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Konzerttipp: Mogwai – Live im Gothic Theatre, Denver, 2006


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Wenn es um meine liebste Post-Rock-Band aller Zeiten geht, dann liegen Mogwai seit eh und je sanft und sicher in den Top 3. Punkt.

Und da habe ich die Bonuspunkte, die das Quartett durch seine schottische Herkunft (proudly Glasgow born and raised – aye, Sir!) oder durch seine Namensgebung (benannt nach den flauschigen Horrortierchen aus „Gremlins“ – beide Filmteile gehören seit Kindheitstagen zu meinen All-Time-Favs) inne hat, noch gar nicht mit eingerechnet. Fakt ist, dass  Stuart Braithwaite (Gitarre, sporadischer Gesang), Barry Burns (Gitarre, Piano, Synthesizer, darf ab und an auch mal ans Mikro), Dominic Aitchison (Bass) und Martin Bulloch (Schlagzeug) sowohl auf Platte als auch – gerade – live und auf Bühnenbrettern ohne viele Worte eine emotionale Wucht entfesseln, dass es einem – oder zumindest: mir – nicht selten die Gedankengänge frei die Beine weg bläst.

TRR291_MOGWAI_ECS_cover_hi-res_1500x1500px_640xNoch schöner ist, dass die Die-Hard-Celtic-Glasgow-Fans vor wenigen Tagen mit ihrem nunmehr neunten Studiowerk „Every Country’s Sun“ eine Rückkehr nach Maß gefeiert haben, nachdem mich Stuart Braithwaite und Co. mit allem, was da nach dem 2008er Werk „The Hawk Is Howling“ erschien, ein wenig verloren hatten, und auch nach über zwanzig Bandjahren beweisen, dass man vornehmlich instrumentalen Post-Rock durchaus spannend und emotional mitreißend gestalten kann.

Da Mogwai auch und vor allem eine Live-Band sind, sollten sich alle Interessierten, nebst dem ersten, 2010 erschienenen Live-Album „Special Moves“ (für das die Band im Jahr zuvor eine Show in der Music Hall of Williamsburg im New Yorker Stadtteil Brooklyn mitschnitt), auch die ein oder andere Live-Show aus der langen Karriere der Glaswegians zu Gemüte führen.

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Meine persönliche Empfehlung ist – nebst einer 2001 in Dallas, TX mitgeschnittenen Show (hier zu finden) – eine Aufnahme des Gastspiels von Mogwai im Gothic Theatre von Denver, CO vom 3. Mai 2006. Der Sound: superbe Soundboard-Qualität, die auch für ein höchst offiziell veröffentlichtes Live-Album herhalten könnte – eine professioneller aufgenommen und abgemischte Live-Show findet man sonst nirgends im Netz (und zudem noch als kostenfreier Download). Die Setlist: eine bunte Mischung aus frühen Sachen bis hin zum bis dato neusten Werk Mr. Beast„. Über 90 Minuten feinster Post-Rock. Und am Ende der 23-minütigen Schlussnummer „My Father My King“ dröhnen die Ohren. So soll’s sein.

Die 2006er Show aus Denver findet man hier (via archive.org).

All jenen, die bisher weniger mit der Diskografie sowie dem Schaffen von Mogwai vertraut sein sollten, sei außerdem die immerhin 3 CDs starke, 2015 (zum 20. Bandgeburtstag) erschienene Retrospektive „Central Belters“ ans Hörerherz gelegt.

 

 

Wer zum Ton auch gern bewegte Bilder hat, der findet hier zwei relativ aktuelle Live-Show-Mitschnitte der Rock-Schotten:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Fiskur – „Too Slow, Too Far“


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Ross Clark, ehemals Frontmann des schottischen Indierock-Trios Three Blind Wolves, hat mit Fiskur ein neues Soloprojekt. Erster Gedanke, sicherlich: Kennste Wayne?

Natürlich stehen die Chancen gut, dass selbst findigste Musiktrend-Aficionados weder von Clark noch von dessen bisheriger Band je einen Ton gehört haben. Selbst Google spuckt in seiner Suche nach Fiskur kaum mehr als den Twitter-Account aus, und bei noch 150 Facebook-„Likes“ von „Geheimtipp-Status“ zu schreiben, ist wohl auch keineswegs vermessen.

