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Haialarm? Nevermind! – Albumcover und ihr Drumherum


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Klar, die Albumcover von Nirvanas „Nevermind“, Bruce Srpingsteens „Born In The U.S.A.“, Blurs „Parklife“, Michael Jacksons „Off The Wall“ oder vom Beatles-Klassiker „Abbey Road“ kennt wahrlich beinahe jeder, schließlich sind sie längst in den popkulturellen Kanon aufgenommen. Dabei ist doch die Frage, was eigentlich am Rande des Covers abgegangen beziehungsweise passiert sein mag, kaum uninteressanter…

Wem sich schon immer Fragen wie diese gestellt haben mögen, dem werden nun – nicht ohne eine Prise Humor, freilich – einige (potentielle) Antworten gegeben. Außerdem mit dabei: Adele „19“-Coverbewerbung für „The Walking Dead“ und Justin Biebers neuerlicher Konflikt mit dem Gesetz…

Mehr gibt’s bei aptitude.co.uk.

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Lee Ranaldo – Between The Times And The Tides (2012)

-erschienen bei Matador-

Ein Roadtrip. Der Tank ist voll, Tequila und zwei Stangen Zigaretten liegen im Koffer verstaut auf dem Rücksitz. Der Schlüssel rastet ins Zündschloss ein, der Motor startet mit einem Rumpeln, und schon geht’s los…
Keyboards, sachte E-Gitarrenakkorde, dann das erste Riff. Kurz darauf nimmt „Waiting On A Dream“ Fahrt auf. „Comin‘ down from Colorado / Took a late night trip out of the snow / I need to see your face tomorrow / Just an hour or two before you go“ – Lee Ranaldo begibt sich auf eine Reise, die eigene Historie stets bewusst im Rückspiegel, den Blick offen für alles, was vor und um ihn geschieht. Schon bald entschwindet alles ins Feedback und machen den Weg frei für „Off The Wall“. Mit Textzeilen wie „Chaos in the streets / These are the days of rage“ beschreibt er die Stimmung, die universell die in den USA, jedoch auch die in Europa oder im Nahen Osten beschreiben könnte. Nichts und niemand ist mehr sicher, alles kann, darf und sollte in Frage gestellt werden. Gleichzeitig merkt er an, er sei lediglich „Half a man / Trying to get home“. Zu hause – wenn er wüsste, wo das wär’… „Explosions in the city / Explosions deep in me“ – der wütende Mopp auf den Straßen steht sinnbildlich für das Infragestellen im Inneren. Bei „Xtina As I Knew Her“, mit etwa sieben Minuten das längste Stück des Albums, sieht Ranaldo in einem Meer aus Gitarrenspuren Erinnerungen an eine alte Freundin vorbeiziehen, im nicht minder gitarrenlastigen „Angles“ werden die endlos scheinenden Sommer der Jugend besungen, der warme Regen und die Sterne. „Hammer Blows“ beginnt mit einer einsamen Akustikgitarre. „Last night I stopped by your house, in the rain / But I could see you weren’t home / … / Maybe I see you out on the road“ – die alte Freundin ist längst weitergezogen, und nach dem kurzen Zwischestopp will sich nun auch Ranaldo wieder auf die Highways begeben, als ihm plötzlich jemand unvermittelt auf die Schulter klopft. „It’s nice to have you back / I wasn’t ready for a change / Here’s a present for the road / I’ll give you back your name“ – eine Trennungshymne par excellence, bei der jeder Akustikgitarrenakkord ins Seelenfleisch schneidet und das Klopfen der Faust auf den Klangkörper am Ende dem des eigenen Herzens gleicht. Wieder zurück auf der Straße lassen einen der Einstieg und die Soli von „Fire Island (Phases)“ an Hendrix‘ grandiose „All The Watchtower“-Coverversion denken, das Gaspedal durchdrücken und all den Gefühlsunrat schnell kleiner werdend im Rückspiegel zurücklassen. Im darauffolgenden „Lost“ mit seinem vorwärtspreschenden Schlagzeug geht’s dann auch schon reichlich beschwingter zu. „You’re lost but you’re whole“ – es gibt wohl für viele Menschen nichts Heilsameres, als sich in der Fremde zu verlieren… „Shouts“ berichtet dann mit all seinen bedrohlichen Gitarrenspuren, Backgroundchören und der Reporterstimme aus dem Off wieder von der Stimmung auf den Straßen der Großstädte: „This whole world’s upside down / I still can hear the shouts“. Den krassen Gegensatz dazu bildet „Stranded“. Ranaldo ist nach endlosen Meilen und vielen Widrigkeiten in einem einsamen Motel am Rande einer „town full of jerks“ gestrandet, sehnt sich nach seiner Liebsten, will nichts anderes als ihr nahe sein. Doch das stete Klingeln am anderen Ende der Leitung lässt nicht einmal ein paar tröstende Worte zu. Die sucht er folglich auf dem Boden der Teqilaflasche aus seinem speckigen Koffer, der wohl bereits mehr Meilen gesehen hat als die meisten seiner US-amerikanischen Landsleute. Das abschließende „Tomorrow Never Comes“ leidet am Folgetag noch unter einem leichten Kater, die unbarmherzigen Sonnenstrahlen tun ihr übriges. Und doch muss es, obwohl man „nowhere to call home“ hat, doch irgendwie weitergehen. Ranaldo verlässt das Motel, steigt in seinen Wagen, dreht den Zündschlüssel und begibt sich wieder auf die Reise. In den Städten sieht er Leute die staubigen Straßen ihrem Alltag hinterherlaufen. Und weiß, dass sie tief in ihrem Inneren ebenso Sinnsuchende sind wie er selbst.


Während sich Lee Ranaldo bei Sonic Youth mit seinem Saiteninstrument in den vergangenen 30 Jahren im Hintergrund aufhielt und dem Paar aus Thurston Moore und Kim Gordon die große Indie-Bühne überließ, tritt er nach deren Trennung um dem damit verbundenen Quasi-Split seiner bisherigen Hauptband auf seinem mittlerweile achten Soloalbum (Live-Alben und EPs nicht mitgerechnet) nun selbst ins Rampenlicht und beweist, dass er alles andere als ein austauschbarer Melodiengehilfe ist. Im Studio standen dem „George Harrison von Sonic Youth“ (Zitat von Plattentests.de) dabei, neben Produzent John Agnello, sein (Noch-)Bandkollge Steve Shelley sowie Ex-Bandkollege Bob Bert am Schlagzeug, Nels Cline von Wilco an der Leadgitarre, Ex-Bandkollege Jim O’Rourke und der Jazz-Musiker John Medeski zur Seite. „Between The Times And The Tides“ ist ein beinahe klassisches Songwriter-Album geworden, das den schwierigen Spagat meistert, gleichzeitig spontan und kunstvoll zu erscheinen, zu gleichen Teilen Mucker-Jam unter Freunden im Studio und unheilsschwangere gesellschaftliche Bestandsaufnahme. The Beatles, R.E.M., Rolling Stones, The Byrds, Neil Youngs Crazy Horse, Dinosaur Jr. und J. Mascis – ein wildes Potpourri an Rockmusik-, Country- und Folk-Assoziationen wird hier wach. „Between The Times And The Tides“ ist ein kurzweiliger Soundtrack für sommerliche Roadtrips, ohne jedoch den erforderlichen Tiefgang missen zu lassen. Chapeau, Mr. Ranaldo! Sollte sich Ihre Zeit bei und mit Sonic Youth tatsächlich dem Ende neigen, Ihnen muss nicht bange vor der Zukunft sein. Wo immer Sie die Straßen auch hinführen mögen…

Wer möchte, kann sich das komplette Album hier, über die US-amerikanische Online-Ausgabe des Rolling Stone, im Stream anhören.

Hier das Video zu „Off The Wall“:

 

Rock and Roll.

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