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Song des Tages: Cable Ties – „Sandcastles“


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Foto: Lisa Businovski

Systemkritik kann – zumindest in weiten Teilen der (westlichen) Welt – gerade heutzutage auf die unterschiedlichsten Arten ausgelebt werden. Stichwort #MeToo, Stichwort „Fridays for Future„.  Im Musikalischen kann sie im Falle von populären Künstlerinnen wie Lizzo oder Janelle Monáe mit empowernden Tänzen den oftmals sexistischen, mit allerlei Machismen überladenen R’n’B revolutionieren, sie kann wie bei den britischen Post-Punkern IDLES lautstark auf den positiven Umgang miteinander pochen, sie kann aber auch stinksauer herausgebrüllt werden (nicht, dass das vor allem letztgenanntere ab und an nicht täten). Freilich, ein absolutes Novum ist all das kaum, da weiß der Musikkundige etwa die Punk-Urväter von Iggy Pop und seinen Stooges in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern oder die kantig den Sozialismus predigenden Crossover-Größen Rage Against The Machine (welche ihre jüngsten Reunions ganz janusköpfig vom schnöden Mammon abhängig machen) und deren jüngste Nachkommen Fever 333 oder Nova Twins aufzuzählen, kurz bevor der Monolog in den „klassischen Punk“ und dessen Riot-Grrrl-Abzweig weiterfährt. Dass sich bei systematischer Benachteiligung ganze Berge von Aggressionen auftürmen, zweifelt wohl niemand an. All diese Emotionen nun herauszulassen, wird aber erneut nur den ohnehin schon Priviligiertesten der Gesellschaft vergönnt sein – wer tagein, tagaus buckeln muss, hat weder Energie noch Muße fürs Kreative… Marginalisierte Gruppen sollten sich hingegen bestmöglich im Zaum halten, damit sie im Optimalfall irgendeine gottverdammte Quote erfüllen können. Cable Ties lassen sich davon erst gar nicht beirren und poltern voller Inbrunst gegen Patriarchat, Kolonialismus und sexuelle Gewalt an. Die größte Kraft des Trios aus dem australischen Melbourne liegt jedoch woanders: Wilde Aggression und tagmüde Depression laufen in den Songs von Jenny McKechnie (Gesang, Gitarre), Shauna Boyle (Schlagzeug) und Nick Brown (Bass) im Zickzack, nehmen selten den direkten Weg. Pop? Ginge irgendwie anders… Ein Statement, das man erst einmal abkönnen muss.

art-8997_cable-ties-far-enoughAber keine Angst vor zerdachter Musik: Die acht Songs von „Far Enough“, dem in dieser Woche erscheinenden zweiten Album der drei Aussie-Post-Punk-Rock’n’Roller, setzt durchaus auf prägnante, eindringliche Riffs, die unaufhaltsam vorantreiben. Auf der Suche nach Transzendenz durch hypnotische Wiederholung entwickelt das Album dabei eine unermüdliche Intensität. Die feurig-coole Hymne „Tell Them Where To Go“ erlangte bereits vor zwei Jahren Popularität, auch da sie in einer Episode der Netflix-Serie „13 Reasons Why“ zu hören war und vom Guardian daraufhin als „an irresistible call to arms“ beschrieben wurde.

Apropos „Ruf zu den Waffen“: Während des gesamten Albums wird rechtschaffener Zorn mit Verwirrung und Selbstzensur gespickt. Songs wie „Self-Made Man“, „Anger’s Not Enough“ oder der sich langsam entfaltende Opener „Hope“ untersuchen den Berührungspunkt zwischen Aktivismus und Fatalismus, Aufschwung und Aussichtslosigkeit, entscheiden sich jedoch letztlich für die Hoffnung. Dabei halten Cable Ties während der gesamten knappen Dreiviertelstunde die Waage zwischen Kampf und Spannungsbogen – gar nicht mal so selbstverständlich, wenn die Band dreiminütige Punk-Brenner zu glühend-hypnotischen Feminismus-Hymnen, die im Geiste der Buzzcocks nicht selten an der Sieben-Minuten-Marke kratzen (auf dem 2017er Debüt waren’s sogar ab und an neun Minuten), ausdehnt. Dabei mischen Cable Ties rhythmisch pulsierenden, knorrigen Post Punk der Güteklasse The Fall oder Wire mit tightem Garage Rock. Jenny McKechnie bündelt ihre Probleme in Songs, die nicht selten tief nachhallen und oft zurückgehaltenen Gefühlen eine Stimme geben. Shauna Boyle und Nick Brown liefern den Rhythmus, der im Primitivismus der Stooges verankert scheint und den Grundstein für McKechnies Gitarren-Feuerwerke und Gesangseinlagen legt. Durch ihre Musik verwandeln die drei Band-Buddies ihre Ängste in Schlachtrufe, welche – ganz ähnlich wie anno dazumal Riot-Grrrl-Genre-Heldinnen wie die Slits oder Le Tigre – auch schonmal die Hörmuscheln strapazieren dürfen. Gut also, dass das Trio im Zweifel noch so knackige Indie-Hits wie den Riot-Grrrl-meets-Post-Punk-Brecher “Sandcastles” oder das wummernde “Tell Them Where To Go” in petto hat.

Und zum eingangs angeschnittenen Thema „Systemkritik ausleben“: Die Band setzt sich folgerichtig seit ihrer Gründung im Jahr 2015 für eine integrative feministische und politische Sichtweise ein und nutzt, wie bereits erwähnt, ihre Songs, um geschlechtsspezifische Gewalt, Kolonialismus und sexuelle Übergriffe zu thematisieren. Die Bandmitglieder veranstalten Benefizshows, DIY-Festivals, riefen unlängst zum Spenden für die Bekämpfung der australischen Buschbrände auf und engagieren sich ehrenamtlich bei Girls Rock!, einer Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, weibliche, transsexuelle und non-binäre Jugendliche in der Musik zu stärken. 🤘

 

„Hope is a really important theme on the album. In the past, I thought I could change things. I thought I pointed out how messed up everything is, then people would see a clear path to fixing these problems. By the time I started writing this album, I had lost this hope. But it’s about the importance of getting hope back, even when you can see no logical reason to have it. Without hope, anger becomes despair or bitterness.“ (Jenny McKechnie)

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages #2: Dott – „Like A Girl“


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Im Mai 2018 sprach sich das irische Volk per Referendum für eine Legalisierung der Abtreibung aus – ein großartiger Schritt in die richtige Richtung, der wohl auch längst überfällig war. Nur wenige Wochen später, im Juni, veröffentlichten Dott ihr zweites Album „Heart Swell“. Was das eine mit dem anderen verbindet? Nun, wohl nicht ganz zufällig handelt ein Großteil der Stücke darauf von Selbstbestimmung, von Emanzipation und Toleranz…

a2789084416_16Auch musikalisch macht der Nachfolger zum 2013er Debütwerk „Swoon“ seinem Namen alle Ehre: Von Anfang bis Ende bringt er die Herzchen aller Garage-Pop-Freunde zum Hüpfen, zum Jubilieren. Von Brooklyn Vegan als „Indie-Rock der frühen Sechziger und frühen Neunzigerjahre“ beschrieben, durchweht das zwölf Songs starke Album der Band aus dem irischen Galway ein schillernder Hauch von Optimismus und Adrenalin.

Die herrlich fröhlich drauflos rockende Single „Bleached Blonde“ eröffnet die Platte, und ist gleich der (erste) perfekte Soundtrack für alle Riot Grrrls, die auf Sonne, Surfen und Imbrunst-Mitsing-Refrains stehen. Wer schon einmal versucht hat, auf einem Bügelbrett (wer das Video gesehen hat, der wird’s verstehen) oder in einem Surf-Camp surfen zu lernen, wird den von Sängerin und Gitarristin Anna besungenen K(r)ampf beim Wellenreiten verstehen.

