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Auf leisen Sohlen, für kühle Stunden – Leif Vollebekk schenkt uns „Borrowed Time“, seine Cover-EP…


leif vollebekk

Dinge, für die man in diesen sonnigen Tagen wohl nur wenige Menschen begeistern können wird: Klöppelabende im örtlichen Gemeindehaus, philosophische Dauerdiskurse über die Lehren von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, eine Mount Everest-Besteigung – und die Songs von Leif Vollebekk.

Denn natürlich könnte sich der aus dem kanadischen Montreal stammende Musiker klanglich kaum ferner von Sommerhits und Ballermanndebilität bewegen. Vielmehr orientiert sich Vollebekk an Musikern wie Boy Dylan, Neil Young oder Nick Drake und lässt als personifizierter Leisetreter à la Kings Of Convenience seinen Stücken mächtig Raum zum Atmen und Entfalten. Hören konnte man das zuletzt auf dem im vergangenen Februar erschienen zweiten Album „North Americana“, dessen Titel kaum mehr über die zehn Stücke aussagen könnte – Americana-infiziertes Singer/Songwritertum, aufgenommen irgendwo zwischen Montreal, New York City und Paris, gedanklich hängen geblieben irgendwo in der Melancholie des Gestern und der Unausgeschlafenheit des Heute…

Dass Leif Vollebekk nicht nur traumhaft schöne eigene Stücke schreiben, sondern sich auch ordentlich darauf versteht, Stücke seiner Vorbilder und Inspirationsquellen zu interpretieren, beweist er auf der kürzlich erschienenen „Borrowed Time EP„, die Vollebekk’sche Coverversionen von Stücken der Beach Boys („Caroline, No“), The Killers („Read My Mind“), Neil Young („Barstool Blues“), Sigur Rós („Heysátan“) und Bob Dylan („Spanisch Harem Incident“). Erfreulicherweise wählte Leif Vollebekk hier nicht etwa die bekanntesten Songs der Künstler aus, sondern tatsächlich ein paar seiner eigenen Favoriten – was uns glücklicherweise die gefühlt 500. jeweilige Interpretation von „Surfin‘ USA“, „Heart Of Gold“ oder „Blowin‘ In The Wind“ erspart… Noch besser: Die „Borrowed Time EP“ verschenkt der Kanadier für lau und komplett kostenlos (!) auf seiner Homepage! Da sollte man dann doch schon zugreifen – und sich die Songs notfalls für kühle Herbst- und Wintertage neben den Kamin legen…

 

Borrowed TIme EP„In the hot summer of 2012, I got the band together to play 5 songs. Well, 6, but that Strokes cover just didn’t make it. But it was one of the most memorable times in the studio for me. Everybody was really focused, and there was no ego. David Smith, who worked on my first record, set up all the microphones and got just the sound I was looking for. Putting live August air onto 2″ tape.

Caroline No might not be my favourite Beach Boys song, but I’d just learnt all the chords and they were just too pretty not to try. I love Hans’ bass playing on this one, very lyrical. Read My Mind came out a bit earlier this year, and I can’t say enough enough about Phil’s drum part. He’s just so artful. Barstool Blues is really a beautiful song, especially when you get to slow it down like we did. On Heysátan, Adam and I made some tape loops, him on Saxophone and myself on bowed acoustic guitar. This is a song that came out when I was living in Iceland and, to this day, it still takes me back. And, lastly, Spanish Harlem Incident is a great song that, like a lot of Dylan songs, has all of these secret melodies inside of it. It’s a bit raggedy since at times we couldn’t hear each other in the studio, but I like how that feels. Some of my favourite recordings seem to fall apart each time I hear them, and sometimes that’s what keeps me together.

Anyhow, hopefully you’ll enjoy listening to these songs as much as we enjoyed playing them.“

(Leif Vollebekk)

 

Vor dem kostenlosen Download können bislang Unentschlossene hier alle fünf Stücke probehören…

 

Rock and Roll.

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Zu kurz gekommen… – Teil 5


Pela – Anytown Graffiti (2007)

Den Ehrentitel der „zu kurz gekommenen Platte“ hat wohl kaum ein anderes Album mehr verdient als „Anytown Graffiti“ von Pela, wird es doch tragischerweise wohl auf ewig das einzige Album dieser großartigen Band bleiben…

Jedes Mal, wenn ich das 2007 erschiene Debütalbum der New Yorker Band um Sänger Billy McCarthy höre, ist es für mich in kleinster Weise nachvollziehbar, warum dieses Kleinod von vertontem Road Movie nie außerhalb der USA nur als Import zu bekommen war, und selbst in ihrem Heimatland recht mäßigen Anklang – gemessen an Verkaufszahlen – fand, während musikalisch vergleichbare Bands wie The Hold Steady, The Killers oder Arcade Fire ausverkaufte Konzerthäuser bespielten… Dabei hat das 40-minütige „Anytown Graffiti“ alles, was ein großes Album auszeichnet: mitreißende Hymnen, mal hemdsärmelig rockend, mal groß wie U2, welche sowohl im Wohnzimmer als auch im Stadion überzeugen könnten. Einen Sänger, der sein Herz auf der Zunge trägt und der sich – volle Inbrunst voraus! – direkt zur Seele des Hörers / der Hörerin aufmacht. Texte, in denen gelitten, geliebt, gelebt, geträumt und gehasst wird… Man kann in jedem der elf Songs Zeilen finden, die es wert wären, dass man sie sich auf die stolzgeschwellte Brust tätowieren ließe. Beispiele gefällig? „The days just roll by / And the songs write themselves / Like little bombs they just blow up / Friendly fire that shoots itself“ („Song Writes Itself“), „Call me if you want to break out / Call me if you can’t win / We can find some desert hideout / Your desert’s not a desert at all“ („Your Desert’s Not A Desert At All“), „It’s only love, only love / We did this before, it’s only love“ („Tenement Teeth“). Textlich nah bei Arcade Fire’s „The Suburbs“, geht es auch hier um die Jugend, ums Stürmen und Drängen, um Wendepunkte, um den Traum, alles stehen und liegen zu lassen und mit dem Mädchen (oder dem Jungen) seiner Träume ins Auto zu steigen und sich, zwei Stangen Zigaretten und eine Kiste Tequila im Gepäck, gen Sonnenuntergang zu verabschieden. – Musikalische Filmfetzen des feuchten Traums eines Cineasten vom Vorstadt-Amerika, wo nicht alles gut, aber alles möglich erscheint. Der Soundtrack hierzu klingt, als würden die frühen (!) Killers Springsteens „Born To Run“ oder „Darkness On The Edge Of Town“ in Gänze spielen. Der Soundtrack hierzu ist „Anytown Graffiti“ von Pela.

Leider löste sich die vierköpfige Band 2009 auf, noch bevor sie ein zweites Album veröffentlichen konnten und nach vielen unglücklichen Missgeschicken und Vorkommnissen (Rechtsstreitigkeiten mit ehemaligen Labels und Managern, Verletzungen von Bandmitgliedern).

Für alle, die danach sehnlichst auf ein Lebenszeichen der Ex-Pela-Musiker (am meisten wohl von Sänger Billy McCarthy) gewartet hatten, war es wohl ein bisschen wie Weihnachten und Ostern an einem Tag, als im Juni 2011 endlich „Rise Ye Sunken Ships“, das Debütalbum von We Are Augustines, McCarthys gemeinsamer Band mit Ex-Pela-Bassist Eric Sanderson, erschien. Musikalisch machen die beiden erfreulicherweise nun da weiter, wo sie mit Pela notgedrungen aufgehört hatten. Textlich ist „Rise Ye Sunken Ships“ stellenweise recht harter Tobak, verarbeitet Billy McCarthy in vielen der Songs doch die Schizophrenie von Mutter und Bruder sowie den Selbstmord eben jenes Bruders (etwa nachzuhören in „Book of James“) – was nicht bedeutet, dass dieses Album weniger dynamisch, hymnisch, gelungen oder empfehlenswert ist als „Anytown Graffiti“… Bleibt zu hoffen, dass We Are Augustines nun mehr Aufmerksamkeit und Glück zuteil wird als Pela – die Auszeichnung des Debüts als „iTunes Alternative Album Of The Year 2011“ ist schonmal ein gutes, wichtiges Zeichen… Nach all der Zeit, die die Jungs, sich den Arsch abspielend, nun schon auf den Durchbruch warten, haben sie’s sich redlich verdient. Ich drücke ihnen alle verfügbaren Daumen und werde, vor allem für „Anytown Graffiti“, auch weiterhin „Missionarsarbeit“ leisten… – Wenn schon die Musik allein nicht laut genug für sich tönt.

 

 

 

 

Rock and Roll.

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