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Song des Tages: Portugal. The Man – „Don’t Look Back In Anger“


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Wer sein neustes Werk „Woodstock“ nennt, der sollte damit rechnen, dass dem Gegenüber dabei auch so einige Assoziationen durch die Hirnrinde schießen – welche im Fall von Portugal. The Man durchaus enttäuscht werden.

Denn so richtig politisch ist das achte Album der US-Indierock-Band nicht. Eher: Hipper Hipster-Electro-Soul-Rockpop, der die Blumen nicht (mehr) im Haar trägt, sondern die bunt beschienene Tanzfläche damit ausschmückt, und die Faust nicht wutentbrannt gen Firmament, sondern freudig tanzend gen Diskokugel reckt. Vielmehr entstammt der Titel des neusten Studiowerkes (dem ersten seit „Evil Friends“ von vor vier Jahren) einer Konversation von Heliumstimmen-Frontmann John Gourley mit dessen Vater, der damals, 1969, beim legendären Musikfestival mit dabei gewesen sein soll.

Und diejenigen, die die Karriere von Alaskas Finest seit den Anfängen vor über zehn Jahren (das Debüt „Waiter: ‚You Vultures!‘“ erschien 2006) stetig mitverfolgen, dürften wissen, dass gerade Portugal. The Man eine Band sind, die sich stetigem Wandel unterwirft. Da werden sowohl munter Bandmitglieder getauscht wie die musikalische Ausrichtung – vom zackigen, Pirouetten schlagenden Frickelrock á la The Mars Volta über verqueren Lagerfeuer-Folk bis hin zu von Danger Mouse produziertem psychedelischem Soul-Pop war bereits alles drin in der tönenden Wundertüte aus Wasilla, Alaska.

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Und nun eben: Psych-Electro-Soul (die Eröffnungsnummer „Number One„, welche wiederum mit einem beim „Woodstock“-Festival aufgenommen Sample von Richie Havens beginnt), Autotune und Rapeinlagen („Mr. Lonely“ mit LA-Hip Hopper Fat Lip), Neo-Glam („Live In The Moment“), satte Radio- („Feel It Still„) und Modern-Rock-Hits („Easy Tiger“). Mit der teilweise so schön dreckigen Gitarrenmusik der Anfangstage hat all das nur noch wenig zu tun. Pop-Act (im Kleinen) statt Rock-Combo (mit Indie-Cred). Sonnenbeschienene Nachmittags-Festivalbühne statt miefiger Indie-Club. Das darf man schade oder gar scheiße finden, man kann es aber auch begrüßen. Entscheiden Sie selbst…

 

Um ihr neustes Studioalbum „Woodstock“ ausreichend zu promoten, haben Portugal. The Man kürzlich auch Halt in der niederländischen Radioshow „Ekdom in de Ochtend“ (also: „Ekdom am Morgen“ – mit Moderator Gerard Ekdom, welche auf NPO Radio 2 läuft) gemacht. Dort präsentierte die fünfköpfige Band ihre Covervariante des Oasis-Gassenhauers „Don’t Look Back In Anger“ (welcher durch die Ereignisse in Manchester vor wenigen Wochen wieder aus der Versenkung geholt wurde)…

 

…und eine Akustik-Version den neuen Songs „Feel It Still“:

 

Rock and Roll.

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Wir kiffen!


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Nicht erst seit Stefan Raabs infantilem Grasraucher-Song weiß man ja: Es ist nie zu spät fürs erste Tütchen.

Das dachten sich wohl auch drei rüstige britische Rentnerinnen namens Trish, Margot, und Daphne, als sie – von Kameras des Senders „Channel 4 U.K.“ begleitet – zum ersten Mal einen der vielen Coffeeshops in Amsterdam betraten, um eben mal der Wirkung dieses „heißen Scheiß“, von dem sich die jüngeren Semester ihre Hirne benebeln lassen, nachzuspüren. Also wird interessiert beäugt und gleich ordentlich inhaliert, was das Zeug hält. Und glaubt man dem leider nur eineinhalb Minuten kurzen Beitrag, so zeigt das Cannabis bei den drei Damen auch ordentlich Wirkung. Zu gern hätte man aber wohl noch gesehen, ob nach dem Konsum auch der berüchtigte Heißhunger eingesetzt hat und Trish, Margot und Daphne gleich weiter zur nächsten fettigen Friture gezogen sind, um sich – halb Herr ihrer Sinne – große Portionen an Fritten und Bitterballen zu gönnen…

Obwohl mir hier freilich nichts ferner läge als zum Drogenkonsum zu animieren (und ich, seit ich in den Niederlanden lebe, dem Kiffen abgeschworen habe – ehrlich!), so bleibt doch festzustellen, dass es – zumindest heute – kaum ein angenehmeres Video in meine Klickliste geschafft hat. Kurzweilig, schön und sehenswert.

 

(via dailydot.com)

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: 257ers – „Holland“


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Komische Zeiten gerade. Eine Fussball-Europermeisterschaft zum Vergessen, bei der das wohl am unschönsten gegen den Ball tretende Team gewinnt (fair enough, das wäre im Grunde Nordirland gewesen, aber die hatten zumindest Will Griggs auf der Bank) und auch sonst nur das Island-„Huh!“ hängen bleiben wird. Großbritannien sagt zum high tea knapp „Goodbye“ zur EU und zeigt mit der Ernennung des wohl größten Volltrottels der Insel zum Außenminister, wieviel es von der Welt jenseits des Ärmelkanals hält. Flüchtlinge ertrinken Tag für Tag im Mittelmeer, irgendwo herrscht seit Menschengedenken immer Krieg, Mord, Putsch und Totschlag, und auch die sinnlosen Anschläge mitten hinein in den luxuriösen Trott der sich zu unrecht in Sicherheit wähnenden Industrienationen (ja, das sind wir) kommen Tag für Tag näher. Mick Jagger wird mit stolzen 72 Lenzen zum achten Mal Vater – die werdende Mutter ist süße 29 Jahre jung. Dass Rock’n’Roll nicht ewig leben lässt, bewiesen ja leider unlängst David Bowie, Lemmy oder Prince – sie werden noch lange, lange schmerzlich vermisst werden auf der anderen, der unseren Seite. Und die Rolling Stones wohl die last men standing bleiben (wenn Keith Richards das Palmenklettern den lässt). Komische Zeiten? Eben. Karma ist eine kleine, lässig dreinblickende Schlampe, und erhält am Ende immer das letzte Wörtchen…

Gut, dass manchmal Songs unsere Facebook-Timelines kreuzen, die wenigstens ein bisschen für Zerstreuung sorgen. Wie etwa „Holland“ vom Essener Hip-Hop-Duo 257ers. Klar besteht das Stück, welches vom aktuellen, Anfang diesen Monats erschienenen Album „Mikrokosmos“ stammt, aus auf drei Minuten ausgedehnten Klischees, welche wohl uns allen beim Gedanken an unsere Oranje-Nachbarn in den Sinn kommen (einen Großteil kann ich als Wahl-Limburger übrigens bestätigen). Klar steht der Song eher in der Tradition eines – sagen wir – Mario Barth als etwa eines Dichters und Denkers wie Goethe. Und eigentlich ist das auch „nicht meine Musik“. Andererseits könnte wohl kaum ein anderes Stück mehr wohltuende Zerstreuung bieten als „Holland“, denn schließlich  musste die Elftal – verdient – auf die Teilnahme an der Europameisterschaft in Frankreich verzichten (ich erwähnte es ja). Und kaum ein Land könnte – gefühlt – in der Europäischen Union eine geringere Rolle spielen als die Niederlande, in denen alles – zum Glück – noch recht ruhig und beschaulich seinen gewohnten Gang geht. Ja, Sinnfreiheit sei manchmal erlaubt. Der Rest da draußen ist verrückt genug…

 

 

„‚Holland!‘

 

In der City, wo man mich mittlerweile kennt
Lekker Bitterballen mit Senf, dazu ’ne Fritte mit Getränk
‚N bisschen kiffen – selbstverständlich, alle schieben Optik
Keiner ist auf Aggro, alle schieben Optik
Holland ist der Boss, ich finde Windmühlen cool
Jedes Mal am Strand muss ich erst Schwimmflügel suchen
Auf’m Zeltplatz später für ’nen Fünfer geduscht
Zwei bis drei Stündchen sind gründlich genug
Keine Düne, ein Problem mit vernünftigen Schuhen
Alles klingt hier lustig – Schlümpfe sind ‚Smurfs‘
Fahrräder ‚Fietsen‘, Bier nennt man ‚Bier‘
Jeden Sommer am Strand, Holland-Vakantie
Grillen und Angeln, die Frikandel
Im Supermarkt danach dann Pilze sammeln
Im Fachhandel nebenan, denn
Die haben die beste Auswahl des Landes

 

Lekker Strand und lekker Meisje, lekker Vaka-antie
Lekker Chocomel und Vla, denn wir sind hi-i-igh
Lekker neuken op de Wallen zonder te betalen
Holland ist die geilste Stadt der Welt

 

Ey, als wir im Sommer in Holland mal mit ’nem Roller auffe Bahn
Voll auf Knolle mit paar Dollars und ’nem Bollerwagen waren
War dat voller da als sonst, weil ich schon ma‘ Holland fahr‘
Sonntags, wenn ich frag‘ mit meiner Omma unterm Arm
Ich muss aber ma‘ was sagen für ’n Königreich ist Holland wirklich keine große Stadt
So nah am Wasser, kommt ’ne Welle, sind die meisten erstmal nass
Solange H zu dem Land
Ich kauf‘ mir eine Dose und bezahl‘ kein‘ Pfand
Holland ist voll geil, hier gibt es Fleischkroketten
Die von innen so aussehen wie bereits gegessen
Lecker! Du hast dir ’ne Cola von Mecces auf deine Hose gekleckert
Trink lieber Chocomel, scheppert auch zu dem Dope einfach besser
Joppiesauce find‘ ich lecker
Allgemein was hier geht, jeder smilt und ist breit auf’m Bike unterwegs, hier ist einiges okay
Holland – meine Stadt, hier will ich eigentlich mal leben!

 

Lekker Strand und lekker Meisje, lekker Vaka-antie
Lekker Chocomel und Vla, denn wir sind hi-i-igh
Lekker neuken op de Wallen zonder te betalen
Holland ist die geilste Stadt der Welt

 

Joa, wieder mal mit der Crew durch die Niederlande gecruist
Und dass die Niederlande hier sagen hat nix mit Niederlage zu tun
Außer die spielen Ball mit dem Fuß, aber die sind schon in der Kabine high
Also verlieren können die gut – jo! Holland ist die geilste Stadt der Welt

 

Lekker Strand und lekker Meisje, lekker Vaka-antie
Lekker Chocomel und Vla, denn wir sind hi-i-igh
Lekker neuken op de Wallen zonder te betalen
Holland ist die geilste Stadt der Welt“

 

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Rock and Roll.

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Eine EM ohne Holland – der Kurzfilm „El Salvador – The incredible salvation of the Dutch“


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Zugegeben: Mit Hollands verpasster EM-Teilnahme stecke ich als Deutscher und Wahl-Holländer (eigenartige Kombination, ich weiß) quasi in der Zwickmühle. Einerseits habe ich, seit die Bälle bei der Europameisterschaft in Frankreich ins Rollen gekommen sind und die Spieler der Elftal diese – übrigens völlig zu recht – daheim oder im Erholungsurlaub vorm Fernsehen mitverfolgen müssen (so sie dies denn überhaupt tun), immer mal wieder schadenfroh das schmissige „Ohne Holland fahr’n wir zur EM“ auf den Lippen. Andererseits ist’s schon schade, dass hier im Süden der Niederlande so gar keine Fussball-Begeisterung aufkommen mag (wieso auch) und dass das Neunzig-Minuten-Gezanke ums runde Leder bei den Boys’n’Girls in not Oranje anno 2016 am Allerwertesten vorbeizugehen scheint (verständlicherweise)… Eine Zwickmühle, wie geschrieben.

Umso besser, dass manch ein Holländer die Schmach wohl bereits ansatzweise verdaut haben mag und auch ein wenig drüber lachen kann (was durch den Tod von Fussballidol Johan Cruyff – für Unkundige: so in etwa der holländische Beckenbauer – im März diesen Jahres kaum leichter fallen mag). Das lässt sich zumindest vermuten, wenn man den gut fünfminütigen Kurzfilm „El Salvador – The incredible salvation of the Dutch“, für welches sich das Indie-Filmstudio „BLIK Film“ aus dem niederländischen Utrecht verantwortlich zeichnet, sieht. In der Hauptrolle: Ein holländischer Barmann, der einfach nicht einsehen mag, dass gerade Fussball-EM sein soll und seine Elftal 2016 eben nicht teilnimmt. Also fasst er sich ein Herz und sorgt mit einer höchst abwegigen Idee selbst für Fussballbegeisterung unter seinen Landsleuten…

In diesem Jahr mögen 24 Mannschaften ohne Holland zur EM gefahren sein – trotzdem ist dieser Kurzfilm wohl mit das Beste, was es abseits des Platzes zu sehen geben wird (und solange sich gewaltbereite Idioten gegenseitig vermöbeln müssen, gilt dies nur umso mehr). Hup Holland Hup!

 

„The big European Championship is about to start. But not for the Dutch… How bad would they feel this week?
This is the incredible story of a die hard fan of the Dutch National team that just cannot accept that the Dutch won’t go to Euro 2016. His only salvation is to create an illusion. But not just any illusion. One of the best illusions! We are going to the Euro 2016! 
This film is about hope and belief, about friendship and about brainpower.“

 

Rock and Roll.

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