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Song des Tages: Portugal. The Man – „Don’t Look Back In Anger“


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Wer sein neustes Werk „Woodstock“ nennt, der sollte damit rechnen, dass dem Gegenüber dabei auch so einige Assoziationen durch die Hirnrinde schießen – welche im Fall von Portugal. The Man durchaus enttäuscht werden.

Denn so richtig politisch ist das achte Album der US-Indierock-Band nicht. Eher: Hipper Hipster-Electro-Soul-Rockpop, der die Blumen nicht (mehr) im Haar trägt, sondern die bunt beschienene Tanzfläche damit ausschmückt, und die Faust nicht wutentbrannt gen Firmament, sondern freudig tanzend gen Diskokugel reckt. Vielmehr entstammt der Titel des neusten Studiowerkes (dem ersten seit „Evil Friends“ von vor vier Jahren) einer Konversation von Heliumstimmen-Frontmann John Gourley mit dessen Vater, der damals, 1969, beim legendären Musikfestival mit dabei gewesen sein soll.

Und diejenigen, die die Karriere von Alaskas Finest seit den Anfängen vor über zehn Jahren (das Debüt „Waiter: ‚You Vultures!‘“ erschien 2006) stetig mitverfolgen, dürften wissen, dass gerade Portugal. The Man eine Band sind, die sich stetigem Wandel unterwirft. Da werden sowohl munter Bandmitglieder getauscht wie die musikalische Ausrichtung – vom zackigen, Pirouetten schlagenden Frickelrock á la The Mars Volta über verqueren Lagerfeuer-Folk bis hin zu von Danger Mouse produziertem psychedelischem Soul-Pop war bereits alles drin in der tönenden Wundertüte aus Wasilla, Alaska.

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Und nun eben: Psych-Electro-Soul (die Eröffnungsnummer „Number One„, welche wiederum mit einem beim „Woodstock“-Festival aufgenommen Sample von Richie Havens beginnt), Autotune und Rapeinlagen („Mr. Lonely“ mit LA-Hip Hopper Fat Lip), Neo-Glam („Live In The Moment“), satte Radio- („Feel It Still„) und Modern-Rock-Hits („Easy Tiger“). Mit der teilweise so schön dreckigen Gitarrenmusik der Anfangstage hat all das nur noch wenig zu tun. Pop-Act (im Kleinen) statt Rock-Combo (mit Indie-Cred). Sonnenbeschienene Nachmittags-Festivalbühne statt miefiger Indie-Club. Das darf man schade oder gar scheiße finden, man kann es aber auch begrüßen. Entscheiden Sie selbst…

 

Um ihr neustes Studioalbum „Woodstock“ ausreichend zu promoten, haben Portugal. The Man kürzlich auch Halt in der niederländischen Radioshow „Ekdom in de Ochtend“ (also: „Ekdom am Morgen“ – mit Moderator Gerard Ekdom, welche auf NPO Radio 2 läuft) gemacht. Dort präsentierte die fünfköpfige Band ihre Covervariante des Oasis-Gassenhauers „Don’t Look Back In Anger“ (welcher durch die Ereignisse in Manchester vor wenigen Wochen wieder aus der Versenkung geholt wurde)…

 

…und eine Akustik-Version den neuen Songs „Feel It Still“:

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Videoneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

 

Thees Uhlmann – Die Bomben meiner Stadt

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Ob’s mit Tomte irgendwann noch weitergeht? Die einen verkünden die Trennung (um Namen zu nennen: der letzte Schlagzeuger Max Schröder), die anderen (Frontmann Thees Uhlmann) lassen die Dinge gern offen… Nichts Genaues weiß keiner. Fakt ist: Jeder macht derzeit sein eigenes Ding. Und im Fall von Thees Uhlmann könnte dieses mit der dicken Aufschrift „Solokarriere“ auch kaum besser laufen. Am 30. August erscheint endlich der Nachfolger zum 2011 veröffentlichten, selbstbetitelten Solodebüt des norddeutschen Wahlberliners. Und auch 2013 hält es Uhlmann beim Titel recht simpel und knapp – Album Nummer zwei wird „#2“ heißen, Punkt, aus, fertig. (Wer Zugaben mag, der sollte sich die Digipack-Version sichern, welche neben der 2-CD-Variante inkl. Livemitschnitt auch noch eine Bonus-DVD sowie ein eventuell gewinnbringendes Rubbelllos enthält… Der Uhl hat Ideen…)

Hier kann man sich mit „Die Bomben meiner Stadt“ bereits einen ersten Song aus „#2“ anhören, der im dazugehörigen Video die ein oder andere Impression von den Albumaufnahmen und den letzten Konzerten bietet… Ein feines Stück, das wohl auch live – Thees Uhlmann und Band gehen im November auf ausgedehnte Tournee zur neuen Platte – für reichlich Stimmung sorgen wird. „Die Bomben meiner Stadt machen boom, boom boom…“

 

 

 

Mumford & Sons – Hopeless Wanderer

Szene aus "Hopeless Wanderer"

Vier Typen in Cordhose und Jeanshemd, die zu idyllischer Landromantikkulisse herzerwärmende, von Banjo, Piano und Standbass angetriebene Melodien für Millionen spielen? Na klar, Mumford & Sons!

Doch halt, irgendwas an diesen vier Typen im Video zu „Hopeless Wanderer“, der neuen Single aus dem Erfolgsalbum „Babel„, ist anders… Richtig! Denn dieses Mal lassen sich Marcus Mumford und seine Bandkollegen optisch von den US-Komikern Ed Helms, Jason Sudeikis, Will Forte und Jason Bateman, welche der ein oder andere eventuell aus Filmen wie „Hangover“ oder „Kill The Boss“ kennen mag, vertreten. Und die machen ihre Sache recht gut… Pathetische Posen? Check! Mimische Beteuerung der eingeschworenen Gemeinschaft? Check! Ausdruckstanz? Check! Rockstar-Attitüden? Check! Wohl dem, der Selbstironie besitzt…

 

 

 

Portugal. The Man – Modern Jesus

Modern Jesus

A propos „Selbstironie“: Die scheinen auch Portugal. The Man zu besitzen. Denn im neusten Video der Band, welche mit „Evil Friends“ im Juni noch ANEWFRIENDs „Album der Woche“ abgeliefert hat, sieht man all jene Dinge, die man bislang eher nicht mit der ursprünglich aus dem kalten Alaska stammenden Band in Verbindung brachte: Beten, Ballern und Bootyshaken. Hat da etwa auch Produzent Danger Mouse seine Finger im Spiel gehabt?

 

 

 

Editors – Formaldehyde

Editors

Wer hätte das gedacht? Da machen die Editors mit ihrem neusten Studioalbum mehr als zehn Schritte zurück in Richtung Rocksound und Bandgefühl, und schon werfen eben jene Kritiker, die beim letzten, vor vier Jahren veröffentlichten Album „In This Light And On This Evening“ noch die Kälte und Sperrigkeit bemängelten, Sänger Tom Smith und seiner zum Quintett angewachsenen Band Anbiederung und Belanglosigkeit vor. Natürlich ist an „The Weight Of Your Love“ nicht alles rund und großartig, aber als Ganzes funktioniert das Album in der Tat. Und mal ganz ehrlich: Was bitteschön ist langweiliger als eine Band, auf die sich alle einigen können? Die Editors polarisierten 2005, als das Debütalbum „The Back Room“ für Furore sorgte. Die Editors polarisieren auch 2013. Lediglich die Bühnen sind groß und lichtdurchfluteter – und Ian Curtis‘ Schatten deutlich kleiner…

Hier gibt’s das Video zur neuen Single „Formaldehyde“, bei welchem der Brite Ben Wheatley (u.a. Sightseers, Kill List) auf dem Regiestuhl saß, und das die aus dem englischen Birmingham stammende Band mal eben in eine Wildwestszenerie versetzt:

 

 

 

Jupiter Jones – Denn sie wissen, was sie tun

Jupiter Jones

A propos „Polarisieren“, a propos „Wildwest“: Beide Fakten könnte man derzeit auch beinahe eins zu eins auf die vier Jungs von Jupiter Jones übertragen. Dabei sind all die Vorwürfe von Pathos und Pop längste alte Hüte für Nicholas Müller, Andreas Becker, Sascha Eigner und Marco Hontheim, denn bereits das 2004 erschienene – und im Übrigen noch immer ganz großartige – Debütalbum „Raum um Raum“ war dem Punklager zu sehr Pop, für’s Poplager war’s jedoch zu viel Punk. Und auch wenn das letzte, selbstbetitelte Album den Kenner und Fan der Band vor zwei Jahren doch mehr als ein Mal müde gähnen ließ, darf sich, wer will, gern auf’s neue Album „Das Gegenteil von Allem„, welches ab dem 11. Oktober in den Regalen stehen wird, freuen… Ich zumindest tue das, und sei es nur, weil ich die Band vor langer Zeit ins Herz geschlossen habe.

Und da war doch noch das Stichwort „Wildwest“… Richtig! Denn ebenso wie das neuste Musikvideo der Editors spielen auch Jupiter Jones im ersten Albumvorboten „Denn sie wissen, was sie tun„, welchen man sich aktuell kostenlos (!) bei Amazon herunterladen kann, groß im Saloon auf. Mit dabei: Ex-Rapper und Deichkind-Chaot Ferris MC sowie Jennifer Rostock-Frontfrau Jennifer Weist. Am Ende lässt diese Konstellation alle wohlmöglich genauso fragend dastehen wie der Fakt, dass Jupiter Jones zum ersten Mal seit fast zehn Jahren wieder richtig aufs musikalische Gaspedal treten… Mutig ist der Zug, all jene, die Songs wie „Still“ (dessen niederländische Coverversion ich hier in Maastricht übrigens vor ein paar Tagen in einem örtlichen Elektronikdiscounter unvermittelt kennen lernen „durfte“) vor ein paar Jahren ins Boot geholt hatten, nun so vor den Kopf zu stoßen, allemal. Steht also auf Album Nummer fünf eine Rückbesinnung auf den Bandsound der Anfangstage an? Oder gar ein noch größerer Spagat zwischen Punk, Rock und Pop? Es bleibt spannend im Hause Jupiter Jones…

 

 

 

Oh Land – Renaissance Girls

Oh Land

Verdammte Popmusik, verdammte Ohrwürmer! Eigentlich will man „Renaissance Girls“, den neusten Vorboten des kommenden Oh Land-Albums „Wish Bone“, gar nicht toll finden… Zu billig produziert und poplastig platt scheint der Song im ersten Moment, zu trashig und Eighties-like sind die Kostüme im dazugehörigen Video. Doch dann: Diese Stimme! Diese Melodie! Dieser um die Ecke gedachte, selbstironische Text! Und Nanna Øland Fabricius, die aus der dänischen Hauptstadt Kopenhagen stammende Dame, welche seit 2008 unter dem Pseudonym Oh Land (eine Anspielung auf ihren Zeitnamen) feine Elektropopsongs veröffentlicht, ist ja auch ganz nett anzuschauen…

Bevor am 24. September das dritte, von TV On The Radio-Kopf Dave Sitek produzierte Album „Wish Bone“ erscheint, bekommt man hier schon einmal einen Vorgeschmack, welcher sich bei mir bereits als hartnäckiger Ohrwurm erwiesen hat. Pop as Pop goes, mit Herz, feministischem Augenzwinkern und Hirn:

„I can be an engine buzzing like a bee, I’m a real independent / Doing the laundry and planning for the future / It’s the nature of a renaissance girl / I can be your darling cooking you dinner and soothing your heartache / Having three kinds and still remain a virgin / It’s my version of a renaissance girl…“

 

 

 

Queens Of The Stone Age – live beim Lollapalooza 2013

Foto: Ian Witlen

Foto: Ian Witlen

Ganz kurz: Alle jene, welche den Auftritt von Josh Homme und seinen Queens Of The Stone Age am 2. August beim diesjährigen Lollapalooza Festival in Chicago verpasst haben, können sich hier die 70-minütige Show im Stream anschauen. Und danach dem aktuellen Album „...Like Clockwork„, welches wohl auch Ende 2013 zu den diesjährigen Veröffentlichungshighlights zählen dürfte, einen neuen Anlauf in der persönlichen Heavy Rotation gönnen…

 

 

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Portugal. The Man – Evil Friends (2013)

Evil Friends (Cover)-erschienen bei Atlantic/Warner-

That’s what we call „Arbeitsethos“: da trat 2006 von Knall auf Fall eine Band aus Wasilla, Alaska mit dem höchst eigentümlichen Namen Portugal. The Man auf den Plan, haute mit „Waiter: ‚You Vultures!‘“ ein nicht weniger eigenartig betiteltes Debütalbum raus – und ließ Hörer wie Musikjournalie mit einem Mix, der den Geist von The Mars Volta aufschnappte und diesen flux durch eine kreative Tretmühle aus der guten Seite des Pop und der dunklen Seite von hasenartigen Hakenschlägen aus Psychedelia-Geniestreichen zog, lobhymnenartig ausflippen. Doch anstatt diesen Weg weiterzugehen, erweiterte die mittlerweile nach Portland, Oregon – heutzutage die heimliche kreative Brutstätte der USA und für Außenstehende mit seiner Mischung aus organic living und Hipstertum (man schaue sich hierfür die grandiose Episoden-Sitcom „Portlandia“ an!) nur schwerlich zu fassen – übergesiedelte Band ihr Klangspektrum und fügte mit ihren im Jahresrhythmus (!) erscheinenden Alben beinahe spielend leicht neue Stile hinzu. Mal verspielter, mal muskelbepackter Rock, gepaart mit fragilen Eigenarten, gar mit psychedelischen, souligen, angebluesten, begospelten und balladesk-hippie’esken Noten? Kein Problem! Und obwohl nicht alles in den Fingern von Sänger und Frontmann John Gourley & Co. zu Gold wurde (das fünfte, 2010 erschienene Album „American Ghetto“ war dann doch vergleichsweise medioker), büssten Platten wie „Church Mouth“ (2007), „The Satanic Satanist / The Majestic Majesty“ (2009 – der Doppeltitel macht daher Sinn, als dass die Band für die Erstausgabe des Albums alle Songs einmal in Full-Band- und Akustikversionen einspielte) oder „In The Mountain In The Cloud“ (2011) auch nach x-maligem Hören wenig bis nichts von ihrer Spielfreude ein – eine Errungenschaft, die dieser noch jungen Band, die mit emsigen Clubtourneen dies- und jenseits des Atlantiks zusätzliche qualitative Eigenwerbung betrieb, gar nicht hoch genug anzurechnen ist und von der sich einige Kollegen gern eine kreative Scheibe abschneiden dürften. Dass nun verhältnismäßig lange zwei Jahre bis zu Album Nummer sieben vergingen? Nun, an mangelnder Kreativität und/oder ausgebliebenen Ideen kann es wahrlich nicht gelegen haben! Der Grund hierfür dürfte schon eher im Fakt zu suchen sein, dass dem mittlerweile beim Majorlabel untergekommenen Quintett kein Geringerer als Brian „Danger Mouse“ Burton als Produzent zur Seite gestellt wurde – ein höchst sonderbarer Kreativling, der Anfang des Jahrtausends mit seinen Jay-Z-meets-Beatles-Samples quasi im Vorbeigehen den „Bastard Pop“ erfand (mit dem sagenumwobenen „Grey Album“ von 2004), und seinen Ruf als Denkzentrum von Gnarls „Crazy“ Barkley sowie als Produzent der Gorillaz, der Black Keys, aber auch von The Good, The Bad & The Queen, Beck oder Norah Jones stetig festigte. Klar, nach Bekanntwerden dieser Konstellation mag man erst einmal verwundert die Augen gerieben haben. Möchte eine große Plattenfirma da ihren Schäfchen auf Krampf mehr Kredibilität und Massentauglichkeit verleihen? Aber hört man nun „Evil Friends„, so hätten Portugal. The Man wohl kaum einen passenderen kreativen Antreiber finden können…

Portugal. The Man #1

Und es geht denn auch fulminant los: Der Opener „Plastic Soldiers“ mausert sich vom Synthesizer-und-Akustikgitarren-Intro alsbald zum mehr als ordentlichen kleinen Instant-Pophit. Und doch zeigen Portugal. The Man dem Vermarktungsdenken der Plattenfirma bereits hier die Grenzen auf – wenn, dann geht’s nach unseren Regeln und Vorstellungen! Heißt: Sänger John Gourley bringt seine markant hohe Stimme ins Spiel, der Rest des Quintetts besorgt gemeinsam mit Burton – anhand so einiger ausgefuchster Spielereien und Reglerdrehungen – das äußerst interessante Gesamtambiente. Dem steht auch „Creep In A T-Shirt“ in nichts nach: „I’m sorry Mr. Policeman / If I wanted to talk I would’ve called a friend /…/ I’m just a creep in a t-shirt, jeans / I don’t fucking care / It’s not because the light here is brighter / And it’s not that I’m evil; I just don’t like to pretend / But I could ever be your friend“ – zu Bläsersätzen sieht Gourley sein eigenes Außenseiterdasein mit einem lachenden Auge und zaubert einen „Uh oh, uh oh“-Refrain aus dem Ärmel, der der Band in einer besseren Musikwelt zum sommerlichen Hit reichen würde. Das Titelstück greift anfangs noch das Thema des Vorgängersongs auf und steigert sich mit Hives-Akkorden und bewusst unschönem Gesang zum fiesen kleinen Rifffuzzrocker. Das ganze Gegenteil davon ist „Modern Jesus“: luftig-leicht, positiv und offen – und dem Himmel und der Hölle der Fremdbestimmtheit mit Zeilen wie „You don’t need sympathy / They got a pill for everything / Just take that dark cloud / Ring it out to wash it down, but / Don’t pray for us / We don’t need no modern Jesus / To roll with us / The only rule we need is never / Giving up / The only faith we have is faith in us“ einerseits eine Absage zu erteilen und gleichzeitig mit Streicherkonserven gen Himmel zu stürmen? Muss man auch erst einmal hinbekommen! Und der Reigen der verqueren Eingängigkeit ist damit keineswegs zu Ende: „Hip Hop Kids“ führt verstärkt rockend Textzeilen wie „Yeah, the punks are done / Fuck those rock’n’rollers / All the hip hop kids think we give a shit / Well, we don’t / We don’t“ ad absurdum, „Atomic Man“ pendelt zwischen polterndem Schlagzeug, Muckertum, Backgroundchören und einem fragilen Piano-Mittelteil („After you I don’t know what I believe in / After you, hell should be easy / After you I don’t know what I believe in / After you, hell will be easier“) hin und her, bevor Burton Gourleys Selbstzweifeln mit einem Luftabschnittsrückkopplung ein Ende setzt, „Sea Of Air“ ist ein erneuter Versuch der Band, eine sanfte, hippie’eske Mitklatschballade zustande zu bringen – und doch fährt auch hier ein kurzer Orchesterzug in die beschauliche Parade. Aus ähnlichem Musikalienholz ist auch „Waves“, das sich partout nicht zwischen Ballade und schrägem Gitarrenrocker entscheiden mag. „Holy Roller (Hallelujah)“ trägt seinem Titel Rechnung und schmuggelt eine Ahnung von Gospel’n’Soul aufs Album. Dass sich „Someday Believers“ und „Red Yellow Red And Blue“ darauf für acht Minuten ein wenig in der Mittelmäßigkeit verlieren? Macht nichts, denn der großartige Abschluss „Smile“ ist mit Abstand einer der – bisher – besten Songs im nicht eben schlechten Portugal. The Man-Backkatalog. In seinen fünf Minuten schwingt sich dieses Mini-Epos vom Akustikgitarren-Intro, dem schon bald ein Piano, ein elektronisch verfremdet hallendes Schlagzeug und eine Armada aus Streichern folgen, bis zu einem (viel zu kurzen) Gitarrensolo auf, bei dem vorm finalen Fade-out noch einmal alle musikalischen Dämme brechen. Grandios auch Gourleys Zeilen: „When I wake up early in the morning I don’t watch the news / I just wake up read the smile by you / And I don’t wanna talk about the world / I just wanna smile and smile some more / We watched the sun come up / But take it down to hide it / Seems like this spring has come and gone / Felt like forever“. Schön. Und wahr. Wahrlich schön also? Sowas von!