Trotzdem klingt die just heute online gestellte Single von Ross Clarks neustem, übrigens gemeinsam mit Frightened-Rabbit-Keyboarder Andy Monaghan aus der Taufe gehobenen musikalischem Baby, „Too Slow, Too Far“, einfach zu interessant, um ungehört zu bleiben. Gut vier Minuten schroff produzierter Indierock mit deutlich britischer Färbung, dezent-unterkühltem Eighties-Einschlag und einer feinen Prise Ohrwurm-Potential, der dezent an schottische Kollegen wie We Were Promised Jetpacks erinnert. Da trifft es sich doch, dass der aus Glasgow stammende Musiker ebenjene Band bei deren Shows in Edinburgh, Glasgow, Manchester und London im November im Vorprogramm unterstützen wird…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Frightened Rabbit – „The Hearts Song“


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Dass – allen Misserfolgen der letzten Jahre (oder besser: Jahrzehnte) zum Trotz – der ein oder andere schottische Musiker ein großer Anhänger der nationalen Vereine ist, dürfte nicht erst seit Mogwai hinlänglich bekannt sein (die Postrocker gelten als große Fans von Celtic Glasgow, und haben vor einiger Zeit auch den Score zu „Zidane“, der Dokumentation über den Zinedine selben Namens, geliefert).

Nun haben sich wohl auch Frightened Rabbit geoutet. Das Quintett aus dem schottischen Selkirk hat aus besonderem Anlass Hector Nicols „The Hearts Song“ gecovert. Damit will die Indie-Folk-Band das Tynecastle-Stadion des Heart of Midlothian F.C. nahe Edinburgh ehren, das nach 103-jährigem Bestehen abgerissen werden muss. „The Hearts Song“ ist das traditionelle Vereinslied der 1874 gegründeten Scottish-Premiership-Fußballmannschaft, die Neuinterpretation von Frightened Rabbit macht daraus eine emotionsgeladene Folkrock-Hymne, während das dazugehörige Musikvideo Bilder des Stadions und alte Aufnahmen von Spielen des ansässigen Clubs zeigt.

Zuletzt hatten Frontmann Scott Hutchison und seine Bandmates mit „Fields Of Wheat“ eine Single als Reaktion auf die Wahlen in Großbritannien veröffentlicht.

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Idlewild – „A Modern Way Of Letting Go“


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Erinnert sich noch jemand an Idlewild? Klar, zum großen Durchbruch hat es für den aus Roddy Woomble (Gesang), Rod Jones (Gitarre, Backing Vocals), Colin Newton (Schlagzeug), Andrew Mitchell (Bass) und Luciano Rossi (Keyboard) bestehenden Indierock-Fünfer aus dem schottischen Edinburgh nie gereicht. Umso erstaunlicher, dass die Band ihre Lauerstellung in der nicht eben rühmlichen „zweiten Reihe“ nun schon seit über zwanzig Jahren (das Quintett wurde anno 1995 quasi feucht-fröhlich gegründet, als Frontmann Roddy Woomble Schlagzeuger Colin Newton auf einer Party kennenlernte, und teilt – bis auf eine dreijährige Auszeit zwischen 2010 und 2013 – gemeinsam die Indieclub-Bühnenbretter) eisern durchzieht.

41-rlQ43p6LUnd obwohl nicht jedes ihrer bislang sieben Studiowerke (das erste, „Hope Is Important„, erschien 1998, das bislang letzte, „Everything Ever Written„, fand 2015 seinen Weg in die Plattenläden) durchgängig pures Klanggold ist, hat die Idlewild’sche Diskografie schon den ein oder anderen auch heute noch großartigen Song vorzuweisen. Das schwelgerische „Love Steals Us From Loneliness“ etwa. Das gen Firmament stürmende „You Held The World In Your Arms„. Vor allem jedoch „A Modern Way Of Letting Go“, erschienen 2002 auf dem dritten Album „The Remote Part„. Das Gitarrenriff zum Anfang, so simpel wie weiland Blurs „Song 2“ – und auch ebenso effektiv wie unverkennbar! Dieser Druck, diese Energie, die Woomble und Co. in lediglich zwei Minuten und 25 Sekunden packen (noch so eine Parallele zu „Song 2“, der nach zwei Minuten und zwei Sekunden die Kurve kratzt)! All das klingt verdächtig nach den berühmteren Referenzquellen der Band, nach Gang of Four, Pavement, R.E.M., Fugazi oder eben Blur. All das riecht auch 15 Jahre später noch nach einer Zeit, als britische Rockbands noch frisch und fröhlich und für einen winzigen Moment der tollste heißeste Scheiß der Musikhistorie waren – man denke nur an die Libertines, an Bloc Party, an Maxïmo Park, an Franz Ferdinand, an die Arctic Monkeys und wie sie alle heißen und hießen, ohne auch nur ein stückweit nostalgisch zu seufzen…

(Allen, an denen Idlewilds Songs bislang spurlos vorbei gerauscht sein sollten, sei übrigens die gar nicht mal so üble, 2007 veröffentlichte Werkschau „Scottish Fiction: Best Of 1997-2007“ als Einstiegsquelle ans Hörerherz gelegt.)

 

„If I know, what I know, then no one will watch over you
So someone shouldn’t really tell me what I want to know
I know, I owe, and I know that matters don’t matter as much
As you think they do You will only be yourself
When you can never be yourself 
And you will only be yourself
When you understand what you know 

How long, will we go on with a modern way of letting go, 
tell me how long will we go on with the modern way of letting you go? 

If I know, what I know, losing isn’t learning to be lost
It’s learning to know when you’re lost
If I know, what I know, 
I’ll want to make the most of what it seems like 

You will only be yourself
You can never be yourself
And you will only be yourself
When you understand what you know 

How long, will we go on with a modern way of letting you go, 
tell me how long will we go on with the modern way of letting you go?“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Frightened Rabbit – „Fields Of Wheat“


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Die Frage, wo Frightened Rabbit politisch anzusiedeln sind, dürfte nicht schwer zu beantworten sein, immerhin stammt die Band aus der schottischen Arbeiterklasse. Von daher dürften Scott Hutchison und Co. nicht eben die größten Anhänger der britischen (Noch-)Premierministerin Theresa May sein…

Kaum verwunderlich ist auch, dass der Fünfer aus dem schottischen Selkirk, dessen aktuelles Album „Painting Of A Panic Attack“ im April letzten Jahres erschien, mit einem neuen Song (s)einen ganz eigenen Kommentar zur Großbritannien-Wahl vor ein paar Tagen abgibt, getagged mit #fuckthetories.

Der Titel des neuen Stücks, welches Frontmann Hutchison größtenteils allein an der Akustischen zum Besten gibt, hat die Band einer der vielen heuchlerischen Äußerungen Mays entnommen, welche diese in den Tagen vor der Wahl in die britischen Mikrofone palaverte: „Well, nobody is ever perfectly behaved, are they? I mean, you know, there are times when… I have to confess, when me and my friend, sort of, used to run through the fields of wheat. The farmers weren’t too pleased about that.“

Frightened Rabbit selbst gaben „Fields Of Wheat“ vor wenigen Tagen, als sie den Song via SoundCloud ins weltweite Netz stellten, folgende Worte mit auf den Weg:

„We made this today. It felt like the song should go out now, because it’s about what’s happening now, it’s about where we live and if we waited too long the sentiment could go stale. We don’t want to be too descriptive or conclusive here, our only hope is that you listen, enjoy and share it.

Thank you
FR“

 

 

 

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Rock and Roll.

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Song des Tages: Frightened Rabbit – „I Wish I Was Sober“


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Ich gebe es offen zu: Ich habe so meine Probleme, mit „Painting Of A Panic Attack„, dem aktuellen, fünften, im April diesen Jahres erschienenen Album des Schotten-Quintetts von Frightened Rabbit warm zu werden. Schon komisch, oder?

Dabei will ich gar nicht einmal sagen, dass die 12 (normale Version) beziehungsweise 15 Songs (Deluxe Edition) schlecht sind. Ganz im Gegenteil sogar. Das Album bringt viele der Trademarks mit, die bereits den vor drei Jahren erschienenen Vorgänger „Pedestrian Verse“ zu ANEWFRIENDs „Album des Jahres“ gemacht haben: der gen Firmament taumelnde gebrochene Hymnus des großartigen „Get Out“ etwa, während Frontmann Scott Hutchison singend darum fleht, dass eine bestimmte Person doch bitte, bitte aus den Kammern seines Herzens weichen möge, bevor diese ihrem Flimmern erliegen: „And now I know she won’t get out of my heart / She won’t“ – das ist schon fast ganz zum Anfang klassischer Songstoff der bereits seit 13 Jahren gemeinsame Sache machenden „Angsthasen“. Auch der ähnlich gelagerte Stampfer „Woke Up Hurting“ („Daylight / Woke up hurting / With tarmac to my side / I woke up with dirty knees / Not for the first time / I woke up hurting / Though I can’t quite say why“) oder „I Wish I Was Sober“, welchem zum gefühlt x-ten Mal ebenso schotten- wie FR-typische Themen wie den Alkoholrausch, Sucht, Zweifel und Bereuen zugrunde liegen, sind klare Highlights des Albums, die durchaus Ohrwurmcharakter besitzen.

3f7c802d8c8765a8301b1528b2354ec66d21f83cVielmehr macht „Painting Of A Panic Attack“ wohl das überaus großartig geratene vorherige Album zu schaffen, bei dem – zumindest für mich – so ziemlich jedes Stück ein Treffer mitten in mein kleines, ohnehin bereits vor allem schottischen Indie-Bands zugetanes Hörerherz war. Das will dem neuen Werk, welches vor allem von Hutchisons mit „ambivalent“ wohl noch milde umschriebenen Haltung zu Los Angeles, wohin er nach der Veröffentlichung von „Pedestrian Verse“ gemeinsam mit seiner Freundin zog (Ein Schotte! In Los Angeles! Aus dem düsteren Glasgow in die Sonne! Warum? – Das kann ja kaum gut gehen!), handelt: Mürbheit, Entfremdung, Depressionen, Lustlosigkeit, Flucht in die liquide Betäubung, ein stetes Stechen, welches diebisch grinsend zwischen Herz, Hirn und Brust hin und her wandert – an einigen Stellen weist Hutchisons Gefühlschaos gar kafkaeske Züge auf. Die Stadt der Engel scheint kein gutes Heim für die schottische Seele zu sein…

Jaja, Frightened Rabbit sind auch 2016 nicht der zweitliebste Spotify-Klickposten der tumben, partyverliebten David-Guetta-Fanschar, ist schon klar. Dass Scott Hutchison und seine Jungs aber bei genauerem Hinhören nie ins allzu Depressive abrutschen und sich und uns immer noch einen klitzekleinen Silberstreif am Horizont anbieten, sollte man ihnen auch auf „Painting Of A Panic Attack“, das seinen Albumtitel, eine Zeile aus dem Opener „Death Dream„, völlig zurecht trägt, zugute halten.

Trotzdem will ich auch nach vielen Durchläufen nie so warm mit dem aktuellen Werk, welches gar von The-National-Mastermind Aaron Dessner produziert wurde, werden wie noch mit „Pedestrian Verse“. Irgendwie fühlt sich’s nur halb toll an, bisher. Irgendwie gehen mir zwar viele der neuen Songs tagelang nicht aus dem Kopf, jedoch nicht mehr so nah ans Herz. Aber eventuell liegt das ja gar nicht an „Painting Of A Panic Attack“ selbst. Vielleicht liegt’s ja an mir. Oder an dem richtigen Moment, an dem es normalerweise „Klick!“ macht und man Hals über Kopf drin ist in diesem Album, und den es bislang noch nicht gegeben hat. Vielleicht liegt’s auch an Aaron Dessners Produktion, welche – gerade im Vergleich mit dem direkten Vorgänger – weniger kantig und zerbrechlich, dafür eine Spur glatter, kompakter und (zu Teilen) epischer ausgefallen ist – kein klares Manko, jedoch gewöhnungsbedürftig. Wasimmer es auch ist, alles in allem ist das noch immer Jammern auf ganz hohem Niveau.

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„Fall prey to the blizzard head
Wrapped my hand around the glass again
We all thought that I might change as I got older
Fell down and nothing bled
Wrapped in cotton alcohol again
To the hill hear from the prick upon my shoulder
Free pour the fruitless thoughts
It’s far too late to talk so much but
Still not giving up though
I wish that I was sober

Forgive me I can’t speak straight
Forgive me I can’t
Forgive me it’s far too late

Choke down the gateway drug
Opened the gates, in came the flood, it comes
Like a blush of love, it hits me without warning
Long nights of getting lost
Iwalk beneath the bridge I don’t know
I need black suit for tomorrow, I’m in mourning

My love you should know
The best of me left hours ago so
Shove it right into my mouth and let me smolder
Fallout and the damage done
I can’t un-sing the things I’ve sung
Still not giving up though
I wish that i was sober

Forgive me I can’t speak straight
Forgive me I can’t
Forgive me it’s far too late

Oh come and shake me till I’m dry
Oh I wish that I was sober
Oh come to me and kill the night off
I wish that I was sober…“

 

Auch toll: die bereits erwähnten Songs „Get Out“ und „Woke Up Hurting“ in Bild und Ton:

 

Rock and Roll.

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