Schlagwort-Archive: The Unwinding Hours

Song des Tages: A Mote Of Dust – „Slow Clap“


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Es gibt sie ja, diese ganz besonderen, innigst zu Hörerherzen gehenden Stimmen, welche man wohl selbst aus einem Chor Tausender heraus hören würde… Craig Bs Gesangsorgan ist genau so eines.

„The clocks won’t slow down / The road’s been paved / If you are leaving / Then I can’t stay“, singt Craig Beaton, der allerorts nur Craig B gerufen wird, in „Slow Clap“. Der lang erwartete neue Song seines Soloprojekts A Mote Of Dust klingt dabei im Unterschied zum Großteil seines ersten, 2015 erschienenen Albums treibender, wenn auch ebenso (notgedrungen) sanft und zärtlich wie Beatons Stimme seit dem Album gewordenen 2007er Aereogramme-Schwanengesang „My Heart Has A Wish That You Would Not Go„, oder auf den beiden, 2010 beziehungsweise zwei Jahre darauf veröffentlichten The Unwinding Hours-Werken „The Unwinding Hours“ und „Afterlives“ – jener Zwei-Mann-Band, die der Musiker aus dem schottischen Glasgow mit viel Herzblut gemeinsam mit Ex-Aereogramme-Bandmate Ian Cook betrieb, bevor dieser mit CHVRCHES in größere Indie-Pop-Gefilde vorstoßen konnte…

5904@400Über das neue Stück sagt Craig Beaton: „‚Slow Clap‘ begann als instrumentales Demo von Graeme und klang so anders als das erste Album, dass meine Aufmerksamkeit sofort geweckt war. Ich war gespannt, wie ein neues Album klingen könnte. Wir wollten uns nicht limitieren, indem wir festsetzen, was wir machen könnten und was nicht, also experimentierten wir eine Weile – und jetzt ist es einer meiner Lieblingssongs auf dem neuen Album.“ (Mit „Graeme“ ist Graeme Smillie gemeint, der Beaton bereits vor drei Jahren auf  dem selbstbetitelten A Mote Of Dust-Debüt und der darauffolgenden Tour an den Tasten begleitet hatte.)

„Slow Clap“ wird auf dem simpel „II“ betitelten neuen A Mote Of Dust-Album enthalten sein, welches am 1. März 2019 erscheint. Und wie wie der scheue kahlköpfige Vollbartträger heute via Facebook sowie über seine Homepage zur Überraschung vieler, die die Karriere des Glaswegians begleitet hatten (die in den vergangenen Jahrzehnten – und sowohl, was Aereogramme als auch seine Nachfolgebands betrifft – von viel zu vielen Nackenschlägen begleitet wurde), wissen ließ, wird das zweite A Mote Of Dust-Werk auch zeitgleich sein „letztes“ sein – ob nun unter dem Soloprojekt-Moniker oder als Musiker an sich, ließ der schottische Indie-Musiker offen… 💔

 

„I’ve binned a fair few attempts trying to articulate the reasons for stopping but it just feels so self indulgent. All that matters, is that after any album I’ve finished, it always felt like the beginning of a new chapter, stage, whatever the right word is. However, after we finished recording Mote II, I listened from start to finish and I knew it should be my last. It’s a feeling I can’t shake off or ignore. It doesn’t feel like a bad decision though or even a hard one. It feels right. I just need to do something else. I’m not sure what, just not this anymore.“

(Craig B)

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: A Mote Of Dust – „Wolves In The Valley“


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Falls Craig B, dieses unscheinbar unwahrscheinlich großartige Paradebeispiel eines unbeugsamen schottischen Herzblutmusikers, den Fans nach seinen bisherigen Bands Aereogramme und The Unwinding Hours überhaupt noch etwas schuldig war, dann wohl ein Soloalbum. Und genau diese Lücke will der Glatzkopf mit Vollbart in etwa einem Monat schließen, wie das Video zu „Wolves In The Valley“ beweist…

Der Song versteht sich als Vorbote für Craig Bs Solodebüt, das er unter dem Namen A Mote Of Dust – zu deutsch „Staubkorn“ – aufgenommen hat und bereits am 2. Oktober auf dem früheren Aereogramme-Label Babi Yaga veröffentlichen wird.

22046Weniger überraschend als diese Ankündigung klingt die Musik darauf: Als A Mote Of Dust schreibt Craig B (weiterhin) melancholisch-minimalistische Songs, die mit etwas mehr Feuer unterm schottischen Sitzfleisch auch gut auf dem nächsten Album seiner letzten Band The Unwinding Hours funktioniert hätten.

Die allerdings hat gerade weder bei Craig B noch seinem Bandkollegen Ian Cook Priorität – spätestens seit Letzterer mit dem Elektroartpop-Projekt CHVRCHES vor einiger Zeit durch die Decke gegangen ist (fast schon ironisch, dass vor allem die Vorgängerband der beiden, Aereogramme, wegen Desillusionierung gegenüber den Zwängen des Musikgeschäfts sowie aus finanziellen Gründen 2007 die Segel strich). In gewisser Weise wirkt A Mote Of Dust und das gleichnamige Debüt nun also wie die Reaktion von Craig B auf den unerwarteten Erfolg seines Langzeit-Partners.

Völlig auf sich gestellt war B trotzdem nicht: Sein Freund Graeme Smillie spielt auf der neun Songs starken Platte, welche ausschließlich als Download sowie auf LP erscheinen wird, Klavier, und mit Mogwai-Produzent Paul Savage ist eine weitere schottische Rock-Koryphäe mit von der Partie.

Für das Video zur ersten Single „Wolves In The Valley“, das heute exklusiv bei den Kollegen der VISIONS Premiere feierte, hat es A Mote Of Dust im Sommer in die schottischen Highlands gezogen – übrigens sehr zur Freude der dortigen Fauna: Eine „Vielzahl an Insekten und anderer furchtbarer Viecher“ habe die Dreharbeiten begleitet, so Craig B.

 

 

Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick 2012 – Teil 4


Nachdem auf ANEWFRIEND bereits mein persönliches Jahr 2012 in Punkto Serien (ich entschuldige mich an dieser Stelle noch einmal bei all jenen, denen aufgefallen sein sollte, dass ich lohnenswerten Formaten wie „Breaking Bad“ oder „Californication“ nicht die verdiente Erwähnung entgegen gebracht habe!), Filme und dem „Song des Jahres“ unter die digitale Lupe genommen wurde, kommen wir nun zur gefühlten Königsdisziplin: den „Alben des Jahres“.

Und: findigen regelmäßigen Besuchern dieses kleinen Blogs wird nicht entgehen, dass 13 der Alben meiner persönlichen Top 15 im Laufe des Jahres bereits als „Album der Woche“ auf ANEWFRIEND Erwähnung fanden…

(Dass Platz 1 fehlt, ist übrigens kein Versehen – das Album wird mit einer etwas größeren Review in Kürze nachgereicht!)

 

 

Led Zeppelin - Celebration Day (Cover)02.  Led Zeppelin – Celebration Day

London im Dezember 2007: die „elder statesmen des Rock“ in Persona von Robert Plant, Jimmy Page, John Paul Jones und „Bonzo“-Sprößling Jason Bonham betreten noch einmal gemeinsam eine Konzertbühne, um Led Zeppelin in höchsten Ehren zu Grabe zu tragen. Ein Schwanengesang, und was für einer!

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Kid Kopphausen - I (Cover)03.  Kid Kopphausen – I

Die beiden deutschen Liedermacher Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch verbindet eine jahrelange Freundschaft. Nur logisch also, sich auch „beruflich“ zusammen zu tun und unter dem sinnstiftenden Namen „Kid Kopphausen“ ein Album im Bandformat zu veröffentlichen. Der Titel „I“ lässt vermuten, dass beide gern noch viele dieser stetig zwischen Frühlingsoptimismus und Herbstmelancholie pendelnden Kleinode geschrieben hätten… Leider verstarb Koppruch plötzlich und unerwartet im Oktober, noch bevor Kid Kopphausen zur geplanten großen Tournee aufbrechen konnten. Und auch wenn es nur ein kleiner Trost ist: Lieder wie das tolle „Das Leichteste der Welt“ strahlen nun, ob der dämmernden Gewissheit, noch heller… Danke, Nils.

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Keaton Henson - Dear (Cover)04.  Keaton Henson – Dear

Der englische mediale Alleskönner bot mit seinem Debüt „Dear“ und den dazugehörigen wundervollen Videos liebeskranken Singer/Songwriter-affinen Hörern 2012 den wohl schönsten Soundtrack. Klar scheint nach dem Genuss des Albums keinem eine kleine Sonne aus dem Allerwertesten, jedoch kann man sich in diese intimen Trauergeständnisse zärtlich behütet einkuscheln… *hach*

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Bloc Party - Four (Cover)05.  Bloc Party – Four

Nach „Intimacy“ schienen Bloc Party als Bandverbund quasi obsolet, Sänger Kele Okereke suchte sein Solo-Heil in Elektronikexperimenten, der Rest der Band widmete sich ebenfalls eigenen Projekten. Dann die scherzhafte mediale Verlautbarung, dass man gerade einen neuen Mikrovorsteher caste – ein Witz, der maximale Aufregung hervorrief. Dass das so simpel wie vielsagend betitelte neue Album „Four“ jedoch eine so gelungene Rückkehr zu alten Stärken werden würde, hatte wohl kaum jemand zu hoffen gewagt. Hier spielt eine verdammte Band! Und sie spielt frisch, laut, gewagt, ungewohnt, spannend. Unerwartet, und daher umso überraschender.

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Die Natur grift an (Cover)06.  Vierkanttretlager – Die Natur greift an

Dass vier Milchbubis aus dem norddeutschen Husum eines der besten deutschsprachigen Debütalben des Jahres abliefern würden, wird wohl nur den wenigsten Eingeweihten – und Kennern der Debüt-EP „Pension Kanonier“ – klar gewesen sein. Spätestens jetzt – und nach einem langen Tourneejahr mit u.a. Casper oder Kraftklub – dürften die Jungs von Vierkanttretlager auch einem breiteren Publikum bekannt sein. Und hört man das stürmische und bereits seltsam altersweise „Die Natur greift an“, so fragt man sich, wie zur Hölle die Instrumentalfraktion von Tomte Sven Regener Element Of Crime als Sänger abwerben konnte…

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cover07.  Kristofer Åström – From Eagle To Sparrow

I won’t back down: auch 2012 stellte der bärtige Schweden-Singer/Songwriter erneut unter Beweis, dass noch immer niemand Herzschmerz so wunderschön aufrichtig vertonen kann, nur um sich im nächsten Moment selbst in den Arm zunehmen, auf die Schulter zu klopfen und beherzt in den Allerwertesten zu treten. Kleine Hymnen in bewährt hoher Qualität. Åström ist und bleibt ’ne sichere Bank!

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Two Gallants - The Bloom and the Blight (2012)08.  Two Gallants – The Bloom And The Blight

Hoppla! Da scheint ja beim wuchtigen Duo aus San Francisco so einiges vorgefallen zu sein. Weg sind die Bluesrock-Mini-Dramen mit annähernd zehn Minuten Spieldauer. Stattdessen wird alles mit ausreichend Sturm und Druck ins beinahe „klassisch“ knappe Songformate gepresst. Und trotzdem sind die neuen Songs des Zweiergespanns Adam Stephens und Tyson Vogel relevante und spannend anzuhörende, kaum zu zähmende Biester!

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Patrick Wolf - Sundark and Riverlight (Cover)09.  Patrick Wolf – Sundark and Riverlight

Zehnjähriges Veröffentlichungsjubiläum? Da lässt sich ein so wandlungsfähiges Musikchamäleon wie Patrick Wolf natürlich nicht lumpen und bringt statt einer schnöden „Greatest Hits“-Zusammenstellung mal eben seine Auswahl der persönlichen Highlights in komplett neuen, mal akustisch, mal mit kleinem Orchester aufgenommenen Arrangements an den treuen Hörer. Lohnt sich, auch für diejenigen, die den talentierten Briten erst jetzt für sich entdecken möchten.

