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Das Album der Woche


Frank Turner – FTHC (2022)

-erschienen bei Polydor/Universal-

War es eine Prophezeiung? „Hey-ho, hey-ho, hey-ho / We’re heading out for the punk rock show!“ rief Frank Turner einem vor knapp zehn Jahren freudig auf „Four Simple Words“ entgegen, auf der bis dahin potentiell schnellsten und lautstärksten Nummer in seinem bisherigen Solo-Katalog. Und höre da – nach Jahren der Verdichtung der Formel des akustischen Folk-Punks – mal lauter, mal introvertierter – nimmt er einen auf Album Nummer neun nun tatsächlich zur waschechten Punk-Rock-Show mit…

Eines wird beim Hören von „FTHC„, welches als Akronym für „Frank Turner Hardcore“ bereits die ein oder andere musikalische Assoziationskette auslöst, schnell klar: Die Spielfreude des 40-jährigen britischen Musikers bricht nach der langen, Lockdown-bedingten Tourpause aus nahezu allen Albumecken hervor. Denn gerade einer wie Turner lebte – über 2.500 Shows in weniger als zwei Jahrzehnten sprechen da eine deutliche Sprache – bis zur jähen Corona-Zäsur bekanntlich vor allem on the road, wohl auch daher musste er die zuhause aufgestaute Energie also im Studio kanalisieren – und das bis zum Schluss, denn „FTHC“ vermeidet weise den damals nicht durchweg überzeugenden „Be More Kind„-Weg, im letzten Drittel nur mehr Balladen zu offerieren. Wer also hier den schmachtenden Lagerfeuer-Punk ähm… -Frank sucht, ist falsch abgebogen, denn der neue Langspieler hält – zumindest in der Standard-Version – kaum Balladeskes parat. Natürlich darf die Akustikgitarre auch 2022 recht wenig Staub ansetzen und mal hier, mal da aus dem Koffer kommen, ansonsten dominieren hier jedoch ordentlich hochgedrehte Regler und Stromgitarren-Musik, in einer für 14 Songs (in der Deluxe-Variante sind’s sogar noch sechs Stücke mehr) überraschend gelungenen Abwechslung aus krediblem Punk, herzerfrischendem Hardcore und – ja klar – eingängigem, schwitzigem Alternative Rock. Und wie sollte es anders sein, wird diese Melange natürlich stets angetrieben von Turners typisch authentisch-bodenständiger, Pub-folk’esker Erzählweise.

Schon der riskante Brüll-Opener „Non Serviam“ zeigt als schöne Finte und mit ordentlich Gift und Galle an Bord innerhalb von knapp zwei Minuten, dass Turners Hardcore-Affinität keineswegs Schnee von gestern ist (und wer’s nicht glaubt, der darf gern mal bei seinem Hardcore-Punk-Nebenprojekt Möngöl Hörde ein Ohr riskieren). Dabei dient die Nummer wohlmöglich auch als Gradmesser: Wer nach dem Song noch da ist, wird an und mit „FTHC“ einen Riesenspaß haben. Aller Lautstärke zum Trotz – und auch, wenn ole Frank hier vernichtend jegliche Autorität ablehnen mag – kann er jedoch selbst hier seinem Good Guy-Image nicht gänzlich entkommen: „Help the ones in need / Do your best to leave the others be“ skandiert er im Refrain, der genauso schnell vorbei ist, wie er mit wenig Anlauf die Tür eintrat.

Danach wird’s etwas gewohnter, denn die bereits im Mai 2021 veröffentlichte Single „The Gathering“ ist der klassische, sehnsüchtige Nach-dem-Lockdown-wird-es-irgendwann-wieder-Konzerte-geben-Song, welcher mit fettem Queen-Chor die lang ersehnte Wiedervereinigung in verschwitzten Circle Pits bildlich in Szene setzt (und ganz nebenbei mit namenhafter musikalischer Unterstützung von Muse-Schlagzeuger Dominic Howard oder US-Southern-Rocker Jason Isbell, der hier ein Solo beisteuert, aufwartet). Bevor der Konzertbetrieb nun – hoffentlich – endlich, endlich wieder etwas an Fahrt aufnehmen kann, nutzte Turner die vergangenen zwei Jahre nicht nur für (s)einen Umzug von trubeligen London nach Mersea Island, Essex, an die deutlich ruhigere englische Küste, sondern auch dafür, die lyrische Lupe etwas mehr auf sich selbst zu richten. Nach „No Man’s Land„, dem 2019 veröffentlichten Vorgänger, welcher ausschließlich Songs über beeindruckende Frauen und deren Geschichte enthielt, betreibt er auf „FTHC“ dabei mentale Nabelschau erster Güte. Offen wie eh und je verpackt Turner Themen wie mentale Gesundheit („Haven’t Been Doing So Well“, „A Wave Across The Bay“), Substanzmissbrauch („Untainted Love“ mit der durchaus therapeutischen Zeile „I sure do miss cocaine„) und das Aufbegehren gegen gesellschaftliche Stereotypen („Perfect Score“) in seine Lieder.

Besonders persönlich wird es im Dreiergespann aus „Fatherless“, „My Bad“ und „Miranda“, welches sich als Mini-Rockoper rund um dasselbe Thema dreht: Turners komplizierte Beziehung zu seinem Vater. Von den schwierigen Jahren seiner Kindheit und der Abschiebung ins verhasste Internat erzählt er im hookigen Uptempo-Rocker „Fatherless“ und sehnt sich nach einem „caregiver who had care to give„. Die zügellose Hardcore-Attacke „My Bad“ beschäftigt sich mit den Erwartungen, die an jemanden aus seiner gesellschaftlichen Klasse gestellt werden, und wie sein recht konträrer Rock’n’Roll-Circus-Lebenslauf dazu (eben nicht) passt. Ein quietschendes Gitarren-Lick läutet dann den bislang größten Plot-Twist mit „Miranda“ ein: „My father is called Miranda these days / She’s a proud transgender woman / And my resentment has started to fade„. Tatsächlich wartet die Nummer mit so etwas wie einem späten Happy End in groovendem Midtempo auf: Die Versöhnung des Sohnes mit seinem Vater, der seit Jahren als Frau lebt, und wie beide seither wieder eine gemeinsame, durchaus freundschaftliche Gesprächsbasis gefunden haben – „Miranda, it’s lovely to meet you„.

Und obwohl es Turners Songs in der Vergangenheit nie an hartem, von Herzen kommendem und zu selbigem gehenden Tobak mangelte, hält das neue Werk doch ein besonderes Beispiel parat: „A Wave Across The Bay“, welches sich mit dem Freitod seines guten Freundes und Frightened Rabbit-Sängers Scott Hutchinson im Jahr 2018 beschäftigt. Ähnlich wie bei „Song For Josh“ (vom 2015er Album „Positive Songs For Negative People„) bedauert er, die Zeichen nicht erkannt zu haben, die auf den seelischen Zustand seines Freundes hindeuteten – und setzt dem zu früh verstorbenen Wegbegleiter nun ein gleichsam emotionales wie hymnisches Denkmal, das Frightened Rabbit’esk gemächlich beginnt, um dann wie eine erlösende Welle über einen hereinzubrechen: „Like a wave across a bay, never breaking / Ever falling, never landing / Rolling slowly out to sea and always smiling…“ Uff. Klare Sache: Nach all diesen emotional umklammernden Songs muss man erst einmal durchatmen…

Zum Glück erinnert einen der Punk-Rock-Barde in dem etwas luftigeren und tanzbaren „The Resurrectionists“ auch daran, dass nicht alles im Leben immer einen tieferen Sinn ergeben muss: „We’re all just kids someone let loose into the world / Waiting for someone to explain the rules / And that’s all„. Doch Halt! Wer schreit denn da über den Chorus? Tatsache, Biffy Clyro-Frontmann Simon Neil leiht dem Songfinale seine nahezu unverkennbaren Screams. Und auch eine weiteres Easter Egg für Langzeitfans hält die Nummer bereit, denn Frank Turner liefert hier nämlich in der zweiten Strophe ein Update, wo die ganzen Charaktere aus „I Know Prufrock Before He Was Famous“ vom 2009er Langspieler „Love Ire & Song“ geblieben sind.

Einmal in Fahrt gekommen, liefert der britische Musiker, der bei diesem Album am Schlagzeug Übersee-Unterstützung von Ilan Rubin (Nine Inch Nails, Angels & Aiwaves) erhielt, weiter ab, segelt in vollem Uptempo in ein live wohl äußerst unterhaltsames, zackiges „Punches“, inklusive heftigem Kopfnicker-Riff im Refrain. „Perfect Score“ wäre auf früheren Alben akustisch und etwas entspannter instrumentiert ein schöner, luftiger Folk-Song geworden. Hier schrammelt alles, was sechs Saiten hat, zu einer feinen, zweieinhalb Minuten langen Blaupause für einen 1A-Rocksong. Ähnlich verhält es sich mit „The Work“, einer herzerwärmenden, in Alltagstrott getauchten Liebeserklärung an seine Frau: „Because we’ve both been doing our best / Skirting round the edges of perfect / Darling I know this / It’s the work that makes it worth it“.

Etwas ruhiger gibt sich Turner eigentlich nur auf der ersten Hälfte von „Little Life“ – und auch diesem spendiert er schließlich ein fast schon epochales Finish. Nach seinem Wegzug aus der alten Londoner Heimat blickt er sowohl in diesem Song als auch im abschließenden „Farewell To My City“ noch einmal wehmütig und nicht ohne Reue zurück, unternimmt sprechsingend einen letzten Spaziergang vorbei an all den von Erinnerungen gesäumten Pubs und Clubs, die ihn – nebst seinem durchaus ungesunden Lebensstil früherer Tage – in „Untainted Love“ mit etwas weniger Fortüne fast umgebracht hätten, bevor er schließlich in den Umzugswagen steigt – ein würdiger, einmal mehr lautstarker Abschluss einer Platte, die sich somit auch wie der Abschluss einer Ära anfühlt. Alles in allem ist „FTHC“ – mit welchem dem Musiker nun auch seine erste Nummer-eins-Platte in der englischen Heimat gelang – musikalisch mit Abstand Frank Turners härtestes und kompromisslosestes Solowerk, lyrisch eine Therapiestunde, melodisch ein ordentliches Fass voller Ohrwürmer. Ein herzerwärmender Genuss und eine gelungene, zu gleichen Teilen hungrige wie smarte, angriffslustige und selbstreflexiv innehaltende Werkschau dessen, wofür der Vorzeige-Folkpunk inzwischen steht.

Hier gibt’s alle Song im Stream:

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Der Jahresrückblick – Teil 1


Was für Musik braucht man in einem so eigenartigen Jahr wie diesem? Solche, bei der die Halsschlagader wild pocht und der ganze gerechte Zorn auf diese ganze verdammt verrückte und aus den Angeln geratene Welt ein brodelndes Ventil bekommt. Solche, die einem sanft über den Kopf streicht und einem die Hoffnung einhaucht, dass alles schon besser, „normaler“, gewohnter werden wird – irgendwann, irgendwie. Und auch solche, die einen in ihrer Euphorie einfach gnadenlos mitreißt, und einen – im besten Fall – alles andere – das Gute wie das Schlechte – für Momente vergessen lässt. Eine Zuflucht. Eine Ton und Wort gewordene zweite Heimat. Zwischen diesen drei Fixpunkten ist in meiner Bestenliste der persönlich tollsten Alben des Musikjahres 2021 einmal mehr recht wenig zu finden, an den Endpunkten dafür umso mehr. Bühne frei und Vorhang auf für ANEWFRIENDs Alben des Jahres!

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Cleopatrick – BUMMER

2021, ein Jahr, welches rückblickend im Schatten dieser vermaledeiten Pandemie an einem vorbeizog. Januar… Corona… Dezember. War irgendwas? Habe ich irgendetwas verpasst? Nope? Okay, gut – ich leg’ mich mal wieder hin. 

Trotzdem musste es auch in den zurückliegenden zwölf Monaten – und fern aller Kontakbeschränkungen, Li-La-Lockdown-Hin-und-hers, Impfdiskussionen und Wutbürgereien (alles so Begriffe, die kaum einer noch hören oder lesen mag, jedoch längst in unseren sprachlichen Alltag übergegangen sind) – ja irgendwie weitergehen. Während der große Musikfestival- und Konzerttross auch 2021 – allen Lösungs- und Anschubversuchen der Beteiligten zum Trotz – im Gros zum Stillstand verdonnert war, durfte der musikalische Veröffentlichungskalender das ein oder andere Highlight für sich verbuchen, welches es eventuell ohne Fledermaus, menschliche Dummheit und eben Corona nie gegeben hätte. Wäre, wäre, Fahrradkette – klar.

Ebenso auffällig ist, dass sich die ANEWFRIEND’sche Alben-Jahresbestenliste in 2021 wieder auffällig vom Konsens anderer Musikmagazine und -portale unterscheidet, nachdem ich 2020 noch – völlig berechtigt – in die Jubelfeier von Phoebe Bridgers’ großartigem Werk „Punisher“ einstimmen durfte. Denn während andernwebs gefühlte Konsens-Platten von Turnstile oder Little Simz abgefeiert, hochjubiliert und über den grünen Kritikerklee gelobt werden, finden diese hier so gar nicht statt. Hab’s versucht, habe reingehört – just not my cup o’tea. (Dass jedoch weder die neue Platte von The War On Drugs, noch die von etwa The Notwist oder Mogwai – um nur eben die paar Beispiele zu nennen, welche mir gerade einfallen – Erwähnung finden, ist wohl vielmehr dem simplen Fakt geschuldet, dass ich bei all den tollen neuen Tönen des Musikjahres noch nicht zum Hören dieser Alben gekommen bin.) Andererseits findet mein persönliches Album des Jahres andernwebs (beinahe schon erschreckend) wenig Erwähnung. Verehrte Kritiker-Kolleg*innen – was’n da los?

An Luke Gruntz und Ian Fraser alias Cleopatrick kann’s keinesfalls liegen, denn die beiden Kanadier zerlegen mit ihrem Langspiel-Debüt „BUMMER“ in weniger als einer halben Stunde in bester Duo-Manier mal eben alles, was gerade noch unbehelligt im eigenen verranzten Proberaum in Coburg, Ontario im Weg stand. The Black Keys sind euch zu bluesmuckig? Royal Blood sind mittlerweile – und spätestens mit ihrem diesjährigen dritten Album „Typhoons“ – zu sehr in Richtung Indiedisco gehüpft? Bei den White Stripes hat die so schrecklich eintönig neben dem Beat trommelnde Meg White eh schon immer genervt? Dann sind diese zehn Stücke euer persönlicher Hauptgewinn! Im Grunde gibt’s über diese Platte im tiefen Dezember auch gar nicht mehr zu berichten als das, was ich knapp sechs Monate zuvor in meiner Review zum Ausdruck gebracht habe (oder zum Ausdruck bringen wollte). Das Ding rockt wie die im Lockdown ganz fuchsteufelswild gewordene Sau! Mehr juvenile, am Zeitgeist zwischen Blues’n’Indierock- und Hippe-di-Hopp-Gestus gewachsene Pommesgabel brauchte es 2021 nicht. Hat leider kaum ein grunzendes Nutztier mitbekommen, macht’s für mich selbst aber keineswegs schlechter. Geil, geiler, Cleopatrick on fuckin’ repeat.

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2. The Killers – Pressure Machine

Hätte ich nie erwartet, ist aber tatsächlich passiert – Teil 1: Brandon Flowers und seine Killers durfte man eigentlich – nach immerhin vier im Großen und Ganzen (n)irgendwohin musizierenden Alben zwischen 2008 und 2020 (also alle nach „Sam’s Town“) – schon ad acta legen. Umso überraschender, dass dem Bandkopf der Las-Vegas-Alternative-Poprocker ein solches qualitativ dichtes, tatsächlich zu Herzen rührendes Werk wie „Pressure Machine“ in den kreativen Schoß fiel, während Flowers – wie viele seiner Kolleg*innen auch – dazu verdonnert war, konzertfrei zu Hause herumzusitzen. Er machte das Beste daraus und zog sich gedanklich nach Nephi zurück, einem 5.000-Seelen-Örtchen im Nirgendwo von Utah, Vereinigte Staaten, wo er als zehn- bis 17-Jähriger lebte, bevor es ihn wieder in seine Geburtsstadt Las Vegas verschlug. Die daraus resultierenden Tagträumereien sind jedoch keineswegs biografisch verklärter Hurra-US-Patriotismus, sondern ein ehrlicher, scheuklappenfreier Tribut an die oft von der Gesellschaft vergessenen „einfachen Leute“, an ihre Leben, Lieben und persönlichen Geschichten. Dass diese irgendwo zwischen auf Balladeskes im Heartland Rock und – ja klar, gänzlich können es Flowers und seine drei Bandkumpane auch hier nicht lassen – schillernde Festivalhauptbühnendiscokugel pendelnden elf Songs ebenjene „einfachen Leute“ zwischendrin auch selbst zu Wort kommen lassen, macht das Gesamtergebnis eben nur noch dichter, tiefer und zu einem Konzeptwerk-Erlebnis, welches selbst die größten, wohlwollendsten Killers-Freunde anno 2021 kaum mehr erwartet haben dürften. Großes Breitwandformatkino für die Ohren.

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3.  Torres – Thirstier

Man einem Künstler, manch einer Künstlerin verleiht das Glück der Liebe ja keine kreativen Hemmschuhe, sondern vielmehr tönende Flügel – das beste aktuelle Beispiel dürfte Mackenzie Ruth „Torres“ Scott sein. Deren fünfte Platte bestätigt zudem, dass die im wuseligen Big Apple beheimatete US-Musikerin längst aus der Indie-Singer/Songwriterinnen-Sadcore-Nummer früherer Tage heraus gewachsen ist. Für die zehn Stücke von „Thirstier“ setzt sie auf raumgreifende Rock-Hymnen, welche selbst kleine Alltäglichkeiten immer etwas glänzender darstellen, als man sich das zunächst denken würde. „Before my wild happiness, who was I if not yours?“ konstatiert Torres beispielsweise in „Hug From A Dinosaur“. Oft genug stellt man sich beim Hören der Songs selbst die Frage: Wie schön – zum Himmel, zur Hölle – kann man bitte über die Liebe singen?!? Exemplarisch etwa das sanft startende und in einem fulminanten Feuerwerk endende fantastische Titelstück: „The more of you I drink / The thirstier I get“ – Zeilen fürs von Herzen umrahmte Poesiealbum, ebenso das Zitat aus dem manischen Finale des Albumabschlusses „Keep The Devil Out“, welches passenderweise die Auslaufenrillen der A- und B-Seiten der Vinylversion ziert: „Everybody wants to go to heaven / But Nobody wants to die to get there“. Bei Torres sind diese gefühligen Momente anno 2021 meist mit donner-dröhnenden Gitarrenteppichen unterlegt, die sich so mit ihrer mahnend bis sehnsüchtig-zerrenden Stimme verbinden, dass man nur jubilieren möchte: Endlich mehr Liebe, endlich mehr Epos! Ihr bisher gelungendstes Werk, ohne Zweifel.

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4.  Moritz Krämer – Die traurigen Hummer

Moritz Krämer macht mit „Die traurigen Hummer“ ein nahezu lupenreines „Moritz-Krämer-Album“ und beweist, dass er noch immer der besten bundesdeutschen Liedermacher ist. Dass dieses irgendwie ja vor dem zweiten Album „Ich hab’ einen Vertrag unterschrieben“ entstand? Dass der Berliner Musiker, den man sonst als ein Viertel von Die höchste Eisenbahn kenn kann, hier einmal mehr den Blick auf die abseitigen kleinen Alltagsmomente legt und für jene Sätze findet, auf die man selbst in abertausend Leben nicht gekommen wäre, die aber nun plötzlich ebenso richtig wie wichtig scheinen? Dass Krämer sich in den zehn Songs einmal mehr als wohlmöglich größter Kauz des deutschen Indie Pops erweist? Alles erfreulich, alles ebenso unterhaltsam wie kurzweilig, genau wie dieses Album.

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5.  Gisbert zu Knyphausen & Kai Schumacher – Lass irre Hunde heulen

Hätte ich nie erwartet, ist aber tatsächlich passiert – Teil 2: Gisbert zu Knyphausen, seines Zeichens – neben dem gerade erwähnten Moritz Krämer – ein anderer großer deutscher Liedermacher, und Kai Schumacher, mit Talent gesegneter Pianist und hier der andere kongeniale Part, kommen mit Neuvertonungen von Franz Schubert-Stücken ums Eck. Was im ersten Moment – und ohne einen der Töne von „Lass irre Hunde heulen“ im Gehörgang zu haben – anmuten könnte wie die nervtötende siebente Stunde im Deutsch- oder Musik-Leistungskurs, gerät überraschenderweise derart faszinierend, dass es eine wahre Schau ist. Gisbert zu Knyphausen und Kai Schumacher transportieren etwa 200 Jahre alte Stücke ins 21. Jahrhundert als wäre dieses Kunststück das kleinste der Welt. Romantik meets Moderne, und man selbst hört fasziniert träumend zu.

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6.  Biffy Clyro – The Myth Of The Happily Ever After

Mal Butter bei die Fische: Jene Band, die einst mit „Infinity Land“ und „Puzzle“ auch meinen eigenen musikalischen Kosmos im Sturm eroberte, gibt es längst nicht mehr. Sie wird wohl auch kaum mehr wiederkommen, da brauchen sich selbst innigst Hoffende wenig vormachen. Zu breit ist die Fanbasis geworden, die sich Biffy Clyro mit den darauffolgenden Alben in den vergangenen zehn Jahren erschlossen haben, zu mainstreamig fällt das Festival-Publikum aus, das die Headlines-Auftritte der drei Schotten mittlerweile besucht. Und doch gibt „The Myth Of The Happily Ever After“ endlich wieder berechtigten Grund zur Hoffnung – und all jenen die Hand, die einst Songs wie „Wave Upon Wave Upon Wave“ erlagen. Wenngleich Biffy Clyro recht wenig Interesse daran haben, die Uhren so weit zurückzudrehen. In Ansätzen gab bereits der letztjährige Vorgänger „A Celebration Of Endings“ den neuen Glauben an die Band zurück, allen voran durch den ruppigen Schlusstrack „Cop Syrup“. Aber erst sein in Lockdown-Eigenregie entstandenes Geschwister-Album, mit Fleisch gewordenem Alternative Rock in „A Hunger In Your Haunt“, einer Gänsehaut erzeugenden Verneigung vor einem zu früh verstobenem Freund in „Unknown Human 01“, der aufbäumenden Ehrerbietung für ein unterentwickeltes japanisches Rennpferd namens „Haru Urara“ und einem erneut aggressiv schäumendem Finale, lässt das 2016er Werk „Ellipsis“ endgültig als elektropoppigen Solitär in der Vita einer der größten und sympathischsten Stadionbands der Gegenwart erscheinen. Mon the Biff!

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7.  Sam Fender – Seventeen Going Under

Seventeen Going Under“, das Nachfolgewerk zu Sam Fenders bockstarkem Debütalbum „Hypersonic Missiles“ (welches seinerzeit, 2019, den Spitzenplatz der ANEWFRIEND’schen Jahrescharts erobern konnte), ist eine klassische Coming-Of-Age-LP. Der Musiker aus North Shields, einer kleinen Stadt im Nordosten Englands, berichtet von seinen eigenen Erfahrungen als Teenager, die oft genug von Angst, Wut und Problemen handeln – „See, I spent my teens enraged / Spiralling in silence“ wie es im eröffnenden Titelstück heißt. Trotz der sehr persönlichen Geschichten schafft es Fender, die Themen – schwierige Beziehungen mit Familie und Freunden, Umgang mit Erwartungshaltungen, Erfahrungen mit Alkohol und Gewalt, Gefahren toxischer Männlichkeit – universell zugänglich und nachfühlbar für alle Hörer*innen zu machen. So handelt „Get You Down“ davon, wie eigene Unsicherheiten Partnerschaften beeinflussen, oder „Spit Of You“ von der schwierigen Beziehung von Vätern und Söhnen. Aber auch seine politische Seite zeigt der Engländer wieder, wenn er etwa in „Aye“ seinem Ärger über die gegenwärtigen Zustände Luft macht und zu dem Schluss kommt: „I’m not a fucking patriot anymore, […] I’m not a fucking liberal anymore“. In eine ähnliche Richtung geht „Long Way Off“, in dem es heißt: „The hungry and divided play into the hands of the men who put them there“. Beim Sound wird Fender seinem Ruf als „Geordie Springsteen“ oder als einer Art „britischer Antwort auf The War On Drugs“ weitgehend gerecht. Klassischer, hymnisch orientierter Rock-Sound trifft in den elf Songs (in der Deluxe Edition sind’s sogar fünf mehr) auf treibende Gitarrenriffs und Saxofon-Einlagen, der jedoch wegen seiner kraftvollen Produktion und dem pumpenden Schlagzeug dennoch alles andere als gestrig tönt. Und: Der 27-Jährige und seine Band variieren und spielen auch – etwa, wie bei „Spit Of You“, mit Country-Einflüssen oder Piano-Balladen-Interpretationen („Last To Make It Home“ und „The Dying Light“). Fast ein bisschen experimentell klingt „The Leveller“ an, wenn sich hämmernde Drums mit Streichern auf Speed verbinden. Alles in allem mag „Seventeen Going Under“ zwar im ersten Hördurchgang nicht dieselbe Sogwirkung entwickeln wie der Erstling, geht jedoch dennoch als würdiger Nachfolger von „Hypersonic Missiles“ durch, der einen trotz der ernsten, gesellschaftskritischen Themen mit einem zwar melancholischen, jedoch durchaus guten Gefühl entlässt. Oder, wie Sam Fender es selbst recht passend zusammenfasst: „It’s a celebration of life after hardship, and it’s a celebration of surviving.“

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8.  Manchester Orchestra – The Million Masks Of God

Dass Manchester Orchestra, bei genauerem Hinhören seit einiger Zeit eine der faszinierendsten Bands im Alternative-Rock-Kosmos, kein Album zweimal schreiben, macht den Sound des US-Quartetts aus Atlanta, Georgia irgendwie aus und lässt ihre Werke bestenfalls zu von Hördurchgang zu Hördurchgang stetig wachsenden Klang-Kaleidoskopen werden wie das 2017er Album „A Black Mile To The Surface“. Auf „The Million Masks Of God“, seines Zeichens Langspieler Nummer sieben, entfernt sich die Band um Frontmann Andy Hull noch weiter von ihren frühen Emo-Rock-Einflüssen zugunsten eines poppigen, noch weiter aufgefächerten Indie-Sounds, der hier vor allem um Einflüsse aus Americana, Alt. Country und sogar Gospel erweitert wird. Wer’s böse meint, der könnte behaupten, dass es wohlmöglich das „amerikanischste Album“ sei, dass Manchester Orchestra je (oder zumindest bisher) geschrieben haben. So versetzt etwa „Keel Timing“ alle Hörer*innen direkt in eine Midwest-Szenerie, die einem einen Güterzug vors innere Auge pinselt. Wer noch mehr zu kriteln haben mag, der darf gern behaupten, dass dem Album in Gänze – zumindest im ersten Moment – jener „Pop-Approach“ fehlen mag, welchen einzig „Bed Head“, ein nahezu perfekt geschriebener Popsong mit hohem Suchtfaktor, liefert. Stattdessen verlagern Andy Hull und Co. das Faszinosum hier weiter ins Detail und hinein in die stilleren Töne, wenngleich es mit „The Internet“ auch einen kleinen Rückblick auf den Vorgänger „A Black Mile To The Surface“ gibt. Mit dem hat „The Million Masks Of God“ dann noch etwas anderes gemein: Einmal mehr benötigt ein Manchester Orchestra-Langspieler mehr Zeit, mehr Hördurchgänge, um zu wachsen, um in Tiefe wirklich erfasst werden zu können. Freunde der Band aus Zeiten vor dem ähnlich einnehmenden „Simple Math“ wird es jedoch wohl nur schwerlich begeistern können. 

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9.  Thrice – Horizons / East

Spätestens seit ihrer Rückkehr nehmen Thrice verlässlich Platten von großmeisterlicher Souveränität auf – „Horizons / East“ bildet da erfreulicherweise keine Ausnahme. Dass Frontmann Dustin Kensrue dieses Mal eindringlich von bröckelnden Gewissheiten singt, darf dennoch als Hinweis an alle durchgehen, die sich vor der Altersmilde einer ehemaligen Sturm-und-Drang-Band fürchten. Klar, behagliche Gitarren-Ströme beherrscht das US-Quartett genauso mühelos wie aufbrandende Refrains, das macht Songs wie das erst anmutig torkelnde und schließlich explodierende „Dandelion Wine“ oder die knackige Deftones-Hommage „Scavengers“ jedoch nicht weniger beeindruckend. Schuld daran sind Details in den Texturen – die verdrehten Riffs in „Scavengers“ etwa – oder rhythmische Haken, die den umliegenden Wohlklang bestenfalls schaumig schlagen. Andere Songs experimentieren stilistisch, „Northern Lights“ mischt zum Gefrickel unruhigen Bar-Jazz, „Robot Soft Exorcism“ wiederum integriert thematisch passend synthetische Sounds. Im Finale „Unitive / East“ lösen sich Thrice gar spektakulär in einer fluoreszierenden Soundpfütze auf, in welche ein klimperndes Piano tröpfelt – mit dem Versprechen, bald mit den Nachfolger „Horizons / West“ zurückzukehren.

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10. Julien Baker – Little Oblivions

„Everything I get, I deserve / You whisper to me ‚Don’t you like when it hurts?’…“ Niemand leidet so schön wie Julien Baker. Die Musik der Singer/Songwriterin aus Tennessee ist ein offenes Buch, das in wunderschönen Worten von Depressionen, Alkoholismus, Zweifeln an der eigenen Spiritualität und zerbrochenen Beziehungen erzählt. Schon auf ihrem 2015er Debüt kümmerte sich Baker herzlich wenig darum, geneigten Hörer*innen Oden von der Freude vorzuträllern – ist schließlich ihr Album, sind ihre Probleme, also ist all das ihre Therapie. Und all jene, die den Werdegang der mittlerweile 26-jährigen US-Musikerin genauer verfolgen, wissen: daran hat sich über die Jahre nichts – und wenn, dann lediglich in Detailfragen – geändert. Auch „Little Oblivions“, ihr nunmehr drittes Album, erzählt von recht ähnlichen Problemen in ebenso schönen Worten – und trifft einen damit erneut mitten ins Herz. Was sich allerdings geändert hat, ist die Art, wie Baker das Lecken ihrer Wunden musikalisch aufbereitet. Wo „Sprained Ankle“ und „Turn Out The Lights“ in ihrer Spärlichkeit und desolaten Klanglandschaften fast schon nihilistisch wirkten (was umso ironischer gerät, wenn man weiß, wie offen Julien Baker ihren Glauben zur Schau stellt), erklingen in „Little Oblivions“ erstmals detaillierte, organische Orchestrationen, die den tröstenden Silberstreifen verbildlichen, der sich im Laufe der Platte immer wieder flüchtig manifestiert. „Little Oblivions“ beschreibt diesen Moment, sucht danach – und macht darin am Ende doch vieles wieder kaputt. Man lausche nur dem fulminanten Finale von „Hardline“! Baker findet immer wieder kurz Halt, nur um erneut vom destruktiven Strudel aus Selbstzweifeln und der schlichten Unfähigkeit, glücklich zu sein, hinabgerissen zu werden. „It doesn’t feel too bad / But it doesn’t feel too good either“ – Ihre Songs sind bittersüße Umarmungen, ein wohltuendes Bad in den eigenen Tränen, das auf „Little Oblivions“ mehr denn je dazu einlädt, kopfüber einzutauchen, während Julien Baker einem klammheimlich das Herz aus der Brust reißt. Katharsis und Destruktion, Erlösung und Zweifel lagen 2021 selten näher beieinander. 

…auf den weiteren Plätzen:

Kevin Devine – Matter Of Time II mehr…

Jim Ward – Daggers mehr…

Slut – Talks Of Paradise

Danger Dan – Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt mehr…

Wolfgang Müller – Die Nacht ist vorbei mehr…

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Das Album der Woche



Biffy Clyro – The Myth Of Happily Ever After (2021)

-erschienen bei 14th Floor/Warner-

Dieses Album hätte es eigentlich nicht geben sollen. Zumindest nicht in dieser Form, als einen weiteren vollwertigen, krachenden, fordernden Biffy Clyro-Langspieler – nur 14 Monate nach dem üppigen „A Celebration Of Endings„. In Ermangelung der üblichen Welttour auf den Schwingen des neunten (regulären) Studioalbums hockten Simon Neil sowie die Johnston-Zwillinge James und Ben im Herbst 2020 wieder in ihrem Proberaum auf einer Farm in Ayrshire, irgendwo im schottischen Nirgendwo. Songwriting als Zeitvertreib. Während Tagen, Wochen und Monaten, in denen das mit dem In-die-Ferne-Schweifen eben nur mittelgut klappte, lag das Gute, das einzig Richtige für ein kreatives Dreiergespann wie Biffy Clyro, einfach umso näher. Flugs rüsteten sie ihren Probeschuppen gemütlich zum Aufnahmestudio um und drückten mal hier, mal da auf „Record“ – nicht einmal ihr Label soll allzu viel davon gewusst haben. Und so war es – unterbrochen von den während des Corona-Lockdowns beinahe obligatorischen Wohnzimmer-Livestreams sowie einer Ohne-Publikum-Live-Aufführung im Glasgower Barrowland Ballroom (welche dem neuen Album nun als zweite Scheibe beiliegt) – alsbald einfach fertig, das Schwesternalbum zu „A Celebration Of Endings„. Und das erste, welches „Mon The Biff!“ in unmittelbarer Heimatnähe aufgenommen haben. Ob es nach so wenig Zeit, die währenddessen ins Land gezogen ist, schon wieder genug Geschichten zu vertonen gab? Oder wurde von Simon Neil und Co. einfach flugs die kreative Resterampe entladen? Obwohl „Ausschuss“ ja mal so gar nix bedeuten muss bei diesen drei Scottish Lads

Fotos: Promo / Kevin J. Thomson

Überhaupt haben B-Seiten-Veröffentlichungen ja fast schon Tradition im Hause Clyro: Bei „Puzzle“ hieß es „Missing Pieces“, „Only Revolutions“ hatte seine „Lonely Revolutions“ und „Opposites“ natürlich „Similarities“. Bis auf die komplementären Titel meist ein bunt zusammengewürfelter Haufen an Restideen, zwar ohne roten Faden, aber trotzdem immer wieder mit so einigen versteckten Songperlen. Es verwundert trotzdem wenig, dass „The Myth Of The Happily Ever After“ das Spiel nicht nur nicht mit, sondern noch ein ganzes Stück weiter spielt…

Freilich nehmen schon Titel und Artwork direkten Bezug auf den Vorgänger: wurde gerade noch das Ende gefeiert, wird nun – ganz schottisch, ganz nonchalant und bodenständig – die Mär vom „Auf immer und ewig“ entmystifiziert. Märchen? Sind gerade aus – sorry not sorry, for fuck’s sake. Diesmal sollte es jedoch ein gleichwertiges Brüderchen sein anstatt einer B-Seiten-Kollektion oder einem als Soundtrack getarnten Album wie „Balance, Not Symmetry„, das damals – glücklicherweise – den doch etwas fremdelnden Pop von „Ellipsis“ weitgehend rausbügelte. Und so besinnt sich „The Myth Of The Happily Ever After“ – mehr sogar noch als „A Celebration Of Endings“ – darauf, was Biffy Clyro ursprünglich einmal groß machte: die Verbindung von sinistrer Verstörung und derbem Krach mit zauberhaften Himmelsstürmer-Melodiepassagen. GitarreSchlagzeugBass, ein scheinbar endloser Quell an Hard Rock-, Metal- und Prog-Riffs, Mut zu Rückschritten und zu ungehörten Experimenten – in ihren besten Momenten führen die neuen Songs das Trio in ihrer Stadionrock-Phase endgültig in die passende Spur.

Nur um gar nicht erst falsche Hoffnungen zu wecken – es ist nicht so, dass diese elf Stücke so komplex und wendig daher brettern wie zu Zeiten von „The Vertigo Of Bliss“ oder „Infinity Land“ (die beide schon fast zwei Dekaden zurückliegen). Aber schon die famose Single „A Hunger In Your Haunt“ zeigt, dass auch ein waschechter Hit eine Prise Geschrei und eine unüblich sperrige Coda vertragen kann. Damit wird die Behauptung „This is how we fuck it from the start“ aus dem sphärischen Opener „DumDum“ natürlich, je nach sinnbildlicher Bedeutung, Lügen gestraft oder wahr gemacht. „Denier“ traut sich noch einen Schuss mehr Melodie, zieht mit voller Wucht nach vorn und verdichtet den Sound auf tolle Weise. Endgültig im Bandolymp kommt die Platte daraufhin wohlmöglich mit „Separate Missions“ an. Das scharfe Kreischen, welches die Strophen durchzieht, kontrastiert sich auf wunderbare Art mit dem schönen Falsettrefrain, den Simon Neil zu anmutigen Achtziger-Synths und Gitarrenspuren aufs Parkett legt – im Grunde ist gerade dieser Song wie prädestiniert dafür, eines der zahlreichen Cover der Landsleute von CHVRCHES zu werden.

Und Langeweile kam wohl wenig auf im Biffy’schen Lockdown-Studio, denn „The Myth Of The Happily Ever After“ lässt sich auch nach diesem geradezu sensationellen Beginn höchst ungern festnageln. Grundsätzlich gerät die Produktion massiv, die wuchtigen Parts drücken, aber eindimensional auf dicke Hose macht hier so gar nichts. So gibt das pompöse Gebläse von „Witch’s Cup“ immer wieder einen sensiblen Kern frei und schwankt gekonnt zwischen den Extremen. Wer außerdem bei „Holy Water“ oder „Haru Urara“ schon großzügige Entspannungspausen vermutet, darf sich von überraschenden, teils brutalen Abschlüssen die Matte wegföhnen lassen. „Unknown Male 01“, die traurige Ode an einen früheren, zu früh verstorbenen Wegbegleiter, breitet sich episch aus. „Step out to the unknown / I’ll catch you on the way down“, singt Neil, bevor der Song nach gut zwei Minuten loszetert. Auch hier steigert sich das Stück wie in einen finalen Rausch hinein – ein Kniff, der auf „The Myth Of The Happily Ever After“ einmal mehr durchaus Methode hat.

Dennoch bewegt sich das schottische Dreiergespann ein wenig weg vom Modus Operandi früherer Platten. So ist „Existed“ tatsächlich das einzige Mal, dass auf dem Album ungehindert das Wort „Ballade“ fallen darf. Synth und Drumbeat sorgen zwar nicht für ein Highlight, aber es toppt als hübsche Auflockerung vergangene Versuche wie „Re-arrange“ oder „Space“ (das zwar keineswegs schlecht war, aber eben auch eine Überdosis Schmonz in petto hatte) mit links. Und letztlich braucht es ein Gegenstück zu dem, was Biffy Clyro im abschließenden „Slurpy Slurpy Sleep Sleep“ da abfackeln. Wer noch „Cop Syrup“ vom Vorgänger oder „In The Name Of The Wee Man“, den „Ellipsis“-Abschluss der Herzen (da lediglich auf der Deluxe Edition vorhanden), im Gedächtnis hat, darf sich hier neue Verkabelung abholen. Vocoderstimmen wiederholen den Titel als Mantra, und unvermittelt setzt ein Gewitter ein, das zu den härtesten Momenten der Band gehört und schon jetzt mächtig Böcke auf dessen Live-Umsetzung macht. Ehrensache, dass der melodische Mittelteil Zeit zum Luftholen lässt, bis das Grande Finale noch eine Schippe drauflegt, lauter und lauter wird und schließlich mit heller Flamme verglüht. Eine sechsminütige Noise-Orgie, die nicht nur galant den Bogen zum Albumvorgänger schlägt, sondern auch flott alles an Härte in die Tasche steckt, was die Schotten in den letzten 15 Jahren fabriziert haben. „There’s a mystery at large / And the story should be beautiful / We’re just another species to explode / I’m ready to explode“, heißt es vier Songs vorher in „Errors In The History Of God“. Schönheit und Explosion – einfach bei Biffy Clyro nachfragen, wie das bestens unter einen Karomuster-Hut geht.

Nur schlüssig ist es da, dass auch das Thematische in die Zahnräder des Musikalischen greift. War „A Celebration Of Endings“ noch ein verhältnismäßig optimistischer Prä-Pandemie-Kicker, haut das zum Lockdown-Höhepunkt geschriebene neue Werk ziemlich verbittert die Fensterläden zu und versperrt mit sechs Fuß Abstand nicht nur den Blick auf die schottische Einöde, sondern auch auf so manche geschürte Hoffnung. „I will ignore / The bodies piled up on the floor“ lamentiert Simon Neil etwa im Opener „DumDum“ über die Auswirkungen der weltweiten Hilflosigkeit in der letztjährigen Pandemiebekämpfung, während der schwer stampfende Groove rund um ihn immer mehr Lücken füllt, bis die Soundwand zu einem Ungetüm heranwächst, das wohl selbst den alten Hadrian begeistert hätte. Klar, der größte Optimist war der bärtige 42-jährige Frontmann zwar nie, aber Corona hat ihm sichtlich ein paar weitere Taschen in seinen mentalen Mantel genäht, aus denen Simon Neil sich hier breitwillig bedient. Wie geht man um, mit der plötzlichen Isolation, dem Kollaps des Alltags, dem Tod und dem Leben danach? Davon erzählt nicht nur „Unknown Male 01“, jenes zur Tränen rührende Tribute an Frightened Rabbit-Kopf Scott Hutchison, sondern auch „Haru Urara“. Bei dem seltsam anmutenden Songtitel handelt es sich um ein japanisches Rennpferd, welches über einhundert Rennen verlor und deshalb zu einem Schlachter gebracht werden sollte. Glücklicherweise setzte sich jedoch der Trainer für den armen Gaul ein, der von (s)einem Ende als Sauerbraten verschont blieb. Trotz der Niederlagen gab man nie auf und das Pferd erreichte schlussendlich sogar weltweite Popularität. Fall und Aufstieg, Enden und Anfänge – nichts kann eben ohne dessen Gegenpart existieren. Und ließ einen die Band auf dem Vorgänger noch mit gezücktem Mittelfinger und lautstarken „Fuck everybody“ zurück, bittet das neue Album nach der ganzen Aufregung noch einmal um Versöhnung: „Don’t waste your time / Love everybody„. Carpe diem, you fuckheads.

Auch auf „The Myth Of The Happily Ever After“ haben Biffy Clyro – gerade mit solchen Themen im Gepäck – keine seichten musikalischen Rinnsale, sondern kraftvolle Wellenbrecher zusammengezimmert. Zwischen Krach und Kitsch, seit jeher die beiden Achsen im musikalischen Oeuvre, fahren die Schotten anno 2021 mit ordentlich Experimentierfreude im Anhänger noch viel öfter Schlitten, oft und gern mehrmals pro Song. Dass das nicht zum klanglichen Haggis wird, zeugt von der langjährig gestählten Kraft dieser Band im Songwriting und deren nahezu blindem Verständnis füreinander. Die Zeiten mögen ein stückweit unberechenbar sein, auf „Mon The Biff“ ist einfach Verlass.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Biffy Clyro – „Cop Syrup“


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Klar, es wäre wohl nur allzu leicht, Biffy Clyro nach dem überaus mediokren, vor vier Jahren erschienenen „Ellipsis“ abzuschreiben und das schottische Alternative-Rock-Trio namentlich dem Kommerz preiszugeben. Aber: Mit „A Celebration Of Endings“ darf selbst ein Großteil der voreiligen Kritiker getrost wieder umdenken und die bereits feinsäuberlich formulierten spitzen Worte gen Papierkorb befördern…

0190295273361Was wohl bereits beim allerersten Durchlauf des neuen, mittlerweile neunten Albums, dessen Veröffentlichung aufgrund von Corona und Co. von Mai auf August verschoben wurde, auffällt, ist die Tatsache, dass sich die Band mittlerweile etwas vom Korsett ihrer Drei-Album-Zyklen gelöst hat. Da wäre zunächst das Frühwerk um „Blackened Sky„, „The Vertigo Of Bliss“ und „Infinity Land„: Die aus dem beschaulichen Kilmarnock stammenden Schotten bespielten damals, kurz nach der Jahrtausendwende, noch deutlich kleinere Bühnen und die Outfits, welche vor allem zu Zeiten von „Infinity Land“ glatt aus der psychiatrischen Klinik hätten stammen können, waren noch so präsent wie die nackten, stylisch tätowierten Oberkörper, die später – vor allem bei Frontmann Simon Neil – dominierten. Obendrein gerieten die Singles ihrer Platten zu magisch-bombastischen, nicht selten math-rockigen Aushängeschildern einer infektiösen Alternative-Rock-Band, die zu dritt lauter und knackiger klang als ihre meist doppelt so umfangreiche Konkurrenz. Das änderte sich so langsam aber sicher mit dem weitaus weiter, weitaus opulenter gedachten Dreierwurf aus „Puzzle„, „Only Revolutions“ und „Opposites“ (letzteres sogar als Doppel-Album), dessen Hymnen wie „Folding Stars„, „Mountains“ oder „Black Chandelier“ den drei Biffy-Buddies eine immer größere Fanschar bescherten. Der hinterrücks zupackende Wahnsinn wich poppigeren, nicht selten zahmeren – und manchmal auch durchschaubareren – Strukturen, die den headbangenden Rocksong ebenso beherrschten wie die Feuerzeug-meets-Handyleuchten-Balladen. Die Singles zielten vor allem auf Allgemeinverträglichkeit ab, während die Experimente in die Zwischentöne und B-Seiten verschwanden. Vor vier Jahren sollte das doch sehr ziellose jüngste Werk „Ellipsis“ (lässt man einmal den im vergangenen Jahr erschienenen Quasi-Soundtrack „Balance, Not Symmetry“ außen vor) den Auftakt eines neuen Zyklus (noch) größerer Pop-Entwürfe darstellen. Doch diesen Weg beschreitet „A Celebration Of Endings“ nun entgegen der ursprünglichen Pläne – zum Glück! – nicht weiter.

Und: Wer aufmerksam auf Simon Neils Texte achtet, der wird schnell bemerken, woran das liegen mag. Recht offensichtlich, dass abseits der Bühne so einiges im Argen lag im Leben des sympathischen Trios, so wütend sind die Lyrics an mancher Stelle geraten. Die Enden, die hier zelebriert werden, gehören ganz klar zu langjährigen, wichtigen Beziehungen. So schwebt der Brexit noch über dem Gemüt der Schotten, die wissen: Angst ist ein verdammt schlechter Ratgeber. So traf die drei Biffys der Tod von Frightened Rabbit-Frontmann Scott Hutchison vor zwei Jahren ebenso hart wie den Rest der schottischen Musikszene, und schlägt sich nun ebenso auf die Grundstimmung des neuen Langspielers nieder. Oder man höre die opulente Akustik-Ballade „Opaque„, in der Simon Neil und die Johnston-Zwillinge Ben und James mit ihrem ehemaligen Manager abrechnen: „Take the fucking money and run!“. Auch „End Of“ basiert auf einer langjährigen Freundschaft, die wohl keineswegs im Guten endete – nur diesmal nicht balladesk vertont, sondern als recht old-schooliger Biffy Clyro-Song, der mit einem völlig unvermittelten Piano-Break und einer abschließenden Ansammlung randalierender Riffs daher kommt. Obendrein darf James Johnston mit seinem Bass zu Beginn im Mittelpunkt stehen, bevor die Nummer richtig Fahrt aufnimmt. Wie so oft bei „Mon the Biff“ besitzt all das einen ordentlichen Drive, dazu punktet das Stück mit einem Refrain, der sich sehr schnell im Ohr festsetzt.

„Dieses Album hat den Blick nach vorn gerichtet, sowohl aus persönlicher als auch gesellschaftlicher Perspektive. Der Titel handelt davon, die Schönheit an Veränderungen zu sehen anstatt das Traurige. Veränderung bedeutet Wachstum und Entwicklung. Du kannst alles bewahren, was du zuvor geliebt hast, aber lass‘ uns einiges von dem negativen Scheiß loswerden. Es geht um den Versuch, die Kontrolle zurückzuerlangen.“ (Simon Neil)

Bereits diese zwei Songs zeigen das breite Spektrum, das Biffy Clyro auf „A Celebration Of Endings“ auffahren, wobei die extremen Pole dieses Mal vor allem auf der zarteren Seite abgedeckt sind, denn insgesamt ist das neue, von Rich Costey produzierte Werk nämlich nicht nur sehr abwechslungsreich, sondern vor allem – vor allem unter Betrachtung der letzten Albums sowie der Tatsache, dass die Band sich vor zwei Jahren auch ihr eigenes „MTV Unplugged“ gönnte – erstaunlich hart ausgefallen. Natürlich gibt es mit „Space“ noch eine – bei allem Kitsch – gelungene, von enormen Streicher-Arrangements unterlegte Ballade, die zudem einen zu sehr Herzen gehenden Text hat, und mit dem EDM-geschwängerten „Instant History“ ein Breitwand-Pop-Epos, das als erste Single einige zurecht verwunderte Fans bereits vor dem Kopf gestoßen haben dürfte. Im Albumkontext funktioniert die Nummer, ebenso wie „The Champ„, das zwar mit den Eighties-infizierten Pop-Hits von Muse flirten mag, jedoch neben dem kleinen Drama nicht mit Melodie und packender Bridge geizt, aber hervorragend.

So weit, so gelungen. Dennoch setzt dem Gesamtwerk ausgerechnet der Abschluss „Cop Syrup“ die Krone auf, der auf über sechs Minuten gleich mehrfach zu überraschen weiß. Hier kumuliert alles, was Biffy Clyro über die vergangenen beiden Jahrzehnte stark gemacht hat: rhythmisch perkussive Prog-Haken, Impulsivität, Energie und Streicher, die schier endlos ihre Tonhöhe verändern. Hier treffen die aggressivsten Momente der Bandgeschichte auf einen recht abrupt einsetzenden Mittelteil, der den Hörer mit einem feinen, harmonisch-verträumten Streicherpart in Sicherheit wähnt, bevor die Biffys für Momente erneut loslegen und Simon Neil mit einem abschließenden „Fuck everybody! Woo!“ allen Weltschmerz fahren lässt. Dazu werden mehrstimmig vorgetragene Melodien, ein wie ein Berserker schreiender Frontmann und Akustikgitarren serviert. Klingt etwas irre? Ist es auch, funktioniert jedoch großartig. Und auf einmal passen sogar die Outfits aus der Klapse wieder wie angegossen…

Ja, der groß angelegte Pomp, der ums Eck gedachte Pop, die mächtigen Powerchords – das alles gehört zu Schottlands fraglos sympathischster Stadionrockband. Nein, Biffy Clyro klingen nicht wie anno 2004 (und werden das wohl auch in Zukunft nicht mehr tun), wenngleich manch ein Stück – wie eben „Cop Syrup“ – durchaus Elemente des Sounds von einst, zu Zeiten von „Infinity Land“, in sich trägt. Pures Erfolgsstreben kann man den Schotten aber selbst mit böswilligster Absicht kaum unterstellen. Wer während der Shutdown-Wochen mitbekommen hat, wie hingabevoll Simon Neil beinahe jede Woche mit Gitarre vor der Kamera in seinem Haus saß und für die pandemisch Vereinsamten via Social Media einen Wunsch-Song nach dem anderen klampfte, lauschte einem Musiker – und keiner bloßen Rockstar-Hülle. An der mitunter hitzigen Diskussion, ob Biffy Clyro nach einem Vierteljahrhundert Bandhistorie nur noch Füller fürs Zwischendrin liefern oder noch immer die Erfüllung fürs Ohr sind, wird „A Celebration Of Endings“ zwar eher wenig ändern, kann jedoch so einige amtliche Argumente auf der positiven Seite verbuchen.

 

 

„I’ve been punching rainbows since ’79
It’s self preservation

Baby, I’m scorched earth
You’re hearts and minds
Fuck everybody! Woo!

I’m not dumb, and I’m not blind
You don’t have to be cruel to be kind

Scream, everybody
Scream, everybody
Scream, everybody

I’ve been saved from the darkest place
I’ve embraced the need to live

You’ve been hanging out for twenty years
It’s self preservation
I cannot ignore my burning ears
Could anybody? Woo!

I’m not dumb, and I’m not blind
Turns out you’re the lying kind

Scream, everybody
Scream, everybody
Scream, everybody
Go, go, go!

I’ve been saved from the darkest place
I’ve embraced the need to live
We’ve lived before and we’ll live again

I’ve been punching rainbows since ’79
It’s self preservation
Baby, I’m scorched earth
You’re hearts and minds
Fuck everybody! Woo!“

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Videoneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Herrenmagazin – Landminen

Herrenmagazin - Landminen (Szene)

Ich geb’s zu: so sehr ich mich auch auf „Das Ergebnis wäre Stille„, das dritte Album der Hamburger von Herrenmagazin, gefreut habe – so richtig zünden konnte es bisher (noch) nicht. Aber da gut Ding ja stets auch ein wenig Weile haben will, gönne ih der Platte im Laufe des Jahres sicherlich noch einige Durchläufe und wart’s einfach ab. Maybe it’s a slower grower….

Fein anzuschauen ist jedoch das Video zur zweiten Single „Landminen“, das in ausdrucksstarken Bildern von den großen wie kleinen Dramen des Lebens erzählt, während die Tageszeitung in den Händen von Sänger Deniz Jaspersen zu Asche verbrennt…

 

 

 

Queens Of The Stone Age – I Appear Missing

queens-of-the-stone-age-i-appear-missing-slide

Es war zu erwarten gewesen: als bekannt gegeben wurde, dass kein Geringerer als Foo Fighters-Derwisch Dave Grohl für das erste Queens Of The Stone Age-Album seit sechs Jahren erneut die Trommelstöcke in die Hand nehmen würde, überschlug sich die gesamte Rockmusikjournalie quasi mit hochgestochenen Erwartungshaltungen. Würde „…Like Clockwork„, das am 31. Mai erscheint, nun wieder etwas kohärenter gelingen als der stilistisch (zu) breitgefächerte Vorgänger „Era Vulgaris„, gar das bisherige, elf Jahre zurückliegende Opus MagnumSongs For The Deaf“ (damals saß Grohl ebenfalls hinterm Drumkit) übertreffen können? Nun, zweiteres bleibt abzuwarten. Doch die aus Jake Shears (Scissor Sisters), Alex Turner (Arctic Monkeys), James Lavelle (UNKLE), Trent Reznor (Nine Inch Nails), Mark Lanegan oder Alain Johannes bestehende Gästeliste spricht bereits für sich. Mehr Namen gefällig? Klar, denn Bandkopf Josh Homme konnte sogar Ex-Distillers-Punkröhre und Ehefrau Brody Dalle sowie den vor Jahren wegen ewiger Eskapaden aus der Band geworfenen Bass-Weirdo Nick Oliveri sowie – jawoll! – Sir Elton John für Beiträge zum neuen Album gewinnen…

Ton und Bild des Vorabsongs „I Appear Missing“ lassen auf Großes hoffen und steigern die Erwartungshaltung? So fucking right, dude! 2013 bleibt in Punkto Musikneuerscheinungen exzellent – und wird immer besser…

 

 

 

Biffy Clyro – Different People (live from London)

Biffy Clyro (live)

Die Band veröffentlicht Doppelalben, hat danach immer noch ausreichend ausgezeichnete Songs, die sie als B-Seiten „verbraten“ kann, spielt umjubelte Konzerte vor 20.000 Zuschauern in der Londoner O2 Arena – längst haben die drei Schotten von Biffy Clyro so einige Messlatten übersprungen, von denen sie vor einige Jahren wohl selbst kaum zu träumen gewagt hätten…

Dass ihre Musik dabei zwar an Pathos und Größe zugelegt, jedoch keineswegs in Qualität eingebüßt hat, haben sie unlängst mit ihrem aktuellen Album „Opposites“ bewiesen. Und ich? Liebe es! Vollstens. Immer noch.

Hier kann man der Band um Frontmann Simon Neil bei der Eröffnung ihres kürzlich absolvierten Konzerts in London zu sehen. Oberkörperfrei, natürlich.

 

 

 

The National – Sea Of Love

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Klar, über The National wurde hier auf ANEWFRIEND in den letzten Wochen bereits eingehend berichtet. Und doch rechtfertigt jedoch neue Song vom kommenden Album „Trouble Will Find Me„, der dieser Tage seinen Weg ins weltweite Netz findet, seine Erwähnung quasi schon vom ersten Ton an. Denn diese Band war besonders. Sie ist es. Sie bleibt es.

Nun haben Sänger Matt Berninger & Co. ein erstes Video zum aktuellen Album gedreht. In „Sea Of Love“ halten sie’s betont minimalistisch, huldigen damit – einer eigener Aussage nach – stilistisch eigenen Punkrock-Idolen wie den Replacements – und lassen im Vordergrund sogar den Luftgitarrenspielernachwuchs mitrocken…

 

 

 

Vampire Weekend – Step

Vampire Weekend - Step (Szene)

Es muss raus: Ich bin verliebt! Und zwar in diesen einen Song! Und zwar in dieses eine Albumcover! Das interessante daran ist, dass das Stück „Step“ vom neuen Album der New Yorker Band Vampire Weekend stammt, mit deren ersten beiden Alben ich praktisch nichts anfangen konnte. Auf „Modern Vampires Of The City“ jedoch vollzieht die Band, zu deren prominentesten Fans und Befürwortern kein Geringerer als Schauspieler Steve Buscemi zählt, quasi eine Kehrwende weg von den hibbeligen Hipster-Weltmusik-Tanznummern der vergangenen Jahre und hin zu mehr Tiefe und Langlebigkeit. Sollte irgendjemand in der kommenden Zeit noch den passenden Album-Soundtrack für einen Streifzug durch die Straßen des „Big Apple“ benötigen – nehmt „Modern Vampires Of The City“! Mehr dazu demnächst hier auf ANEWFRIEND

 

 

Und da ich ja bereits das tolle Albumcover erwähnte habe, kann ich es euch zum Abschluss kaum vorenthalten:

Modern Vampires Of The City (Cover)

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier einige der Videoneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Mumford & Sons – Whispers In The Dark

Mumford & Sons - Szene aus "W.i.t.D."

Zu behaupten, dass die vier Briten von Mumford & Sons derzeit auf der Sonnenseite des Musikgeschäfts durch die Welt reisen, ist zweifelsohne alles andere als Übertreibung. Ihr zweites Album wurde bei den Grammy-Awards kürzlich als „Album des Jahres“ ausgezeichnet (und setzte sich damit gegen nicht eben schlechte Werke von den Black Keys, Jack White oder Frank Ocean durch), die aktuellen Konzerte sind durchgängig ausverkauft, Sänger Marcus Mumford hat sich gar in Hollywood eingeheiratet und arbeitet momentan gemeinsam mit Justin Timberlake (!) am Soundtrack des neuen Coen Brüder-Films „Inside Llewyn Davis“. Läuft? Läuft!

Und auch wenn das Video zu „Whispers In The Dark“, der nächsten Single des Erfolgsalbums „Babel„, evozieren mag, dass die vier Mumfords sich außerhalb ihrer Pflichttermine (aka. Konzerte und Studioaufenthalte) kaum sehen (können) – alles Quatsch, Marcus Mumford, Winston Marshall, Ben Lovett und Ted Dwane sind natürlich Buddies by heart. Und: das Video enthält einen kleinen Gastauftritt der Damen von Haim, welche ja in der letzten Zeit – und das nicht nur hier auf ANEWFRIEND – zu einer der größten Hoffnungen für 2013 erklärt wurden: die drei Schwestern treten als Rock’n’Roll-Stylistinnen von Banjo-Spieler Winston Marshall auf.

 

 

 

Biffy Clyro – Biblical

Biffy Clyro - Szene aus "Biblical"

Und auch das schottische Trio von Biffy Clyro kann momentan kaum über Erfolglosigkeit klagen. Das kürzlich erschienene Doppelalbum „Opposites“ wurde von Fans wie Kritikern – trotz seiner nicht zu leugnenden Opulenz – fast durchgängig überschwänglich aufgenommen, und die Band drauf und dran, nun auch das US-amerikanische Rockpublikum für sich zu vereinnahmen – was ja auch passen würde, immerhin entstand „Opposites“ im sonnigen Santa Monica, Kalifornien.

Und das neue Video zu „Biblical“ weiß, wie bereits seine Vorgänger, wieder mit cineastischen Szenen zu überzeugen. Sänger Simon Neil erhält darin immer wieder einen mysteriösen Anruf auf dem Telefon seines Motelzimmers, stürmt heraus – und setzt damit eine Kette tragischer Ereignisse in Kraft, an deren Ende er sich wieder auf dem Bett des Motelzimmers befindet. Alles geht von Neuem los – Murmeltiertag in der Version von Mon the Biff

 

 

 

Dear Reader – Down Under, Mining

Szene aus "Down Under, Mining"

Der erste Vorbote zum neuen Album der Band von Frontfrau Cherilyn MacNeil war auf ANEWFRIEND bereits vor einigen Wochen zu hören. Bevor „Rivonia„, das dritte Album von Dear Reader, am 5. April in die Plattenläden kommt, kann man sich nun „Down Under, Mining“ als liebevoll in Szene gesetztes Scherenschnitt-Video zu Gemüte führen…

 

 

 

Mire Kay – Reverse

Still aus "Reverse"

Was macht eigentlich die schwedische all-female Post Rock-Band Audrey gerade? Nun, seit dem zweiten, 2008 erschienenen Album „The Fierce and the Longing“ liegt die Band – offiziell – auf Eis. Deshalb braucht man jedoch nicht auf neue Musik von ihnen zu verzichten, denn Emelie Molin und Victoria Skoglund, immerhin zwei Viertel von Audrey, veröffentlichen (ebenfalls) am 5. April „A Rising Tide Lifts All Boats„, das Debütalbum ihrer neuen Band Mire Kay. Wer mag, kann sich schon jetzt einen Vorgeschmack in Form der ersten Single „Reverse“ holen, dessen Video in einem alten Gemeinderaum in Stockholm aufgenommen wurde. Solange sich der Frühling noch nicht gänzlich zum Bleiben entscheiden kann, sind Stücke wie dieses hier doch die nahezu perfekte Spaziergangsuntermalung, werden einem der kalte Wind durch graue Wolken ins Gesicht bläst…

 

 

Mehr gefällig? Klar! Das Duo bietet mit „Beat“ auch einen weiteren Song des Debüts, welches der vor zwei Jahren veröffentlichten EP „Fortress“ nachfolgt, zum Stream und freien Download an…

 

…und kommen im April und Mai für einige Konzerte in deutsche Gefilde:

 

10.04.2013 – DE – Hamburg – Hasenschaukel
11.04.2013 – DE – Leipzig – Kaffic
12.04.2013 – DE – Erfurt – Franz Mehlhose
14.04.2013 – DE – Berlin – Ackerstadtpalast
05.05.2013 – DE – Hamburg – Aalhaus
05.05.2013 – DE – Köln – Wohngemeinschaft
10.05.2013 – DE – Frankfurt/Main – Zoom

 

Rock and Roll.

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