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Song des Tages: Sookee – „Die Freundin von“


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Deutscher Hip-Hop, der politisch klar Stellung bezieht und gesellschaftskritische Botschaften zwischen die freshen Beats legt? Klar, gibt es. Man nehme nur Sookee.

sookee-0799Soo…wer? Sicher, dem Großteil der Nur-nebenbei-Radio-Hörer wird die 33-jährige Berliner Künstlerin, deren bürgerlichem Name (Nora Hantzsch) wohl zu wenig Street Cred anhaftete, weswegen sie sich flugs mal eben ihr Szene-Pseudonym von Michelle Pfeiffers gespieltem Charakter „Sukie“ aus „Die Hexen von Eastwick“ entlieh, wohl kaum etwas sagen. Dabei ist Sookee, nachdem sie 2006 anfing, erste lyrische Ergüsse bei Spoken-Word- und Poetry-Slam-Abenden zu präsentieren, bereits seit etwa zehn Jahren Teil der bundesdeutschen Rap-Szene. Und anstatt, wie bemitleidenswerte Kolleginnen wie etwa Schwester Ewa, die toughe Mackerin zu markieren oder auf Bling-Bling und sinnentleert-dicke Hose zu machen, ergreift Sookee für die Queer-Szene Partei (zu der sie sich übrigens auch selbst zählt) oder engagiert sich gegen Homophobie und Sexismus im deutschen Hip-Hop sowie gegen Rassismus in Deutschland. Man höre etwa den durchaus bissigen, jedoch definitiv gelungenen Song „Q1„…

Das neuste Beispiel für Sookees Message ist das Stück „Die Freundin von“, welches, wie auch „Q1“, von ihrem im März erschienenen Album „Mortem & Makeup“ stammt: Die in Berlin-Neukölln lebende und meist in Lila (die Farbe, welche mit der Frauenbewegung assoziiert wird) auftretende Künstlerin rappt über Unsicherheiten und rechnet mit den damit verbundenen Dummheiten ihres jüngeren Ichs ab. Sookee erzählt über „Nierenentzündungen“, die sie als Teenie-Mädchen in Kauf genommen hat, um sexy zu wirken, das Klappe-halten, wenn die Jungs reden, das Macker-Gehabe, dem man sich angepasst hat und die große Angst davor, ausgegrenzt zu werden.

Vor allem aber geht es In „Die Freundin von“ darum, all den oberflächlichen Mist hinter sich zu lassen. Ein paar Jahre später hat sie die Leute, die sie damals mit ihren Dummheiten beeindrucken wollte, längst vergessen, ist klüger geworden – und vor allem: stärker. Der Song und das Musikvideo zu Sookees neuster Single mögen recht unspektakulär sein, die Botschaft aber ist umso wichtiger. Oder, wie „Intro“ schreibt: „Falls ihr noch auf der Suche seid nach einem Song, den ihr euren jüngeren Geschwistern vorspielen könnt, hier ist.“ 

 

 
„Die Köpfe, die ich rauchte, waren größer als mein Selbstbewusstsein
Ich versteckte mich in mir, lebte nur einen Bruchteil
Um mich rum ein Mosaik, Kanten und Brüche
Arroganz und Gerüchte
Es ging immer nur darum, nicht unterzugehen
Als könnte zwischen Bangen und Hängen noch ein Wunder geschehen
Aber niemand entpuppte sich als einfühlsam
Weil es peinlich war, angreifbar
Mein Redeanteil lag bei um die sieben Prozent
Mein Top war zu kurz und meine Jeans war zu eng
Denn wenn du inhaltlich keine Relevanz hast
Geht es darum wie du aussiehst, was du an hast
Ich hatte Nierenentzündungen und Selbstzweifel
Wenn ich zurückblicke, finde ich die selbst Scheiße
Und um dazuzugehören griff ich erneut zur Bong
Ich war im allerbesten Falle nur ‚die Freundin von‘

Aber heute sind sie mir völlig egal
Ich kenne nicht einmal mehr ihre bescheuerten Namen
Ihre Stimmen verstummen, ihre Gesichter verblassen
Manchmal ist mir danach, über diese Geschichten zu lachen
Weißt du, heute sind sie mir völlig egal
Ich kenne nicht einmal mehr ihre bescheuerten Namen
Wann war das ’98 oder 2006?
Irgendwann sind die Erinnerungen weg

Ich gaukelte anderen vor, dass ich cool sei
Ich fand mich selber nicht cool, es war kein Zufall
Weil ich dachte, dass die Realität nicht ausreicht
Hab ich meine Stories übertrieben und als Ausgleich
Hab ich mich geschämt oder abgelenkt
Ich war nicht mal richtig kriminell, ich war nur angestrengt
Es gab einige Leute, vor denen ich Angst hatte
Doch ich hatte keine Angst, dass sie mich anfassen
Sondern ausgrenzen, ich hab‘ erst später gemerkt
Das war das klassische Beispiel für Opfer-Täter-Umkehr
Ich weiß wie es sich anfühlt, wenn mit ’nem Schlag ins Gesicht
Es einmal kurz knackt und dein Nasenbein bricht
Ich hab die Fresse gehalten in ihrer Gegenwart
Sie haben mich ignoriert oder verarscht, wie es gelegen kam
Hab auch nach unten getreten, war nicht besser als sie
Hab ihre Namen vergessen, doch das vergesse ich nie

Aber heute sind sie mir völlig egal
Ich kenne nicht einmal mehr ihre bescheuerten Namen
Ihre Stimmen verstummen, ihre Gesichter verblassen
Manchmal ist mir danach, über diese Geschichten zu lachen
Weißt du, heute sind sie mir völlig egal
Ich kenne nicht einmal mehr ihre bescheuerten Namen
Wann war das ’98 oder 2006?
Irgendwann sind die Erinnerungen weg…“

 

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


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(gefunden bei Facebook)

 

(Jürgen Schwandt, auch bekannt als Kapitän Schwandt, *1936, deutscher Kapitän, Kolumnist und Blogger)

 

Was der Kapitän sagt. Signed.

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Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


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Foto: danapress / David Lagerlöf

In Schweden erhebt eine Frau bei einer Demo ihre Faust gegen Rechtsextreme. Das Foto der Aktion wird netzweit bereits als eines der eindrucksvollsten Bilder des Jahres gefeiert…

Eine zierliche Frau mit dunkler Haut streckt ihre rechte Faust in den Himmel. Ihr Blick ist stark, mutig. Angstfrei blickt sie in das Gesicht eines Mannes. Die Frau ist Maria-Teresa Asplund aus Stockholm. Und sie stellt sich einer Demonstration von über 300 Neonazis in den Weg. Das Foto dieser Aktion wird sowohl auf Nachrichtenseiten (etwa bei spiegel.de) als auch in den sozialen Netzwerken gefeiert.

Am 1. Mai zog die militante schwedische Organisation Nordiska motståndsrörelsen („Schwedische Widerstandsbewegung“) durch die Stadt Borlänge in Zentralschweden. Mehr als 300 Rechtsextreme in schwarzen Hosen, weißen Hemden und grünen Krawatten trafen sich zu dem Aufmarsch. Auf Fotos sind Männer mit kahlgeschorenen Köpfen zu sehen, in ihren Händen tragen sie die Fahne der sektenähnlichen Organisation.

Der Protest gegen die Demonstration ist so einsam wie wirksam: Die 42-jährige Schwedin Maria-Teresa Asplund, kurz Tess genannt, stellte sich den rechtsextremen Männern in den Weg, die Faust erhoben gegen rechtes Gedankengut. Eine mutige und spontane Aktion, wie die Aktivistin dem schwedischen Radiosender P4 Dalarna erklärte: „Ich habe gar nicht wirklich nachgedacht, sondern bin einfach in den Weg gesprungen. Dann starrte mich einer von ihnen an und ich starrte zurück. Er sagte nicht, ich sagte nichts.“ Dann hätten Polizisten sie zur Seite geschoben. Ihre Faust strecke sie oft bei Demos in den Himmel, so Tess. Die Geste habe sie sich bei Nelson Mandela abgeschaut.

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Foto: TT News Agency / PA

Das Foto von der ikonenhaften Begegnung zwischen der schwarzen Frau und den weißen Männern machte David Lagerlöf. Der Fotograf arbeitet für Expo, eine antirassistische Zeitschrift, die lange vom Autor der Millennium-Trilogie, Stieg Larsson, herausgegeben wurde und zu einer gemeinnützigen Organisation gehört. Lagerlöf teilte das Bild auf seinem Facebook-Account und schrieb: „Eine einzelne Frau stellt sich Schwedens brutalster Nazi-Organisation in den Weg.“

In den sozialen Netzwerken wurde das Foto seit der Aktion unzählige Male geteilt (unter anderem von „Harry Potter“-Autorin J.K. Rowling). Für viele ist es bereits jetzt eines der Bilder des Jahres und sie vergleichen es mit dem berühmten schwedischen Foto „Tanten med väskan“ („Die alte Frau mit der Handtasche“) – ein Schwarzweißfoto von 1985, das eine Frau aus Växjö zeigt, die mit ihrer Handtasche auf Neonazis einschlägt.