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Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra - Theatre Is Evil (Cover)10. Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra – Theatre Is Evil

Mehr Aufsehen als die Songs selbst des – mehr oder minder – zweiten Soloalbums der on/off-Dresden Dolls-Frontfrau erregte wohl deren Geldbeschaffungsaktion im Vorfeld: via Kickstarter sammelte Amanda Palmer etwa 1,2 Millionen US-Dollar ein und gab diesen Vorschuss an Geld und Vertrauen anhand eines vielseitigen, mit ihrer Begleitband The Grand Theft Orchestra eingespielten Albums sowie durch individuelle Fan-Gimmicks zurück. „Theatre Is Evil“ mag an einigen Stellen ambitionierter und unkonventioneller als noch das Solo-Debüt „Who Killed Amanda Palmer“ von 2008 tönen, steht diesem jedoch in nichts nach.

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…und auf den weiteren Plätzen:

The Unwinding Hours – Afterlivesmehr…

Regina Spektor – What We Saw From The Cheap Seatsmehr…

…And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Lost Songsmehr…

The Gaslight Anthem – Handwrittenmehr…

The Smashing Pumpkins – Oceania

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


The Unwinding Hours – Afterlives (2012)

-erschienen bei Chemikal Underground/Rough Trade-

Dresden im Februar 2005: vorbeirauschend an schneematschbedeckten Landschaften sitze ich im Zug Richtung sächsische Hauptstadt, mit zittrigen Händen, denn ich wähne mich kurz davor, eine meiner damaligen Lieblingsbands zum Interview zu treffen. Kurz vor der Ankunft im Dresdener Hauptbahnhof erreicht mich eine SMS: das Konzert von Aereogramme sei abgesagt, deren Sänger Craig B. habe eine ernsthafte Kehlkopfentzündung. Ich bin erschüttert, der folgende Abend nimmt mit dem wohl miesesten Ersatzkonzert meines Lebens (Jeans Team in der Groove Station) und einem schrottreifen Autounfall meines damals besten Freundes (noch dazu an dessen Geburtstag!) seinen vorprogrammiert schlimmen Lauf. Kurz darauf lösen sich Aereogramme nach dem letzten Album „My Heart Has A Wish That You Would Not Go“ (sic!) aufgrund persönlicher Differenzen, mangelnden Erfolgs (!), und auch da B.’s Stimmbänder die für die Songs bisheriger Alben (wie den tollen „Sleep and Release“ oder „A Story In White„) wichtigen Schreipassagen nicht mehr mitmacht, auf, das abgesagte Konzert wird nie nachgeholt, meiner bester Freund kündigt mir aus bisher unerfindlichen Gründen die Freundschaft, schmeißt mich Hals über Kopf aus dem gemeinsam mit viel Herzblut gegründeten Fanzine und seinem Leben. Zehn Jahre gemeinsame Bandgeschichte gehen für Aereogrammes Glaswegians schweren Herzens zu Ende, genauso wie eine große Freundschaft, mein Aereogramme-Trauma ist perfekt.

Umso schöner ist die Nachricht gegen Ende des Jahres 2009, dass mit Craig Beaton und Iain Cook wenigstens ein Teil von Aereogramme wieder ins Licht der Öffentlichkeit tritt. Und das selbstbetitelte Debüt der beiden – unter dem neuen Bandnamen The Unwinding Hours – enttäuscht keineswegs, setzt es doch den vom letzten Aereogramme-Album angetretenen Weg fort: die Screamo-Anteile des Sängers sind aus bereits genannten Gründen ad acta gelegt, dafür gibt es ein Wechselbad aus (mässig) Laut und Leise, aus Ruhepolen und sich in emotionale Höhen schraubenden Songs, und mit „Solstice“ eines der simpelsten und schönsten Liebeslieder meines Lebens. Ein großer Ritt in zehn Akten. Ich bin wieder angefixt.

April 2012: die Veröffentlichung von „Afterlives„, dem zweiten Album der vom Projekt zur festen Zwei-Mann-Band gewachsenen The Unwinding Hours, wird angekündigt, welches nun vor wenigen Tagen das Licht der Veröffentlichungswelt erblickt hat…

Mit dem vollen Besteckkorb aus Gitarren, Bass, Schlagzeug, Piano und Synthesizern geht das Duo im Albumopener „Break“ sofort in medias res: „Show me this truth you’ve always known“ singt Beaton. Der Mann hat auch in der Bandpause die Sinnsuche nicht aufgegeben, mehr noch: der überzeugte Atheist setzte sein Soziologie- und Theologiestudium (!) an der Universität fort. Spuren dessen lassen sich – wie bei den vorherigen Alben – auch auf „Afterlives“ ausmachen. „I’ve Loved You For So Long“ rechnet als vollmundiger Indierocksong mit einer vergangenen Liebe ab, in „The Right To Know“ gibt sich Beaton zu mäandernden Sythnties kämpferisch: „We can find some place to hide /…/ I will not leave this beauty to the idiots“. „Saimaa“ ist der Ruhepol des Albums, in welchem der Sänger mit sich selbst duetiert und zu Pianotupfern von einem Urlaub in der Heimat seiner finnischen Freundin erzählt (Saimaa ist ein See im Süden des Landes). Im darauf folgenden „The Promised Land“ bringt er zu einsetzender Kirchenorgel, welcher Schlagzeug und Gitarren folgen, all seine religiösen Zweifel auf den Punkt („Through all this / I finally understand / That I don’t believe it / If I’m honest this took me too long / I was helpless, I couldn’t stop holding on / Now there’s nothing to hold on to / This is not love, I don’t need saving /…/ I don’t see your promised land“). Die erste Single „Wayward“ ist mit vorwärts marschierendem Schlagzeug der wohl poppigste Song des Albums, in „Say My Name“ outet sich Craig Beaton erneut als Sinnsuchender und Liebender ( „I’m turing into dust / And counting down the day / I barely hear your voice / And I whisper of the ways / I cannot call this home / If you’re gone and I’m left here“). „The Dogs“ reicht durch Akustikgitarrenbegleitung und Textzeilen wie „They will not let me be / So please take me away for here / To find peace / Somewhere the constant roar cannot reach / Don’t you know you are all I need?“ als einziger Song auf „Afterlives“ an die Großtat „Solstice“ heran und „Skin On Skin“ erweckt durch technoide Beats, Sythesizer und die kalt hallende Stimme beinahe den Eindruck eines clubtauglichen Tracks, bevor die Gitarren einsetzen. Der Abschluss „Day By Day“ erweist sich zu Streicher- und Synthieflächen als finaler Tröster („Raise your head / I know you feel / All your scars“).

Die wohl auffälligste Neuerung gegenüber dem Vorgänger sind die sich durch das komplette Album ziehenden Sythesizer, welche vor allem Iain Cooks Sythie-Pop-Nebenprojekt Churches geschuldet sein dürften. Auch sind einige Songs poppiger als noch auf dem Erstling geraten – jedoch sollte man diese Bezeichnung bei Beaton und Cook vorsichtig anwenden. Laut und Leise befinden sich außerdem klarer getrennt, deshalb bleiben Songs mit Spannungsbögen wie auf dem Debüt diesmal außen vor. Dennoch wird auch das in losen Sessions in Cooks gut laufenden eigenen Winz-Studio aufgenommene „Afterlives“ den beiden Schotten nicht zum großen Durchbruch verhelfen. Doch was soll’s! Die beiden bärtigen Herren haben sich längst mit ihrem wohligen Zweitligadasein arrangiert, schimpfen in nordisch-rauer Manier über – für sie – seelenlosen Von-der-Stane-Pop wie Snow Patrol und sehen The Unwinding Hours lediglich als willkommenes musikalische und therapeutisches Ventil. Und wenn Craig Beaton weiterhin Pfannen wenden und Kochenlöffel durch die Küche des (laut Augenzeugen hervorragenden) Glasgower Restaurantspubs Nice’n’Sleazy schwingen und Iain Cook weiterhin seine Freiheiten als Produzent und musikalischer Sidekick ausleben darf, dann bleibt für beide alles gut. Mit dem Alten abzuschließen kann durchaus heilsam sein. „Afterlives“ ist ein weiteres Stück Gesundung in zehn Akten. Für The Unwinding Hours wie für mich. Wunden sind da, um zu heilen. Wir leben. Jetzt.

 

Hier (über 3voor12) könnt ihr euch das komplette Album im Stream zu Gemüte führen…

 

…sowie die Videos zu „The Right To Know“…

 

…und zur ersten Single „Wayward“ anschauen:

 

Rock and Roll.

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