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Song des Tages: Tex – „Ich will nicht mehr an dich denken“ (live auf der Schwarzfahrt)


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Christoph „Tex“ Drieschner geht eigentlich immer und ist bereits (fast) seit den Anfangstagen von ANEWFRIEND ein treuer Gast bei den „Songs des Tages“.

Heute mit „Ich will nicht mehr an dich denken“, einem Song aus der Feder des Kopfes hinter TV Noir, der erstmals vor zwei Jahren das Licht des Internets erblicken durfte – damals als Duett mit Ida Wenøe, in dieser (neuen) Version als Solo-Variante, welche im Sommer diesen Jahres während einiger Shows von Tex und dem befreundeten Liedermacher Matze Rossi in „der bayerischen Idylle“ aufgenommen wurde (die beiden tauften den von fritz-kola gesponserten „musikalischen Roadtrip“ folgerichtig „Schwarzfahrt“)…

 

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Will Varley – live bei TV Noir


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Ich bin und werde nicht müde, Will Varley bei jeder sich bietenden Gelegenheit wärmstens und von ganzen Hörerherzen anzupreisen, schließlich drehen sich zumindest die ersten drei Alben des Singer/Songwriters aus dem Londoner Stadtteil Brixton – „Advert Soundtracks“ (2011), „As The Crow Flies“ (2013) sowie das wohl auf ewig famose „Postcards From Ursa Minor“ (2015) – noch immer in regelmäßigen Abständen in meinen Gehörgängen. Und auch wenn mich der 31-jährige Troubadour mit den letzten beiden Werken („Kingsdown Sundown“ von 2016 sowie „Spirit Of Minnie„, erschienen im vergangenen Februar) ein wenig verloren hat, gehören seine Songs und deren gewitzte Geschichten noch immer zum Besten, was das Vereinigte Königreich an Akustikgitarren-Liedermacherei  zu bieten hat – man denke an eine bierselig-kumpelhafte Mischung aus Frank Turner und Billy Bragg…

6e0d572ef276c8d6c789cafd1feb116f2de1fa8aUnd: Ja, Will Varley zeigt wohl vor allem live und auf Bühnenbrettern seine Qualitäten. Zu gut also, dass er vor wenigen Tagen mit „Live at Shepherd’s Bush Empire“ noch (s)ein erstes, 15 Songs starkes Live-Album (zunächst digital) veröffentlicht hat, bevor er sich – nach all den Veröffentlichungen sowie Tourneen dies- wie jenseits des Ärmelkanals in den letzten Jahren – vorerst in eine kleine, verdiente Pause verabschiedet, um sich um den Nachwuchs zu kümmern

Apropos „gut“: Dieses Prädikat verdient wohl auch (mindestens) die Live Session, welche Will Varley bei seinem „TV Noir“-Gastspiel am 30. September 2017 im Berlin-Neuköllner Heimathafen zeigt, denn schließlich gehören die sechs Songs – “From Halcyon”, “We Don’t Believe You”, “A New England” (ein Cover des wohl bekanntesten Billy-Bragg-Songs), “Weddings And Wars”, “The Man Who Fell To Earth” sowie “King For A King” – sowohl zu den besten in seiner bisherigen Diskografie, und damit logischerweise auch zum Standard-Repertoire wohl jeder seiner Konzert-Setlists.

TV Noir“ schieb damals Folgendes zum Konzertankündigung:

„Tex lernte den britischen Musiker im Juni beim Poesiefestival in Berlin kennen: Will war musikalischer Gast, Tex war als Moderator dabei. Nun holen wir ihn zu uns in den Heimathafen und freuen uns schon sehr darauf, ihn Euch vorzustellen. Während Will in den frühen Zweitausendern noch durch die britische Hauptstadt zog, um sich in der noch so kleinsten Kaschemme zu behaupten, läuft der Songwriter mittlerweile in Großbritannien längst auf Rotation. Nach vier Platten hat sich Will Varley mit seinem traditionellen Folk-Sound in ganz Europa einen Namen gemacht. Seine Auftritte sind anarchisch: Der Sänger spielt mit dem Publikum, legt Comedyimprovisationen ein, lebt von und für seine Zuhörer.“

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Tex – „Peace In Our Time“


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All jenen, die ab und an hier vorbei surfen, dürfte ja bereits aufgefallen sein, dass ich Christoph „Tex“ Drieschner für ’nen super Typen halte. Denn der Mann, Jahrgang 1970, hat mit „TV Noir“ nicht nur eine seit 2008 bestehende Konzert-Plattform für angehende wie angesagte deutsche wie internationale Indie-Musiker (mit) ins Leben gerufen, der Herr ist auch selbst ein formidabler Liedermacher.

Das hat er etwa im vergangenen Jahr erneut unter Beweis gestellt, als sein fünftes Soloalbum „Von hier bis aufs Dach“ erschien, welches erneut 15 tolle Songs aus seiner Feder enthielt (nicht alle waren wirklich neu, doch alle allesamt wieder einmal höchst bezaubernd und zumindest in ihren jeweiligen Versionen noch bislang unveröffentlicht).

Dazu kommt noch, dass sich Tex auch hervorragend aufs Neuinterpretieren von Fremdkompositionen versteht, man höre etwa seine Variante des Rio-Reiser-Songs „Zauberland“. Oder etwa, wenn man’s lieber englisch mag, die feine Version des Elvis-Costello-Klassikers „Peace In Our Time„. Das Stück passt – wenn ihr mich fragt – tausendundein Mal besser zur weihnachtlichen Besinnung als Gräueltaten wie „Last Christmas“ (George Michael verdient sich daran übrigens noch immer mit acht Millionen Scheinen Jahr für Jahr ’ne goldig-weiße Koksnase!) oder „Driving Home For Christmas“ (damn you, Chris Rea!).

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Natürlich erschließt sich einem die Großartigkeit von „Peace In Our Time“ erst – so ist’s ja oft, gerade beim Costello-Elvis -, wenn man ein wenig um die Hintergründe weiß. Der Ausspruch „Peace In Our Time“ etwa weist Ursprünge bis in religiöse Dokumente des 7. Jahrhunderts auf und wurde in der britischen Politik sowohl im 19. wie im 20. Jahrhundert populär, als Politiker wie die damaligen britischen Premierminister Benjamin Disraeli und Neville Chamberlain den Ausspruch zur etwas voreiligen Freude über vermeintliche Friedensabkommen verwendeten – wenn man bedenkt, dass gerade letzterer im September 1938 nach Verhandlungen mit Nazi-Deutschland von „Friede in unserer Zeit“ schwafelte, bekommt man freilich ein kaltes Schaudern…

elvis-costello-the-attractions-goodbye-cruelCostello jedoch bezog sich in seinem Song – er erschien 1984 auf dem von Fans bis heute wenig geliebten Elvis Costello & The Attractions-Album „Goodbye Cruel World“ – eher auf die damalige Situation des Kalten Kriegs und richtete einige der Zeilen direkt an den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan:  “There’s already one spaceman in the White House what do you want another one for?”. Anderswo wird die Angst vor der nuklearen Bedrohung, vor noch mehr Atombombentests, vor losen Fingern über roten Knöpfen und den Folgen deutlich: “Meanwhile there’s a light over the ocean burning brighter than the sun / And a man sits alone in a bar and says, ‘Oh God, what have we done?’”. Klar ist dieses Stück ebenso stark vom paranoiden Zeitgeist der Achtziger geprägt wie etwa der nicht minder große Sting-Song „Russians“ (anno 1985 auf dem Album „The Dream Of The Blue Turtles“ erschienen). Und doch ist „Peace In Our Time“ auch mehr als dreißig Jahre nach seiner Veröffentlichung – ebenso wie der 1979 veröffentlichte Costello-Evergreen „(What’s So Funny ‚Bout) Peace, Love, and Understanding“ etwa – noch wichtig, denn was hat sich denn seit damals wirklich geändert? Achtzig Jahre nach Hitler – seines Zeichens gescheiterter Kunststudent -, drei Jahrzehnte nach Reagan, als ehemaliger Schauspieler damals ebenfalls ein politischer Quereinsteiger, sitzt nun bald Donald J. Trump im Weißen Haus – klingelt’s? Bereits Elvis Costello wusste wohl, als er Zeilen wie “And we can thank God that we’ve finally got peace in our time” mit Tinte aus bitterem Sarkasmus schrieb: Geschichte wiederholt sich, weil sich menschliche Fehler wiederholen…

Klar, Besinnlichkeit klingt irgendwie anders, Besinnung jedoch sollte sich genau so anhören.

 

 
„Out of the aeroplane stepped Chamberlain with a condemned man’s stare
But we all cheered wildly, a photograph was taken,
as he waved a piece of paper in the air
Now the Disco Machine lives in Munich and we are all friends
And I slip on my Italian dancing shoes as the evening descends

And the bells take their toll once again in victory chime
And we can thank God that we’ve finally got
Peace in our time

There’s a man going round taking names no
matter who you claim to be
As innocent as babies, a mad dog with rabies,
you’re still a part of some conspiracy
Meanwhile there’s a light over the ocean
burning brighter than the sun
And a man sits alone in a bar and says ‚Oh God,
what have we done?‘

They’re lighting a bonfire upon every hilltop in the land
Just another tiny island invaded when he’s got
the whole world in his hands
And the Heavyweight Champion fights in the
International Propaganda Star Wars
There’s already one spaceman in the White
House what do you want another one for?“
 
Rock and Roll.

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Song des Tages: Tex feat. Phela – „Juli“


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Christoph „Tex“ Drieschner ist wahrlich keiner, der sich partout in den Vordergrund drängen muss. Meist lässt der Chef der beliebten Konzertreihe TV Noir, welche sich über die Jahre zu so viel mehr – Label, Fernsehsendung etc. pp. – entwickelt hat und schon etlichen nationalen (von Philipp Poisel über Thees Uhrmann bis hin zu Rainald Grebe) wie internationalen Künstlern (Nada Surf, Heather Nova, William Fitzsimmons…) ein Forum auf kleinen wie größeren deutschen Konzertbühnen geboten hat, andere zu Wort kommen – was in akustisch reduzierter Form beziehungsweise dem Zusammenspiel mit Publikum und Gleichgesinnten meist großartig gerät.

Man sollte jedoch nicht vergessen, dass Tex auch einer der besten, schlausten und zeitgeistigsten deutschsprachigen Liedermacher ist (regelmäßigen Lesern von ANEWFRIEND wird eventuell noch ein „Song des Tages“ von 2013 in Erinnerung sein). Natürlich hängt dem Großteil seiner Songs und seiner Veröffentlichungen (zuletzt erschien 2015 das toll aufgemachte „Von hier bis aufs Dach“ im TV-Noir-eigenen Webshop) ein gutes Stück Alltagsmelancholie an, welche sich wohl am Besten entfaltet wenn man Tex‘ Lieder nachts hört. Allein. Über Kopfhörer. Mit ein, zwei Gläsern Rotwein. Und vielleicht auf einem Hausdach, von dem aus sich die Großstadt überblicken lässt…

Neuster Favorit meinerseits ist „Juli“, welches Tex vor einiger Zeit mit der ebenfalls nicht zu verachtenden Phela bei einem Konzert in der Berliner Volksbühne zum Besten gab. Und obwohl das Stück schon mehr als zehn Jahre auf dem musikalischen Buckel hat (man konnte es etwa bereits auf dem 2004 erschienenen Livealbum „NV 69“ hören), ist es immer noch eines von Tex‘ besten – wenn ihr mich fragt.

 

 

„Juli fragt: ‚Warum ist alles schwierig?

Warum der Kampf am Morgen aufzusteh’n?

Warum ist am Abend das Zubettgeh’n eine Qual?

