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Liebe und Geschichten in jeder Rille – der Kurzfilm aus dem The Gaslight Anthem-Lager: „Every Word Handwritten“


Every Word Handwritten...

Eines steht fest: wir leben in schnelllebigen Zeiten. Alles muss immer größer, praktischer, effektiver, besser, höher, schneller, weiter sein. Wir führen – zumindest in den Industrienationen – den Darwinismus ad absurdum und passen unsere Umwelt uns an. Gibt’s nicht? Klappt nicht? Was nicht passt, wird passend gemacht! Und wieso sollte es mit der Musik anders sein? Musste man sich früher noch zu Hausmusikabenden zusammen setzen, wenn man Musik hören wollte, so lässt heute beinahe jeder seinen eigenen kleinen Tagessoundtrack auf dem Weg zur oder von der Arbeit, beim Putzen, Joggen, Schlafen, Lesen und wasweißichfürgelegenheiten durch die Gehörgänge rauschen. Musste man früher noch Stunde um Stunde vor dem Tapedeck verbringen, wenn man den neusten „heißen Scheiß“ an Radiotiteln auf Magnetbändern in den Walkman bringen wollte – und beim Mitschneiden im Radio alles sekundengenau abpassen (und hoffen, hoffen, hoffen, dass dieser dämliche Moderator den Titel auch gottverdammtnochmal ausspielt und nicht wieder irgendwelche beschissenen Verkehrsmeldungen über die beste Stelle rasseln lässt!) -, so kann man sich heutzutage bei Bedarf einfach die komplette Diskographie eines Künstlers innerhalb weniger Minuten auf die heimische Festplatte saugen. Und, all ihr Kiddies da draußen: was wisst ihr denn heute noch über die Unwägbarkeiten, die Tücken, die psychologischen Fallstricke der Zusammenstellung des – nahezu! – perfekten Mixtapes? Hm? Darüber, den idealen Anfang und den vielsagensten Abschluss zu finden und den Hörer (zu meiner Zeit und in eurem Alter meist: die Angebetete) während der gesamten Zeitspanne – bei Kassetten meist 60 oder 90 Minuten, später die Standard-CD-Länge von 80 Minuten – bei Laune zu halten, bestenfalls gar (für sich) zu begeistern? Wann habt er zuletzt vor einem Platten- oder CD-Regal gestanden und versucht, den Besitzer dieser „Kostbarkeiten“ anhand des Musikgeschmacks psychologisch einzuschätzen? Wann habt ihr eure Finger zuletzt fachkundig durch die Neuerscheinungen in einem Musikfachgeschäft wandern lassen? (Ja, es gibt in der Tat ein Leben außerhalb des iTunes Stores!) Wann habt ihr zuletzt eine Vinylplatte in euren Händen gehalten – gar: eine gekauft? Oder lediglich eine CD? Also? Hm? Hm?!? HM?!? Und nein: das ist kein Kulturpessimismus. Nennt es bitte verklärte Kulturromantik…

Vinyl Love

The Gaslight Anthem-Schlagzeuger Ben Horowitz sieht das ähnlich: „Ich habe mich in Musik verliebt, als es noch keine Musik gab,“ wie er kürzlich gegenüber der US-amerikanischen Ausgabe des Rolling Stone zu Protokoll gab. „Und als sich die gesamte Musikindustrie veränderte, war ich immer noch verliebt. Es ist schon interessant, ein Musikfan zu sein und diese Veränderungen selbst mitzumachen.“ Und so ist es umso logischer, das er und seine Band dieser Langzeitliebe nun in größerem Maße Tribut zollen: im 15-minütigen Kurzfilm „Every Word Handwritten“ wird der Weg einer Vinylsingle durch die Jahrzehnte gezeigt, wie sie die Leben von Menschen, ja von ganzen Generationen in entscheidenden Momenten verändert, und selbst nur äußerlich Schaden nimmt – Vinyl, du schwarzes Gold, du musikalischer Hort für die Ewigkeit. Und auch der Titel des Film kommt nicht von ungefähr: die Idee kam Horowitz, als es darum ging, Themenbereiche für das Video zum Titelsong des gleichnamigen, im vergangenen Juli erschienenen Gaslight Anthem-Albums „Handwritten“ zu sammeln. Nachdem sich der Schlagzeuger das Okay seiner Bandkumpels eingeholt hatte, setzte er sich mit Regisseur Kevin Slack, der vorher unter anderem bereits das Video zu „Here Comes My Man“ mit verantwortete, in Kontakt und begann mit der Arbeit. Herausgekommen sind 15 sehenswerte Minuten, für deren Score sich TGA-Gitarrist  Alex Rosamilia und Wes Kleinknecht, ein weiterer Freund der Band, verantwortlich zeichnen, und deren Optik wohl allen, die mit den bisherigen Videos von The Gaslight Anthem vertraut sind, ebenfalls zusagen dürfte…

„Ich kann mir ein Leben ohne Vinyl nicht vorstellen. Ein Leben, in dem ich durch mein Wohnzimmer gehe, ohne meine Platten zu sehen.“ Ja, Ben Horowitz ist einer dieser Kulturtraditionalisten, die ihr immer so süffisant belächelt, während ihr euch auf euren iPods und iPhones durch Tage um Tage Musik clickwheeled und scrolled, Kinder. Nichts für ungut, sehr verehrte jüngere Generation, denn auch ich liebe meinen iPod! Aber: viel zu viele von euch werden wohl einen guten Teil eben jener Magie, die die Musik eigentlich stets umgeben sollte, wohl leider nie kennenlernen…

The Gaslight Anthem

Der Kurzfilm „Every Word Handwritten“ kann hier (über den Internetauftritt des US-amerikanischen Rolling Stone) begutachtet werden…

…und hier gibt’s noch einmal die bisherigen Zusammenarbeiten von The Gaslight Anthem mit Regisseur Kevin Slack: das Video zu „I’da Called You Woody, Joe“ (vom 2007 erschienenen Debüt „Sink Or Swim„)…

 

…den Clip zu „Handwritten“ (quasi der Kurzfilm im gestrafften Videoformat)…

 

und das aktuelle Video zu „Here Comes My Man“:

 

Als kleinen Bonus gibt’s hier noch The Gaslight Anthems Version des Animals-Klassikers „House Of The Rising Sun“, die die Band bei einer Session der „Billboard Candid Cover“-Reihe einspielte:

 

Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick 2012 – Teil 4


Nachdem auf ANEWFRIEND bereits mein persönliches Jahr 2012 in Punkto Serien (ich entschuldige mich an dieser Stelle noch einmal bei all jenen, denen aufgefallen sein sollte, dass ich lohnenswerten Formaten wie „Breaking Bad“ oder „Californication“ nicht die verdiente Erwähnung entgegen gebracht habe!), Filme und dem „Song des Jahres“ unter die digitale Lupe genommen wurde, kommen wir nun zur gefühlten Königsdisziplin: den „Alben des Jahres“.

Und: findigen regelmäßigen Besuchern dieses kleinen Blogs wird nicht entgehen, dass 13 der Alben meiner persönlichen Top 15 im Laufe des Jahres bereits als „Album der Woche“ auf ANEWFRIEND Erwähnung fanden…

(Dass Platz 1 fehlt, ist übrigens kein Versehen – das Album wird mit einer etwas größeren Review in Kürze nachgereicht!)

 

 

Led Zeppelin - Celebration Day (Cover)02.  Led Zeppelin – Celebration Day

London im Dezember 2007: die „elder statesmen des Rock“ in Persona von Robert Plant, Jimmy Page, John Paul Jones und „Bonzo“-Sprößling Jason Bonham betreten noch einmal gemeinsam eine Konzertbühne, um Led Zeppelin in höchsten Ehren zu Grabe zu tragen. Ein Schwanengesang, und was für einer!

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Kid Kopphausen - I (Cover)03.  Kid Kopphausen – I

Die beiden deutschen Liedermacher Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch verbindet eine jahrelange Freundschaft. Nur logisch also, sich auch „beruflich“ zusammen zu tun und unter dem sinnstiftenden Namen „Kid Kopphausen“ ein Album im Bandformat zu veröffentlichen. Der Titel „I“ lässt vermuten, dass beide gern noch viele dieser stetig zwischen Frühlingsoptimismus und Herbstmelancholie pendelnden Kleinode geschrieben hätten… Leider verstarb Koppruch plötzlich und unerwartet im Oktober, noch bevor Kid Kopphausen zur geplanten großen Tournee aufbrechen konnten. Und auch wenn es nur ein kleiner Trost ist: Lieder wie das tolle „Das Leichteste der Welt“ strahlen nun, ob der dämmernden Gewissheit, noch heller… Danke, Nils.

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Keaton Henson - Dear (Cover)04.  Keaton Henson – Dear

Der englische mediale Alleskönner bot mit seinem Debüt „Dear“ und den dazugehörigen wundervollen Videos liebeskranken Singer/Songwriter-affinen Hörern 2012 den wohl schönsten Soundtrack. Klar scheint nach dem Genuss des Albums keinem eine kleine Sonne aus dem Allerwertesten, jedoch kann man sich in diese intimen Trauergeständnisse zärtlich behütet einkuscheln… *hach*

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Bloc Party - Four (Cover)05.  Bloc Party – Four

Nach „Intimacy“ schienen Bloc Party als Bandverbund quasi obsolet, Sänger Kele Okereke suchte sein Solo-Heil in Elektronikexperimenten, der Rest der Band widmete sich ebenfalls eigenen Projekten. Dann die scherzhafte mediale Verlautbarung, dass man gerade einen neuen Mikrovorsteher caste – ein Witz, der maximale Aufregung hervorrief. Dass das so simpel wie vielsagend betitelte neue Album „Four“ jedoch eine so gelungene Rückkehr zu alten Stärken werden würde, hatte wohl kaum jemand zu hoffen gewagt. Hier spielt eine verdammte Band! Und sie spielt frisch, laut, gewagt, ungewohnt, spannend. Unerwartet, und daher umso überraschender.

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Die Natur grift an (Cover)06.  Vierkanttretlager – Die Natur greift an

Dass vier Milchbubis aus dem norddeutschen Husum eines der besten deutschsprachigen Debütalben des Jahres abliefern würden, wird wohl nur den wenigsten Eingeweihten – und Kennern der Debüt-EP „Pension Kanonier“ – klar gewesen sein. Spätestens jetzt – und nach einem langen Tourneejahr mit u.a. Casper oder Kraftklub – dürften die Jungs von Vierkanttretlager auch einem breiteren Publikum bekannt sein. Und hört man das stürmische und bereits seltsam altersweise „Die Natur greift an“, so fragt man sich, wie zur Hölle die Instrumentalfraktion von Tomte Sven Regener Element Of Crime als Sänger abwerben konnte…

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cover07.  Kristofer Åström – From Eagle To Sparrow

I won’t back down: auch 2012 stellte der bärtige Schweden-Singer/Songwriter erneut unter Beweis, dass noch immer niemand Herzschmerz so wunderschön aufrichtig vertonen kann, nur um sich im nächsten Moment selbst in den Arm zunehmen, auf die Schulter zu klopfen und beherzt in den Allerwertesten zu treten. Kleine Hymnen in bewährt hoher Qualität. Åström ist und bleibt ’ne sichere Bank!

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Two Gallants - The Bloom and the Blight (2012)08.  Two Gallants – The Bloom And The Blight

Hoppla! Da scheint ja beim wuchtigen Duo aus San Francisco so einiges vorgefallen zu sein. Weg sind die Bluesrock-Mini-Dramen mit annähernd zehn Minuten Spieldauer. Stattdessen wird alles mit ausreichend Sturm und Druck ins beinahe „klassisch“ knappe Songformate gepresst. Und trotzdem sind die neuen Songs des Zweiergespanns Adam Stephens und Tyson Vogel relevante und spannend anzuhörende, kaum zu zähmende Biester!

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Patrick Wolf - Sundark and Riverlight (Cover)09.  Patrick Wolf – Sundark and Riverlight

Zehnjähriges Veröffentlichungsjubiläum? Da lässt sich ein so wandlungsfähiges Musikchamäleon wie Patrick Wolf natürlich nicht lumpen und bringt statt einer schnöden „Greatest Hits“-Zusammenstellung mal eben seine Auswahl der persönlichen Highlights in komplett neuen, mal akustisch, mal mit kleinem Orchester aufgenommenen Arrangements an den treuen Hörer. Lohnt sich, auch für diejenigen, die den talentierten Briten erst jetzt für sich entdecken möchten.

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Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra - Theatre Is Evil (Cover)10. Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra – Theatre Is Evil

Mehr Aufsehen als die Songs selbst des – mehr oder minder – zweiten Soloalbums der on/off-Dresden Dolls-Frontfrau erregte wohl deren Geldbeschaffungsaktion im Vorfeld: via Kickstarter sammelte Amanda Palmer etwa 1,2 Millionen US-Dollar ein und gab diesen Vorschuss an Geld und Vertrauen anhand eines vielseitigen, mit ihrer Begleitband The Grand Theft Orchestra eingespielten Albums sowie durch individuelle Fan-Gimmicks zurück. „Theatre Is Evil“ mag an einigen Stellen ambitionierter und unkonventioneller als noch das Solo-Debüt „Who Killed Amanda Palmer“ von 2008 tönen, steht diesem jedoch in nichts nach.

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…und auf den weiteren Plätzen:

The Unwinding Hours – Afterlivesmehr…

Regina Spektor – What We Saw From The Cheap Seatsmehr…

…And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Lost Songsmehr…

The Gaslight Anthem – Handwrittenmehr…

The Smashing Pumpkins – Oceania

 

Rock and Roll.

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Neues The Gaslight Anthem-Video zu „Here Comes My Man“


Die „Heartland-Rocker“ von The Gaslight Anthem haben kürzlich das Video zur zweiten Single aus ihrem bisher erfolgreichsten Album „Handwritten“ (Platz 2 in Großbritannien, Platz 3 in der US-amerikanischen Heimat) veröffentlicht. In „Here Comes My Man“ erzählen Brian Fallon & Co. – passend zum Song – filmisch davon, wie schwer es ist, sich von alten Gefühlen und guten Erinnerungen zu lösen… Im Clip, bei welchem Kevin Slack Regie führte, ist übrigens auch Ian Perkins zu sehen, der bisher „nur“ als Tourtechniker, Aushilfsgitarrist und zweiter Teil von Fallons Nebenbeschäftigung The Horrible Crowes fungierte, und nun wohl mehr und mehr in die Band integriert wird.

Speziell für den ‚Black Friday Record Store Day‘ haben The Gaslight Anthem zu diesem Song auch eine EP veröffentlicht, auf der sich neben den neuen Stücken „Misery“ und „Hold You Up“ auch eine Coverversion des Bon-Iver Songs „Skinny Love“ befindet…

 

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


The Gaslight Anthem – Handwritten (2012)

-erschienen bei Mercury/Universal – 

Viel Ruhe war Brian Fallon in den letzten Jahren -freilich selbstgewählt –  auch abseits von The Gaslight Anthem nicht vergönnt. Erst ließ er mit Ian Perkins, dem Tour-Gitarrentechniker seiner Hauptband, und dem gemeinsamen Projekt The Horrible Crowes irgendwo zwischen gewohnten Gefilden und dem dunklen Raunen eines Tom Waits seinen Dämonen auf dem Album „Elsie“ freien Lauf, dann begab er sich mit Kumpels wie Chuck Ragan (Hot Water Music), Dan Andriano (Alkaline Trio) oder Dave Hause (The Loved Ones) auf Hemdsärmel-Folkrock-Tour dies- und jenseits des Atlantiks, und zum Schluss redete er sich – vor allem hierzulande – mit seinem Bekenntnis zum christlichen Kreationismus (fast) um Kopf und Kragen. Das Ergebnis: Verwirrung, Unverständnis und Leck-mich!-Ansagen von beiden Seiten, erhitzte Gemüter und die (angekündigte) Abkehr eines Teils der bisherigen Stammhörerschaft. Dabei kann man Fallon keinesfalls – und ganz im Gegensatz zu sich zu Scientology bekennenden Schauspielern wie Tom Cruise, Will Smith oder John Travolta – vorwerfen, mit seiner Kunst Menschen in religiöser Hinsicht bekehren, beeinflussen oder manipulieren zu wollen. Denn auch auf dem mittlerweile vierten The Gaslight Anthem-Album „Handwritten“ ist (beinahe) alles bei Alten…

Doch von Anfang und dem Albumopener “ ’45‘ “ an: wie man es bereits von den Vorgängern und deren dynamischen Einstiegssongs wie „Great Expectations“ oder „American Slang“ gewohnt war, stellen Brian Fallon (Gesang, Gitarre), Alex Rosamilia (Gitarre, Gesang), Alex Levine (Bass, Gesang) und Benny Horowitz (Schlagzeug, Percussion, Gesang) auch hier einen Rocksong mit Powerpop-Einschlag an die erste Stelle. „Have you seen my heart? / Have you seen how it bleeds?“ singt Fallon gewohnt energisch und mit heiser-rauer Stimme. Jawohl, die Jungs sind zurück! Im darauf folgenden Titelsong fragt er „What’s your favorite song? / That’s mine, I’ve been crying to it since I was young“ und singt davon, dass die Musik für beide Seiten eine nahezu katharsische Wirkung haben kann. „Mulholland Drive“ legt Erinnerungen an eine große kleine Liebe am Ende eines Sommers, an eine Zeit, als ein gebrochenes Herz noch das Ende der Welt bedeutete und man mit Radiosongs für die Ewigkeit noch durch endlos scheinende laue Nächte fuhr, frei und bietet ein tolles, wenn auch kurzes Gitarrensolo im Mittelteil. „Keepsake“ ist ein Mundharmonika-Rocker über Flüsse, Blut und Familienbande. „Too Much Blood“ schürft textlich wohl von den zehn Songs auf „Handwritten“ am tiefsten: „What can I keep for myself if I tell you me hell? /…/ And if I just tell the truth are there only lies left to tell you / If I put too much love on the page?“ zweifelt Fallon. Belastet man die, die man liebt, manchmal zu sehr mit den eigenen inneren Dämonen? Ist es an manchen Tagen besser, zu schweigen und einige Dinge mit sich selbst auszumachen? Antworten findet auch er keine, schreibt sich seine dunklen Reflexionen jedoch (vorerst) von der Seele. Das darauf folgende, lediglich zwei Minuten kurze „Howl“ wirft die Frage „Does anything still move you since you’re educated now?“ auf und erinnert mit seiner straighten Art am ehesten an das 2007er Debüt „Sink Or Swim„. „Biloxi Parish“ dürfte all denen, die in den vergangenen Jahren ein Konzert des Quartetts aus New Jersey besucht haben, bereits bekannt sein, gehört es doch als einziger Albumsong seit langem zum festen Live-Repertoire. „Desire“ macht mit den ‚Ohoho‘-Chören und sinnstiftenden Zeilen wie „What makes a man do the things that a man does?“ seinem Namen alle Ehre, „Mae“ stellt mit gewohnten Ewigkeitstexzeilen wie „Stay the same, don’t ever change / ‚Cause I’d miss your ways / With your Bette Davis eyes / And your mama’s party dress“ und an U2’s The Edge erinnernden, flirrenden Gitarrenlinien ein Highlight ans Ende des Albums und „National Anthem“ bildet den weisen Akustikgitarre-mit-Streichern-Rausschmeißer. „I never will forget you my American love /…/ The place where you were in my heart is now closed / I already live with too many ghosts“ singt Fallon.  Ein Melancholiker? Ja, jedoch keiner um den man sich sorgen müsste. „Don’t worry about me, Mama, I’ll be all right.“

Alles in Allem ist The Gaslight Anthem mit dem von Brendan O’Brien, welcher unter anderem Künstler wie Bruce Springsteen, Pearl Jam oder Incubus in seiner Kundenkartei stehen hat, produzierten und in Nashville, Tennessee zu großen Teilen live eingespielten Majorlabel-Debüt ein Sicherheitsalbum gelungen, das sein Heil in straighten Rocksongs und dezent eingesetzten ‚Heyheyhey‘- oder ‚Ohoho‘-Chören sucht und Überraschungen oder Neuerungen allenfalls im Detail bereithält. Zwar fehlen auf „Handwritten“ die großen Hymnen wie „The ’59 Sound“ (vom gleichnamigen, 2008 veröffentlichten Zweitwerk) oder „American Slang“ (vom gleichnamigen Vorgänger von 2010), jedoch bieten die zehn Songs genug Anwärter als feste Größen für zukünftige Konzerte. The Gaslight Anthem empfehlen sich mit Springsteen-Rock (es ist schlichtweg unmöglich, den aus der selben Stadt stammenden Protégé in einem Artikel über die Band außen vor zu lassen) erneut für’s Stadion – im besten Sinne.

Und auch textlich bleibt die Band sich treu: Fallon & Co. erzählen kurze Episoden aus der Zeit des Heranwachsens, als die gewohnte Vorstadt viel zu klein und grau und die weite Welt mit all ihren Perspektiven zum Greifen nah und doch mit all ihren Irrungen und Wirrungen meilenweit entfernt schien. Von der großen Liebe, vom Verlust, von den letzten lauen Sommernächten und endlosen Autofahrten ohne Ziel, aber dem guten Gefühl der Freiheit im Bauch und den von LPs aufgenommenen Songs aus dem Kassettendeck als treuen Begleiter. Vom süßen und sauren einfachen Leben, das doch so viel besser schmecken kann als jedes Fünf-Sterne-Dinner. Von den kleinen Geschichten, an denen du wächst, und die nun, hymnenhaft-schön verklärt, als Irrlichter im Lampenschein in der Erinnerung deinen Weg kreuzen.

Klingt wie: Ein vor einem Kleinstadt-Diner geparkter Cadillac. Der an James Dean erinnernde, Marlboro rauchende Typ am Steuer lehnt sich aus dem Fenster und fragt dich, während er gen Sonnenuntergang blickt, beiläufig, ob er dich mitnehmen soll. Go!

 

Den Mut hat sich die Band eventuell für’s nächste Album aufgehoben, doch The Gaslight Anthem enttäuschen mit „Handwritten“ keineswegs. Wer aufgrund von Vorurteilen erst gar nicht (mehr) hinhört, verpasst wohlmöglich das Beste.

„Turn the record over / And I’ll see you on the flip side.“ (aus “ ’45‘ „)

 

Hier die Videos der ersten beiden Singles “ ’45‘ „…

 

 

…und „Handwritten“…

 

 

…sowie ein Link zu Soundcloud, unter welchem man die Vorgängeralben in Gänze hören kann.

 

Rock and Roll.

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Neues The Gaslight Anthem-Video zu „45“


Hören konnte man den ersten Vorboten aus dem am 20. Juli erscheinenden Album „Handwritten“ ja auf ANEWFRIEND bereits, nun gibt es auch bewegte Bilder zum Song.

 

 

Der vierte Streich der Band aus New Jersey kommt mit folgender Tracklist…

  1. „45“
  2. „Handwritten“
  3. „Here Comes My Man“
  4. „Mulholland Drive“
  5. „Keepsake“
  6. „Too Much Blood“
  7. „Howl“
  8. „Biloxi Parish“
  9. „Desire“
  10. „Mae“
  11. „National Anthem“

…und wird in der Spezial Edition außerdem die drei Bonus Tracks „Blue Dahlia“, „Silver“ und „You Got Lucky“ enthalten. Neben „45“ dürfte all jenen, die vor nicht all zu langer Zeit bei einem Konzert der Springsteen-Jünger zugegen waren, wohl bereits „Biloxi Parish“ bekannt vorkommen…

Nun, auch durch den Fakt, dass Brendan O’Brien (u.a. Pearl Jam, Inkubus, Bruce Springsteen, Mastodon) für die Produktion des Albums zuständig war, dürfte allen Freunden von Brian Fallon & Co. ein Schwung neuer Songs neuer Songs erwarten, die genau zum richtigen Zeitpunkt erscheinen – aber das erwähnte ich ja hier bereits…

Rock and Roll.

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Neuer The Gaslight Anthem-Song: „45“


Seit wenigen Stunden kann man „45“, den ersten Vorboten des am 24. Juli erscheinenden vierten The Gaslight Anthem-Albums „Handwritten“, durch die Ohrmuscheln rauschen lassen. Erster Eindruck: Brian Fallon & Co. enttäuschen einmal mehr nicht! „45“ klingt nach sommerlicher Euphorie, nach Festivalsaison, nach sonnenbeschienenen Autobahnfahrten auf dem linken Streifen – jung, wild und frei. (Mag sich jetzt etwas plakativ und wie nach Pressetext-Schema lesen, doch sowas lösen die Songs des Quartetts eben in mir aus.)

Und: der Song enthält im Text eine Hommage an die Punk Rock-Szene-Heroen Hot Water Music (die nach ihrer Reunion am 15. Mai selbst ein neues Album namens „Exister“ veröffentlichen) ! Feiner Zug, Jungs!

 

 

Wer kann, sollte sich die Band aus New Brunswick, New Jersey bei einem der im Sommer anstehenden Konzert- und/oder Festival-Termine live, laut und in Farbe zu Gemüte führen. Ich kann aus mehrfacher Erfahrung versichern: es lohnt sich!

31.05.2012 – Berlin, Zitadelle Spandau (D) (als Support von Soundgarden)
01.06.2012 – Bremen, Aladin (D)
02.06.2012 – Ulm, Volksfestplatz Friedrichsau (D)
05.06.2012 – Zürich, abart (CH)
08.06.2012 – Nickelsdorf, Pannonia Fields II (AU) (bei Nova Rock 2012)
09.06.2012 – Münster, Am Haverkamp (D) (bei Vainstream Rockfest 2012)
13.06.2012 – Kiel, Max (D)
17.08.2012 – Lüdinghausen, Flugplatz Borkenberge (D) (bei Area4 Festival 2012)
17.08.2012 – Störmthal, Störmthaler See (D) (bei Highfield 2012)
22.08.2012 – Übersee am Chiemsee, Festivalgelände (D) (bei Chiemsee Rocks 2012)

 

Rock and Roll.

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