Tess Asplund hofft, dass ihre Aktion und das daraus entstandene Foto etwas in der schwedischen Gesellschaft verändern wird. So erzählte sie dem britischen „Guardian“: „Rassismus ist in Schweden an der Tagesordnung. Es ist okay geworden, das N-Wort zu sagen.“ Das Foto solle ein Symbol im Kampf gegen den Rassismus werden. „Vielleicht wird das, was ich getan habe, ein Symbol dafür, dass wir gemeinsam etwas ändern können“, sagte sie weiter. „Wenn eine Person etwas ändern kann, dann kann das jeder.“

 

 

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


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(Rosa Louise Parks, 1913-2005, US-amerikanische Bürgerrechtlerin)

 

Gestern vor 103 Jahren kam ebenjene Frau, Rosa Parks, in Tuskegee, Alabama zur Welt. Geschichte schrieb die Afroamerikanerin vor etwa 60 Jahren, als sie am  1. Dezember 1955 in Montgomery, Alabama verhaftet wurde, weil sie sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Heute für die meisten von uns unvorstellbar, und vielleicht nur eine von vielen, vielen kleinen Episoden im Kampf der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA, und doch hat auch das selbsternannte „land of the free and home of the brave“ immer noch ein immenses Rassismus-Problem (man schaue einfach nur auf die Zahlen der Polizeigewalt gegen Schwarze). Was man jedoch von Rosa Parks lernen kann: eine klein erscheinende, selbstbewusste Geste kann große Wirkung zeigen – never give up.

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: J. Cole – „Be Free“


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Mal ehrlich: Wer tagtäglich die Nachrichten und Schlagzeilenmeldungen verfolgt, kommt wohl kaum umhin, festzustellen, dass die Welt, in der wir leben, vor allem eines ist: am Arsch. Kriege, Unruhen, Unfrieden, Ungerechtigkeiten, Lügen und Betrug wohin man nur schaut, während sich ein guter Teils Deutschlands über einen armselig-bemitleidenswerten Haufen F-Prominenz und ihre zwischen Silikontittendiskussionen und bescheuklappter First World-Befindlichkeiten schwankenden Nichtigkeiten das Maul zerreißt und man sich als Nanoteilchen der Industrienationen vielleicht schon zu sehr ans Klagelied auf allerhöchstem Niveau gewöhnt hat. Wer da die Hoffnung in die Menschheit längst verloren hat – man kann’s ihm/ihr nicht einmal verdenken. Traurig…

Und so sind die Vorkommnisse, welche sich in den letzten Tagen und Wochen im im Grunde beschaulichen US-Städtchen Ferguson, Missouri ereignet haben, und nun Proteste gegen Rassismus (der verdammt nochmal nichts mit Hautfarben zu tun hat!) im ganzen Land nach sich zogen, nur ein weiterer Beleg für die Schieflage, in die sich die Menschheit Tippelschritt für Tippelschritt begibt – zumal es vor allem in den ach so multikulturell geeichten US of A immer und immer wieder vorkommt, dass Polizisten einen unbewaffneten Jugendlichen – wie nun eben den gerade einmal 18jährigen afroamerikanischen Teenager Michael Brown – aufgrund von rassistischen Vorurteilen niederschießen… different day, same old shit.

Umso bewegender kommt „Be Free“, der musikalische Kommentar des 1985 in Frankfurt am Main geborenen und in North Carolina beheimateten US-HipHop-Künstlers J. Cole, daher. „There was a time in my life when I gave a fuck“, gab Cole in einem Statement zum spontan veröffentlichten Song auf dreamvillain.net zu Protokoll. „Every chance I got I was screaming about it. I was younger. It’s so easy to try to save the world when you’re in college. You got nothing but time and no responsibility. But soon life hits you. No more dorms, no more meal plan, no more refund check. Nigga need a job. Nigga got rent. Got car note. Cable bill. Girlfriend moves in and becomes wife. Baby on the way. Career advances. Instagram is poppin. Lebron leaves Miami. LIFE HITS. We become distracted. We become numb. I became numb. But not anymore. That coulda been me, easily. It could have been my best friend…. I made a song. This is how we feel.“

Gänsehaut, die nachdenklich stimmt.

 

 

„And now I’m denial
And it don’t take no x-ray to see right through my smile
I know, I’d be on the go
It ain’t no drink out there that could kill my soul
No, no
All we want to do is take these chains off
All we want to do is break the chains off
All we want to do is be free
All we want to do is be free
All we want to do is take these chains off
All we want to do is break the chains off
All we want to do is be free
All we want to do is be free

Can you tell me why every time I step outside
I see my niggas down
Ooh, I’m letting you know
That it ain’t no gun they can make that could kill my soul
Oh, no

All we want to do is take these chains off
All we want to do is break the chains off
All we want to do is be free
All we want to do is be free
All we want to do is take these chains off
All we want to do is break the chains off
All we want to do is be free
All we want to do is be free

Are we all alone fighting on our own
Please give me a chance
I don’t wanna dance
Something’s got me down
I was there my ground
Don’t just stand around
Don’t just stand around

All we want to do is take these chains off
All we want to do is break the chains off
All we want to do is be free
All we want to do is be free

All we want to do is take these chains off
All we want to do is break the chains off
All we want to do is be free
All we want to do is be free“

 

Via Soundcloud schließt J. Cole das Stück mit folgenden Worten ab: „Rest in Peace to Michael Brown and to every young black man murdered in America, whether by the hands of white or black. I pray that one day the world will be filled with peace and rid of injustice. Only then will we all Be Free – Cole“

 

Rock and Roll.

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