Schlagwort-Archive: Olli Schulz

Song des Tages: Kat Frankie – „Home“


image_manager__fullwidth_kat_frankie_credit-sabrina-theissen-web

„Seit 2004 lebt die Australierin Kat Frankie in Berlin, und beinahe genau so lange macht sie auch schon Musik. Sowohl als Solo-Künstlerin als auch mit anderen Musikern wie beispielsweise Clueso, mit dem sie das Duett ‚Wenn du liebst‘ aufgenommen hat, oder mit Olli Schulz, für den sie Backup-Vocals auf der Platte ‚Feelings aus der Asche‘ gesungen hat. Gemeinsam mit dem Kölner Chris Klopfer bildet sie außerdem das Duo KEØMA, das am ESC-Vorentscheid 2016 teilgenommen hat.“

So weit, so informativ. In der Tat ist Kat Frankie in deutschen Indie-Kreisen keinesfalls eine Unbekannte, schließlich arbeitete die Wahl-Berlinerin, die sich vor über zehn Jahren entschied, das sonnige Sydney – wohl der Kreativität wegen – gegen die wuselige deutsche Hauptstadt einzutauchen, in den letzten Jahren mit so unterschiedlichen Künstlern wie – es wurde ja bereits im Pressetext oben erwähnt – Clueso, Olli Schulz, Me & My Drummer oder Get Well Soon zusammen, und erschuf nicht selten Musik, die so ganz anders klang als die ihrer drei zwischen 2007 und 2012 erschienenen Soloalben. Dass die 39-Jährige trotz ihrer künstlerischen Umtriebigkeit dabei – vom Clueso-Duett einmal abgesehen – so selten im Formatradio stattfand, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass Frankies Songs nicht eben auf schnelle Leichtverdaulichkeit geeicht sind, sondern stets das Neue, stets das Experiment suchen – mal kommt dabei am Ende eine dunkle Piano-Ballade heraus, mal ein von Electro-Loops unterfütterte Acapella-Nummer. Oder eben: feiner, quer gedachter Indiepop. Wer mag, der darf die Australierin damit als Schwester im Geiste der Schweizer Musikerin Sophie Hunger sehen.

Im kommenden Frühjahr wird Kat Frankie nun ihr viertes Solowerk „Bad Behaviour“ veröffentlichen. Nach den sparsam arrangierten Songs ihres letzen Albums „Please Don’t Give Me What I Want“ (2012), das sie mal mit Band, mal solo mit Gitarre und Loop-Station live präsentierte, schlägt sie nun klarere Töne an. Dabei vernachlässigt Kat Frankie keinesfalls ihre kunstvolle und introvertierte Seite, sondern erweitert sie zu einem Feuerwerk der außergewöhnlichen Popmusik. Über ihre neuen Songs sagt die Sängerin: „Ich wollte nicht mehr melancholisch sein, nicht im Geringsten: Diese neue Platte ist für mich eine Platte der Freude, ich wollte ein bisschen ‚obnoxious‘ sein … dafür gibt es irgendwie kein gutes deutsches Wort.“

homeUnd stand das erste, kürzlich vorab veröffentlichte Titelstück des neuen Albums noch mit einem leichtfüßig tänzelnden Beinchen mitten im Indiepop, gibt sich der neuste Song „Home“ wesentlich differenzierter. Während Kat Frankies Gesang in den Strophen noch klar über treibenden Schlagzeigbeats liegt, grätschen bereits im Refrain fies dröhnende Gitarrenriffs dazwischen, die dem Stück eine – wohl beabsichtige – Aggressivität verleihen – Radiopop geht auch 2017/2018 anders. Das dazugehörige Musikvideo, für welches sich die Indie-Musikerin mit Regisseur Antonin Pevny (u.a. Bilderbuch, Bonaparte oder diverse Spotify-Spots) und Choreografin Lyn Lim zusammen tat, ist eine visuelle Hommage an Janet Jacksons Video zu „Rhythm Nation„, das 1989 gegen rassistische Ungleichheit und soziale Ungerechtigkeit protestierte, und auch 28 Jahre später leider kaum an Bedeutung verloren hat. Kat Frankie über den Song:

“When I wrote ‚Home‘ it was a little bit after the #blacklivesmatter protests were gaining traction, and the debates about marriage equality were heating up in Germany and Australia.  I was just getting sick of people trying to control the lives of others out of fear, or because of their religion. I was thinking about how protests are censored or dismissed. And I was thinking that we all just want a place to ‘be’ and to experience love. I thought about the idea of home, not as a physical space, but as a concept or state of societal- and self-acceptance.” 

21740762_10156728255750329_4687870438832106504_o

 

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Zitat(e) des Tages


15675907_10154980834218115_6410071854135474704_o

Klar, Yoda ist nur ein kleines, grünes Jedi-Männchen aus einer SciFi-Filmreihe namens „Star Wars„. Klar, all die unterhaltsamen Bilder rund um Luke Skywalker, Darth Vader und Co. haben mehr mit den Genres „Space Opera“ und „Heldenepos“ zu tun als mit unserer doch oft genug recht bitteren Realität (von welcher uns das Kino idealerweise auch manchmal ein klein wenig ablenken soll). Und trotzdem – oder gerade deshalb – hat dieses gerade einmal 66 Zentimeter große Männchen recht.

Auch gut und richtig war das, was die von mir ohnehin geschätzten Jan Böhmermann und Olli Schulz gestern taten und sagten:

17th Annual German Comedy Awards

Also: Passt aufeinander auf. Respektiert einander. Ich hab’s bereits verdammt oft geschrieben: Menschen sind Menschen, ganz gleich welcher Hautfarbe, Herkunft, Religion, sexueller Orientierung etc. pp. Leben und leben lassen. Over and out.

15665539_1325552210819297_8445279209981381706_n

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Das Mixtape ist tot. Lang lebe das Mixtape! (Eine Empfehlung, eine knappe Ode.)


mixtapes-go-to-heaven

„Ich hab alles aufgenommen, jeden Song bekommen
Massenhaft CDs gekauft, auf manchen war nur ein Hit drauf
Nicht so schlimm, nicht so schlimm, das Mixtape muss stimmen

Nimm mein Mixtape, Babe
Ich hoffe, dass es dir gefällt
Nimm mein Mixtape, Babe
Mit Liebe zusammengestellt
Nimm mein Mixtape, Babe
Egal wo du jetzt bist
Hör mein Mixtape, Babe
Damit du mich nicht vergisst…“

Bereits Legionen von musikverliebten Menschen wussten schon vor Olli Schulz‘ Song „Nimm mein Mixtape, Babe“ (vom 2003 erschienenen Debüt „Brichst Du mir das Herz, dann brech‘ ich Dir die Beine!„) um die Wissenschaft, die um die Zusammenstellung eines Mixtapes, diesem bunten Mix aus verschiedensten Musikstücken, besteht. Tausende von Büchern wurden darüber geschrieben, dass während dieser 60 oder 90 Minuten (das geradezu „klassische“ Kassetten-Mixtape) oder 80 Minuten (die CD-Variante) einfach alles passen muss: die Reihenfolge, die Übergänge, die Stimmung, die Mischung, ganz besonders der erste und letzte Song… Da ist eine Menge Psychologie im Spiel, und all die Menschen, die „eigentlich alles“ an Musik hören, oder „nur nebenbei“ oder „nur das, was im Radio läuft“, werden wohl nie die romantische Verklärtheit nachvollziehen können, mit der Autoren wie Nick Hornby (etwa im Musiknerd-Romanklassiker „High Fidelity„) oder Rob Sheffield (in „Love is a Mix Tape: Eine Geschichte von Liebe, Leid und lauter Musik„) von und über ein Leben für die Musik schreiben. Der eine oder die andere unter euch erinnert sich vielleicht noch mit einem seligen Grauschimmer an jene Tage, als er (slash: sie) Stunde um Stunde mit dem Grübeln über das richtige Mixtape an den oder die Angebetete, an einen Kumpel oder wenauchimmer verbracht hat, an die Momente, an denen er (slash: sie) mit den Songs dieses Mixtapes mehr sagen konnte als mit tausenden von Worten in einem Brief…

