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Song des Tages: Two Door Cinema Club – „What You Know“


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Two Door Cinema ClubTwo Door Cinema Club… Two Door Cinema Club… Da war doch mal irgendwas…

Richtig. Um das Jahr 2010 herum wurden Alex Trimble (Gesang, Gitarre, Synthesizer und Beats), Sam Halliday (Gitarre) und Kevin Baird (Bass) mit so einigen artverwandten Bands wie The Maccabees, Bombay Bicycle Club, Klaxons, Phoenix, Hot Chip, The Bravery oder The Wombats an die Spitzen der musikalischen „Heißer Scheiß, Mann!“-Listen gesetzt, von der renommierten BBC etwa in ihre „Sound of 2010“-Prognose aufgenommen, während das kaum weniger namenträchtige Glastonbury-Festival das nordirische Trio in sein Line-Up aufnahm.

220px-WhatYouKnowTDCC.jpgDoch wie sollte es anders sein, erscheinen Two Door Cinema Club – ebenso wie nicht wenige weitere der oben erwähnten Bands – knapp eine Dekade später unter „Klar, gibt’s noch, aber eher unter ‚Ferner liefen’…“. Dafür konnte der meist geschickt zwischen juvenilen Indierock und durchaus tanzbarem Electropop changierende, ewiglich very british drein schauende Babyface-Dreier dem 2010er Debütalbum „Tourist History“ mit den 2012 beziehungsweise 2016 veröffentlichten Nachfolgewerken „Beacon“ und „Gameshow“ einfach zu wenig prägnante Indie-Hits (geschweige denn in Gänze überzeugende Alben) zur Seite stellen…

Das trifft jedoch keinesfalls auf „What You Know“ (von „Tourist History“) zu. Dieser Song geht auch heute, acht Jahre später, noch bestens verankert in die Gehörgänge, während für mindestens einen Fuß strengster Mitwippbefehl besteht…

 

 

Dass Trimble, Halliday und Baird nicht mehr ganz so krasse Babyfaces wie noch vor wenigen Jahren sind, zeigt etwa eine Live-Session-Version des Songs, welche das Indiepop-Trio 2016 bei KCRW zum Besten gab:

 

„In a few weeks I will get time
To realize it’s right before my eyes
And I can take it if it’s what I want to do

I am leaving This is starting to feel like
It’s right before my eyes
And I can taste it
It’s my sweet beginning

And I can tell just what you want
You don’t want to be alone
You don’t want to be alone
And I can’t say it’s what you know
But you’ve known it the whole time
Yeah, you’ve known it the whole time

Maybe next year I’ll have no time
To think about the questions to address
Am I the one to try to stop the fire?

I wouldn’t test you I’m not the best you could have attained
Why try anything?
I will get there
Just remember I know

And I can tell just what you want
You don’t want to be alone
You don’t want to be alone
And I can’t say it’s what you know
But you’ve known it the whole time
Yeah, you’ve known it the whole time

And I can tell just what you want
You don’t want to be alone
You don’t want to be alone
And I can’t say it’s what you know
But you’ve known it the whole time
Yeah, you’ve known it the whole time…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Snow Patrol – „What If This Is All The Love You Ever Get?“


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Ja, die letzten Jahre mögen keine einfachen gewesen sein für Gary Lightbody: ein Burn-out, gefolgt von einer Schreibblockade, Depressionen, einem Alkohol-Problem, schlußendlich ein Zusammenbruch (mehr dazu erfährt man etwa in diesem aktuellen Interview). Eventuell hatte der Frontmann des nordirisch-schottischen Indie-Poprock-Fünfers Snow Patrol in der Zeit davor mit immerhin fünf Alben in zehn Jahren mit seiner Stammband (welche freilich jeweils auch betourt werden wollen) sowie Songwriter-Credits für keine Geringeren als zum Beispiel Ed Sheeran und Taylor Swift einfach den sprichwörtlichen kreativen Bogen überspannt. Eventuell klingen daher auf dem neuen, heute erschienenen Snow-Patrol-Werk „Wildness„, dem ersten seit dem reichlich mediokren „Fallen Empires“ von 2011, trotzige Durchhalteparolen wie „Don’t give in – don’t you dare quit so easy“ an.

Sieben Jahre Wartezeit also. Und? Hat man Snow Patrol vermisst?

105608Nun… nicht wirklich. Und das neue Album bestätigt dies noch einmal. Wie schon auf den letzten Langspielern zirpen immer wieder Synthies, pluckern und wummern sich durch einen guten Teil der zehn neuen Stücke. Zwar sind diese nicht mehr ganz so aufdringlich wie noch auf dem 2011er Vorgänger ins Klangbild integriert, an herrlich rockige Album-Großtaten wie „Final Straw“ (2003) oder „Eyes Open“ (2005), auf denen das Quintett grandios-leichtfüßig einen Bogen von Herzhymnen im Indie-Club („Run„) zu Schmuse-Melodien für Stadionmillionen („Chasing Cars„) spannte, reichen Snow Patrol 2018 jedoch kaum heran. Und was an den neuen Stücken so „wild“ sein soll, weiß wohl nur die Band selbst…

Dass Gary Lightbody nichtsdestotrotz – schwere Zeiten hin, Schreibblockaden her – noch immer ein begnadeter Songwriter ist, der es vortrefflich versteht, mit einfachsten Mitteln direkt ins Herz zu reichen, beweist das Stück „What If This Is All The Love You Ever Get?“. (S)ein einsames Piano, seine mit dem gewohnten zarten (jedoch merklich in Mitleidenschaft gezogenen) Schmelz belegte Stimme, erstaunlich direkte Textzeilen über die Liebe – mehr braucht der 41-jährige gebürtig nordirische Musiker, der im Musikvideo zum Song mit seinem Klavier auf einem Floß mutterseelenallein auf offener See schippert, im Grunde nicht. Und hat damit – das durchschnittliche Album dazu sei ihm gestattet – bereits jetzt eines der tollsten Stücke des Musikjahres geliefert…

 

 

„Woah woah, what if this is all the love you ever get?
Woah woah, you’d do a couple things so differently, I bet
Woah woah, what if this is all the love I ever know
Woah woah, I’d say the words that were so hard to say: don’t go

So you’ve fallen in love
So you’ve fallen apart

What if it hurts like hell
Then it’ll hurt like hell
Come on over, come on over here
I’m in the ruins too
I know the wreckage so well
Come on over, come on over here

Woah woah, what if this is all the love you ever get?
Woah woah, you’d not worry so much about counting your regrets
Woah woah, what if this is all the love I’m ever shown
Woah woah, I’d not be so scared to run into the unknown

So you’ve fallen in love
So you’ve fallen apart

What if it hurts like hell
Then it’ll hurt like hell
Come on over, come on over here
I’m in the ruins too
I know the wreckage so well
Come on over, come on over here

What if this is all the love you ever get?
What if this is all the love you ever get?
What if this is all the love you ever get?“

 

Rock and Roll.

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So viel mehr als nur „Zombie“ – Dolores O’Riordan ist tot.


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Foto: Getty Images

Das neue Jahr ist erst gut zwei Wochen jung und hält bereits für all jene, die in den seligen Neunzigern mit Rockmusik aufgewachsen sind, die erste echte Scheißnachricht bereit: Dolores O’Riordan ist tot.

Dolores O’Riordan? Ja, die Frontdame von den Cranberries. Freilich denkt man nun zuerst an deren zwar guten, jedoch auch echt fiesen Ohrwurm „Zombie“. An das dazugehörige Musikvideo, welches innerhalb von fünf Minuten all die Schrecken des Nordirlandkonflikts auf den visuellen Punkt bringt. An die für nicht wenig Hummeltittchen sorgende Version des Songs bei MTV Unplugged, mitgeschnitten am Valentinstag 1995 in der Academy Of Music in Brooklyn, New York. Natürlich wurde die Band aus dem irischen Limerick vor allem mit und wegen diesem Stück berühmt und bekannt, eventuell noch wegen „Linger“ oder „Ode To My Family“ (letzteres ist ebenso wie „Zombie“ auf dem 1994 erschienenen zweiten Album „No Need To Argue“ zu finden, welches sich bis heute mehr als 16 Millionen Mal weltweit verkaufte). Aber speziell für mich  war O’Riordan, waren die Cranberries so viel mehr als diese zwei, drei einprägsamen Songs…

Klar, man konnte die Stimme der zierlichen Frontfrau anstrengend, nervtötend und – to put it simplescheiße finden (und wer in den kommenden Tagen Umschreibungen wie „Rockröhre“ oder „Powerfrau“ in irgendeinem Nachruf findet, darf gern ein paar Euronen fürs Phrasenschwein einfordern). Man konnte dem Anfang der Neunziger ins Leben gerufenen Rock-Quartett gut und gern ebenso deren nicht selten prätentiöse Herangehensweise ans Musikalische zur Last legen wie die Tatsache, spätestens nach dem 1999 erschienenen vierten Werk „Bury The Hatchet“ den eigenen kreativen Zenit merklich überreizt zu haben (der Titel des nächsten, zwei Jahre darauf in die Regale gestellte Albums „Wake Up And Smell The Coffee“ darf gern symptomatisch für dessen Null-und-nichtig-Aussagekraft stehen und heutzutage nur noch von Eingeschlafene-Füsse-Bands wie Coldplay getoppt werden). Dass Dolores O’Riordan es einige Jahre, nachdem sich die Cranberries zwischenzeitlich auflösten, mit einem ersten, halbwegs gelungenen Solo-Album namens „Are You Listening?(sic!) versuchte? Dass die Band 2012 mit dem sechsten Werk „Roses“ ein kaum bemerktes Comeback versuchte und erst im vergangenen Jahr auf „Something Else“ – nennt es mangelnde Kreativität, nennt es „die Nostalgiewelle reiten“, nennt es Geldschneiderei – einige ihrer *hust* „größten Hits“ als Akustikversionen neu interpretierte? Hat man am Rande registriert, und sich irgendwie auch gefreut, dass O’Riordan und ihre drei nicht mehr ganz jungen Jungs (Noel und Mike Hogan sowie Fergal Lawler) immer wieder einen Neuanlauf wagten.

Klar, irgendwie waren sowohl Dolores O’Riordan als auch die Cranberries standfeste Relikte der Neunzigerjahre-Rockszene. Wegen „Zombie“. Wegen Nordirland. Aber auch wegen so viel anderer tolle Stücke, von denen mir spontan „I Just Shot John Lennon„, „Animal Instinct„, „Salvation„, „Promises„, „Ridiculous Thoughts“ oder „Yeats‘ Grave“ in den Sinn kommen.

Als ich vor wenigen Minuten von Dolores O’Riordans überraschendem Tod im Alter von 46 Jahren las, musste ich an all jene Momente meiner Jugend denken, die ein alter Freund – zwei Dumme, eine Erinnerung – nur wenige Sekunden darauf via Facebook – und in Anspielung auf das ewig tolle Titelstück von „No Need To Argue “ – wie folgt auf den Punkt brachte:

„Jedes Treffen in deinem Elternhaus begann mit diesem Song auf der endgeilen Anlage deines Vaters (mit Kirchensound versteht sich). ‚Ich brauche meine Medizin‘ sagte ich immer. Kacke und nu isse nich mehr. Mir dreht sich der Quirl im Magen.“

Ganz klar: Wir alle werden älter, und – ähnlich wie ich mich bei der Nachricht vom Tod Chris Cornells gefühlt habe – sagen unserer Jugend mit jeder dieser Noten ein ums andere Mal Adieu. Eine Träne im Anschlag, die Faust bleibt erhoben. Danke für heilige juvenile Momente, Dolores. Du irische Sirene. Du Rockröhre. Du Powerfrau. Mach’s gut, verdammt.

 

 

Rock and Roll.

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