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Zu kurz gekommen… – Teil 5


Pela – Anytown Graffiti (2007)

Den Ehrentitel der „zu kurz gekommenen Platte“ hat wohl kaum ein anderes Album mehr verdient als „Anytown Graffiti“ von Pela, wird es doch tragischerweise wohl auf ewig das einzige Album dieser großartigen Band bleiben…

Jedes Mal, wenn ich das 2007 erschiene Debütalbum der New Yorker Band um Sänger Billy McCarthy höre, ist es für mich in kleinster Weise nachvollziehbar, warum dieses Kleinod von vertontem Road Movie nie außerhalb der USA nur als Import zu bekommen war, und selbst in ihrem Heimatland recht mäßigen Anklang – gemessen an Verkaufszahlen – fand, während musikalisch vergleichbare Bands wie The Hold Steady, The Killers oder Arcade Fire ausverkaufte Konzerthäuser bespielten… Dabei hat das 40-minütige „Anytown Graffiti“ alles, was ein großes Album auszeichnet: mitreißende Hymnen, mal hemdsärmelig rockend, mal groß wie U2, welche sowohl im Wohnzimmer als auch im Stadion überzeugen könnten. Einen Sänger, der sein Herz auf der Zunge trägt und der sich – volle Inbrunst voraus! – direkt zur Seele des Hörers / der Hörerin aufmacht. Texte, in denen gelitten, geliebt, gelebt, geträumt und gehasst wird… Man kann in jedem der elf Songs Zeilen finden, die es wert wären, dass man sie sich auf die stolzgeschwellte Brust tätowieren ließe. Beispiele gefällig? „The days just roll by / And the songs write themselves / Like little bombs they just blow up / Friendly fire that shoots itself“ („Song Writes Itself“), „Call me if you want to break out / Call me if you can’t win / We can find some desert hideout / Your desert’s not a desert at all“ („Your Desert’s Not A Desert At All“), „It’s only love, only love / We did this before, it’s only love“ („Tenement Teeth“). Textlich nah bei Arcade Fire’s „The Suburbs“, geht es auch hier um die Jugend, ums Stürmen und Drängen, um Wendepunkte, um den Traum, alles stehen und liegen zu lassen und mit dem Mädchen (oder dem Jungen) seiner Träume ins Auto zu steigen und sich, zwei Stangen Zigaretten und eine Kiste Tequila im Gepäck, gen Sonnenuntergang zu verabschieden. – Musikalische Filmfetzen des feuchten Traums eines Cineasten vom Vorstadt-Amerika, wo nicht alles gut, aber alles möglich erscheint. Der Soundtrack hierzu klingt, als würden die frühen (!) Killers Springsteens „Born To Run“ oder „Darkness On The Edge Of Town“ in Gänze spielen. Der Soundtrack hierzu ist „Anytown Graffiti“ von Pela.

Leider löste sich die vierköpfige Band 2009 auf, noch bevor sie ein zweites Album veröffentlichen konnten und nach vielen unglücklichen Missgeschicken und Vorkommnissen (Rechtsstreitigkeiten mit ehemaligen Labels und Managern, Verletzungen von Bandmitgliedern).

Für alle, die danach sehnlichst auf ein Lebenszeichen der Ex-Pela-Musiker (am meisten wohl von Sänger Billy McCarthy) gewartet hatten, war es wohl ein bisschen wie Weihnachten und Ostern an einem Tag, als im Juni 2011 endlich „Rise Ye Sunken Ships“, das Debütalbum von We Are Augustines, McCarthys gemeinsamer Band mit Ex-Pela-Bassist Eric Sanderson, erschien. Musikalisch machen die beiden erfreulicherweise nun da weiter, wo sie mit Pela notgedrungen aufgehört hatten. Textlich ist „Rise Ye Sunken Ships“ stellenweise recht harter Tobak, verarbeitet Billy McCarthy in vielen der Songs doch die Schizophrenie von Mutter und Bruder sowie den Selbstmord eben jenes Bruders (etwa nachzuhören in „Book of James“) – was nicht bedeutet, dass dieses Album weniger dynamisch, hymnisch, gelungen oder empfehlenswert ist als „Anytown Graffiti“… Bleibt zu hoffen, dass We Are Augustines nun mehr Aufmerksamkeit und Glück zuteil wird als Pela – die Auszeichnung des Debüts als „iTunes Alternative Album Of The Year 2011“ ist schonmal ein gutes, wichtiges Zeichen… Nach all der Zeit, die die Jungs, sich den Arsch abspielend, nun schon auf den Durchbruch warten, haben sie’s sich redlich verdient. Ich drücke ihnen alle verfügbaren Daumen und werde, vor allem für „Anytown Graffiti“, auch weiterhin „Missionarsarbeit“ leisten… – Wenn schon die Musik allein nicht laut genug für sich tönt.

 

 

 

 

Rock and Roll.

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