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Song des Tages: Craig Alan Hughes – „Nature Boy“


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Ach, das Internet mit seinen Youtubes und Bandcamps und Soundclouds ist so voller noch unentdeckter Talente, das glaubste gar nicht! Und dann… Und dann stößt man plötzlich auf verschlungenen Wegen auf ein neues. Craig Alan Hughes etwa.

Auf selbigen bin ich in einer Elliott Smith-Gruppe bei Facebook aufmerksam geworden, wo ein Mitglied unlängst (s)eine bereits ein paar Jährchen alte Coverversion des Smith-Songs „St. Ides Heaven“ teilte. Und man höre: Covern kann der junge Singer/Songwriter aus dem schottischen Edinburgh, der seine Einflüsse via Facebook grob mit „Mathieu Boogaerts, Elliott Smith, Sufjan Stevens, Divine Comedy, Simon and Gar-slamdunkda-funkel“ umreißt, in der Tat recht formidabel – und dann nicht nur Songs von Songwriter-Heroen wie Elliott Smith, Sufjan Stevens oder Jeff Buckley, sondern auch etwas unwahrscheinlichere Gassenhauer von Weezer oder Van Halen. Besonders magisch gerät etwa seine Variante des sage und schreibe auch bereits siebzig (!) Jahre jungen Nat King Cole-Klassikers „Nature Boy“ (bei manch einem wird vor allem David Bowies Version vom Soundtrack des 2001 erschienenen Baz Luhrmann-Films „Moulin Rouge“ ein paar Glöckchen zum Klingeln bringen).

Wer jedoch denkt, dass Craig Alan Hughes bei aller Coverei – die bekommen zugegebenermaßen ja viele recht passabel hin – nichts Eigenes zustande bringen würde, der irrt – und sollte schleunigst mal bei Bandcamp vorbei schauen, wo der Newcomer (aktuell knapp 550 Facebook-Likes) derzeit zwei EPs sowie ebenso viele Alben (das jüngste, „Afraga„, erschien 2016) – allesamt als „name your price“ – anbietet.

 

„Craig is a songwriter who lives next to a zoo in Edinburgh, Scotland. Sometimes he gets woken up when the lions roar, but all in all it’s a satisfactory arrangement. His music has been featured on BBC, XFM and has soundtracked television shows on MTV and Showtime…“

 

 

 

„There was a boy
A very strange, enchanted boy
They say he wandered very far
Very far, over land and sea
A little shy and sad of eye
But very wise was he

And then one day
One magic day he passed my way
While we spoke of many things
Fools and Kings
This he said to me:
‚The greatest thing you’ll ever learn
Is just to love and be loved in return…'“

 

Rock and Roll.

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Ein Comic zum 10. Geburtstag von Frightened Rabbits „The Winter Of Mixed Drinks“…


 

Zwar habe ich das zehnte – und damit erste runde – Veröffentlichungsjubiläum des dritten Frightened Rabbit-Studioalbums „The Winter Of Mixed Drinks“ um ein paar Tage verpasst (schließlich war das bereits am 1. März, und ist im Grunde auch wenig verwunderlich, schließlich rangiert das Werk trotz so einiger Favoriten wie „Swim Until You Can’t See Land“, „Living In Colour“ oder „Nothing Like You“ nicht unbedingt unter meinen Top-3), glücklicherweise haben jedoch andere Termine wie ebenjenen deutlich besser auf ihrem Schirm als ich. Etwa „Marge Makes Comics„, eine tolle, mehr oder minder regelmäßig auf „arts at michigan“ erscheinende Comic-Strip-Reihe, die dem vor knapp zwei Jahren (zu früh!) verstorbenen Scott Hutchison und seinen Indierock-Schotten und benanntem Album mit einer wunderbar illustrierten Comic-Geschichte die Ehre erweist… Me likes!

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Gerry Cinnamon – „Head In The Clouds“


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Wer zur Hölle ist bitte Gerry Cinnamon? Das neuste englische Fussballtalent aus den Nachwuchsschmieden von Liverpool, Arsenal oder Manchester United etwa? Einer von vielen Travestiekünstlern aus dem – zumindest unter normalen Umständen – stets gut besuchten bunten Nachtleben der Hamburger Reeperbahn? Nee? Ein Musiker von den britischen Inseln? Ach, da schau her! Und bei genauerem Hinhören ist’s schon erstaunlich, dass ausgerechnet er – der zugegebenermaßen recht dämliche Künstlername mal außen vor – bislang keine Erwähnung beim deutschen „Rolling Stone“ fand…

41oupB9kIjL._SS500Im heimischen UK hat sich Gerry Cinnamon nämlich längst einen Namen über sämtliche Geheimtipp-Stati hinaus gemacht. Das Bemerkenswerte dabei: Der Singer/Songwriter, der 1984 als Gerard Crosbie holterdiepolter in diese Welt fiel und im Glasgower Arbeiterdistrikt Castlemilk aufwuchs, erspielte sich diesen Erfolg in den vergangenen sechs Jahren ganz ohne groß angelegte PR-Maschinerie, sondern im Wechselspiel von Oldschooligkeit und Zeitgeisthöhe vielmehr mit Hilfe von Schwarnbegeisterung und Sozialer Medien. Nachdem Crosbie ein paar Erfahrungen in lokalen Bands gesammelt hatte (eine davon hieß eben „The Cinnamons“, womit nun auch schnell das Mysterium seines Künstlernamens geklärt wäre), schnappte er sich seine Akustische und trat immer öfter als Solo-Künstler bei Open-Mic-Abenden in einer Bar in der Sauchiehall Street im Glasgower Zentrum auf. Seine „brutal ehrlichen“ Songs, die der Singer/Songwriter-Newcomer mit breitestem schottischen Akzent vortrug (daran hat sich auch bis heute erfreulicherweise herzlich wenig geändert) machten schnell als (ab)gefeierte außergewöhnliche Live-Shows die Runde, die Verbreitung dieser Neuigkeiten via Facebook und Co. als neue Mundpropaganda verlief also fast zwangsläufig. So waren alsbald auch seine Ein-Mann-Shows in Schottland, Irland und England binnen weniger Minuten ausverkauft und das anwesende Publikum zeigte sich auch abseits von Songs wie den Singles „Sometimes“ oder „Belter“ jederzeit textsicher, wie so einige Live-Aufnahmen im Netz beweisen. Keine Frage, dass sich Gerry Cinnamon begeistert ob der Entwicklung zeigte: „Es bedeutet, dass jeder Mensch, der zu meinen Konzerten kommt, aufgrund seiner Liebe zu meinen Songs kommt. Und genau das zeigt sich auch. Von dem Moment, wo die Türen aufgehen, fängt das gesamte Gebäude an zu wackeln. Es ist ein verrücktes Gefühl, wenn die Masse jedes einzelne Wort mitsingt. Selbst das schönste Chaos kann an dieses Gefühl nicht heran reichen.

Das 2017 in Eigenregie veröffentlichte und selbst produzierte Debütalbum „Erratic Cinematic“ erreichte kurz nach dessen digitaler Veröffentlichung die Spitze der iTunes-Charts, und nur ein Tölpel würde wohl nicht annehmen, dass das ein oder andere Majorlabel angesichts der Top-10- und Top-20-Erfolge in den schottischen, irischen und UK-Charts noch nicht bei ihm angeklopft haben dürfte. Trotzdem erscheint heute auch der Nachfolger „The Bonny“ auf dem eigenen Label – der Glasgower Songwriter bleibt sich also treu, und das nicht nur im Hinblick auf seine Vertriebswege. Den im UK redlich erarbeiteten Mini-Kultstatus sollte Gerry Cinnamons Zweitwerk einen weiteren Schub verleihen. Und definitiv neue Anhänger auch außerhalb des UK bescheren, schließlich führt der 35-Jährige in den zwölf neuen Songs den eingeschlagenen Weg konsequent weiter fort…

81wUmoLooAL._SL300_Gesang, semiakustische Gitarre, ein paar simple Drumparts und Harp – alles vom ersten Album Bekannte, und auf der Bühne solo hervorragend Funktionierende, findet man auch auf „The Bonny“ wieder. Es ging für Cinnamon auch wieder gut los: Die erste, bereits im vergangenen Oktober veröffentlichte Single „Sun Queen“ eroberte die Spitze der UK-Vinyl-Singles-Charts. Kaum verwunderlich, bietet der Song doch vier Minuten lang ebenjenem anschmiegsamen, dezent romantischen Indie-Songwriter-Pop, der die Emotionalität Cinnamons in geradezu geschmeidiger Form einfängt. Überhaupt dürften alle, denen schon die direkte, rohe Intensität von „Erratic Cinematic“ zusagte, auch mit „The Bonny“ schnell warm werden, denn obwohl manch ein Stück nun etwas voller und mutiger zu Werke geht, behält Gerard „Gerry Cinnamon“ Crosbie all seine Trademarks von der Akustischen bis zum Glaswegian Akzent bei und changiert noch immer gekonnt zwischen Billy Bragg (mit etwas weniger seligem Ernst) und Oasis (ohne die allzeit auf Krawall gebürstete Rowdy-meets-Gigantomanie-Attitüde der Gallagher-Brüder).

Und manchmal fühlt man sich auch an die guten Seiten der Hymnik der frühen Mumford & Sons erinnert, wie beispielsweise in „Dark Days“, das durch den überschwänglichen Harp-Einsatz auffällt. Gerry Cinnamon, der mit der aus Bands und Künstlern wie den Rolling Stones, Simon & Garfunkel, den Beatles oder Bob Dylan bestehenden Plattensammlung seiner Eltern geradezu „klassisch“ sozialisiert wurde und in den Neunzigern (wie viele andere auch) ein Fan der ersten Oasis-Alben war, ist, ganz ähnlich wie der unbeugsame englische Arbeiterklassen-Troubadour Billy Bragg, ein mit klaren Augen aufs Leben schauender, Geschichten erzählender Optimist, seine Texte sind oftmals vertonte Mutmacher, die sich anbieten,  einen durch dunkle Tage tragen: „If life is just a game / And luck is loser / Then I’m winning again / Dark days, these are dark days / But I heard that there’s an easier way“. Selbstverständlich beglückt einen der Schotte auch auf „The Bonny“ mit zahlreichen kleinen Hymnen, die seine Fans auf den hoffentlich in absehbarer Zeit wieder stattfindenden Konzerten mitschmettern können. Bestens geeignet scheinen der Titelsong, „Outsiders“ oder „Roll The Credits“. Im bereits erwähnten „Sun Queen“ nimmt sich der Singer/Songwriter die Scheinheiligkeit der Musikindustrie vor, im zurückhaltend tollen „Head In The Clouds“ bringt er eigene Erfahrungen mit Schlaflosigkeit und ein wenig Love Story zusammen, und sozialkritische Anklänge gibt’s ohnehin einmal mehr zuhauf. Mit „Where We’re Going“ hat Gerry Cinnamon außerdem noch einen ungemein catchy Indie-Pop-Rock-Song im Köcher, der an die besten Tracks von DMA’s oder The Vaccines gemahnt. In Summe ist Gerry Cinnamon auch mit „The Bonny“ ein gradliniges und überzeugendes Werk gelungen, welches auf seine recht eigene Weise eine Schneise in all diesen Lärm das draußen schlägt, und von dem sicherlich auch bald im deutschen „Rolling Stone“ und Co. zu lesen sein sollte…

 

 

Rock and Roll.

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Gemeinsam shoegazen – The Twilight Sad verschenken einen Konzertmitschnitt


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Dass sich die schottischen Showgaze-Post-Rocker von The Twilight Sad ab und an recht freigiebig zeigen, dürfte bekannt sein. Und für all jene, die die Glaswegians um Düsterstimmen-Frontmann James Graham noch nicht in Spendierhosen erlebt haben, hat die Band einen weiteren Nachweis in petto: In Zeiten von COVID-19-bedingten Ausgangssperren und dem einmal mehr verlängerten Verbot von Großveranstaltungen, dem nahezu weltweit nicht nur alle für die kommenden Monate geplanten Konzerte, sondern dieser Tage auch der komplette Festival-Sommer zum Opfer fiel, verschenken The Twilight Sad via Bandcamp und „name your price“ mit „IT WON​/​T BE LIKE THIS ALL THE TIME LIVE“ einen 18 Songs starken, gut eineinhalbstündigen Konzertmitschnitt, welcher so einige Highlights durch alle fünf Alben (zuletzt erschien im vergangenen Jahr „It Won/t Be Like This All the Time„) und die nun auch schon wieder 17-jährige Bandhistorie:

„On what was originally to be the date of the first of two nights at Glasgow’s Barrowland Ballroom, The Twilight Sad release ‚It Won/t Be Like This All the Time Live‘: a momentous collection of live recordings captured across the band’s 2019 tours, one of the busiest years to date for a group well used to the live circuit.“

 

Via Facebook geben James Graham, Andy MacFarlane und Co. der großzügigen Überraschungsveröffentlichung folgende Zeilen mit auf den Weg:

„We have been talking about recording a live album for a long time. We think this is the best we’ve been playing as a live band and wanted to document that. With 5 albums of material we felt now was the time.

Over the past few months we were figuring out how to release the album and then covid-19/lockdown/gig cancellations happened. We decided that we would release the album digitally on a pay-what you want basis. The reason behind this is that we know that financially it is a worrying time for a lot of people and for ourselves included. We wanted to make sure we could give everyone who likes our band one of our gigs live in their living room as we can’t be out in the world playing gigs right now. We wanted to make sure that anyone who wants the album can afford it as well.

Tomorrow night we were supposed to be playing our 2nd night at the famous Glasgow Barrowland Ballroom. We invite everyone to take part in our twitter listening party for the live album hosted by Tim Burgess #timstwitterlisteningparty at 10PM BST. Lets pretend we’re all at the gig together. All 5 of us will be taking part and sharing memories from past gigs, sharing thoughts on playing live and many other things.

I hope everyone is doing ok. I hope this helps.

The title of our last album “It Won/t Be Like This All The Time” has been living with me for the past 3/4 years and right now that sentiment feels stronger than ever. We’ll get through this together.

Sending our love to you and all the health services around the world.

James, Andy, Johnny, Brendan & Seb

The Twilight Sad“

 

Den nicht näher datierten Konzertmitschnitt gibt’s hier als Stream und Download:

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Steve Adey – „Do Me A Kindness“


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Richtig gute Coveralben aufzunehmen – diese Idee kann nur allzu leicht nach hinten losgehen, denn sie bietet gleich an zwei Fronten Fallstricke: hält man sich zu nah ans jeweilige Original, so unterstellen einem viele eifrige, zum Gähnen neigende Kritiker mangelnde Kreativität und ein dezentes Defizit an Mut, verfremdet man die Ursprungsversionen jedoch zu sehr, will plötzlich jeder mehr von den „Ausgangstrademarks“ hören. Klare Sache, das: Nicht jedem kann’s so scheinbar leichtfüßig gelingen wie Johnny Cash und Produzentenguru Rick Rubin zu deren „American Recordings“-Zeiten. Man nehme etwa Steve Adeys Album „Do Me A Kindness„…

81l-Z68Oy4L._SX522_Der dritte, 2017 erschienene Langspieler des in Experimenten erprobten Singer/Songwriters aus dem schottischen Edinburgh besteht aus neun Coverversionen und der Adaption eines Gedichts von Hermann Hesse – wahrscheinlich per se schon nicht die Art von Dingen, die den musikalischen Appetit anregen und des Hörers Puls rasen lassen, oder? Bekanntlich sind Alben mit Coverversionen meist eine praktische Veröffentlichungsablenkung, wenn der jeweilige Künstler gerade an einer Schreibblockade leiden mag oder just die Rockstar-Reha verlassen hat (soweit zumindest die Klischees, welche ja auch irgendwoher stammen müssen). Das Ergebnis ist denn meist und im Allgemeinen ein verdammt janusköpfiger Haufen. Umso klüger ist es, sich dieser Art von kreativer Schnapsidee stets mit porzellaner Vorsicht zu nähern (oder es lieber gleich zu lassen).

Insofern mag man Steve Adey bereits von Vornherein hoch anrechnen, dass der gebürtig aus dem englischen Birmingham stammende Musiker bei diesem Album keineswegs die einfachsten Optionen gewählt hat. Keine der Melodien auf  „Do Me A Kindness“ stammt von einem offensichtlichen Karaoke-Bar-Liebling – stattdessen hört man hier Songs, deren Originale aus den Federn von unter anderem Bob Dylan, David Bowie, Morrissey, PJ Harvey, Low, Nick Cave, Portishead oder Smog stammen. Und: sie sind – das lässt sich schnell feststellen – wunderschön aufgenommen. Adeys frühere Karrierestopps als Toningenieur haben sich hier sicherlich als äußerst nützlich erwiesen, als er die (im Gros alle von ihm selbst gespielten) Instrumente und – vor allem – die Stimmen passenderweise in einer Edinburgher Kirche aus dem 19. Jahrhundert aufnahm – eine hervorragende, weise temperierte Kombination aus Klarheit und natürlich klingendem Hall. Deshalb der explizite Tipp: Holt eure besten Kopfhörer dafür raus, Kinners! Aber wenn wir die Produktionslorbeeren hinter uns gelassen haben, was bleibt uns dann noch? Mit drei Worten schon vorweg: eine Menge Trostlosigkeit.

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Denn „Do Me A Kindness“ ist ziemlich harter Gemütstobak. Manch einer mag sogar so weit gehen, Nick Drakes herb-melancholisches „Pink Moon“ dagegen als eine Best-Of-Sammlung der Beach Boys zu bezeichnen. Nach 46 Minuten sich langsam bewegenden Wellen ängstlichen Atemanhaltens (wenn auch wunderschön aufgenommenen Wellen ängstlichen Atemanhaltens…) mag es manch einem Lauschmuschelträger vielleicht schwerfallen, vom heimischen Sofa aufzustehen. So wird etwa Morrisseys „Every Day is Like Sunday„, das schon zu Zeiten seiner Erstveröffentlichung 1988 auf „Viva Hate“ nicht gerade ein fröhlicher Tobsuchtsanfall war, mit dem unerbittlichen Ticken einer Drum-Machine, die stur ihren minimalen Takt beibehält, auf ein einem Begräbnis würdiges Tempo verlangsamt. Adey spielt das Stück des skandalträchtigen Ex-Smiths-Frontmanns ohne große ideenreiche Schnörkel (wohl aber mit gesanglicher Unterstützung von Helena MacGlip), was auch bedeutet, dass der sinistre Humor des Originals hier fehlt und seine Version zu einer Art Doomy Pastiche verkommt. Mary Margaret O’Haras „To Cry About“ gerät da schon etwas gelungener, und die lyrische Düsterheit ergänzt sich wunderbar mit Adeys Arrangement. Nick Caves „God Is In The House“ (vom 2001er Album-Meilenstein „No More Shall We Part“) wiederum fehlt es erneut am sarkastischen Biss des Originals, und Adeys minimale Herangehensweise bewirkt, dass so manche hörerische Aufmerksamkeit spätestens in der Mitte des Stückes vorschnell abwandert. Fast schon flott und fröhlich kommt da die Variante des Dylan-Evergreens „I Want You“ daher – nur gut also, dass einen Portisheads „Over“ oder Lows „Murderer“ – in ihren Ursprungsversionen ohnehin schon deftig-großartige Trauerklöße par excellence – schnell wieder ins Graudunkel des schottischen Kirchenschiffs zurück ziehen. Erst „How Heavy The Days“ mit seinem bei Hermann Hesse entliehenen Text gelingt es kurz vor Schluss so richtig, die elegische Musik mit dem düsteren Tonfall der Worte gut zu verbinden. Stampfende Perkussion, seltsam zwitschernde Klaviaturen und verschlungene, umgekehrte Klänge werden zu einem einnehmenden Ganzen vermengt. Aus den fleißig angeschlagenen Akkorden, die Adeys eindringliche Baritonstimme begleiten, entsteht eine komplexe Klanglandschaft – so hätte gern das komplette Album klingen dürfen. Es ist ein sehr beeindruckendes Stück.

Es fällt schwer, „Do Me A Kindness“ vorschnell als lediglich halbwegs gelungen abzutun, da offensichtlich so viel Liebe und Herzblut in diesem Album steckt. Wenn es gut ist, ist es ziemlich unvergleichlich, aber wenn es nachlässt… nun, ihr wisst schon. Steve Adey hat einige seiner potentiell liebsten Songs (mehr zur Auswahl erfährt man hier) genommen und sich nicht gescheut, jedem Stück ein paar neue Charaktermerkmale zu verleihen. Herausgekommen sind keine blass nachgespielten Faksimiles der Originale, es sind praktisch (beinahe) neue Songs. Aber anhand von so wenig Dynamik oder tonalen Veränderungen über den Langspieler hinweg verschwimmen die meisten Stücke ineinander – was jammerschade ist, denn während der grummelgrauen Dreiviertelstunde gibt es so einige großartige Sachen zu entdecken. Freilich würde niemand auf die Idee kommen, Adey vorzuschlagen, dass sein nächstes Album bitteschön eine Sammlung bayrischer „Uffta! Uffta!“-Polkamelodien enthalten sollte, um denn doch für ein klein wenig mehr gelöste Stimmung zu sorgen, aber der bloße Gedanke daran, ein wenig mehr Licht, Luft und Abwechslung Einzug in seine Musik halten zu lassen, würde Steve Adey sicherlich eine breitere Palette an Emotionalität und Musikalität zur Verfügung stellen. Schließlich würde einem auch jeder bildende Künstler den Tipp geben, dass die Gegenüberstellung von Licht und Schatten die Dunkelheit dunkler und die Lichter heller macht. Ganz sicher: Steve Adey trägt definitiv noch das ein oder andere großartige Album in sich, aber „Do Me A Kindness“ ist – zumindest in Gänze – keines. Das nächste dann? Warten wir’s ab.

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Paolo Nutini – „Iron Sky“


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Manchmal wundere ich mich schon ein klein wenig über mich selbst. Da versuche ich tagein, tagaus möglichst viel Musik aus allen Genres und Bereichen zu hören und wie ein Ton gewordener Schwamm in mich aufzusaugen – und trotzdem geht auch mir – ja, ja – manch wahrlich großartiger Song durch die musikalischen Lappen. So geschehen etwa bei Paolo Nutinis „Iron Sky“.

Denn obwohl ich den schottischer Sänger und Singer/Songwriter italienischer Herkunft anno 2006, zu Zeiten seines Debüts „These Streets„, als er mit fluffig-gefälligen Pop-Nummern wie „Jenny Don’t Be Hasty„, „New Shoes“ oder „Last Request“ auf sich aufmerksam machen konnte, durchaus kurzzeitig auf dem Schirm hatte, ebbte das Interesse spätestens mit dem drei Jahre darauf erschienenen mediokren Album „Sunny Side Up“ (man höre etwa beispielhaft das recht egale „Candy„) merklich ab, einfach weil das Gros der Songs mit Einflüssen aus Indierock, Soul, Pop, Jazz, Ska und Folk zwar ordentlich in die Gehörgänge rutschte, jedoch auch schneller, als man „radiotauglich“ pfeifen konnte, wieder hinaus war. File under: gähn.

71o66HBqbgL._SS500_Folglich entging mir – bisher – das in Gänze durchaus überzeugende 2014er Drittwerk „Caustic Love„. Auf dem verlagert der mittlerweile 33-jährige Musiker aus dem schottischen Paisley, Sohn eines Fish’n’Chips-Buden-Besitzers, der sich einst weigerte, den Braterladen seines Vaters zu übernehmen, viel lieber sein Heil im Käfig Musikgeschäft suchte und dort schnell von niemand Geringerem als Ahmet Ertegün, dem legendären, amerikanisch-türkischen Musikmogul, der das Label Atlantic gründete, welches mit Künstlern wie Ray Charles und den Drifters, später gar Led Zeppelin reüssierte, entdeckt wurde, sein klangliches Spektrum von zwar überzeugendem, am Ende doch recht zahnlosem Radio-Pop auf durchaus zeitlose Soul-Nummern. Auf Songs wie „Let Me Down Easy„, das im 1965er Original von Bettye LaVette stammt. Das Bewundernswerte mag kaum sein, dass ein schottischer Wuschelkopf Anfang Dreißig mit den Stücken der US-Blues’n’Gospel’n’Soul-Grand Dame etwas anzufangen weiß, sondern vielmehr, dass Nutini stimmlich mitzuhalten versteht. Denn obwohl der Mann mit einer unverkennbaren Stimme gesegnet ist, die nach zwanzig langen, nachtschwarzen Jahren Whisky- und Zigarettenkonsum klingt, die in ihrer Gewalt an Größen wie Sting, Janis Joplin, Joe Cocker, Robert Plant oder Amy Winehouse erinnert, verleiht die Konzentration aufs Soulige, Funkige, auf Gospel, Rhythm’n’Blues seiner eigenen Musik deutlich mehr Authentizität, Groove und Kante. Coachella war gestern. Das hier? Ist mit all seiner tief empfunden Liebe und seinem Glauben an die Macht der Musik deutlich näher an Woodstock ’69.

https---images.genius.com-9f9dd2a27995e7d1b4dfdb047f1f6391.1000x1000x1Ein nahezu perfektes Beispiel hierfür ist „Iron Sky“, ohne jeglichen Zweifel die Über-Nummer auf „Caustic Love“. Eine verausgabende Hommage, die mit Soul, Kraft und explosiven Streichern scheinbar nicht zu (s)toppen ist. Die ruhigen Anfangstöne könnten dabei noch von den britischen Proto-Hippie-Rockern Procol Harum stammen, doch dann gewinnt der Song emotional und vokal an Intensität und reicht obendrein sogar noch ein wahres Orchesterfeuerwerk nach. Und wäre all das noch nicht Tränenkitzler genug, wird dazu eine berühmte Rede eingespielt, die von Freiheit und dem schönen Leben erzählt – und zur Abwechslung eben nicht vom oft genug bemühten Martin Luther King stammt. Es ist die herrlichste Gutmensch-Rede aller Zeiten, die Charlie Chaplin alias der jüdische Friseur in seinem Film „Der große Diktator“ von 1940 offenbart (ebenjene fand auf ANEWFRIEND bereits Erwähnung). Mit den Worten „…you the people have the power to make this life free and beautiful. To make this life a wonderful adventure. Let us use that power. Let us all unite“ trägt Paolo Nutini die satte Stimmung von „Iron Sky“ weiter und hinterfragt später im Songtext die Grenzen von Freiheit im Hier und Jetzt. Ein dramatischer und rundum perfekter Song, der alles kann. Der mehr zu sagen hat als ein ganzer verdammter Tag im Formatradio mit seinem ach so „Besten aus den Achtziger, Neunzigern und von heute“.

Und gerade dieser Song wäre mir beinahe durch die Lappen gegangen…

 

„Eine Stimme wie die von Paolo Nutini gibt es nur selten innerhalb einer Generation.“ (New York Daily News)

„Paolo Nutini ist ein Retromaniac, hoffnungslos gefangen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Idolatrie und eigenem Anspruch. In dieser Zwischenwelt aber singt er wie ein junger Gott.“ (Rolling Stone, April 2014)

 

Das dazugehörige Kurzfilm-Musikvideo liefert obendrein noch einige visuelle Botschaften zu Musik und Text…

 

…während die „Abbey Road Live Session“ von „Iron Sky“ den Song noch einmal im Live-Gewand glänzen lässt. Sängerin Adele soll, nachdem sie zufällig zur gleichen Zeit in den Londoner Abbey Road Studios zugegen war und somit Zeugin von Paolo Nutinis Einspielung wurde, übrigens Folgendes getwittert haben: „Fuck!!! This is one of the best things I’ve ever seen in my life . . .“ – auch eine Art popkultureller Ritterschlag…

 

„We are proud individuals
Living for the city
But the flames
Couldn’t go much higher

We find Gods and religions
To paint us with salvation
But no one, no nobody
Can give you, the power

To rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom

Oh, that’s life
That’s dripping down the walls
Of a dream that cannot breathe
In this harsh reality
Mass confusion spoon fed to the blind
Serves now to define our cold society

From which we’ll rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom

You’ve just got to hold on
You’ve just got to hold on

‚To those who can hear me, I say, do not despair. The misery that is now upon us is but the passing of greed. The bitterness of men who fear the way of human progress. The hate of men will pass, and dictators die, and the power they took from the people will return to the people and so long as men die, liberty will never perish. Don’t give yourselves to these unnatural men – machine men with machine minds and machine hearts! You are not machines! You are not cattle! You are men! You, the people, have the power to make this life. Free and beautiful. To make this life a wonderful adventure. Let us use that power – let us all unite!‘

And we’ll rise
Over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom
Into freedom

From which we’ll rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into
Freedom, freedom
From which we’ll rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom
Freedom, freedom

Oh, rain on me
Rain on me“

 

Rock and Roll.

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