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Song des Tages: corook – „it’s ok!“


Manchmal lassen sich zwischen den zahllosen Quatsch-und-Klickquoten-Videos auf TikTok und Co. tatsächlich kleine, mit ernsthaftem Augenzwinker-Hintersinn gedachte Highlights entdecken. Die Clips von corook etwa. co…wer?

Hinter diesem Allerwebs-Alias versteckt sich Corinne Savage, die sich schon optisch von all den perfekt geschminkten, zu irgendwelchen trendigen Choreographien tanzenden Social-Media-Püppchen abhebt. Vielmehr liegen die Talente der Sängerin, Songwriterin, Produzentin, Multi-Instrumentalistin und selbsternannten „huge fuckin dork“ (was auf Deutsch augenzwinkernd soviel wie „riesige Idiotin“ bedeuten mag) anderswo. So kann die Endzwanzigern – je nach Tagesform – etwa einen Rubiks-Würfel in weniger als einer Minute lösen. Aufgewachsen ist das „sommersprossige, pummelige Babe“ in Pittsburgh, Pennsylvania, wo sie im heimischen Kinderzimmer den Songs von Drake, Gwen Stefani oder Mac Miller lauschte. Sie besuchte eine High School für darstellende Künste, outete sie sich in ihrem letzten Schuljahr als „QUEERAF“, und danach das Berklee College of Music, welches sie mit zwei Abschlüssen beendete. Mittlerweile lebt Savage mit ihrer Freundin im vor allem unter aufstrebenden Musik-Talenten angesagten Nashville, Tennessee („howdy.“), wo sie seit 2021 die meiste Zeit mit dem Schreiben und Produzieren von Musik für ihr Künstlerprojekt corook verbringt und sich dafür nur allzu gern allein in ihrem Zimmer einschließt (und dafür in jüngster Vergangenheit dem Coronavirus die Schuld zuschob, aber eigentlich wohl einfach nur ihrer asozialen Ader frönt). Als corook ließ Savage etwa unlängst, im April, ihre Debüt-EP „achoo!“ hören, welche einige ihrer Lustige-Musikvieos-trifft-auf-Hintersinn-Songs bündelt.

Nun hat die vielseitige US-Künstlerin ihre emotional verletzliche und tröstliche neue Single „it’s ok!“ veröffentlicht. Als „Schlaflied für Erwachsene“, an Tagen, an denen einem einfach alles im Leben zu viel wird, erinnert das Stück die Hörer*innen daran, dass es total okay ist, nicht den Erwartungen und Normen zu entsprechen und ab und an Tage zu haben, an denen es einem bereits schwer fällt, aus dem Bett zu kommen, weil sich einfach alles überwältigend anfühlt. Mental Health und Body Positivity im unterhaltsam-eingängigen Drei-Minuten-Popsong-Format? Funktioniert hier tatsächlich bestens!

„Ich habe diesen Song mit der Absicht geschrieben, ein Schlaflied für mich selbst zu schaffen“, erzählt Corinne „corook“ Savage. „Einen Song für die Tage, an denen es mir schwerfällt, aus dem Bett zu kommen oder wenn meine Sorgen den Tag beherrschen. Als ich einen Clip von diesem Song auf TikTok gepostet habe, war ich mir nicht sicher, was mich erwarten würde. Ich glaube, die interessanteste Reaktion war die Anzahl der Leute, die sich selbst im Bett beim Singen des Liedes gefilmt haben. Es fühlte sich wie ein wirklich einfaches, aber bedeutungsvolles Zeichen der Solidarität an, nach dem Motto ‚Ja, das mache ich auch‘. Als ich diese Videos sah, fühlte ich mich mit diesem Gefühl nicht mehr so allein. Ich hoffe, dass dieser Song eine Erinnerung daran ist, dass die einzige Aufgabe des Tages darin besteht, das zu tun, was man kann, und sich selbst zu gefallen.“

Wie mit den Songs zuvor kreiert corook bei „it’s ok!“ einen ganz eigenen, unbestreitbar genresprengenden Sound, und behandelt in ihrer Musik und ihren Bildern obendrein zutiefst persönliche Themen durch ihre ebenso einzigartige wie schrullige und humorvolle Linse.

„Hey hey – it’s ok
Everybody feels kinda weird some days
Hey hey – it’s ok
Everybody feels kinda weird

I should get up outta bed, I should probably drink some water
I should, I should, I should
But I know that I’m not gonna
Do the things statistically that make me feel better
Get outside and out my mind, I know I’ll feel better
Scrolling, scrolling, scrolling through the videos and pictures
Scrolling, scrolling, scrolling like my eyes are drinking liquor
Feeling overstimulated, maybe it’s a sign
If I’m here any longer, I’ll get tan lines from the brightness
Nothing’s really wrong yet
Nothing’s really wrong yet
Nothing’s really wrong

Hey hey – it’s ok
Everybody feels kinda weird some days
Hey hey – it’s ok
Everybody feels kinda weird some days
You don’t have to try to please nobody
You just gotta try to please your own body
Hey hey – it’s ok
Everybody feels kinda weird some days

Na na na na na na na
Na na na na na na na
Na na na na na na na

Ok, ok, ok, I got banana socks on like could I get any cuter
Grab a cup of tea and I walk to the computer
Oh, you’re fucking kidding me – another school shooter?
Suddenly I’m cripple by the chances of my future
A parade or a concert or a theatre or a school
Can’t prove I’m any safer in the comfort of my room
Somewhere in Malaysia there’s a plane that disappeared

And no one talks about it and I think that’s pretty weird so
What if it was me?
My chances aren’t that far
What if the plane I take next week ends up where they are?
This isn’t making any sense and now I’m kinda spiraling
Take a deep breathe
And keep reminding

Hey hey – it’s ok
Everybody feels kinda weird some days
Hey hey – it’s ok
Everybody feels kinda weird some days
You don’t have to try to please nobody
You just gotta try to please your own body
Hey hey – it’s ok
Everybody feels kinda weird some days

Na na na na na na na
Na na na na na na na
Na na na na na na na

Nothing’s really wrong yet
Nothing’s really wrong yet
Nothing’s really wrong
Nothing’s really wrong yet
Nothing’s really wrong yet
Nothing’s really wrong“

Rock and Roll.

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Jay Shetty – Lebensweisheiten vom „digitalen Mönch“


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Jay Shetty. Nie gehört? Muss man auch nicht, sollte man jedoch.

Nicht ohne Grund wurde der gebürtige Londoner, der mittlerweile im Big Apple zuhause ist, vom renommierten „Forbes Magazine“ 2017 in die jährliche – europäische – Liste der „30 Under 30“ gewählt – also in die ruhmvolle Reihen all jener unter Dreißig aufgenommen, die laut den Juroren (eine davon ist etwa die RTL-Berichterstatterin Antonia Rados) aktuell den wohl größten Einfluss auf die Gesellschaft haben.

Und weshalb? Nun, bekannt wurde Shetty unlängst vor allem durch (s)eine webbasierte Morning Show für die „Huffington Post“ sowie YouTube-Videos unter dem Namen „HuffPost Rise“, mit denen er bis heute mehr als 100 Millionen Views generieren konnte. In diesen hält der junge Mann, der oftmals auch als „digitaler Mönch“ bezeichnet wird (er verbrachte mehrere Jahre in einem indischen Mönchskloster), lebensweise Monologe über – tja – das Leben, die Liebe und unsere Gesellschaft. Das brachte dem selbsternannten Lebensberater nicht nur fast 2,8 Millionen Follower allein auf Facebook, sondern auch Einladungen zu den Keynote-Veranstaltungen großer Firmen wie Google, L’Oreal, Facebook, Coca Cola, HSBC, EY, Microsoft oder Accenture ein – sein Terminkalender dürfte aktuell gut gefüllt sein…

Natürlich darf man – gerade in Bezug auf sein neustes YouTube-Video, in dem er unter anderem beklagt, dass immer mehr menschliche Beziehungen unter der Fokussierung auf das möglichst perfekte digitale Selbstbild leiden – kritisieren, dass Jay Shetty selbst und für sich die digitalen Medien derart gewichtet (und sich selbst freilich versucht, möglich gut darzustellen). Natürlich überfordern einen die vielen weisen Worte des gerade einmal Dreißigjährigen zunächst. Allerdings lässt sich kaum leugnen, dass Jay Shetty mit vielen seiner Worte absolut richtig liegt, und für jede(n) von uns den ein oder anderen interessanten Denkanstoss liefern kann…

 

 

 

Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


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( gefunden bei Facebook 😉 )

 

Rock and Roll.

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„The Pursuit of iHappiness“ – Steve Jobs‘ letzte Worte… oder etwa doch nicht?


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Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Bei jeglicher Information, die man so im weltweiten Netz findet, ist erst einmal ein gesundes Maß an Skeptizismus angebracht. Heißt also: erst einmal hinterfragen und das, was man liest, nicht gleich einhundertprozentig für bare Münze nehmen. Denn auch da gibt sich das Internet janusköpfig – man findet für so ziemlich jeden Fetzen (Fehl)Information eine zweite, die dem gerade Gelesenen nicht selten komplett widerspricht. Was soll man da nur glauben?

Neustes populäres Beispiel hier: ein sogenanntes „deathbed essay“ (also etwas, was eine Person seinen Vertrauten am Totenbett diktiert haben könnte, um der Nachwelt eine Botschaft zu hinterlassen) des 2011 verstorbenen Apple-Kopfes Steve Jobs, welches irgendwann im November 2015 plötzlich in den digitalen Sphären auftauchte. Damit ihr euch – bevor ich mit weiteren Fakten zur potentiellen Echtheit rausrücke – selbst eine Meinung bilden könnt, gibt’s hier zunächst den kompletten Text:

 

“I reached the pinnacle of success in the business world. In others’ eyes, my life is an epitome of success.

However, aside from work, I have little joy. In the end, wealth is only a fact of life that I am accustomed to.

At this moment, lying on the sick bed and recalling my whole life, I realize that all the recognition and wealth that I took so much pride in, have paled and become meaningless in the face of impending death.

In the darkness, I look at the green lights from the life supporting machines and hear the humming mechanical sounds, I can feel the breath of god of death drawing closer …

Now I know, when we have accumulated sufficient wealth to last our lifetime, we should pursue other matters that are unrelated to wealth…

Should be something that is more important:

Perhaps relationships, perhaps art, perhaps a dream from younger days.

Non-stop pursuing of wealth will only turn a person into a twisted being, just like me.

God gave us the senses to let us feel the love in everyones heart, not the illusions brought about by wealth.

The wealth I have won in my life I cannot bring with me. What I can bring is only the memories precipitated by love.

That’s the true riches which will follow you, accompany you, giving you strength and light to go on.

Love can travel a thousand miles. Life has no limit. Go where you want to go. Reach the height you want to reach. It is all in your heart and in your hands.

What is the most expensive bed in the world?

Sick bed …

You can employ someone to drive the car for you, make money for you but you cannot have someone to bear the sickness for you.

Material things lost can be found. But there is one thing that can never be found when it is lost — Life.

When a person goes into the operating room, he will realize that there is one book that he has yet to finish reading — Book of Healthy Life.

Whichever stage in life we are at right now, with time, we will face the day when the curtain comes down.

Treasure Love for your family, love for your spouse, love for your friends.

Treat yourself well. Cherish others.”

 

newsweek2Liest sich gut, oder? Könnte so von dem visionären Apfel-Mann stammen, der mit (s)einer Produktreihe vom iPod über MacBook, iMac, AppleTV und freilich iPhone die digitale Welt und damit unser aller Leben – in welcher mehr oder minder direkten Weise auch immer – auf ewig verändert hat, oder? Schließlich war Steve Jobs zeitlebens (nicht nur) der Öffentlichkeit ein wandelndes Mysterium voller Widersprüche: als Sohn eines syrischen Politikstudenten und einer deutschstämmigen US-Amerikanerin zur Adoption freigegeben, als Jugendlicher eher ein technikaffiner Nerd denn ein Draufgänger, schon jung an Spiritualität interessiert, aber dennoch eiskalt, wenn es um Innovation und Erfolg ging – auch und gerade zu den engsten Menschen in seinem Umfeld. Und irgendwie liest sich dieses „deathbed essay“ ein wenig wie Jobs‘ bereits zu Lebzeiten legendäre, stets sehnlichst erwartete Produktpräsentationen, bei denen selbst Kritiker unumwunden zugeben, dass der kalifornische Unternehmer es wie kein Zweiter verstand, teure technische Spielereinen zum Must-have der Saison zu machen, oder?

Nun, falls ihr all diesem angeblichen Glanz auf den Leim gegangen seid (was auch keineswegs verwerflich ist – wäre mir auch beinahe passiert), so muss ich euch wohl nach eigener Recherche enttäuschen, denn dieses „deathbed essay“ ist – so gut und täuschend echt es sich beim Lesen nach Steve Jobs‘ inspirierendem Stil anfühlen mag – mutmaßlich eben nicht echt.

Warum? Das fasst etwa diese Seite gut zusammen, dröselt die einzelnen Stellen des „deathbed essay“ auf und widerlegt dabei gnadenlos seine Echtheit. Hier sind noch einmal die wichtigsten Hinweise, welche all jenen offensichtlich sein dürften, die sich – ob nun mehr oder weniger detailliert – mit Jobs‘ Biografie beschäftigt haben:

  • Wieso sollte eine – auch für Jobs‘ selbst – vermeintlich so wichtige Botschaft an die Nachwelt und all die Millionen Apple-Fanboys und -girls erst längere Zeit – also ganze vier Jahre – nach Steve Jobs‘ Tod plötzlich und so mir nichts, dir nichts im Internet auftauchen?
  • Dieses Essay findet in keiner der offiziellen oder inoffiziellen Biografien über den Apfel-Mann (für erstere wäre wohl Walter Isaacsons „Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers“ erwähnenswert, fürs Inoffizielle empfehle ich die kürzlich erschienene, überaus kritische Dokumentation „Steve Jobs: The Man In The Machine„) Erwähnung. Eigenartig? Sehr. Vergessen? Wohl kaum.
  • Durch die Veröffentlichung der Trauerrede von Jobs‘ Schwester Mona Simpson, welche im Oktober 2011 in der „New York Times“ erschien, wissen wir um die tatsächlichen letzten Worte des legendären asketisch lebenden Rollkragenpulli-und-Nickelbrillenträgers: „OH WOW. OH WOW. OH WOW.“ In Großbuchstaben. Zwei Worte, zwei mal wiederholt – ebenso enigmatisch wie die Entwicklerbüros in Cupertino. Doch auch hier haben sich journalistische Fachkräfte – sogar vom renommierten „Wall Street Journal“ – Gedanken gemacht…
  • Steve Jobs starb am 5. Oktober 2011 keineswegs in einem Krankenhaus, sondern zu Hause in Palo Alto, Kalifornien an den Folgen (s)einer langjährigen, immer wieder auftretenden Krebserkrankung.
  • So sehr Jobs und seine Familie auch um die Wahrung ihrer Privatsphäre besorgt waren (was sich bei einer so öffentlich wahrgenommenen Person wie Steven Paul Jobs freilich zeitweilig schwierig gestaltet), so wissen wir doch, dass der damals 56-Jährige weder zum Zeitpunkt seines Todes noch kurz bevor an lebenserhaltende Instrumente angeschlossen war. Und: Wie hätte er dann dieses Essay diktieren können?
  • Jobs glaubte keineswegs an Gott – er war – spätestens nachdem er in den Siebzigern Indien bereiste und sich dort tiefer mit dem Hinduismus und Buddhismus beschäftigte – praktizierender Zen-Buddhist (auch wenn er von seinen Adoptiveltern im christlichen Glauben erzogen wurde).
  • Steve Jobs hatte keineswegs Angst vor dem Tod. Vielmehr machte er sich das Lebensende selbst zunutze und befand, wie er in einer Rede an der Stanford University im Jahr 2005 sagte: „Death is very likely the single best invention of life“. Außerdem dürfte den meisten von Jobs‘ Inspirierten folgendes Zitat nicht fremd vorkommen: „Your time is limited, so don’t waste it living someone else’s life. Don’t be trapped by dogma — which is living with the results of other people’s thinking. Don’t let the noise of others’ opinions drown out your own inner voice. And most important, have the courage to follow your heart and intuition. They somehow already know what you truly want to become. Everything else is secondary.“ Oder auch:quotes-on-innovation-and-creativity-4
  • Obwohl Jobs zweifelsohne nach Erfolg strebte (und für diesen auch nicht vor unfeinen Mitteln nicht zurückschreckte) und Apple von der Garagen-Schnappsidee dreier kalifornischer Techniknerds (neben ihm waren bei der Gründung von Apple am 1. April 1976 noch Steve Wozniak und Ronald Wayne beteiligt) durch seinen Zwang zur stetigen Neuerung zeitweise zur teuersten Marke machte, ging es ihm persönlich – der Annehmlichkeit eines geschätzten 8,3-Milliarden-US-Dollar-Reichtums (laut Forbes Magazine, März 2011) zum Trotz – kaum um monetären Erfolg. So beschloss Jobs 1997, als er nach zwölfjähriger Abstinenz zu seiner mittlerweile kriselnden Herzensangelegenheit Apple zurückkehrte, sich ein Jahressalär von *hust* 1 – in Worten: einem – US-Dollar zu zahlen – auch das konnte er sich freilich nur leisten, nachdem er in seiner Post-Apple-Zeit Firmen wie „NeXT“ oder „Pixar“ (also die Animationsfilmschmiede, welche für Großartiges wie „Toy Story“ oder „Findet Nemo“ verantwortlich ist) erst groß machte, um sie dann äußerst gewinnbringend weiterzuverkaufen (an Canon beziehungsweise Disney). Auch Bonuszahlungen gingen zeitlebens nie (offiziell) auf seinem Bankkonto ein. Ihm ging es beim Kassenschlagern wie dem iPod oder iPhone stets nur um seine viel gerühmte Vision. Mission accomplished? Mehr als das.

Mit diesen Hinweisen liest sich das vermeintlich von Steve Jobs stammende „deathbed essay„, welches seit November 2015 immer wieder in den sozialen Netzwerken oder anderen Teilen des weltweiten Netzes auftaucht und in seiner „Lebe dein Leben in vollen Zügen und mit gutem Gewissen“-Manier vorschnell dem ebenso spirituellen wie inspirierenden Apfel-Mann zugeschrieben wird, gleich ganz anders. Und sollte ein mahnendes Beispiel dafür sein, nicht allen zu Buchstaben oder bewegten Bildern zusammengesetzten Nullen und Einsen im Internet bedingungslos Glauben zu schenken…

 

 

Wer nicht lesen und es eher visuell mag, dem sei – wie bereits weiter oben erwähnt – die 2015 erschienene, Jobs-und-Apple-kritische Dokumentation „Steve Jobs: The Man In The Machine“ des Oscar-prämierten Regisseurs Alex Gibney („Going Clear: Scientology and the Prison of Belief“) ans Herz gelegt…

(*Zwinker* Man kann ja mal nach einem Stream suchen… *Zwinker*)

…und auch die beiden, 2013 und 2015 erschienenen Biopic-Kinofilme „Jobs“ und „Steve Jobs„, in denen Ashton Kutcher beziehungsweise Michael Fassbinder die Rolle des charismatischen Apfel-Mannes übernahmen, sind durchaus sehenswert:

 

Rock and Roll.

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Fehler im Profil – „About: Kate“ und die Leere zwischen den Statusmeldungen


About: Kate

„Fitter, happier, more productive / Comfortable / Not drinking too much / Regular exercise at the gym / (Three days a week) / Getting on better with your associate employee contemporaries / At ease / Eating well / (No more microwave dinners and saturated fats) / A patient better driver / A safer car / (Baby smiling in back seat) / Sleeping well / (No bad dreams) / No paranoia / Careful to all animals / (Never washing spiders down the plughole) / Keep in contact with old friends / (Enjoy a drink now and then) / Will frequently check credit at (moral) bank (hole in the wall) / Favors for favors / Fond but not in love / Charity standing orders / On Sundays ring road supermarket / (No killing moths or putting boiling water on the ants) / Car wash / (Also on Sundays) / No longer afraid of the dark or midday shadows / Nothing so ridiculously teenage and desperate / Nothing so childish, at a better pace / Slower and more calculated / No chance of escape / Now self-employed / Concerned (but powerless) / An empowered and informed member of society / (Pragmatism not idealism) / Will not cry in public / Less chance of illness / Tires that grip in the wet / (Shot of baby strapped in back seat) / A good memory / Still cries at a good film / Still kisses with saliva / No longer empty and frantic like a cat tied to a stick / That’s driven into frozen winter shit / (The ability to laugh at weakness) / Calm / Fitter / Healthier and more productive / A pig in a cage on antibiotics.“

(Radiohead, „Fitter Happier“)

 

„Schmerz sieht gut an anderen aus – dafür sind sie da.“ Kate Harff (Natalia Belitski), Berlinerin und Ende Zwanzig, zieht die Reißleine. Am Neujahrsmorgen zieht sie mit Sack und Pack, mit MacBook und iPhone in die Psychiatrie und lässt sich freiwillig in die Depressionsstation einweisen. Denn zwischen Alltagstrott und Metropolenpartydickicht, zwischen Youtube, Youporn, Twitter, Instagram, Facebook, WhatsApp und Google hat sie zwar allerhand Oberflächenzerstreuung gefunden, jedoch die Hauptsache verloren: sich selbst. Denn welchen ihrer 429 Freunde kennt sie schon wirklich, wer würde sie wirklich vermissen? Sicher: „Vielleicht vermissen sie mich.“ Aber: „Im Moment vermiss‘ nur ich mich.“ Was sagen all die Interessenangaben, all die „Likes“ schlussendlich über den Menschen hinter dem bunten Facebook-Profil aus? Wieviel soziale Interaktion herrscht noch in ihrem Leben, die über oberflächliches „Social Life“-Geplänkel hinausgeht? Wenn ihr Statusfeld sie allmorgendlich fragt, was es Neues gibt, trägt Kate lediglich ein: „Nichts. Wie immer.“ Sie ist zum Netzzombie verkommen, der dem Diktat der tumben virtuellen Masse folgt – eine blasse Datenleiche, die längst die Kontrolle verloren zu haben glaubt und deren liebevolle Macken im weltweiten Netz untergegangen sind…

