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Song des Tages: Monica Martin – „Go Easy, Kid“ (with James Blake)


Monica Martin. Die Dame galt eingeweihten Musik-Geeks damals, als sie noch die Stimme der Indiepop-Folker PHOX war, als eine der bezaubersten Stimmen im Musikgeschäft – und nach dem Ende ihrer Band im Jahr 2016 als recht großes Versprechung auf Solo-Erfolge. Leider ließ der endgültige, echte Durchbruch bis heute auf sich warten. Freilich, die Alben mit PHOX sind auch heute noch fein anzuhören. Natürlich, mit der ein oder anderen Single wie Kollaboration (etwa 2017 mit Multiinstrumentalist und Produzent Jeremy Larson aka. Violents) ließ die in Wisconsin aufgewachsene und in Los Angeles lebende Martin in der Zwischenzeit durchaus aufhorchen. Ein Versprechen bleibt sie jedoch weiterhin (an ANEWFRIEND lag’s jedoch nicht).

Dennoch hat sich die US-Musikerin mit dem so wunderbar soulig-samtigen Timbre im Laufe der Zeit auch unter Kolleg*innen eine amtliche Fanbase aufgebaut. Einer davon ist James Blake. Der britische Elektro-Pop-Musiker lud Monica Martin daher nicht nur für einen Gastbeitrag auf seinem im vergangenen Oktober erschienenen fünften Studioalbum „Friends That Break Your Heart“ ein (beim Song „Show Me„), sondern revanchierte sich unlängst auch: Für eine Neuaufnahme von Martins im vergangenen Jahr veröffentlichter Single „Go Easy, Kid„, welche Blake gar als „meinen Lieblingssong der letzten Jahre“ bezeichnete, fand er mit der Sängerin in den Conway Recording Studios in deren kalifornischer Heimatstadt zusammen. Das Ergebnis? Wunderschön – und wie vieles, woran Monica Martin in der vergangenen Zeit beteiligt war, im Grunde viel zu toll, um derart unbeachtet zu bleiben…

„I commit myself to sabotage
See? I can get what I want then I make it hard to hold on
Convince myself that I’m without a god
A spiritual fraud who got lost in her own sad song

We’ve been talking outback
By the garbage cans
About dreams that we had
And the five-year plan
Missing the mark
We’re laughing in the dark
‚Cause after all, no one’s in control
Go easy, kid, it’s only rock and roll

Pledge allegiance to some sanity
It comes into view for a moment or two then it leaves me
Apologize into the neighborhood
And all the calls will be savеd, look, I’d wanna be brave if I could

I was talking outback
With an empty man, hе said
‚Remember times that we had
Before you got in that van?‘
Left me in the dark
Alone in the park
‚Cause after all, no one’s in control
Go easy, kid, it’s only rock and roll

Cut through the smoke
There’s no secret special code
No deeper hidden wisdom
Just accept we’ll never know

We’ve been talking outback
By the garbage cans
About dreams that we had
And the five-year plan
Missing the mark
We’re laughing in the dark
‚Cause after all, no one’s in control
Go easy, kid

In twenty years, kid, you’re going to look back
And wish you grabbed it all by the throat
And said, ‚Fuck it, it’s only rock and roll
‚“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Monica Martin – „Cruel“


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Foto: Synjin Mrkvck

Irgendwie war es ja klar, dass es auch nachdem PHOX im Oktober 2016 eine „Bandpause auf unbestimmte Zeit“ ankündigten, nicht lang still um Monica Martin bleiben würde. Wäre ja auch zu schade um diese so unverwechselbare, so besondere Stimme, welche gleichsam rauchige Jazz-Räudigkeit und melancholische Folk-Wärme ausstrahlt. Und so bedauerlich es scheint, dass ihre damalige Band gerade in dem Moment, als man sich – mit dem selbstbetitelten 2014er Debütalbum in petto – anschickte, aus dem Indiefolkpop und kleineren Indie-Clubs Anlauf auf größere Publikumskreise und Konzertbühnen zu nehmen, einen (vorübergehenden) Schlussstrich zog, so schön ist es, nun erneut von ihr zu hören…

Obwohl: Bereits im vergangenen Jahr ließ die vielseitige Sängerin, die einerseits Jazz-Größen wie Billie Holiday, Ella Fitzgerald und Etta James, andererseits auch Folk- und Pop-Stars wie Fiona Apple oder Brandi Carlile zu ihren Vorbildern zählt, von sich hören und veröffentlichte gemeinsam mit Elektro-Pop-Produzent Jeremy Larson (aka. Violets) das (gar nicht mal so üble, loungig-zurückgelehnte) Album „Awake And Pretty Much Sober„.

Seitdem hat Martin nicht nur dem heimischen Baraboo, Wisconsin den Rücken gekehrt und ist ins sonnig-wuselige Los Angeles gezogen, sondern hat dort scheinbar auch fleißig an einer Solo-Karriere gewerkelt. Und präsentiert nun mit dem Song „Cruel“, welcher gemeinsam mit Hit-Produzent Eg White (Adele, Florence and the Machine, Sam Smith) entstand, einen ersten feinen Vorgeschmack auf die für Frühjahr 2019 angekündigte Debüt-EP… Es tönt? Wie immer vielversprechend wundervoll. Man darf gespannt sein!

 

“You can equip your lover with the truth, but they might still lie to themselves. There is a point where, if you know they aren’t going to manage their expectations as a grown ass person, you’re cruel to not call the incompatibility and leave…”

(Monica Martin über „Cruel“)

 

 

EDITH (11.12.2108): Monica Martin hat den Song nun auch – und mit freundlicher Unterstützung von Matt Roberts am Bass und Hana Kim an der Violine –  in den Valentine Recording Studios in einer kaum weniger tollen Live-Session-Variante zum Besten gegeben. Gibt’s hier für Öhrchen und Äuglein:

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Premiere, Premiere – zum ersten Mal ist ausgerechnet eine EP – also ein „Mini-Album“ –  ANEWFRIENDs aktuelles „Album der Woche“! Gehen dem Schreiber dieser Zeilen nun die Ideen aus? Ist er gar einer kurzem Aufmerksamkeitsspanne oder dem Wahnsinn anheim gefallen? Keineswegs. Zwar könnte man die dazugehörige Band auch problemlos – und verdient! – „Auf dem Radar“ laufen lassen. Doch auch für die EP, in welcher so viel mehr steckt als die Songs selbst und an sich, hat diese Aufmerksamkeit verdient. Aber lest selbst…

 

Phox – Confetti EP (2013)

Confetti EP (Cover)-erschienen im Selbstvertrieb-

Zeiten ändern dich… Selbst für hinlänglich bekannte Wiederholungstäter des militanten deutschen Sprechgesangs war es wohl „früher“ einfacher, sich Gehör zu verschaffen. Wie sonst ist zu erklären, dass jemand wie Bushido aktuell – neben dicken, teuren deutschen Protzkarossen – auch (wieder) unsanft-schwere Wortgeschütze auffährt und dem ein oder anderen bundesdeutschen Politiker verbal nach dem Leben trachtet? (Dass man es bei einer Person von ähnlichem Bekanntheitsgrad selbst gern einmal so oder ähnlich formulieren würde, bleibt hier außen vor…) Denn bei erwähntem „Früher“ – wobei hier eine beliebig lang zurückliegende Zeit wählbar ist – verhielt es sich doch idealerweise zumeist so: Der musizierende Künstler nahm mehr oder weniger teuer und öffentlichkeitswirksam ein neues Album auf, kündigte dieses groß und breit in einem druckergeschwärzten Massenmedium seiner Wahl an und brachte dieses dann Monate später unter großen Tamtam in die Plattenläden. Und heute? Erscheinen gefühlte Fasttrilliarden neuer Musik am Tag – parallel, haptisch wie digital, in allen möglich Genres und Spielarten. Und man selbst hat immer öfter das Gefühl, dass wohl alles irgendwie schon einmal da gewesen ist. Dass dieser eine Song einen etwa an diesen einen Song erinnert, den man damals im Sommer 1999 so gern am Badesee gehört hat. Und selbst dieser Song wiederum war „nur“ Teil ebenjener Retrowelle gewesen, deren Künstler sich auf ein scheinbar längst vergangenes Musikjahrzehnt bezogen… Fünfzigersechzigersiebzigerachtzigerneunziger. Selbst die Beatles und Stones beriefen sich ihrerzeit im Gros auf andere Künstler. Interessant wird Musik – damals wie heute – vor allem in den Nuancen, zwischen den Zeilen, in denen man vorhandenen Zutaten eigene Akzente hinzufügt. Und wenn sich eine Band in einer Zeit wie heute, die mit „multimedialer Zerstreuung“ wohl noch reichlich milde umschrieben scheint, Gehör verschaffen will, dann braucht sie schon massig Glück (und eine gute Portion Vitamin B)…

Doch Phox, ein Septett aus Madison, Wisconsin, wollte sich weder auf Teufel Zufall noch auf die Fremdbestimmung durch labelbedingtes Vitamin B verlassen. Stattdessen nahm die 2011 gegründete Band Songs und Geschicke in die eigenen Hände. Heißt: Sie nahmen ihre Stücke selbst auf (und nutzen den Fortschritt der digitalen Mittel für sich), produzierten selbst, und boten die Stücke direkt und nach der höchst demokratischen „Name your price“-Variante auf ihrer Bandcamp-Seite an. Hörer, hier sind unsere Songs, gefüllt mit Gedanken und Mühe und Arbeit und Liebe zum Detail – entscheide selbst, was sie dir wert sind…

Phox #1

Nach einem Album („Friendship„), einer Demo-Auslese und einer EP („Phox Unblushing„) im vergangenen Jahr haben Phox nun im Februar mit „Confetti“ eine Video-EP an den Start gebracht. Eine „Video-EP“? Richtig gelesen! Zwar muss man dem 24 Minuten kurzen Werk nicht zwangsläufig seine ganze Aufmerksamkeit zuteil werden lassen und kann das Ganze auch in reiner mp3-Form hören, doch dann verpasst man wohlmöglich Einiges. Denn Phox haben zum aktuellen Mini-Album einen 30-minütigen Kurzfilm gedreht, der so voller Ideen, jugendlichem Elan und quietschbunter Lebensfreude steckt, dass jede Minute davon eine wahre audiovisuelle Freude darstellt. Nun könnte man berechtigerweise denken, dass hier jemand mit den schlauen Mittel populärmusikalischer Konsenskünstler versucht, mit einer ansprechenden Hülle vom etwas schalen Inhalt abzulenken… Keineswegs! Denn auch die sechs Stücke der „Confetti EP“ funktionieren im Grunde prima für sich selbst. Und wie! Denn der Band steht mit Monica Martin eine Dame am Mikro vor, die mit ihrer Stimme mal an Folk-Chanteuse Joni Mitchell, mal an Elektro-Elfe Sia Furler erinnert. Obendrein ist Martin auch noch hübsch anzuschauen – man denke sich eine drogenfrei und unbeschwert lächelnde Amy Winehouse… Und auch ihre männlichen Mitmusiker halten akustisch nicht hinterm Berg, setzen die Stimme ihrer Frontfrau konsequent ins rechte Klanglicht – und fahren dabei mal eine sparsame Instrumentierung („Barside“), mal einen ganzen wild musizierenden Musikalienladen aus GitarreSchlagzeugBass, Piano, Bläsern oder Streichern auf.  Das besondere Kunststück vieler Stücke von Phox ist wohl, dass sie ebenso altmodisch klingen wie zeitgemäß. Denn nicht nur optisch orientieren sich Monica Martin & Co. stark an den US-amerikanischen Fünfzigern und Sechzigern, ein gutes Stück dieser Nostalgie lassen sie auch in ihre Songs mit einfliessen. Da passt es nur zu gut ins Bild, dass einem der an die aktuell erfolgreichen Lumineers erinnernde Opener „Slow Motion“ mit seiner Melodie tagelang nicht aus Herz und Hirn weichen mag. Dass „Blue And White“ zuerst ruhig und bedächtig zu Banjo (Sufjan Stevens!) und Piano einsteigt, und sich gen Ende von Fleet Foxes-Assoziationen beinahe zu Sigur Rós’scher Größe steigert. Dass „Barside“ als eingeschobenes, romantisch verträumtes Wiegenlied Martins Stimme Raum zum Wirken lässt. Dass die letzten drei Stücke – „Noble Heart“, „Espeon“ und „Sol Novum“ – ihr Heil irgendwo in der Vielseitigkeit von Vampire Weekend, Paul Simon’schem Folk, Sechziger-Jahre-Doo-Wop oder Siebziger-Jahre-Glamrock suchen. „Experimental-Indie-Nu-Folk“, wenn man so will – Rückbesinnung, Nostalgie und jugendliches Fortschrittsdenken…

Phox #2

Viel zu entdecken gibt es also in diesen kurzweiligen Minuten von „Confetti“, dem neusten Werk der siebenköpfigen Mittzwanziger-Rasselbande namens Phox. Jedem einzelnen Stück hört man die Detailverliebtheit, mit welcher die Band aus dem Norden des mittleren Westens der USA zu Werke gegangen ist, zwar an. Trotzdem gehen Phox andererseits auch – scheinbar – unbeschwert an ihre Stücke heran. Falscher Ton? Break versemmelt? Scheiß drauf, wir sind jung – unser Ding! Eine musikalische Entdeckungstour und wahre Freude das Ganze. „Confetti“ macht Lust, sich auch noch in den Rest der bisher erschienenen Releases hinein zu hören… Und mal ehrlich: wenn schon eine Band den Hörer selbst entscheiden lässt, was einem nun das gerade Gehörte, denn monetär wert sein soll – dann sollte man zumindest hinhören. Wer’s nicht tut, der verpasst hier Einiges – versprochen. The times they are a-changin’…

Phox #3

 

Hier kann man sich die komplette „Confetti EP“ zu Gemüte führen (wer mag, kann auf der Bandcamp-Seite auch den physischen, ansprechend gestalteten Tonträger für minimal schlanke fünf US-Dollar erwerben)…

 

…sowie sich das bereits empfohlene audiovisuelle 30-Minuten-Pendant…

 

..und den Song „Noble Heart“ in einer dezent gehaltenen Sessions-Variante anschauen:

 

An dieser Stelle soll eines jedoch nicht unerwähnt bleiben: Danke an Heather Browne und ihren wunderbaren Blog I Am Fuel You Are Friends, auf welchem sie mich vor einigen Wochen erst auf Phox aufmerksam gemacht hat!

 

Rock and Roll.

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