Politischer Aktivismus und Garage-Pop prallen denn beim zweiten Song „Like A Girl“ ausgesprochen hymnisch aufeinander. Das Indie-Quartett veröffentlichte das Stück zwar bereits vor der Abstimmung in Irland zur Aufhebung des 8. Zusatzartikels am 25. Mai, aber mit dem Wissen, dass die Mehrheit der irischen Bevölkerung mit „Yes!“ stimmte, erklingt der Dreiminüter mit noch größerer Intensität. Der Song selbst kann mit einem Gastauftritt von Sadie Dupuis (Speedy Ortiz) an der Gitarre aufwarten, das dazugehörige Musikvideo beweist durch Auftritte von Mitgliedern von Galway Pro Choice, Galway Parents for Choice und Galway Roller Derby ordentlich Frauenpower.

a1505770910_16„Not Sorry“ liefert ausreichend carefree-Potential fernab aller Entschuldigungen und Ausreden, während die unruhig-flotten Basslinien und Gitarrenriffs von „Floating Arrows“ für allerhand zuckende Tanzschuhe und hüpfende Köpfe sorgen. „Swim“ malt musikalische Bilder des Sich-Verlierens am Meer, und Annas klarer Gesang strahlt so hell wie die warme Sonne, die sie hier besingt. Das titelgebende „Heart Swell“ ist eine wunderbare Ode an die Liebe, ein Klang gewordenes Kopfrauschen, das Hörerherzen mit Genugtuung zu erfüllen vermag. Besser noch: Das Stück fließt perfekt in das sanft tönende „Self-Help“ hinüber, das vor Sensibilität nur so schimmert. „I try to live my life without forgetting anyone“, singt Anna, und wenn sie weiterhin Lieder wie dieses schreibt, dürfte wenig Gefahr bestehen, dass Dott dieses Schicksal (des Vergessens) ereilt. „How Do I Feel?“ ist darauf ein weiterer freudiger Blumenstrauß voll schwungvoller Gitarren und feel-good lyrics, bevor der geneigte Hörer dazu angehalten wird, sich gegen jene „Doppelmoral“ zu stellen, der Frauen bei „You Don’t Have To“ (zu) oft ausgesetzt sind. Die Zeitrechnung der Unabhängigkeit wird auf „18“ ausgerufen, das fast schon mühelos in den vorletzten Song „Do Ya?“ übergeht. Das wunderschöne „Wedding Song„, in welchem es um gleichgeschlechtliche Ehen geht, schließt die Platte mit romantischen, versöhnlichen Tönen ab. Hoffnung schwingt ebenso das Pendel wie ein wenig Melancholie – vielleicht, weil auch Anna insgeheim daran zweifelt, dass dieses Thema aus den Diskussionen verschwinden und endlich zur Normalität wird? Denn fernab aller traditionellen Rollenmodelle, aller grauen Denkweisen und Erwartungen, sollte das Einzige, was wirklich zählt, wenn zwei Menschen erwägen, den Rest ihres Lebens miteinander zu verbringen, doch sein: die Liebe. Wussten schon John, Paul, George und Ringo.

Alles in allem ist Anna, Laura, Evan und Donal mit „Heart Swell“ ein gekonnt zwischen Garage-Pop, Pop-Punk, fuzzy Grunge oder Lo-Fi Dream-Pop wechselndes, durchaus melodienseliges Sonnenscheinchen-Album gelungen, auf dem US-Nineties-Alternative Rock á la Throwing Muses oder Veruca Salt ebenso anklingt wie Referenzen an Bands wie Bully, Broadcast oder The Breeders. Maritime Motive dienen als Inspirationsquelle, während Dott ihr Herz in diesen Songs über Schmerz, Stolz, Akzeptanz und die persönlichen Auswirkungen von politischen Entscheidungen freimütig auf der Zunge spazieren führen. Wer also noch auf der Suche nach einem Soundtrack für die diesjährigen Sommermonate ist, der sollte hier durchaus ein, zwei Öhrchen riskieren…

 

 

„Dumb shrug, sick grin
You’re born into this world as a boy or a thing
‚Calm down, joking.‘
Have you ever been asked why you’re not smiling?

Bet they thought they were really in luck
What they didn’t expect when push came to shove
No fuss, not afraid to play rough
Gotta ask yourself if you’re strong enough
Like a girl

Your choice, stay mean
Are you looking for a pass or a life less ordinary?
Make noise. Yaas kween.
No ifs, no buts, no guts, no glory

Bet they thought they were really in luck
What they didn’t expect when push came to shove
No fuss, not afraid to play rough
Gotta ask yourself if you’re strong enough
Like a girl

Does it seem so hysterical?
Running straight up walls
Doesn’t seem so impossible 
Hurl yourself at the world
Like a girl“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Cherry Glazerr – „Ohio“


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Foto: Promo / Pamela Littky

Die Zukunft klingt divers, die Zukunft klingt vielversprechend: In nahezu jedem Kindergarten wissen sie – Krabbelgruppe hin oder her – von toxischer Maskulinität. Schüler(innen) weltweit streiken, angetrieben von neuen jungen Ikonen wie Greta Thunberg, ebenso lautstark wie medienwirksam freitäglich für den Klimaschutz. Und die „Generation Z“ der Jahrgänge um 1995 geht so entspannt mit sexuellen Identitäten um, als hätte es nie ein Patriarchat gegeben. Passenderweise ist hier eine Künstlerin, die für diese kommende Zeit stehen könnte: Clementine Creevy, Frontfrau der aufstrebenden kalifornischen Rockband Cherry Glazerr.

Für das Magazin Vice, das seit Jahr und Tag ja ohnehin für unbequeme Aussagen bekannt sein dürfte, ist Creevy bereits eine neue‚ feministische Punkikone. Weder kommt sie deviant rüber wie die große Punk-Poesie-Godmother Patti Smith, noch hat sie eine gängige Normen verlachende Körperlichkeit wie Lagerfelds Plus-Size-Muse Beth Ditto oder eine permanent zwischen Sanftheit und Angriff pendelnde Präsenz wie Skunk Anansie-Frontfrau Skin. Clementine Creevy ist eher gemacht für Instagram, 22 Jahre jung, beinahe idealtypisch hübsch und auf marktkonforme Weise stark wie smart. Gerade daraus belegt sie ihre Gegenwart mit beißendem Spott: „Who should I fuck, daddy? Is it you?“, fragt sie etwa unumwunden im Song „Daddi“ auf dem im Februar erschienenen dritten Album „Stuffed & Ready“.

Cherry-Glazerr-ADW-410Man hört aus dem Text (und nicht nur aus diesem!) eine Wut über Verhältnisse, in denen gerade ihre Jugendlichkeit eine sexuelle Währung ist. Dazu tönt Musik, die kraftvoll und experimentell zugleich klingt, so wie der Sound der frühen Yeah Yeah Yeahs – jene New Yorker Garagepunk-Band, deren Sängerin Karen O seinerzeit, kurz nach der Jahrtausendwende ganz ähnlich wahrgenommen wurde. Wie Machtverhältnisse das Körperinnere durchziehen, ist auch Thema des Titelsongs „Stuffed & Ready“. Creevy erklärt dazu: „Die Texte meines Albums sind selbstreflexiv. Ich hatte das Bedürfnis, Songs zu komponieren, mit denen ich beschreibe was ich durchlebe.“

Das 2017er Vorgängeralbum war demgegenüber noch klassischer politisch – „politisch“ im Sinne von Pussy Riot, den Riot Grrrls von Bikini Kill und (feministisch geprägtem) Punk, schon im Titel ikonisch: „Apocalipstick“ mit seinen sich an Themenkomplexen wie Sexismus, Diskriminierung oder Intoleranz abhandelnden Kleinoden wurde – wohl nicht ganz auf Zufall gestellt – am Tag der Amtseinführung von US-Präsident Trump veröffentlicht. „Auf ,Apocalipstick‘ habe ich gesagt, was ich denke, auf ,Stuffed & Ready‘ zeige ich allen, wer ich bin.“ So präsentieren sich Cherry Glazerr diesmal, der wütenden Introspektiv-Innenschau fast widersprechend, eher als etwas andere großformatig produzierte, fokussierte Alternative-Rock-Band denn als wild-raudauige DIY-Garage-Explosion. Das lässt den Sound an manchen Stellen eventuell etwas beliebiger erscheinen, dafür gehen Songs wie „Wasted Nun“ (das ein stückweit an 2014er Glanzlicht „Nurse Ratched“ anschließt) oder die Eröffnungsnummer „Ohio“ deutlich besser ins Ohr. „Ich wollte Musik machen, die knallt. Die Songs verdienen das!“, wie die Gitarre spielende Frontfrau meint.

Musikalisch sind Cherry Glazerr also – fast logischerweise, und obwohl man in den gelungensten Momenten meint, einen Hauch der Pixies oder von Kurt Cobains unnachahmlicher Fuck-Off-Pop-Attitüde zu vernehmen – nur halb so weltbewegend und bemerkenswert wie die Person, die die Zügel in der Hand hält. Denn Cherry Glazerr ist nicht nur nach außen vor allem das Projekt von Clementine Creevy, sie ist auch tatsächlich die einzige Konstante der Band. Creevy gründete das Projekt 2013 im heimischen Los Angeles mit einigen Highschool-Buddies (nachdem sie bereits ein, zwei Jahre Erfahrungen in anderen Formationen gesammelt hatte), seitdem hat sie immer wieder neue Gefährt*innen gewinnen können. Zuletzt stieg Keyboarderin Sasami Ashworth aus der Gruppe aus, statt ihrer kam Bassist Devin O’Brien an Bord (und hat das Bandschiff mittlerweile wohl auch schon wieder verlassen).

„Für mich ist Cherry Glazerr eine Band, zu deren Essenz eine Vielzahl von Personalwechseln gehört. Ich lenke dieses musikalische Floß, auf das Künstler auf- und wieder abspringen, während die Musik weiter fließt.“

Und die Politik? Ist Clementine Creevys Generation so viel forcierter und auf produktive Art und Weise drängender als die alten Nihilist*innen der „Generation X“ und die ihre Wut ins Schwarzironische verflüchtigende Generation der „Millennials„?

„Die Leute sind genauso meinungsstark und politisch, wie sie es immer waren. Aber wir leben in den Zeiten von Trump. Es muss etwas geschehen. Aber momentan mühen wir uns vor allem damit ab, überhaupt zu überleben“, analysiert Creevy. „Feministin bin ich während meines Studiums geworden. Women’s Studies haben mein Leben verändert und mich alles gelehrt, was zählt. Ich glaube, was meine Generation wirklich beschäftigt, ist, dass es ein Mehr an allem gibt. Auch an Information.“

Vielleicht, ja vielleicht wird ja doch noch alles gut…

 

 

„1, 2, 3, 4

I walked until my face got red, I walked on
The light inside my head went dead, I turned off

I wish myself the best, but I’m broken
The light inside my head went dead, and I turned off

When you’re moving, there’s no ground beneath you
When you’re moving, there’s no ground beneath you
In the winter

She told me to stay the same, I pushed her into my game
I’m full of the bad, bad problems, so just take me away

Just take me away, just take me away
Just take me away, just take me away“

 

Rock and Roll.

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„Girls to the front!“ – Die Dokumentation „The Punk Singer“ über „Riot Grrrl“-Sprachrohr Kathleen Hanna


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Sie gilt als „Rebel Girl“ und „Punk Feminist“. Als die Symbolfigur der Riot Grrrl-Bewegung Anfang der Neunzigerjahre und vereint feministische „Pro Choice!“-Revolution mit lautstarkem Punk Rock: Kathleen Hanna. Die 2013 erschienene Dokumentation „The Punk Singer“ zeichnet ein gleichsam persönliches wie einzigartiges Bild der Frontfrau von Bikini Kill, Le Tigre und The Julie Ruin.

 

„I’ve always thought that ‚punk‘ wasn’t really a genre. My band started in Olympia where K Records was and K Records put out music that didn’t sound super loud and aggressive. And yet they were punk because they were creating culture in their own community instead of taking their cue from MTV about what was real music and what was cool. It wasn’t about a certain fashion. It was about your ideology, it was about creating a community and doing it on your own and not having to rely on, kinda, ‚The Man‘ to brand you and say that you were okay.“

(Kathleen Hanna)

 

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Zwanzig Jahre Filmmaterial visualisieren mit collagenhaften Rückblenden sowie zahlreichen Interviews und Konzertausschnitten den Kampf für Frauenrechte und weibliche Selbstbestimmung sowie gegen Gewalt, Sexismus und männlichen Machismus. Die via Kickerstarter finanzierte Dokumentation von Regisseurin Sini Anderson taucht noch einmal ein in den DIY-Zeitgeist der frühen Neunziger und in eine ebenso wilde wie kreative Keimzelle, welche während dieser Zeit im US-amerikanischen Nordwesten um Portland, Olympia und Seattle herum entstand, und aus der eben nicht nur Bands wie Pearl Jam, Soundgarden oder Nirvana hervorgingen, sondern eben auch Bikini Kill. (Übrigens: Der Legende nach hätte es Nirvanas Grunge-Evergreen „Smells Like Teen Spirit“ ohne Kathleen Hannas Zutun so nie gegeben, schließlich entstand der Songtitel, als Hanna, die damals gut mit Frontmann Kurt Cobain befreundet war, den Satz „Kurt Smells Like Teen Spirit“ – auf deutsch: „Kurt riecht nach Teen Spirit“ – an eine Wand in dessen Wohnung schrieb, da Cobain nach dem Deodorant namens „Teen Spirit“ roch, welches seine damalige Freundin Tobi Vail benutzte. Cobain gefiel die Implikation des Satzes, also verwendete er ihn schließlich als Songtitel. Der Rest? Ist allseits bekannte Musikgeschichte.) Und obwohl gerade Bikini Kill zwar einflussreich, bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1997 jedoch lediglich leidlich kommerziell erfolgreich waren, machte gerade ihr Wirken Bands wie Pussy Riot (gerade bei den radikalen russischen Aktivistinnen ist der Einfluss unverkennbar), Gossip, Petrol Girls, War On Women oder Screaming Females erst möglich, während auch bei mit Lust die Grenzen der Konventionen sprengenden Künstlerinnen wie Amanda Palmer, Kate Nash und Miley Cyrus Hanna’sche Einflüsse deutlich erkennbar sind…

MV5BMjEzNzQxNzUxNF5BMl5BanBnXkFtZTgwMDY5MTY1MDE@._V1_UY1200_CR90,0,630,1200_AL_.jpgNeben Hanna selbst lässt Regisseurin Sini Anderson in ihrer 80-minütigen Dokumentation auch Freunde und Wegbegleiter wie Kim Gordon (Sonic Youth), Joan Jett (The Runways, Joan Jett & the Blackhearts), Carrie Brownstein und Corin Tucker (Sleater-Kinney), Johanna Fateman (Le Tigre) oder Ehemann Adam Horovitz (Beastie Boys) zu Wort kommen. Kathleen Hanna selbst nutzte vor einigen Jahren den Film, um ihr langjähriges Schweigen zu beenden und den tatsächlichen Grund ihres Rückzugs aus dem Rampenlicht im Jahr 2005, als sich ihre neue Electropunk-Band Le Tigre anschickte, größere Erfolge zu feiern und als neues Sprachrohr der LGBTQ-Bewegung zu etablieren, zu erklären. Denn obwohl es um das einstige Gesicht der Riot Grrrls still geworden sein mag (ihr letztes kreatives Lebenszeichen war 2016 das The Julie Ruin-Album „Hit Reset„), macht „The Punk Singer“ eines deutlich: heute wie damals nimmt die mittlerweile 50-jährige Ex-Bikini Kill-Frontfrau (politisch) kein Blatt vor den Mund. All girls to the front!

(Übrigens: Für all diejenigen, denen der Name Kathleen Hanna bislang rein gar nichts sagte, haben die Kollegen des ByteFM Blog eine musikalische Übersicht von „Kathleen Hanna in fünf Songs“ zusammengestellt. Feine Sache, das. Allen anderen sei so oder so der Soundtrack zu „The Punk Singer“ empfohlen.)

 

Hier gibt’s den Trailer…

 

…und hier „The Punk Singer“ komplett im Stream:

 

 

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Foto: Allison Michael Orenstein

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: No Plato


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Drüben auf GUTESHOERENISTWICHTIG werden die ersten Höreindrücke der Songs von No Plato wie folgt beschrieben: „Sprühende Gitarren, energiegeladene Drums, auf- und abwandernde Bassläufe, die Stimme der Frontfrau, die elektrisierend, spannungsvoll und zeitweise fast ein wenig schlecht gelaunt klingt und inbrünstig nach Zuneigung, nach Aufmerksamkeit ruft.“ Besser könnte ich’s nicht ausdrücken.

a0186878351_10Denn in der Tat passiert in den Stücken des Trios, welches irgendwo aus dem englischen Nirgendwo stammt (Rhyl, Burton-on-Trent & Cheddar, you know?), trotz der Tatsache, dass selten die Dreieinhalbminutenmarke geknackt wird, erstaunlich viel. Frontfrau Sorrell Kerrison schafft es scheinbar spielend, zwischen Liebreiz und Furie hin und her zu changieren, während ihr die beiden Jungs im Hintergrund (T. Baker und T. Hipwell) kraftvoll den Rücken freihalten. Rausch und Ruhe geben sich da gern die Klinke in die Hand. Stilistisch fallen die zwölf Stücke, die No Plato bislang ins Netz gestellt und kürzlich als „Collection“ zusammengefasst haben (welche man sich auf der Bandcamp-Seite der Band im „Name your price“-Prinzip aufs heimische Abspielgerät laden kann), schlussendlich wohl irgendwo zwischen rauen Indierock mit dezenten Riot-Grrrl-, Postpunk- und Shoegaze-Ausflügen. Aber hört selbst…

 

 

Auch gut: die sechs Songs starke Live-EP „Live at Metropolis Studios“…

 

und das Musikvideo zum einminütigen Song „Heretic Alone“:

 

Wer ein wenig mehr über die englische Band erfahren möchte, der findet hier ein Interview mit theknifefight.com von 2011.

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Sleater-Kinney – „No Cities To Love“


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Klar, an wohl keiner Band geht eine zehnjährige (!) Veröffentlichungspause spurlos vorüber. Und auch, wenn Corin Tucker (Gesang, Gitarre), Carrie Brownstein (Gitarre, Gesang) und Janet Weiss (Schlagzeug) seit dem letzten gemeinsamen Album „The Woods“ nie so ganz von der Bildfläche verschwunden sind (Tucker widmete sich Solo- und Nebenprojekten, Brownstein entdeckte in der tollen zeitgeistigen Serie „Portlandia„, in welcher sie gemeinsam mit Fred Armisen fast sämtliche Rollen spielt, das Comedy-Schauspielgen in sich, während sie zusammen mit Weiss in der Band Wild Flag die Bühnenbretter rockte), ist es doch schön, dass sich Sleater-Kinney, in den seligen Neunzigern eine der führenden US-Bands der „Riot Grrrl“-Bewegung, mit ihrem heute erscheinenden achten Album „No Cities To Love“ (kann man sich hier via NPR im Stream anhören) nun endlich zurück melden.

Dass dem All-Fetale-Trio aus Olympia, Washington in all den Jahren auch eine prominente Fanbase treu geblieben ist, zeigt etwa das aktuelle Musikvideo zum Titelsong, in welchem unter anderem Comedian Sarah Silverman, die Schauspieler Adam Sandberg, Evan Rachel Wood, Ellen Page, Connie Britton, Brie Larson und Norman Reedus (aka. Daryl Dixon aus dem Zombie-TV-Quotenhit „The Walking Dead“), Dinosaur Jr.-Gitarrengniedler J Mascis, Ex-My Chemical Romance-Fronter Gerard Way, aber auch Tucker, Weiss und Brownstein selbst vor unterschiedlichsten Kulissen tanzend und im Karaoke-Style mitsingend abrocken, während Brownsteins TV-Kollege Fred Armisen an einer Straßenecke auf einem Kinderpiano spielt. Prädikat: gelungener Musikclip. Und ich verspreche wohl kaum zuviel, wenn ich mutmaße, dass ihr den Song aufgrund seiner formidablen Ohrwurmqualitäten so schnell nicht wieder aus dem Kopf bekommen werdet….

„There are no cities, no cities to love / It’s not the city, it’s the weather we love…“

 

(alternativ hier zu sehen…)

 

Rock and Roll.

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