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Song des Tages: FINNEAS – „A Concert Six Months From Now“


Doch doch, als Musiker und Schauspieler kann man den Kalifornier Finneas Baird O’Connell schon auch kennen (oder eben durch einen früheren Beitrag auf ANEWFRIEND). Vor allem aber halt: als Bruder. Als Produzent. Als Begleiter. Als Sidekick seiner fünf Jahre jüngeren – und deutlich bekannteren – Schwester. Genau: Billie Eilish. Man mag es ja irgendwie kaum glauben, dass die beiden ihre weltweiten Super-Duper-Riesen-Über-Hits wirklich und tatsächlich im heimischen Kinderzimmer zusammengeschraubt haben sollen. Aber es gibt inzwischen eine ganze Reihe von sehr faszinierenden Youtube-Videos, in denen FINNEAS vorführt, wie er Songs am Computer baut. Und ja, der Mann weiß mit recht zarten 24 Jahren bereits sehr genau, was er tut. Und das übrigens nicht nur für sein Schwesterherz, sondern mittlerweile auch für andere große Namen wie Selena Gomez, Camilla Cabello oder die Newcomerin Girl In Red.

Jetzt erscheint „Optimist„, tatsächlich sein erstes Solo-Album. Man möchte es trotzdem nicht Debüt nennen, weil Billie Eilish, siehe oben. Und weil der kreativ Umtriebige auch solo seit 2014 schon zahllose Songs unter eigenem Namen veröffentlicht hat. Der Unterschied: Wenn seine Schwester nicht dabei ist, mag er selbst es eine ganze Ecke konventioneller. Weniger verquer-hypermodernes Elektronik-Experiment, weniger Geflüster, viel mehr klassischer Pop mit warmen Akkordfolgen und großen Melodiebögen, mal ganz zart, mal mit Mut zur Grandezza. Wer will, kann da schon den zeitgeistigen Billie-Sound raushören, aber mindestens genauso Ähnlichkeiten zu Rufus Wainwright oder Sufjan Stevens. Selbstgewählte zweite Reihe also? Nun, mit diesem Second-Hand-Fame dürfte er dank all der Erfolge abseits des eigenen Schaffens recht gut leben können… Das Beeindruckende ist zudem, dass FINNEAS beides so perfekt beherrscht: spröde/modern und retro/geschmackvoll. Noch dazu schreibt er formidable Texte, welche bestenfalls einen kurzen Schlüssellochblick ins Twen’sche Post-Corona-Gemüt gewähren, schlechtestensfalls sehr in Platitüden und Klischees verhaftet bleiben. Bei der hintersinnigen Autotune-Pop-Nostalgiehymne „The 90s“ etwa möchte man ihn loben für Zeilen wie „You could sign me up / For a world without the internet“. Ebenfalls ein exzellentes Schmuckstück: die sich nach Live-Shows sehnende, herzschmerzende Power-Ballade „A Concert Six Months From Now“. Großes Kino, das durchaus seine Momente besitzt.

Keine Frage, der Kerl kann – zumindest was das Pop-Musikalische betrifft – wirklich alles, und einen James-Bond-Titelsong hat er ebenfalls schon hinter sich. Und auch wenn die Songs auf „Optimist“ in vielen Momenten erwartbarer tönen als das Gros des Billie Eilish’schen Outputs und im Grunde nichts bieten, was Storyteller wie Ben Folds, Ben Lee oder Brendan Benson nicht schon ohne Grammy und Weltruhm (besser) zustande gebracht hätten, so darf dennoch auch solo gelten: He’s not the bad guy, duh.

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


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Weise Worte? Sicherlich. Wahre Worte? Der Optimist nickt wissend.

Und obwohl dieses Zitat in den letzten Internetjahren wahlweise mal Oberbeatle John Lennon oder dem ollen Dramatiker Oscar Wilde zugeschrieben wurde, stammt selbiges Bonmot wohl viel eher von dem brasilianischen Schriftsteller Fernando Sabino (wie etwa auch hier erwähnt wird), während anderswo auch indische oder asiatische Gelehrte bemüht werden…

 

Rock and Roll.

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Des Künstlers Weltsicht…


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(gefunden bei Facebook)

 

Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


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(gefunden bei Facebook)

 

Wie immer: ob’s nun ein Glas Wasser ist oder gleich das Leben an sich – alles eine Frage des Standpunktes…

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Those Darlins


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Klar, beim bloßen Fakt, dass Those Darlins aus Murfreesboro, Tennessee, das nur etwa 30 Meilen vom Country-Mekka Nashville entfernt liegt, stammen, könnte man sich durchaus auf die falsche Fährte locken lassen. Dabei hätte dem Bandsound kaum etwas ferner liegen können als gemächliche Slidegitarrenschunkler á la Johnny Cash (der „klassische“, nicht der „American Recordings“-Cash freilich!), den Dixie Chicks oder Garth Brooks… Oder?

 

Fest steht: Wer im US-amerikanischen Süden beziehungsweise in einem Bundesstaat wie Tennessee aufwächst, der saugt Country-Einflüsse wohl zwangsläufig mit der Muttermilch auf. Und so lernten sich auch Jessi Zazu, Nikki Kvarnes und Kelley Anderson, die drei Gründungsdamen von Those Darlins, in einem „Southern Girls Rock & Roll Camp“ beim Nachspielen von Evergreens der Carter Family (Johnny Cash, da isser wieder!) kennen. Doch anstatt beim keuschen Klassikernachklimpern zu bleiben, stellten die drei sich schnell auf eigene Bandbeine, gründeten Those Darlins und verpassten sich selbst jeweils den Künstlernachnamen „Darlin“. Auch der Bandsound lieferte mehr Referenzen an Punkrock-Vorbilder wie die Ramones (deren Mitglieder den Bandnamen ebenfalls zum Nachnamen machten) oder den lo-fi durchgerockten Garagensound der White Stripes, während die beiden Frontfrauen Jessi und Nikki zum klanglich gebeutelten Mikrofonspagat zwischen Pasty Cline und Sid Vicious ausholten. Die Band erspielte sich mit ihren ersten beiden Alben, dem selbstbetitelten, 2009 veröffentlichtem Debüt und dem zwei Jahre darauf erschienenen „Screws Get Loose„, mehr und mehr Fans und Publikum und tourte mit ihren irgendwo zwischen Alt. Country, Punkrock, Rock and Roll und Rockabilly angesiedelten, bissfesten Songs gemeinsam mit Bands wie Dr. Dog, The Features, Best Coast oder den Black Keys.

those darlinsDennoch markiert das im vergangenen Oktober erschienene dritte Album „Blur The Line“ gleich mehrere Zäsuren. Zum einen sind Those Darlins nach dem Ausstieg von Bassistin Kelley Anderson und den Zugängen von Adrian Barrera (Bass) und Linwood Regensburg (Schlagzeug) längst nur noch zu 50 Prozent All Female, während sich die beiden verbliebenen Gründungsdamen mittlerweile die Mätzchen des „Darlin“-Nachnamens sparen und ihre eigenen verwenden. Die größte Veränderung bietet jedoch der Bandsound, der tiefer, breit gefächerter, versierter und reifer ist als noch vor ein paar Jahren. Wenn Jessi Zazu im Opener „Oh God“ Zeilen wie „I was a drunk girl in the shower / In yet another shit hotel / I could have been just anywhere“ mit geradezu aufreizend lieblicher Stimme intoniert, dann spürt man schnell: hier hat eine etwas zu erzählen! Und in der Tat geben die 12 Songs von „Blur The Line“ eine ganze Menge her. Dabei landet der Punkrockrotz nur noch selten in der Garagenecke unterm Ramones-Poster (etwa in „Optimist“), dafür schlendern Those Darlins in ihren knackig-runden Dreiminütern mehr als einmal am Lemonheads-Pop vorbei (man höre „Drive“), versuchen sich am Girl-Band Psych-Blues („Baby Mae“), krallen sich vom Sixties Pop die Melodieseligkeit, von Phil Spector die Details, von Jack White den schweren Blues Fuzz, von Neil Youngs Crazy Horse den Hang zum schweren Gitarrensolo, vom Grungerock das Herbe, von Bands wie den Pixies die Würze (man höre zum Vergleich das sinistre „In The Wilderness“!) und von Fleetwood Mac die benebelte Poesie. Obwohl sich das von Yo La Tengos Haus-und-Hof-Regelschieber Roger Moutenot im heimatlichen Nashville produzierte „Blur The Line“ während seiner 45 Minuten nicht selten in einem seltsam faszinierenden Film aus Trägheit und Angriffslust suhlt, bleibt es doch untergründig spannend, vielseitig und unterhaltsam. „When she’s good, she’s great / When she’s bad, she’s even better“, wie Nikki Kvarnes in „Baby Mae“ singt. Wenn dem so ist, dann dürften Those Darlins in der letzten Zeit ziemlich schlimme Rock’n’Roll-Finger gewesen sein…

 

 

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


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