Und Warum will ich dazwischen niemand seh’n?‘

 

Und Juli muss so kotzen wenn sie fernsieht

Und sieht doch jeden Tag ein bisschen mehr

Das Kaninchen frisst sich langsam durchs Gehirn

Süß und kuschelweich und siebzehn Kilo schwer

 

Juli hat die Nase voll bis oben

Sie kann die Lügen nicht mehr hören

Sie will schlagen, sie will schießen

Will mit Gewalt den Frieden stör’n

 

Juli sagt: ‚Wo ist denn jetzt das Große?

Warum wird aus den schönen Träumen Not?

Gier wird aus dem Feuer, aus dem Held ein schwacher Mann

Und dreißig Jahre später ist er tot‘

 

Juli hat die Nase voll bis oben…

 

Juli sagt: ‚Vor Jahren war ein Wunder

Gute Namen leider bald passé

Das Leben ist ein Krokus

Etwas Sonne, etwas Schnee

Und ein viel zu schneller, schwerer LKW‘

 

Juli hat die Nase voll bis oben…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Tex – „Sie haben die Wahl“


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Tex, in dessen bundesdeutschem Personalausweis wohl sicherlich der Name Christoph Drieschner stehen wird, ist nicht nur der Moderator und Kopf der wunderbaren Konzertreihe TV Noir, sondern auch ein ganz toller und feinsinniger Singer/Songwriter mit allerhand Gespür für Herz und Hirn sowie langjähriger Bühnenerfahrung.

Wer’s nicht glaubt, der darf sich exemplarisch gern den Song „Sie haben die Wahl“ anhören, der bereits vor acht Jahren – anlässlich der Bundestagswahl 2005 – schon einmal erschien. Tex gab das Stück kürzlich wieder zum Besten – und siehe da: der Text (den ihr weiter unten findet) passt noch immer wie die Faust auf’s Auge. Manche Dinge ändern sich leider nie…

 

 

Sie haben die Wahl Sie haben die Wahl (Cover)
Zwischen Kasperl und Seppl 
Komiker A oder Vollidiot B 
Zwischen Regen und Traufe und Blitzschlag 
Sie haben die Wahl 

Sie haben die Wahl 
Zwischen gleich SED 
Oder erst evangelisch 
Mit Bart und Gitarre 
Zwischen Ronald McDonald und Hitler 
Sie haben die Wahl

Aber nachts 
Während Sie schlafen 
Ziehen wir los 
Verkaufen die Luft 
Verkaufen das Wasser, das Land 
Die Liebe, die Angst 
Den Terror 
Verkaufen die Qual

Und morgens 
Wir kommen zur Dämmerung 
Wanken an Ihr Bett 
Den Hals übervoll 
Die Finger noch schmierig 
Wir rülpsen und flüstern 
Sie haben die Wahl 

Sie haben die Wahl 
Zwischen Räubern und Dieben 
Zwischen Mördern die morden 
Und solchen, die sagen 
„Uns blutet das Herz 
Wir wünschten, Sie wären 
Von selbst tot“

Sie haben die Wahl 
Zwischen Segeln und Strich 
Zwischen Crack und Champagner 
Dem Haus aus Karton 
Und der Villa im Park 
Mit Chauffeur und Psychiater 
Sie haben die Wahl

Zwei Milliarden Schläge 
Mit dem Schädel an die Wand 
Für was zum Lernen 
Was zu tun 
Für was zum Wohnen 
was zum Leben 
Was sind…

 

Wer Tex abseits der TV Noir-Bühne einmal live und in Farbe (sic!) erleben möchte, der bekommt in den kommenden Tagen und Monaten Gelegenheit dazu, denn Tex ist im Rahmen der Präsentation seines neusten Hörbuchs „Der Prophet“ unterwegs. Mehr Informationen und alle Termine findet ihr auf seiner Homepage.

Und wer weiß, eventuell darf man sich, neben „Sie haben die Wahl“, auch auf eine Live-Präsentation von „Haut“, dem wunderschönen (virtuellen) Duett mit der großartigen Alin Coen, freuen…

 

 

Rock and Roll.

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