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Das Album der Woche


Nachdem ANEWFRIENDs aktuelles „Album der Woche“ vor Kurzem bereits probegehört werden konnte, gibt’s hier ein paar Worte zu…

Dry The River – Shallow Bed (2012)

„At the bottom of our rotten boat there is a lake / Things with many limbs are creeping round my teenaged legs / Late October, old wives’ summer, I’m all arms and legs / Spread out like an adolescent on my shallow bed.“ 

Wer mit solchen Worten in (s)ein Debütalbum einsteigt, es mit „You took me to the lion’s den“ beschließt, und obendrein noch das Gemälde eines bedrohlich dreinblickenden Hais aufs Cover packt, muss sich nicht wundern, für einen leicht verschrobenen Naturburschen oder Mystiker gehalten zu werden. Und so ganz falsch liegt man damit bei der Band um Sänger Peter Liddle auch nicht. Auf „Shallow Bed“ dreht sich, getreu dem Motto „back to the basics“, viel um Veränderungen – seien es nun Jahreszeiten, geografische Koordinaten, Lebensumstände oder Gefühle. Zeilen wie „This might be the coldest winter since records began“ (aus Bible Belt“) mögen wohl Kindheitserinnerungen an die norwegische Heimat Liddles geschuldet sein und geben grob die Gefühlsrichtung vor. Seine Mitmusiker Matt Taylor (Gitarre), Scott Miller (Bass), Jon Warren (Schlagzeug) und Will Harvey (Violine), welche wie Liddle eine Vergangenheit in diversen Punk- und Hardcorebands, die damals „wie At the Drive-In“ klingen wollten, aber auch eine klassische Musikausbildung (Harvey) bzw. eine Kindheit im Kirchenchor (Liddle), vorzuweisen haben, liefern dazu einen exquisiten Folk-Mix, wie man ihn etwa von Arcade Fire kennt. Die meisten der zwölf Stücke beginnen ruhig und werden meist nur von Liddles Stimme, welche mal an Antony Hegarty (Antony and the Johnsons), mal an Fleet Foxes-Frontmann Robin Pecknold erinnert, getragen, bevor sie zur amtlichen Klimaxsteigerung – Harmoniegesang inklusive! – ausholen, um schließlich am Zenit zu verglühen. Klar, diese Art Musik mag nicht jedermanns Sache sein. Natürlich sollte man als Hörer schon eine Vorliebe für Herzschmerzhymnen und vor allem Melancholie und Pathos mitbringen. Trotzdem können sich momentan viele auf das Quintett aus dem Osten Londons einigen – sei es nun, weil ihnen bereits Bands von ähnlicher Klangfarbe, wie Mumford & Sons oder die bereits erwähnten Fleet Foxes, den Weg geebnet und ein Publikum „vorsensibilisiert“ haben. Sei es nun, weil der von Produzent Peter Katis (u.a. Interpol, The National) maßgeschneiderte Klanganzug perfekt passt und bei aller Opulenz kein Gramm zuviel am Klangkörper aufweist. Oder weil sich Dry The River nach Veröffentlichung ihrer ersten EP „The Chambers & The Valves“ (2009) mit etlichen Konzerten und Vorgruppenauftritten, etwa von den Antlers, den Magic Numbers oder zuletzt Foster The People, kontinuierlich eine größere Hörerschaft und einen Platz in der „Sound of 2012“-Liste der BBC erspielt haben. Wer die viel beschworene Magie, mit welcher Dry The River den Hörer ohne Umschweife in Beschlag nehmen, nachempfinden möchte, dem seien das sakral anmutende „Demons“, das beinahe beschwingte „Shaker Hymns“ oder „No Rest“, welches eine Steigerung in unglaubliche Höhen zu Zeilen wie „I loved you in the best way possible“ und vollem Bandsound verzeichnet, empfohlen.

Solch‘ pastoralen, elektrisch unterstützten „lauten Folk“ (so beschrieb die Band einmal selbst ihren Stil) habe ich zuletzt 2004 von den seligen Hope Of The States auf deren Debütalbum „The Lost Riots“ (mehr dazu demnächst hier auf ANEWFRIEND) hören dürfen. Und wenn sich Liddle & Co. im offiziellen Albumabschluss „Lion’s Den“ in majestätische Klanghöhen spielen, hat man – Gänsehaut sei Dank! – das Gefühl, gerade etwas Großem lauschen zu dürfen. Mit einem Bein im naturbelassenen Neo-Folk und dem anderen knietief im rustikalen Grunge sind Dry The River eine der besten Bands, denen man 2012 auch hierzulande beim Wachsen zusehen darf. Dass sie mit „Shallow Bed“ Kritiker aller Lager auf sich vereinen können, wundert zu keiner der gut 45 Minuten. Dem Hai zum Trotz: Man muss wohl ein Stein sein, um das nicht toll zu finden. Ich bin kein Stein.

Mehr über die Band könnt ihr in diesem „Channel 4“-Feature erfahren…

 
…und euch die Videos zum fantastischen „No Rest“…

 
…sowie zu „The Chambers & The Valves“ ansehen:

 

Rock and Roll.
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„Shallow Bed“ – das komplette Dry The River-Debüt im Stream + Track By Track Kommentare der Band


Vorschusslorbeeren aus Großbritannien, die Vierhundertfünfundachtzigste: auf der „Sound-Of-2012“-Liste der BBC sind die Jungs um Sänger Peter Liddle schon längst, ob die Lobeshymnen aus allen Teilen der Musikpresse auch berechtigt sind, davon kann man sich auf der Homepage der Band nun selbst überzeugen, denn dort bietet die Band das komplette Debüt „Shallow Bed„, welches bei uns am 2. März erscheinen wird, inklusive Track By Track Kommentaren im Stream an.

Erster Eindruck: Folk Rock, der gern mal in Richtung Bombast und Pathos schielt, sich dessen aber keineswegs schämt. Arcade Fire meets Mumford & Sons, produziert von Peter Katis, der bereits für The National, Interpol oder Frightened Rabbit hinterm Mischpult saß. „Shallow Bed“ ist wohl eins der beeindruckendsten Debüts 2012 – mal schauen, ob sich daraus eine große Liebe entwickelt oder es bei einem tollen One Night Stand bleibt…

Hier das Video zum Song „Chambers and the Valves“…

 

…das offizielle (?) Video zu „Paper Horses“…

 

…und „Skaker Hmyns“, in einer für die „Gospel Oak Sessions“ 2009 aufgenommenen Version:

 

Rock and Roll.

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