Portugal. The Man #2

Schlussendlich ist „Evil Friends“ wohl genau das, was man sich als Idealvorstellung von der Zusammenarbeit von Portugal. The Man und Brian „Danger Mouse“ Burton erhofft haben dürfte, denn den zwölf neuen Stücken des siebenten Portugal The. Man-Albums in acht Jahren hört man die „klassischen“ Trademarks der Band ebenso an wie den Input des Produzenten, der hinlänglich dafür bekannt ist, mehr als einmal über den kreativen Tellerrand zu schielen. Und obwohl sich Portugal. The Man auch für „Evil Friends“ keinesfalls großartig verbiegen lassen (und das kann auch nicht im Sinne des Produzenten gewesen sein), fügt Burton dem psychedlisch rockenden ProgPop der Band, der nach wie vor beliebig durch die Jahrzehnte und Musikstile hoppelt und blubbert und sich ebenso bei britischen Artverwandten wie den Beatles, The Verve oder Oasis Ideen holt wie US-amerikanischen Kollegen wie den Shins, eben jene Komponenten hinzu, die den 49 Minuten eben jenes Quäntchen Eingängigkeit verleihen, die „Evil Friends“ zu einem der verquersten Indie-ProgPop-Alben des Sommers machen wird. Dabei wollten Portugal. The Man anfangs eine „düstere“ Platte einspielen… Eigensinn siegt, und die Sonne scheint. Außenseiter, Spitzenreiter? In einer gerechten Musikwelt würde es für diese zwölf „Evil Friends“ sicherlich Freundschaftsanfragen hageln…

(Einen Abzug in der B-Note bekommt die Band übrigens für die überraschend lieblose Albumgestaltung. Eine CD im Pappdigipack – ohne die schönen, verspielten Gimmicks, die Alben wie „The Satanic Satanist“ oder „In The Mountain In The Cloud“ noch zu solch‘ feinen optischen Hinguckern machten? Dazu gar ohne Booklet?!? ANEWFRIEND erwartet hierfür zwar keine Erklärung, jedoch baldigst Besserung! Immerhin: die kargen Produktionsinfos verlautbaren, dass irgendwo auf dem Album die beiden Haim-Schwestern Danielle und Este Gastauftritte haben sollen…)

Tracklist...

 

Hier kann man sich die Musikvideos zum Titelsong von „Evil Friends“…

 

…sowie zu „Purple Yellow Red And Blue“…

 

…und zu „Atomic Man“ ansehen…

 

…und hier die Track-By-Track-Erklärungen der Band zu ihrem neusten Kreativstreich lesen (über ampya.com).

 

 

Und als gewohnt besonderen Service hat euch ANEWFRIEND zum Einstieg in den Bandkosmos das – natürlich – höchst subjektiv Beste aus acht Jahren und sieben Alben von und mit Portugal. The Man auf insgesamt etwa 110 Minuten zusammengestellt:

 

Best Of (Cover)CD 1

1.  So American

2.  Plastic Soldiers

3.  How The Leopard Got Its Spots

4.  All My People

5.  My Mind

6.  The Home

7.  Atomic Man

8.  And I

9.  Gold Fronts

10. Stables & Chairs

11. Seventeen

12. Dawn

13. Senseless

 

CD 2

1.  Church Mouth

2.  Hip Hop Kids

3.  Aka M80 The Wolf

4.  Salt

5.  The Devil

6.  Elephants

7.  Children

8.  Shade (Purevolume Acoustic Session)

9.  Modern Jesus

10. Do You

11. Smile

12. Let You Down

13. Mornings

14. Share Me With The Sun

15. Created

16. People Say (acoustic)

 

…von „Waiter: ‚You Vultures!'“ (2006): 3, 9, 10 (CD1) + 3, 6 (CD2)

…von der „Devil Say I, I Say AIR“ EP (2007): 5 (CD2)

…von „Church Mouth“ (2007): 5, 12 (CD1) + 1, 7 (CD2)

…von der „My Mind“ Single (2007): 11 (CD1)

…von „Censored Colors“ (2008): 8 (CD1) + 4, 15 (CD2)

…von „The Satanic Satanist / The Majestic Majesty“ (2009): 6 (CD1) + 10, 12, 13, 16 (CD2)

…von „American Ghetto“ (2010): 4 (CD1)

…von „In The Mountain In The Cloud“ (2011): 1, 13 (CD1) + 14 (CD2)

…von „Evil Friends“ (2013): 2, 7 (CD1) + 2, 9, 11 (CD2)

 

Rock and Roll.

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