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Sunday Listen: Anna Tivel – „Small Believer“


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„Even in Americana as a genre today, people tend to forget that the best songwriters are great storytellers, and the best storytellers source their material from what they observe around themselves. The best songs don’t need to be complex or virtuosic, they just need to mean something to someone. That’s how they last.“

Gemessen an diesen, von folkradio.co.uk angesetzten Maßstäben ist Anna Tivel eine der besten Geschichtenerzählerinnen, die derzeit unter dem „Americana“-Banner in die Saiten greifen. Und zu behaupten, dass es die Musikerin aus dem US-amerikanischen Portland, Oregon mit Erzählkunst-Größen wie Josh Ritter oder Matthew Ryan – in deren jeweils besten Momenten, freilich – aufnehmen kann, erscheint keineswegs vermessen.

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Das beweist Anna Tivel auch auf ihrem neuen, im September erschienenen Album „Small Believer“ (nach „Before Machines“ von 2014 und „Heroes Waking Up“ von 2016 ist es bereits ihr drittes). Ohne großes rockistisches Tam-tam und nur ab und von einer Fiddle, einem Akkordion, Schlagzeug oder sanften E-Gitarren unterstützt erzählt Tivel, deren Stimme manchmal an schöne Sirenen wie Lisa Hannigan erinnert, zur Akustischen elf von Austin Nevins (Josh Ritter, Della Mae) produzierte Geschichten von Menschen und deren Schicksalen: von tagträumenden Obdachlosen („Riverside Hotel“), einsamen Kellnerinnen („Last Cigarette“) oder gottverlassenen Trinkern („Alleyways“). Von Personen, die wir tagsüber meist achtlos an uns vorüber ziehen lassen. Vom harten Kampf ums Überleben, tagein, tagaus, an den Ärschen der Welt. Aber auch von Liebe, von Hoffnung, die – bestenfalls – den Kampf gegen den Zweifel, die Verzweiflung gewinnen kann. Riecht in dieser Beschreibung verdächtig nach dem allmächtigen Bruce Springsteen, kommt jedoch leise und wunderschön daher. Man muss nur genau hinhören…

 

Anna Tivels neues Album findet man auf der Bandcamp-Seite der Singer/Songwriterin – wie auch schon die anderen beiden Werke – im Stream:

 

 

(Den Albumvorgänger „Heroes Waking Up“ findet man übrigens via archive.org zum kostenlosen Download…)

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Kyle Craft – „Chelsea Hotel #2“


kyle-craft-cover photo by Mercy McNab

Foto: Mercy McNab

Chelsea Hotel #2„? Aye, Sir – großartig. Ein Klassiker der klassischsten Leonard-Cohen-Machart, veröffentlicht anno 1974 auf dem vierten Studioalbum des im vergangenen Jahr verstorbenen Troubadour-Großmeisters und Ladies‘ Man, „New Skin For The Old Ceremony“. Geschrieben vielleicht im, in jedem Fall über das Chelsea Hotel, jene berühmt-berüchtigte Absteige im New Yorker Künstler- und Einkaufsviertel Chelsea, 1883 erbaut und bis 1902 sogar das höchste Gebäude des Big Apple. Dass ebenjenes Hotel erst ab den Sechzigern, als sich zahlreiche Musiker, Schriftsteller und Künstler wie Salvador Dalí, Thomas Wolfe, Arthur Miller, Dylan Thomas, Charles R. Jackson, Nico, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Catherine Leroy, Valerie Solanas, Patti Smith oder eben Leonard Cohen sprichwörtlich die Klinke in die Hand gaben, Berühmtheit erlangte – alles Musikhistorie. Ebenso wie der Fakt, dass es ausgeflippten Kunstschaffenden wie Andy Warhol und seiner „Factory“ als „Spielwiese“ für deren später wegweisende Film- und Kunstaktivitäten diente (Velvet Underground, anyone?). Oder die Tatsache dass ebenda im Jahr 1978 ein zwar absolut talentfreier, jedoch charismatisch-durchgedrehter Bassist mit dem Künstlernamen Sid Vicious (Sie wissen schon: die Sex Pistols – ihres Zeichens die welterste zusammen gecastete Punk-Boygroup) im Zimmer Nummer 100 seine Freundin Nancy Spungen – mutmaßlich im Drogenrausch – erstach und im Jahr darauf im selben Zimmer an einer Überdosis verstarb. Da der Hotelbetrieb seit 2011 wegen Renovierungsarbeiten eingestellt wurde, und die historischen Gemäuer nördlich von Greenwich Village und südlich des Garment District in der 222 West 23rd Street bei soviel umwehtem Geist wohl heutzutage nur enttäuschen können, hält man sich doch am Besten an den unkaputtbaren Leonard-Cohen-Song, in welchem dieser in seiner unnachahmlichen Art – mutmaßlich, denn bestätigen wollte er es freilich nie – von einer zwar kurzen, jedoch wohl höchst intensiven Liebschaft mit Rockröhre Janis Joplin berichtet: „I remember you well in the Chelsea Hotel / You were talking so brave and so sweet / Giving me head on the unmade bed / While the limousines wait in the street“. Wie so oft bei Cohen gehen graue Realität und deren romantische Verklärung, Anziehung, Verlangen, sauige Leibeslust und tiefe Spiritualität Hand in Hand durch alle Zeilen: „I remember you well in the Chelsea Hotel / You were famous, your heart was a legend / You told me again you preferred handsome men / But for me you would make an exception / And clenching your fist for the ones like us / Who are oppressed by the figures of beauty / You fixed yourself, you said, ‚Well never mind, / We are ugly but we have the music'“. Wenn schon der Dylan-Bob ’nen Nobelpreis für’s Lebenswerk bekommt, dann sollte Leonard Cohen höchstbald folgen…

homepage_large.fdd38cb8Kaum schlechter als das Original ist die Version von Kyle Craft, welche der im künstlerisch dicht bevölkerten Portland, Oregon beheimatete US-amerikanische Musiker kürzlich in einer Piano-Variante zum Besten gab. Apropos Kyle Craft: der 28-Jährige wird aufgrund seines leicht überreizt quengeligen Gesangsorgans gern mit Dylan verglichen, während der Bandsound seines 2016 erschienenen Debüts „Dolls Of Highland“ Vergleiche mit Bruce Springsteens E Street Band nahe legt (nicht als Rentnergang, aber in deren tighter Siebziger-Form). Außerdem recht oft in der Review-Wundertüte: Glam Rock (Bowie, T.Rex, Queen – der Hang zur pathetischen Übertreibung), erdiger Rock’n’Roll, Southern Rock (was nicht verwundert, denn Craft wurde in Shreveport, Louisiana geboren und verbrachte somit fast zwangsläufig Teile seiner Kindheit im baptistischen Kirchenchor zu). Ich selbst höre in Songs wie „Eye of a Hurricane„, „Lady of the Ark“ oder dem Titelstück des Debütalbums vielmehr Künstler wie Jesse Malin (den diesseits des Atlantiks noch immer viel zu wenige kennen) raus, während Crafts Stimmbänder gleich neben Starsailor-Frontmann James Walsh parken (Sie wissen schon, die gaaanz große Dramaschublade von „Alcoholic“ und so). Aber wie immer darf ja jede(r) gern seine ganz eigenen Vergleiche ziehen…

 

 

„I remember you well in the Chelsea Hotel
You were talkin‘ so brave and so sweet
Givin‘ me head on the unmade bed
While the limousines wait in the street

Those were the reason an‘ that was New York
We were runnin‘ for the money and the flesh
An‘ that was called love for the workers in song
Probably still is for those of them left

Ah, but you got away, didn’t you babe
You just turned your back on the crowd
You got away, I never once heard you say
I need you, I don’t need you
I need you, I don’t need you
And all of that jiving around 

I remember you well in Chelsea Hotel
You were famous, your heart was a legend
You told me again you preferred handsome men
But for me you would make an exception

An‘ clenching your fist for the ones like us
Who are oppressed by the figures of beauty
You fixed yourself, you said, „Well, never mind
We are ugly but we have the music“

And then you got away, didn’t you baby
You just turned your back on the crowd
You got away, I never once heard you say
I need you, I don’t need you
I need you, I don’t need you
And all of that jiving around

I don’t mean to suggest that I loved you the best
I can’t keep track of each fallen robin
I remember you well in Chelsea Hotel
That’s all, I don’t even think of you that often“

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Portugal. The Man – Evil Friends (2013)

Evil Friends (Cover)-erschienen bei Atlantic/Warner-

That’s what we call „Arbeitsethos“: da trat 2006 von Knall auf Fall eine Band aus Wasilla, Alaska mit dem höchst eigentümlichen Namen Portugal. The Man auf den Plan, haute mit „Waiter: ‚You Vultures!‘“ ein nicht weniger eigenartig betiteltes Debütalbum raus – und ließ Hörer wie Musikjournalie mit einem Mix, der den Geist von The Mars Volta aufschnappte und diesen flux durch eine kreative Tretmühle aus der guten Seite des Pop und der dunklen Seite von hasenartigen Hakenschlägen aus Psychedelia-Geniestreichen zog, lobhymnenartig ausflippen. Doch anstatt diesen Weg weiterzugehen, erweiterte die mittlerweile nach Portland, Oregon – heutzutage die heimliche kreative Brutstätte der USA und für Außenstehende mit seiner Mischung aus organic living und Hipstertum (man schaue sich hierfür die grandiose Episoden-Sitcom „Portlandia“ an!) nur schwerlich zu fassen – übergesiedelte Band ihr Klangspektrum und fügte mit ihren im Jahresrhythmus (!) erscheinenden Alben beinahe spielend leicht neue Stile hinzu. Mal verspielter, mal muskelbepackter Rock, gepaart mit fragilen Eigenarten, gar mit psychedelischen, souligen, angebluesten, begospelten und balladesk-hippie’esken Noten? Kein Problem! Und obwohl nicht alles in den Fingern von Sänger und Frontmann John Gourley & Co. zu Gold wurde (das fünfte, 2010 erschienene Album „American Ghetto“ war dann doch vergleichsweise medioker), büssten Platten wie „Church Mouth“ (2007), „The Satanic Satanist / The Majestic Majesty“ (2009 – der Doppeltitel macht daher Sinn, als dass die Band für die Erstausgabe des Albums alle Songs einmal in Full-Band- und Akustikversionen einspielte) oder „In The Mountain In The Cloud“ (2011) auch nach x-maligem Hören wenig bis nichts von ihrer Spielfreude ein – eine Errungenschaft, die dieser noch jungen Band, die mit emsigen Clubtourneen dies- und jenseits des Atlantiks zusätzliche qualitative Eigenwerbung betrieb, gar nicht hoch genug anzurechnen ist und von der sich einige Kollegen gern eine kreative Scheibe abschneiden dürften. Dass nun verhältnismäßig lange zwei Jahre bis zu Album Nummer sieben vergingen? Nun, an mangelnder Kreativität und/oder ausgebliebenen Ideen kann es wahrlich nicht gelegen haben! Der Grund hierfür dürfte schon eher im Fakt zu suchen sein, dass dem mittlerweile beim Majorlabel untergekommenen Quintett kein Geringerer als Brian „Danger Mouse“ Burton als Produzent zur Seite gestellt wurde – ein höchst sonderbarer Kreativling, der Anfang des Jahrtausends mit seinen Jay-Z-meets-Beatles-Samples quasi im Vorbeigehen den „Bastard Pop“ erfand (mit dem sagenumwobenen „Grey Album“ von 2004), und seinen Ruf als Denkzentrum von Gnarls „Crazy“ Barkley sowie als Produzent der Gorillaz, der Black Keys, aber auch von The Good, The Bad & The Queen, Beck oder Norah Jones stetig festigte. Klar, nach Bekanntwerden dieser Konstellation mag man erst einmal verwundert die Augen gerieben haben. Möchte eine große Plattenfirma da ihren Schäfchen auf Krampf mehr Kredibilität und Massentauglichkeit verleihen? Aber hört man nun „Evil Friends„, so hätten Portugal. The Man wohl kaum einen passenderen kreativen Antreiber finden können…

Portugal. The Man #1

Und es geht denn auch fulminant los: Der Opener „Plastic Soldiers“ mausert sich vom Synthesizer-und-Akustikgitarren-Intro alsbald zum mehr als ordentlichen kleinen Instant-Pophit. Und doch zeigen Portugal. The Man dem Vermarktungsdenken der Plattenfirma bereits hier die Grenzen auf – wenn, dann geht’s nach unseren Regeln und Vorstellungen! Heißt: Sänger John Gourley bringt seine markant hohe Stimme ins Spiel, der Rest des Quintetts besorgt gemeinsam mit Burton – anhand so einiger ausgefuchster Spielereien und Reglerdrehungen – das äußerst interessante Gesamtambiente. Dem steht auch „Creep In A T-Shirt“ in nichts nach: „I’m sorry Mr. Policeman / If I wanted to talk I would’ve called a friend /…/ I’m just a creep in a t-shirt, jeans / I don’t fucking care / It’s not because the light here is brighter / And it’s not that I’m evil; I just don’t like to pretend / But I could ever be your friend“ – zu Bläsersätzen sieht Gourley sein eigenes Außenseiterdasein mit einem lachenden Auge und zaubert einen „Uh oh, uh oh“-Refrain aus dem Ärmel, der der Band in einer besseren Musikwelt zum sommerlichen Hit reichen würde. Das Titelstück greift anfangs noch das Thema des Vorgängersongs auf und steigert sich mit Hives-Akkorden und bewusst unschönem Gesang zum fiesen kleinen Rifffuzzrocker. Das ganze Gegenteil davon ist „Modern Jesus“: luftig-leicht, positiv und offen – und dem Himmel und der Hölle der Fremdbestimmtheit mit Zeilen wie „You don’t need sympathy / They got a pill for everything / Just take that dark cloud / Ring it out to wash it down, but / Don’t pray for us / We don’t need no modern Jesus / To roll with us / The only rule we need is never / Giving up / The only faith we have is faith in us“ einerseits eine Absage zu erteilen und gleichzeitig mit Streicherkonserven gen Himmel zu stürmen? Muss man auch erst einmal hinbekommen! Und der Reigen der verqueren Eingängigkeit ist damit keineswegs zu Ende: „Hip Hop Kids“ führt verstärkt rockend Textzeilen wie „Yeah, the punks are done / Fuck those rock’n’rollers / All the hip hop kids think we give a shit / Well, we don’t / We don’t“ ad absurdum, „Atomic Man“ pendelt zwischen polterndem Schlagzeug, Muckertum, Backgroundchören und einem fragilen Piano-Mittelteil („After you I don’t know what I believe in / After you, hell should be easy / After you I don’t know what I believe in / After you, hell will be easier“) hin und her, bevor Burton Gourleys Selbstzweifeln mit einem Luftabschnittsrückkopplung ein Ende setzt, „Sea Of Air“ ist ein erneuter Versuch der Band, eine sanfte, hippie’eske Mitklatschballade zustande zu bringen – und doch fährt auch hier ein kurzer Orchesterzug in die beschauliche Parade. Aus ähnlichem Musikalienholz ist auch „Waves“, das sich partout nicht zwischen Ballade und schrägem Gitarrenrocker entscheiden mag. „Holy Roller (Hallelujah)“ trägt seinem Titel Rechnung und schmuggelt eine Ahnung von Gospel’n’Soul aufs Album. Dass sich „Someday Believers“ und „Red Yellow Red And Blue“ darauf für acht Minuten ein wenig in der Mittelmäßigkeit verlieren? Macht nichts, denn der großartige Abschluss „Smile“ ist mit Abstand einer der – bisher – besten Songs im nicht eben schlechten Portugal. The Man-Backkatalog. In seinen fünf Minuten schwingt sich dieses Mini-Epos vom Akustikgitarren-Intro, dem schon bald ein Piano, ein elektronisch verfremdet hallendes Schlagzeug und eine Armada aus Streichern folgen, bis zu einem (viel zu kurzen) Gitarrensolo auf, bei dem vorm finalen Fade-out noch einmal alle musikalischen Dämme brechen. Grandios auch Gourleys Zeilen: „When I wake up early in the morning I don’t watch the news / I just wake up read the smile by you / And I don’t wanna talk about the world / I just wanna smile and smile some more / We watched the sun come up / But take it down to hide it / Seems like this spring has come and gone / Felt like forever“. Schön. Und wahr. Wahrlich schön also? Sowas von!

Portugal. The Man #2

Schlussendlich ist „Evil Friends“ wohl genau das, was man sich als Idealvorstellung von der Zusammenarbeit von Portugal. The Man und Brian „Danger Mouse“ Burton erhofft haben dürfte, denn den zwölf neuen Stücken des siebenten Portugal The. Man-Albums in acht Jahren hört man die „klassischen“ Trademarks der Band ebenso an wie den Input des Produzenten, der hinlänglich dafür bekannt ist, mehr als einmal über den kreativen Tellerrand zu schielen. Und obwohl sich Portugal. The Man auch für „Evil Friends“ keinesfalls großartig verbiegen lassen (und das kann auch nicht im Sinne des Produzenten gewesen sein), fügt Burton dem psychedlisch rockenden ProgPop der Band, der nach wie vor beliebig durch die Jahrzehnte und Musikstile hoppelt und blubbert und sich ebenso bei britischen Artverwandten wie den Beatles, The Verve oder Oasis Ideen holt wie US-amerikanischen Kollegen wie den Shins, eben jene Komponenten hinzu, die den 49 Minuten eben jenes Quäntchen Eingängigkeit verleihen, die „Evil Friends“ zu einem der verquersten Indie-ProgPop-Alben des Sommers machen wird. Dabei wollten Portugal. The Man anfangs eine „düstere“ Platte einspielen… Eigensinn siegt, und die Sonne scheint. Außenseiter, Spitzenreiter? In einer gerechten Musikwelt würde es für diese zwölf „Evil Friends“ sicherlich Freundschaftsanfragen hageln…

(Einen Abzug in der B-Note bekommt die Band übrigens für die überraschend lieblose Albumgestaltung. Eine CD im Pappdigipack – ohne die schönen, verspielten Gimmicks, die Alben wie „The Satanic Satanist“ oder „In The Mountain In The Cloud“ noch zu solch‘ feinen optischen Hinguckern machten? Dazu gar ohne Booklet?!? ANEWFRIEND erwartet hierfür zwar keine Erklärung, jedoch baldigst Besserung! Immerhin: die kargen Produktionsinfos verlautbaren, dass irgendwo auf dem Album die beiden Haim-Schwestern Danielle und Este Gastauftritte haben sollen…)

Tracklist...

 

Hier kann man sich die Musikvideos zum Titelsong von „Evil Friends“…

 

…sowie zu „Purple Yellow Red And Blue“…

 

…und zu „Atomic Man“ ansehen…

 

…und hier die Track-By-Track-Erklärungen der Band zu ihrem neusten Kreativstreich lesen (über ampya.com).

 

 

Und als gewohnt besonderen Service hat euch ANEWFRIEND zum Einstieg in den Bandkosmos das – natürlich – höchst subjektiv Beste aus acht Jahren und sieben Alben von und mit Portugal. The Man auf insgesamt etwa 110 Minuten zusammengestellt:

 

Best Of (Cover)CD 1

1.  So American

2.  Plastic Soldiers

3.  How The Leopard Got Its Spots

4.  All My People

5.  My Mind

6.  The Home

7.  Atomic Man

8.  And I

9.  Gold Fronts

10. Stables & Chairs

11. Seventeen

12. Dawn

13. Senseless

 

CD 2

1.  Church Mouth

2.  Hip Hop Kids

3.  Aka M80 The Wolf

4.  Salt

5.  The Devil

6.  Elephants

7.  Children

8.  Shade (Purevolume Acoustic Session)

9.  Modern Jesus

10. Do You

11. Smile

12. Let You Down

13. Mornings

14. Share Me With The Sun

15. Created

16. People Say (acoustic)

 

…von „Waiter: ‚You Vultures!'“ (2006): 3, 9, 10 (CD1) + 3, 6 (CD2)

…von der „Devil Say I, I Say AIR“ EP (2007): 5 (CD2)

…von „Church Mouth“ (2007): 5, 12 (CD1) + 1, 7 (CD2)

…von der „My Mind“ Single (2007): 11 (CD1)

…von „Censored Colors“ (2008): 8 (CD1) + 4, 15 (CD2)

…von „The Satanic Satanist / The Majestic Majesty“ (2009): 6 (CD1) + 10, 12, 13, 16 (CD2)

…von „American Ghetto“ (2010): 4 (CD1)

…von „In The Mountain In The Cloud“ (2011): 1, 13 (CD1) + 14 (CD2)

…von „Evil Friends“ (2013): 2, 7 (CD1) + 2, 9, 11 (CD2)

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Naturgemäß benötigen die Platten der Band, welche ANEWFRIENDs aktuelles „Album der Woche“ liefert, ein wenig länger, um final zu zünden (was ebenso an meinen Hörgewohnheiten liegen mag wie an der Verspieltheit und Komplexität selbst). Dennoch ist es dieses Werk, das seinen Voraussetzungen eindrucksvoll die Stirn bietet, wert, gehört, erwähnt und auseinander genommen zu werden.

Aber lest selbst…

(Und: irgendwie erscheint es an dieser Stelle doch passend – immerhin ist in wenigen Tagen Muttertag…)

 

Menomena – Moms (2012)

Menomena - Moms (Cover)-erschienen bei Barsuk/Alive-

Freunde kann man sich aussuchen, die eigene Familie nicht. – Kein Satz könnte die Entstehungsgeschichte von „Moms„, dem aktuellen, fünften Album der aus dem US-amerikanischen Portland (Oregon) stammenden Band Menomena wohl passender beschreiben…

Denn nach der Tour zum Vorgänger „Mines“ (2010 erschienen) verließ 2011 der bisherige Bandkopf Brent Knopf die Band – zu unüberbrückbar waren wohl die persönlichen Gräben geworden, die ihn und die anderen beiden Gründungsmitglieder Danny Seim und Justin Harris mittlerweile trennten (wer damals einem der Konzerte von Menomena bewohnte, berichtete folglich, dass da auf der Bühne zwar allerhand kreatives Können zu beobachten war, jedoch auch ebenso viel Spannung und Diskrepanz). Nur: Knopf hinterließ nicht nur eine Lücke an den Saiteninstrumenten und dem Keyboard, er nahm auch das von ihm eigens für seine (Ex-)Band entworfene Aufnahmeprogramm „Deeler“ mit zu seiner damaligen Zweit- und ab dahin Hauptband Ramona Falls. Doch anstatt die sprichwörtliche Flinte ins Korn zu werfen, besannen sich die zum Duo geschrumpften Menomena – nun in Form der High School-Buddies Harris (Gesang, Gitarre, Saxofon) und Seim (Gesang, Schlagzeug) – auf ihre Stärken, und nahmen das neue Album „Moms“ zum Anlass, um auch mit unerfreulichen privaten Altlasten reinen Tisch zu machen.

Menomena #1

Und demnach ist in den 50 Minuten auch keineswegs alles eitel Sonnenschein. Man höre sich nur das bewusst in der Albummitte positionierte „Heavy As Heavy Does“ an: „Heavy are the branches hanging from my fucked up family tree / And heavy was my father / A stoic man of pride and privacy / And I don’t care much for wishful thinking / As heavy as I breathe / Because I don’t believe in second chances / As heavy as I leave / As prideful as a man he was / Proud my father never was of me / I did it for survival / But I’ll look like the asshole anyway“ – Uff, schwerer Tobak, in der Tat! Zum Glück gleitet das Stück vom anfangs noch getragenen Piano gen Ende in windschiefe „Ahh“-Chöre und ein schneidendes Gitarrensolo über, die die Stimmung kurz vorm mentalen Absaufen retten. Doch sieht man einmal von den Texten, in welche das Duo so einige Kindheitstraumata verpackt (Harris‘ wuchs als Sohn einer alleinerziehenden Mutter auf, Seims Mutter verstarb sehr früh), ab, so hat sich auch nach Knopfs Weggang nicht all zu viel im Hause Menomena verändert, denn noch immer geht die Band in Komposition und Ausführung recht eigene Wege, noch immer sperren sich beinahe alle Songs davor, zu schnell schön (und somit zu schnell tot-) gehört zu werden.

Bereits der Opener „Plumage“ offeriert durch Handclaps, Piano und rollende Riffs ein trügerisches Westcoast-Feeling, während der Text nach beständigen Grundfesten sucht: „Animal / I’m nothing more than an animal / In search of another animal / To tame and claim as my own“. „Capsule“ geht diesen Weg weiter, groovt sich – auf äußerst kratzbürstige Art und Weise – noch mehr ein, und bringt außerdem elektronische Beats und Harris‘ charakteristisches Bariton-Saxofon ins Spiel. „Pique“ knallt dem Hörer ein groß aufspielendes Gitarrensolo in die Gehörgänge, „Baton“ überzeugt mit geschlenzter Percussion, während die Band textlich die Heilige Maria erst zum Therapeuten, und anschließend in die dunkelsten Ecken der Leichenhalle verschleppt. Da danach – und vor allem nach dem bereits erwähnten mentalen Tiefpunkt „Heavy As Heavy Does“ (welcher wiederum als Song das Highlight der Platte ist) – ein wenig Zerstreuung gut tut, lassen Harris und Seim mit „Giftshoppe“ einen nach allen Seiten ausfransenden Space-Rocker folgen, und schwören sich in „Skintercourse“ zu hämmerndem Piano selbst: „I won’t go back to where I once was“. Leider verliert „Moms“ danach im durchgespaceten, komplett laid back daher wackelnden Bass-Groover „Tantalus“ oder dem nervös plätschernden „Don’t Mess With Latexas“ etwas an Spannung, und weiß erst zum Anschluss mit der fahrigen, achtminütigen Rock-Suite „One Horse“, die noch einmal zwischen kalifornischem Sonnenstrand und Brian Wilsons Aufnahmestudio hin und her springt, wieder einigermaßen zu überzeugen.

Menomena (by Alicia J Rose)

Was also ist vom bereits im vergangenen Oktober erschienenen „Moms“ zu halten? Sicherlich: all jene, die Knopfs kreative Note, sein perlendes Piano, seine Midtempo-Balladen und durchdringende mystische Stringenz vermissen, dürften schon ein Suppenhaar im neuen Menomena-Album finden. Doch obwohl das fünfte Werk nicht mit seinen großen, da großartigen Vorgängern „Mines“ (von 2010) oder „Friend and Foe“ (2007 veröffentlicht und für mich persönlich bis heute das absolute manisch-genialische Highlight im Bandkatalog!) mithalten kann, haben Harris und Seim das beste aus der für sie freilich nicht eben glanzvollen Ausgangslage gemacht und ein Album aufgenommen, das beide gleichsam als Zementierung der eigenen Stärken und des gemeinsamen Zusammenspiels sowie als vertonte Therapiesitzung im Aufnahmestudio nutzen – Ironie (mit Schlagseite hin zu süß-saurem Sarkasmus) und Lakonie als Allheilmittel, quasi. Immer noch hauen Menomena Referenzen aus Sixties- und Seventies-Rock’n’Pop in einen Topf, um ihn da mit Gewürzen aus Funk, Soul oder Surf-Punk zu verfeinern, und setzen dem Hörer ihre sämig groovenden Gerichte vor, ohne jedoch ein Sterbenswort über die exakte Rezeptur zu verraten. Der daraus resultierende Menomena’sche Vorteil, seit jeher: manch eine Note mag eventuell anfangs sauer aufstoßen, der feine Nachgeschmack wirkt dabei umso längerer nach – und das ist beim konzeptionell komplett durchdachten, in hohem Maße persönlichen Duo-Kraftakt „Moms“ nicht anders.

 

Hier gibt’s das Video zum Albumopener „Plumage“, welches das Duo im spinnerten Wüsten-Shootout zeigt…

 

…und hier die Stücke „Baton“, „Giftshoppe“ und „Heavy As Heavy Does“ in der im vergangenen Jahr aufgenommenen „opbmusic session“-Liveversion :

 

Rock and Roll.

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Zu kurz gekommen… – Teil 7


Eigentlich ist es ja Sommer. Und doch entlädt der Himmel an diesem Sonntag scheinbar alle verfügbaren Wasserreserven auf diesen Flecken Erde an der holländischen Grenze… Was gibt es da Besseres, als euch eins meiner liebsten Alben der letzten Jahre ans Hörerherz zu legen, dessen Songs zwar bereits Einsätze in US-Serien wie „Grey’s Anatomy“ oder „Chuck“ auf der Habenseite verbuchen konnten, das jedoch in Gänze meines Erachtens nach immer noch – und völlig zu Unrecht! – „zu kurz gekommen“ ist…
 

Frightened Rabbit – The Midnight Organ Fight (2008)

-erschienen bei Fat Cat/Rough Trade-

„A cripple walks amongst you / All you tired human beings / He’s got all the things a cripple has / Not working arms and legs / And vital parts fall from his system / And dissolve in Scottish rain / Vitally he doesn’t miss them / He’s too fucked up to care / Well, is that you in front of me? / Coming back for even more of exactly the same / You must be a masochist to love a modern leper / On his last leg.“ Mit diesen Zeilen beginnt „The Modern Leper“, der erste Song von „The Midnight Organ Fight„, dem 2008 veröffentlichten zweiten Album der schottischen Band Frightened Rabbit. Und wer genau hinhört, der wird schnell merken, dass es sich bei diesem Album um vertonte Trennungsbewältigung handelt. Doch bei aller oberflächen Jammerigkeit bekommt man zu keiner Zeit den Eindruck, es hier mit fünf vom Liebesschicksal gebeutelten Trauerklößen zu tun zu haben. Denn hinter dem Akustikgitarrengerüst mit Bandsoundaufbau steckt so viel mehr: Trotz, Wut, Unverständnis, Eifersucht, verletzter Stolz – und die Gewissheit, dass man(n) letztendlich auch ohne die ehemals Angebetete weitermachen wird. Doch vorher gilt es, einen Abschluss zu finden. „I decided this decision some six months ago / So I’ll stick to my guns, but from now on it’s war / I am armed with the past, and the will, and a brick / I might not want you back, but I want to kill him“ singt Sänger Scott Hutchison etwa in „Good Arms vs. Bad Arms“ und gibt schlussendlich zu: „I’m not ready to see you this happy / … / I’m still in love with you (can’t admit it yet)“. Die 14 Songs des Albums sind dabei keinesfalls in chronologischer Abfolge zu betrachten, vielmehr sind sie spontan aufglimmende Erinnerungsirrlichter von einem, der betrunken durch die regnerischen Straßen Glasgows stolpert, in der Hoffnung, nun endlich auch noch die letzten Kopfkinobilder der gemeinsamen Zeit und der Ex mit ihrem verhassten Neuen in Flammen aufgehen zu sehen. Und so ziehen die Abende, die beide schweigend vor dem Fernseher verbrachten, jeder für sich in der Hoffnung, dass der andere die Routine durchbräche, das Radio anschalte und mit einem innig eng umschlugen ganz altmodisch durch die Wohnung tanze („Old Old Fashioned“), vor dem nicht mehr klaren inneren Auge vorbei. An den immerwährenden Wunsch nach menschlicher Nähe und Geborgenheit, selbst wenn die Motive des Gegenübers ganz trivialer Natur sind („The Twist“). Es wird an der Liebe gezweifelt, an der eigenen Liebenswürdigkeit, an Gott („Head Rolls Off“), gar am Leben und dessen Sinnhaftigkeit selbst („Floating In The Forth“).

Völlig sturztrunken wird schließlich der finale Schlussstrich versucht („I’m working on erasing you / Just don’t have the proper tools / I get hammered, forget that you exist / There’s no way i’m forgetting this“), nur um am Ende wieder im eigenen Erbrochenen vor der Tür der Ex aufzuwachen. Und selbst, wenn man(n) doch noch für stumpfen Erinnerungssex hereingelassen wurde, steht doch die Gewissheit im Raum, dass bei aller Körperlichkeit und Vertrautheit zwei in den beschmutzten Laken liegen, deren Ende längst in allen Büchern steht, denn „It takes more than fucking someone to keep yourself warm“ („Keep Yourself Warm“). Am nächsten Morgen grüßt ihn dann ein übermächtiger Kater, und das kalte, von den regennassen Straßen reflektierte Licht bringt die Einsicht, dass irgendwann die Gefühle absterben und somit alles einfacher wird, obwohl stets eine letzte Restnaivität bleibt, dass das, was der Neue ihr nun gibt, nie und nimmer mit dem vergleichbar sein wird, was er selbst ihr hätte geben können („Poke“). Und trotz der Tatsache, dass Hutchison im letzten Song „Who’s You Kill Now?“ singt „Who’d you push down the stairs last night? / I would have liked to have been a part of that…“, kann man die letzten Zeilen aus „Poke“ als finales Statement sehen: „And now we’re unrelated and rid of all the shit we hated / But I hate when I feel like this and I never hated you“. Der Protagonist ist auf „The Midnight Organ Fight“ sicherlich weit entfernt davon, seinen Frieden mit der Ex-Freundin und der eigenen Abservierung zu machen, er erkennt jedoch, dass sich irgendwo am Ende dieses Gefühlschaos‘ ein kleines Licht versteckt und auch sein Herz irgendwann die Fähigkeit entwickeln wird, zu heilen.

Doch es sind nicht allein Scott Hutchisons schockierend offenen Texte, die dieses 48-minütige Album zu etwas Besonderem machen, und von denen man so einige gut als Mahnung an eine Verflossene, besonders hässlich an die Wand gegenüber ihrer Wohnung geschmiert, verwenden könnte. Die übrigen Bandmitglieder Grant Hutchison, Billy Kennedy, Andy Monaghan und Gordon Skene spielen dazu aufrüttelnden Indierock, der an den richtigen Stellen zupackt, den Sänger und dessen Intentionen wirkungsvoll unterstützt und auch mal mit dezenter Elektronik (etwa in „The Modern Leper“), Chorgesängen oder Trompeten (zum Beispiel in“I Feel Better“) überrascht – mehr als einmal muss man an Snow Patrol zu ihren besten Zeiten (sprich: bevor sie versuchten, wie ein müder Coldplay-Abklatsch zu klingen) denken.

Dass die großen kleinen Hymnen von „The Midnight Organ Fight“ kein Eintagsfliegen-Zufallsprodukt waren, bewiesen Frightened Rabbit 2010 mit ihrem dritten Album „The Winter Of Mixed Drinks„, das zwar ein wenig von der Bitterkeit des Vorgängers verloren hatte, jedoch immer noch unter den Spätfolgen einer/(der?) Trennung litt und somit (rein textlich) immer noch genug Gift und Galle spucken konnte, um jede Partystimmung im Keim zu ersticken.

Im August 2012 wird die Band aus dem schottischen Glasgow ihr viertes, noch unbetiteltes Album veröffentlichen. Und eins steht – zumindest für mich – fest: auch das werde ich lieben.
 

Hier „I Feel Better“ in Bild und Ton…

 
…und eine live aufgenommene Version von „Keep Yourself Warm“:

 
Wer mehr Eindrücke hinsichtlich der Live-Qualitäten der Band gewinnen möchte, der kann sich das Album „Quietly Now! Midnight Organ Fight Live..“ zulegen, bei welchem Hutchison & Co. das Album in Gänze auf der Bühne darbieten, oder bei peenko.blogspot.com vorbeisurfen, welcher einen kompletten Konzertmitschnitt der Band, aufgenommen 2010 in Portland, bereithält.

 
Rock and Roll.

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