Schlagwort-Archive: Simon & Garfunkel

Song des Tages: Racoon Racoon & The Duke Of Norfolk – „The Only Living Boy In New York“


Wenn es einen Song von Simon & Garfunkel gibt, der vor allem im vergangenen Jahr für den von einer Pandemie ins Wanken gebrachten Alltag im eigentlich nie stillstehenden, wuseligen New York City geeignet schien (und daher wohl auch seinen Platz in nicht wenigen Playlists fand), dann ist es „The Only Living Boy In New York„. Dabei ist seine Entstehungsgeschichte eine ganz andere: Das Stück wurde von Paul Simon geschrieben, als sich Art Garkunkel im Jahr 1969 inmitten der Arbeiten am finalen Simon & Garfunkel-Album „Bridge Over Troubled Water“ aus dem Staub machte, um in Mexiko an den Dreharbeiten zum Antikriegsfilm „Catch-22“ teilzunehmen – und den verdutzten Duo-Partner allein in NYC zurück zu lassen. So drückt der Song Simons damaliges Gefühlsspektrum irgendwo zwischen Enttäuschung, Einsamkeit und Freiheit aus, aber auch die Erkenntnis, dass ihre kreative Partnerschaft möglicherweise vorbei sein könnte und beide nun ihr eigenes Ding machen (Kenner des legendären Folk-Duos wissen außerdem, dass mit jenem „Tom“, von dem Paul Simon im Stück singt, sehr wohl Art Garfunkel gemeint ist, schließlich traten die beiden in ihrer Anfangszeit noch als „Tom and Jerry“ auf). Und obwohl sich nicht jede Zeile zu einhundert Prozent in die heutige Zeit übertragen lassen mag, eignete sich das Stück in eigenartig-wundervoller Weise durchaus dazu, (s)einen kleinen Teil zum Corona-beeinflussten Soundtrack aller New Yorker im Jahr 2020 beizutragen – in Momenten, in denen sich diese im Lockdown befanden oder die gespenstisch leeren Straßen ihres Viertels betraten.

Wohl auch deshalb haben Racoon Racoon ebenjenen Song wiederentdeckt. Das französische Chamber-Folk-Duo, welches sich bereits vor knapp drei Jahren den Simon & Garfunkel-Evergreen schlechthin vornahm, eröffnet seine Version zwar A Cappella mit der einsamen Stimme von Sängerin Léa anstelle der begleitenden Gitarre des Originals, verfolgt aber einen ganz ähnlichen mehrspurigen Ansatz für den Hintergrundgesang wie Paul Simon vor etwa 50 Jahren. Klar, das Tempo der Coverversion ist merklich getragener, aber ähnlich wie beim Original variiert das Arrangement hier von reduziert bis üppig. Racoon Racoon, welche beim Song Unterstützung von US-Singer/Songwriter Adam „The Duke Of Norfolk“ Howard erhalten, hüpfen jedoch lieber zwischen spärlich und ausladend hin und her, anstatt sich wie in der Version von Simon & Garfunkel eine Klimax aufzubauen. Heraus kommt eine ebenso hübsche wie unverwechselbare Variante eines Songs, der als Oldie but Goldie zwar bereits ein halbes Jahrhundert auf dem musikalischen Buckel haben mag, aber dennoch noch immer wie gemacht scheint für ein New York City in Pandemiezeiten…

„Tom, get your plane right on time
I know your part’ll go fine
Fly down to Mexico
Doh-n-doh-de-doh-n-doh
And here I am
The only living boy in New York

I get the news I need on the weather report
Oh, I can gather all the news I need on the weather report
Hey, I’ve got nothing to do today
But smile, de-doh-n-doh-de-doh
And here I am
The only living boy in New York

Half of the time we’re gone
But we don’t know where
And we don’t know where

(Here I am)

Half of the time we’re gone
But we don’t know where
And we don’t know where

Tom, get your plane right on time
I know that you’ve been eager to fly now
Hey, let your honesty shine, shine, shine now
Doh-n-doh-de-doh-n-doh
Like it shines on me (Here I am)
The only living boy in New York
The only living boy in New York

(Here I am)

(Here I am)“

Rock and Roll.

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„Abstand, bitte!“ – Ikonische Albumcover in Zeiten der Corona-Pandemie


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Nun muss auch der orangefarbene „Fake News!“-Toupet-Clown so langsam aber sicher einsehen, dass die Corona-Pandemie die „one nation under God“ (aka. die US of A) aktuell so sicher im Würgegriff hat wie kaum ein anderes Land der Welt…

Wohl auch deshalb haben die aus Los Angeles stammenden Künstler Paco Conde und Beto Fernandez eine Reihe recht bekannter Albumcover neu gestaltet, um das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie wichtig es derzeit im gemeinsamen Miteinander ist, mindestens einen Sicherheitsabstand von zwei Metern voneinander zu halten, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen (oder zumindest einzudämmen – #flattenthecurve und so). Soziale Distanz (oder eben „Social Distancing“) ist für viele von uns fast schon Normalität, und das wird wohl auch noch für eine Weile so bleiben…

Das Projekt mit dem Namen „6 Feet Covers„, bei dem die beiden Gründer der Kreativagentur Activista sowohl eine ernsthafte Botschaft als auch ein wenig Humoriges für alle #StayTheFuckHome-Geplagten im Sinn hatten, umfasst ikonische Kunstwerke wie das „Abbey Road“-Cover der Beatles, Blondies 1976er Debütalbum oder „The Man-Machine“ der Düsseldorfer Electro-Krautrock-Pioniere Kraftwerk. Paco Conde erzählte BuzzFeed, dass die Idee vor wenigen Tagen entstand, als er bemerkte, dass die Leute in der Schlange im Supermarkt die sechs Fuß (also etwa 1,8 Meter) umfassende Sicherheitsabstandsregel nicht respektierten. Also wählten er und sein Kreativ-Buddy Beto Fernandez einige berühmte Albumcover aus und änderten diese so ab, dass alle Bandmitglieder mindestens 6 Feet Abstand zueinander hatten. Näher kommen Musikkultur und Zeitgeist – allen Stream-Wohnzimmerkonzerten zum Trotz – in diesen Tagen kaum zusammen…

 

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(gibt’s auch hier oder hier in Groß zu sehen…)

 

Rock and Roll.

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Neue Facetten von Albumklassikern…


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(gefunden bei Facebook)

 

Ja sowas! Da bekommt selbst der Simon-und-Furunkel-Meilenstein „Bridge Over Troubled Water“ eine amüsante, ganz neue optische Facette. Probiert’s mal aus – es funktioniert tatsächlich! 😊

 

Rock and Roll.

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Flimmerstunde – Teil 9


The Music Never Stopped (2011)

„Musik fängt da an, wo die Sprache aufhört.“

„Wenn wir Musik und Sport und Kunst für die Sahne auf dem Kuchen halten und nicht für die Hefe im Teig, dann verstehen wir unsere Gesellschaft falsch.“

An diesem Zitaten von E.T.A. Hoffmann und Johannes Rau ist unglaublich viel Wahres. Denn: was wäre die Gesellschaft, die Menschheit, was wäre wir ohne Musik. Im Zeitalter der totalen Beschallung, ob nun zu Hause, im Auto, auf Arbeit, im Einkaufszentrum oder im Supermarkt, fällt sie uns kaum mehr auf. Doch keine einzige Fernsehsendung, Serie und kein einziger Film kommt ohne die emotionalisierenden, aufrührenden und unterstützenden Klänge aus dem Hintergrund aus. Mal ehrlich: was wäre Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ ohne György Ligetis überwältigende Kompostionen? Wäre „Titanic“ ohne seine kanadische Heulboje nicht gleich ein wenig schlimmer und gewöhnlicher? Mag man sich „Spiel mir das Lied vom Tod“ überhaupt ohne den Mann mit der Mundharmonika vorstellen? Nein. Denn seit jeher sind mehr oder minder weltbewegende Ereignisse stets mit einer bestimmten Melodie oder einem Lied verbunden, sei es nun der 11. September 2001 und „Only Time“ von Enya oder Angela Merkels CDU-Wahlkampf und „Angie“ von den Rolling Stones. Die Menschen bewegen sich, ob nun in den USA, Europa oder Asien, unterbewusst immer im Rhythmus einer Melodie. Und wer weiß, ob David „The Hoff“ Hasselhoff mit seinem „Looking For Freedom“ nicht wirklich die Mauer zum Einsturz gebracht hat…

Diesen Grundgedanken der Kraft der Musik greift auch „The Music Never Stopped“, das Spielfilmdebüt von Regisseur Jim Kohlberg, auf. Im Jahr 1987 erhält das Ehepaar Sawyer einen Anruf. Ihr Sohn Gabriel (Lou Taylor Pucci) liegt im Krankenhaus. In seinem Kopf wurde ein faustgroßer Gehirntumor entdeckt. Nach der Operation und zwangsläufigen Schädigung seines Lang- und Kurzzeitgedächtnisses erkennt sie der hagere Mann Mitte Dreißig, zu dem beide 20 Jahre lang, nachdem er im Streit um verschiedene Wertvorstellungen und Lebensentwürfe das Elternhaus verließ und sich ins New Yorker Greenwich Village aufmachte, keinerlei Kontakt hatten, nicht mehr wieder. Wie paralysiert hockt er im Zimmer des Pflegeheims und zeigt kaum eine Regung. Erst durch die Hilfe der Musiktherapeutin Dr. Dianna Daly (Julia Ormond) und anhand der Musik seiner Jugend findet er in kleinen Schritten wieder ins Leben zurück. So werden etwa bei Bob Dylans „Desolation Row“ Erinnerungen wach, wie Gabriel den Song zum ersten Mal hörte, zu Buffalo Springfields „For What It’s Worth“ Erinnerungen an damalige Freunde und den Protest gegen den Vietnamkrieg. Sein Vater Henry (J.K. Simmons) konnte jedoch weder damals noch heute viel mit den musikalischen Vorlieben des Sohnes (allen voran dessen Lieblingsband The Grateful Dead) anfangen und tut sich anfangs schwer, zu begreifen, dass dies wohl der einzige Weg ist, mit Gabriel zu kommunizieren. Doch nach und nach löst er sich von seiner eigenen Starrsinnigkeit und begreift, dass sich in diesem Schicksalsschlag die wohl letzte Chance bietet, die dysfunktionale und verloren geglaubte Beziehung zu seinem Sohn wieder aufzubauen und auch mit sich selbst ins Reine zu kommen…

„The Music Stopped“ ist ein (an)rührender Film über die Kraft der Musik, die das auszudrücken vermag, wo Worte scheitern. Aber auch über einen Generationskonflikt zu Zeiten des Vietnamkrieges. Leider kann der Film, welcher auf realen Ereignissen bzw. der Fallstudie „The Last Hippie“ des Neurologen Oliver Sacks beruht, nicht alle Versprechen erfüllen und driftet mindestens einmal zu viel in Sixties-Klischees und Rührseligkeiten ab. Doch Szenen wie die, als Henry mir seinen eigenen Platten in den Plattenladen geht und diese dem verwunderten Angestellten im Tausch gegen „alles nach 1957, Hauptsache laut“ anbietet und die, in der Gabriel mit einem Simon & Garfunkel-Song das Herz der jungen Dame an der Essensausgabe der Pflegeheimkantine erobert, und vor allem J.K. Simmons tolle schauspielerische Leistung als Gabriels Vater, machen „The Music Never Stopped“ durchaus sehenswert. Denn kurze Abstecher in die Zeit der Blumenkinder, Herzenswärme und das ein oder andere innere „Hach“-Gefühl hat der Film zuhauf. Mehr Tiefgang gibt’s ja zur Not immer noch im kleinen Arthouse-Kino im die Ecke…

 

 
Rock and Roll.
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