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„Im Rausch des Terrors“ – Wie Möchtegern-Meinungsmacher mit Tragödien umgehen


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Eine ebenso interessante wie berechtigte Frage: Was passiert eigentlich in Deutschlands Parteibüros, wenn *hust* „der Terror die Nation erschüttert“?

Die Stunde der Rechtspopulisten schlägt stets nach Terroranschlägen und so fällt es – mit massig Sarkasmus im Gepäck – kaum schwer zu vermuten, dass nach jedem Anschlag bei ganz bestimmten Parteien die Korken knallen. Hat man früher noch brav Ermittlungsergebnisse abgewartet, werden heutzutage via Twitter und Co. bereits Sekunden nach der Tat naseweise Ermittlungsergebnisse vorgeschlagen. Die einen mögen all das „Leichenfledderei“ nennen, die andern „Instinkt-Politik“. Am Ende ist beides verdammter Bullshit, an den man sich wohl ebenso gewöhnen muss wie das weise Zwischen-den-Zeilen-lesen.

Zu gerne wüsste man daher, was in den Partei-Büros von AfD und Konsorten direkt nach einem Anschlag los ist. Die satirisch veranlagten Damen und Herren des „Bohemian Browser Balletts“ haben da so eine Vermutung (mit überraschendem Ausgang)…

 

 

Rock and Roll.

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Massenvertreibungswaffen…


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oder, anders:

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(beide Bilder: gefunden bei Facebook)

 

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„Eier aus Stahl“ – Jan Böhmermann nimmt sich die deutsche Musikindustrie vor


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Mittlerweile darf man schon fast seine Uhr danach stellen, dass Jan Böhmermann und sein „NEO Magazin Royale“-Team Woche um Woche für ein kleines Skandälchen sorgen. Mal müssen die Altbier-Punks der Toten Hosen dran glauben, mal die „Schwiegertochter“-Kuppel-Schmalzbirne Vera Int Veen, mal der von nicht eben kleinen Teilen des eigenen Volkes bejubelte türkische Irre vom Bosporus (ganz nebenbei: Liebe Türken, das hatten wir hier in Deutschland auch schon mal – ist nicht gerade gut ausgegangen…), mal das weibliche Selbstverständnis, mal der auch so integre Sänger-Schauspieler-und-jetzt-auchYouTube-Manager Tom Beck, jüngst auch – in gewohnt großartiger Manier – der Bundesvorsitzende der deutschen Polizistengewerkschaft, Rainer Wendt. Was der „blasse dünne Junge“ und seine Crew anpacken, wird meist zu einem ebenso bissigen wie unterhaltsamen Rundumschlag gegen die, die’s verdient haben – und regt darüber hinaus zum Nachdenken an.

In dieser Woche und Ausgabe des „NEO Magazin Royale“ nimmt sich Böhmermann ganze 22 Minuten, um in „Eier aus Stahl: Max Giesinger und die deutsche Industriemusik“ mit der – jawollja! – deutschen Musikindustrie am Beispiel von Max Giesinger (der Name selbst war mir vorher kein Begriff, ich höre jedoch auch kein Radio), dem Echo und vielen anderen abzurechnen und aufzuklären:

„Uff. Der ECHO – der wichtigste Preis der sehr guten deutschen Musikindustrie – wird leider auch in diesem Jahr wieder verliehen. Wie zu erwarten, regen sich alle auf: FREI.WILD sitzen in der ECHO-Jury, die Onkelz sind sogar nominiert – es ist alles noch mehr Nazi, noch rechter, noch schlimmer als in den Jahren zuvor. Dabei sind die deutschnationalen Norditaliener von FREI.WILD und die Geh-Deinen-Weg-auch-wenn-er-falsch-ist-und-alle-Dich-scheiße-finden-Rock-Onkelz zwar das offensichtlichste, nicht aber das eigentliche Problem des ECHO und der deutschen Musikindustrie. 

Wir müssen reden – über Menschen, Leben, Tanzen, Welt, über ‚einen von 80 Millionen‘ sowie seine Kunst und das große Missverständnis in der deutschen Popmusik.“

Am Ende des Clips zeigen Böhmermann und sein Team noch, wie sie einen Songtext von Schimpansen, die Tweets der YouTuber BiBi und Sami Slimani, aber auch Werbeslogans aneinanderreihen, „schreiben“ lassen und zu einem nahezu perfekten Popsong verarbeiten, welcher im Formatradio zwischen all den Tim Bendzkos, Philipp Poisels, Silbermonds und Helene Fischers (sowas wird doch da gespielt, oder?) gar nicht auffallen würde. Das Musikvideo des fertigen Songs „Menschen Leben Tanzen Welt“ von *hust* Jim Pandzko feat. Jan Böhmermann findet Ihr weiter unten. Herrlich. Nimm das, Matthias Schweigerhöfer! Fick dich, selbstverliebte Echo-Jury!

 

 

 

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Fake dir ’nen Trump…


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Mein gleichsam sinnfreistes aber auch lustigstes digitales Spielzeug der Woche findet sich auf faketrumptweet.com, wo man sich aktuell seinen ganz persönlichen Diss vom designierten 45. Präsidenten der US of A kreieren und abholen kann. Zwar kurzweilig, macht jedoch Spaß.

Da fragt man sich doch: War am Ende nicht sogar alles ein perfides Täuschungsmanöver von ein paar Bilderberger-Reptiloiden, die uns davon abhalten wollten, den Rand der Welt zu entdecken? Kann doch niemand wollen, dass ein auf so hohem Niveau gescheiterter, formvollendet ungehobelter Komplettversager wie Donald John Trump künftig vom Oval Office des Weißen Hauses aus wichtige Entscheidungen treffen darf, oder? Wessen Plan war dieser Realsatire-Feldversuch, welcher Puppenspieler zieht hier die Fäden? Verschwörung! Aluhut auf! Lügenkresse, Lügenkresse! Danke Merkel !!!1!!!

 

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Eine ungehörte Warnung – wie die „Simpsons“ vor 16 Jahren Trumps Wahlsieg vorhersahen


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Der Wahlsieg Donald Trumps war vorhersehbar. Glauben Sie nicht? Dann hätte man vor 16 Jahren einfach den „Simpsons“ Glauben schenken sollen, denn bei denen hatte man dieses auf den ersten Blick für unwahrscheinlich befundene historische Ereignis schon viel früher auf unglaublich exakte Weise vorhergesagt…

„Das gab’s schon bei den Simpsons!“ lautet der Titel einer Folge von „South Park“. Damit spielte die rüde Animationsserie darauf an, dass der seit 1989 laufende Zeichentrickdauerbrenner aus der Feder von Matt Groening nicht nur das eigene Genre maßgeblich geprägt, sondern mit geradezu unheimlichem Spürsinn gesellschaftliche, kulturelle und technologische Entwicklungen vorweggenommen hat.

Nun gibt es einen weiteren (traurigen) Fall, in dem die „Simpsons“ die Zukunft vorausgesagt haben. In der Episode „Barts Blick in die Zukunft“ (Bart to the future) aus der 11. Staffel – im März 2000 im US-Fernsehen ausgestrahlt – wird die Zukunft der Gelben im Jahr 2030 angedeutet. Natürlich erwartet Bart auch als Erwachsener ein Leben als ewiger Verlierer. Doch seine Schwester Lisa steigt zur Präsidentin der Vereinigten Staaten auf.

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Interessant ist aber, wen sie dabei beerbt – nämlich keinen Geringeren als den Republikaner Donald Trump. Der hatte, so die visionäre Story, das Land in eine tiefe Wirtschaftskrise geführt und Lisa muss nun die USA mit großem Geschick vor dem Ruin bewahren. Dan Greaney, der Autor der geradezu hellsichtigen Folge, teilte dem „Hollywood Reporter“ vor einigen Monaten in einem Interview mit, dass dies eine „Warnung an Amerika“ gewesen sei. Für ihn passte dies damals schon zu der Prognose, dass Amerika langsam verrückt würde: „It was a warning to America. That just seemed like the logical last stop before hitting bottom. It was pitched because it was consistent with the vision of America going insane.“

„Die Simpsons haben immer schon die Auswüchse der amerikanischen Kultur behandelt. Und Trump ist genau das“, ergänzte Greaney. Völlig abwegig war eine Präsidentschaft Trumps im Jahr 2000 übrigens nicht. Der Milliardär war 1999 in den Kampf um die Präsidentschaftskandidatur eingestiegen und wollte für die Reform Party antreten. Doch zum Zeitpunkt der Ausstrahlung ebenjener „Simpsons“-Episode hatte er seine Kampagne bereits beendet.

Nun wurde Donald Trump, trotz vieler Wahlumfragen, welche die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton beinahe den gesamten Wahlkampfzeitraum über vorn sahen, tatsächlich zum 45. Präsidenten der USA gewählt. Die größte Satiresendung in der Geschichte des US-amerikanischen Fernsehens wurde also (einmal mehr) von der Realität überholt. Es wollte ja anscheinend niemand auf Matt Groening und Co. hören…

Übrigens: Auch die dreiteilige Sci-Fi-Filmreihe „Zurück in die Zukunft“ bewies im zweiten Teil, welcher 1989 in den Kinos startete, Einiges an prophetischem Gespür, denn Bösewicht Biff Tannen nahm den heutigen Donald Trump – quasi der welterste Horrorclown im Oval Office – gut vorweg.

 

 

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„BE DEUTSCH!“ – Jan Böhmermann hat’s erneut getan…


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Jan Böhmermann, wöchentlicher Talker des „Neo Magazin Royale“ auf zdf_neo und – nebst der „Anstalt“ – die aktuell unbestritten wichtigste Satireinstanz im deutschen Fernsehen, hat es erneut getan: nachdem er (wohl nicht nur) mir vor etwa einer Woche in der letzten Sendung des „Neo Magazin Royale“ mit vielen wahren Worten zur derzeitigen Situation in Europa quasi aus dem Herzen gesprochen hat, haben „Böhmi“ und sein Team nun erneut ein aufwändig produziertes Video veröffentlicht, das für viel Wirbel sorgen dürfte (und es bereits tut). Der Titel: „BE DEUTSCH! [Achtung! Germans on the rise!]“ Thema diesmal: Was heißt es eigentlich, „deutsch“ zu sein? Böhmermanns Antwort an alle AfD-Verwirrten, alle PEGIDA-Pöbel, alle Clausnitz-Dummköpfe ist klar: Ihr seid nicht das Volk! Denn die AfD-Anhänger, die Fremdenfeinde – sie sollen nicht bestimmen, was es heißt, „deutsch“ zu sein.

boehmermann--1-Freilich spielt das Video während der viereinhalb Minuten mit so ziemlich allen deutschen Klischees, während Böhmermann dazu im teutonisch korrrrrrekten Rammstein-Stil sprechsingt – passt ja: die Band hat auch und vor allem im Ausland großen Erfolg und gilt dort als Inbegriff des *hust* Deutschen.

Zu Beginn des Videos sind die bekannten Szenen von Clausnitz nachgestellt: ein Flüchtlingsjunge sitzt im Bus, wütende Demonstranten schwingen Schilder, auf denen etwa „Wir sind das Volk“ und „Überfremdung ist Selbstmord“ zu lesen ist. Böhmermann singt: „Achtung, Germans on the rise, but this time we are fucking nice.“ Eine Hoffnung, eine Mahnung an den „Rest“ Deutschlands, an all jene, die (bislang) passiv zugesehen haben, wie einige Wenige auch ihren Ruf im Ausland durch den nationalistisch-fremdenfeindlichen Dreck gezogen haben. Danach nimmt sich Böhmermann AfD-Cheffin Frauke Petry und Co. vor: „Authoritarian nationalist dorks, you are not the people, your are the past“. Ehrlich gesagt ein frommer Wunsch angesichts der 24 allarmierenden Prozent in Sachsen-Anhalt kürzlich…

Das Video jedoch propagiert das „gute Deutschland“, die toleranten, die mitfühlenden Menschen, die aus der Nazi-Zeit und aus den Fehlern vergangener Generationen gelernt haben: „Guten Tag, the true Germans are here, we are Xenophobic’s biggest fear!“. Dazu werden groß Attribute wie „nett“, „liberal“, „mitfühlend“, „rücksichtsvoll“, „vernünftig“, „sozial“ oder „gemäßigt“ ins Feld geführt – alles Eigenschaften, die „wir Deutsche“ wohl kaum als erste Eigenschaften mit uns selbst verbinden würden… Oder?

Klar ist Böhmermanns neuste vertonte Gesellschaftskritik herrlich plakativ – so sehr, dass man sie völlig zu recht „dämlich“ finden kann (womit man sich aber am Ende wiederum selbst das Klischeeschild des „humorbefreiten Deutschen“ unterhalb des Haupthaares pappt). Freilich sollen auch diese viereinhalb Minuten unterhalten, amüsieren, denn auch das darf und soll Gesellschaftssatire tun. Natürlich kocht der 35-jährige Medien-Tausendsassa, von dem hier auf ANEWFRIEND bereits 2014 zu lesen war und der für den verdammt schlauen Schachzug des #Varoufake kürzlich mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, die Realität auf ein höchst leicht verdauliches Maß herunter, welches eben nicht ebenjener Realität einsprechen soll, sondern lediglich Hoffnungen schürt, dass sich der „gute“ Teil der deutschen Bevölkerung – jene stinklangweiligen Birkenstockträger, die Fahrradhelmarmee, die besorgten Eltern etc. pp. – ebenjenen „besorgten Bürgern“ entgegenstellt, die am Ende nur eines wollen: Hass schüren auf etwas, das sie nicht kennen. Nur in einem sind sich wohl sowohl Böhmermann als auch die Bumsbirnen auf der anderen, der hasserfüllten Seite einig: auf die Politik sollte man sich nicht unbedingt verlassen…

Wie auch immer man zu Jan Böhmermann und seiner neusten, „BE DEUTSCH!“ betitelten  Videoaktion stehen mag, tut er, tut sie doch vor allem eines: sie regt die Diskussionen über ein richtiges, ein wichtiges Thema an. Denn eines steht fest: wir alle sind dafür verantwortlich, zu verhindern, dass die Petrys, die LePens, die Wilders und Trumps dieser Welt wirklich etwas zu sagen haben. Böhmermann allein mag als moralische Instanz kaum dafür genügen. Aber er tut seinen Teil dafür, dass wir nicht vergessen…

 

 

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