Schlagwort-Archive: Neuseeland

Song des Tages: Finn Andrews – „One By The Venom“


finn-andrews-e1547549162401

Entdecke die Möglichkeiten: Das brillante Musikvideo zu Finn Andrews‘ Song „One By The Venom“ aus dem Album „One Piece At A Time“ zeigt gefühlt unendliche Arten und Weisen, zu Tode zu kommen. Das Stück selbst gehört dabei zu einem Songwriting-Subgenre, das Finn Andrews, ansonsten – und das bereits seit 2001 – Sänger der neuseeländischen Melancholie-Indierocker The Veils, liebt: der Listensong.

Und seine Aneinanderreihung von individuellen Untergangsszenarien in dem reichlich sarkastischen und irgendwie doch auch traurigen Song (mit stoischen Textzeilen wie „One in the lion’s den / One by a Pope / One by the guillotine / One by the rope / One by the mob / And nineteen in that barn“) hat der ebenfalls aus Neuseeland stammende Regisseur Alexander Gandar zu einem morbid rauschendem Videoclip verarbeitet – mit einem sanft-düsteren Hauch á la „Six Feet Under“ an der Klippenkante.

Der 35-jährige Andrews meint selbst: „Wir hatten nicht viel Geld, aber wir hatten Zeit. Jeder Tod ist nur etwa 1,5 Sekunden lang, also haben Alex Gandar und ich versucht, die direktesten Wege zu finden, um ihn zu zeigen. Alex schrieb die makaberste Tabellenkalkulation der Welt, die jeden Tod enthielt, wie lang er war, wer darin war, wo er aufgenommen werden sollte… es war eine riesige Menge Arbeit. Wir hatten Freunde, die uns bei jedem Aspekt halfen. Mein Schulfreund Richard hat meinen Sarg gebaut, meine Mutter ist eine der Nonnen. Liam Gerrard (ehemaliger Keyboarder von The Veils, Anm. d. Red.) machte die meisten der Illustrationen, die wir dann animierten. Es war ein Alptraum. Und es war ein Genuss.“

Finn-Andrews__cov__One-Piece-At-A-Time„One By The Venom“ stammt, wie bereits erwähnt, aus Finn Andrews‘ im März erschienenem Soloalbum „One Piece At Time“, einem Werk voll schwer getragenen, nicht selten sinistren Pianonummern der Nick Cave’schen, machmal gar Leonard Cohen’schen Güteklasse, die Andrews in Angriff nahm, als er versuchte, aus einer zerbrochenen Beziehung den kreativst möglichen Nutzen zu ziehen: Anfang 2018 kehrte er ebenjenen Beziehungsscherben, dem urbanen London und seiner (derzeit im Sabbatical befindlichen) Band The Veils den Rücken, um in seiner Heimat Neuseeland den logischen nächsten Schritt nach der Trennung zu gehen: Er nahm ein kathartisches Soloalbum auf, sein erstes ohne seine gewohnte Band. Innerhalb von nur sieben Tagen spielte er zehn Songs ein, die wohl mehr von dem Musiker mit der markanten Stimmfarbe, der 2017 übrigens in einer Gastrolle in den neuen Folgen von „Twin Peaks“ zu sehen war und dessen Vater Barry einst als Keyboarder der britischen New-Wave-Post-Punker XTC für Szene-Furore sorgte, preisgeben als alle zuvor. Ihre reduzierten Arrangements und die unverschlüsselten Texte bieten schlichtweg keinerlei Verstecke oder Hintertürchen – Stimme und Emotion müssen in einem (freilich stets stilecht artsy-fartsy) Schwarz-Weiß-Film Farbe bekennen. Es sind außerordentlich intime, komplett live aufgenommene Singer/Songwriter-Kompositionen für Piano, Kontrabass, Besenschlagzeug und Streicher, die in manchem Moment am Sakralen, am Gospel zu kratzen scheinen. Musik für melancholie­getränkte Vollmondnächte. Hoffnungslose Romantik meets unvermeidliches Herzeleid: „There’s no need to ask twice / Love without hesitation / Love with all your might.“ Selbst, wenn am Ende der Nacht Gevatter Tod warten sollte…

 

Hier gibt’s das Musikvideo…

 

…sowie das Stück noch einmal in einer Live-Session-Variante:

 

Mehr Informationen findet man etwa in diesem Interview mit Finn Andrews.

