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Song des Tages: Biffy Clyro – „Cop Syrup“


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Klar, es wäre wohl nur allzu leicht, Biffy Clyro nach dem überaus mediokren, vor vier Jahren erschienenen „Ellipsis“ abzuschreiben und das schottische Alternative-Rock-Trio namentlich dem Kommerz preiszugeben. Aber: Mit „A Celebration Of Endings“ darf selbst ein Großteil der voreiligen Kritiker getrost wieder umdenken und die bereits feinsäuberlich formulierten spitzen Worte gen Papierkorb befördern…

0190295273361Was wohl bereits beim allerersten Durchlauf des neuen, mittlerweile neunten Albums, dessen Veröffentlichung aufgrund von Corona und Co. von Mai auf August verschoben wurde, auffällt, ist die Tatsache, dass sich die Band mittlerweile etwas vom Korsett ihrer Drei-Album-Zyklen gelöst hat. Da wäre zunächst das Frühwerk um „Blackened Sky„, „The Vertigo Of Bliss“ und „Infinity Land„: Die aus dem beschaulichen Kilmarnock stammenden Schotten bespielten damals, kurz nach der Jahrtausendwende, noch deutlich kleinere Bühnen und die Outfits, welche vor allem zu Zeiten von „Infinity Land“ glatt aus der psychiatrischen Klinik hätten stammen können, waren noch so präsent wie die nackten, stylisch tätowierten Oberkörper, die später – vor allem bei Frontmann Simon Neil – dominierten. Obendrein gerieten die Singles ihrer Platten zu magisch-bombastischen, nicht selten math-rockigen Aushängeschildern einer infektiösen Alternative-Rock-Band, die zu dritt lauter und knackiger klang als ihre meist doppelt so umfangreiche Konkurrenz. Das änderte sich so langsam aber sicher mit dem weitaus weiter, weitaus opulenter gedachten Dreierwurf aus „Puzzle„, „Only Revolutions“ und „Opposites“ (letzteres sogar als Doppel-Album), dessen Hymnen wie „Folding Stars„, „Mountains“ oder „Black Chandelier“ den drei Biffy-Buddies eine immer größere Fanschar bescherten. Der hinterrücks zupackende Wahnsinn wich poppigeren, nicht selten zahmeren – und manchmal auch durchschaubareren – Strukturen, die den headbangenden Rocksong ebenso beherrschten wie die Feuerzeug-meets-Handyleuchten-Balladen. Die Singles zielten vor allem auf Allgemeinverträglichkeit ab, während die Experimente in die Zwischentöne und B-Seiten verschwanden. Vor vier Jahren sollte das doch sehr ziellose jüngste Werk „Ellipsis“ (lässt man einmal den im vergangenen Jahr erschienenen Quasi-Soundtrack „Balance, Not Symmetry“ außen vor) den Auftakt eines neuen Zyklus (noch) größerer Pop-Entwürfe darstellen. Doch diesen Weg beschreitet „A Celebration Of Endings“ nun entgegen der ursprünglichen Pläne – zum Glück! – nicht weiter.

Und: Wer aufmerksam auf Simon Neils Texte achtet, der wird schnell bemerken, woran das liegen mag. Recht offensichtlich, dass abseits der Bühne so einiges im Argen lag im Leben des sympathischen Trios, so wütend sind die Lyrics an mancher Stelle geraten. Die Enden, die hier zelebriert werden, gehören ganz klar zu langjährigen, wichtigen Beziehungen. So schwebt der Brexit noch über dem Gemüt der Schotten, die wissen: Angst ist ein verdammt schlechter Ratgeber. So traf die drei Biffys der Tod von Frightened Rabbit-Frontmann Scott Hutchison vor zwei Jahren ebenso hart wie den Rest der schottischen Musikszene, und schlägt sich nun ebenso auf die Grundstimmung des neuen Langspielers nieder. Oder man höre die opulente Akustik-Ballade „Opaque„, in der Simon Neil und die Johnston-Zwillinge Ben und James mit ihrem ehemaligen Manager abrechnen: „Take the fucking money and run!“. Auch „End Of“ basiert auf einer langjährigen Freundschaft, die wohl keineswegs im Guten endete – nur diesmal nicht balladesk vertont, sondern als recht old-schooliger Biffy Clyro-Song, der mit einem völlig unvermittelten Piano-Break und einer abschließenden Ansammlung randalierender Riffs daher kommt. Obendrein darf James Johnston mit seinem Bass zu Beginn im Mittelpunkt stehen, bevor die Nummer richtig Fahrt aufnimmt. Wie so oft bei „Mon the Biff“ besitzt all das einen ordentlichen Drive, dazu punktet das Stück mit einem Refrain, der sich sehr schnell im Ohr festsetzt.

„Dieses Album hat den Blick nach vorn gerichtet, sowohl aus persönlicher als auch gesellschaftlicher Perspektive. Der Titel handelt davon, die Schönheit an Veränderungen zu sehen anstatt das Traurige. Veränderung bedeutet Wachstum und Entwicklung. Du kannst alles bewahren, was du zuvor geliebt hast, aber lass‘ uns einiges von dem negativen Scheiß loswerden. Es geht um den Versuch, die Kontrolle zurückzuerlangen.“ (Simon Neil)

Bereits diese zwei Songs zeigen das breite Spektrum, das Biffy Clyro auf „A Celebration Of Endings“ auffahren, wobei die extremen Pole dieses Mal vor allem auf der zarteren Seite abgedeckt sind, denn insgesamt ist das neue, von Rich Costey produzierte Werk nämlich nicht nur sehr abwechslungsreich, sondern vor allem – vor allem unter Betrachtung der letzten Albums sowie der Tatsache, dass die Band sich vor zwei Jahren auch ihr eigenes „MTV Unplugged“ gönnte – erstaunlich hart ausgefallen. Natürlich gibt es mit „Space“ noch eine – bei allem Kitsch – gelungene, von enormen Streicher-Arrangements unterlegte Ballade, die zudem einen zu sehr Herzen gehenden Text hat, und mit dem EDM-geschwängerten „Instant History“ ein Breitwand-Pop-Epos, das als erste Single einige zurecht verwunderte Fans bereits vor dem Kopf gestoßen haben dürfte. Im Albumkontext funktioniert die Nummer, ebenso wie „The Champ„, das zwar mit den Eighties-infizierten Pop-Hits von Muse flirten mag, jedoch neben dem kleinen Drama nicht mit Melodie und packender Bridge geizt, aber hervorragend.

So weit, so gelungen. Dennoch setzt dem Gesamtwerk ausgerechnet der Abschluss „Cop Syrup“ die Krone auf, der auf über sechs Minuten gleich mehrfach zu überraschen weiß. Hier kumuliert alles, was Biffy Clyro über die vergangenen beiden Jahrzehnte stark gemacht hat: rhythmisch perkussive Prog-Haken, Impulsivität, Energie und Streicher, die schier endlos ihre Tonhöhe verändern. Hier treffen die aggressivsten Momente der Bandgeschichte auf einen recht abrupt einsetzenden Mittelteil, der den Hörer mit einem feinen, harmonisch-verträumten Streicherpart in Sicherheit wähnt, bevor die Biffys für Momente erneut loslegen und Simon Neil mit einem abschließenden „Fuck everybody! Woo!“ allen Weltschmerz fahren lässt. Dazu werden mehrstimmig vorgetragene Melodien, ein wie ein Berserker schreiender Frontmann und Akustikgitarren serviert. Klingt etwas irre? Ist es auch, funktioniert jedoch großartig. Und auf einmal passen sogar die Outfits aus der Klapse wieder wie angegossen…

Ja, der groß angelegte Pomp, der ums Eck gedachte Pop, die mächtigen Powerchords – das alles gehört zu Schottlands fraglos sympathischster Stadionrockband. Nein, Biffy Clyro klingen nicht wie anno 2004 (und werden das wohl auch in Zukunft nicht mehr tun), wenngleich manch ein Stück – wie eben „Cop Syrup“ – durchaus Elemente des Sounds von einst, zu Zeiten von „Infinity Land“, in sich trägt. Pures Erfolgsstreben kann man den Schotten aber selbst mit böswilligster Absicht kaum unterstellen. Wer während der Shutdown-Wochen mitbekommen hat, wie hingabevoll Simon Neil beinahe jede Woche mit Gitarre vor der Kamera in seinem Haus saß und für die pandemisch Vereinsamten via Social Media einen Wunsch-Song nach dem anderen klampfte, lauschte einem Musiker – und keiner bloßen Rockstar-Hülle. An der mitunter hitzigen Diskussion, ob Biffy Clyro nach einem Vierteljahrhundert Bandhistorie nur noch Füller fürs Zwischendrin liefern oder noch immer die Erfüllung fürs Ohr sind, wird „A Celebration Of Endings“ zwar eher wenig ändern, kann jedoch so einige amtliche Argumente auf der positiven Seite verbuchen.

 

 

„I’ve been punching rainbows since ’79
It’s self preservation

Baby, I’m scorched earth
You’re hearts and minds
Fuck everybody! Woo!

I’m not dumb, and I’m not blind
You don’t have to be cruel to be kind

Scream, everybody
Scream, everybody
Scream, everybody

I’ve been saved from the darkest place
I’ve embraced the need to live

You’ve been hanging out for twenty years
It’s self preservation
I cannot ignore my burning ears
Could anybody? Woo!

I’m not dumb, and I’m not blind
Turns out you’re the lying kind

Scream, everybody
Scream, everybody
Scream, everybody
Go, go, go!

I’ve been saved from the darkest place
I’ve embraced the need to live
We’ve lived before and we’ll live again

I’ve been punching rainbows since ’79
It’s self preservation
Baby, I’m scorched earth
You’re hearts and minds
Fuck everybody! Woo!“

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Videoneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Herrenmagazin – Landminen

Herrenmagazin - Landminen (Szene)

Ich geb’s zu: so sehr ich mich auch auf „Das Ergebnis wäre Stille„, das dritte Album der Hamburger von Herrenmagazin, gefreut habe – so richtig zünden konnte es bisher (noch) nicht. Aber da gut Ding ja stets auch ein wenig Weile haben will, gönne ih der Platte im Laufe des Jahres sicherlich noch einige Durchläufe und wart’s einfach ab. Maybe it’s a slower grower….

Fein anzuschauen ist jedoch das Video zur zweiten Single „Landminen“, das in ausdrucksstarken Bildern von den großen wie kleinen Dramen des Lebens erzählt, während die Tageszeitung in den Händen von Sänger Deniz Jaspersen zu Asche verbrennt…

 

 

 

Queens Of The Stone Age – I Appear Missing

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Es war zu erwarten gewesen: als bekannt gegeben wurde, dass kein Geringerer als Foo Fighters-Derwisch Dave Grohl für das erste Queens Of The Stone Age-Album seit sechs Jahren erneut die Trommelstöcke in die Hand nehmen würde, überschlug sich die gesamte Rockmusikjournalie quasi mit hochgestochenen Erwartungshaltungen. Würde „…Like Clockwork„, das am 31. Mai erscheint, nun wieder etwas kohärenter gelingen als der stilistisch (zu) breitgefächerte Vorgänger „Era Vulgaris„, gar das bisherige, elf Jahre zurückliegende Opus MagnumSongs For The Deaf“ (damals saß Grohl ebenfalls hinterm Drumkit) übertreffen können? Nun, zweiteres bleibt abzuwarten. Doch die aus Jake Shears (Scissor Sisters), Alex Turner (Arctic Monkeys), James Lavelle (UNKLE), Trent Reznor (Nine Inch Nails), Mark Lanegan oder Alain Johannes bestehende Gästeliste spricht bereits für sich. Mehr Namen gefällig? Klar, denn Bandkopf Josh Homme konnte sogar Ex-Distillers-Punkröhre und Ehefrau Brody Dalle sowie den vor Jahren wegen ewiger Eskapaden aus der Band geworfenen Bass-Weirdo Nick Oliveri sowie – jawoll! – Sir Elton John für Beiträge zum neuen Album gewinnen…

Ton und Bild des Vorabsongs „I Appear Missing“ lassen auf Großes hoffen und steigern die Erwartungshaltung? So fucking right, dude! 2013 bleibt in Punkto Musikneuerscheinungen exzellent – und wird immer besser…

 

 

 

Biffy Clyro – Different People (live from London)

Biffy Clyro (live)

Die Band veröffentlicht Doppelalben, hat danach immer noch ausreichend ausgezeichnete Songs, die sie als B-Seiten „verbraten“ kann, spielt umjubelte Konzerte vor 20.000 Zuschauern in der Londoner O2 Arena – längst haben die drei Schotten von Biffy Clyro so einige Messlatten übersprungen, von denen sie vor einige Jahren wohl selbst kaum zu träumen gewagt hätten…

Dass ihre Musik dabei zwar an Pathos und Größe zugelegt, jedoch keineswegs in Qualität eingebüßt hat, haben sie unlängst mit ihrem aktuellen Album „Opposites“ bewiesen. Und ich? Liebe es! Vollstens. Immer noch.

Hier kann man der Band um Frontmann Simon Neil bei der Eröffnung ihres kürzlich absolvierten Konzerts in London zu sehen. Oberkörperfrei, natürlich.

 

 

 

The National – Sea Of Love

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Klar, über The National wurde hier auf ANEWFRIEND in den letzten Wochen bereits eingehend berichtet. Und doch rechtfertigt jedoch neue Song vom kommenden Album „Trouble Will Find Me„, der dieser Tage seinen Weg ins weltweite Netz findet, seine Erwähnung quasi schon vom ersten Ton an. Denn diese Band war besonders. Sie ist es. Sie bleibt es.

Nun haben Sänger Matt Berninger & Co. ein erstes Video zum aktuellen Album gedreht. In „Sea Of Love“ halten sie’s betont minimalistisch, huldigen damit – einer eigener Aussage nach – stilistisch eigenen Punkrock-Idolen wie den Replacements – und lassen im Vordergrund sogar den Luftgitarrenspielernachwuchs mitrocken…

 

 

 

Vampire Weekend – Step

Vampire Weekend - Step (Szene)

Es muss raus: Ich bin verliebt! Und zwar in diesen einen Song! Und zwar in dieses eine Albumcover! Das interessante daran ist, dass das Stück „Step“ vom neuen Album der New Yorker Band Vampire Weekend stammt, mit deren ersten beiden Alben ich praktisch nichts anfangen konnte. Auf „Modern Vampires Of The City“ jedoch vollzieht die Band, zu deren prominentesten Fans und Befürwortern kein Geringerer als Schauspieler Steve Buscemi zählt, quasi eine Kehrwende weg von den hibbeligen Hipster-Weltmusik-Tanznummern der vergangenen Jahre und hin zu mehr Tiefe und Langlebigkeit. Sollte irgendjemand in der kommenden Zeit noch den passenden Album-Soundtrack für einen Streifzug durch die Straßen des „Big Apple“ benötigen – nehmt „Modern Vampires Of The City“! Mehr dazu demnächst hier auf ANEWFRIEND

 

 

Und da ich ja bereits das tolle Albumcover erwähnte habe, kann ich es euch zum Abschluss kaum vorenthalten:

Modern Vampires Of The City (Cover)

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier einige der Videoneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Mumford & Sons – Whispers In The Dark

Mumford & Sons - Szene aus "W.i.t.D."

Zu behaupten, dass die vier Briten von Mumford & Sons derzeit auf der Sonnenseite des Musikgeschäfts durch die Welt reisen, ist zweifelsohne alles andere als Übertreibung. Ihr zweites Album wurde bei den Grammy-Awards kürzlich als „Album des Jahres“ ausgezeichnet (und setzte sich damit gegen nicht eben schlechte Werke von den Black Keys, Jack White oder Frank Ocean durch), die aktuellen Konzerte sind durchgängig ausverkauft, Sänger Marcus Mumford hat sich gar in Hollywood eingeheiratet und arbeitet momentan gemeinsam mit Justin Timberlake (!) am Soundtrack des neuen Coen Brüder-Films „Inside Llewyn Davis“. Läuft? Läuft!

Und auch wenn das Video zu „Whispers In The Dark“, der nächsten Single des Erfolgsalbums „Babel„, evozieren mag, dass die vier Mumfords sich außerhalb ihrer Pflichttermine (aka. Konzerte und Studioaufenthalte) kaum sehen (können) – alles Quatsch, Marcus Mumford, Winston Marshall, Ben Lovett und Ted Dwane sind natürlich Buddies by heart. Und: das Video enthält einen kleinen Gastauftritt der Damen von Haim, welche ja in der letzten Zeit – und das nicht nur hier auf ANEWFRIEND – zu einer der größten Hoffnungen für 2013 erklärt wurden: die drei Schwestern treten als Rock’n’Roll-Stylistinnen von Banjo-Spieler Winston Marshall auf.

 

 

 

Biffy Clyro – Biblical

Biffy Clyro - Szene aus "Biblical"

Und auch das schottische Trio von Biffy Clyro kann momentan kaum über Erfolglosigkeit klagen. Das kürzlich erschienene Doppelalbum „Opposites“ wurde von Fans wie Kritikern – trotz seiner nicht zu leugnenden Opulenz – fast durchgängig überschwänglich aufgenommen, und die Band drauf und dran, nun auch das US-amerikanische Rockpublikum für sich zu vereinnahmen – was ja auch passen würde, immerhin entstand „Opposites“ im sonnigen Santa Monica, Kalifornien.

Und das neue Video zu „Biblical“ weiß, wie bereits seine Vorgänger, wieder mit cineastischen Szenen zu überzeugen. Sänger Simon Neil erhält darin immer wieder einen mysteriösen Anruf auf dem Telefon seines Motelzimmers, stürmt heraus – und setzt damit eine Kette tragischer Ereignisse in Kraft, an deren Ende er sich wieder auf dem Bett des Motelzimmers befindet. Alles geht von Neuem los – Murmeltiertag in der Version von Mon the Biff

 

 

 

Dear Reader – Down Under, Mining

Szene aus "Down Under, Mining"

Der erste Vorbote zum neuen Album der Band von Frontfrau Cherilyn MacNeil war auf ANEWFRIEND bereits vor einigen Wochen zu hören. Bevor „Rivonia„, das dritte Album von Dear Reader, am 5. April in die Plattenläden kommt, kann man sich nun „Down Under, Mining“ als liebevoll in Szene gesetztes Scherenschnitt-Video zu Gemüte führen…

 

 

 

Mire Kay – Reverse

Still aus "Reverse"

Was macht eigentlich die schwedische all-female Post Rock-Band Audrey gerade? Nun, seit dem zweiten, 2008 erschienenen Album „The Fierce and the Longing“ liegt die Band – offiziell – auf Eis. Deshalb braucht man jedoch nicht auf neue Musik von ihnen zu verzichten, denn Emelie Molin und Victoria Skoglund, immerhin zwei Viertel von Audrey, veröffentlichen (ebenfalls) am 5. April „A Rising Tide Lifts All Boats„, das Debütalbum ihrer neuen Band Mire Kay. Wer mag, kann sich schon jetzt einen Vorgeschmack in Form der ersten Single „Reverse“ holen, dessen Video in einem alten Gemeinderaum in Stockholm aufgenommen wurde. Solange sich der Frühling noch nicht gänzlich zum Bleiben entscheiden kann, sind Stücke wie dieses hier doch die nahezu perfekte Spaziergangsuntermalung, werden einem der kalte Wind durch graue Wolken ins Gesicht bläst…

 

 

Mehr gefällig? Klar! Das Duo bietet mit „Beat“ auch einen weiteren Song des Debüts, welches der vor zwei Jahren veröffentlichten EP „Fortress“ nachfolgt, zum Stream und freien Download an…

 

…und kommen im April und Mai für einige Konzerte in deutsche Gefilde:

 

10.04.2013 – DE – Hamburg – Hasenschaukel
11.04.2013 – DE – Leipzig – Kaffic
12.04.2013 – DE – Erfurt – Franz Mehlhose
14.04.2013 – DE – Berlin – Ackerstadtpalast
05.05.2013 – DE – Hamburg – Aalhaus
05.05.2013 – DE – Köln – Wohngemeinschaft
10.05.2013 – DE – Frankfurt/Main – Zoom

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Ein weiteres hervorragendes Jahr für schottische (Lieblings)Bands? Kürzlich berichtete ANEWFRIEND noch über das Album und die ihm vorausgegangene „Black Chandelier EP“, nun ist es das aktuelle „Album der Woche“… 

 

Biffy Clyro – Opposites (2013)

Biffy Clyro - Opposites (Cover)-erschienen bei 14th Floor/Warner-

Biffy Clyro haben ein Problem. Ihre Anhängerschaft teilt sich mittlerweile in zwei Lager, die sich wohl spinnefeind sein dürften. Zum Einen sind da jene, die dem aus dem schottischen Kaff Kilmarnock stammenden Trio aus Simon Neil (Gesang, Gitarre) und dem Zwillingsduo James und Ben Johnston (Bass beziehungsweise Schlagzeug) seit ihrem ersten, 2002 veröffentlichten Album „Blackened Sky“ die Treue halten, sich in den Moshpits zu den Haken schlagenden Rhythmen die Nasen blutig tanzen und jede Textzeile auf Gedeih und Verderb aus tiefstem Herzen bierselig mitgröhlen. Und andererseits sind da nun jene, die sich in die Massen der mittlerweile bespielten 15.000er-Hallen mischen, „Biffy“ nur anhand der – nichtsdestotrotz noch immer exzellenten – Singles aus den Formatradiostationen, wie „Many Of Horror“ oder „Mountains“, kennen (oder von den ZDF-Berichterstattungen im Zuge der letzte Fussball-WM in Südafrika, welche stets mit dem Intro von „That Golden Rule“ unterlegt waren) und bei jedem Mal, wenn ihnen der „ach soooo süße“, stilvoll und im Übermaß tätowierte Frontmann oberkörperfrei entgegen rutscht, spitze Schreie ausstoßen. „Mon The Biff!“ vs. Trendgefolgschaft.

