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Song des Tages: There Will Be Fireworks – „In Excelsis Deo“


twbf

Weihnachtslieder gibt es ja wie Sand am Südseestrand. Und die meisten davon können mir – in ihrer immergleichen Penetranz, mit ihrer gespielt-aufgesetzten Fröhlichkeit – gern gestohlen bleiben. You can call me Grinch, if you may…

Wenn jedoch die vier schottischen Lads von There Will Be Fireworks – wie anno 2010 – einen Indie-Postrocker wie „In Excelsis Deo“ raushauen, dann höre selbst ich gebannt zu. Und hoffe inständig, dass die Glaswegians, welche sich über die Jahre einen festen Platz in meinem Hörerherz ergaunert haben, ihrer freilich noch immer großartigen Diskografie, deren letzter Teil, das zweite Album „The Dark, Dark Bright„, nun auch bereits stolze vier Winter zurückliegt, im kommenden Jahr endlich ein neues Werk hinzufügen (an den Songs schreiben There Will Be Fireworks, insofern man Facebook Glauben schenken darf, bereits seit 2016)…

In diesem Sinne wünscht ANEWFRIEND allen gelegentlichen, zufälligen und – natürlich – regelmäßigen Lesern schöne Weihnachtsfeiertage und einen möglichst gesunden Rutsch ins neue Jahr! Passt auf euch auf.

 

 

„Well, I can’t wait for Christmas
Been buckle-knee’d and listless
And you say that you’ve been wishing weeks away
They hung the lights out in the street
Twisted ‚round the boughs of the trees
The choir sung its holiest refrains
Like Gloria
Hosanna in the highest
Heaven knows
This year’s been black and blue
But we’re alright
And this Christmas could be white for me and you

I still can’t sleep on Christmas Eve

And we’ll never miss a beat
Scarlet-faced from whiskey neat in the cold
Singing, dancing in the dark
Oh, I hope these words will do
I’ve had my doubts, but not about you
I’m drunk and hearing voices in car parks
And this year – oh, I’ve got love in me, I swear – I hope you know

Gloria In Excelsis Deo

If I should fall from grace
If I should leave this dear green place
And if Christmas fades without a trace
I still want you around
There’s magic in this grey old town, you know
You should share in the refrain
If you think you know the songs
Who cares if all the words are wrong?
Who cares if it barely ever snows?

But still the choir smiles
The carol of the bell echoes“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Video- und Songneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

There Will Be Fireworks – River & In Excelsis Deo (live at Old Mill Studios)

TWBF Old Mill Studios

Da hat die schottische Band um Frontmann und Sänger Nicky McManus kurz vor Ende des vergangenen Musikjahres mit „The Dark, Dark Bright“ in der Tat ein Zweitwerk nach Maß in die Regale gestellt, mit dem wohl nur jene rechnen durften, die schon das 2009 erschienene und bis heute – völlig zu unrecht – sträflichst missachtete selbstbetitelte Debüt nicht mehr aus ihren Ohren und Playlists bekamen. Alle anderen – Medienschaffende wie Otto-Normal-Hörer mit Hang für gitarrenrockistisches Pathos – reagierten freilich euphorisch bis positiv erstaunt auf die zwölf neuen Stücke des schottischen Fünfers, und auch in 2014 dürften There Will Be Fireworks (allein der Name ist noch immer Weltklasse, oder?) noch so einige neue Fans mehr einsammeln, was wohl – hoffentlich, denn Tourneeankündigungen gestalten sich, solang‘ die Musik nur ein schönes Hobby bleibt, natürlich schwierig  – auch an ihren intensiven Livevorträgen liegt. Überzeugen davon könnt ihr euch nichtsdestotrotz anhand des neuen Songs „River“ sowie der TWBF-Version des Weihnachtsstücks „In Excelsis Deo“, welche die Band kürzlich in den heimatlichen Old Mil Studios in Strathaven, einer kleinen Stadt südlich von Glasgow, einspielte…

 

 

 

Charles Bradley – Changes 

Charles Bradey

Erinnert ihr sch noch an die beiden ganz hervorragenden abendfüllenden Musikdokumentationen „Searching For Sugar Man“ und „A Band Called DEATH„, die ANEWFRIEND euch im vergangenen Jahr vorgestellt hat? In die gleiche Kerbe schlägt auch der 2012 erschienene Dokufilm „Charles Bradley – Soul Of America„, die den heute 65-jährigen Afroamerikaner Charles Bradley beim Erleben seines größten Traums begleitet: einem eigenen Album. Davor lebte der Mann jahrelang auf der Straße oder schlug sich, mehr schlecht als recht, mit Gelegenheitsjobs am unteren Ende des Existenzminimums durch. Erst während einem seiner raren Auftritte als James Brown-Imitator wurde Gabriel Roth, einer der Köpfe des funk- und soullastigen Daptone Records-Labels, auf ihn aufmerksam und stattete Bradley mit einem Plattenvertrag aus. Klar: wer nun Songs wie die kürzlich veröffentlichte Coverversion des Black Sabbath-Klassikers „Changes“ hört, der fragt sich wohl völlig zu recht, wieso die Musikwelt eine Stimme wie die von Bradley so lange außer Acht lassen konnte. Aber das sind sie nun einmal, die Geschichten, die das Leben so schreibt…

 

 

 

José González – Stay Alive

Stay Alive

Natürlich lässt es sich jedes Mal aufs Neue vorzüglich über Ben Stiller und sein schauspielerisches Können streiten. Auch sein neuster Film „The Secret Life Of Walter Mitty„, das als Neuverfilmung einer Verfilmung (von 1947) einer Kurzgeschichte (von 1939) vom Seelenleben und des Existenzängsten eines Fotoarchivars erzählt, dürfte wohl daran nichts ändern. Ganz anders verhält es sich dafür mit dem dazugehörigen Soundtrack, der neben dem ein oder anderen größeren Namen (David Bowie, Jack Johnson) vor allem Songs mit Songs von José González, dem schwedischen Musiker mit dem spanischen Namen und der so besonderen Stimme, sowie seiner Zweitband Junip aufwartet. Für das Musikvideo zum neuen Stück „Stay Alive“, das aus der Feder von keinem Geringeren als Ryan Adams stammt, schlüpft González selbst in die Haut der Ben Stiller-Figur Walter Mitty. Und für den Soundtrack wagte sich der Musiker sogar an die Neuinterpretation des John Lennon-Klassikers „#9 Dream“…

 

 

 

Slut – Séance Session (No. 20)

seance_logo

Das bajuwarische Indierock-Quintett von Slut hat mit „Alienation“ zweifellos eines der ebenso gelungensten wie fordernsten und klügsten deutschen Alben des vergangenen Musikjahres veröffentlicht. Ihre Live-Premiere feierte ein Großteil der neuen Stücke dabei jedoch nicht etwa in der bayrischen Landeshauptstadt, sondern im cosmopolitsch großen Berlin im Rahmen der „Séance“-Sessions-Konzertreihe, in deren Rahmen auch schon Bands wie Listener oder Dark Dark Dark vor Kameras und Publikum auftraten. Den gut einstündigen Auftritt von Slut gibt es nun zum Lümmeln und Rocken auf der heimischen Couch…

 

 

 

Elle Aura – Flashes Of A Pretty Face

ElleAura

„Elle Aura is from Potsdam/Germany and lives everywhere. She writes songs, plays guitar and sings. She grew up with Indie, dances to Hip Hop, likes Pop, has a weak spot for Country, and two big brothers who can do everything. She likes to make people do stuff at her concerts like buy each other drinks and dance together. In 2013 she released her first solo-album ‚Flashes Of A Pretty Face‘.“ – soweit die Selbstauskunft der deutschen Singer/Songwriterin (oder müsste es in diesem Fall „Liedermacherin“ heißen?) Elle Aura (aka. Laura), die – sie erwähnte es ja bereits – im vergangenen Dezember ihr Debütalbum „Flashes Of A Pretty Face“ ins digitale Rund geworfen hat. Die 14 darauf enthaltenen Songs der Weltenbummlerin, die auch schon einige Zeit in Ghana oder Polen verbracht hat, klingen dem Erscheinungsmonat entsprechend mal fein melancholisch, mal dezent ausgelassen und poppig – es dürfte also für jeden etwas dabei sein. Und da es das Album auf Elle Auras Bandcamp-Seite derzeit sowohl komplett im Stream als auch zum Download nach der „Pay what you want“-Variante gibt (auch wenn die Musikerin allen potentiellen Geizhälsen mit dieser Rechnung ihren Teil der Kosten aufzeigt), sollte man der Dame mit eigenem Youtube-Kanal doch wenigstens das ein oder andere Ohr leihen…

 

 

Keaton Henson – Birthdays: A Fragment (Noisetrade EP)

K. Henson

A propos „Pay what you want“: Keaton Henson, seit einigen Jahren wohl einer der faszinierendsten Trauerbarden und Leisetreter des Musikgeschäfts, bietet derzeit via Noisetrade mit „Birthdays: A Fragment“ fünf Songs seines im vergangenen Jahr veröffentlichten zweiten Albums „Birthdays“ zum kostenlosen Download an – für all jene, denen das komplette Album vor einigen Monaten durch die akustischen Lappen gegangen sein sollte…

Auf dieser EP befindet sich auch der Song „You“, der ebenso im audiovisuellen Original…

 

…als auch in der Sprechgesangsvariante, bei welcher der Schauspieler Derek Jacobi zu den Zeilen des Henson-Songs eine lebensweise Bilanz zieht, noch immer mächtig Eindruck hinterlässt:

 

 

Mikky Ekko – Song To The Siren

Mikky Ekko

„Song For The Siren“ ist selbst im nicht eben an anspruchsvollen Kompositionen armen Backkatalog des 1975 bereits im Alter von 28 Jahren so jung verstorbenen Singer/Songwriters Tim Buckley – richtig, der Vater des ebenfalls legendenumrankten Jeff Buckley – ein Song, an den man sich nicht ohne Weiteres und den passenden Voraussetzungen herantrauen sollte. John Frusciante etwa nahm sich das Stück 2009 für dein letztes gelungenes Album „The Empyrean“ vor und vereinnahmte es zwar für sich, blieb jedoch auch nah an der Schwanengesangshaftigkeit des von 1967 stammenden Originals.

In einen ähnliche Kerbe schlägt nun auch der 29-jährige Musiker und Produzent Mikky Ekko (aka. John Stephen Sudduth) aus Louisiana, der den Buckley-Song ihm Rahmen der „Yours Truly Sessions“ für die im US-amerikanischen San Francisco beheimatete Musikwebsite gleichen Namens neu interpretierte. Wie es „Indie Shuffle“ so treffend umschrieb: „Naked, exposed, and pure, this live cover of Tim Buckley’s ‚Song To The Siren‘ by Mikky Ekko is a real ’stop, stand still, and pay attention‘ kind of track.“ Ganz genau.

 

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


There Will Be Fireworks – The Dark, Dark Bright (2013)

There Will Be Fireworks - The Dark, Dark Bright (Cover)-erschienen bei Comets & Cartwheels-

Post Rock – ein weit gefasster Begriff, der beinahe alles und am Ende meist gar nichts bedeuten mag. Klar: „Rock“! Aber „Post“? „Post“-was, zur Hölle? Bei dem ein oder anderen tun sich sicherlich schon Bilder auf… Bilder, von vereinsamten jungen Männern, die wahlweise auf einem Hochhausdach oder im verranzten Proberaumkeller zusammen stehen, gemeinsam beflissen Gitarrenspur über Gitarrenspur über Bassspur über Schlagzeuglinien über Gesangsspuren legen, um sich am Ende in ihnen zu suhlen. Für den einen ist’s das emotionale Non-Plus-Ultra, für den anderen grausamste Langeweile. Dieses Konzept führen etwa die Schotten von Mogwai seit Jahrzehnten zur, von der weltweiten, ach so auf Indietum bedachten Fanschar umjubelt, gen Perfektion. Überhaupt: Schottland! Wie bereits im Januar des vergangenen Jahres in einer der ersten Reviews überhaupt auf ANEWFRIEND erwähnt, ist das Land im Norden Großbritanniens nicht eben arm an tollen Rockbands und Singer/Songwritern. Das bewiesen, bebe Mogwai, in den vergangenen Jahren etwa We Were Promised Jetpacks, The Xcerts, The Twilight Sad, Malcolm Middleton (Ex-Arab Strap!), The Unwinding Hours oder My Latest Novel, während sich Frightened Rabbit oder Biffy Clyro – nicht nur in meiner Gunst – verdientermaßen als Platzhirsche hin zu Major Deals und größeren Arenen aufschwangen. Das Schöne dabei: Der böse Teufel Plattenfirma schaffte es bei keinem der Genannten, ihnen die Qualität und das Herz auszutreiben. Und doch gelang es einer Band, die weder einen Booking Agent noch einen Plattenvertrag besaß, meinen musikalischen Verstand über Jahre hinweg von ihrem selbstbetitelten Debütalbum einzunehmen: There Will Be Fireworks.

There Will Be Fireworks at The Buff Club, 2010; Photo © Fiona McKinlay

There Will Be Fireworks at The Buff Club, 2010; Photo © Fiona McKinlay

Keine Frage: Das aus Glasgow stammende Quintett, welches damals noch ein Quartett war, besaß Qualitäten, die ihnen selbst im dicht besiedelten Terrain des Post Rocks allerlei gefühlte Alleinstellungsmerkmale zusicherten. Ihre Songs waren mal nackt, puristisch und schutzlos der Akustischen ausgeliefert, nur um sich darauf – Nomen est omen! – wie ein befreiendes rockistisches Feuerwerk gen Nachthimmel aufzuschwingen. Dazu ließ Sänger und Gitarrist Nicholas „Nicky“ McManus Textzeilen in feistem schottischen Akzent auf den Hörer los, auf deren Wucht man so selten gefasst war. Keines der dreizehn Stücke des 2009 im Eigenvertrieb veröffentlichten „There Will Be Fireworks“ enttäuschte. Mehr noch: Wer sich auf das Album als Gesamtwerk wirklich und wahrhaftig einließ, den ließ es so schnell nicht mehr los. Und das in einer Zeit, in der nicht wenige Künstler das Langspielerformat längst abgeschrieben und zugunsten des schnellen One-Hit-Wonder-Single-Euros ad acta gelegt haben…

Befeuert von der Energie des Zusammenspiels wollte die Band natürlich auch gleich nachlegen, sagte bereits 2010 in Interviews, dass man am Nachfolger arbeite. Doch bis auf die ebenfalls sehr gelungene, im Dezember 2011 veröffentlichte „Because, Because“ EP, welche mit ihren vier neuen Stücken den Appetit auf ein neues Album nur noch stärker werden ließ, passierte lange Zeit: nichts. Die Gründe hierfür mögen wahrlich zu banal und alltäglich sein, um ins Bild des alles beiseite schiebenden Musikers zu passen: Der Großteil der Band sagte jobbedingt dem Glasgower Backsteineinheitsgrau Lebewohl und zog in alle Ecken und Enden der britischen Inseln – der Broterwerbsalltag hatte die Twentysomethings von There Will Be Fireworks, hatte Nicholas McManus, David Madden, Adam Ketterer, Stuart Dobbie und Gibran Farrah eingeholt. Gemeinsame Proben entwickelten sich daraufhin zum logistischen Wagnis, gemeinsame Tourneen schienen – spontan angesetzte einzelne Gigs mal außen vor – beinahe ausgeschlossen, und für die immer wieder verschobenen und lediglich bruchstückhaft vorangetriebenen Aufnahmen von neuen Stücken in professionellem Rahmen musste schlicht und ergreifend – wir erinnern uns: hinter der Band stand weder ein Management noch eine Plattenfirma! – erst einmal das mühsam ersparte Kleingeld zusammengekratzt werden. Doch die Hoffnung blieb. Und im Nachgang ruhte wohl ein großer Brocken davon im Herzen von Frontmann McManus, der als Einziger in der alten Heimatstadt zurück blieb, um vom Fenster seines Apartments auf den Glasgower Hafen zu blicken…

there will be fireworks #1

Umso erstaunlicher ist es bei all diesen banalen Unwegsamkeiten, durch deren kleinere Brüdern schon größere Bands die kreativen Segel streichen mussten, dass nun mit „The Dark, Dark Bright“ nach beinahe vier langen Jahren des Wartens tatsächlich Album Nummer zwei erscheint. Und doch hat die Band Dank ihrer selbstbetitelten Einstandsvisitenkarte so einiges zu verlieren. Sollte sich die qualitative Fallhöhe von „There Will Be Fireworks“ also als musikalisches Vabanque-Spiel erweisen? Nicht nur ich stellte mir wohl noch vor wenigen Tagen diese Frage…

Zunächst einmal legt „And Our Hearts Did Beat“, das Eröffnungsstück von „The Dark, Dark Bright“, gewohnt los, steigt man doch, wie schon beim Debüt, mit einem Spoken-Word-Intro, für dessen Gedichtvortrag (dieses stammt übrigens von Iain Chrichton Smith) die Band ihren ehemaligen Englischlehrer (!) gewinnen konnte, ins Album ein. „And our hearts did beat / Oh, they pounded loudly / And we didn’t speak / We just… stared / Not a word, just silence / Struck upon our tongues“ singt Frontmann Nicky McManus, nur von seiner Akustischen begleitet, bevor sich erstmals das größte Plus dieses Album erhebt: der Streicherreigen. Der legt denn auch schon im folgenden „River“ ordentlich los, während ein warmes Gitarrenfeedbackmeer mäandert und das Schlagzeug selig bummert wie weiland auf Sigur Rós’ Meisterwerk „Takk…“. Doch There Will Be Fireworks wären wohl nicht sie selbst, ließen sie das Stück ewig weiter in Elegien schwelgen. Die Gitarren brechen aus, brechen sich frei, nach oben, unten, links und rechts. Und McManus erhebt erstmals das zarte Stimmchen, fleht und schreit, bis man als Nicht-Schotte (hach, dieser Akzent!) nicht mehr zwischen Text und Lautmalerei zu unterscheiden vermag… Und es ist… so schön! Natürlich fehlen auch auf Album Nummer zwei nicht die melancholischen Balladen, welche sich mal einzelne Streicher zur Rechten stellen („Roots“), mal nur von diesen Saiten gehalten werden („Ash Wednesday“) – oder eben gleich als dezent country’eskes Akustikgitarrenmantra á la The Frames („Lay Me Down“ – da hat man auch gleich den Songtitel gemein) oder als wundersam nacktes Kleinod („Your House Was Aglow“). Dazwischen lotet die Band neue Horizonte in ihrer noch recht jungen Bandhistorie aus. „Youngblood“ etwa ist ein beschwingter, von Mandolinen und Percussion angetriebener „Hoppipolla“-Doppelgänger, der von den süßen Wonnen der Jugend kündet, und es sich leistet, nach etwa drei Minuten lauthals zu explorieren. „So Stay Close“ treibt mit seiner von einer einsamen Trompete begonnenen und beschlossenen Mischung aus Wehmut und rockistischer Euphorie die emotionale Katharsis beinahe auf die Spitze – da wirkt die Akustikgitarrenpassage gen Ende gleich doppelt schwer: „But the blood, it keeps on flowing / And the wind, it returns its song“. Hartnäckiges Kopfnicken lässt sich zum Schlagzeugbeat des großartigen Nachthimmelstürmers „Here Is Where“ wohl kaum vermeiden, während McManus und seine Mannen sich Fernweh antrainieren – und dabei Heimat und Vergangenheit näher und näher kommen. „South Street“ biegt – gerade im Firework’schen Sinne – mit ungemein poppigen Melodiebögen um die Ecke, lässt das Schlagzeug Kilometergeld kassieren, während Gitarren- und Synthesizerspuren den Song weiter nach vorn spülen und McManus imbrünstig Zeile um Zeile ausspuckt: „The sky can fall tonight / For all I care / On South Street / I will be there“. Der sanft anschwellende Piano-Fünfminüter „Elder And Oak“ zieht seine Bandschleifen am Firmament der Erinnerungen („And they carried you home / Did you think you’d stay long? / Are you waiting, waiting, waiting / For something to drink or smoke? / Does it ever keep you up at night?“), holt Anlauf und legt sich in den Gitarrenwind – ohne Rücksicht auf den nächsten Morgen. Zum Schluss schaut McManus beim beschaulichen Lullabye „The Good Days“ noch einmal traumversunken auf die Heimatstadt, diese Kulisse so vieler Erinnerungen, von so manchem zerbrochenem Traum und so vielen Nächten ohne Schlaf – und stellt doch nur fest, dass auch er sich nicht gegen Gezeiten und den Wandel der Zeit stellen kann: „This used to be my city / This used to be my town / Now everyone’s a stranger /…/ This used to be my dear green place…“

there will be fireworks #2

Mit „The Dark, Dark Bright“ ist There Will be Fireworks zweifelsohne ein über alle Maßen würdiger Nachfolger zum vier Jahre jungen Debütalbum gelungen. Mehr sogar: War „There Will Be Fireworks“ noch träumerisch und ungestüm, rau und schroff, nebelverhangen und mannshoch emotional, kommt Album Nummer zwei nun aufgeräumter und definierter daher. Denn wo der Erstling sich vor lauter jugendlichem Sturm-und-Drängertum kaum noch zügeln konnte, bieten There Will Be Fireworks, die auch dieses Mal gemeinsam mit Produzent Marshall Craigmyle in den Old Mill Studios von Strathaven aufnahmen, nun ein gestraffteres Update ihrer Selbst auf, das freilich nicht die eigenen Vorzüge über Bord wirft, dafür jedoch strafft und bündelt, und zuweilen auch die elegischen Streicherharmonien dominieren lässt. Das kommt sowohl den musikalischen wie lyrischen Ebenen des Albums zugute, denn wie könnte man die Laut-Leise-Dynamik, die Texte, die beständig zwischen Besinnlichkeit und „Fuck off“-Attitüde, zwischen Lieben und Hassen pendeln, besser kontrastieren als mit klassischen Elementen, die sich gekonnt und vervollkommnend ins klangliche Bandkonstrukt einfügen. Und noch immer schaffen es There Will Be Fireworks, einem – vor allem wohl während dieser Herbst- und Wintertage – ein sanft melancholisches Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Und noch immer bildet die Band kleine Kathedralen der Janusköpfigkeit, die nicht selten gen Ende zum Himmel gejagt werden. „The Dark, Dark Bright“ ist, wenn man so will, ein Album über die Vergänglichkeit, über das Erwachsenwerden und das Zurückblicken. Ein Album, das im Gros – und frei nach der Oasis-Weisheit „Don’t look back in anger“ – mehr auf die melancholische Milde gestimmt ist als auf die ausschließende Auf-die-Zwölf (und so Sigur Rós näher steht als den Landsmännern von Mogwai). Und: Post Rock hin oder her – wer sich „The Dark, Dark Bright“ voll und ganz hingibt, der hat hier einen der heißesten Kandidaten für’s Album des Jahres. Und einen für die nächsten vier Jahre. Diese Schotten, immer wieder…

„The growing up happened too fast / You can’t remember last summer / The way that she laughed..“ („Roots“)

„You’ve been drinking quitetly tonight / Trying to take the edge off the dark, dark bright…“ („Youngblood“)

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Hier können noch einmal die Vorgänger – das selbstbetitelte Debütalbum (2009) und die „Because, Because“ EP (2011) – in Gänze gehört werden…

…während man sich hier das gelungene Musikvideo zu „Youngblood“ anschauen…

 

…und hier den Song „Roots“ – in der Album- und der Sessions-Variante – hören kann:

 

In jedem Fall gebe ich euch allen – besonders in diesem Fall, da es sich bei There Will Be Fireworks seit Jahren um eine meiner engsten Herzensbands handelt – die Bitte mit auf den Weg, der Band, ob nun als Tonträger (das Debüt ist aktuell vergriffen, dafür kann beim aktuellen Werk zugeschlagen werden!) oder als digitaler Download (gibt’s bei Amazon oder iTunes), den ein oder anderen übrigen Euro für ihre jahrelangen Mühen zukommen zu lassen… Danke, von Herzen.

 

Rock and Roll.

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