Schlagwort-Archive: Singer/Songwriter

Song des Tages #2: Enno Bunger – „Ponyhof“


01_EnnoBunger_Credits_Dennis-Dirksen

Foto: Promo / Dennis Dirksen

Ich hätte in dieser Phase eigentlich dringend einen Psychotherapeuten aufsuchen müssenAber ich wollte mich durch das Schreiben selbst therapieren. So können aus den traurigsten Anlässen die berührendsten Lieder entstehen. Die größte Scheiße, durch die man gehen muss, kann der beste Dünger für berührende Kunst sein.“

Keine Frage – diese Worte versprechen eines der wohl besten, in jedem Fall emotionalsten und berührenden deutschsprachigen Alben dieses (Musik)Jahres.

Dementsprechend herrscht seitens ANEWFRIEND immer noch große Vorfreude auf Enno Bungers am 26. Juli erscheinendes neues Album „Was berührt, das bleibt.„. So groß, dass euch hier erneut ein Stück des kommenden vierten Werkes ans Hörerherz gelegt sei.

ponyhof„Ponyhof“ heißt dieser, und ist nach „Bucketlist“ und „Stark sein“ (dieser wiederum handelt von Bungers Lebensgefährtin und wie beide mit einer Nachricht, die keiner will umgingen) bereits die dritte Vorab-Auskopplung aus dem Nachfolger zum freilich immer noch tollen 2015er Album „Flüssiges Glück„.

„Es erzählt die Geschichte von vier Menschen, die durch Liebe und Freundschaft verbunden sind, durch Schicksalsschläge und Krankheiten noch näher zusammenstehen und den Tod getrennt werden“, heißt es dazu – und der Song hat als Rede auf dem Festtag seines Schlagzeugers Nils tatsächlich so stattgefunden.

Wie auch die Vorgänger haben Bunger und sein Kreativteam, bei dem sich Dennis Dirksen für Kamera, Schnitt und Regie, Sarah Muldoon fürs Helfen beim Drehbuch, Stefan Mückner für Artwork und Assistenz sowie Nils Dietrich und Max Reckleben – nebst dem umsichtigen 32-jährigen Musiker – in Rollen vor der Kamera zuständig zeichneten, den dritten Teil vom Kurzfilm zu „Was berührt, das bleibt.“ auf Madeira und in Deutschland gedreht.

 

„Der Song Ponyhof ist meine gesungene Trauzeugenrede an den besten Freund, den man sich vorstellen kann. ‚Du bist da, wenn auch nichts im Leben sicher scheint – wenn ich von Freundschaft sprach, hab ich immer Dich gemeint.‘ Ich wünsche jedem von Euch einen Nils an Eurer Seite.“ (Enno Bunger)

 

Hier gibt’s das dazugehörige Musikvideo zum mit etwa sechs Minuten beinahe schon epischen Song, welcher einer von zwei auf dem neuen Album sein wird, die gemeinsam mit dem ehemaligen Voltaire-Frontmann Roland Meyer de Voltaire (der sich nun hinter dem Projekt SCHWARZ verbirgt und vornehmlich elektronischere Musik produziert) entstanden:

 

Bereits Ende des vergangenen Jahres hatte der norddeutsche Liedermacher für den kommenden Herbst eine ausführliche Deutschland-Tour angekündigt. Das hier sind die Daten:

08.10.19 – Essen, Zeche Carl
09.10.19 – Hannover, Musikzentrum
10.10.19 – Dresden, Beatpol
13.10.19 – München, Ampere
16.10.19 – Leipzig, Werk 2
17.10.19 – Göttingen, Musa
18.10.19 – Hamburg, Große Freiheit 36
19.10.19 – Berlin, Festsaal Kreuzberg
21.10.19 – Würzburg, Cairo
22.10.19 – Frankfurt am Main, Mousonturm
23.10.19 – Stuttgart, Im Wizemann
24.10.19 – Heidelberg, Halle 02
26.10.19 – Freiburg, Jazzhaus
28.10.19 – Erfurt, Franz Mehlhose
29.10.19 – Bremen, Schlachthof
30.10.19 – Köln, Gloria
01.11.19 – Osnabrück, Rosenhof
02.11.19 – Magdeburg, Moritzhof
03.11.19 – Rostock, Helgas Stadtpalast

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Klassiker des Tages: Tiger Lou – „Sam, As In Samantha“


Rasmus-Kellerman-Oldschool-800x565

Rasmus „Tiger Lou“ Kellerman sollte für den ein oder anderen regelmäßigen Leser von ANEWFRIEND kein gänzlich Unbekannter sein, schließlich war um 2016 herum, als seine Tiger-Lou-Jungs und er sich nach etwa acht langen Jahren Funkstille mit dem Album „The Wound Dresser“ zurück meldeten, ab und an die Schreibe von dem mittlerweile 39-jährigen schwedischen Musiker.