About: Kate

In „About: Kate“ folgt der Zuschauer in 14 Folgen zu je knapp 30 Minuten Länge einer jungen Frau aus der Mittelschicht kurz vor ihrem 30. Geburtstag in die „Klapse“, wo sie bei Therapiesitzungen, Korbflechten und Entspannungsrunden einen halbgaren (man bedenke: MacBook & Co. liegen noch immer griffbereit!) Versuch startet, sich selbst irgendwo wiederzufinden. Das Revolutionäre dabei ist, dass dem Zuschauer neben der „regulären“ Sendereihe (jeden Samstag um 23.45 Uhr auf Arte) zusätzliche weitere mediale Möglichkeiten offen stehen: längst lässt sich Kates Profil auf Facebook finden, dazu gibt es eine umfassend gestaltete Seite auf der Arte-Homepage sowie eine App (welche am Samstag zum Start der ersten Folge natürlich nicht funktionieren wollte) – Fernsehen 2.0 quasi, bei dem sich die Serie von Regisseurin und Autorin Janna Nandzik schlussendlich (gezielt?) in den eigenen Schwanz beisst, denn dem Zuschauer wird hier ausgerechnet jenes All-Inclusive-Überangebot bereitgestellt, das zum „Netzabsturz“ der Protagonistin geführt hat. Und auch das Empfinden selbst wird all jenen, die eben nicht mit den popkulturellen Codes der Social Media-Süchtigen, all dem Wirrwarr aus schnellen Clicks durch Links, Bits und Bytes, vertraut sind, seltsam fremd blieben, denn: „it takes one to know one“. Klar, die Thematik mag längst keine neue mehr sein – siehe Aldous Huxleys „Schöne neue Welt„, siehe Radioheads „OK Computer“ (aus welchem übrigens auch der eingangs zitierte „Song“text zu „Fitter Happier“ stammt). Dennoch stellt das von Christian Ulmens Produktionsfirma UlmenTV gestartete Crossmedia-Projekt „About: Kate“ eine kleine aber feine Sensation in der deutschen Sendelandschaft dar, eben weil es sich einem zeitgeistigen Phänomen mit hintergründigem Anspruch nähert, und die Social Media-affine Zielgruppe über die „Second Screen“-Aktionshintertür dazu bringt, so einige eigene lieb gewonnene Alltäglichkeiten zu hinterfragen. iPhone, iPod, iMac, iGod, iLife? iAbsturz, iVerlust, iTod. Darauf eine Twitter-Nachricht!

(Wer’s bei lauter Facebook-Statusmeldungen verpasst hat: hier kann man sich die erste Folgen noch einmal anschauen…)

Logo

 

 

Rock and Roll.

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Kunst mit Herz – Neues Amanda Palmer-Video zu „The Bed Song“


Textzeile aus "The Bed Song"

Ohne Zweifel: kaum jemand integriert die eigenen Fans heutzutage so sehr in den eigenen künstlerischen Schaffensprozess wie Amanda Palmer. Das war schon früher so, als sie sich als Pantomime tagtäglich den Augen der Öffentlichkeit stellte oder etwas später zusammen mit Kreativpartner Brian Viglione als Duo The Dresden Dolls musikalischen Seelenstriptease von Brecht-Weill’scher Güte auf den Bühnen der Welt betrieb. Und da für Palmer, die seit einiger Zeit musikalisch vor allem solo (beziehungsweise: unter eigenem Namen, den ihre Begleitband The Grand Theft Orchestra wird gleichberechtigt aufgeführt) agiert, Kunst bei aller Virtuosität und Hochgegriffenheit noch immer etwas ist, in das sie all ihr Herzblut steckt, teilt sie beinahe tagtäglich ihr komplettes Leben und ihre Gedanken mit ihren treu ergebenen Fans – sei es nun über ihren Blog, oder über Facebook, oder via Twitter, oder… .The Bed Song

Und da die Kickstarter-Kampagne zum letzten Album „Theatre Is Evil“ (war im September 2012 ANEWFRIENDs „Album der Woche„) ein voller Erfolg war, lässt es sich die 37-Jährige nicht nehmen, die kürzlich neu aufgenommene Version des Songs „The Bed Song“ samt komplettem (!) Album als digitale Version noch immer jedem Interessierten als „Pay What You Want“-Variante frei zulänglich zu machen (nämlich hier).

 

 

Selbstredend ist auch das dazugehörige Video zu „The Bed Song“, zu welchem Palmer das Script schrieb und Michael McQuilken Regie führte, wieder höchst großartig geraten und verleiht dem ohnehin schon tollen Song noch mehr berührende seelische Untiefen:

 

Hier gibt’s das Stück noch einmal in einer von Amanda Palmer dargebotenen „Home Performance“:

 

Rock and Roll.

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