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Abgehört…


K’s Choice – The Phantom Cowboy (2015)

500x500-000000-80-0-02-erschienen bei Wallaby/Sony-

Mit der Musik ist es manchmal so wie mit dem wahren Leben. Von so einigen Schulfreunden hat man, wenn überhaupt, schon seit Jahren nicht mehr viel gehört. Klar, man weiß so ungefähr, so in etwa, wo und wie sie heute leben, und ab und an melden sie sich mal mit der ein oder anderen Urlaubspostkarte, mit der ein oder anderen knappen Mail oder Facebook-Statusmeldung auf dem Erinnerungsradar zurück. Aber sonst? Nicht viel gehört…

So ist es wohl auch mit K’s Choice. Obwohl die belgische Band nun schon seit mehr als zwanzig Jahren existiert, haben es Frontfrau Sarah Bettens und ihr Bruder Gert bis erst auf ganze sieben Alben gebracht. Okay, kein so schlechter Schnitt, wenn man dazu noch bedenkt, dass nach einer längeren Bandpause zwischen 2000 und 2010 in den Jahren darauf gleich zwei neue Alben erschienen („Echo Mountain“ 2010 und das Akustik-Pendant „Little Echoes“ 2011), und beide immer wieder auch für Solo-Ausflüge gemeinsame Sache machten – Geschwister kann eben kaum etwas trennen. Trotzdem löste die Band nie wirklich das Versprechen ein, dass sie spätestens mit ihrem dritten, 1998 erschienenen Werk „Cocoon Crash„, aufgenommen unter der Ägide von Studioass Gil Norton (unter anderem Foo Fighters, Pixies, Maxïmo Park), gegeben hatten. Die vielen kleinen und großen Hymnen des Albums lassen einen – oder zumindest: mich – noch heute von den Grunge-lastigen Neunzigern träumen, als sich K’s Choice mit Songs wie „Everything For Free„, „Believe“ oder dem fragilen „Now Is Mine“ anschickten, mit ihrer Mischung aus gefühligem Alternative Rock (etwa: Indigo Girls meets R.E.M.) auf Weltformat zu reifen. Doch trotz ausgiebigen Tourneen dies- wie jenseits des Atlantiks behielt die Band ihren Geheimtippstatus, mit dem sie zwar in Benelux hofiert wurden, aber anderswo mit kleineren Festivalslots Vorlieb nehmen mussten. Und: sie arrangierten sich damit. Gert Bettens konzentrierte sich nebenbei aufs Produzieren anderer Künstler oder seine zweite Band Woodface, Schwester Sarah auf ihre Solokarriere (die bislang zwei Alben abwarf). Und wenn sie nicht gerade mit ihrer Gattin die vier gemeinsamen Kinder bespaßt, arbeitet Bettens in ihrer US-amerikanischen Wahlheimat Johnson City, Tennessee, als Feuerwehrfrau.

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Fotos: Anton Coene / Promo

Behält man allein diesen Fakt im Hinterkopf, so ist es kaum verwunderlich, dass das neue, siebente Studioalbum von K’s Choice so klingt, wie es klingt: im positiven Sinne amerikanisch, treibend und gemacht für die mittlere Highway-Fahrspur. Noch dazu hat sich die Band nicht irgendjemanden als Produzenten von „The Phantom Cowboy“ mit ins Boot geholt – hinter den Reglern saß ausgerechnet Queens Of The Stimme Age-Intimus Alain Johannes. Und diese Entscheidung macht sich in den elf neuen Stücken wohl mehr als alles andere bemerkbar. Denn der Mann, der auch als Musiker Bands wie den QOTSA, Them Crooked Vultures oder den Eagles Of Death Metal ordentlich Wüstensand durch den Allerwertesten blies/bläst, hat hörbar am K’s Choice’schen Bandsound geschraubt. So ist „The Phantom Cowboy“ das wohl erste Werk der Bandhistorie, das komplett ohne Ballade(n) auskommt. Freilich mochte man die nicht selten am meisten – dafür war die Kombination aus Akustikgitarren, Piano und Sarah Bettens‘ brüchig-tiefer Stimme einfach zu schön, zu passend. Doch auch das neue Johannes’sche Konzept weiß (mit Abstrichen) zu gefallen. Ist der Opener „As Rock And Roll As It Gets“ noch recht gefällig auf Uptempo getrimmt, kracht schon bei „Woman“ satter Bluesrock über den Hörer herein. Mit „Private Revolution“, „We Are The Universe“, „Come Alive“ oder „Down“ spielt die Band ein bisschen mit bassgetriebenem, melodischem Alternative Rock irgendwo zwischen Foo Fighters, Pearl Jam oder Placebo, und gerade in „Woman“ wird Johannes‘ Arbeit mit den QOTSA mehr als deutlich hörbar gewiss, während anderswo rotzige Gitarrensoli durchs Feld pflügen. Ein potentieller Höhepunkt ist auch das Titelstück, das mit rostiger E-Gitarre und Piano eine wunderbar staubige Westernatmosphäre schafft. „I came a long, long way just to be where I am / I followed no one down and I’m not the same / I saw the wretched mountain of disbelief / I walked right through it and I know what I need“, raunzt Sarah Bettens ins Mikrofon, und ist dem Cowboy-Ideal damit für einen Moment näher als manch ein Genosse vom vermeintlich starken Geschlechts. Leider können gerade auf diesem Album Bettens‘ sonst so feinen Texte nicht mit dem durchgetreteneren Gaspedal-Rock mithalten – viel Erbauungslyrik (seit jeher ja ihr Spezialgebiet), der es sich aber zu oft in Universellem, in Gemeinplätzen gemütlich macht. Und das, obwohl die Frau sonst eine ausgezeichnete Geschichtenerzählerin ist. Da wurde die Kreativität wohl in einem Wildwestkaff stehen gelassen…

Obwohl die gerade einmal 30 Minuten von „The Phantom Cowboy“ viel Licht und Schatten bieten, ist es mit K’s Choice wohl eben wie mit alten Bekannten aus der Jugend, aus der Schulzeit. Man hört zwar nicht mehr viel von ihnen, ist aber jedes Mal froh, die ein oder andere Postkarte im Briefkasten zu finden. An dieser klebt sogar noch ein wenig Wüstenstaub aus den USA…

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Hie gibt es die Musikvideos zu den beiden neuen Songs „Private Revolution“ und „Bag Full Of Concrete“ im Stream:

 

Rock and Roll.

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