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Klassiker des Tages: Ben Folds – „Smoke“


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Da Ben Folds seit einigen Jahren etwas außerhalb des popkulturellen Massengeschmacks agiert (wobei man schon wieder genüsslich darüber debattieren könnte, ob er je „drin“ war), gerät schnell in Vergessenheit, was für ein toller Songschreiber und Geschichtenerzähler der 52-jährige „Piano Man“ doch ist…

600x600bfMan nehme etwa „Smoke„, seines Zeichens anno 1997 auf „Whatever and Ever Amen„, dem zweiten Album seiner On/Off-Band Ben Folds Five, zu der neben Folds noch Bassist Robert Sledge und Schlagzeuger Darren Jessee gehören, veröffentlicht und – nebst dem (für mich auch aus ganz persönlichen Gründen) bewegenden „Brick“ – bis heute eines der tollsten Gänsehaut-Stücke aus Folds‘ (vermeintlicher) Feder – guter Konkurrenz noch und nöcher zum Trotz.

Und: Wenn ich mich recht entsinne, war dieser Song vor vielen Jahren mein Erstkontakt mit Ben Folds‘ mittlerweile nicht eben kleiner Diskografie, als der von mir seit jeher geschätzte Nick Hornby in seinem 2003 erschienenen Buch „31 Songs“ das Lied von Ben Folds Five als einen der „schlauesten, weisesten Songs über den schleichenden Tod einer Beziehung“ über den literarischen grünen Klee lobte und Folds zu den perfekten und cleveren Lyrics gratulierte. Dieser wiederum bedankte sich zwar artig bei Hornby, wies jedoch darauf hin, dass der Text gar nicht von ihm stamme (sondern – ausgerechnet und interessanterweise – von seiner Ex-Frau Anna Goodman, mit der er bis 1992 verheiratet war). Der US-amerikanische Piano-Singer/Songwriter und der britische Autor (u.a. „About A Boy“, „High Fidelity“) wurden übrigens recht schnell Buddies und brachten einige Jahre später, 2010, mit „Lonely Avenue“ sogar ein gemeinsames Album heraus, auf welchem Folds Texte von Nick Hornby in Songs verwandelte…

Nevermind – absoluter Gänsehaut-Song, bis heute und auf ewig, der in den brillanten Zeilen „Those who say the past is not dead / Stop and smell the smoke / You keep on saying the past is not dead / Come on and smell the smoke“ kulminiert. Wahre Worte. Hummeltitten überall. 💔

 

Eine der tollsten Versionen von „Smoke“ gab Ben Folds vor einigen Jahren unterstützt vom West Australian Symphony Orchestra zum Besten:

 

„Leaf by Leaf, page by page
Throw this book away
All the sadness all the rage
Throw this book away
Rip out the binding, tear the glue
All of the grief we never ever knew
We had it all along
Now it’s smoke

The things we’ve written in it
Never really happened
All of the people come and gone
Never really lived
All of the people have come have gone
No one to forgive smoke
We will never write a new one
There will not be a new one
Another one, another one…

Here’s an evening dark with shame
Throw it on the fire
Here’s the time I took the blame
Throw it on the fire
Here’s the time we didn’t speak
It seemed for years and years
Here’s a secret
No one will ever know the
Reasons for the tears
They are smoke

Where do all the secrets live?
They travel in the air
You can smell them when they burn
They travel…

Those who say the past is not dead
Stop and smell the smoke
You keep on saying the past is not dead
Come on and smell the smoke
You keep saying the past is not even past
You keep saying
We are… smoke“

 

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


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…und wenn es einer wissen muss, dann Nicholas Peter John „Nick“ Hornby, dieser lebenslange Nostalgiker (insbesondere, was Fussball und Musik betrifft) und Autor von „High Fidelity„. Krass übrigens, dass der olle Hornby im kommenden April auch schon die sechs Lebensdekaden voll machen wird.

Deshalb sollte sich jeder von euch einmal folgende Frage stellen: Wann wart ihr denn zuletzt in einem Plattenladen? Also: so richtig und physisch und zwischen all den mit verheißungsvoller Musik gefüllten Regalen? Die jüngeren Semester dürfen sich auch gern die Fragestellung gefallen lassen, ob sie überhaupt schon jemals in einer dieser ominösen Ladengeschäften waren, in denen man vor Spotify, iTunes und Co. sich Musik noch selbst – und meist nicht häppchenweise im Direkt-Stream, sondern in Albenform – besorgen musste…

 
Rock and Roll.

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Mein Senf: „Musik sollte immer ein schönes Hobby bleiben“ – oder man ist Coldplay


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Im Grunde sind das ja alles altbekannte Hüte. Als mehr oder minder professioneller Musiker hat man es heutzutage immer schwerer, auch „von der Musik leben zu können“. Heißt im Klartext: Bezahlt einem das „schöne Hobby“ (Zitat Kettcar, deren Frontmann Marcus Wiebusch im Jahr 2005 eine B-Seite zum Album „Von Spatzen und Tauben…“ nur halb im Spaß mit „Musik sollte immer ein schönes Hobby bleiben“ betitelte) am Monatsende (zumindest) auch Miete, Nebenkosten und das täglich‘ Brot? Insofern man nicht Madonna, Justin Timberlake, Taylor Swift, U2 oder Coldplay ist und im Nu ganze Stadien ausverkaufen kann, ist diese Rechnung noch längst nicht gesichert. Und auch ein guter Ruf innerhalb der Landesgrenzen oder darüber hinaus macht das nicht besser. Vor und nach Konzerten hatte ich selbst über die Jahre so einige Gelegenheiten, mit Musikern über deren Leben dies- wie jenseits der Bühnenbretter zu sprechen. Tenor, sehr oft: Die Musik als solche – sprich: der „reine Tonträger“ als CD, LP oder bezahlter Download – deckt meist (bestenfalls) die Kosten für Aufnahme, Herstellung und Vertrieb ab (siehe auch die Grafiken weiter unten), während der Künstler/die Band touren muss (unabhängig davon, dass sie im Grunde ja auch „Bock“ auf die Livepräsentation haben), um „das Ding“ zu promoten und sich bei der Hörerschaft wieder ins Gedächtnis zu rufen. Des weiteren sind alle „kleineren Namen“, die eben kein zahlungskräftiges (Major)Label im Rücken haben, gezwungen, die Kosten zur Aufnahme, Herstellung etc. fürs nächste Album selbst vorzustrecken, bevor die gleiche Ochstentour aufs Neue beginnen kann. Ein Teufelskreis par excellence? Aber holla! Und auch wenn ihnen auf Tour allabendlich (bestenfalls) einige hundert bis tausend Besucher zujubeln und lautstark nach Zugaben rufen, haben diese Musiker „im wahren Leben“ nicht selten stinknormale Broterwerbsjobs, hinter denen sich nur mit massig Fantasie ein derart kreatives Leben „on the road“ beziehungsweise auf Bühnenbrettern und im Glanze von Scheinwerferspotlights vermuten lässt. Freilich ließe sich nun wieder die altbekannte und oft angeführte Debatte über die „schöne neue digitale Welt“, über das Internet mit all seinen Vor- und Nachteilen ins Feld treten. Fakt ist, dass die „fetten Jahre“, in denen große Labels mit sinnbildlichen Dollarscheinen und finanziellen Vorschüssen nur um sich schmissen, den Künstler namenhafte Produzenten, teure Studios und noch teurere Hotelsuiten im Voraus und in der guten Hoffnung auf den nächsten Superhit finanzierten, dank des moralisch verwerflichen Denkfehlers, dass Musik im „digitalen Zeitalter“ immer und überall verfügbar sein sollte (tatsächlich oft auch: ist) und daher auch nichts kosten muss, längst vorbei sind (Namen wie die weiter oben genannten mal außen vor). Sobald man als Künstler oder Band unter dem – natürlich ebenso weit gefassten wie nichts sagenden – Label „Indie“ läuft, gehört schon eine große Schippe Enthusiasmus, Idealismus und Erfindungsreichtum dazu, um im Jahr 2014 noch das große „Hamsterrad Musikbusiness“ zu betreten. Wohl dem, der all dies aufbringen kann…

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(beide grafischen Statistiken stammen von 2008 und sind diesem Artikel entnommen…)

 

Diese „Rechnung“ – im wahrsten Wortsinne – machen nun auch Pomplamoose auf. Den Ausschlag hierfür hat wohl gegeben, dass dem aus dem Pärchen Jack Conte und Nataly Dawn bestehenden kalifornischen Indiepopduo, welches seit 2008 – vornehmlich über den eigenen YouTube-Kanal – gemeinsam musiziert und es so zu ansehnlicher (Internet-)Bekanntheit gebracht hat, auf deren Tour immer wieder in den Mund gelegt wurde, dass „man es nun geschafft“ habe. „Nichts da!“ entgegnen Pomplamoose. Und stellen nun selbst eine detaillierte Rechnung ihrer kürzlich absolvierten 2014er Tournee online, die belegt, dass auch ein Name allein noch längst keine Tour zur gewinnbringenden – oder schwarze Zahlen schreibenden – Sache macht.

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Freilich hagelt es da auch (nicht ganz unberechtigte) Kritik aus dem eigenen „Indie-Lager“. So habe das Duo und deren Crew (Mitmusiker, Techniker, Tourmanager) die Preisgrenze für Equipment, Unterkunft, Verpflegung etc. deutlich zu hoch angesetzt, um am Ende der Tournee mit einem schwarzen Plus dastehen zu können und den – gerade in „Indie-Kreisen“ – hoch gepriesenen und immens wichtigen Erfindungsreichtum vermissen lassen. Oder sind die beiden am Ende gar nur weinerliche, wenig realistische „Indie-Weicheier“? Sei’s drum! Ganz unabhängig vom Gefallen oder Nicht-Gefallen der Musik von Pomplamoose sowie der Nachvollziehbarkeit der bitteren Schlussbilanz ihrer Tourneeabrechnung bleibt unterm Strich jedoch der Anstoss des Duos zur erneuten Debatte um den Broterwerb vom „schönen Hobby“ und den tagtäglichen, enthusiastisch geführten Kampf ums das „Leben mit und von der eigenen Musik“. Glaubt mir: Heutzutage ist für die Musiker selbst, denen man bei Konzerten vor wenigen Augenblicken noch frenetischen Applaus gezollt hat, kaum etwas wichtiger, als dass man sich als zufriedener Besucher – insofern nicht gerade selbst klamm bei Kasse – mit einem kleinen „Souvenir“ vom Merchandise-Stand – sei es nun ein T-Shirt, eine CD, LP oder ein Poster – bei ihnen bedankt und revanchiert. „Musik sollte immer ein schönes Hobby bleiben.“ Die Frage ist: Muss es das?

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Irrepressibles – „In This Shirt“


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Manchmal lässt einem ein Lied keine Wahl. Man ist gezwungen, innezuhalten. Warum, das weiß man in diesem Moment wohl selbst nicht so genau…

So ging es zumindest mir kürzlich, als ich mir die Verfilmung von Nick Hornbys Roman „A Long Way Down“ anschaute. Wo der Film trotz namenhafter Besetzung (unter anderem mit Pierce „James Bond“ Brosnan, Aaron „Breaking Bad“ Paul und Toni Collette in den Hauptrollen) freilich – mal wieder, „High Fidelity“ ausgenommen – gegen die Hornby’sche Buchvorlage abzustinken wusste und sich in familienunterhaltsamer Larifarihaftigkeit präsentierte, musste ich an einer Filmstelle genau das: innehalten und aufhorchen. Dieses Lied… Schwere, bedächtige Orgelnoten, mal melancholisch gezogene, mal jubilierende Streicherfanfaren. Dazu eine Stimme, die einerseits an das Gesangsorgan von Foals-Fronter Yannis Philippakis, viel mehr jedoch an den großen Antony Hegarty (Antony and the Johnsons) erinnert – und trotzdem mehr jen- denn diesseitig erklingt. Und wäre das nicht bereits Fesslung genug, gibt einem der Text den Rest, so viel aber nie genug…

„I am lost
In our rainbow
Now our rainbow
Has gone…

Overcast
By your shadow
As our worlds move on…

In this shirt
I can be you
To be near you
For a while…

There’s a crane
Knocking down
All those things
That we were…

I awake
In the night
To hear the engines purr…

There’s a pain
It does ripple
Through my frame
Makes me lame…

There’s a thorn
In my side
It’s the shame
It’s the pride…

Of you and me
Ever changing
Moving on now
Moving fast…

And his touch
Must be wanted
Must become
Through your ask…

But I need
Jake to tell you
That I love you
It never rests…

And I’ve bled
Every day now
For a year
For a year…

I did send
You a note
On the wind
For to read…

Our names
There together
Must have fallen
Like a seed…

To the depths
Of the soil
Buried deep
In the ground…

On the wind
I could hear you
Call my name
Held the sounds…

I am lost
I am lost
In our rainbow
Now our rainbow
Has gone…

I am lost“

 

Der Song, „In This Shirt“, stammt Londoner Artpop-Kollektiv The Irrepressibles, das – angeführt vom queer-androgynen Frontmann Jamie McDermott – orchestrale Kammermusik im Stile der bereits erwähnten Antony and the Johnsons mit Ambient, Electronica, barocker Theaterdramatik und einer gefühlten Prise vergangener Zeiten á la Weimarer Republik vermengt. Und, ganz ähnlich wie bei Antony Hegarty & Co. oder den befreundeten Elektronikern von Hercules and the Love Affair, verschwimmen auch beim Musik gewordenen Theaterspiel von The Irrepressibles Gendergrenzen zu einer einzigen melancholisch-sinnlichen Melange.

Das Stück selbst stammt vom 2010 erschienenen Debütalbum des Kollektivs, „Mirror Mirror„, fand jedoch auch – neben dem Einsatz in „A Long Way Down“ – auf dem Soundtrack des spanischen Dramas „Tengo ganas de ti“ sowie in diversen Kurz- und Werbefilmen Einsatz, etwa im faszinierend arrangierten Kurzfilm „The Forgotten Circus“ von Regisseurin Shelly Love

…oder dem zwar leicht verstörend wirkenden, jedoch – aufgrund seiner queren Gender-Ästhetik – perfekt zum Song passenden Kurzfilm „The Lady Is Dead“, welcher ausgerechnet von der israelischen (!) Filmproduktionsfirma „PAG Films“ stammt und so Einiges an NSFW (Not Safe For Work)-Bildmaterial enthält:

 

Und während die seichte Selbstmordthematikunterhaltung von „A Long Way Down“ bereits längst in Vergessenheit geraten ist, hallen die Noten von „In This Shirt“ noch immer nach. Und nehmen den Hörer unweigerlich gefangen, halten ihn fest in ihrer Umarmung. Man will sich gar nicht wehren, zu schön ist all das, was The Irrepressibles innerhalb weniger Takte erschaffen…

 

Rock and Roll.

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Der Musiknerd, vom Aussterben bedroht? – „35 Music Experiences You’ll Never Have Again“


High Fidelity

Kids these days…

Mal ehrlich: Wer von euch Anfangszwanzigern hat je ein Mixtape – also auf eine Musikkassette, diesem eigenartigen Ding mit Magnetbändern und den zwei Löchern drin – aufgenommen und kennt die Schwierigkeit, die Zeit bis zum endgültigen Klicken einer Seite genau abzupassen? Das Gefühl, dem Empfänger mithilfe von Musik etwas sagen zu wollen und im Vorfeld endlose Stunden über der nahezu perfekten Songauswahl und -reihenfolge zu grübeln? Darüber wurden noch vor ein paar Jahren Bücher, Referate und Aufsätze verfasst…

Kennt ihr noch das Erlebnis, einen Plattenladen zu betreten und ein Album, auf welches man sich Monate lang gefreut hat, am Veröffentlichungstag in den Händen zu halten? Folie entfernen, Album in den Player, die ersten Töne, dazu im Booklet stöbern… – Das alles werden wohl Generationen über Generationen kaum noch kennen lernen, in einer Zeit, in der alles digital und komplett und überall und sofort verfügbar ist. Die iTunes Playlist hat längst die Ordnung der eigenen Musiksammlung übernommen, die Frage nach alphabetischer oder biografischer Ordnung stellt sich da gar nicht mehr. The times they are a-changin’…

Für alle Traditionalisten, alten Säcke, Musiknerds und Nostalgiker hat Buzzfeed.com nun eine Liste von „35 Music Experiences You’ll Never Have Again“ zusammengestellt – immer mit einem kleinen Augenzwinkern, immer mit ein wenig Charme á la „High Fidelity“ und einer kleinen Puristenträne im Knopfloch. Rob, Dick und Barry wären begeistert…

 

Und all jenen, den diese Namen gerade gar nichts sagen, sei wärmstens empfohlen, sich diesen herzzerreißend nostalgischen Musiknerd-Film, nebst der Romanvorlage von Nick Hornby, zu Gemüte zu führen…

 

Warum? Eben wegen Szenen wie dieser:

 

Rock and Roll.

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