Biffy Clyro (Promo #1)

Ganz unabhängig vom Bandoutput – sprich: den Songs – muss man der Band zugute halten, dass dieser Erfolg nicht von heute auf morgen kam. Seit ihrer Gründung Mitte der Neunziger (damals war etwa Simon Neil gerade einmal fünfzehn!) hat sich das Dreiergespann alles redlich erarbeitet, sich den Arsch auf Ochsentouren hier und jenseits des Atlantiks abgespielt, mehr als einmal den Anheizer für „größere Bands“ (etwa 2007 für Bloc Party) gegeben und ist von Album zu Album organisch gewachsen. Und alle, die noch immer mäkeln, Jahr um Jahr und Platte um Platte den harten, grobschlächtigen Sound der Anfangstage (beziehungsweise der ersten Veröffentlichungen) mehr vermissen, haben eins nicht verstanden: zu all dem, was Biffy Clyro im Jahr 2013 ausmacht – den Pathos, die große Geste, die allumfassende Umarmung, die herzliche Übertreibung -, wollten Neil und die Johnstons schon immer – man höre sich nur das Titelstück „Blackened Sky“ vom Debüt an. Doch Biffy Clyro sind nicht Coldplay, haben keine Hollywoodsternchen geehelicht und auch keine Gastauftritte von Rihanna oder Kylie Minogue nötig. Klar, auch bei ihren Konzerten fangen sie das Publikum ein (respektive: auf), lassen Funken sprühen und Konfetti regnen (ein eindrucksvoller Beweis ist das fulminante Livealbum „Revolutions//Live at Wembley„, das in der CD&DVD-Combo Biffys Livequalitäten untermauert). Doch ganz Schotten, haben sie sich bis heute ihre Natürlichkeit bewahrt, sind sich nicht für „kleinere“ Interviews oder spontane akustische Radiosessions zu schade. Und: auch Biffy Clyro mussten vor nicht all zu langer Zeit der Bandbiografie ein dunkles Kapitel hinzufügen, denn ein heftiges – und mittlerweile wohl zum Glück überstandenes – Alkoholproblem von Schlagzeuger Ben Johnston hätte der Band beinahe den Gnadenstoß verpasst.

Biffy Clyro (Promo #3)

Und so ist es kaum verwunderlich, dass auch „Opposites„, das neue, sechste Album der Schotten – Nummer drei nach dem 2007 erschienenen Major Label-Debüt „Puzzle“ – in den Texten reichlich düstere Töne anschlägt. Und doch zieht die Band viele neue Seiten auf: zum ersten Mal trauten sich Biffy Clyro an das Medium „Doppelalbum“ heran – was nur konsequent erscheint, da die Band im Zuge früherer Veröffentlichung ebenso viel Material aufgenommen hatte, und Simon Neil nach eigenen Aussagen diesmal ganze „46 neue Stücke“ parat hatte. Dabei wurde nicht wild durcheinander gewürfelt, sondern strikt nach Inhalt getrennt: Seite eins – „The Sand At The Core Of Our Bones“ betitelt – sei aus einem „pessimistischerem Blickwinkel“ heraus verfasst und von persönlichen Ängsten und negativen Erfahrungen getrieben, während Seite zwei – „The Land At The End Of Our Toes“ – von der Hoffnung auf eine positivere Zukunft handele. Um diese Unterschiede klar heraus zu stellen, bedarf es bei Biffy schon einem Blick auf die Texte, die sich in den ersten elf Stücken – das jeweils titelgebende Instrumental am Ende mitgerechnet – in der Tat sehr selbstzweifelnd geben. So singt Neil etwa im streichergetragenen Midtempo-Song „You are the loneliest person that I’ve ever known“ und gibt die Liebste in aller Liebe frei: „Take care of the ones that you love / Baby I’m leaving here / You need to be with somebody else / I can’t stop bleeding here / Can you suture my wounds?“, während „The Thaw“ in seinem Innersten vor der steten Erwartungshaltung des Publikums zittert („Can’t you entertain us all? /…/  Tonight we have all shared the same space / Has anything become of it?“). Seite zwei gibt sich da weitaus angriffslustiger und selbstbewusster, egal, ob man(n) sich nun, wie in „Spanish Radio“, auf einem Roadtrip durch die mexikanische Einöde befindet („Your crown don’t fit, so vacate the throne /…/ Hey, you can be lost at the same time as being found“), trotzig mit den Hufen scharrt („I’d rather kiss the ground than kiss a starless sky“ – „Skylight“) oder sich mit den Bandkameraden in „Victory Over The Sun“ zum finalen Kampf gegen den Rest der Welt verbrüdert („I’d die anytime for you / Would you die for me? /…/ This is happening because of you / Stay special brother you stay true /…/ We’re fighting on, listen to your heart and sing“). Dass der Abschlusssong „Picture A Knife Fight“ mit den Worten „I wouldn’t listen to her, she’ll only break your heart“ beginnt oder der Einsicht „We’ve got to stick together“ endet, sagt am Ende viel aus.