7340169404176Dass Kellerman und Co. nach ebenjenem Comeback-Werk (und ein paar gemeinsamen Konzerten) schon wieder wenig von sich hören ließen, hat einmal mehr private Gründe (über welche man in diesem aktuellen Artikel etwas mehr erfahren kann). Umso schöner, dass Tiger Lou nun wenigstens einer der ältesten Veröffentlichungen im Backkatalog, der 2007 erschienenen „Trouble & Desiree EP“, ein um ein paar B-Seiten sowie einen bislang unveröffentlichten Song ergänztes Re-release gegönnt haben. Und siehe da: Stücke wie etwa „Sam, As In Samantha“ oder „Nova Lee“ sind auch heute immer noch so tolle, melancholische Tearjerker wie damals… *hach*

 

 

„Leaving for work monday morning
It is time for a new dawning
Sitting around every day
Amounts to nothing and there’s no way
I’m doing this for another ten years
That’s one of my worst fears
Oh Sam…

Turn off your phone and bring some sheets
So this is a place where young lovers meet
This is all and all we need
Give us some food and some bullshit tv
We’ll bunker up for days and days
Call in sick, we’re never leaving this place
Oh Sam…

So come inside my room tonight
I’ll let you win, I won’t even put up a fight
We’ll have a marathon of your choice
Anything you want
Movies, tv, magazines
Music, sex or something inbetween
Oh Sam…“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Finn Andrews – „One By The Venom“


finn-andrews-e1547549162401

Entdecke die Möglichkeiten: Das brillante Musikvideo zu Finn Andrews‘ Song „One By The Venom“ aus dem Album „One Piece At A Time“ zeigt gefühlt unendliche Arten und Weisen, zu Tode zu kommen. Das Stück selbst gehört dabei zu einem Songwriting-Subgenre, das Finn Andrews, ansonsten – und das bereits seit 2001 – Sänger der neuseeländischen Melancholie-Indierocker The Veils, liebt: der Listensong.

Und seine Aneinanderreihung von individuellen Untergangsszenarien in dem reichlich sarkastischen und irgendwie doch auch traurigen Song (mit stoischen Textzeilen wie „One in the lion’s den / One by a Pope / One by the guillotine / One by the rope / One by the mob / And nineteen in that barn“) hat der ebenfalls aus Neuseeland stammende Regisseur Alexander Gandar zu einem morbid rauschendem Videoclip verarbeitet – mit einem sanft-düsteren Hauch á la „Six Feet Under“ an der Klippenkante.

Der 35-jährige Andrews meint selbst: „Wir hatten nicht viel Geld, aber wir hatten Zeit. Jeder Tod ist nur etwa 1,5 Sekunden lang, also haben Alex Gandar und ich versucht, die direktesten Wege zu finden, um ihn zu zeigen. Alex schrieb die makaberste Tabellenkalkulation der Welt, die jeden Tod enthielt, wie lang er war, wer darin war, wo er aufgenommen werden sollte… es war eine riesige Menge Arbeit. Wir hatten Freunde, die uns bei jedem Aspekt halfen. Mein Schulfreund Richard hat meinen Sarg gebaut, meine Mutter ist eine der Nonnen. Liam Gerrard (ehemaliger Keyboarder von The Veils, Anm. d. Red.) machte die meisten der Illustrationen, die wir dann animierten. Es war ein Alptraum. Und es war ein Genuss.“

Finn-Andrews__cov__One-Piece-At-A-Time„One By The Venom“ stammt, wie bereits erwähnt, aus Finn Andrews‘ im März erschienenem Soloalbum „One Piece At Time“, einem Werk voll schwer getragenen, nicht selten sinistren Pianonummern der Nick Cave’schen, machmal gar Leonard Cohen’schen Güteklasse, die Andrews in Angriff nahm, als er versuchte, aus einer zerbrochenen Beziehung den kreativst möglichen Nutzen zu ziehen: Anfang 2018 kehrte er ebenjenen Beziehungsscherben, dem urbanen London und seiner (derzeit im Sabbatical befindlichen) Band The Veils den Rücken, um in seiner Heimat Neuseeland den logischen nächsten Schritt nach der Trennung zu gehen: Er nahm ein kathartisches Soloalbum auf, sein erstes ohne seine gewohnte Band. Innerhalb von nur sieben Tagen spielte er zehn Songs ein, die wohl mehr von dem Musiker mit der markanten Stimmfarbe, der 2017 übrigens in einer Gastrolle in den neuen Folgen von „Twin Peaks“ zu sehen war und dessen Vater Barry einst als Keyboarder der britischen New-Wave-Post-Punker XTC für Szene-Furore sorgte, preisgeben als alle zuvor. Ihre reduzierten Arrangements und die unverschlüsselten Texte bieten schlichtweg keinerlei Verstecke oder Hintertürchen – Stimme und Emotion müssen in einem (freilich stets stilecht artsy-fartsy) Schwarz-Weiß-Film Farbe bekennen. Es sind außerordentlich intime, komplett live aufgenommene Singer/Songwriter-Kompositionen für Piano, Kontrabass, Besenschlagzeug und Streicher, die in manchem Moment am Sakralen, am Gospel zu kratzen scheinen. Musik für melancholie­getränkte Vollmondnächte. Hoffnungslose Romantik meets unvermeidliches Herzeleid: „There’s no need to ask twice / Love without hesitation / Love with all your might.“ Selbst, wenn am Ende der Nacht Gevatter Tod warten sollte…

 

Hier gibt’s das Musikvideo…

 

…sowie das Stück noch einmal in einer Live-Session-Variante:

 

Mehr Informationen findet man etwa in diesem Interview mit Finn Andrews.

 

„One in his bed
And one all blown to hell
One on his throne
And one slumped in his cell
One from the smoke
And one cornered by fire
One by his enmity
And one his desire
One from her plight
And one by falling wood
One from a covenant
Come to no good
One from the cigarettes
One by her kind
One by the voices
That cornered her mind

One
One by one…

One by the God of war
One by decree
One by His mercy
And one by His greed
One in the lion’s den
One by a Pope
One by the guillotine
One by the rope
One by the mob
And nineteen in that barn
One from the boredom
And one the alarm
One by black magic
One cannibalised
One by the spiders
And one by the flies

One
One by one…

One by barbiturate
One by morphine
One by a method
Foreseen in a dream
One in a pyramid
One on a cross
One for his winnings
And one for his loss
One in the night
And one by her own hand
One by the chosen
And one by the damned
One by the venom
And one by the pox
One from the water
And one from the rocks

One
One by one…“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Enno Bunger – „Bucketlist“


enno-bunger-countdown

Enno Bunger: guter Typ. Ja, im Ernst – bereits seit Bestehen dieses bescheidenen Blogs ist der Hamburger Liedermacher ein gern gehörter Gast in meinen Lauschern sowie sicherer Kandidat für den ein oder anderen Besuch in meiner Playlist…

60346108_10157507537598783_1118283628451725312_oInsofern bin ich dementsprechend gespannt auf das nun für den 26. Juli angekündigte vierte Album „Was berührt, das bleibt.„, seines Zeichens Nachfolger des 2015er Werks „Flüssiges Glück„, welches seinerzeit unter anderem den auch heute noch großartigen – da mit klarer Kante und Meinung vorgetragenen – Song „Wo bleiben die Beschwerden?“ enthielt. Wohin die musikalische Reise von und für Enno, der den neuen Longplayer vor wenigen Tagen mit den Worten „Uff. Mir fällt ein Riesenalbum vom Herzen.“ ankündigte, gehen wird? Das Vorbote „Bucketlist“ gibt ein erstes, nicht eben schlechtes Indiz…

Zu kraftvoller, mal gen Indiepop, mal gen Indierock pendelnder Instrumentierung, welche sich irgendwo zwischen seinen letzten Alben oder etwa Caspers tolle Durchbruchswerken „XoXo“ und „Hinterland“ parkt, jedoch immer noch das geliebte Piano im Vordergrund belässt, singt Enno Bunger – völlig zu unrecht immer noch mehr Geheimtipp, als er es sein sollte – darüber, nichts mehr nach hinten zu schieben, um sich an jeden Schritt in seinem Leben mit einem Lächeln erinnern zu können. Scheiß auf die ewige Bucketlist – carpe diem, Baby! Ein durch und durch vorwärtsgerichtetes Lied, das durchaus zum Nachdenken anregt und das bei dem politisch interessierten und gesellschaftskritisch denkenden 32-jährigen Musiker sicherlich nicht nur auf die eigene Privatleben-Nabelschau zu übertragen ist – und mächtig Laune aufs kommende Album macht.

 

„Eine Bucketlist ist eine Liste, auf die man all die Dinge schreibt, die man im Leben noch machen will, bezugnehmend auf die englische Redewendung ‚to kick the bucket‘, auf deutsch: den Löffel abgeben. Der Song handelt von meiner Erfahrung, nach mehreren einschneidenden Erlebnissen nichts mehr (auf die Bucketlist) aufschieben zu wollen, sondern die Zeit, die mir gegeben ist, jetzt zu nutzen, für alles, was mir wirklich wichtig ist. ‚Kein Kompromist mehr, kein Platz mehr für halbe Sachen – das was Du wirklich willst, das musst Du alles machen.'“

 

Hier gibt’s das dazugehörige Musikvideo, welches laut Enno Bunger der erste Teil einer Geschichte zum neuen Album sein soll und somit mit den nächsten Videos fortgesetzt werden wird:

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Lucas Uecker – „Am Arsch“


Lucas11©ArendKrause-e1544809453527

Foto: Promo / Arend Krause

Gute Liedermacher gibt’s ja im deutschsprachigen Raum so einige – man denke etwa an den hier ohnehin gefühlt omnipräsenten Gisbert zu Knyphausen, von dem erst gestern wieder die Schreibe war, an Tom Liwa, Faber, Matze Rossi, Moritz Krämer, Hannes Wittmer (tafka Spaceman Spiff), die seligen Rio Reiser und Nils Koppruch, feine Humorbarden wie Rainald Grebe oder Joint Venture sowie an in Würde ergraute Eminenzen wie Hannes Weder, Reinhard Mey oder Konstantin Wecker (wer’s denn unbedingt etwas poppiger mag, darf schlussendlich gern noch Clueso hinzu zählen). Sich bei diesem Mangel an Qualitätsmangel mit der ohnehin nicht so lautstark tönenden Akustischen durchzusetzen, erscheint schwer…

Lucas Uecker hat’s trotzdem geschafft. Hauptamtlich tritt der Hanseat sonst bei den Hamburger Akustik-Indiepoppern von Liedfett als Gitarrist in Erscheinung (bei wem der Name kein Glöckchen zum Klingen bringen sollte – so ging’s mit auch), versucht sich jedoch nun auf Solo-Pfaden. Über sein erstes eigenes Album „Unterm Teppich“ (frisch geschlüpft und bislang leider nur im Eigenvertrieb erhältlich) hat der Pressetext folgende prosaischen Worte aufzubieten:

LUE_UT_Booklet_final_ansi-000_1200x1200„Sein Debütalbum ‚Unterm Teppich‘ führt ohne Kompass durch die Gefühlswelten und Gezeiten im Wellengang des Daseins. Zehn Lieder im Dirty Folk, der Sound filigran aber nicht poliert. Seine Musik funkelt wie die Elbe in der Morgensonne nach einer durchzechten Nacht in Hamburgs abgewracktesten Hafenbars. Johnny Cash trinkt Mexikanershots mit Iggy Pop, Sven Regener teilt sich eine Zigarette mit Tom Waits. In einer unverwechselbaren Mischung aus Melancholie und Optimismus besingt er Glanzmomente der Zwischenmenschlichkeit, stellt Fragen des Selbstzweifels und findet dabei stets die Schönheit hinter den Fassaden. Lucas‘ hanseatischer Weitblick reicht über den Horizont hinaus und verbindet sich mit Melodien, die gleich ins Herz greifen. Es sind Songs zum schwelgen nicht zum schunkeln. Seine Lieder können verzaubern und bieten Lösungen ohne Antworten. Wie ein scharfer Schnaps in stillem Einverständnis, der Blick wird weich, die Seele sanft. ‚Lieder sind geschmolzene Stadthallen.‘, schrieb einst Max Goldt. Die Lieder von Lucas Uecker sind eine verwitterte Holzkapelle in den Weiten der Prärie: Da sind viele Geschichten drin.“

Well… Schön formuliert, und am Ende doch die offensichtlichste Referenz vergessen: Jan Plewka. Ich zumindest fühlte mich aufgrund von Ueckers ähnlich knarzig-markanter Stimme bei Songs wie „Am Arsch“, das laid back düstere Zeilen über ein verkorkstes Leben präsentiert, „Fassade„, „Seiltänzer“ oder „Der Grund“ vielfach an den – wohl kaum zufällig – ebenfalls aus Hamburg stammenden On/Off-Selig-Frontmann sowie an dessen zahlreiche Nebenprojekte erinnert – was ja kaum das kleinste Kompliment ist. Wem es ähnlich geht, darf bei Lucas Uecker gern das ein oder andere Ohr mehr riskieren…

 

 

54517350_2726137417413182_8568358475896193024_n

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: