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Song des Tages: Alex Henry Foster – „The Power Of The Heart“


Es ist vielleicht einer der am meisten unterschätzten Songs von The Velvet Underground-Gründungsmitglied Lou Reed: „The Power Of The Heart„. Der 2013 verstorbene US-Musiker schrieb das Stück 2008 für seine Hochzeit mit Laurie Anderson. Ganz ähnlich wie etwa Peter Gabriel vor ihm, machte sich Alex Henry Forster den Song bereits Anfang Mai zu eigen und brachte ihn in eine völlig neue Form. Aufgenommen in seinem The Upper Room Studio verlieh der 32-jährige kanadische Musiker, der abseits seiner Solo-Aktivitäten, welche zuletzt „Windows In The Sky“ sowie das Live-Album „Standing Under Bright Lights“ abwarfen, der Alternative-Rock-Band Your Favorite Enemies vorsteht, dem Stück mit entrückten Streichern und sanften Pianoklängen eine imposante Kulisse. Die umfassende Umstrukturierung beschreibt Foster wie folgt: „Die Befreiung von der Angst, als das gesehen zu werden, was ich bin, ist der Grund dafür, dass ich weder den Druck verspürte, Reeds Verkörperung des Liedes zu imitieren, noch wurde ich durch die Last, seine intime Absicht nachahmen zu müssen, eingeengt.“ Diese Befreiung ist deutlich zu spüren – Foster scheint sich dem (vor allem für den zu Lebenszeiten stets als äußerst verschroben und unzugänglich bekannten Lou Reed) zärtlichen Liebeslied im Verlauf immer weiter hinzugeben und lässt den Song mit Chorgesängen anschwellen – und damit noch weiter vom Reed’schen Original abdriften. „Geräusche wurden zu Klängen, und musikalische Arrangements entwickelten sich für mich zu einer Art spiritueller Erhebung“, ergänzt Foster.

Die besungene Kraft des Herzens lässt sich genauso gut im dazugehörigen Musikvideo wiederfinden, denn schließlich muss man in Paris, der Stadt der Liebe, nicht lange nach den entsprechenden aufs Romantischste einladenden Straßen als Kulisse suchen. Doch wie in jeder Großstadt gibt es auch in der französischen Metropole die Kehrseiten – die Einsamkeit, die Isolation, das Stehen am Rande der Gesellschaft – unter den vielen tausenden Gesichtern, sodass fast automatisch die Frage nach dem passenden Gegenstück im Raum steht. Damit fügt sich Alex Henry Fosters aufrichtige und gefühlvolle Coverversion dem Bild der Stadt, ein tagträumerisches Gesamtkunstwerk entsteht…

„You and me, we always sweat and strain
You look for sun, I look for rain
We’re different people, we’re not the same
The power of the sun

I look at treetops, you look for caps
Above the water, where the waves snap back
I flew around the world to bring you back
Ah, the power of your heart

You looked at me and I looked at you
The sleeping heart was shining through
The wispy cobwebs that we’re breathing through
The power of the heart

I looked at you and then you looked at me
I thought of past, you thought of what could be
I asked you once again to marry me
Ooh, the power of the heart

Everybody says love makes the world go around
I hear a bubbling and I hear a sound
Of my heart beating and I turn around
And find you standing at the door

You know me, I like to dream a lot
Of this and that and what is not
And finally I figured out what was what
It was the power of the heart
The power of the heart

You and me, we sweat and strain
The result’s always the same
You think somehow we’re in a game
The power of the heart

I think I’m dumb, I know you’re smart
The beating of a purebred heart
I say this to you and it’s no lark
Marry me today

You know me, I like to dream a lot
Of what there is and what there’s not
But mainly I dream of you a lot
The power of your heart
The power of your heart“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Emma Elisabeth – „I’ll Be Your Mirror“


Manchmal braucht es eben ein wenig Hilfe von „oben“. So wurde Emma Elisabeths Version des Velvet Underground-Klassikers „I’ll Be Your Mirror“ für die Werbekampagne eines PC-Herstellers verwendet, was wiederum ihr Label dazu bewog, im Mai 2020 endlich ihr dazugehöriges Album „Cover Stories“ (digital) zu veröffentlichen…

Endlich? In der Tat, denn selbiges nahm die 37-jährige schwedische Musikerin, die bereits seit einiger Zeit in Berlin wohnt, dort vornehmlich im Hintergrund an Filmmusik oder als Songwriterin für andere Künstler ihre Brötchen erarbeitet und 2013 unter ihrem alten Künstlernamen Betty Dittrich – kaum zu glauben, aber wahr – am deutschen Eurovision-Song-Contest-Vorentscheid teilnahm, bereits vor gut vier Jahren nahezu komplett im DIY-Alleingang in ihrem Heimstudio auf. „Das ganze Album wurde in meinem Wohnzimmer aufgenommen und durch ein Portastudio festgehalten. Ich liebe die Schwankungen und Geräusche des Kassettenrekorders. Es fühlt sich an wie eine Zeitkapsel“, erklärt Emma Elisabeth. Zwar veröffentlichte die Wahl-Hauptstädterin, der die Liebe zu den Tönen als Kind zweier Musiker-Eltern quasi in die Wiege gelegt wurde, die zwölf Songs starke Cover-Sammlung bereits 2016 unter ihrem damaligen Künstlernamen (und damit drei Jahre vor ihrem eigentlichen Debütalbum „Melancholic Milkshake„), jedoch ging das Release anno dazumal – aus welchen Gründen auch immer – im Getöse unter…

Neben The Velvet Undergrounds „I’ll Be Your Mirror“, welches sich doch recht nah am Original bewegt, nahm sich Emma Elisabeth auch weiterer Stücke an – und beweist ein ums andere Mal ein gutes Händchen. So ist etwa „Stop Me If You’ve Heard This One Before“ (The Smiths) nicht nur der Opener dieses Albums, sondern auch eine leicht provokant-augenzwinkernde erste Hörempfehlung. Oder ihre LoFi-Version des Black Sabbath-Evergreens „Paranoid“ – trefflicher wurde dieser Song selten entschleunigt, um alles Zehrende und Flehende darin ans Tageslicht zu befördern. Auch toll: die Variante des Steppenwolf-Gassenhauers „Born To Be Wild“ mit ihrem unheimlichen Gesang und umgekehrten Fuzz-Gitarrensoli. Black Rebel Motorcycles Clubs „Howl“ bewahrt seinen düsteren Charme durch Elisabeths samtige Stimme, die zeitweise an Chelsea Wolfe sowie mit ihrem dunklen Mystizismus an den Grunge der Neunziger erinnert. Und sonst so? Allerlei weitere Anzeichen eines erlesenen Musikgeschmacks mit „Play With Fire“ (Rolling Stones), „Don’t Think Twice It’s Alright“ (Bob Dylan), „Satellite Of Love“ (Lou Reed), „Love Enchanted“ (Daniel Johnston), „The Chain“ (Fleetwood Mac), „Only Happy When It Rains“ (Garbage) oder dem fulminanten Abschluss mit einer exquisiten Version des durch „Almost Famous“ zu neuen Ehren gelangten Elton John-Klassikers „Tiny Dancer“. Beinahe bekommt man ein Gefühl dafür, wie ein Album klingen würde, das Penny Lane, welche Kate Hudson in ebenjenem Film verkörpert, aufgenommen hätte. Wie würde denn ein Film aussehen, den man quasi aus Emma Elisabeths Musik schneidern würde? „Vielleicht wie ein Neunzigerjahre-Road-Trip-Western mit Bill Murray und Drew Barrymore in den Hauptrollen, unter der Regie von Jim Jarmusch…“

Und der Name des Albums? „Eine Zeit lang habe ich überlegt, es ‚Songs By Dirty Old Men‘ zu nennen, weil fast alle Songs von Kerlen komponiert wurden. Ich denke darüber nach, ein weiteres Album aufzunehmen, das weibliche Songwriterinnen umfasst. Vielleicht wird das ein zukünftiges Projekt von mir werden“, so Elisabeth. Auch wenn dieser Titel sicherlich für zusätzliche Publicity gesorgt hätte, wird „Cover Stories“ der Sammlung voll von in reduziertem Gewand neu interpretierter Lieblingslieder ebenso gerecht. 

Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


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(gefunden bei Facebook)

 

Humorige Zeitgeist-Kommentare im Plattenladen? Läuft bei Amoeba Music.

 

Rock and Roll.

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It’s not a perfect day… – Lou Reed ist tot.


lou reed

Wie der US-amerikanische „Rolling Stone“ vor wenigen Minuten vermelden musste, ist Lou Reed, einer der letzten großen Rock’n’Roll-Rocker, heute im Alter von 71 Jahren verstorben.

Reed, der seit jeher – sowohl unter Musikerkollegen als auch unter Journalisten – einen Ruf als durchaus streitbarer Zeitgenosse inne hatte, erlangte in den sechziger Jahren Weltruhm, als er gemeinsam mit John Cale, Sterling Morrison und Angus MacLise (der bald schon von Maureen Tucker ersetzt wurde) die Avantgarde-Rockgruppe The Velvet Underground gründete. Bereits deren von keinem Geringen als Andy Warhol produziertes Debütalbum „The Velvet Underground & Nico“ gilt mit seinem ikonographischen Bananencover sowie Songs wie „Sunday Morning“, „I’m Waiting For The Man“, „Femme Fatale“ oder „Venus In Furs“, bei denen sich Reed die Gesangsparts mit der deutschstämmigen Künstlerin Nico teilte und diese als Kontraste zu nicht selten verstörenden Instrumentalteilen setzte, auch heute noch als Meilenstein der Musikhistorie.

Lou Reed (4. v.l.) als Teil von The Velvet Underground, mit Nico und Andy Warhol (1. u. 2. v.l.)

Lou Reed (4. v.l.) als Teil von The Velvet Underground, mit Nico und Andy Warhol (1. u. 2. v.l.)

Nach der Trennung von The Velvet Underground startete Lou Reed Anfang der Siebziger seine Solokarriere, in deren Verlauf er sowohl zeitgemäße Glam-Rock-Alben (das von David Bowie produzierte „Transformer“ aus dem Jahr 1972) als auch sozialkritische Werke („Berlin„, ein Jahr darauf erschienen, handelt von der gescheiterten Liebesbeziehung zweier Junkies in der damals geteilten deutschen Stadt), Produktionen, welche sich der Hochgeistigkeit zuwandten („The Raven“ von 2003, auf dem er, mithilfe von anderen Künstlern wie David Bowie, Laurie Anderson, Willem Defoe oder Antony, Edgar Allen Poe vertonte) und Kollaborationen (zuletzt das mäßig gelungene „Lulu“ gemeinsam mit Metallica) veröffentlichte.

Nach der Kollaboration mit Metallica im Jahr 2011 sowie einer Tour im vergangenen Jahr, welche ihn im Juni auch noch einmal nach Berlin führte, war es ruhiger im Lou Reed, dessen letztes Soloalbum „Hudson River Wind Meditations“ 2007 erschien, geworden. Gemeinsam mit seiner Frau, der Performance-Künstlerin Laurie Anderson, lebte er in New York City. Ob sein Tod aus einer Lebertransplantation im April 2013 resultierte, ist bislang unbekannt.

Sein stets abseitiger Gitarrensound, seine unvergleichlich markante Stimme, seine vor Bitterkeit und – nicht selten – Zynismus nur so triefenden Texte – all das machte Lou Reed, der 1996 als Teil von The Velvet Underground in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurde, bereits zu Lebzeiten zur launischen Legende.

Mach’s gut Lou, Du letzte griesgrämig große Rockdiva Deiner Art.

 

 

 

 

Rock and Roll.

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