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Person des Tages: Stanislaw Petrow


Foto: mauritius images/Alamy

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Stanislaw Petrow – die wenigsten von uns haben diesen Namen wohl bisher einmal gehört oder gelesen geschweige denn haben sofort sein Gesicht vor dem geistigen Auge. Und doch würde ohne ihn unsere Welt eine andere sein…

Am 26. September 1983 befindet sich der Kalte Krieg in einer heißen Phase. Oberstleutnant Stanislaw Petrow, damals diensthabender Leiter der geheimen Satellitenüberwachungsanlage der Sowjetunion, 90 Kilometer entfernt von Moskau, empfängt kurz nach Mitternacht ein alarmierendes Signal: über dem US-Bundesstaat Montana seien fünf feindliche Atomraketen gestartet. Doch anstatt in panischer Angst sofort eine Kettenreaktion in Gang zu setzen, welche in einem finalen Drücken des „roten Knopfes“ auf sowjetischer Seite resultieren würde, trifft der damals 44-Jährige eine mutige Entscheidung: er prüft alle Angaben, welche das Raketen-Frühwarnsystem vom Spionagesatelliten erhielt und meldet seinem Generalstab einen Fehlalarm. Hätte er an diesem Zeitpunkt, als auch ihm noch völlig unklar war, ob es sich um einen technischen Irrtum oder um einen tatsächlichen Ernstfall handelte, anders entschieden, so hätte dies zweifellos den Anfang des Dritten Weltkriegs bedeutet…

Natürlich wurde Petrows Geschichte erst nach dem Fall der Mauer im Westen bekannt (und ist verständlicherweise im heutigen Russland nur wenigen ein Begriff). Und überhaupt sind die „große Bühne“ und das Blitzlichtgewitter dem heute 74-Jährigen mit schlohweißem Haar und grauen Schnauzbart noch immer unangenehm. Und doch weiß er um die Tragweite eben jener Entscheidung, welche er in einer Septembernacht im Jahr 1983 traf. All die Ehrungen – etwa den „World Citizen Award“ im Jahre 2004 und 2006, den „Deutschen Medienpreis“ im Jahr 2012 oder am heutigen 17. Februar 2013 den „Dresden-Preis“, welcher ihm in der Dresdner Semperoper verliehen wird – nimmt der Rentner natürlich mit tiefster Dankbarkeit entgegen. Und doch dachte er mit seinem besonnenen Handeln wohl nur an seine Familie. „Ich wollte nicht Schuld sein am Dritten Weltkrieg.“

Es mögen all die Zuckerbergs, die Gates‘, die Jobs‘, Obamas und Merkels sein, die die Welt heutzutage in die eine oder andere Bahn lenken. Doch die wahren „Weltretter“ stehen hinter den Kulissen, fern von Kameras, Mikrofonen und Scheinwerfern. Hätte Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow in jener Septembernacht 1983 eine andere Entscheidung getroffen, so wäre ich in der damaligen DDR als eines der ersten Kinder in einen nuklearen Dritten Weltkrieg hineingeboren worden. Oder gar nicht zur Welt gekommen. Wohlmöglich verdanken Milliarden von Menschen diesem Mann ihr Leben. Definitiv wäre unsere Welt heute eine ganz andere. Petrow mag ein stiller Held sein. Und obwohl er mit Worten wie „Ich bin kein Held. Ich habe einfach nur meinen Job richtig gemacht.“ jede Besonderheit seines Handelns von sich weist, steht eines doch fest: ein Held ist er zweifellos.

(Und wenn ihr mich fragt: dass der Friedensnobelpreis Männern wie Al Gore oder Barack Obama, jedoch bisher nicht jemandem wie Stanislaw Petrow verliehen wurde, ist einfach nur lächerlich. Und macht diesen „Preis“ obsolet. Punkt.)

 

Wer mehr erfahren mag, der findet hier einen Artikel über jenen Vorfall und hier ein 2012 geführtes Interview mit Petrow (beides vom Internetaufritt von DIE WELT)…

…und hier ein kurzes TV-Feature von ARTE:

 

Rock and Roll.

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