Wer die letzten Alben „Puzzle“ oder „Only Revolutions“ (2009 erschienen) kennt und mochte, der wird sich – die Instrumentierung betreffend – auch auf „Opposites“ schnell heimisch fühlen, denn auch 2013 agieren Biffy Clyro nach einem ähnlichen Muster: fette, Haken wie ein wildes Kaninchen schlagende Gitarrenbreaks, dicke Rhythmusfraktion, ruhige Bridges, hymnische, gegen Ende explodierende Refrains. Erfreulich ist jedoch, dass sie die neuen Songs mit ausreichend Neuerungen und Abwechslungsreichtum garnieren, um bei über 80 Minuten Spieldauer der Langeweile entgegenzuwirken. So bauen sie, wie etwa in „Biblical“ eine wahre Wand aus Streichern auf, wagen in „A Girl And His Hat“ oder „The Fog“ einen zarten Flirt mit Achtziger-Jahre-Elektro, walzen in letzterem in bester Post-Rock-Brecher-Manier alles nieder (wozu wohl auch Ex-Oceansize-Kopf Mike Vennart beigetragen haben dürfte, der immer öfter an der Seite des Trios anzutreffen ist), bitten in „Spanish Radio“ eine Mariachi-Band mit Bläsern und spanischen Gitarren ins Studio oder bauen „Skylight“ auf ein Akustikgitarrenintro, zum dem sich im Verlauf noch ein sporadisches Piano, Sythesizer  und ein elektronischer Überbau gesellen. Noch mehr? Natürlich! „Pocket“ ist der leichtfüßigste Uptempo-Sonntagvormittags-Singalong, den die Foo Fighters nie geschrieben haben. „Trumpet Or Tap“ ist ein leicht irrer Bigband-Blues, bei dem einfach alles stimmt: die Gitarren, der Orchestereinsatz, der groß aufspielende Refrain, die explosive Steigerung am Ende. „The Thaw“ beginnt im Midtempo-Bereich, bevor Streicher den Song in höchste Höhen tragen. „Picture A Knife Fight“ wartet mit Orgeln auf, „Sounds Like Balloons“ mit einer Zither, während „Stingin‘ Belle“ das potentiell längste Dudelsacksolo der Rockgeschichte in petto hat. Und immer wieder: Streicher, Streicher, Streicher! Die beiden Instrumentalstücke fungieren als Kammermusikbindeglied („The Sand At The Core Of Our Bones“) beziehungsweise Gitarrenrausschmeißer („The Land At The End Of Our Toes“), bei welchem – gefühlt – tausende Gitarren nach und nach „Bis zum nächsten Mal“ zu sagen scheinen.

Biffy Clyro (Promo #2)

Natürlich wird das von Garth “GGGarth” Richardson produzierte „Opposites“ es auch diesmal nicht allen recht machen können. Natürlich gibt es auch 2013 jene, die Simon Neils dezent schwülstige Lyrik und Metaphorik aus tausenden „Baby“’s und dem steten Kräftemessen zwischen Aufgabe und Kampfansage, zwischen Teufel und Engel, zwischen Nihilismus und Katholizismus am liebsten den Allerwertesten zeigen würden. Wer jedoch vor beherzt rockendem Pathos, Bombast und Opulenz nicht zurückschreckt, den sammelt „Opposites“ auf dem Weg gern auf. Denn Biffy Clyro sind nicht Muse, machen nicht deren Fehler, sich im kalten Herzen der Künstlichkeit vor allem selbst zu feiern. Und obwohl Vergleiche wie etwa zum – kürzlich übrigens in großer Aufmachung wiederveröffentlichten – Monumentalwerk „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ der Smashing Pumpkins natürlich nett gemeinter Irrsinn sind, sind Biffy Clyro auch mit ihrem sechsten Album eine Band für Jedermann. „Mon The Biff“ vs. Trendgefolgschaft? Unentschieden – im positivsten Sinn. Denn Biffy Clyro haben zu viel Herz, um sich hierüber den Kopf zu zerbrechen. Und noch immer massig Potential. Und in der Tat höchstens ein Luxusproblem.

 

Hier kann man sich noch einmal die Videos zu den ersten beiden Singles „Black Chandelier“…

 

…und „Stingin‘ Belle“ zu Gemüte führen…

 

…ebenso wie zu den eingangs erwähnten Songs „That Golden Rule“…

 

…oder „Mountains“:

 

Eines meiner Lieblingsstücke? „Folding Stars“, welches Simon Neil für seine verstorbene Mutter schrieb. Hier in der Gänsehaut-Liveversion aus der Wembley Arena:

 

Rock and Roll.

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Neues Biffy Clyro-Video zu „Black Chandelier“


Biffy Clyro

Mon the Biff!

Beim Werdegang von Biffy Clyro kann man durchaus von „organischem Wachstum“ sprechen. Die kleinen, gammeligen Clubs wurden zu kleineren Hallen wurden zu mittelgroßen Hallen wurden zu großen Hallen (zur momentanen Einordnung: im April geben sie die Vorband für Muse im Zuge von deren Nordamerika-Tournee). Dass neue Songs mittlerweile etwas mehr auf Pop gebürstet sind und bei Weitem nicht mehr zu solch‘ ruckartigen Moshpit-Attacken führen wie noch zu Zeiten der ersten beiden Alben „Blackened Sky“ oder „The Vertigo Of Bliss“ (2002 beziehungsweise 2003 erschienen), mag manch ein Fan der ersten Stunden durchaus bedauern. Und doch sind die drei Schotten (Ja, ANEWFRIEND darf sich wohl bald über eine größeren Batzen Bares für die freundliche Förderung schottlichen Liedgutes freuen!) auch 2012 noch äußerst freundlich und zuvorkommend, man ist ja schließlich nicht Liam Gallagher…Biffy Clyro - Opposites

Auch hinlänglich bekannt: wenn Simon Neil (Gesang und Gitarre) und die Johnston-Zwillinge James (Bass) und Ben (Schlagzeug) einmal anfangen, Songs für ein neues Album aufzunehmen, dann finden sie meist kein Ende. Das war auch bei den letzten beiden Alben „Puzzle“ (2007 veröffentlicht und Biffy Clyro’s Major Label-Einstand) und „Only Revolutions“ (2009 erschienen) der Fall, als man mit den übrig gebliebenen und nach und nach als B-Seiten der Singles erschienenen Stücke gern noch je einen zusätzlichen Langspieler hätte füllen können. Kein Wunder, dass sich das Trio, welches bei Live-Auftritten seit einiger Zeit vom Ex-Oceansize-Gitarristen Mike Vennart unterstützt wird, beim in wenigen Tagen erscheinenden sechsten Album erschloss, die vorliegenden Einzelalben  ‘The Sand at the Core of Our Bones“ und ‘The Land at the End of Our Toes“ zum 22 Stücke starken Doppelalbum „Opposites“ zusammenzuschließen. Und mit den Songs, welche auch danach noch unters Mischpult gefallen waren, umso mehr anzugeben… Denn auch aktuell gilt: eine Biff’sche B-Seite muss keineswegs auch wie eine solche klingen (also: wie klare Ausschussware aus dem untersten Musikregal). Bewiesen wird dies von „The Rain“ und „Thundermonster“, die als Album-Outtakes „Black Chandelier“, nach „Stingin‘ Belle“  die zweite Vorab-Single von „Opposites“, flankieren, und die Erwartungsmesslatte für ihre „großen Albumbrüder“ schon einmal recht hoch ansetzen: wenn die perlende E-Banjo-unterstützte Ballade („The Rain“) und der angenehm sperrige Progger („Thundermonster“) schon so fein in die Gehörgänge schleichen, wie gut muss dann erst das erneut von Garth „GGGarth“ Richardson produzierte 22-Song-Mammutvorhaben „Opposites“ sein?

 

Und auch bei der Qualität ihrer Videos bleiben sich die notorischen Oben-Ohne-Rocker Biffy Clyro bei „Black Chandelier“ treu:

 

Hier außerdem das Video zur ersten Vorab-Single „Stingin‘ Belle“…

 

…das zu „God & Satan“ (vom Album „Only Revolutions“)…

 

…das zum live in der Londoner Wembley-Arena aufgenommene Video zu „Mountains“…

(zu finden auf dem tollen Live-Album „Revolutions // Live at Wembley„, dem das komplette Konzert auf DVD beiliegt)

 

…und eine 2010 in Paris mitgeschnittene Akustik-Session, welche Frontmann und Tattoo-Fetischist Simon Neil noch gänzlich blondiert zeigt:

 

Und als besonderes „Schmankerl“: die aktuelle Single „Black Chandelier“ als kürzlich beim deutschen Radiosender FluxFM aufgenommene Akustikversion, welche ihr euch hier kostenlos aufs heimische Musikabspielgerät laden könnt…

 

Rock and Roll.

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