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Song des Tages: 7fields – „Heart In A Cage“


7fields_WS@ChristianeIngenthron

Wetten, dass ihr innerhalb einer kurzen Erwähnung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Nu einen Ohrwurm sitzen habt? „Narcotic“ von Liquido. Und jetzt versucht mal, diese Melodie wieder aus den Gehörgängen zu bekommen…

R-1117604-1197720939Doch selbst – oder gerade – für die, die sich noch an damals, als der Song erschien (zu einer Zeit, als Sender wie MTViva noch Musikvideos statt Klingeltonwerbespots oder Reality-TV-Shows voll kotzender und/oder kopulierender Engländer zeigte), erinnern können, scheint es ewig lang her. Um genau zu sein: 17 schlappe Jahre. Die dazugehörige vierköpfige Band, Liquido, machte sich aus dem baden-württembergischen Sinsheim aus auf, für einen knapp vier Minuten langen Moment ein klein wenig die Musikwelt zu erobern. Und: Wenn schon One-Hit-Wonder, dann können Liquido (bescheuerter Name auch heute noch, übrigens) doch zumindest auf 700.000 (Deutschland) beziehungsweise acht Millionen (weltweit, laut eigener Aussage) verkaufter Single-Einheiten sowie ein Top-5-Album zurückblicken. Dass danach – trotz mehrerer Nachfolgealben – kein Hit mehr folgte, dürfte längst kaum mehr als eine kleine Randnotiz in der Musikhistorie wert sein, und eben das – Geschichte – ist die Band längst auch: 2009 lösten sich Liquido auf.

Viel erstaunlicher als das Verschwinden der x-ten musikalischen Eintagsfliege ist jedoch, dass man nun von einem der vier Liquidos tatsächlich wieder etwas hört. Denn obwohl fast jedes der Ex-Bandmitglieder weiterhin die ein oder andere Band, das ein oder andere musikalische Projekt am Laufen hatte, hat man wohl von keinem je gehört. Deine Jugend? My Early Mustang? Cages.? GUT? Nie gehört, oder? Eben. Realistischer war da nur Ex-Gitarrist Tim Eiermann, der sich ein zweites Standbein als Produzent, Komponist und Texter für Werbe- und Filmmusik aufbaute und sich unter anderem für die Karlsberg-„Mixery“-Kampagne 2008 sowie Tuborg-, Heineken-, Ferrero- und Coca-Cola-Spots sowie den Titelsong der Bernd-Eichinger-Filmproduktion „Knallharte Jungs“ verantwortlich zeichnete.

Dagegen wirkt Ex-Liquido-Frontmann Wolfgang Schrödl wie ein Tagträumer, der noch immer an seine Indie-Musik glaubt – und es nun zum ersten Mal mit einem Alleingang versucht. Für sein neues Soloprojekt 7fields – frei übersetzt nach der Gemarkung „Sieben Morgen“, einer alten Art, Felder und Raumeinheiten zu messen -, bei dem er praktisch alle Instrumente selbst einspielt, hat er sich zum Einstieg den auch bereits zehn Lenze jungen Strokes-Song „Heart In A Cage“ vorgenommen und das Stück der New Yorker Rockband in ein intimes Kleinod verwandelt. Doch warum gerade eine Coverversion als erstes Lebenszeichen des neuen Projekts? „Auch als Songwriter finde ich es manchmal reizvoll, bestehende Kompositionen neu zu interpretieren. Aber nur, wenn ich im Song eine Facette hervorheben kann, in der ich mich wiedererkenne, die das Original aber vielleicht nur andeutet. So wie bei ‚Heart In A Cage'“, so Schrödl.

Kommt hier also nochmal ein großes, unerwartetes Comeback? „Ich komponiere und vorproduziere meistens allein zuhause, probiere viel aus, in meinem Tempo, zu meiner, meist nachtschlafender Zeit“, so der mittlerweile ins kosmopolitische Berlin übergesiedelte Musiker. Wer zwischen den Zeilen liest, der sollte nicht zu viel erwarten. Erst recht kein zweites „Narcotic“. Und irgendwie ist genau das auch ganz gut so.

 

 

Rock and Roll.

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Der Tanz des Regimekritikers… Oppan Ai Weiwei Style!


Wohl kaum einer versteht den Text, und doch marschiert „Gangnam Style„, der K-Pop-Song des südkoreanischen „Rappers“ Psy, Rekorde brechend um den Erdball: das bisher beliebteste Video in der Geschichte Youtubes (sprich: die meisten „Like“-Klicks), zahlreiche Nummer Eins-Plazierungen, sogar Video-Nominierungen (wie etwa bei den kommenden MTV Europe Music Awards 2012) hat der Song, der ursprünglich eine möglichst lächerliche Parodie des protzigen und verschwenderischen Lebensstils der Bewohner des Stadtteils Gangnam in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul darstellen sollte, bereits eingeheimst. Fünfhundertdreißig (!) Millionen Klicks sprechen für sich. Und doch nur für den Moment…

Nun ist sogar der chinesische Künstler Ai Weiwei auf den „Gangnam Style“-Zug aufgesprungen und präsentiert seine Video-Parodie: bekleidet mit pinkem Shirt und schwarzem Sakko tanzen er sowie seine Angestellten, Kollegen und Freunde ausgelassen in einem Innenhof ihre Version des Tanzes, welche sie passend dadaistisch „Gras-Sumpf-Pferd“ nennen. Zwischendrin werden immer wieder kurze Szenen des Originalvideos hineingeschnitten, und gegen Ende lässt sich Ai Weiwei sogar in Handschellen legen. – Das war wohl zu viel des Guten für die chinesische Regierung und ihren berühmt-berüchtigten Zensurdrang, denn bereits binnen kürzester Zeit war der Clip innerhalb Chinas gesperrt und ist nun für Ai Weiweis Landsleute nur noch in kommentierten Ausschnitten verfügbar… Da der 55-jährige Künstler für Peking beileibe kein Unbekannter ist – er ist als Regierungskritiker bekannt, wegen Pornographie und Steuerhinterziehung angeklagt (wobei in einem Land wie China in diesem Fall wohl mit einem anderen Maß gemessen wird) und wurde 80 Tage an einem unbekannten Ort festgehalten – darf man davon ausgehen, dass seine „Gangnam Style“-Version mehr Gesellschaftskritik mit politischem Hintergrund als Tribut an den Zeitgeist darstellen soll. Lustig anzuschauen ist’s allemal.

Glücklicherweise darf ich aus einem weit freieren Teil der Welt schreiben, deshalb gibt’s hier Ai Weiweis Video:

 

Und der regimekritische Chinese ist keinesfalls der einzige, der sich dieser Tage im Glanz der amüsanten popkulturellen Eintagsfliege sonnt, wie man anhand dieses Videos, das den UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon bei einem Treffen mit dem für den globalen Hit verantwortlichen Künstler Psy zeigt…

 

Als meinen eigenen Tribut an den Zeitgeist habe ich hier für die zwei Menschen auf der Welt, denen das Original – mutmaßlich – noch fremd sein dürfte, das Video. Und als ganz besonderen Service: die deutsche Übersetzung des Textes als Untertitel!

„Oppan Gangnam Style!“

 

Rock and Roll.

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