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Song des Tages #2: Erdmöbel & Niloufar Taghizadeh – „Hoffnungsmaschine“


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2018 veröffentlichte die Kölner Indiepop-Band Erdmöbel auf ihrem jüngsten, nunmehr zwölften Album „Hinweise zum Gebrauch“ gemeinsam mit Ex-Wir sind Helden-Frontdame Judith Holofernes „Hoffnungsmaschine“, ein Lied über Zuversicht und Zusammenhalt. Nun, zwei Jahre später (in denen sich leider wenig von dem, was ebenjenes Stück – mit allerlei fromm-optimistischen Wünschen im Gepäck – ein klein wenig zum Besseren verändern sollte, zum Positiven gewendet hat), soll es in Zusammenarbeit mit der iranischen Regisseurin und Autorin Niloufar Taghizadeh in einer deutsch-persisch-englischen Version erneut etwas positive Kraft freisetzen…

91Wsn+tGkaL._SS500_Laut eigener Aussage habe die Eskalation zwischen Donald Trump und dem Iran die Band um Sänger und Songschreiber Markus Berges schon vor einiger Zeit auf die Idee gebracht, ihren Song „Hoffnungsmachine“ in einer alternativen Version neu aufzulegen. Daher hat das bereits seit 1993 bestehende Indiepop-Quartett mit Niloufar Taghizadeh nun – sowohl in Ton als auch in bewegten Bildern – eine Form für „Hoping Machine“ gefunden, die genau den Kern ausdrückt, der diesem Lied innewohnt. „Lass die Hoffnungsmaschine laufen!“ als Fingerzeig in die Zukunft, als Mantra und Aufruf des Zusammenrückens – auf Deutsch, Persisch und Englisch.

 

„Ein Lied gegen den Hass, gegen jede Form von Imperialismus. Mit einem Video, das sich über Zwangsidentitäten und Sexismus lustig macht.“

Erdmöbel

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Matze Rossi – „Milliarden“


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Feines Ding geworden, und mit ’ner Extraportion ♥ ausgestattet: Der Singer/Songwriter (oder eben, auf Gutdeutsch und in bester Reinhard-Mey-Tradition: Liedermacher) Matze Rossi präsentiert mit „Milliarden“ seine brandneue Single und wird nach 22 Jahren darin (endlich) wieder politisch. Der Künstler aus dem unterfränkischen Schweinfurt dazu:

„VIEL ZU LANG HABE ICH MICH DARAUF AUSGERUHT, DARAUF VERTRAUT, DASS ANDERE GUTE POLITISCHE LIEDER SCHREIBEN. VIEL ZU LANG WAR ICH DER ANSICHT, DASS JEDER DER MEINE MUSIK HÖRT, EIN GEWISSES GRUNDVERSTÄNDNIS VON HUMANISMUS, ACHTSAMKEIT DEM PLANETEN ERDE & ALLEN LEBEWESEN GEGENÜBER HAT UND STELLUNG BEZIEHT. DOCH DAS REICHT NICHT MEHR!“

Ganze zwei Jahre habe der ehemalige Frontmann der Schweinfurter Punk-Band Tagtraum, welcher seit gut 15 Jahren vor allem solo unterwegs ist (und so bereits das ein oder andere Mal hier auf ANEWFRIEND Erwähnung fand), laut eigener Aussagen an „Milliarden“ geschrieben, „unzählige Text- und Arrangementversionen verfasst, alle verworfen und es auch schon fast aufgegeben“. Doch dann hat er den Song ganz spontan und wunderschön unfertig auf der 2019er TVNoir-Tour live gespielt. Als Feedback haben ihn zahlreiche Menschen darauf angesprochen,  wo sie denn das Lied bekommen könnten. Well… Nun ist es soweit und Matthias „Matze Rossi“ Nürnberger präsentiert das von Herzen kommende, zu selbigem gehende Stück in diesem faszinierend vielfältigem Ding namens Internet. Im Grunde ist „Milliarden“ einfach ein sehr schönes Lied über Themen, die einen allein (ver)zweifeln lassen könnten – käme da nicht der Schwenk dahin, warum das mit dem Verzweifeln halt doch nicht geht. Vielleicht nah am Kitsch gebaut, aber noch in genau der richtigen Nachbarschaft der Menschlichkeit untergekommen…

Was sich der 42-jährige Akustikklampfer mit dem Punk im Herzen nun wünscht? Verrät er via Facebook:

 

„Hallo Ihr Lieben,

‚Milliarden‘ ist endlich draußen, ich habe im Vorfeld schon viel erzählt zu dem Lied und ich könnte noch so unendlich viel dazu sagen…doch lassen wir es erstmal wirken.

Teilt es, packt es in eure Streaming-Playlisten, nervt Radiosender es zu spielen, lasst mir einen Kommentar da, und bitte singt es ab 14.02. so laut ihr könnt auf der End Hits Records Tour mit mir.

Zum Video geht es hier:
https://youtu.be/SEcSoFe8BjU

Und zum Lied direkt hier:
https://orcd.co/milliarden

Ganz großen Dank möchte ich an meine lieben Freunde raushauen, die sich beim ersten Hören des Liedes gefilmt haben, und so das wunderbare Video möglich gemacht haben♥. Und natürlich an mein Label End Hits Records und die ganze Uncle M Bande, die so hinter mir stehen und mit viel Einsatz diesen Blitzrelease möglich gemacht haben.

Wir sind Milliarden
Punk & Liebe
Matze Rossi“

 

 

 

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Rock and Roll. ✌️

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Song des Tages #2: Dott – „Like A Girl“


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Im Mai 2018 sprach sich das irische Volk per Referendum für eine Legalisierung der Abtreibung aus – ein großartiger Schritt in die richtige Richtung, der wohl auch längst überfällig war. Nur wenige Wochen später, im Juni, veröffentlichten Dott ihr zweites Album „Heart Swell“. Was das eine mit dem anderen verbindet? Nun, wohl nicht ganz zufällig handelt ein Großteil der Stücke darauf von Selbstbestimmung, von Emanzipation und Toleranz…

a2789084416_16Auch musikalisch macht der Nachfolger zum 2013er Debütwerk „Swoon“ seinem Namen alle Ehre: Von Anfang bis Ende bringt er die Herzchen aller Garage-Pop-Freunde zum Hüpfen, zum Jubilieren. Von Brooklyn Vegan als „Indie-Rock der frühen Sechziger und frühen Neunzigerjahre“ beschrieben, durchweht das zwölf Songs starke Album der Band aus dem irischen Galway ein schillernder Hauch von Optimismus und Adrenalin.

Die herrlich fröhlich drauflos rockende Single „Bleached Blonde“ eröffnet die Platte, und ist gleich der (erste) perfekte Soundtrack für alle Riot Grrrls, die auf Sonne, Surfen und Imbrunst-Mitsing-Refrains stehen. Wer schon einmal versucht hat, auf einem Bügelbrett (wer das Video gesehen hat, der wird’s verstehen) oder in einem Surf-Camp surfen zu lernen, wird den von Sängerin und Gitarristin Anna besungenen K(r)ampf beim Wellenreiten verstehen.

Politischer Aktivismus und Garage-Pop prallen denn beim zweiten Song „Like A Girl“ ausgesprochen hymnisch aufeinander. Das Indie-Quartett veröffentlichte das Stück zwar bereits vor der Abstimmung in Irland zur Aufhebung des 8. Zusatzartikels am 25. Mai, aber mit dem Wissen, dass die Mehrheit der irischen Bevölkerung mit „Yes!“ stimmte, erklingt der Dreiminüter mit noch größerer Intensität. Der Song selbst kann mit einem Gastauftritt von Sadie Dupuis (Speedy Ortiz) an der Gitarre aufwarten, das dazugehörige Musikvideo beweist durch Auftritte von Mitgliedern von Galway Pro Choice, Galway Parents for Choice und Galway Roller Derby ordentlich Frauenpower.

a1505770910_16„Not Sorry“ liefert ausreichend carefree-Potential fernab aller Entschuldigungen und Ausreden, während die unruhig-flotten Basslinien und Gitarrenriffs von „Floating Arrows“ für allerhand zuckende Tanzschuhe und hüpfende Köpfe sorgen. „Swim“ malt musikalische Bilder des Sich-Verlierens am Meer, und Annas klarer Gesang strahlt so hell wie die warme Sonne, die sie hier besingt. Das titelgebende „Heart Swell“ ist eine wunderbare Ode an die Liebe, ein Klang gewordenes Kopfrauschen, das Hörerherzen mit Genugtuung zu erfüllen vermag. Besser noch: Das Stück fließt perfekt in das sanft tönende „Self-Help“ hinüber, das vor Sensibilität nur so schimmert. „I try to live my life without forgetting anyone“, singt Anna, und wenn sie weiterhin Lieder wie dieses schreibt, dürfte wenig Gefahr bestehen, dass Dott dieses Schicksal (des Vergessens) ereilt. „How Do I Feel?“ ist darauf ein weiterer freudiger Blumenstrauß voll schwungvoller Gitarren und feel-good lyrics, bevor der geneigte Hörer dazu angehalten wird, sich gegen jene „Doppelmoral“ zu stellen, der Frauen bei „You Don’t Have To“ (zu) oft ausgesetzt sind. Die Zeitrechnung der Unabhängigkeit wird auf „18“ ausgerufen, das fast schon mühelos in den vorletzten Song „Do Ya?“ übergeht. Das wunderschöne „Wedding Song„, in welchem es um gleichgeschlechtliche Ehen geht, schließt die Platte mit romantischen, versöhnlichen Tönen ab. Hoffnung schwingt ebenso das Pendel wie ein wenig Melancholie – vielleicht, weil auch Anna insgeheim daran zweifelt, dass dieses Thema aus den Diskussionen verschwinden und endlich zur Normalität wird? Denn fernab aller traditionellen Rollenmodelle, aller grauen Denkweisen und Erwartungen, sollte das Einzige, was wirklich zählt, wenn zwei Menschen erwägen, den Rest ihres Lebens miteinander zu verbringen, doch sein: die Liebe. Wussten schon John, Paul, George und Ringo.

Alles in allem ist Anna, Laura, Evan und Donal mit „Heart Swell“ ein gekonnt zwischen Garage-Pop, Pop-Punk, fuzzy Grunge oder Lo-Fi Dream-Pop wechselndes, durchaus melodienseliges Sonnenscheinchen-Album gelungen, auf dem US-Nineties-Alternative Rock á la Throwing Muses oder Veruca Salt ebenso anklingt wie Referenzen an Bands wie Bully, Broadcast oder The Breeders. Maritime Motive dienen als Inspirationsquelle, während Dott ihr Herz in diesen Songs über Schmerz, Stolz, Akzeptanz und die persönlichen Auswirkungen von politischen Entscheidungen freimütig auf der Zunge spazieren führen. Wer also noch auf der Suche nach einem Soundtrack für die diesjährigen Sommermonate ist, der sollte hier durchaus ein, zwei Öhrchen riskieren…

 

 

„Dumb shrug, sick grin
You’re born into this world as a boy or a thing
‚Calm down, joking.‘
Have you ever been asked why you’re not smiling?

Bet they thought they were really in luck
What they didn’t expect when push came to shove
No fuss, not afraid to play rough
Gotta ask yourself if you’re strong enough
Like a girl

Your choice, stay mean
Are you looking for a pass or a life less ordinary?
Make noise. Yaas kween.
No ifs, no buts, no guts, no glory

Bet they thought they were really in luck
What they didn’t expect when push came to shove
No fuss, not afraid to play rough
Gotta ask yourself if you’re strong enough
Like a girl

Does it seem so hysterical?
Running straight up walls
Doesn’t seem so impossible 
Hurl yourself at the world
Like a girl“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Simon & Jan – „Lass es regnen“


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Foto: Promo / Michael J. Rüttger

Das Duo Simon & Jan, das sind Simon Eickhoff, Jahrgang 1980, und Jan Traphan, Jahrgang 1981, zwei Oldenburger, die sich 2001 zu Beginn ihres Musik-Lehramtsstudiums kennengelernt haben. Schnell merkten die beiden, dass sie sowohl im musikalischen wie auch humoristischen Sinne ganz ähnlich tickten, und begannen, in ihren auf Akustik-Gitarren vorgetragenen Songs sanfte, melodiöse Melodien mit oft recht zynischem Textgut über Persönliches, Politisches und Gesellschaftliches zu kombinieren. Anfangs traten Simon & Jan mit Götz Widmann und den Monsters of Liedermaching auf. Seit 2013 und ihrem ersten abendfüllenden, „Der letzte Schrei“ betitelten Programm tourt das Liedermacher-meets-Kabarett-Duo mit Akustik-Gitarren, Gesang und satirischen Texten solo und war seitdem bereits in so einigen bekannten Humor-TV-Shows wie bei Nightwash, im Quatsch Comedy Live Club oder in der Anstalt zu sehen.

Dass Eickhoff und Traphan die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland mit durchaus wachen Augen betrachten, bewiesen die beiden einmal mehr im vergangenen Jahr mit dem Stück „Hat sich nicht bewährt“, welches sie auf ihrer Homepage mit den knappen Worten „Die AfD – einfach erklärt“ präsentierten. Sowohl der Song als auch das dazugehörige Musikvideo stellen eine im Grunde einfache Frage: Warum wiederholen manche Deutsche immer wieder Verhaltensweisen, die sich mit ein bisschen historischem Wissen eigentlich verbieten würden? Vordergründig launig und locker dargebracht, im Kern aber zweifelsfrei sehr ernst zu nehmen.

 

In eine zeitgeistig ganz ähnliche Kerbe schlägt auch das neuste Stück „Lass es regnen“, in dem Simon & Jan die deutsche (in Kleinen) sowie industrienationale (im Großen) Haltung zum Thema Flüchtlingspolitik anprangern – zwar poetisch und balladesk, jedoch mit durchaus deutlichen Worten und ein wenig unguter Gänsehaut…

 

„Oh meine Kanzlerin, wie blass
Schwebt über dir noch dieser Satz:  ‚Wir schaffen das!‘
Wie die Mutter zu dem Kind, obwohl sie weiß, dass es nicht stimmt

Oh mein Minister, wie ich mich schäme
Sagt Migration sei die Mutter der Probleme
Wie kann man uns’rer Vielfalt nur so einfältig begegnen?

Herr, lass es regnen

Im Parlament ist der Gau schon längst gelandet
Bitter, wie Vernunft hier nur versandet
Wer lässt hier eigentlich nur Facharbeiter rein?

Die Dritte Welt presst ihr Gesicht an uns’re Scheibe
Menschen in Not suchen bei uns eine Bleibe
Jetzt fangen wir hier an, im Glashaus Fenster zu vernageln

Herr, lass es hageln

Oh mein Europa, Gott bewahre
Zählt man die Leichen an den Grenzen all die Jahre
Ein Massengrab – wer soll uns das denn noch verzeih’n?

Herr, lass es schnei’n“

 

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Rock and Roll.

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Song des Tages: THE DEADNOTES – „Hopeless Romantic“


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Foto: Promo / Ilkay Karakurt

Vor allem die letzten Jahre haben gezeigt: Die Zeiten sind unsicher und aufreibend, der Ton in der Gesellschaft scheint rau und – zumindest phasenweise – extrem, wenige laut blökende weiße Männer bestimmen scheinbar den Diskurs und die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Genau in solchen Zeiten ist es schön zu wissen, dass viele Punkbands wie Turbostaat und Co. neue Alben veröffentlichen, um sich gegen das breite, tumbe Duckmäusertum zu wehren, um – in welcher Form auch immer – dagegen und für eine Alternative (auch und vor allem zu AfD und Co.) zu stehen. „In Zeiten wie diesen ist es wichtiger denn je, sich gerade zu machen, Mut zu beweisen und andere zu ermutigen“, sagt Darius Lohmüller, Sänger und Gitarrist des Trios THE DEADNOTES, das sich 2011 in Freiburg gegründet hat.

Oft schon wurde seine Band, zu der außerdem Jakob Walheim (Gesang, Bass) und Yannic Arens (Schlagzeug) gehören, vorschnell in die olle Schublade Titels „Emo“ einsortiert. Ein Genre, das sich textlich fast ausschließlich mit dem Inneren, den höchst eigenen Angstspiralen und dem allgemeinem Weltschmerzgrau abmüht. Doch das reicht einfach nicht mehr: „Die Welt und die politische Landschaft können so unglaublich ernüchternd und niederschmetternd sein. Gerade deshalb ist es jetzt wichtig, den ganzen Ärger und den Frust in Taten zu verwandeln, die das Leben für uns alle besser machen.“

4015698110487Doch wider Erwarten hüllen THE DEADNOTES diese Gedanken keineswegs in dumpfen, unreflektierten Weltverbesserer-Rock. Die Gedankenwege und Auseinandersetzung von Darius, Yannic und Jakob zu der Thematik sind stellenweise recht tief. „Hopeless Romantic“ etwa, der erste Vorgeschmack zum am 14. Februar erscheinenden zweiten Album „Courage„, ist nicht nur ein Song, mit dem sich die Band aus ihrer musikalischen Komfortzone heraus wagt, der sich Zeit nimmt, immer wieder zur Ruhe kommt, nur um einem dann in aller Herrlichkeit um die Ohren zu fliegen, während THE DEADNOTES ihrem Indie-Punk-Sound einen leichten Eighties-Touch hinzu mischt, der ihnen überraschend gut steht (was man dann von den Anzügen aus dem Musikvideo nur bedingt behaupten kann). Nein, es ist auch ein Stück Musik für das Hier und Jetzt, ein Fanal für das Gute und den Mut, aufeinander zuzugehen.

Das dazugehörige Musikvideo macht klar, dass die Band aus dem Breisgau immer noch ein zweites Mal um die Ecke denkt. In der „22Lives Late Night Show“ präsentiert das Dreiergespann ihren Song vor Talkgästen, deren Positionen zwar mit dem ganz dicken Stift überzeichnet sind, aber heutzutage trotzdem gar nicht mal so unrealistisch erscheinen. Solche Leute gibt es wirklich! Die laufen draußen rum, reden im Fernsehen, im Radio und verbreiten ihren Schrott in den World-Wide-Web-Kommentar-Feldern!

Schnell merkt man: Auch THE DEADNOTES mögen – immerhin sind die drei noch recht jung – nicht mit der Kelle aus der Suppe der Weisheit geschippt haben, aber sie begegnen den Problemen unserer Zeit mit einem Funken Hoffnung, mit Attitude und mit einem kleinen Schippchen Naivität – warum auch nicht? „Von den verbitterten Idioten nicht verbittern lassen!“ sangen schließlich auch Kettcar kürzlich… – eine Empfindung, die die Band, die bereits über 500 Konzerte in 25 Ländern gespielt hat, schon in ganz Europa sowie 2015 mehrere Wochen durch Russland und die Ukraine und ein Jahr später durch Skandinavien tourte, im Übrigen teilt: „Das toxische kapitalistische System, in dem wir alle leben, begünstigt den Wettbewerb. Die Politik und Industrie erzählen von endlosem Wirtschaftswachstum in einer Welt, die offensichtlich nur über begrenzte Ressourcen verfügt. Ich glaube fest daran, dass, wenn wir uns weniger auf das ‚Gegeneinander‘ konzentrieren, sondern Menschen zusammenbringen, wir etwas viel Besseres erreichen können. Nämlich ein endloses Wachstum an Positivität, Kreativität und großen Ideen.“ (In diesem Interview gibt das Trio mehr Auskünfte…)

Und nicht nur Politisches haben THE DEADNOTES im Sinn: Mit ihrer neuen Single „Never Perfect“ – nach „Cling To You“ und „Makeup“ die vierte Auskopplung aus dem neuen Werk, das über das bandeigene Label 22Lives Records erscheint – haben Darius, Yannic und Jakob eine Mental-Health-Spendenaktion gestartet, schließlich spielt auch auf „Courage“ geistige Gesundheit als Thema eine große Rolle. Im dazugehörigen Musikvideo ist die Flucht einer Person aus der Stadt und aufs Land zu sehen. Die Band kommentiert: „Über Mental Health zu sprechen kann schwierig sein. Eine Depression wird oft übersehen, bleibt unbemerkt oder undiagnostiziert. Dieser Song handelt davon, zur Ruhe zu kommen, Ängste zu überwinden und den Mut aufzubringen, seine Hilfe anzubieten und sich selbst Hilfe zu suchen.“ Mit der Veröffentlichung sammeln die Freiburger langfristig für zwei Organisationen, die ihre Hilfe für betroffene Menschen in der Musik- und Kulturindustrie anbieten: die Spenden fließen an „Ni9ht H3lps – Mental Health Support“ mit Sitz in Deutschland sowie „Help Musicians/Music Minds Matter“ aus Großbritannien. Über den Bandshop-Verkauf von Tickets und Musik sowie Spendendosen auf Konzerten werden die Mittel gesammelt. 

Allesamt gute Ideen, die auch weit übers Musikalische hinaus reichen…

 

 

— THE DEADNOTES – „Courage“ Tour 2020 —

27.02. Oberhausen – Druckluft
28.02. Bremen – Tower
29.02. Münster – Cafe Sputnik
01.03. Köln – Tsunami Club
03.03. Stuttgart – Juha West
04.03. Frankfurt/Main – Nachtleben
05.03. Leipzig – Conne Island
06.03. Berlin – Cassiopeia
07.03. Hamburg – Astra Stube
09.03. München – Sunny Red
10.03. Wien – Rhiz
13.03. Freiburg – Waldsee

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Stanley Odd – „It’s All Gone To Fuck“


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Der Wahlerfolg von Boris Johnsons konservativen Tories bei den britischen Parlamentswahlen vor zwei Tagen mag kein allzu prächtiges Ergebnis für internationale Demokratie (und ganz sicher keines für die Verbesserung sozialen Verhältnisse im Vereinigten Königreich) sein. Oder wie „Spiegel“-Redakteur Jörg Schindler sehr treffend in (s)einem Kommentar schrieb: „Die eigentlichen Verlierer sind Anstand, Aufrichtigkeit und Integrität.“ Vermutlich hatte ein Großteil der Briten einfach genug vom nun schon jahrelangen Brexit-Chaos dies- wie jenseits des Ärmelkanals, und hat nun den populistischen Blondschopf, ehemaligen Bürgermeister von London sowie Außenminister im britischen Kabinett, der im Juli die reichlich glücklose Theresa May im Amt des Premierministers beerbte, mit einer fast schon beängstigend großen Machtfülle ausgestattet. Wieso sollten die politischen Aussichten auch anderswo rosiger aussehen als bei uns mit den rechtskonservativen Spaltungshasspredigern der AfD oder in den US of A, wo ein dummdreister Reality-Show-Geschäftsmann seit nunmehr fast drei Jahren vom Weißen Haus aus die Geschicke seines Landes bestimmt… Dark times ahead? Hellyeah!

Gut denkbar also, dass die Schotten die britische Parlamentswahl als erneuten Anreiz sehen werden, ein weiteres Referendum hin zur Unabhängigkeit von London und vom United Kingdom anzustreben – das letzte im Jahr 2014 fiel ja bereits recht knapp aus.

Damals, vor vier Jahren, gab es einige schottische Bands und Künstler, die sich im Zuge ebenjener Bevölkerungsabstimmung politisch stark machten (etwa bei Konzertreihen wie „A Night for Scotland“). Neben international erfolgreichen Indierock-Bands wie Franz Ferdinand oder Frightened Rabbit, den Glasgower Postrock-Paten Mogwai, der Folk-Ikone Eddi Reader oder der Schauspielerin und Comedian Elaine C Smith zählten dazu auch Stanley Odd.

418459115095-500Für das seit nunmehr zehn Jahren bestehende, vielköpfige Alternative-HipHop-Kollektiv mit Mitgliedern aus Schottland, Norwegen oder Deutschland zählen politisches Engagement und eine klare Meinungskante ebenso zu den einenden Grundpfeilern wie ihr musikalisches Konstrukt aus Live-Instrumenten, Beats, Gesang und den Rhymes von Frontmann Solareye (aka. Dave Hook) im breitesten Edinburghian Scot-Akzent. Wer also mit alledem kein (Verständnis)Problem habe sollte, dem sei etwa die tolle Gänsehautnummer „Son I Voted Yes„, anno 2014 auf dem bisher letzten, fünften Longplayer „A Thing Brand New“ erschienen, welches sich thematisch Schottlands jüngstem Unabhängigkeitsreferendum widmet, ans HipHop-affine Hörerherz gelegt. Oder eben, aus gegebenem aktuellen Anlass, das 2016, eine Woche, nachdem die Bevölkerung des UK für den Brexit stimmte, veröffentlichte „It’s All Gone To Fuck“. *micdrop*

 

“It is amazing to see the country at its most politicised and engaged in generations. The number of people inspired by the debate and the possibilities for positive change that an independent Scotland offers is something that should be celebrated. This referendum is a chance to look at new models and ask questions of how our political system operates; to address issues of poverty and social inequality; and to recognise the importance of public services like the Post Office and the NHS.“

(Dave „Solareye“ Hook zum schottischen 2014er Unabhängigkeitsreferendum)

 

 

Rock and Roll.

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