love_is_a_mixed_tape__by_fangedfem1Und fast könnte man meinen, dass die hohe Kunst der Zusammenstellung eines Mixtapes mit dem langsamen und graduellen Aussterben von Musikkassetten und CDs nun ebenfalls verloren geht. Dabei verlagert sich dieses schöne Hobby, dem auch ich seit vielen Jahren fröne (so gehen seit jeher am Ende eines jeden Jahres meine „Jahresmixe“ an Familie und Freunde raus), lediglich ins Digitale. Und obwohl im weltweiten Netz freilich das Haptische, das Anfassen eines Mixtapes, bei dem man auch gleich ein individuelles Artwork mit vielen schönen Schnörkeln und Details vor Augen hat, verloren geht, bieten sich letzten Endes – gute Audioqualität der digitalen Daten vorausgesetzt – auch viele Vorteile: insofern man einen Internetanschluss besitzt, ist alles jederzeit verfügbar – ganz gleich, ob man nun gerade in Alaska, Sydney, Kapstadt oder Helsinki sitzt. Ein Link genügt, und schon Sekunden später kann jeder den gerade zusammengestellten Mix streamen oder downloaden. Die mit geradezu wissenschaftlicher Akribie betriebene Mühe, die der Zusammensteller in das Mixtape (dem, genau genommen, eigentlich ja längst das „Tape“ abhanden gekommen ist) gesteckt hat, all die Stunden, die er/sie sich über die ausgewählten Songs und deren Reihenfolge den musikverliebten Kopf zerbrochen hat – all das ist noch so, wie es zu Zeiten der Regentschaft der Plattenspieler und Kassettenrekorder war, nur eben mit deutlich mehr Möglichkeiten und Auswahl in den schier endlosen Weiten des weltweiten Netzes, in denen quasi jeder mit ein bisschen Equipment und Know-how selbst zum Musiker werden kann (ob das so förderlich ist, bleibt freilich der persönlichen Geschmackseinschätzung überlassen).

Und wer ein wenig im weltweiten Netz gräbt, der findet sie immer noch, die Mixtape-Künstler, die unverbesserlichen Nostalgiker, die viel Liebe, viele Stunden und noch mehr Gedanken in die Zusammenstellung einer Playliste strecken. Einer davon ist Drew von „tiny little mixtapes„. Er selbst stellt sich folgendermaßen vor:

Foto: tinylittemixtapes.com

Foto: tinylittemixtapes.com

„I’m Drew.

I post mixtapes full of the songs that makeup the soundtrack to my life.

(I mean, very literally.)

This is what I listen to on the bus.

Or when I’m dancing in my underpants.

Or singing to a dog.“

Auf der Seite des frisch gebackenen Familienvaters stehen Dutzende von Mixtapes zum Stream oder Download bereit, die sich einen feuchten Dreck um Genres scheren und in denen man gerade darum stimmig für Tage und Wochen versinken mag.  Natürlich prangt auf der Startseite ein Bild von John Cusacks Alter Ego Rob aus der Verfilmung von „High Fidelity“. Natürlich wird darüber aus dem Roman zitiert: „A GOOD COMPILATION TAPE, LIKE BREAKING UP, IS HARD TO DO AND TAKES AGES LONGER THAN IT MIGHT SEEM. YOU’VE GOT TO KICK OFF WITH A KILLER, TO GRAB THE ATTENTION. THEN YOU’VE GOT TO TAKE IT UP A NOTCH, OR COOL IT OFF A NOTCH…OH, THERE ARE A LOT OF RULES.“. Selbst der Disclaimer der Homepage ist auf eine Art und Weise sympathisch unaufgeregt geraten, die wohl nur wahre Musiknerds mit einem nickenden Lächeln erwidern werden. Große Worte macht Drew zumindest weder um seine liebevoll und stimmig zusammengestellten Mixtapes noch um seine Rubrik „tiny little songs„. Muss er ja auch nicht. Let the music do the talking. Das Mixtape ist tot. Lang lebe das Mixtape!

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , ,

Das Album der Woche


Olli Schulz – Feelings aus der Asche (2015)

OlliSchulz_Feelings_Cover-erschienen bei Trocadero/Indigo-

Also, bringen wir’s hinter uns: „Wenn es um Olli Schulz geht, ist man immer schnell in der Defensive. Was, dieser Kasper da aus dem Fernsehen, der noch alberner als Joko und Klaas zusammen ist? Böhmermanns nerviger Sidekick aus der Radiosendung? Genau der. Und der macht Musik? Ja, damit hat er angefangen, damals in Hamburg, das kann er richtig gut. Jetzt ist Schulz 40, hat sich aufs Fernsehen eingelassen, auf Business-Meetings, auf Quoten, Likes und Boulevard. Ausgerutscht und auf die Fresse gefallen ist er nicht, aber es war wohl knapp.“ – um gleich vorweg aus der Plattenkritik von Spiegel Online-Autor Andreas Borcholte zu zitieren. Fakt ist: Olli Schulz, gebürtiger Hamburger, Wahlberliner und Jahrgang 1974, ist ein Plappermaul und enthusiastischer Mutaufreißer, der bei seinen Konzerten auch schon mal den Redeanteil zu Lasten seiner nie selten formidablen, hintersinnigen Songs verschiebt. (Meine Lieblingsanekdote stammt übrigens immer noch aus der Zeit von Schulz‘ Debütalbum „Brichst Du mir das Herz, dann brech‘ ich Dir die Beine!„, als der selbstberufene Liedermacher und Comedian – in Personalunion, selbstredend – als Busfahrer und Showanheizer für die stets wunderbaren Weakerthans unterwegs war und es sich bei seinem Auftritt im Dresdner „Beatpol“, der damals, 2003, noch „Starclub“ hieß, durch verhaspelte Äußerungen derart mit Teilen des anwesenden Publikums verscherzte, dass Schulz bis heute einen großen Konzertbogen um die sächsische Landeshauptstadt zu machen scheint… aber das nur am Rande.) Und freilich mögen Viele Schulz vor allem als blödelnden Lulatsch aus „Circus HalliGalli“ kennen, als dessen Alter Ego „Charles Schulzkowski“, der auf der Berlinale – ohne Rücksicht auf Verluste oder falsche Scham – auch schon mal einen über den Durst trinkt, als „Bibi McBenson“ (seltsam ulkig auf Tonträgerkonserve), als „Schulz in the Box“ (seine Show auf Pro Sieben) oder als Radio-Counterpart zu Jan Böhmenmann („Sanft & Sorgfältig“ auf Radioeins). Doch all das läuft bei Oliver Marc Schulz seit Jahr und Tag nur am Rande, denn der Mann brennt am Ende des Tages – und das schon seit Kindheitstagen – stets nur für eines: die Musik. Und da hat der *hust* Singer/Songwriter (oder lasst uns beim „Liedermacher“ bleiben) in den letzten zwölf Jahren schon Beachtliches vorzuweisen: drei Alben mit dem Bandanhang „und der Hund Marie“ (das war im Grunde nur sein Kumpel Max Schröder, der danach vor allem solo sowie als Schlagzeuger von u.a. Tomte oder Die Höchste Eisenbahn in Erscheinung trat) sowie zwei Soloalben, von denen das letzte, „SOS – Save Olli Schulz„, 2012 erschien. Und Schulz weiß genau, wie er Medien und Freunde sinnhaften Liedgutes gleichsam zufrieden stellen kann, denn neben rausgeschossenen Ulksongs wie „Mach den Bibo“, dem „Rangel Song“ oder „Verhaftet wegen sexy“ (mit Bernd Begemann) hat der Typ immer – und mit den Jahren: immer öfter – klasse Tiefgründiges auf Platte zu bieten. Ein Spagat, der am Ende nicht jedem gefällt? Natürlich. Aber jedem gefallen zu wollen, das war sicherlich noch nie Olli Schulz‘ Stärke…

Fotos: Oliver Rath

Fotos: Oliver Rath

Nun also legt der 40-Jährige sein sechstes Album „Feelings aus der Asche“ vor, bei dem logischerweise erst einmal das Wortspiel des Titels ins Auge fällt. Und gleich da – und noch bevor man einen einzigen (neuen) Ton gehört hat – wird Olli Schulz die potentielle Hörerschaft schon in zwei Lager spalten: die einen finden’s lustig und hintersinnig und auf den Punkt und haben im Januar schon einen Kandidaten für den „Albumtitel des Jahres“, die anderen schwadronieren von „Bemühtheit“ und Kriteln etwa an der zwanghaften Einbindung von Anglizismen herum. Scheiß‘ der Hund drauf! „Ich zähl‘ bis Zehn und halt‘ die Luft an / Und warte ab, was gleich passiert / Du musst dich nicht wundern, die Funken werden bunt sein / Es ist mein Herz, das explodiert“ – der Opener „So muss es beginnen“ legt ebenso beschwingt und gut los wie bereits seine Vorgänger auf Schulz‘ früheren Alben. Und auch „Phase“, zurecht die erste Single von „Feelings aus der Asche“, macht als eingängiger Dreieinalbminüter über ein gleichsam ruhe- wie rücksichtsloses, Männer und Energie vertilgendes Mädchen, von dem sich selbst der stolzeste Adonis besser fern halten sollte (was natürlich kaum gelingt), gut weiter. Der kundige Schulz-Hörer fühlt sich auch auf dem neuen Album schnell zuhause, denn so viel hat sich beim Liedermacher mit dem Schnoddermundwerk natürlich nicht verändert. Auch 2015 ist Olli Schulz ein feinfühliger Beobachter der Welt um ihn herum, der es trefflich versteht, Alltägliches in Worte und Melodien zu packen, und selbst dem grausten Grau noch etwas Farbe und Würde zu verleihen (etwa nachzuhören bei „Mann im Regen“, bei welchem man den nasskalten Wind beinahe im eigenen Gesicht spüren kann, während eine milde Herbstdepression durch das Lied schleicht). Ähnlich groß geraten der düstere Piano-Barstampfer „Boogieman“ oder Schulz‘ sehr persönliche, bittersüße Beziehungsabrechnungen „Das kann hässlich werden“ und das abschließende Titelstück „Feelings aus der Asche“ (mit an- und abschwellendem minutenlangem Intro, einem kurzen Gastbeitrag der ebenfalls in Berlin ansässigen Singer/Songwriterin Kat Frankie und Olli Schulz‘ wohl bislang bestem Text, den man hier am liebsten in Gänze zitieren würde). Etwas ungewohnter ist wohlmöglich nur die pathetische Rückspiegelschau von „Als Musik noch richtig groß war“, welche man so wohl eher bei und von Schulz‘ Musikkumpel Thees Uhlmann vermutet hätte (am Ende aber auch kaum verwunderlich, erschien das Debüt „Brichst Du mir das Herz…“ doch vor Jahren bei Uhlmanns Label Grand Hotel Van Cleef). Und: Für Witze und offensichtlich Humoriges bleibt auf „Feelings aus der Asche“ erstmals seltsam wenig Platz, dafür schickt der 40-jährige Musiker auf „Passt schon!“ den Hörer mit der plakativen Einleitung „Ich will eure Hunde sehn! / Schmeißt eure Hunde in die Luft!“ ganz bewusst auf die falsche Fährte, nur um sich dann drei Minuten lang durch eine grandios bitter-wahre Abrechnung mit dem Unterhaltungsgeschäft und gesellschaftlichen Zeitgeist zu singsprechen: „Tja, das kommt davon, wenn du nix gelernt hast / Dann biste ’ne Ratte“. Wer sich 2015 einen albernen Spaßsong vom Musik machenden Entertainer wünscht, der muss schon auf den Album-Bonustrack „10 Biddels“ zurückgreifen, der wohl nicht ganz unbewusst nur als Zugabe in Erscheinung tritt. Dem Rest bietet Olli Schulz einen guten Teil seiner bislang besten Songs, von denen einzig „Kinder der Sonne“ und „Dschungel“ etwas abfallen, und die in den bekannten Berliner „Hansa“-Studios unter Zuhilfenahme von Produzent Moses Schneider (u.a. Tocotronic, Beatsteaks, Turbostaat) oder Gisbert zu Knyphausen (am Bass, manchmal etwas Backgroundgesang) entstanden.

olli-schulz-tour-2015

Sicherlich mag Schulz auch 2015 ein wenig zwischen den Stühlen stehen. Er ist weder so überdreht witzig und lauthals ironisch wie etwa Rainald Grebe oder so tiefgründig melancholisch wie Gisbert zu Knyphausen. Olli Schulz steht irgendwo dazwischen, im Spagat zwischen TV-Ulknudel und ernstzunehmendem Liedermacher, der – Achtung, Phrase! – „das Herz“, typisch norddeutsch, “ auf der Zunge trägt“ und nicht selten brillante Worte für seinen wie unseren Alltagstrott findet, während er zeigt, dass man stets bereits sein sollte, alles Schöne wie Bittere im Leben und auf der Welt mit ein wenig Humor zu nehmen. Somit ist „Feelings aus der Asche“ zwar kein Album, das sich anbiedert (ganz einfach, weil weder Schulz noch seine Stücke das nötig haben), aber ein Album, das jedem ans Herz wachsen kann. Man muss Olli Schulz nur lassen. Und für einen kleinen Moment den Showman vergessen…

Foto: saveollischulz.tumblr.com

Foto: saveollischulz.tumblr.com

 

Hier gibt’s das frisch veröffentlichte Musikvideo zur ersten Albumsingle „Phase“, das Schulz‘ „Circus HalliGalli“-Kollegin Palina Rojinski, Musikerin Kat Frankie und einen Clown, dessen Gesicht einem irgendwie bekannt vorkommen mag (nette musikvideoübergreifende Anspielung übrigens!), in Gastrollen anzubieten hat…

 

…einen knapp neunminütigen Promo-Clip zu „Feelings aus der Asche“, bei welchem Schulz mit Kumpel Jan Böhmermann bei einem Spaziergang durchs herbstliche Berlin etwas über sein neustes Album plaudert – freilich halb im Ernst, halb aus Spaß…

 

…Schulz‘ Auftritt vor wenigen Tagen bei „TV Total“ (Hat übrigens noch jemand außer mir den Eindruck, dass da zwischen Olli Schulz und Stefan Raab höchstens zwangsverpflichtete Sympathie – immerhin will der eine sein neuestes Werk promoten, der andere seine Show routinemäßig absolvieren – herrscht?)…

 

…und Olli Schulz‘ *hust* Performance von „Als Musik noch richtig groß war“ bei Jan Böhmermanns Show „NEO MAGAZIN“ (auf ZDFneo):

 

Und wer Olli Schulz selbst live, im Farbe und bunt erleben möchte, der bekommt bei folgenden Daten die Gelegenheit hierzu:

„Feelings aus der Asche“ Tour 2015

18.03.2015 – Hamburg, Große Freiheit
19.03.2015 – Hannover, Pavillon
20.03.2015 – Leipzig, Haus Auensee
21.03.2015 – Wien, Wuk
23.03.2015 – München, Muffathalle
24.03.2015 – Zürich, Plaza
25.03.2015 – Frankfurt, Batschkapp
26.03.2015 – Stuttgart, LKA Longhorn
27.03.2015 – Saarbrücken, Garage
28.03.2015 – Münster, Skaters Palace
30.03.2015 – Köln, Live Music Hall
31.03.2015 – Bremen, Moderndes
01.04.2015 – Berlin, Tempodrom

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Neues Olli Schulz-Video zu „Spielerfrau“


Nicht nur ANEWFRIEND scheint derzeit seinen Tages-, Bio- und Pinkelrhythmus nach Fussballspielen auszurichten, sondern auch Olli Schulz. Wie sonst ist es zu erklären, dass der in Berlin wohnende und aus Hamburg stammende Musiker ausgerechnet pünktlich zum alle zwei Jahre stattfindenden ledernen Wahnsinn den Song „Spielerfrau“ aus seinem aktuellen Album „SOS -Save Olli Schulz“ auskoppelt?

Ist das Lied an sich eine mit einem ironischen Augenzwinkern versehenen Hymne an alle Victoria Beckhams, Sylvie Van Der Vaarts, Claudia Effenbergs und – herzlich willkommen in diesem erlauchten Club! – Cathy Fischers dieser Welt, werden im dazugehörigen Video die Rollen ein wenig umgedreht. Und: als EM-Song doch wesentlich angenehmer als der (wieder mal) reichlich platte Rest, oder?

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , ,

Auf dem Radar: Olli Schulz


Nein, Olli Schulz ist beileibe kein Newcomer. Genau genommen hat er sich, ob nun als Tour-Busfahrer der Weakerthans, Stangehand von u.a. Evan Dando, Grand Hotel Van Cleef-Intimus, Radiomoderator (bei Radio Fritz) oder als Teil der gemeinsamen mit dem Hund Marie (aka. Max Schröder), bereits einige Musikcredibility erworben und so ganz sein ganzes Leben aktiv wie passiv vor und hinter dem magischen Set aus Schlagzeug, Gitarre und Bass verbracht.

An diesem Freitag erscheint Schulz‘ mittlerweile fünftes Studioalbum „SOS – Save Olli Schulz„. Wovor der ursprünglich aus Hamburg stammende und nun mit Kind und Kegel in Berlin beheimatete Liedermacher den gerettet werden möchte, ist nicht überliefert. Die geneigte Hörerschaft kann sich jedoch wieder auf eine 17 Song starke bewährte Mischung aus Humor und Melancholie freuen.

Und wer Olli Schulz schon einmal live erleben durfte, der wird wissen, dass der 33-jährige gerade für seine Ansagen und Anekdoten zwischen den Liedern berühmt-berüchtigt ist. Passenderweise wird er das neue Album in Kürze auch auf Tour vorstellen. Wo und wann erfahrt ihr hier:

17.03. Stade, Hansesong-Festival

24.03. A-Wien, HdM Springbreak Festival

12.04. Stuttgart – Theaterhaus Saal 2

13.04. Dortmund – FZW

14.04. Osnabrück – Lagerhalle „Popsalon Festival“

16.04. München – Muffathalle

17.04. Frankfurt – Batschkapp

19.04. Köln – Stollwerck

20.04. Hamburg – Große Freiheit

27.04. Berlin – Astra

28.04. Leipzig – Theaterfabrik

Wer noch nicht weiß, wie der Songwriter mit der Hamburger Schnauze klingt, dem bietet sich hier die Gelegenheit, dieses Defizit anhand des Videos zu „So lange einsam“ (vom Vorgängeralbum „Es brennt so schön„) sowie diverser während (s)eines TV Noir-Besuchs aufgenommener Stücke nachzuholen:
 


(Für alle, die sich fragen, ob sie da soeben Gisbert zu Knyphausen und Marcus Wiebusch gesehen haben: habt ihr.)
 

 

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: