Schlagwort-Archive: Stockholm

Song des Tages: The Baboon Show – „Radio Rebelde“


The-Baboon-Show-Punk-Rock-Band

The Hives, Refused, Backyard Babies, The (International) Noise Conspiracy, The Division Of Laura Lee usw. usf. – Schweden ist nicht eben der schlechteste Nährboden für Punk-Rock-Bands. Da kann es schon einmal vorkommen, dass die ein oder andere Gruppe zu Unrecht etwas untergeht…

The Baboon Show etwa. Denn immerhin spielt sich das aus Stockholm stammende Vierergespann aus Frontfrau Cecilia Boström, Bassistin Frida Ståhl, Gitarrist Håkan Sörle und Schlagzeuger Niclas Svensson bereits seit 2003, nunmehr sieben Alben- sowie zig EP- wie Single-Veröffentlichungen den punkrockend-ranzigen Allerwertesten ab, und wird dem ein oder anderen Genre-Fan hierzulande in den letzten Jahren eventuell als Support Act der Toten Hosen oder Broilers bereits untergekommen sein.

The-Baboon-Show-Radio-Rebelde-2017Klar, da kann man noch so viele catchy Riffs, große Grooves, markante Hooks, empathische Shouts und Herzblut-Gesangsmelodien in feine Dreieinhalb-Minuten-Brecher packen – heutzutage geht selbst (oder gerade) so etwas im Stream-Dschungel von YouTube, Facebook und Co. (vor)schnell unter. Nichtsdestotrotz haben Cecilia Boström und ihre Band mehr als nur ein Ohr nebenbei verdient, immerhin transportieren The Baboon Show mit Songs wie „Same Old Story“ nicht nur Punkrock-Feeling, sondern auch eine Botschaft.

Und so selbstverständlich wie Backstage-Biere und Lederjacken scheinen im Punkrock auch die energisch gereckten Fäuste zu sein. Wer möchte, kann dies – das Fäusterecken –  gern zum neusten Song der Band ausprobieren: zu „Radio Rebelde“, seines Zeichens Titelstück des am 16. Februar erscheinenden, von Pelle Gunnerfeldt (The Hives, Randy) produzierten achten Studioalbums von The Baboon Show, ließ das Quartett von Andreas Langfeld im Rahmen der Support Tour für Die Toten Hosen im vergangenen Dezember ein Musikvideo drehen, das die Band mal auf den Bühnenbrettern, mal Backstage zeigt und somit ein in stylischem Schwarz/weiß gehaltenes ehrliches und relativ pathosfreies Bild von The Baboon Show vermittelt, während der Refrain noch lange im Ohr nachhallt…

 

 

22519847_1545150658907531_7035175306852387812_o

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Sunday Listen: Kristofer Åström – Live at Södra Teatern, Stockholm 2001


9bfd4a200710443c82aefa2adf8d1a89

Wenn es Herbst wird und mein Griff immer öfter ins Singer/Songwriter-Fach wandert (was eigentlich nicht nur zu dieser Jahreszeit, sondern im Grunde ganzjährig passiert), dann ist Kristofer Åström seit eh und je einer meiner Favoriten.

Warum? Nun, die Songs, die der Schwede – der als ehemaliger Frontmann der Alternative-Rocker Fireside außerdem bereits unter Beweis gestellt hat, dass er auch ganz andere musikalische Gangarten beherrscht – in bester Scandinavian Cowboy-Manier  vom Stapel bricht, suchen in Punkto süßer Herzschmerz-Melancholie schon immer ihresgleichen (und wer’s nicht glauben mag, dem sei die 2013 veröffentlichte Werkschau „An Introduction to….“ ans Hörerherz gelegt). Ob es die Vergleiche zu Genre-Größen wie Elliott Smith braucht? Wohl kaum. Passt auch nicht. Vielmehr stehen Åström Landmänner wie Christian Kjellvander oder Rasmus „Tiger Lou“ Kellerman näher…

Kristofer-Astroem-c-Selective-Artists-0717-730x410

Dass der mittlerweile 43-jährige Musiker aus Luleå (dem ortsansässigen Eishockey-Team spendierte er übrigens vor einigen Jahren eine Hymne) auch auf Bühnenbrettern zu überzeugen weiß, beweist unter anderem das Live-Album „Göteborg String Session„, welches er im vergangenen Jahr in die (digitalen) Plattenläden stellte (das letzte Studiowerk „The Story Of A Heart’s Decay“ wiederum erschien 2015). Und wer sich ein Hörbild von Kristofer Åström ohne Streicher und im mal satt rockenden, mal akustisch klampfenden Outfit machen möchte, dem seien der Mittschnitt einer Show, welche er 2001 im Stockholmer Södra Teatern gab (ein Teil des Konzerts fehlt wohl, dafür ist die Audio-Qualität sehr gut), sowie die Soundboard-Aufnahme eines Konzerts im Wiener Stadtsaal aus dem Jahr 2012 (gibt’s hier als kostenlosen Download) empfohlen.

Eine Überdosis als Åström’schem Liedgut ist in dieser Jahreszeit ja ohnehin ausgeschlossen…

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Satan Takes A Holiday – „The Beat“


5409584

Satan Takes A Holiday – mehr Rock’n’Roll ist eigentlich kaum ein Bandname. Dieser spontane Ersteindruck wird wohl auch durch die Tatsache, dass die drei schwedischen Köpfe hinter diesem Namen, Fred Burman, Johannes Lindsjöö und Svante Nordström, sich ihre Inspiration von einem in den Neunzigern erschienenen Album gleichen Titels des sagenumwobenen „Church of Satan“-Gründers Anton LaVey (ja, der Typ hat auch Musik gemacht!) geholt haben. Dabei ging’s wohl eher um Attitüde als um irgendwelche Botschaften… Aber so ist halt, Rock and fuckin‘ Roll, Baby!

Nicht minder Rock’n’Roll ist auch das Musikvideo zu neusten Satan Takes A Holiday-Single „The Beat“, welches eine Plüschpuppe – optisch eine wilde Mischung aus Muppets, Elmo und Cookie Monster – zeigt, die wild durch das Nachtleben prescht und dabei im Rausch so einige fragwürdige Entscheidungen trifft. Stilistisch nimmt das Video mit einigen First-Person-Aufnahmen ohne Frage zwar cleveren Bezug auf „Smack My Bitch Up“ von The Prodigy, ist aber deutlich witziger als sein derbes Vorbild und passt dazu noch nahezu perfekt zum angepunkten Garagenrock-Sound der seit 2006 gemeinsame Sache machenden Stockholmer.

„The Beat“ ist die erste Singleauskopplung des kommenden fünften Albums der Schweden (das letzte, „Animal Man Woman„, erschien 2014). Der Albumtitel ist noch nicht bekannt, es soll jedoch im Februar 2017 erscheinen. Bis dahin feiern wir erst einmal wilde Parties mit dem orangenen Plüsch-Troublemaker, dem Satan Takes A Holiday wohl nicht ganz zufällig auch den Vornamen ihres Bandnamen-Namensgebers verpasst haben…

15392813_1251769068199325_3591294384376558954_o

 

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Mein Senf: Der große Dylan – jetzt auch höchstoffiziell


cupigljw8aajxwn-jpg-large

Gut, nun, da fest steht, dass Bob Dylan tatsächlich endlich den Literatur-Nobelpreis erhält, scheint die Entscheidung zwar noch immer erstaunlich – immerhin ist Dylan ja der erste Singer/Songwriter slash Populärmusiker, dem diese Ehre zuteil wird, zum anderen fragt man sich nun: Wann bekommt dann endlich Bono (s)einen Friedensnobelpreis?

Was heute jedes Kind weiß (oder zumindest wissen sollte): Der 75-jährige Bob Dylan, der als Robert Allen Zimmerman geboren wurde, begann seine Karriere in den 50er Jahren. Seine Texte gelten für die Folk- und Rockmusik als wegweisend.

Dabei wurde Bob Dylan rund zwanzig Jahre lang mit schöner Regelmäßigkeit für den Nobelpreis vorgeschlagen, doch stets ging der Dauerbrenner unter den Kandidaten leer aus (eben neben U2-Fronter Bono, der für sein soziales Engagement den Friedensnobelpreis viel mehr verdient hätte als etwa Barack Obama oder Al Gore). Zu gewagt erschien es offenkundig der sechsköpfigen Jury, einem Musiker – und sei es auch der berühmteste Songschreiber überhaupt – die höchste, seit 1901 vergebene Literaturauszeichnung der Welt zuzuerkennen. Nun jedoch hat sie sich getraut.

Von einigen Skeptikern abgesehen, dürften die meisten – gut fünfzig Jahre nach Dylans Karrierestart als kleiner Kaffeehaus-Folker im New Yorker Greenwich Village – anerkennen, dass der Autor von nichts weniger als klassischer Folk-, Blues- und Rock-Lyrik wie „Masters Of War“, „Like A Rolling Stone“, „The Times They Are A-Changin'“,  „Mr. Tamburine Man“, „Just Like A Woman“ oder „Blowin‘ In The Wind“ ein würdiger Preisträger ist. Den kaum weniger renommierten Pulitzer-Preis für „lyrische Kompositionen von außerordentlicher poetischer Kraft“ hatte er ja bereits 2008 erhalten.

http-com-ft-imagepublish-prod-us-s3-amazonaws-com-ae1eed78-9135-11e6-a72e-b428cb934b78

Seinen Ruf als Revolutionär der Folk- und Rockmusik erwirbt sich Dylan schon Anfang der 60er Jahre, als er die Zeichen einer unruhigen Zeit richtig deutet. Seinen Start als Singer/Songwriter beschreibt er später in der literarisch anspruchsvollen Autobiografie „Chronicles: Vol. 1“ (2004) so: „Amerika wandelte sich. Ich ahnte eine schicksalhafte Wendung voraus und schwamm einfach mit dem Strom der Veränderung.“

Danach mutiert er zum Rockmusiker mit elektrischer Gitarre (man erinnere sich an die berühmten „Judas!“-Rufe), komponiert und textet Mitte, Ende der 60er Jahre Album- und Songklassiker in Serie. Gerade in dieser Zeit entstandene Stücke sind mit all ihren Metaphern, Symbolen und Anspielungen von beispielloser Qualität, während Werke wie „The Freewheelin‘ Bob Dylan“, „Highway 61 Revisited“ oder „Blonde On Blonde“ bis heute Spitzenplätze in nicht wenigen Ranglisten der „besten Alben aller Zeiten“ belegen.

Nach den wechselvollen, künstlerisch oft unbefriedigenden 70er und 80er Jahren kommt Dylans Rehabilitierung 1997 mit dem ersten großen Alterswerk „Time Out Of Mind“ – einer Platte voller düsterer, anspruchsvoller Texte, die wohl zu seinen besten zählen. Seitdem hat er einen Lauf, setzt alle paar Jahre Ausrufezeichen wie „Modern Times“ (2006) oder das erneut von literarischen, geschichtlichen und biblischen Anspielungen wimmelnde „Tempest“ (2012). Rund 100 Millionen Tonträger soll Dylan inzwischen verkauft haben (was beachtlich sein mag, jedoch vergleichsweise nicht gegen die Beatles ankommt).

Freilich zieht die ebenso logische wie im Grunde doch mutige Entscheidung der Nobelpreis-Jury für Dylan als Preisträger weitere Fragen mit sich: Hat das Popkulturelle jetzt endgültig Einzug ins Ehrwürdige gehalten, immerhin findet sich der „Mann aus Duluth“ nun in einer Riege zwischen William Butler Yeats, George Bernard Shaw, Thomas Mann, Hermann Hesse, Ernest Hemingway, Albert Camus, Pablo Neruda und Günter Grass wieder? Wann wäre denn dann einmal eine ebenfalls recht einflussreiche Musikgröße wie Leonard Cohen an der Reihe? Waren der vertonte und der niedergeschriebene Text in der Antike nicht ohnehin eins? Und: Wann zur Hölle darf Bono endlich den verdammten Friedensnobelpreis in Oslo entgegennehmen (und sei es nur, damit endlich Ruhe ist)?

Und natürlich ruft eine nicht eben mild kontroverse Entscheidung pro Dylan auch Spötter, auch Kritiker auf den Plan. So meint etwa Denis Scheck, ARD-Moderator („Druckfrisch“) und einer der bekanntesten deutschen Literaturkritiker: „Gelegentlich erlaubt sich die Akademie ein ‚Späßken‘. Die Auszeichnung von Bob Dylan ist genauso ein Witz wie es die von Dario Fo war. Am besten, man lacht mit.“ Noch deutlichere Wort fand der schottische Schriftsteller Irvine Welsh für die Entscheidung der Jury: „Ich bin ein Dylan-Fan, aber dies ist ein schlecht durchdachter Nostalgie-Preis, herausgerissen aus den ranzigen Prostatas seniler, sabbernder Hippies“, schimpfte der „Trainspotting“-Autor. In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt auch Sigrid Löffler: „Ich habe den Eindruck, dass die schwedische Akademie sich seit einiger Zeit interessant machen will, und zwar durch besonders ausgefallene und extravagante Namen, die sie da kürt.“ Dem MDR sagte das frühere Mitglied des „Literarischen Quartetts“: „Selbstverständlich sind Liedtexte, gerade die von Bob Dylan, natürlich wunderbar. Nur: Diese Texte sind keine eigenständige Lyrik, denn sie funktionieren nur, wenn sie gesungen sind.“ Wolfgang Niedecken, Frontmann der Kölner Mundart-Rocker BAP und bekanntlich der deutsche Dylan-Ultra, dürfte das freilich anders sehen: „Noh all dänne Johre…..endlich: Bob Dylan bekommt den Literaturnobelpreis. Ich freue mich riesig!“ Und auch Bruce Springsteen, seines Zeichens ja die andere Galionsfigur der US-amerikanischen Musikgeschichte, würdig Dylan via Facebook ausgiebig, während der deutsche „Rolling Stone“-Redakteur Maik Brüggemeyer – mit seinem 2015 erschienenen fantasievoll zusammen geschulterten Roman „Catfish: Ein Bob Dylan Roman“ ebenfalls ja kein Unbekannter, wenn es um Dylan-Fachkundige geht – Dylan selbstredend ebenso für einen würdigen Preisträger hält.

U.S. President Obama awards a 2012 Presidential Medal of Freedom to musician Dylan during ceremony in the East Room of the White House in Washington

Foto: REUTERS/Kevin Lamarque

Am Ende hatte und hat wohl jeder seine ganz eigene Meinung zum Schaffen von Bob Dylan, zu seinem Wirken über all die Jahrzehnte hinweg, und folglich auch zu seiner Ehrung mit dem Nobelpreis. Der Künstler selbst wird sich – so bleibt zu vermuten – wohl geehrte ob diese Lorbeeren von höchster Stelle fühlen, doch irgendwo wird es ihm herzlich schnuppe sein. Denn Robert Allen Zimmerman hat es in seiner Karriere noch nie darauf angelegt, allen zu gefallen, hat schlussendlich nur nach seinen höchst eigenen Regel gespielt (und die Puppen danach tanzen lassen). Denn die Person, welche in einer Art Maskerade, die selbst einem Shakespeare zur Ehre gereichen würde, schon längst hinter dem Pseudonym des Bob Dylan angekommen ist, hat selbst am meisten zur eigenen Maskierung und Mystifizierung beigetragen (wer’s ansatzweise verstehen möchte, dem sei  der nicht eben schlechte – und freilich von Dylan höchstselbst abgenickte – Film „I’m Not There“ (2006) empfohlen, in welchem Schauspieler(innen) wie Christian Bale, Richard Gere, Heath Ledger oder Cate Blanchett in die Rolle des Singer/Songwriter-Chameleons schlüpfen). Dylan polarisiert, das hat die heutige Vergabe des Literatur-Nobelpreises an ihn noch einmal gezeigt. Und das ist wohl das größte Kompliment, das man ihm machen kann.

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Adam Olenius – „News Are Saying“


adam_olenius_2016_carl_von_arbin-992x560

Foto: Carl von Arbin / Promo

Gute Nachrichten für alle Freunde des gepflegten Schweden-Indiepops: Adam Olenius, seines Zeichens Frontmann und Songwriter der schwedischen Band Shout Out Louds, die sich mit so einigen Instant-Ohrwürmern wie „Please Please Please“ oder „Tonight I Have To Leave It“ maximalst unsterblich gemacht haben, wandelt nun auf Solopfaden. Am 29. Juni bringt der Stockholmer seine EP „Looking Forward To The New Me“ heraus, die insgesamt fünf Songs enthalten wird und auf seinem eigenen Label ABWO erscheint.

Eine vielversprechende Vorab-Single gibt es bereits im Stream zu hören. „News Are Saying“ ist ein schöner Popsong, der – im besten Sinne – gar nicht so fern vom Stil von Olenius‘ Stammband andockt und mit Gesangsparts von Say Lou Lou, einem nicht minder feinen australisch-schwedischen Dreampop-Duo, aufwartet.

„Hier ist es, mein Solo-Debüt. In der Form von fünf Songs, die ich begonne habe vor Jahren zu schreiben und erst vor wenigen Wochen beendet habe. Songs, die ich zu Hause geschrieben habe, in Aufzügen, in Flugzeugen, in Bars und zwischen Soundchecks. Keine Filter, keine Zeit es zu überdenken. Aufnahme gestartet und drauf losgesungen. Songs über Liebe, Tod, Alkohol, Geld und andere aktuelle Sachen“, sagt Adam Olenius selbst über seine Debüt-EP, die zwischen 2015 und 2016 in seiner Heimatstadt Stockholm mit Unterstützung von Produzent Måns Lundberg entstand. So sieht die Tracklist von „Looking Forward To The New Me“ aus:

1. News Are Saying
2. Wednesdays
3. Feels Like Feels Right
4. Moves
5. Birthday (Kill For That Jacket)

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , ,

Moment! Aufnahme.


image-5985495

Foto: danapress / David Lagerlöf

In Schweden erhebt eine Frau bei einer Demo ihre Faust gegen Rechtsextreme. Das Foto der Aktion wird netzweit bereits als eines der eindrucksvollsten Bilder des Jahres gefeiert…

Eine zierliche Frau mit dunkler Haut streckt ihre rechte Faust in den Himmel. Ihr Blick ist stark, mutig. Angstfrei blickt sie in das Gesicht eines Mannes. Die Frau ist Maria-Teresa Asplund aus Stockholm. Und sie stellt sich einer Demonstration von über 300 Neonazis in den Weg. Das Foto dieser Aktion wird sowohl auf Nachrichtenseiten (etwa bei spiegel.de) als auch in den sozialen Netzwerken gefeiert.

Am 1. Mai zog die militante schwedische Organisation Nordiska motståndsrörelsen („Schwedische Widerstandsbewegung“) durch die Stadt Borlänge in Zentralschweden. Mehr als 300 Rechtsextreme in schwarzen Hosen, weißen Hemden und grünen Krawatten trafen sich zu dem Aufmarsch. Auf Fotos sind Männer mit kahlgeschorenen Köpfen zu sehen, in ihren Händen tragen sie die Fahne der sektenähnlichen Organisation.

Der Protest gegen die Demonstration ist so einsam wie wirksam: Die 42-jährige Schwedin Maria-Teresa Asplund, kurz Tess genannt, stellte sich den rechtsextremen Männern in den Weg, die Faust erhoben gegen rechtes Gedankengut. Eine mutige und spontane Aktion, wie die Aktivistin dem schwedischen Radiosender P4 Dalarna erklärte: „Ich habe gar nicht wirklich nachgedacht, sondern bin einfach in den Weg gesprungen. Dann starrte mich einer von ihnen an und ich starrte zurück. Er sagte nicht, ich sagte nichts.“ Dann hätten Polizisten sie zur Seite geschoben. Ihre Faust strecke sie oft bei Demos in den Himmel, so Tess. Die Geste habe sie sich bei Nelson Mandela abgeschaut.

PA-26216269_Tess_Asplund-xlarge_trans++eo_i_u9APj8RuoebjoAHt0k9u7HhRJvuo-ZLenGRumA

Foto: TT News Agency / PA

Das Foto von der ikonenhaften Begegnung zwischen der schwarzen Frau und den weißen Männern machte David Lagerlöf. Der Fotograf arbeitet für Expo, eine antirassistische Zeitschrift, die lange vom Autor der Millennium-Trilogie, Stieg Larsson, herausgegeben wurde und zu einer gemeinnützigen Organisation gehört. Lagerlöf teilte das Bild auf seinem Facebook-Account und schrieb: „Eine einzelne Frau stellt sich Schwedens brutalster Nazi-Organisation in den Weg.“

In den sozialen Netzwerken wurde das Foto seit der Aktion unzählige Male geteilt (unter anderem von „Harry Potter“-Autorin J.K. Rowling). Für viele ist es bereits jetzt eines der Bilder des Jahres und sie vergleichen es mit dem berühmten schwedischen Foto „Tanten med väskan“ („Die alte Frau mit der Handtasche“) – ein Schwarzweißfoto von 1985, das eine Frau aus Växjö zeigt, die mit ihrer Handtasche auf Neonazis einschlägt.

Tess Asplund hofft, dass ihre Aktion und das daraus entstandene Foto etwas in der schwedischen Gesellschaft verändern wird. So erzählte sie dem britischen „Guardian“: „Rassismus ist in Schweden an der Tagesordnung. Es ist okay geworden, das N-Wort zu sagen.“ Das Foto solle ein Symbol im Kampf gegen den Rassismus werden. „Vielleicht wird das, was ich getan habe, ein Symbol dafür, dass wir gemeinsam etwas ändern können“, sagte sie weiter. „Wenn eine Person etwas ändern kann, dann kann das jeder.“

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: