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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Video- und Songneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

King Krule – A Lizard State

king krule - a lizard state

Pechschwarz verstimmte Alltagsgeschichten wusste King Krule im vergangenen mit seinem (Pseudonym-)Debütalbum „6 Feet Beneath The Moon“ zu erzählen. Dafür heimste Archie Marshall völlig zu recht allerhand Lob und Lorbeeren ein, sowohl in der britischen Heimat als auch von der ausländischen Journaille und Hörerschaft. Und irgendwie passt es nur allzu gut zu seinen an klaustrophobischen Stimmungen nicht eben armen Songs, wenn er sich nun für das Musikvideo zur neusten Single „A Lizard State“ gemeinsam mit Videoregisseur Jamie-James Medina an die Hommage eines großen Meisters gewagt hat: Alfred Hitchcock.

Der selbstredend in Schwarz-weiß getauchte Clip, welcher deutlich vom Klassiker „Dial M For Murder“ (dt. Titel: „Bei Anruf Mord“) inspiriert ist, wird denn auch in Schrägstand und mit „Good evening, ladies and gentlemen…“ vom Suspense Thriller-Idol höchstselbst eröffnet, bevor Archie „King Krule“ Marshall ins Bild tritt und mit Gitarre und dem ihm eigenen Gesangstil die Regie übernimmt… Die Verbeugung ist ihm und Regisseur Medina, freilich beide große Hitchcock-Fans, zweifellos gelungen.

 

 

 

Slut – Remote Controlled

remote controlled

Zumindest auf rein emotionaler Ebene steht auch das im vergangenen Jahr erschienene siebente Slut-Album „Alienation“ nicht weit entfernt, schließlich nahmen sich die aus dem beschaulichen bayrischen Ingolstadt stammende Band auch für ihre neuen Songs Außen- wie Innenbetrachtungen von Seele und Gesellschaft zur Brust – und die konnten dann in nicht selten befremdlichen Zeiten wie diesen schonmal etwas düsterer geraten.

Umso besser, dass Frontmann Chris Neuburger und seine Bandkumpane im Musikvideo zur neuen Single „Remote Controlled“ ein wenig Licht in den kahlen Proberaum lassen, das dann sogleich die Nebelschwaden umspielt – und scheinbar auch spontane Besucher mit Tiermasken anzuziehen scheint… Die Singleauskopplung ist in digitaler EP-Form inklusive Coverversion und Remixen am vergangene Freitag erschienen. Und wer die Jungs auf ihren vorerst letzten Tourneeterminen live, in Farbe, echt, bunt und laut erleben möchte, der hat während dieser Januartermine noch die Gelegenheit zum Konzertbesuch…

slut_alienation_tour_2014_banner

 

Hier gibt’s das Musikvideo…

 

…sowie diesen…

 

…und den ebenfalls vom aktuellen Album „Alienation“ stammenden Song „Anybody Have A Roadmap“ in der öffentlich-rechtlichen „PULS Live Session“-Variante:

 

 

A Perfect Circle – By And Down (live at Red Rocks)

a perfect circle

In den letzten Wochen des vergangenen Musikjahres wussten Maynard James Keenan und seine zweite Reihe von A Perfect Circle mit der Werkschau „Three Sixty“ und dem überaus umfangreichen (digitalen) Konzertpaket „Stone And Echo: Live at Reck Rocks / Trifecta“ all jene darüber hinweg zu trösten, dass sie es a) nicht zu den Bandreunion-Konzerten der US-Alternativerocker vor gut zwei Jahren geschafft hatten und b) nicht an eine der streng limitierten „Stone And Echo“-Boxen heran gekommen waren. Als kleines Trostpflaster bekamen eben all diese die geballte Ladung aus den Live-Varianten aller A Perfect Circle-Studioalben für Heim, Hirn und Gehörgang…

Einen kleinen Ausschnitt aus der ebenfalls in der Box enthaltenen „Stone And Echo“-Live-DVD liefert die Band nun mit dem neuen Song „By And Down“, mitgeschnitten im Red Rocks Amphitheatre in Morrison, Colorado:

 

 

Und all jenen, die noch immer sehnsüchtigste auf ein Lebenszeichen von Keenans Hauptband Tool hoffen (die Zeichen stehen ja seit einigen Wochen eher auf Tendenz zu einer neuen Platte), sei die Coverversion des 1996er Tool-Klassikers „Stinkfist“ der im kanadischen Toronto beheimatenden Alternative Rockband Most Non Heinous ans Hörerherz gelegt:

 

 

Warpaint – Love Is To Die / Biggy

Warpaint

Zweifellos: Das Musikjahr 2014 ist kaum zwei Wochen alt, schon überschlagen sich ein- und ausschlägige Musikpresse, ach so fachkundige Besserwisser und findige Schnellhörer mit Lobeshymnen auf eine Band, dass sich im Hinterkopf wohl automatisch die „Hype!“-Blase aufblähen muss: Warpaint. Denn die All Female-Band aus dem sonnigen Los Angeles veröffentlicht in wenigen Tagen – und nach gut drei Jahren Warte- und Entstehungszeit – mit dem selbstbetitelten „Warpaint“ den Nachfolger zum 2010 erschienenen Debüt-Ausrufezeichen „The Fool„. Von der „elegantesten und filigransten weiblichen Platte seit Langem“ (Vsions) ist bereits die Schreibe, während Emily Lokal, Theresa Wayman, Jenny Lee Lindberg und Stella Mozgawa andererwebs als die größte Musikhoffnung des noch jungen Jahres ausgerufen werden. Wenn ihr mich fragt, sind diese Lorbeeren wohl nicht ganz unangebracht, immerhin war das Debüt vor ein, zwei Jahren auch eine meiner Lieblingsplatten. Jedoch denke ich, dass sich auch das neue Warpaint-Album dem Hörer nicht sofort – und gänzlich freiwillig – erschließen wird. Nein, die vier Damen werden wohl auch 2014 in Klangbereichen operieren, die sich stets irgendwo zwischen Mysterium, Sexyness und Sprachlosigkeit bewegen. Oder wie es im ersten Vorabdruck „Love Is To Die“ heißt: „Come around, let’s go found / There’s no words to call / Tonight, you really see nothing of this girl / They work, they don’t know the roots behind / ‘Cause I got a knife to cut out the memories / So carefully, too carefully, it’s not necessarily / To be so dark / Got to give in /…/ Love is to die / Love is to dance…“

 

Hier gibt’s den bereits im vergangenen Jahr voraus geschickten Vorboten „Love Is To Die“ in der Albumversion…

 

…und der Proberaum Session-Variante…

 

…sowie mit „Biggy“ (eine Assoziation mit dem 1997 bei einer Schießerei in L.A. ums Leben gekommenen US-Rapper The Notorious B.I.G. erscheint in der Tat irgendwo um die Ecke Sinn zu machen) einen zweiten Song vom neuen Album:

 

 

Rock and Roll.

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Auf ein Wort: Rainer Schaller von Slut


Rainer Schaller (2. v.r.) inmitten seiner Band Slut

Rainer Schaller (2. v.r.) inmitten seiner Band Slut

Inmitten der heutigen Veröffentlichungseuphorie ihres neusten „Albumbabies“ namens „Alienation„, welches auch ANEWFRIENDs aktuelles „Album der Woche“ ist, haben wir Slut-Gittarist Rainer Schaller auf digitalem Wege abfangen können, um ihm ein paar Fragen rund um die Band, das Album und seine persönlichen Hintergründe zu stellen…

 

Hallo Rainer. Was hat sich seit eurem letzten regulären Album „StillNo1“ – für dich – am meisten verändert bzw. welches Ereignis beziehungsweise welche Veränderung war die wichtigste und/oder prägendste?

Rainer Schaller: Ereignisse gab es in diesen fünf Jahren gefühlt mehr als genug. Bitte endlich wieder weniger Ereignisse!

Eurer neues Album heißt „Alienation“. Inwiefern macht sich diese „Entfremdung“ aus deiner Sicht am deutlichsten in der heutigen Gesellschaft bemerkbar?

R.S.: Es ist ja ein Merkmal unserer Zeit, dass es keine Utopien und keinen Konsens mehr gibt. Da erscheint die Retrospektive leicht als einzig verlässliche Orientierungshilfe. Bestes Beispiel ist der „Retrowahn“ in vielen Bereichen. Wenn das Unbehagen wächst, wenn es Angriffe von außen gibt – so wird die Globalisierung ja von vielen empfunden – besinnen sich die Menschen auf ihre Vergangenheit und deren Ikonen.
Entfremdung entsteht in großen Teilen durch Professionalisierung. Die nimmt allgemein zu. Das hat für die Politik den Vorteil, dass sich immer mehr Leute „heraus“ halten. Dann fallen so Ausdrücke wie „Alternativlos“ und es wird so getan, als gäbe es immer nur eine Möglichkeit.

Das Album wurde in verschiedenen Studios und mit unterschiedlichen Produzenten in ganz Deutschland aufgenommen. Trotz dieser Fakten sind keinerlei größere Brüche bemerkbar. Inwiefern zieht sich für dich – abgesehen vom Hauptsujet der Entfremdung, das über Allem prangt – nun ein roter Faden durch’s Album?

R.S.: Der Kitt, der alles zusammenhält, ist der Gesang von Chris. Rhythmus, gepaart mit klareren Aussagen in den Lyrics, kombiniert mit einzelnen Slut-typischen Details sind die Elemente, die Slut in der Gegenwart symbolisieren.

In vielen der ersten Reviews zu „Alienation“ wird bemängelt, dass die Songs nicht mehr, wie früher, den direkten Weg zum Hörer suchen und finden, dass Slut 2013 eher eine „Band für die Feuilletons“ sind. Inwiefern unterscheidet sich die Platte für euch von früheren Werken wie „All We Need Is Silence“, „Nothing Will Go Wrong“ oder „StillNo1“, inwiefern steht sie dem ebenfalls als Konzeptalbum angelegten „Lookbook“ nahe?

R.S.: Den vermeintlich „direkten“ Weg gibt es auch kaum mehr im Alltag – wenn auch versucht wird, jedem einzelnen es so zu verkaufen. Man denke nur an Computer-Hotlines, Call-Center, etc. Den direkten Ansprechpartner gibt es nicht mehr wie früher. Wir stellen aber in „Alienation“ dem Hörer den Gesang zur Seite, er ist sein ständiger Begleiter. Der Rest ist die Reise durch den vielfältigen Alltag, durch verschiedene Länder und Zeiten, angetrieben von einem Beat, der scheinbar nicht aufhören will.

Was sind eure nächsten Pläne?

R.S.: Wir haben schon lange aufgehört, uns konkrete Pläne zu stricken, was unsere Musik angeht. Die interessantesten, prägendsten und besten Projekte sind uns immer zugelaufen wie scheue Rehe. Wir freuen uns wahnsinnig auf die Live-Umestzung von Alienation im Herbst und zur Tour im Januar 2014. Erst auf Konzerten löst sich das, was man sich auf einer Platte ausgedacht hat, richtig ein.

 

Zum Abschluss noch ein paar allgemeinere Fragen…
Was sind deine frühesten musikalischen Erinnerungen?

R.S.:  Kirchenmusik von Schubert und mein erstes Rock´n Roll-Konzert im Leben: Ramones.

Welches sind deine – insofern es die gibt – größten „musikalischen Helden“?

R.S.: Brain Eno, weil er sich sowohl als Produzent wunderbar in Bands einfühlen beziehungsweise Bands unterordnen kann und gleichzeitig als Musiker genial ist und sich vor nichts verschließt.

Wenn du die Möglichkeit hättest, mit einem bestimmten Musiker auf Tour oder ins Studio gehen zu können – welcher wäre das?

R.S.: Mit Tobias Siebert [einer der Produzenten von „Alienation“ sowie ehemaliger Sänger und Gitarrist der deutschen Band Klez.e – Anm. d. Red.]. Wir setzten das auch gleich in die Realität um und er begleitet uns auf unserer Tournee mit seinem großartigen Soloprojekt „The Golden Choir“ und spielt bei uns als sechstes Bandmitglied mit.

Deine 5 Platten als Soundtrack für die Großstadt…

> Cliff Martinez – Drive Soundtrack
> The Cure – Disintegration
> Joasihno – A Lie
> Frank Ocean – Channel Orange
> Bill Withers – Bill Withers – Live At Carnegie Hall

…und deine 5 Platten für die einsame Insel?

> Chilly Gonzales – Solo Piano
> Arvo Pärt – Alina
> Barry White – fast alles
> Roxy Music – Roxy Music
> die gesamte Beatles-Box

 

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview mit ANEWFRIEND genommen hast!

(…und „Danke!“ an Janna von „Off The Record“ für die schnelle Vermittlung von Fragen und Antworten!)

 

Aber am Ende geht’s doch immer noch und immer wieder um die Musik, oder? Mit „Next Big Thing“ konnte man auf ANEWFRIEND ja bereits einen Song von „Alienation“ hören… Hier gibt’s mit dem feinen „Remote Controlled“ ein weiteres Stück vom heute erschienenen siebenten Slut-Album:

 

Rock and Roll.

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