Schlagwort-Archive: Pro Asyl

Song des Tages: ADAM ANGST – „Splitter von Granaten“


Adam-Angst_Splitter-von-Granaten

Bereits im Februar hatte ich mich ja doch recht kühn – und wie sich jetzt, im Oktober, herausstellt: auch vorausschauend – in meiner Review zum selbstbetitelten Album aus dem Fenster gelehnt: „Zeitgeistiger als auf dem Debüt von Adam Angst wird deutschsprachige Musik in diesem Jahr nicht mehr“. Und trotz des ein oder anderen weiteren richtig guten deutschsprachigen Albums in diesem Musikjahr muss ich sagen: recht gehabt! Denn der Erstling von Adam Angst, wenn man so will Nachfolgeband aus den Trümmern von Escapado und Frau Potz, hat sein qualitatives Niveau auch über die vergangenen acht Monate halten können, vielleicht sogar noch gesteigert.

Und im Grunde ist das traurig. Denn Frontmann Felix Schönfuss kehrt mit seinem alter ego Adam Angst alles Schlechte, alles Böse, alles Widerwärtige, Verabscheuenswürdige, Niederträchtige und Grenzdebile, was die heutige Gesellschaft im Öffentlichen wie Privaten (dank Facebook und Co. lässt sich ja das eine kaum mehr vom anderen separieren) zu bieten hat, nach Außen. Knapp 40 Minuten lang kotzt sich „Adam Angst“ pointiert aus, und ist gerade deshalb so großartig.

svgUnd es ich: wichtig. Vor allem wegen einem Stück: „Splitter von Granaten“, welches ich – auch bereits im Februar – euphorisch zum potentiell „wichtigsten Song des Jahres“ ernannt hatte. Und auch da liege ich noch immer richtig. Und auch das könnte trauriger kaum sein…

Umso toller ist es jedoch, dass Adam Angst gerade diesen Song – nach „Ja ja, ich weiß“ und „Professoren“ – als dritte Singleauskopplung ausgewählt haben (und konsequenterweise alle Einnahmen aus dem Verkauf einer Seven Inch PRO ASYL zugute kommen lassen). Das dazugehörige Musikvideo, für das sich Regisseur Dietrich Brüggemann („3 Zimmer/Küche/Bad“, „HEIL“) verantwortlich zeichnete, feierte heute seine Premiere. Und ist beinahe so großartig wie der Song selbst. Falls ihr im Jahr höchstens ein einziges Mal die Muße haben solltet, bei einem Leitetet genau hinzuhören, dann tut es bitte bei diesem. Danke.

 

 

„Es ist das Jahr 2015 und die Welt spendet Applaus.
Doch worum es gerade geht, wissen wir selbst nicht so genau.
Denn was hat sich verändert in den letzten 5 Jahren?
Also schauen wir uns die Scheiße doch mal an…

700.000 zahlt BMW der CDU,
Plötzlich stimmt Frau Merkel neuen Abgas-Normen nicht mehr zu.
Obama ist noch da und Guantanamo auch.
Da wird schließlich nichts gemacht, außer viel Strom verbraucht.
Die NSA hat seit Jahrzehnten jeden abgehört
Und wir taten überrascht und waren ne Woche lang empört.
Und dann flog Innenminister Friedrich rüber, alle horchten auf.
Er kam wieder mit nem Zettel, da stand ‚Fuck you‘ drauf.
Und Putin rennt durch Wälder und killt Bären zum Vergnügen
Und gibt grünes Licht, um Homosexuelle zu verprügeln.
Gesetze werden über Nacht erlassen und diktiert,
Doch die NPD zu verbieten ist sehr kompliziert.

So lange hier keine Sirenen erklingen,
Keine Soldaten durch unsere Fenster springen,
Keine Nachbarn nachts über Grenzen fliehen
Und unsere Kinder nicht mit Splittern von Grananten spielen,
Ist das meilenweit weg, geht uns das gar nichts an.
Denn das Fernsehen spricht wie immer nicht von diesem Land.
Und wie jedes Jahr, am Silvesterabend
Trinken wir auf unser Leben unterm Tellerrand.

Das war noch lange nicht alles…
In Kairo und Kiew treibt man Menschen in die Enge.
Polizisten ticken aus und schießen wahllos in die Menge.
In nordkorea ist ein großes Kleinkind an der macht,
Das ’nen Atomkrieg provoziert und denkt,
Es wär ne Kissenschlacht.
Der Hunger in der Dritten Welt hat keine Relevanz,
Aber wichtig sind uns Petitionen gegen Markus Lanz.
Asylbewerberheime sind doch sicher, alles klar…
43 Anschläge, und das in einem Jahr.

So lange hier keine Sirenen erklingen,
Keine Soldaten durch unsere Fenster springen,
Keine Nachbarn nachts über Grenzen fliehen
Und unsere Kinder nicht mit Splittern von Grananten spielen,
Ist das meilenweit weg, geht uns das gar nichts an.

Weil ja ein Einzelner nichts verändern kann.
Da muss man dringend was tun, zumindest irgendwann.
Es lebe das Leben unterm Tellerrand.“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Spaceman Spiff – „Norden“


bands_spiff

Vor wenigen Tagen postete Hannes „Spaceman Spiff“ Wittmer folgende Zeilen via Bandcamp:

„hallo ihr lieben menschen,

ich mache bis auf weiteres erstmal pause mit spaceman spiff.
in den letzten monaten oder sogar jahren durfte ich euch auf konzerten lieder vorsingen, wg-küchen beschallen oder auf s-bahn-fahrten in euren kopfhörern sitzen. als dankeschön dafür hab ich das unveröffentlichte lied „norden“ aufgenommen und auf diese seite gestellt.

der download ist umsonst.
wenn ihr möchtet, habt ihr aber die möglichkeit, per „pay what you want“ einen beliebigen betrag zu zahlen. den kompletten gewinn werde ich dann direkt an pro asyl weiterleiten. ladet umsonst down und verteilt weiter oder spendet 1, 5, 13 oder 100 euro weil ihr sowieso irgendwie helfen wolltet.

in jedem fall: habt dank!

hannes / spiff“

spaceman-spiff-endlich-nichts-151358Eine Pause also? Sieht so aus – und eine verdiente noch dazu. Immerhin war der „Spaceman“ – mal allein, mal in Begleitung von Piano-Mann Enno Bunger, mal mit Cellistin Clara – seit dem Erscheinen seines noch immer feinen dritten Albums „Endlich Nichts“ im Januar 2014 (welches noch dazu beim stets auf formidable Veröffentlichungen geeichten Hamburger Indie-Label Grand Hotel Van Cleef veröffentlicht wurde) quasi non-stop auf Achse und Tournee, reiste mit Kulturauftrag und Gitarre sogar bis ins ferne Neuseeland, um dort seine Lieder zu spielen. Vieles erlebt hat er also, der Hannes – und all das gilt es wohl zunächst einmal, sacken zu lassen.

Um allen Freunden seiner Musik – und das werden wohl in den letzten Jahren kaum weniger geworden sein (auf Facebook haben ihm bislang gut 11.000 Nutzer ein „Gefällt mir“ gegeben) – die Wartezeit ein klein wenig zu versüßen, hat der „Spaceman“, der sich von Album zu Album zu einem der besten deutschen Singer/Songwriter gemausert hat, mit „Norden“ noch ein letztes tolles Drei-Minuten-Stück via Bandcamp ins weltweite Netzrund entlassen. Und da der Song ebenso gut zu nahenden Herbst passt wie der Gedanke, allen Hörern die Wahl zwischen „Pay what you want“ und einer Spende an „Pro Asyl“ zu überlassen, großartig ist, zeigt mein Daumen in diesem Fall klar nach oben – ohne Einschränkungen, dafür mit den besten Grüßen an Hannes, dem auch von dieser Seite eine angenehme, erholsame Pause gewünscht sei, aus der er sich hoffentlich nach nicht allzu langer mit neuen, großartigen Liedern zurück meldet. Bis dahin darf „Endlich Nichts“ sicher noch viele, viele Runden in den Kopfhörern während S-Bahn-Fahrten drehen. Oder WG-Küchen beschallen. Oder am anderen Ende der Welt Spuren hinterlassen.

„Bitte raub‘ mir den Atem
Gib‘ ihn nie wieder her
Bis ich vergesse wie Luft schmeckt
Bleib‘ ich bei dir
All die offenen Türen und
Diese Sucht nach mehr
Mit ihren turmhohen Fragen
Fallen über mich her

Meine elende Freiheit
Ist zu groß für uns beide
Bind‘ sie irgendwo an
Auf dass ich noch bleibe

Die Welt ist aus Glas und ich
Ich bin ein Magnet
Ein gebogener Körper
Auf der Suche nach Halt
Ich bin eine Kompassnadel
Die sich pausenlos dreht
Bist du mein Norden
Bist du Wiesen und Wald

Meine elende Freiheit
Ist zu groß für uns beide
Komm‘ wir binden sie fest
Auf dass ich noch bleibe

Meine elende Freiheit
Ist zu groß für uns beide
Bind‘ sie irgendwo an
Auf dass ich noch bleibe
Komm‘ wir binden sie fest
Auf dass ich noch bleibe

Bis ich irgendwann
Meine Freiheit vertreibe

Bitte raub‘ mir den Atem
Gib‘ ihn nie wieder her
Bis ich vergesse wie Luft schmeckt
Bleib‘ ich bei dir“

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Erst geben, dann nehmen – der „UNITED – PiN Soli Sampler 2014“


Bevor man(n) sich die kälteerprobte Kehle mit gepanschter Glühweinplörre verbrennt, sollte man eben auch an jene Menschen denken, denen es in diesen Dezembertagen weniger gut geht als einem selbst. Den gleichen – oder einen ähnlichen – Gedanken hatten wohl auch die musikhörenden Schreiberlinge von prettyinnoise.de und haben den karitativen Sampler „UNITED – PiN Soli Sampler 2014“ ins Netz gestellt – eine unterstützenswerte Aktion, wie ich finde. Ich zitiere:

„Die aktuelle Situation der Flüchtlinge, die tagtäglich über Lampedusa nach Europa kommen, ist verheerend und war es immer. Jeder weiß es, alle bedauern es, aber die Wenigsten setzen sich aktiv für eine Veränderung der Umstände ein. Vor allen Dingen fehlt es an Geld und angemessenen Unterkünften, so dass die Zustände in den Asylbewerberheimen sich zusehends verschlechtern. Organisationen wie PRO ASYL hingegen gehen gegen die Menschenrechtsverletzungen vor, die an der Tagesordnung der Schutzsuchenden stehen.

Den Denkanstoß für den Soli-Sampler gab zuletzt die Band Turbostaat. Zuschauer, die auf den Gästelisten der letzten Tour standen, also keinen Eintritt bezahlten, wurden angehalten, einen Betrag für PRO ASYL zu spenden. Dort möchte auch Pretty in Noise anknüpfen – ein Download Sampler, der nur über das hauseigene Netlabel erhältlich sein wird, soll einen Beitrag zum Erhalt der Menschenwürde leisten. Der Erlös soll zu hundert Prozent an PRO ASYL gespendet werden. Die teilnehmenden Bands stellen teils unveröffentlichte Songs kostenlos zur Verfügung. Mit von der Partie sind unter anderem Spaceman Spiff, Die Sterne, Sea + Air, Sondaschule, The Hirsch Effekt, Karies und Die Wirklichkeit. Dabei ist der Sampler gänzlich von den Grenzen eines bestimmten Genres befreit: ‚Von Hardcore bis zu ruhigeren Klängen wird alles dabei sein‘, erklärt PiN Chefredakteur Marc Michael Mays, der der Initiator der Aktion zur Unterstützung von PRO ASYL ist. Newcomer und bekannte Musiker geben sich auf dem Sampler die Klinke in die Hand.“

 

Erhältlich ist der Sampler seit dem 1. Dezember für fünf Euro oder mehr via Bandcamp. Natürlich kann man sich alle 22 (!) Songs zunächst anhören, bevor man die Spendierhosen ausschüttet:

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: