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Song des Tages: Spoon – „The Hardest Cut“


Foto: Promo / Oliver Halfin

Die Spoon’sche Zeit der Elektro-Beats aus Drum-Machines und Synthesizern, die sich mit dem 2014er Album „They Want My Soul“ anbahnte und auf dem drei Jahre darauf erschienenen Nachfolger „Hot Thoughts“ den Ton vorgab, scheint – zumindest vorerst – vorbei. Die US-Indie-Band um Sänger und Gitarrist Britt Daniel, der Spoon im Jahr 1993 mit Schlagzeuger Jim Eno gründete, hat ihr zehntes, im kommenden Februar erscheinendes Studioalbum „Lucifer On The Sofa“ angekündigt und wagt damit einen Schritt (zurück) in Richtung puristische Rockmusik. 

Schon während der Tour zu „Hot Thoughts“ haben Spoon laut Daniel eine neuerliche Wertschätzung für ihren lärmenden Bühnensound entwickelt, da „die Live-Versionen der Songs die Albumversionen übertrafen“. Nach einem Umzug von Los Angeles nach Austin, Texas, in der auch Bandkollege Eno das „Public Hi-Fi“-Studio betreibt, begann die Arbeit an dem neuen Album, welches laut Daniel in der “bisher reinsten Rock’n’Roll-Platte” der Band mündeten. Dafür wählten Spoon eine ironisch angehauchte Herangehensweise: “Es ist ein Classic-Rock-Sound, wie er von einem Typen geschrieben wurde, der Eric Clapton nie verstanden hat.”

Die erste Singleauskopplung „The Hardest Cut“, in welcher von Disco-Rock- und Dance-Attitüden tatsächlich nichts mehr zu hören ist, erinnert mit ihrem rhythmisch polternden Groove etwa an ZZ Top oder Molly Hatchet. Über gedämpft schwingende Gitarren-Riffs legen sich Daniels lässiger Gesang, auf den Chorus folgt in Genre-Manier ein rohes Bridge-Solo der verzerrten Leadgitarre, wie man es beispielsweise von Jack White kennt. Ein düster rumpelnder, treibender Beat, fuzzige Soli und verzerrter Garage Rock zu lässigen Gesangsmelodien? Nimmt man gern, macht Bock auf mehr! Die Entstehung des Songs war laut dem Frontmann sowohl von kollaborativer, als auch nostalgischer Natur: “Ich wollte schon immer einen Spoon-Song haben, der den Vibe von ‘Run Run Run’ von The Who hat. Es war also die Kombination von drei Dingen: Die Akkorde von Alex [Fischel, Gitarrist], mein Riff und ‘Run Run Run’.“

Ganz ähnlich verrucht kommt das Musikvideo mit moderner Film-Noir-Atmosphäre daher, in dem die Band in schummrigem Ambiente vor einem zum mechanischen Beat tanzenden Publikum auftritt. Nur ein mysteriöser Mann mit weißem Anzug, der in der Ecke des in diffuses Licht getauchten Saals sitzt, beobachtet unbeeindruckt die Szenerie. Unter dem Saal wird eine junge Frau gefangen gehalten und von ihrem Peiniger mit einem Messer bedroht. Nachdem sie es geschafft hat, ihn zu überwältigen und zu töten, steigt sie eine Treppe zum Konzertort hinauf und sieht sich mit dem Anzugträger konfrontiert…

Die Allegorie des „Teufels auf dem Sofa“ taucht aber nicht nur im Video und dem Albentitel auf, sondern soll auch beim bisher unveröffentlichten Titeltrack das Thema bilden. Laut Daniel sei ihm während eines nächtlichen Spaziergangs die Vorstellung von Satan gekommen, „der mit mir auf meiner Couch sitzt und mich anstarrt“. Diese Figur sei das „Schlimmste, was aus einem werden kann“. Es repräsentiere das Zusammenschrumpfen zu einem „antriebslosen und jammernden Häufchen Elend“ durch Bitterkeit und Selbstzweifel. Der Teufel, eine Weggabelung und Robert Johnson – das waren ja im Grunde schon immer die Grundzutaten des Blues und Rock’n’Roll.

Rock and Roll.

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