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Song des Tages: Thomas D & The KBCS – „Show“


Auch Thomas D machte aus der zwangsläufigen Corona-Konzertpause seiner Stammband, Die Fantastischen Vier, eine Tugend und erfüllte sich auf dem M.A.R.S. einen schon etwas länger gehegten Wunsch…

Und all jene, denen jetzt vorschnell die Wut zu Kopfe steigen mag ob eines weiteren Milliardärs mit zu prallem Bankkonto und zu viel Langeweile, der seine Kohle für einen Flug ins Weltall verprasst, dürfen beruhigt ausatmen – zum einen mag Thomas „D“ Dürr zwar gemeinsam mit seinen Bandkumpels Smudo, Michi Beck und And.Ypsilon seit der Gründung des Stuttgarter HipHop-Viergespanns Ende der Achtziger durchaus amtliche Erfolgswellen verursacht haben, sein Kontostand dürfte jedoch mit dem eines Jeff Bezos, Richard Branson oder Elon Musk trotzdem keineswegs mithalten können. Zum anderen handelt es sich beim M.A.R.S. um das Domizil des überzeugten Veganers und Tierschützers in der Eifel, dessen Lage am Fuße eines erloschenen Vulkans sich fast schon als „magisch“ umschreiben ließe (wer’s noch prosaischer mag, der könnte nun aufführen, dass dort anstatt von Lava nun eben die Kreativität fließt). Fast schon logisch, dass einer wie Thomas D sich an solch einem Rückzugsort auch ein eigenes Musikstudio einrichtet… einen musikalischen Mars, sozusagen. Und ebendort reifte in ihm der Wunsch, seinen Rap – abseits der großen Bühnen – mal wieder intim auf Platte zu bringen und in einer musikalisch veränderten Form – abseits der Fanta 4 – zu performen. Eine Rückbesinnung auf die Wurzeln seiner eigenen Musik, die zwischen 1997 und 2013 auf immerhin fünf Solo-Alben erschien, aufgrund des normalerweise recht gut gefüllten Fanta 4-Terminkalenders in den letzten Jahren jedoch immer öfter in den Hintergrund geriet. Weitere Inspiration erhielt er, als ihm 2019 eines Nachmittags eine Platte der Hamburger Band The KBCS in die Hände fiel. Völlig geflasht von ihrem fast schon hypnotischen Instrumental-Sound, von ihrer Energie und dem Willen, der eigenen Kunst einen frischen Anstrich zu verpassen, macht der 52-jährige Musiker die Band ausfindig und lädt das Quartett zu gemeinsamen Sessions auf seinem M.A.R.S. ein, bei denen schnell klar wird: das bundesdeutsche Hippe-di-Hopp-Urgestein und die hanseatische Soul-, Funk- und Jazzband funktionieren einwandfrei zusammen. Und da alles Schöne ja umso schöner wird, wenn man’s teilt, kann man das Ergebnis nun auf den „M.A.R.S Sessions“ nachhören.

Und tatsächlich entpuppt sich der Schulterschluss von Thomas D mit The KBCS als durchaus mitreißende Elefantenhochzeit, obwohl der wortgewaltige Rapper und die virtuos groovenden Instrumentalisten hier überwiegend leisere Töne anschlagen. Dies bedingen bereits die elf für „M.A.R.S Sessions“ ausgewählten Songs aus dem Repertoire des Frontmanns, der abseits seiner musikalische Pfade seit Juli 2013 etwa auch die Kurzinformationssendung „Wissen vor acht – Natur“ im Ersten moderiert. Und kleiner Schnitt ist bei dem gelernten Frisör (true story, that) nicht – textlich fährt Thomas D hier einige der eindringlichsten Messages seines Œuvres auf, andererseits geraten die lauten Momente, die es definitiv auch gibt, ebendeshalb umso intensiver.

Das Quintett schreitet mit meditativ-warmem Vintage-Sound lässig zwischen Resignation und Kampfgeist (man höre das melancholische „Show“, dessen Original anno 2013 Teil des bisher jüngsten D-Soloalbums „Aufstieg und Fall des Tommy Blank“ war), gedankenschwer philosphischen („Neophyta“ vom 2008er „Kennzeichen D“ mit leiser Reggae-Note) und schlicht gut gelaunten Momenten einher (der unbeschwerte D-Klassiker „Rückenwind“ vom 1997er Debüt „Solo“ steht den Fanta 4 dabei wohl am nächsten), die bestenfalls mal für Gänsehaut, mal für sanfte Nostalgie sorgen.

Schließlich ist es die direkte Live-Atmosphäre, die dieser famosen Combo einen unterhaltsamen Sieg auf nahezu allen Ebenen beschert – nachvollziehbar vor allem anhand des mit Hammondorgel rockenden „Uns trennt das Leben“ (vom 2001er Konzeptwerk „Lektionen in Demut„), im ähnlich gestalteten „Weitermachen“ (vom letzten Fanta-Dreher „Captain Fantastic„, 2018) mit smoother Leadgitarre und Percussion im Refrain sowie während „Flüchtig“, das mit fetten Bläsern auf die Tanzfläche bittet. „Millionen Legionen“, anno 1999 einer der Klassiker Fanta4-Hitalbums „4:99„, vermittelt nicht eben wenige jener Vibes, die man auch während der „MTV Unplugged“-Performance der Fantastischen Vier in der Balver Höhle erleben durfte. Die minimalistische Musik „Gebet an den Planet“ (von „Lektionen in Demut“) – kaum mehr als ein Obertönen gespicktes Bassmotiv zu sachtem Drumming und einzelnen Gitarren-Tupfern – wirkt wie ein Kontrast zum aufbauenden Text der Nummer und rückt damit einen der größten Vorzüge der Scheibe in den Vordergrund: ihr ergreifendes Spiel mit Licht und Schatten, wenn etwa auch das schummrige „An alle Hinterbliebenen“ (von „Kennzeichen D“) in seiner ökonomischen Form beinahe post-rockig anmutet.

Unter Strich ist Thomas D und The KBCS mit „M.A.R.S Sessions“ ein kongenialer Crossover aus unter die Haut gehendem Herz-und-Hirn-Sprechgesang und einer einfallsreichen Fusion aus Rock, Soul und etwas Jazz gelungen, der vor allem all jenen, denen die Solo-Aktivitäten des Fanta4-Haudegens mit ihrem durchaus vorhandenen Pathos sowie nicht wenigen gesellschaftskritischen Anklängen in der Vergangenheit ohnehin zugesagt haben, wärmstens empfohlen sei.

„Show, alles nur Show, wir tun alle nur so
Lehnt euch zurück, genießt die Show

Wie geht’s dir? Bescheiden? Mehr schlecht als recht?
Ich weiß, das Leben ist Leiden, doch langsam glaube ich echt
Es gibt hier keinen, der in diesen Zeiten noch vor Kraft strotzt
Nicht meckert nicht kotzt, nicht kleckert nur klotzt
Nicht lästert und lügt, der sich selbst genügt
Einer, der in sich ruht und sich selbst nicht betrügt
Seinem Schicksal gefügt, doch seines eigenen Glückes Schmied
Der aus Rückschlägen noch die richtigen Schlüsse zieht
Einer, der liebt nur um der Liebe willen, nicht um sein Verlangen zu stillen
Einer, der alles verzeiht, dessen Verstand nicht die ganze Zeit schreit
Der still ist und schweigt und sich im Innern so vom Leiden befreit
Einer, der mehr ist als nur ein Teil seiner Welt
Bei dem die Zeit steh’n bleibt, wenn er den Atem hält
Ja, wer das Zeug dazu hat, trete an, trete vor
Denn alles andere hier ist nur Show

Show, alles nur Show, wir tun alle nur so
Lehnt euch zurück, genießt die Show

Noch denkst du du wärst wer, doch machst du dich erst leer
Dann erkennst du mal, wie sehr all das Denken dich ablenkt
Nun erfährst du du bist wer, auch ohne Gedanken
Und bald fällt es dir nicht schwer, dich darin zu verankern
Erst beruhigt sich dein Atem, du folgst ihm nach innen
Lässt die Augenlider fallen und bist mit all deinen Sinnen
Im Innern und es reicht dir, einfach nur zu atmen
Was du dann entdeckst, ja soviel darf ich verraten
Ist mehr wert als irgendjemand jemals verlor
Ist nicht sehr schwer, nur 21 Gramm oder so
Keiner weiß mehr, wie kommt man durch das innere Tor
Doch die Bestimmung, sie dringt durch alle Schichten empor
Ja, die Befreiung von allem steht wohl uns allen bevor
Wenn nicht im Leben, dann auf jeden, wenn der Tod einen holt
Wenn auch von keinem gewollt, am Ende geht es jedem so
Und eben deshalb ist es besser ihr genießt die Show

Show, alles nur Show, wir tun alle nur so
Lehnt euch zurück, genießt die Show…“

Rock and Roll.

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Wenn Hegel auf Satire trifft – wie Kabarettist Florian Schroeder die „Querdenker“ in Stuttgart narrte…


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„Mein Name ist Schroeder, ich komme aus dem Mainstream…“

Für seinen Opener auf der Bühne der „Querdenken 711„-Demonstration in Stuttgart gegen die Corona-Maßnahmen und für ein Ende derselbigen am vergangenen Samstag bekam Kabarettist Florian Schroeder aus den etwas lichten Publikumsreihen (wohlmöglich hatte man sich da doch noch zur Abstandswahrung entschieden?) noch freundlichen Applaus. Er trete auf eine Einladung der Veranstalter hin hier auf, um „die Grenzen ihrer Meinungsfreiheit“ auszutesten, erklärte der 40-Jährige, der bislang vor allem aus seiner „Florian Schroeder Satireshow im Ersten“ und „Spätschicht – Die SWR Comedy Bühne“ bekannt war, denn „man hat mir gesagt, hier in Stuttgart ist die Freiheit…“

Schroeder, der seinen Auftritt danach in einem Video auf YouTube veröffentlichte, versuchte zunächst, seinem schwäbischen Publikum humoristisch die Thesen des in Stuttgart geborenen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel zur Dialektik nahezubringen. Anschließend stellte er die Frage, ob in Deutschland eine Diktatur herrsche, worauf sowohl „Ja“– als auch „Nein“-Rufe aus dem Publikum zu vernehmen waren. Als Schroeder bei seinen Zuhörern weiter eruierte, ob „wir in einer Corona-Diktatur“ lebten, erntete er – welch‘ Wunder – ein vielstimmiges „Ja“ aus der Menge. Der Kabarettist entgegnete darauf recht entlarvend: „Wenn wir irgendeine Form von Diktatur hätten, dann dürftet ihr euch hier gar nicht versammeln, dann dürftet ihr hier gar nicht stehen…“ Wohl wahr, brillant gekontert.

„Es ist die Pflicht eines Satirikers in dieser Zeit, genau so eine Aktion zu nutzen, um damit ein Stück Aufklärung zu betreiben.“

Schroeders Auftritt zeichnete sich neben einigen satirisch überspitzten Fragen vor allem durch den Versuch aus, sein Publikum davon zu überzeugen, auch seine Ansichten zur Corona-Pandemie anzuerkennen: „Wenn ihr für Meinungsfreiheit seid, müsst ihr meine Meinung aushalten.“ Als der selbst aus dem Südwesten Baden-Württembergs stammende Kabarettist allerdings – freilich ein wenig auf Provokation abzielend – meinte: „Ich bin der Auffassung, dass Corona eine hochgefährliche, ansteckende Krankheit ist, und ich bin der Überzeugung, dass Maskentragen und Abstandhalten das Wichtigste und Beste ist, was wir in diesen Tagen tun können“, erntete er vorwiegend Buhrufe. Zum Abschluss seines elfminütigen Programms sagte Schroeder, das Motto der Demonstration „Querdenken“, zu der in Stuttgart laut dem Veranstalter 5.000 Teilnehmer(innen) zusammen kamen, während die Polizei lediglich mehrere Hundert zählte, bedeute, „selbst zu denken, vernünftig zu sein“ und nicht, einfach „Glaubenssätzen“ zu folgen. Und ganz gleich, wie man selbst zu all den nationalen wie internationalen Maßnahmen rund um Corona stehen mag, so ist es doch ebenso amüsant wie großartig anzusehen, wie Florian Schroeder all jenen populistischen Verschwörungsfreunden, Covidioten, potentiellen blauen Antialternativwählern und -parteimitgliedern, welche sich bei den jüngsten „Querdenken“-Demonstrationen in Berlin, Dortmund oder eben Stuttgart unter das bunt zusammengewürfelte Publikum mischten, mit Hegels Dialektik, intelligentem Witz und gelungener Argumentation den Spiegel vorhält…

 

 

Wie Florian Schroeder eigentlich zu der Einladung der „Querdenken“-Veranstalter kam (kleiner Spoiler: deren Organisationsteam scheint nicht wirklich mit satirischem Sachverstand gesegnet und nahm wohl den ein oder anderen Satz Schroeders aus einem satirischen Solo-Programm über Corona vor einigen Wochen etwas zu wörtlich), beinahe bei der „Querdenken“-Demonstation am 1. August in Berlin (bevor diese aufgelöst wurde) und schlussendlich vor weitaus weniger Menschen in Stuttgart auftrat, zeigt dieser „Hintergrundbericht“ von „extra 3“ (während man hier oder hier Interviews mit dem derzeit unerwartet gefragten Kabarettisten lesen kann):

 

Rock and Roll.

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Monday Listen: Mother Tongue


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Ich bin mindestens einen Tag zu spät dran, darum wird der Name dieser bescheidenen Rubrik, welche ja eigentlich „Sunday Listen“ heißt, spontan auf den heutigen Montag tituliert.

Im Grunde ist das jedoch egal, denn, wenn ihr mich fragt, dann gibt es nie einen unpassenden Tag, um Mother Tongue zu hören. Selbst wenn sich die kalifornischen Alternative-Rocker – vor allem in Deutschland – in den letzten Jahren äußerst rar gemacht haben…

Die gute Nachricht ist, dass die vier Herren aus Los Angeles kürzlich eine etwas ausgedehntere Tournee durch die deutsche Club- und (Klein-)Festival-Landschaft angekündigt haben (die Termine findet ihr weiter unten). Die schlechte mag sein, dass auch acht Jahre nach Album Nummer fünf, „Follow The Trail“ von 2008, noch kein neues Studiowerk in Sicht ist – was sich bei einer Band, die vor allem auf Bühnenbrettern überzeugt und von dort aus eine ebenso vielfältige wie energetische Melange aus Siebziger-lastigem Bluesrock (im Stil von Jimi Hendrix oder Led Zeppelin), Soul und Funk unters nicht selten begeisterte Konzertpublikum streut, allerdings verschmerzen lassen dürfte.

51UMrk5totLUnd wie könnte man sich besser auf die anstehenden Mother-Tongue-Termine vorbereiten als mit dem Hören eines Konzertmitschnitts? Freundlicherweise haben David „Davo“ Gould (Bass, Gesang), Christian Leibfried (Gitarre, Gesang), Bryan Tulao (Gitarre, Gesang) und Sasha Popovic (Schlagzeug) den Großteil ihrer letzten Tourneen zwischen 1994 und 2010 mitgeschnitten (oder mitschneiden lassen) und teilen diese Bootlegs, welche nicht selten Soundboard-Qualität besitzen, sowohl auf ihrer Homepage als auch auf archive.org zum Hören und Downloaden. Bei dieser Vielzahl an Konzerten wären ein, zwei Empfehlungen nicht schlecht, oder? Nun, ich selbst lege euch etwa die Shows im Forum Bielefeld (vom 30. Oktober 2003) sowie in der Röhre in Stuttgart (vom 4. November 2003) ans Hörerherz, da diese sowohl in Punkto Soundqualität als auch durch Songauswahl und Spielfreude zu überzeugen wissen. Und all jenen, die wohlmöglich noch nie von Mother Tongue gehört haben sollten, empfehle ich die Anschaffung des zwar 22 Jahre jungen, jedoch noch immer taufrisch und großartig aus der Wäsche rockenden selbstbetitelten Debütalbums.

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Wer das audiovisuelle Komplentprogramm bevorzugt, der findet hier einen Mitschnitt der Show beim „VISIONS Festival“ in Dortmund aus dem Jahr 2009 (welchen man sich wiederum hier und hier – Mother Tongue spielten zwei Shows – aufs heimische Abspielgerät laden kann)…

 

…sowie ein paar Musikvideos:

 

 

IN THE BLOOD TOUR 2016

12. Juli GER Hamburg Knust Tickets
13. Juli GER Köln Underground Tickets
14. Juli GER Berlin BiNuu Tickets
15. Juli GER Marburg KFZ Tickets
16. Juli GER Erfurt Stoned from the Underground Festival Tickets
17. Juli GER München Strom Tickets
19. Juli GER Weinheim Cafe Central Tickets
20. Juli GER Dresden Beatpol Tickets
21. Juli GER Leipzig Moritzbastei Tickets
22. Juli GER Karlsruhe Das Fest Tickets
23. Juli AUT Dornbirn Kultursommer @ Conrad Sohm Tickets
24. Juli AUT Aflenz Sublime Tickets
25. Juli AUT Wien Flex Tickets
27. Juli GER Erlangen E-Werk Tickets
28. Juli GER Dortmund FZW Tickets
29. Juli GER Frankfurt (Main) Nachtleben Tickets
30. Juli GER Trebur Trebur Open Air Tickets

 

Rock and Roll.

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