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Song des Tages: Smith & Burrows – „When The Thames Froze“


Smith & Burrows / Funny looking Angels

Auf den ersten Blick sind sie ein recht ungewöhnliches Gespann: Tom Smith, hauptberuflich Frontmann der Editors, und Andy Burrows, ehemals Mitglied von Razorlight und We Are Scientists. Zumal sich die beiden Freunde vor einigen Jahren dazu entschlossen haben, ein Weihnachtsalbum titels „Funny Looking Angels“ aufzunehmen und denn auch gleich – wenn schon nicht „funny“ dreinblickend – mit Engelsflügeln auf dem Cover der Platte zu posieren.

Ebenjenes “Funny Looking Angels” enthält zehn Songs, die – und das wohl nicht ausschließlich und allein für mich – seit nunmehr acht Jahren eine wunderbare Alternative zu verstaubten, totgespielt-kitschigen Weihnachtsliedern à la “Last Christmas”, „All I Want For Christmas Is You“ oder „Driving Home For Christmas“ bieten. Und wie es unter Freunden üblich ist, wurden auch zwischen Tom Smith und Andy Burrows die Zuständigkeiten geteilt und jeder darf mal die Leadvocals übernehmen. Trotzdem dürfte es keine allzu große Überraschung darstellen, dass dabei vor allem die Songs mit Smith am Mikro zu überzeugen wissen, schafft er es doch, die düstere Editors-Romantik (explizit die der Anfangsphase der Band aus dem englischen Birmingham, die der Electro-Kitschpop-Atmosphäre der letzten Werke doch um Einiges überlegen scheint) auch auf (s)ein etwas anderes Weihnachtsalbum zu übertragen.

5051083061230Das besinnliche und doch klagende “When The Thames Froze” beginnt mit den Worten “Goddamn this snow, will I ever get where I wanna go?” und schwingt sich mit weiteren lakonischen Textzeilen schnell zum ersten Highlight der Platte auf. Ähnlich stark ist auch “This Ain’t New Jersey”, in dem Smith den milde gestimmten Geschichtenerzähler gibt. Von den Coverversionen, die sich das Duo fürs gemeinsame Festtagsalbum vorgenommen hat, sticht Blacks “Wonderful Life” heraus, dem der Editors-Vorsteher mit seinem dunklen Bariton-Timbre eine ganz neue Dimension verleiht (und am Ende wohl etwas zu weit in frostigen Akustikgothic überführt). An Yazoos “Only You” arbeitet sich – ebenso wie beim Titelstück, welches im Original von der hippiesken Britpop-Band Delta stammt – dann Andy Burrows mit zuckriger Kopfstimme ab, bei “The Christmas Song” wirkt die wundervolle Dänen-Sirene Agnes Obel mit. Ebenfalls neu interpretiert: Gustav Holsts „In The Bleak Midwinter“ oder die Longpigs-Hymne „On And On„. Winterliche Gefühle kommen auch beim Instrumental „Rosslyn“ oder dem an Elliott Smith’sche Glanzlichter gemahnenden Folk-Charmeur „As The Snowflakes Fall“ auf – man scheint förmlich den ersten Schnee zu spüren, der dampfend auf der herausgestreckten Zunge schmilzt.

Wer bei “Funny Looking Angels” ein weiteres *gähn* langweiliges Weihnachtsalbum erwartet hat, dürfte von den (leider) gerade einmal gut 35 Minuten angenehm überrascht werden, denn Tom Smith und Andy Burrows bieten allen Bublé-zu-schalem-Glühwein-Geschädigten eine liebevolle Platte, die auch den weltgrößten Festtagsmuffeln unter den Musikfans gefallen dürfte. Schöne, dezent melancholische Folk-Pop-Songs mit weihnachtlichem Bezug, wenig Bombast, kein sülzig-süßlicher Kinderchor, kein nervig-pastorales Glockengebimmel… Eine ruhige und auch etwas besinnliche Platte für kalte Tage und fürs Jahresende, die sich das großartig Kitschige oder übermäßig Sentimentale spart. Da hängt wohl selbst der größte Grinch satt leuchtende Mistelzweige auf.

 

Hier gibt’s das Musikvideo zu „When The Thames Froze“…

 

…sowie den Song noch einmal in einer kaum minder tollen Live-Session-Variante:

 

„Goddamn this snow
Will I ever get where I wanna go?
And so I skate, across the Thames
Hand in hand, with all my friends

And all the things, that we planned
My son’s eyes in the outline of his hand
And even though I hate the cold
Constant reminder that I’m getting old
Another year draws to its close
Entire London slows
When I dream tonight, I’ll dream of you
When the Thames . . . froze

Goddamn this government
Will they ever tell me where the money went?
Protesters march out on the street
As young nerds sleep amongst the feet

Another year draws to its close
Entire London slows
When I dream tonight, I’ll dream of you
When the Thames froze

So tell everyone
That there’s hope in your heart
Tell everyone or it will tear you apart
The end of Christmas day
When there’s nothing left to say
The years go by so fast
Let’s hope the next beats the last

So tell everyone that there’s hope in your heart
And tell everyone or it will tear you apart
The end of Christmas day
When there is nothing left to say
The years go by so fast
Let’s hope the next beats the last…“

 

Rock and Roll.

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„Rapapapam, motherfucker!“ – Neues Emmy The Great & Tim Wheeler-Video zu „Zombie Christmas“


Tim Wheeler & Emmy The Great

Und, schon im selbstgewählten Vorweihnachtsstress? Schon den Tannenbaum geordert, den Braten bestellt, die ersten Geschenke beisammen, bei verdünntem Glühwein im Weihnachtsmarktregen angestoßen? Nein? Willkommen im Club!

Wer weder diese „Alle Jahre wieder“-Weihnachtsrituale noch die scheinbar nur aus „Last Christmas“, „Driving Home For Christmas“ und „Ihr Kinderlein kommet“ bestehenden Playlists, die schon immer mehr musikalisch-akustisches Verbrechen denn Wohltat darstellten, für länger als zehn Minuten ertragen kann, für den kommen schon seit einigen Jahren immer wieder feine Indie-Alternativen auf den Markt: etwa Smith & Burrows‘ „Funny Looking Angels„, bei welchem sich Editors-Frontmann Tom Smith und Ex-Razorlight-Trommler Andy Burrows zusammenfanden, um ein Album aufzunehmen, welches zwar ein weihnachtlich-warmes Gefühl vermittelt, jedoch fast gänzlich ohne übertriebe, gekünstelte Heimelichkeit auskommt. Oder Sufjan Stevens wohl nie endende – und sehr traditionalistische – „Songs For Christmas“-Weihnachtsalbenserie (der musikalische Alleskönner ist mittlerweile bei Vol. 10 angekommen). Oder eben „This Is Christmas“ vom englischen Indie-Traumpaar Emmy The Great und Tim Wheeler. Und obwohl das Album bereits im vergangenen Winter erschienen ist, haben die beiden nun zum Song „Zombie Christmas“ ein sehr humorvolles Video veröffentlicht, das anmutet, als hätte man das Setting von „Shaun Of The Dead“ für ein alternatives Ende in ein Einkaufszentrum zur Weihnachtszeit verlegt – ein Spaß ebenso für all diejenigen, die wohl auch 2012 vom Weihnachtsfieber verschont werden. Rapapapam, motherfucker!

 

 

Hier kann man sich noch „Christmas Day (I Wish I Was Surfing)“ anhören, bei welchem die Singer/Songwriterin und der Ash-Frontmann die Beach Boys auf Rentieren – gefühlt! – über die Wellen reiten lassen…

 

Rock and Roll.

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