für immer verstummt: Keith Emerson, Greg Lake, Alan Vega, Sharon Jones, Merle Haggard, Glenn Frey, Manfred Krug, Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher, Guido Westerwelle, Fidel Castro, Bud Spencer, Götz George, Muhammad Ali, Roger Cicero, Peter Lustig, Roger Willemsen, Miriam Pielhau, Achim Mentzel, Alan Rickman, Anton Yelchin, und jetzt auch noch George Michael – um nur einige Wenige zu erwähnen. Ohne sie wird diese Welt keine andere sein („The show must go on“, um es mit Freddie Mercury zu sagen), jedoch eine weitaus weniger bunte. Ein Scheißjahr, was die Verluste für Kultur und Zeitgeschehen betrifft…

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(gefunden bei Facebook)

Hoffen wir also, dass sich 2017 milder zeigt als die vergangenen zwölf Monate. Denn wie unausstehlich wäre eine Welt, in der wir nur zwischen Helene Fischer, Frei.Wild und den sowieso unkaputtbaren Rolling Stones wählen könnten? Eben. Bleibt alles anders…

 

  

conor-oberst-ruminations1.  Conor Oberst – Ruminations

Wie ich bereits vor einigen Wochen schrieb: „‚Ruminations‘ ist ein großes, ernsthaftes Werk, an dem man sich kaum satt hören möchte. […] So gut, so nah, so ergreifend war Conor Oberst schon lange, lange Zeit nicht. Vielleicht sogar: noch nie.“ Dem habe ich auch heute kaum etwas hinzuzufügen, außer der erneuten Bitte, diesem grandiosen Singer/Songwriter-Werk euer Ohr zu leihen. Mit dieser Rückkehr zu alter Größe habe ich bei Conor Oberst – ganz ehrlich zugegeben – nicht gerechnet (jedoch immer gehofft). Umso schöner, dass dieser Mann – immerhin einer meiner Allzeit-Lieblingskünstler – es trotzdem geschafft hat, mich nach Jahren noch einmal komplett aus den musikalischen Socken zu hauen.

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will-varley2.  Will Varley – Postcards From Ursa Minor

Und auch auf dem Silber-Platz hohe Singer/Songwriter-Kunst – nur diesmal nicht aus dem US-amerikanischen Omaha, Nebraska, sondern aus good ol‘ England. Und obwohl „Postcards From Ursa Minor“ bereits im Oktober 2015 erschien, hat mich Will Varleys drittes Album wie kaum ein anderes durchs komplette Jahr 2016 getragen, denn auch zwischen Januar und Dezember brachte kein anderer Akustikgitarrenbarde einen derartigen – geglückten – Spagat zwischen intim angelegter Nachtmelancholie („The Man Who Fell To Earth“) und absolut hintersinniger Witznummer („Talking Cat Blues“) zustande, dessen Spektrum mal eben so ziemlich jedes menschliche Gefühl in Nylonsaiten gießt. Unterhaltsam, großartig, bewegend, lustig, traurig, niederschmetternd, hoffnungsvoll – durch jede Regung wird der Hörer in den 50 Minuten von „Postcards…“ gezogen. Und kaum jemals war all das schöner anzuhören. Da konnte der Nachfolger ja nur gegen anstinken (und tat das auch, wie weiter unten zu lesen ist)…

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julien-baker3.  Julien Baker – Sprained Ankle

Ebenfalls eigentlich im Oktober 2015 erschienen, ist das Debüt der 21-jährigen Musikerin aus Memphis, Tennessee meine persönliche Entdeckung des Jahres, dessen lediglich neun Songs tief ins von Melancholie getränkte Fleisch schneiden. PJ Harvey meets Elliott Smith, gepaart mit jugendlicher Naivität. Bewegend, ehrlich.

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daughter-not-to-disappear4.  Daughter – Not To Disappear

Ach, Elena Tonra muss eigentlich nur die Lippen bewegen, und schon hat sie mich. Dass die zehn neuen Stücke des zweiten Daughter-Albums auch das klangliche Spektrum der dreiköpfigen Band aus London um Songs mit dezent elektronischer Grundlage oder Klangkathedralen von Sigur Rós’scher Größe erweitern, ist dabei natürlich nicht von Nachteil. Aber, hey: Melancholie nimmt eben keine Gefangenen.

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summering5.  Summering – Summering

Dass diese kanadische Band noch immer (scheinbar) keine Sau kennt, ist – gelinde gesagt – eine riesige Sauerei. Ich verspreche: Wer die älteren Alben von Wintersleep mag und mochte, wird auch mit dem selbstbetitelten Debüt von Summering (ebenfalls im Oktober 2015 erschienen, ebenfalls erst 2016 bei mir angekommen) glücklich süchtig. Noch dazu gibt’s das Ganze als „Name your price“ via Bandcamp zum Download. Ausreden gibt’s also keine!

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frightened-rabbit-painting-of-a-panic-attack6.  Frightened Rabbit – Painting Of A Panic Attack

Dass Scott Hutchison und seine Lads von Frightened Rabbit nach drei Jahren ein neues Album veröffentlichen und dieses es dann nicht ANEWFRIENDs Top 3 des Musikjahres schafft (immerhin war der Vorgänger „Pedestrian Verse“ anno 2013 mit Abstand und Ansage mein „Album des Jahres„), dürfte eigentlich schon als Schlappe für die fünf Schotten gelten. Aber keine Angst, trotz der Tatsache, dass sich auf „Painting Of A Panic Attack“ weniger Songs befinden, die das Hörerherz sofort einkassieren und nicht mehr hergeben (oder war’s umgekehrt?), ist auch das mittlerweile fünfte Studioalbum des stets eigenwilligen schottischen Quintetts kein schlechtes.

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the-hotelier7.  The Hotelier – Goodness

Zig Mal gehört, und noch immer kann ich „Goodness“, das dritte Album von The Hotelier nicht so ganz einordnen. Ist das noch Indierock oder schon Naturstudie? Ist das noch Emo oder längst zu erwachsen dafür? Sind das noch eigenständige Songs oder ein 45-minütiges Konzeptalbum? Steht die Band aus dem US-amerikanische Worcester, Massachusetts nun die großen Band New oder doch eher den seligen Sunny Day Real Estate näher? Fragen, Fragen, Fragen – aber sind die spannendsten Alben nicht immer jene, die man eben nicht auf Anhieb versteht? Was „Dealer“ von Foxing im vergangenen Jahr war, ist dieses Album 2016 für mich gewesen: ein faszinierendes Kuriosum mit Repeat-Garantie. Und die acht Naturnudisten vom Cover machen meine Verwirrung nur noch runder…

 

tigeryouth8.  Tigeryouth – Tigeryouth

Tilman Benning ist ein korrekter Typ, der vor allem 2016 mit seiner Akustischen und (s)einer dezent zerschossenen Tom-Waits-Reibeisenstimme im Gepäck kreuz und quer durch die Bundesrepublik (und manchmal sogar darüber hinaus) gereist ist, um den Punks, Pennern und Penunzeneigentümern in all den kleinen Clubs und AJZs die Songs seines neusten, selbstbetitelten Albums näher zu bringen, welche Tigeryouth-Benning als torkelnden Troubadour mit Hang zum Geschehen am Tresen und dem Herzen nah an Leben und Scheitern präsentieren – opulenter manchmal gar, als noch auf dem 2014 erschienenen Debüt „Leere Gläser“.

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tiger-lou9.  Tiger Lou – The Wound Dresser

Tiger Lou sind zurück, acht lange Jahre nach dem letzten Album „A Partial Print“. Und obwohl „The Wound Dresser“ manchmal zu viel von allem will (und freilich auch all die kreative Energie der langen Auszeit kanalisieren muss) und am Ende zu selten wirklich große Songs dabei herausspringen (die vorab veröffentlichten Stücke „Homecoming #2“ und „California Hauling“ einmal ausgenommen), haben Frontmann Rasmus Kellerman und seine nicht mehr ganz so blutjungen Kumpels freilich immer ’nen festen Fleck für sich reserviert, der „The Wound Dresser“ in diesem Jahr eine Ecke in den Jahren-Top-Ten sichert…


 
touche-amore-stage-four10. Touché Amoré – Stage Four

Ein großes, ein lautes, ein wütendes Album ist Jeremy Bolm, seines Zeichens Stimme und somit Frontschreihals von Touché Amoré, da gelungen. Ein musikalischer Abschiedsbrief an seine Ende 2014 an Krebs verstorbene Mutter. Die Band steht damit – sowohl, was das Musikalische als auch, was das Lyrische betrifft – in einer Reihe mit persönlichen Herzwärmern wie La Dispute oder Pianos Become The Teeth, deren letzte Alben in den vergangenen Jahren lauthals in mein Hörerherz gepoltert sind. Und obwohl mir das auf Dauer eine Spur zu – ich geb’s offen zu – heavy ist, hat das im September erschienene vierte Album der Post-Hardcore-Band aus Los Angeles, „Stage Four“, auch mich bewegt und innerlich aufgewühlt. Ja klar, Touché Amoré lassen dem Indierock etwas mehr Raum als noch auf den Vorgängern, richten manch ein Stück geradezu spartanisch ein (was den Texten nur noch mehr Gewicht verleiht), haben mit dem abschließenden „Skyscraper“ gar ein Gänsehaut-Duett mit Julien Baker (ja richtig, der jungen Dame vom Bronzeplatz) an Bord. Vergleiche mit The National verbieten sich trotzdem. Alle in allem: Wer Screamo-Schreihälsen und laut polternden Gitarren nicht komplett abgeneigt ist, den können diese elf Songs gar nicht kalt lassen. Isso.

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…und auf den weiteren Plätzen:

Savages – Adore Life

Kevin Devine – Instigator

Die Höchste Eisenbahn – Wer bringt mich jetzt zu den Anderen

 

  

Geheimtipp 2016:

drawing-circlesDrawing Circles – Sinister Shores

Alternativer, melancholischer Ambient könnte man das Ganze nennen, was das Trio aus Bonn das auf dem Erstling „Sinister Shores“ (deutsch, in etwa: unheilvolle Ufer) da fabriziert. Dabei flüstert und schreit Sänger Vincent, er singt und presst sich seine Gefühle von der leidwunden Seele, mal still und in sich gekehrt, dann wieder mit sich fast überschlagender Stimme und rauchig-laut anklagend. Mit Worten unterlegte Postrock-Schlummermusik aus deutschen Gefilden und auf (fast) internationalem Niveau? Ist genommen.


 
Enttäuschungen 2016:

wintersleep-the-great-detachment-500x500Wintersleep – The Great Detachment

Drei verdammt großartige Alben haben Wintersleep bis zum 2007 erschienenen „Welcome To The Night Sky“ hinbekommen. Mittlerweile jedoch – und auch diese Serie hält nun schon drei Werke an – lassen mich die Alben der Band aus dem kanadischen  Halifax, Nova Scotia von Mal zu Mal mehr kalt. Daran ändert leider auch das neue „The Great Detachment“ nichts. Hoffen wir, dass Paul Murphy und Co. den Hebel irgendwann wieder in die andere Richtung umlegen können…

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wvlplargeWill Varley – Kingsdown Sundown

„These are the most honest songs I’ve ever written and they represent new ground for me creatively. They may not be radio friendly, or even ‚friendly‘ at all, but I’ve been wanting to make a record like this for a long time.“ Stimmt, die elf Stücke von „Kingsdown Sundown“ sind – gerade mit den Vorgängern verglichen – ein recht radikaler Schritt des britischen Singer/Songwriters hin zu mehr Trostlosigkeit und zur düsteren Seite der Melancholie – Radiofreundlichkeit hört sich logischerweise anders an. Radikal nicht der Musik selbst wegen, denn auch die Vorgänger kamen oft als Wanderbarden-Nummern ganz auf der Akustischen aus. Vielmehr sind die Themen, die Varley anstimmt, die einer Zeit, die wenig Licht ins Dunkel lässt. Auf den vorangegangenen Werken – gerade dem großen „Postcards From Ursa Minor“ (siehe Platz 2 ) – wurde den dunklen Thematiken noch zumeist eine Prise Ironie entgegengestellt. Da diese hier fast gänzlich fehlt, legt sich einem „Kingsdown Sundown“ schnell aufs Gemüt. Repeat? Gern, aber wohl dosiert…

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radiohead-coverRadiohead – A Moon Shaped Pool

Die unfehlbaren Radiohead. Die Meister, wenn es darum geht, den dunklen Zeiten von Technologiewahn und Kapitalismus den entsprechenden Soundtrack zu liefern. Klar, ich liebe die Alben von „OK Computer“ über „Kid A“, „Amnesiac“ bis zu „In Rainbows“ aus so vielen Gründen (die wichtigsten, logischerweise: die Songs sind einfach großartig, die Werke wirken als Ganzes intensiv nach). Das größte Plus von Thom Yorke und Co. ist freilich, dass ihrem Konzept noch niemand so ganz auf die Schliche gekommen ist und sie durch so einige kluge Schachzüge der Vergangenheit mittlerweile absolute kreative Narrenfreiheit besitzen – und diese nutzen sie auch auf „A Moon Shaped Pool“, Studioalbum Nummer neun seit 1993, genüsslich aus. Das Ergebnis ist stiller, intimer als noch das vor fünf Jahren erschienene „The King Of Limbs“, das vor technoiden Experimenten ganz wirr war. Die elf zumeist neuen Stücke (einzig das abschließende „True Love Waits“ kennen Fans bereits längst als Live-Version) baden oft knietief in den Orchesterarrangements von Jonny Greenwood, hat doch der sonst als Gitarrist tätige Tausendsassa durch so einige Soundtrack-Arbeiten längst sein Faible für raumfüllende Musik entdeckt. Hinten hinaus hockt natürlich dann Chefgreiner Thom Yorke und verbreitet seine finsteren Gedanken zur Welt als solche und verarbeitet obendrein noch die „total einvernehmliche“ Trennung von Lebenspartnerin Rachel Owen, mit der er 23 Jahre liiert war und zwei gemeinsame Kinder hat (zum verdammten 2016 passt dann wieder, dass Owen vor wenigen Tagen im Alter von 48 Jahren starb). Ist alles nicht wirklich schlecht anzuhören, lässt mich jedoch ebenso kalt wie die Stimmung, welche Radiohead wohl stets im Sinn haben… Schade.

 
Rock and Roll.

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Song des Tages: Tiger Lou – „Leap Of Love“


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Dass die Vorfreude auf neue Songs der Schweden von Tiger Lou auf ANEWFRIEND entsprechend groß ist, sollte allen regelmäßigen Lesern bekannt sein (alle anderen können hier nachschauen), immerhin erschien das letzte Album „A Partial Print“ bereits vor knapp acht langen Jahren…

Nachdem Frontmann Rasmus Kellerman und seine drei Bandmitstreiter Erik Welén (Bass), Pontus Levahn (Schlagzeug) und Mathias Johansson (Gitarre) mit der „California Hauling EP“ im vergangenen Oktober ein erstes Lebenszeichen nach der (viel zu) langen Bandpause gesendet haben, steht nun mit dem 23. September das Veröffentlichungsdatum für Tiger-Lou-Album Nummer vier, „The Wound Dresser“, fest. Außerdem lassen Kellerman und Co. mit „Leap Of Love“ nun schon einen ersten Eindruck vom neuen Werk hören. Der klingt „typisch Tiger Lou“ und setzt, wenn man dem Dreieinhalbminuten-Vorgeschmack trauen darf, den auf „A Partial Print“ oder „The Loyal“ eingeschlagenen Weg – also Herbstmelancholie-Rockismen mit ein klein wenig Elektro-Experimenten zu mischen, die Sänger Kellerman dann mit seiner unverwechselbaren Stimme füttert – fort. Schön, wenn sich manche Dinge nie ändern.

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Tiger Lou – „Homecoming #2“


Foto: Mathias Johansson

Foto: Mathias Johansson

Auch wenn es den Song selbst auf ANEWFRIEND schon einmal zu hören gab (nämlich im vergangenen November hier), so komme ich doch nicht umhin, „Homecoming #2“ zumindest ein Mal den Titel des „Songs des Tages“ zukommen zu lassen. Dafür ist das Musikvideo von Peder Bergstrand, in welchem ein langhaariger Skaterboy in Skelettverkleidung und mit tierischer Begleitung auf vier Rollen sonnenbeschienene Straßen entlangfährt, einfach zu großartig. Dafür setzt sich das erste musikalische Lebenszeichen der schwedischen Indiepoprocker von Tiger Lou seit dem 2008 erschienenen dritten Album „A Partial Print“ einfach zu schön in den Gehörwindungen fest, um es sich wenigstens bis zu den ersten Ausläufern des Sommers dort gemütlich zu machen. Dafür sind Rasmus Kellerman und seine Band einfach zu wichtig für meine eigene (schreiberische) Biografie…

Denn er war es, mit dem ich damals, 2005, als Tiger Lous Debütalbum „Is My Head Still On?“ gerade über die schwedischen Landesgrenzen ins für melancholische, Indie-Klänge eh affine Deutschland geschwappt ist, mein erstes Musik-Interview führen durfte. Klar war ich, anno dazumal Anfang Zwanzig, und vom Schreiberischen genau so viel Ahnung wie vom Leben und der Herausgabe eines Fanzines (was ich mit ein paar Freunden tatsächlich tat – die Geschichte dazu gibt’s hier), tierisch aufgeregt, kontrollierte mein Aufnahmegerät zig Mal, überlegte, was ich denn fragen könnte und sollte… Am Ende war alles halb so schlimm, denn Rasmus Kellerman erwies sich erfreulicherweise als höchst unaufgeregter Gesprächspartner.

Homeconing #2Zehn Jahre später ist meine Fanzine-Zeit längst bittersüße Geschichte, zu den „Freunden“ von damals besteht längst kein Kontakt mehr. Tiger Lou sind geblieben. Besser noch: Alle drei Bandalben – „Is My Head Still On?“ (2004), „The Loyal“ (2005) und „A Partial Print“ (2008) – sind mir Herbst für Herbst, Frühling für Frühling (logischerweise die besten Jahreszeiten für melancholische Rocksongs, die im Grunde – bei mir – aber immer „gehen“) tiefer und tiefer ins Hörerherz gewachsen. Umso länger kommt einem dann freilich die Zeit vor, die es nun schon still war um die Band, die 2001 im beschaulichen schwedischen Nyköping als Kellermans Solo-Ding anfing. Dass der Mittdreißiger vor fünf Jahren mit „The 24th“ sein Solodebüt veröffentlichte, das schon irgendwie „okay“ war, jedoch andererseits die dunkle Energie vermissen ließ, die viele Tiger Lou-Songs bis heute so großartig und zupackend macht, machte das Warten nur wenig erträglicher. Aber so ist es eben, wenn man als (mittlerweile) zweifacher Familienvater seine Brötchen abseits der Musik verdienen muss, und diese daher nur als schönes Hobby durchgeht – es dauert. Und dauert. Und dauert… Dass Rasmus Kellerman, der mittlerweile im Stockholmer Stadtteil Södermalm seine Familienzelte aufgeschlagen hat, die Gitarre nie so ganz beiseite gelegt hat, dürfte sich jedoch von selbst verstehen, immerhin ist seine Frau Andrea keine Geringere als die Stimme und das schöne Gesicht hinter dem Indie-Electro-Act Firefox AK, bei welchem dann auch ihr Mann ab und an mitmischt. Der musikalischen Früherziehung der gemeinsamen Kinder dürfte ein derart kreativer Haushalt freilich nur zuträglich sein…

Aber zurück zu „Homecoming #2„: Das im vergangenen Herbst (klar!) auf die sehnlichst wartende Fangemeinde losgelassene Stück bildet den ersten Vorgeschmack auf das hoffentlich schnellstmöglich fertig werdende vierte Album der Band, die nach einigen Deutschland-Shows im März weiter daran schrauben will – insofern Kinder, Kegel und Job es denn zulassen. Bis dahin werden die bisherigen drei Tiger Lou-Platten sicherlich noch den ein oder anderen akustischen Meter in meinen Gehörwindungen zurücklegen, während ich mir das folgende Versprechen von Kellerman und Co. nah am Herzen halte: „I am home“.

 

 

„The pouring rain, the intersection
I’m baffled by the colors of this town
Call your friends and have ‚em find out
That I am home, I am home

Whatever happened to that Spanish place
The two floors and the cheap plastic crates
Remember all the nights we couldn’t find
Our way home, our way home
Now I’m home, I am home…

I fell in love with a perfect storm
I didn’t wanna be alone anymore
But she spat me out in May

I took a job in a beat up bar
And fooled around with the daughters of
An alumnus from Del Mar

I tried to write just to keep me sane
But the book with the coffee stains
Never grew beyond a page

So when the fire finally broke
It was just another way to choke
And find my way back home

I am home…“

 

Tiger Lou LIVE:

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(Übrigens: Hier, bei den Kollegen von „Nothing But Hope And Passion“, lässt Rasmus Kellerman einige wichtige Songeckdaten seines bisherigen kreativen Schaffens Revue passieren…)

 

Rock and Roll.

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Schwedische Herbstmelodien – Tiger Lou melden sich zurück


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Foto: Mathias Johansson/Facebook

Ein bisschen traurig stimmte einen das schon, was man da 2009 auf der Homepage der schwedischen Indiepoprocker Tiger Lou lesen musste:

„Es wird Zeit, ein bisschen erwachsen zu werden. Voran kommen. Staub abschütteln. Ein bisschen zu tanzen. Einige coole Geschichten schreiben. Eine neue Gitarre kaufen. Die gebrochene Schulter heilen lassen. Wieder mit dem Kickboxen anfangen. Lernen, wie man Auto fährt. Anfangen, Deutsch zu sprechen. Mehr zu kochen. Verreisen. Sich auf die Liebe, das Leben und die Ehefrau zu konzentrieren. Vielleicht einige Kinder zeugen. Vielleicht mehr Hunde anschaffen. Vielleicht ein Haus kaufen“ – um letztendlich mit einem 50 Cent (!)-Zitat abzuschließen (soll mal einer sagen, dass die Schweden bei aller Melancholie nix für Humor übrig haben!): „And maybe…just maybe…get rich or die trying!“.

xRkT9WuZJSMNun haben die vier Bandteile offenbar alle Projekte – ob nun das Geschichtenschreiben, Gitarrenkäufe, den Heilungsverlauf gebrochener Schultern, Kickboxunterricht, Autofahr- und Deutschstunden, das Kochen, Reisen, Lieben, ihre Ehefrauen, das Kinderzeugen, die Anschaffung neuer Familienhunde oder Hauskäufe betreffend – abgeschlossen (Frontmann Rasmus Kellerman etwa, soviel ist hinlänglich bekannt, veröffentlichte 2010 sein erstes, „The 24th“ betiteltes Soloalbum, welches leider außerhalb des Tiger Lou’schen Kosmos zwar hinreichend schwedisch-melancholisch, letztendlich aber nur so okay ausfiel). Im vergangenen Jahr stand man nach vier Jahren wieder gemeinsam als Tiger Lou auf der Bühne, im Anschluss wagten sich die vier Bandmitglieder zum Arbeiten an neuen Songs in den Tiger Lou’schen Proberaum.

Den ersten Beweis geglückter Schreibversuche tritt nun „Homecoming #2“ an, seines Zeichens Tiger Lous erstes musikalisches Lebenszeichen seit dem dritten, 2008 veröffentlichten Album „A Partial Print„. Das neue Album soll bald folgen und laut der Selbstbeschreibung von Frontmann Rasmus Kellerman „so sehr nach Tiger Lou klingen wie nichts davor“. Aber sagen Musiker das nicht beinahe immer über ihr neustes kreatives „Baby“? Und: Wird Album Nummer vier wirklich die großen Fussstapfen auszufüllen wissen, die die drei Vorgänger – „Is My Head Still On?“ (2004), „The Loyal“ (2005) sowie das bereits erwähnte „A Partial Print“ (2008) – hinterlassen haben? Immerhin leistet die komplette Tiger Lou’sche Diskographie mir jeden Herbst gute Dienste und manifestiert Schwedens ausgezeichnete musikalischen Ruf abseits von Abba und den üblichen Verdächtigen… Warten wir’s ab. Vorerst ist es schön, folgende Zeilen schreiben zu können: Willkommen zurück, Tiger Lou!

 

 

(All jenen, die’s ganz genau wissen wollen, gibt Sänger und Frontmann Rasmus Kellerman in einem kurzen Interview mit NOTHING BUT HOPE AND PASSION einige Auskünfte zum Comeback sowie Ausblicke auf die Zukunft von Tiger Lou.)

 

Rock and Roll.

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