Schlagwort-Archive: Noise Rock

Song des Tages: Kapitan Korsakov – „In The Shade Of The Sun“


c639eed2ad006a87a76ca4f13a6a2422

Kapitan Korsakov mögen zweifellos nicht jedermanns Geschmack treffen, dennoch ist die Band, 2006 in Gent von Pieter-Paul Devos (der später auch mit seiner Band Raketkanon bekannt wurde) gegründet, eine der aufregendsten und wandelbarsten, die die belgische Musikszene in der letzten Dekade hervorgebracht hat (nebst den befreundeten BRUTUS, natürlich).

619zNMrnykL._SS500_Dabei ist das Interessante weniger das Was, sondern vielmehr das Wie: Auf ihren drei bisher seit 2009 veröffentlichten Alben spielen Pieter-Paul Devos (Gesang, Gitarre) und seine Bandkollegen Pieter Van Mullem (Bass) sowie Sigfried Burroughs (Schlagzeug) Noise Rock, der zwar mal hier, mal da ein feines Gefühl für Melodie und Songstruktur erahnen lässt, immer wieder jedoch den Punk-Freigeist mitten hinein in den chaotisch-derben Moshpit schubst. Man höre etwa das rumpelige Langspiel-Debüt „Well Hunger“ mit Singles wie „When We Were Hookers„, „Sylvie“ oder „Cozy Bleeders„. Oder das jüngste, 2016 erschienene Album „Physical Violence Is The Least Of My Priorities„, welches von Autotune über windschief eingespielte Flöten und verquere Indierock-Gitarrenmelodien („Caramelle„) bis hin zu einer Pianoballade mit minimalem Gitarrenflimmern im Hintergrund („Hearts Too Hard“) so einiges an musikalischer Kirmes-Bandbreite in petto hat(te) – kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass sich das Trio dafür in den Chicagoer Electrical Audio Studios in die Noise-Maestro-Produzenten-Hände eines gewissen Steve Albini begab.

Bei so waghalsigen musikalischen Spagaten irgendwo zwischen Sonic Youth, Elliott Smith, The Pixies, Butthole Surfers, The Beatles oder auch The Mars Volta scheint der zweite, 2012 erschienene Langspieler „Stuff & Such“ da – besonders für Band-Neulinge – den besten Mittelweg zu bieten. Darauf wagen Kaptain Korsakov zwar noch immer Sprünge von schroffem Indie Rock oder abgespacetem Stoner Rock bis hin zu Industrial, Electronica und reduzierten Semi-Akustik-Balladen (“Smile And Stay Friends”), andererseits bietet ebenjenes Album gen Ende aber auch das große „In The Shade Of The Sun“, eine elegische Post-Rock-Nummer, bei der man – bei aller Emphase – fast meint, das Herz von Pieter-Paul Devos brechen zu hören…

 

 

„I dream I can’t sleep
Think I should leave
You can keep the fillings
In my teeth
There’s no one to blame
Cause this ain’t a game
The disease and the cure
Are one and the same
If I’m alive or I’m bored
If I’m dead or ignored
You’ll be on my mind

I hope you’ll agree
We didn’t get wasted
For free
Cause if you believe
It’s harder to see
The whole’s the best part
Of siamese hearts
Forever in debt
Forever disarmed
In the shade of the sun
We’ll bloom ‚till we’re young
Till T’m on you mind
Cause…

You look like summer
Wouldn’t dare to survive you
And I can’t stand any colour
I can black out
That’s what we’re used to

Since I’m nowhere
I’ve never felt more
Out of place
I’ll burn my tongue
Till I forget your taste
In the future you’ll be
The most beautiful past
When tomorrow’s sunk into
My world of glass

Nearly hoped
Nearly home“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: mastersystem – „Notes On A Life Not Quite Lived“


mastersystem-3-920x584

Fast, aber nur fast, hätte ich glatt die Veröffentlichung dieser Platte vor einer Woche verpennt! Was eigentlich gar nicht passieren könnte, handelt es sich bei „Dance Music“ – nomen ist in diesem Fall einmal nicht omen und wohl vielmehr mit einem schottischen Augenzwinkern zu sehen – um das Debütalbum der neusten schottischen Supergroup, welcher darüber hinaus noch zur Hälfte aus Mitgliedern der seit eh und je auf diesem bescheidnen Blog verehrten Frightened Rabbit sowie zu je einem Viertel aus einem Mitglied der Editors und Minor Victories besteht. Holla, die Vorschusslorbeeren!

Diesen werden mastersystem für all jene gerecht, die musikalisch in den seligen Neunzigern sozialisiert wurden, denn die gerade einmal neun Songs des Debüts geben dem geneigten Hörer nichts weniger als den Glauben an den crunchy, direkt und ohne große Schnörkel auf Tape gebannten Indierock dieses Jahrzehnts zurück. Und wer die alte Schrammelschrabnelle – mit viel auf Radau gebürsteter Liebe und Herzblut fürs Detail im Gepäck – derart wieder zum Glühen bringt, kann wahrlich kein Schlechter sein…

51guWedpEXLSchon unglaublich gut, wie die mit den Geschwistern Scott Hutchison und Grant Hutchison (Frightened Rabbit), Justin Lockey (Editors) und James Lockey (Minor Victories) dezent prominent besetzte Band, deren Grundstein der Legende nach an einem übelwettrigen Tag in Berlin anno 2016 gelegt wurde, die alte Indie-Flamme wieder zum Lodern bringt und auch das Spiel mit dem langsamen Distortion-Schrammelaufbau zu gesanglichem Lament ebenso beherrscht wie eindrucksvolles Laut-Leise-Stop’n’Go mit Bratzgitarren im Wechselspiel mit Scott Hutchisons zuweilen einsam Raum stehendem Gesang. Die Gitarren haben oft den unwiderstehliche wogenden Klangwucht-Punch der frühen Smashing Pumpkins, gepaart mit Wall-of-Sound-Shoegazer-Anleihen á la Slowdive oder My Bloody Valentine, und einem allzeit wummernden Bass im Stile von Nirvanas „In Utero“. In nicht wenigen der Songs ergeben sich dank der Kombination mit Hutchisons prägnanter Stimmfarbe Momente, in denen einem Sebadoh in den Sinn kommen könnten, in anderen Momenten denkt man wohl an atonale Noise-Indierocker der Sonic Youth’schen Duftmarke, wobei einmal mehr die Gesangsmelodien hängen bleiben und die Scheibe eindrucksvoll über die leider lediglich 35 Minuten tragen. Erstklassige Wiederbelebung der Neunziger gefällig? So und nicht anders, bitte!

 

Hier gibt es das Musikvideo zur ersten – und dezent großartigen – Single „Notes On A Life Not Quite Lived“:

(oder via YouTube…)

 

Mehr Infos aus den Mündern der Band zu den einzelnen Songs von „Dance Music“ gefällig? Auf GoldFlakePaint findet man ein Track-by-Track-Interview mit mastersystem…

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: