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Der Jahresrückblick – Teil 1


„High Fidelity“ lässt lieb grüßen, denn der Pop ist bekanntlich seit jeher besessen von Listen. Ob Verkaufscharts, Streamingzahlen oder höchst subjektive Kritiker*innen-Rankings – ständig weder Plattenregale uns -sammlungen, wird die Veröffentlichungsflut in Listenform gebracht, wird Altes in Listenform neu gewichtet. Zum Jahresende ist es besonders heftig, denn natürlich dürfen, sollen, müssen überall die besten Alben und Songs der vergangenen zwölf Monate gekürt werden. 

Vor dem Blick auf die Deutschen Charts scheue (nicht nur) ich auch sonst schon zurück, da sich dieses Land seit jeher durch (s)einen notorisch schlechten Geschmack auszeichnet und Fremdscham-Alarm jedes Mal aufs Neue garantiert ist. Und leider bilden die erfolgreichsten Titel des Jahres 2022 da – Bestätigung, hier kommt sie – keine Ausnahme: Das nervtötend ohrwurmige Vollpfosten-Lied „Layla“ von DJ Robin & Schürze belegt den ersten Platz der Single-Charts – neun Wochen hielt sich der dumpftumbe Ballermann-Hit, der ein Skandälchen auslöste, jedoch besser keinerlei Erwähnung verdient gehabt hätte, an der Chartspitze, mehr als 143 Millionen Mal wurde er gestreamt. Bei den Alben dann ebenfalls keine Überraschung: Mit „Zeit“ führen die Teutonen-Böller-und-Ballermänner von Rammstein erwartungsgemäß die Liste an – und zwar mit deutlichem Abstand. 340.000 Mal hat sich das elfte Nummer-Eins-Album der Berliner Band um das personifizierte rrrrrrrrollende „R“, Till Lindemann, insgesamt verkauft. Wie erwartbar, wie öde. Und irgendwie ja auch ein Spiegelbild der aktuellen Gesellschaft…

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Christian Lee Hutson – Quitters

In den zurückliegenden Monaten durfte man ein ums andere Mal kopfschüttelnd seinen Glauben an die Menschheit verlieren: Kriege, Krisen, Klimawandel und damit einhergehende Umweltkatastrophen, Inflation, dazu die – hoffentlich – letzten Ausläufer einer weltweiten Pandemie, gesellschaftliche Spaltungen, politischer Stillstand (oder gar der ein oder andere Rechtsruck) wohin man schaute. Gesellschaftliche Unruhen im Iran, weil irgendwelche gottverdammten Männer unter religiösen Deckmänteln an ihrem formvollendet sinnfreien Regelwerk der Unterdrückung von Frauen und Andersdenkenden festhalten wollen? Eine aus so vielen, so falschen Gründen aus dem heißen Wüstenboden hochgezogene und mit unvorstellbar viel Blutgeld durchgeführte Winter-Fußball-WM in Katar? Ja, auch 2022 fanden Tagesschau und Co. meist statt, wenn der Sprecher (oder die Sprecherin) einem einen „Guten Abend“ wünschte und darauf mit vielerlei Schlagzeilen bewies, dass es eben kein guter war. Dass die Musikwelt in diesem Jahr Größen wie Mark Lanegan, Taylor Hawkins (Foo Fighters), Meat Loaf, Jerry Lee Lewis, Andy Fletcher (Depesche Mode), Christine McVie (Fleetwood Mac), Loretta Lynn, Betty Davis oder Mimi Parker (Low) verlor, macht das Ganze keineswegs besser. Dass 2022 Konzerte und Festivals endlich wieder in halbwegs „normalem“ Rahmen stattfinden konnten, jedoch schon – wenngleich es der Live-Branche jedoch alles andere als gut geht und vor allem kleinere, unbekanntere Künstler*innen und Bands sich in der Post-Corona-Zeit mit immer neuen Schwierigkeiten konfrontiert sehen (wen es interessiert, dem sei ein recht ausführlicher Artikel mit dem Titel „Kuh auf dem Eis“ hierüber in der aktuellen Ausgabe der „VISIONS“ – Nummer 358 von 01/2023 – ans Herz gelegt). Ja, das noch aktuelle Jahr war rückblickend sowohl gesellschaftlich als auch fürs menschliche wie planetare Zeugnis kein tolles – musikalisch darf zum Glück das komplette Gegenteil behauptet werden.

Wie also sieht und wertet die schreiberische Zunft als Albumjahr 2022? Nun, beim deutschen „Rolling Stone“ landen Tom Liwas „Eine andere Zeit“, „And In The Darkness, Hearts Aglow“ von Weyes Blood sowie „Ytilaer“ von Bill Callahan auf dem Treppchen, beim erfahrungsgemäß hype- und pop-affinen „Musikexpress“ sieht man Kendrick Lamars „Mr. Morale & The Big Steppers“, „DIE NERVEN“ von Die Nerven und „Motomami“ von Rosalía vorn, bei der „VISIONS“ wiederum „DIE NERVEN“ von Die Nerven, „Eyes Of Oblivion“ von den Hellacopters sowie „Wet Leg“ von Wet Leg. International führt „Renaissance“, das siebente Studioalbum von Beyoncé, das Kritiker-Ranking an. Und bei ANEWFRIEND? Ich greife mal vorweg und verrate, dass es zwar ein kleinwenig Konsens, jedoch recht wenig Überschneidungen mit alledem bei mir gibt und meine persönliche Bestenliste der Qualität wegen auf eine amtliche Top 25 erweitert wurde…

Foto: Promo / Michael Delaney

Dass die vergangenen Monate die notwendige Untermalung fanden, lag auch an „Quitters„, dem vierten Langspieler von Christian Lee Hutson. Was mich rückblickend etwas erstaunt, ist, dass der im April erschienene Nachfolger zum 2020er „Beginners“ zwar seinerzeit von den einschlägigen kritischen Stimmen wohlwollend goutiert, in den jeweiligen Jahresendabrechnungen jedoch kaum berücksichtigt wurde. An den durch und durch großartigen 13 Songs des Albums kann’s kaum gelegen haben, denn näher an das Schaffen eines Elliott Smith ist lange, lange Zeit niemand herangekommen – und das ist vor allem aus meiner digitalen Feder als recht großes Kompliment zu verstehen. Zudem mischen einmal mehr keine Geringeren als Phoebe Bridgers und Conor Oberst mit. Heraus kommt eine Dreiviertelstunde musikalischer Zerstreuung und Realitätsflucht, die auch bei der Vielzahl an Konkurrenz im Jahr 2022 völlig zurecht auf meiner Eins landet. A singular ode to melancholy.

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2.  Nullmillimeter – Wer die Wahrheit sagt, der braucht ein schnelles Pferd

Nullmillimeter sind eine von so einigen tollen musikalischen Neuentdeckungen des zurückliegenden Musikjahres. Und knallen dem geneigten Hörer (oder eben der geneigten Hörerin) mit „Wer die Wahrheit sagt, der braucht ein schnelles Pferd“ mal eben ein derart faszinierendes Debüt vor die Lauscher, dass man sich im Wirbel kaum entscheiden mag, was hier toller ist. Das großartige Coverartwork mit dem auf einem Poller festgerittenen Pony? Der Albumtitel, in welchem wortwörtlich ebensoviel Wahrheit steckt wie in all den klugen Textzeilen? Die Stimme von Sängerin Naëma Faika, die der bundesdeutschen Musiklandschaft – tatsächlich, tatsächlich – gerade noch gefehlt hat? Die bockstarke Band hinter ihr, die manch eine(r) in der Vergangenheit bereits als Teile der Begleitbands von Kid Kopphausen, Staring Girl, Jochen Distelmeyer, Tom Liwa, Olli Schulz oder Gisbert zu Knyphausen zu hören bekam? Dass letztgenannter hier bei einer Coverversion eines Songs aus dem Solo-Schaffen von Pearl Jam-Frontstimme Eddie Vedder mitmischt? Dass sich diese Nummer dann noch ganz organisch in den Albumfluss einfügt und man sich immer wieder kopfüber in die Platte schmeißen möchte, die so voller Schmerz, so voll herrlicher Melancholie, aber vor allem so voller Leben steckt? Ach, herrje – man weiß es nicht. Man will’s auch gar nicht wissen, denn im Zweifel aller Zweifel ist’s all das. Doppelt. Dreifach. Gleichzeitig. Und es ist einfach so toll, dass man lediglich kritisieren mag, dass dem Album kein Booklet beiliegt.

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3.  Pianos Become The Teeth – Drift

Es gibt Bands, Alben und Songs, die einen vom ersten Moment an mit ihrer Atmosphäre und ihrer wunderbaren Unmittelbarkeit einfangen und so schnell auch nicht mehr loslassen. Pianos Become The Teeth wurden für mich anno 2014 mit ihrem dritten Langspieler „Keep You“ zu einer solchen Band (und schafften es damals auch völlig zurecht aufs Treppchen der „Alben des Jahres„). Ihr vorheriges Post-Hardcore-Brülloutfit war (und ist) mir im Gros herzlich schnuppe, aber mit ihrem einschneidenden Wechsel hin zu melancholischem Emo-Indie und mit den ersten Tönen des „Keep You“-Openers „Ripple Water Shine“ war ich unwillkürlich schockverliebt. Nach dem auf hohem Niveau stagnierenden 2018er Album „Wait For Love“ besitzt „Drift“ nun wieder diesen „Ripple Water Shine“-Effekt, denn das Album ist schlichtweg schonungslos emotional – in Ton und Wort. Dicht gewebte, hallende Rhythmen, melancholische Melodien und wenige, gut dosierte laute Momente. Dazu singt Kyle Durfey seine persönlichen Texte, die vom Leben und oft von dessen Schwere handeln. In „Pair“ etwa davon, wie Durfeys Frau Lou (die in vier Stücken namentlich genannt wird) und er lange auf ihren Nachwuchs warten mussten. Wie es sich für richtig gute Alben gehört, wechselt die Lieblingssongs von Zeit zu Zeit, neben der Übernummer „Genevieve“ sticht etwa das repetitive, an Radiohead erinnerte „Easy“ hervor. So oder so liefert die Band aus Baltimore, Maryland einmal mehr zehn wundervolle Tearjerker, zu denen es sich vortrefflich die Fäuste gen Firmament ballen lässt.

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4.  Frank Turner – FTHC

Apropos „liefern“, apropos „Fäuste gen Firmament“: Beides trifft natürlich auch auf Frank Turner zu, denn der britische Punkrock-Barde scheint Schlaf so nötig zu haben wie ein Uhu eine Badekappe. Nicht nur hat der 41-jährige Musiker bereits über 2.700 Shows unter eigenem Namen gespielt (etwa 140 allein in diesem Jahr, zudem fand mit den „Lost Evenings“ gar ein eigenes Festival in Berlin statt), er trägt das Herz auch am richtigen Fleck und liefert im Zwei- bis Drei-Jahres-Turnus auch verlässlich Alben ab, zu deren Songs man nur allzu gern die geballte Patschehand gen Himmel strecken und ein bierseliges „Aye, mate!“ ausstoßen möchte. Daran ändern die 14 Nummern (beziehungsweise 20 in der Deluxe Edition) von „FTHC„, seinem nunmehr neunten Studioalbum, mal so rein gar nix. Und so vielseitig, so frisch klang der nimmermüde Turner schon lange nicht mehr. Frank und frei – Sie wissen schon… Und wem bei „A Wave Across A Bay“, seinem Tribute an den zu früh verstorbenen Frightened Rabbit-Buddy Scott Hutchison, nicht das Herz holterdipolter gen Schlüppi rutscht, der hat statt pochendem Muskel nur einen ollen Betonklotz in der Brust sitzen…

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5.  Dreamtigers – Ellapsis

Nerds wissen es freilich längst: Die meisten Fachsimpeleien über Musik stützen sich manches Mal schon sehr auf eine Art von Genre-Taxonomie, bei welcher sowohl Kritiker als auch Fans Songs und Alben in verschiedene Bestandteile zerlegen und die Anatomie der verwendeten Formen in erkennbare Strukturen unterteilen. Doch was für die einen nützlich erscheinen mag, um dem lesenden Gegenüber Empfehlungen zu geben, dürfte all jene, die sich eben nicht knietief im musikalen Nerdtum bewegen, schnell abschrecken. Ein recht gutes Beispiel, dass man bei Empfehlungen lange wie kurze Wege gehen kann, ist „Ellapsis“, das zweite Album von Dreamtigers, einem Bandprojekt, das sich aus Mitgliedern der Melodic-Hardcore-Helden Defeater und den Post-Rock-Größen Caspian zusammensetzt. Denn auf dem Langspieler, dessen Titel ein erfundener Begriff für eine Krankheit, die durch den Lauf der Zeit hervorgerufen wird, ist, passiert eine ganze Menge, und vieles davon scheint unvereinbar zu sein. Das erste, das Unmittelbarste, was man wahrnimmt, ist die beständig zwischen fragilem und mächtigem Momentum pendelnde Instrumentierung. Die Gitarren werden durch eine ganze Reihe von Effektpedalen gejagt, dazu kommen ein unscharf ins Rund tönender Bass und souveräne Drums. Einen Moment lang könnte man meinen, es handele sich um ein eher konventionelles Post-Rock-Album – bis der Jake Woodruffs Gesang einsetzt, der auch in einer Alt-Country-Band nicht fehl am Platz wäre. Überhaupt lassen sich die Stücke stilistisch nur schwerlich festlegen, denn während des gesamten Albums schimmern verschiedene Nuancen durch, die wie Lichtstrahlen durch einen Kristall fallen: Folk-Songs brechen in Post-Rock-Höhepunkte aus, Indie-Rock-Hooks huschen durch Shoegaze-Atmosphären, wobei Gesang und Songwriting stets unbehelligt von dem akustischen Wirbelsturm aus Effektpedalen und treibenden Schlagzeugmustern um sie herum bleiben. Fast könnte man meinen, dass die Songs so sehr auf akustische Soloauftritte zugeschnitten zu sein scheinen, dass die üppigen, hymnisch empor steigenden Arrangements, welche mit ihrer Dringlichkeit und latent aggressiven Energie ein ums andere Mal an Defekter erinnern, fast trotzig klingen. Dennoch kommt man der Sogwirkung dieses Albums als Ganzes (ganz ähnlich wie bereits beim kaum weniger tollen 2014er Vorgänger „Wishing Well„) nicht wirklich nahe. Denn wie auch immer man das Zusammenspiel zwischen Instrumentalem und Gesang beschreiben mag, was bei dieser Platte wirklich heraussticht, sind all die Meditationen über das Verfliegen der Zeit und wie die Band aus Massachusetts hier selbst die flüchtigsten Momente ewig erscheinen lässt. Selbst die längeren Songs von „Ellapsis“ fühlen so kurz an wie die kürzeren, während die kurzen den längsten ebenbürtig erscheinen, und das Album als Ganzes hallt weit über seine lediglich dreißig Minuten Laufzeit hinaus. Angefangen beim Opener „Six Rivers“ umspülen einen die Stücke wie ans Ufer schlagende Wellen, die mit den Gezeiten verebben und fließen. Wenn der Albumabschluss „Stolen Moments“ schließlich sein Ende findet, fühlt es sich beinahe so an, als ob der Schlusschor schon ewig hinter dem Universum her gesummt wäre.

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6.  Pale – The Night, The Dawn And What Remains

Pale melden sich ein allerletztes Mal zurück – einerseits ja wunderbar, wären die Gründe für das unerwartete Comeback keine so traurigen. Umso schöner, dass die Aachener Indie-Rock-Band mit „The Night, The Dawn And What Remains“ umso trotziger sowohl ihre Freundschaft und den gemeinsamen Weg als auch das Leben feiert. Macht’s gut, Jungs – und danke für diese wundervolle Ehrenrunde! #träneimknopfloch

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7.  Muff Potter – Bei aller Liebe

Und wo wir gerade bei Comebacks wären, sind Muff Potter in diesem Jahr freilich nicht allzu weit, denn: Alle kommen sie wieder, irgendwann und irgendwie. Das traf 2022 selbst auf ABBA zu, die 2021 mit „Voyage“ zunächst die ersten neuen Songs seit fast vierzig Jahren präsentierten, um im Jahr darauf ausverkaufte Hologramm-Konzerte in London zu „spielen“- getreu dem schwedischen Erfolgsmotto „Entdecke die Möglichkeiten“. Und auch in der Rockmusik konnte man zuletzt vermehrt das Gefühl bekommen, selbige bestehe nur noch aus Reunions einst erfolgreicher Bands, die in Ermangelung neuer Ideen versuchen, mit den alten noch einmal abzukassieren. Dann wiederum gibt es Truppen wie eben Muff Potter, denen es mit ihrem Albumcomeback nach schlappen 13 Jahren Pause gelingt, selbst eingefleischte Per-se-Skeptiker umzudrehen, weil man „Bei aller Liebe“ bei allem frischen Ideenreichtum die Zeit anhört, die seit dem Abschied mit „Gute Aussicht“ vergangen ist. Die Platte zeugt davon, dass das Leben eben auch ohne gemeinsame Band weitergeht, und es töricht wäre, all die Erfahrungen beiseite zu lassen, die man in der Zwischenzeit zwangsläufig macht. Und deshalb steht hier Blumfeld-artiges wie „Ein gestohlener Tag“ neben Instant-Hits wie „Flitter & Tand“ oder einem 72 Sekunden kurzen Punkausbruch wie „Privat“. Verschränken sich in Thorsten „Nagel“ Nagelschmidts Texten seine schriftstellerische Arbeit (sic!) mit dem Punk-Fan, den es auch mal einfach braucht. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass man Muff Potter – bei aller Liebe – keineswegs zugetraut hätte, noch einmal so viel zu sagen zu haben und sich musikalisch so offen zu zeigen – mit Kurzweil wie mit Tiefgang. Andererseits ist’s natürlich umso schöner, wenn die eigenen Erwartungen übertroffen werden und man eine lange Zeit auf kreativem Eis liegende Herzensband neu für sich entdeckt.

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8.  Cat Power – Covers

Dass Chan „Cat Power“ Marshall für ihre Coverversionen bekannt ist, dürfte sich mittlerweile auch bis zu den allerletzten Hütern des guten Musikgeschmacks herumgesprochen haben, immerhin hat die 50-jährige US-Musikerin im Laufe ihrer annähernd dreißigjährigen Kariere bislang zwei verdammt formidable Coversong-Alben veröffentlicht, auf denen sie von unbekannteren Bob Dylan-Nummern über Blues’n’Soul-Stücken bis hin zu abgeschmackten Evergreens wie „(I Can’t Getroffen No) Satisfaction“ jedem Song derart ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Stempel aufdrücken konnte, dass es eine wahre Schau war. Nach „The Covers Record“ (2000) und „Jukebox“ (2008) macht Cat Power nun mit „Covers“ das Trio voll und liefert erneut formvollendet-exquisites Coverhandwerk – ganz egal, ob die Originale von von Nick Cave and the Bad Seeds („I Had A Dream, Joe“), Lana Del Rey („White Mustang“), den Replacements („Here Comes A Regular“) oder Billie Holiday („I’ll Be Seeing You“) stammen. Ja, die Frau kann mit ihrer so wunderbar rauen, so unendlich tiefen Stimme kaum etwas falsch und sich so ziemlich jede Fremdkomposition zueigen machen.

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9.  Tristan Brusch – Am Rest

Wie bereits in der dazugehörigen Rezension erwähnt, bin ich bei Tristan Bruschs dritten Album „Am Rest“ etwas late to the party, immerhin erschien die Platte bereits im Oktober 2021. Dennoch verpassen alle jene, die diese Musik gewordene Trübsalsfeierlichkeit ganz außen vor lassen, so einiges bei diesen Oden an das Ende der Dinge und an die Akzeptanz des Verlusts. Ja, im Grunde könnte es kaum bessere Stücke geben, um jenen so intensiv graumeliert schimmernden Tagen einen passenden Soundtrack zu liefern. Sucht wer die passenden Gegenstücke zu Max Raabes „Wer hat hier schlechte Laune“ (welches, wenn ihr mich fragt, übrigens als weltbeste Warteschleifenmusik für alle Kundendiesnthotlines taugen würde)? Nun, hier habt ihr sie – dargeboten von einem begnadeten Liedermacher, der alle nach billigem Tetrapack-Weißwein und zu vielen Marlboro-Kippen müffelnden, mieslaunigen Chansoniers ins piefige Bundesdeutsche überträgt.

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10. Betterov – Olympia

Freilich war die Vielzahl an Erwartungen, die an den Debüt-Langspieler von Manuel „Betterov“ Bittorf geknüpft waren, ebenso groß wie die Vorfreude auf neue Songs des gebürtigen Thüringers und Wahl-Berliners. Umso schöner, dass „Olympia“ diese Hürde beinahe mühelos nimmt und elf Songs präsentiert, denen man den Produzenten ebenso anhört wie die Platten, die beim Schreiben wohlmöglich im Hintergrund liefen. So mausert sich Betterov vom Newcomer-Geheimtipp zum amtlichen Senkrechtstarter, der völlig zurecht einen Platz in meinen persönlichen-Jahres-Top-Ten einfährt. Olympia-Norm? Vollends erfüllt.

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…auf den weiteren Plätzen:

Husten – Aus allen Nähten mehr…

Casper – Alles war schön und nichts tat weh

Death Cab For Cutie – Asphalt Meadows mehr…

William Fitzsimmons – Covers, Vol. 1

Caracara – New Preoccupations mehr…

Eddie Vedder – Earthling mehr…

Black Country, New Road – Ants From Up There

Gang Of Youths – Angel In Realtime.

Spanish Love Songs – Brave Faces Etc. mehr…

Faber – Orpheum (Live)

Die Nerven – DIE NERVEN

Ghost – Impera

Proper. – The Great American Novel mehr…

Rocky Votolato – Wild Roots mehr…

The Afghan Whigs – How Do You Burn?

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Cat Power – Covers (2022)

-erschienen bei Domino/GoodToGo-

Von all den Sachen, die man als musikschaffende(r) Künstler*in heutzutage in die Welt setzen kann, gibt es wahrscheinlich nichts Unwesentlicheres als ein Coveralbum. Das Format ermöglicht dem Act theoretisch auf Autopilot ein paar Lieblingssongs herunterzuschrammeln – und zack, ist im Handumdrehen schon wieder ein neues Stück Content fertig. Als Beweismaterial für diese gar nicht mal so steile These sollte eine schnell ergoogelte Internetsuche nach einem beliebigem Song mit dem Zusatz „Cover“ genügen, schließlich besteht ein signifikanter Teil des weltweiten Netzes aus mehr oder minder leidlichen, mehr oder weniger uninspirierten Darbietungen von geliebten Songs. Andererseits gibt es nicht wenige Bands und Künstler*innen, für die das Konzept „Coveralbum“ eine ganz eigene Kunstform darstellt. Die mit der radikalen Spielfreude eines Kleinkinds Songs auseinanderpflücken und in neuen, spannenden Formen zusammensetzen. Oder mit schlichten, dem Original verpflichteten Interpretationen auf magische Art und Weise die wahren Qualitäten der Ursprungsfassung offenbaren.

Vor allem Charlyn Marie „Chan“ Marshall ist in jenem „Cover-Album-Business“ ein wahrer Profi. Rund zwanzig Jahre ist es her, dass die US-Musikerin, welche den meisten wohl eher als Cat Power bekannt sein dürfte, erstmals demonstrierte, mit welcher Intensität sie sich Songs aus fremden Federn zu eigen machen kann. Auf „The Covers Record“ prägte anno 2000 noch der karge, ominöse Indie-Blues ihrer Frühphase die Neuinterpretationen, denen meist wenig mehr als eine zurückhaltende Gitarre oder ein leises Klavier für durchschlagende Effekte ausreichte. Ob sie die Verzweiflung hinter der rebellischen Attitüde im abgenudelten Stones-Gassenhauer „(I Can’t Get No) Satisfaction“ ans Dämmerlicht holte oder The Velvet Undergrounds „I Found A Reason“ so weit reduzierte, dass es durch Mark und Bein ging – Coverversionen haben bei Cat Power immer etwas mit Offenlegen zu tun, kehren das mithin unbewusste Innere der Songs nach außen. Nachdem 2008 mit „The Greatest“ ein zweiter Teil der Coveralben-Reihe erschien (und die Stücke darauf mit ein wenig mehr Grandezza scheinen ließ), schreibt Marshall nun mit dem ähnlich schlicht betitelten „Covers“ diese Bewegung zur Trilogie fort – und macht einmal mehr doch manches anders. Schließlich hat auch die Musikerin, die kürzlich ihren 50. Geburtstag feierte, in der Zwischenzeit so einige persönliche wie musikalische Wandlungen durchlaufen, hat einem selbstzerstörerischen Sex’n’Drugs’n’Rock-and-Roll-Lebensstil abgeschworen, ist Mutter geworden, hat für sich noch stärker die Wurzeln und Traditionen der amerikanischen Musikgeschichte erkundet. So prägen vor allem Band-Arrangements die ersten Stücke ihres nunmehr elfen Studioalbums, dessen Songauswahl zwar von der erwarteten Geschmackssicherheit gekennzeichnet ist, aber dennoch die eine oder andere Überraschung bereithält.

So wagt etwa „Unhate“ das Selbst-Cover eines der düstersten Songs auf „The Greatest“ – dort noch „Hate“ genannt und lediglich mit einer Stromgitarre live aufgenommen – und beantwortet dessen seinerzeit auf Nirvana verweisende Klaustrophobie mit weiten Keyboard-Akkorden – ein versöhnliches Update eines aufwühlenden Songs. Und auch paradigmatisch fürs Album? Zunächst scheint es so, denn auch die Version von Frank Oceans „Bad Religion“ kleidet die dramatische, beinahe sakrale Anspannung und vertrackte Phrasierung des Originals in ein deutlich luftigeres, lässigeres Gewand. Lana Del Rey, längst auf ihre Art eine der besten Schülerinnen (und Freundinnen) Marshalls, bekommt eine Fassung von „White Mustang“ spendiert, die kalifornische Luftschlösser gegen staubige Seitenstraßen und die Sümpfe des Deltas austauscht (und – so viel Ehrlichkeit sollte sein – leider auch einen guten Teil der Atmosphäre des Originals einbüßt). Bis hierhin fließt „Covers“ angenehm dahin, scheint aber den emotionalen Verwüstungen seiner Ausgangsorte eine abgeklärtere Note entgegenzusetzen, ihnen ein Stück weit noch ausweichen zu wollen – kaum verwunderlich also, dass mancherwebs Vergleiche zu Künstlerinnen wie Norah Jones angestellt und etwas despektierliche Formulierungen wie „Café-Latte-mit-Hafermilch-Musik“ (sueddeutsche.de) getroffen werden. Umso besser, dass „A Pair Of Brown Eyes“ diesem vorschnellen Eindruck dann ordentlich zusetzt.

Doch keine Angst – Cat Power setzt hier keinen in Doom Metal gefärbten Kontrast! Nein, im Auge des Sturms und im Zentrum der Kneipe ist es ganz, ganz still… Aus Shane „The Pogues“ McGowans Sehnsucht macht die „Queen of Sadcore“ (VISIONS) ein Duett mit der eigenen hochgepitchten Stimme, während nostalgische Synthies das Mellotron evozieren – meisterlich gesellt sich ihre Fassung neben das Original, weit entfernt davon, lediglich mal kurz kopieren zu wollen. Apropos Kneipe: Auch „Here Comes A Regular“, Paul Westerbergs bewegende, von dezenter Teenage Angst geprägte The Replacements-Erzählung über das fehlende Zuhause und den quälenden Durst, wird hier radikal transformiert. Marshall nimmt ihr die Rauheit und akzentuiert die zerbrechliche Seite der Selbstaufgabe in einer traurig-schönen Klavierballade mit zarten Akustiktupfern und dem erneut gedoppelten Gesang. Dazwischen reiht sich ein gelungener Moment an den anderen. Ob Bob Segers „Against The Wind“ als ähnlich melancholischer Dream-Pop, das wiederholt mit unheilschwangerer Grandezza beschworene Nick Cave-Stück „I Had A Dream, Joe“, Jackson Brownes bereits oft anderenorts gecoverter geschmeidiger Westküsten-Rock-Evergreen „These Days“ als intimes Folk-Stück oder „Endless Sea“ als monoton-stampfender Blues, in dem Marshall mit einsilbiger Leadgitarre beweist, dass sie auch ohne oberkörperfreie Lederhaut-Inszenierung genauso cool wie Iggy Pop ist. Selbst für den Kinderchor im Original des – angenehm druckvollen – „Pa Pa Power“ (Dead Man’s Bones) hat sich Cat Power eine feine Alternative überlegt: eine silbrig schimmernde Gitarre. Bei aller Vielseitigkeit macht „Covers“, welche dieses Mal ein wenig überraschend den erwarteten Bob Dylan außen vor lässt, mit der Zeit einen bemerkenswert geschlossenen Eindruck, führt behutsam über einen leichtfüßigen Einstieg in die Abgründe seines Ausgangsmaterials.

Weniger Abgrund, aber so einige Symbolismen bietet auch das Albumcover. So erklärt Chan Marshall die Einzelheiten wie folgt: Der leere Ausschnitt symbolisiert, dass sowohl die Träger des Hemdes als auch die Schöpfer der Songs irgendwann nicht mehr da sind, ihre Musik jedoch – bestenfalls – bleibt. Der Pass in der Hemdtasche repräsentiert die Erde, auf der wir Menschen zu Gast sind. Der Bleistift als auch das blaue Workingman-Hemd selbst stehen für das Arbeiten, schließlich sind Musiker*innen schlussendlich nichts weiter als Arbeiter am Song. Ein wahrer Symbolkatalog für ein Coveralbum…

Im Grunde ist der simple Albumtitel dennoch ebenso feines Understatement wie missverständlich: Coverversionen von Cat Power decken auf, sind eher „Un-Covers“, respektvoll ihrem Ursprung verpflichtet und doch freimütig im jeweiligen Umgang. In Marshalls tief-charismatischer Stimme finden sie eine neue Artikulation, die auch dem von Billie Holiday bekannt gemachten „I’ll Be Seeing You“ nicht nur ein ordentliches, zeitgemäßes Plus an Melancholie, sondern auch so viel Wärme mitgibt. Die Zwiegespräche zwischen dem Gestern und Heute enden nie – überrascht es da irgendjemanden, dass „Covers“ abschließend eine Brücke über den Abschied baut? Ein Hoch auf Cat Power, seit eh und je eine dieser ganz besonderen „Queens of Gänsehaut“.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Cat Power – „I’ll Be Seeing You“


Foto: Promo / Mario Sorrenti

Chan Marshall aka Cat Power covert oft und gerne Das hat sie bereits mit ihren 2000 beziehungsweise 2008 erschienenen Alben „The Covers Record“ und „Jukebox“ bewiesen. Von The Velvet Underground über Bob Dylan und Joni Mitchell bis hin zu neuen Versionen ihrer eigenen Songs – aus jedem Stück bastelt sie eine verdammt eigene, aber dafür absolut unnachahmliche Cat Power-Version. Anfang nächsten Jahres folgt mit „Covers“ das dritte Coveralbum und vollendet somit die Trilogie.

Aus jenem Werk, ihrem mittlerweile elften Studioalbum und der Nachfolger zum 2018er „Wanderer„, hat die wandelbare 49-jährige US-Musikerin nun, nach Interpretationen von Frank Oceans „Bad Religion„, The Pogues‘ „A Pair Of Brown Eyes“ und Dead Man’s Bones‘ „Pa Pa Power„, den nächsten Vorgeschmack veröffentlicht. „I’ll Be Seeing You“ ist ihre persönliche Version des oft mit Jazz-Ikone Billie Holiday assoziierten Standards. Gewählt hat sie ihn, um den ihr nahestehenden Menschen zu gedenken, die sie in jüngster Zeit verlieren musste, unter anderem den 2019 auf tragische Weise verstorbenen Cassius- und French-House-DJ Philippe Zdar, der unter anderem auch ihr 2012er Album „Sun“ produzierte. Die Auswahl begründet Chan Marshall selbst wie folgt:

“When people who you love have been taken from you, there’s always a song that holds their memory in your mind.  It’s a conversation with those on the other side, and it’s really important for me to reach out to people that way.” 

Auch das dazugehörige Musikvideo ist eine Art Tribut an die Holiday’sche Variante, welche immerhin bereits amtliche 77 Jahre auf dem musikalischen Buckel hat (das Original ist gar noch älter und stammt von 1938). Um die von Nostalgie getränkte Atmosphäre vergangener Tage in den bewegten Bildern einzufangen, performt Chan Marshall in Frack und Zylinder auf einer kleinen Bühne eines dunklen Kabarett-Saals im Stil der 1940er Jahre, während nur ein kleines, scheinbar elitäres Publikum und die Mitarbeiter*innen der samtigen, zugleich zurückhaltend zärtlich und doch kraftvollen Stimme von Cat Power lauschen.

Das Cover ist übrigens der B-Part der Doppelsingle “Unhate / I’ll Be Seeing You”. In “Unhate” covert die Musikerin sogar sich selbst, indem sie ihren Song “Hate” aus dem 2006 erschienenen Album “The Greatest” in ein neues Gewand taucht. Einen besseren Soundtrack für den eigenen Winterblues mag man sich kaum vorstellen…

Rock and Roll.

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Mixtape Madness: Cat Power


Cat Power

Im Grunde ist eine Frau wie Chan Marshall einfach nur zu beneiden: musikalisch durchaus nicht untalentiert, ebenso lyrisch begabt, durfte sich neben Norah Jones und Jude Law auch schon vor der Kamera beweisen (in Wong Kar-Wais Film „My Blueberry Nights“ von 2007). Trotz ihrer mittlerweile 40 Jahre sieht sie noch immer blendend aus und könnte glatt als „Twen“ an einem dieser „Bad-hair-days“, die für gewöhnlich einer durchzechten Nacht folgen, durchgehen. Der nicht eben unkritische Karl Lagerfeld ernannte Marshall sogar schon zu einer seiner „Musen“ und sie selbst gilt seit Ende der Neunziger als eine der bekanntesten und prototypischsten „Slacker„-Ikonen. Und wenn sie unter ihrem Pseudonym „Cat Power“ dann doch einmal ab und an ein Album veröffentlicht – das tat sie seit 1995 bisher neun Mal -, dann werden diese nicht zu unrecht von Fans wie Kritikern gefeiert.

catpower-smoke-square-626x626Und trotzdem war der Werdegang der Charlyn Marie Marshall einer mit glanzvollen Höhen und abgründigen Tiefen, einer, der bereits weniger zart besaitete Persönchen hat fallen sehen. Und wer in der Vergangenheit das meist zweifelhafte Vergnügen hatte, sie als Journalist zum Interview zu treffen oder als Zuschauer einem ihrer Konzerte beizuwohnen, der fragte sich schon, ob das trunkene, kettenrauchende Häufchen Elend, welches er da gerade vor sich sah, noch die selbe Person war, die man von ihren grandiosen Alben kannte. Und so sagte Chan „Cat Power“ Marshall 2006 denn auch die Termine ihrer anberaumten US-Tournee zum Album „The Greatest“ ab und begab sich aufgrund von psychischen und Alkoholproblemen in Behandlung. Böse Zungen würden behaupten, dass sie im Laufe ihrer Karriere, welche Mitte der Neunziger in ihrer Heimatstadt Atlanta startete und sie bald nach New York City führte, selbst zu einer dieser traurigen, gebrochenen Gestalten, dieser von Zorn, Verzweiflung und Unstetigkeit getriebenen Hobos, geworden war…

Und doch war und ist Cat Power doch vor allem eines: abgrundtief ehrlich. Denn ganz gleich, ob sie sich gerade auf einer Konzertbühne oder in einer dieser für Interviewmarathons angemieteten Luxushotelsuiten befindet, kehrt sie ihr Innerstes stets nach Außen, trägt ihr Herz auf der Zunge, lässt den Gegenüber ohne Hintergedanken an ihrer derzeitigen seelischen Verfassung teilhaben. Dass es ihr heutzutage besser gelingt, ihre „innere Mitte“ zu finden, als noch vor zehn Jahren, ist beruhigend. Dass es ihr nach wie vor gelingt, jedes ihrer Alben neu, aufregend und spannend zu gestalten, ist mehr als erfreulich. Und die Dame hat musikalisch eine enorme Spannbreite zu bieten: vom dunklen, rohen PJ Harvey-Sound früherer Alben (etwa „Dear Sir“ oder „Myra Lee“ von 1995 beziehungsweise 1996) über „The Covers Record“ von 2000, auf welchem sie Evergreens wie „(I Can’t Get No) Satisfaction“ (Rolling Stones) oder „I Found A Reason“ (Velvet Underground) in stillen Interpretationen ihre ganze eigene Note verlieh, die Songwriter-Großtat „You Are Free„, bei welcher ihr „Fachmänner“ wie die Musiker Dave Grohl (Foo Fighters), Eddie Vedder (Pearl Jam) und Warren Ellis (Dirty Three) oder Produzent Adam Kasper zur Seite standen, oder die selbstbewussten Memphis-Sound-Alben „The Greatest“ und „Jukebox“ – nie drohte sich Marshall zu wiederholen. Und auch auf ihrem – im letzten Jahr erschienenen – neunten Album „Sun“ fängt sie nicht damit an – den Unterbau bilden oft elektronische Klänge, dazu dürfen nach wie vor Gitarren den Ton angeben, die Texte pendeln zwischen Selbstbewusstsein, Zynismus und Alterweisheit. Die Schöne hat ihr Biest gezähmt, vorerst.

Cat Power #2

Für all jene, die bisher weniger mit den Songs der bildhübschen, charismatischen und faszinierenden Indie-Ikone in Berührung gekommen sind, hat ANEWFRIEND hier eine gut zweistündige Zusammenstellung von Cat Powers besten Stücken, welche ihr euch anhand der Tracklists selbst „nachbasteln“ könnt:

 

Disc 1Cat Power - The Greatest

1.  Dark End Of The Street (von der „Dark End Of The Street EP“, 2008)

2.  Say (von „Moon Pix“, 1998)

3.  Yesterday Is Here (von „Dear Sir“, 1995)

4.  Theme From ‚New York, New York‘ (von „Jukebox“, 2008)

5.  I’ve Been Thinking (with Handsome Boy Modeling School) (von „White People“, 2004)

6.  Ruin (von „Sun“, 2012)

7.  Stuck Inside The Mobile With The Memphis Blues Again (vom „I’m Not There“ Soundtrack, 2007)

8.  Song To Bobby (von „Jukebox“, 2008)

9.  The Greatest (von „The Greatest“, 2006)

10. Metal Heart (Jukebox version) (von „Jukebox“, 2008)

11. Ice Water (von „Myra Lee“, 1996)

12. Wonderwall (Peel Session, 2000)

13. Cross Bones Style (von „Moon Pix, 1998)

14. Names (von „You Are Free“, 2003)

15. I Found A Reason (von „The Covers Record“, 2000)

16. Fool (von „You Are Free“, 2003)

17. Wild Is The Wind (von „The Covers Record“, 2000)

18. Lived In Bars (von „The Greatest“, 2006)

 

Disc 2Cat Power #4

1.  (I Can’t Get No) Satisfaction (von „The Covers Record“, 2000)

2.  Freebird (Peel Session, 2000)

3.  Good Woman (feat. Eddie Vedder) (von „You Are Free“, 2003)

4.  Silver Stallion (von „Jukebox“, 2008)

5.  Nude As The News (von „What Would The Community Think“, 1996)

6.  Love & Communication (von „The Greatest“, 2006)

7.  Silent Machine (von „Sun“, 2012)

8.  Free (von „You Are Free“, 2003)

9.  You May Know Him (von „Moon Pix“, 1998)

10. Sea Of Love (von „The Covers Record“, 2000)

11. Amazing Grace (with Dirty Delta Blues) (von der „Dark Was The Night“ Charity Compilation, 2009)

12. Evolution (feat. Eddie Vedder) (von „You Are Free“, 2003)

13. Naked, If I Want To (Jukebox version) (von der Bonus Disc zu „Jukebox“, 2008)

14. I Believe In You (von „Jukebox“, 2008)

15. Peace And Love (von „Sun“, 2012)

16. Maybe Not (von „You Are Free“, 2003)

17. Don’t Explain (von „Jukebox“, 2008)

18. I Don’t Blame You (von „You Are Free“, 2003)

19. Cherokee (von „Sun“, 2012)

20. Dream (Bonus Track der japanischen Ausgabe von „The Greatest“, 2006)

 

 

Mehr über Chan Marshall aka. Cat Power erfahrt ihr zum Beispiel in diesem kurzen Beitrag des NDR Kulturspiegels vom August 2011:

 

Und auch Cat Powers Videos sind durchaus sehenswert. So etwa das zum Song „Cross Bones Style“ von 1998:

 

…das zu „He War“ (von 2003)…

 

…das zum selbsterfüllenden Stück „Lived In Bars“ (2006)…

 

…oder das neuste Video zum Song „Cherokee“, welches Marshall mit blondierter Kurzhaarfrisur in einem Roadmovie zeigt:

 

Und dass Chan Marshall – mittlerweile – durchaus Humor besitzt und sich und ihre Biografie selbstironisch auf die Schippe zu nehmen versteht, kann man hier – in diesem Teil der Reihe „Funny or Die“ – prüfen:

 

Rock and Roll.

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