 

„One in his bed
And one all blown to hell
One on his throne
And one slumped in his cell
One from the smoke
And one cornered by fire
One by his enmity
And one his desire
One from her plight
And one by falling wood
One from a covenant
Come to no good
One from the cigarettes
One by her kind
One by the voices
That cornered her mind

One
One by one…

One by the God of war
One by decree
One by His mercy
And one by His greed
One in the lion’s den
One by a Pope
One by the guillotine
One by the rope
One by the mob
And nineteen in that barn
One from the boredom
And one the alarm
One by black magic
One cannibalised
One by the spiders
And one by the flies

One
One by one…

One by barbiturate
One by morphine
One by a method
Foreseen in a dream
One in a pyramid
One on a cross
One for his winnings
And one for his loss
One in the night
And one by her own hand
One by the chosen
And one by the damned
One by the venom
And one by the pox
One from the water
And one from the rocks

One
One by one…“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: The Beths – „Not Running“


og-image

Texte über Herzschmerz und gute Laune versprühende Musik schließen sich keinesfalls gegenseitig aus. Das gilt nicht erst seit Evan Dando und seinen Lemonheads, sondern schon – zumindest gefühlt – immer, schließlich ist die Popmusik seit eh und je voll von diesen kleinen, fiesen Gute-Laune-Abgründigkeiten (zumindest, wenn man nicht gerade auf all die Ohohohoh-Stadion-Coldplays schielt)…

the beths_future meDas beweisen nun auch The Beths. Ob’s wohl mit der sonnenbeschienenen Herkunft zu tun hat? Immerhin ist das im vergangenen August erschienene Albumdebüt „Future Me Hates Me“ der unlängst zum Trio geschrumpften Band aus dem neuseeländischen Auckland prall gefüllt mit zackig-melodiös dahin dengelnden Indierock-Songs, denen Frontfrau Elizabeth Stokes textlich die richtige Würze verleiht. „If there is a record / For most hours wasted / Least worthy reason / To cry on a Thursday evening / I’m in the lead“ singt sie etwa im Opener „Great No One„. Textlich weniger düster und musikalisch noch bezaubernder kommt das Titelstück daher, in dem Stokes ihr Gespür für verflucht eingängige Hooks unter Beweis stellt. Oder eben „Uptown Girl„, in dem die Sängerin dann eine Mission zu haben scheint: „I’m going out tonight / I’m going to drink the whole town dry“ – und zwar als trotzige Reaktion auf eine Trennung.

Aber wohl feinsten jedoch gelingt den ehemaligen Jazz-Studenten Elizabeth Stokes, Jonathan Pearce und Benjamin Sinclair das trotzige „Not Running“ (welches sich im Übrigen auch unter ANEWFRIENDs liebsten Songs des vergangenen Jahres wiederfand): „Breathe aloud / I promise it won’t freak me out / I’m not running away / Awkward mouth / I wanna hear that broken sound / Tell me to stay / Oh, I’m not running away“ – Ich werde bleiben, selbst wenn’s hässlich wird. Ein Ohrwurm unter neun weiteren Albumkollegen zwar, aber selbst diesen einen trägt man wohl noch tagelang mit sich herum. Bissig, tief traurig, aufrichtig. Der nahezu perfekte Soundtrack für sonnige Wehmut aller Art, mit Pop-Punk gewordenem hymnischem Kurzweil-Indierock in der Rückhand. Me likes.

 

 

„This stays in this room
Don’t take it with you
If I told the truth
Then what would you do

How can we rely
Demand and supply
If you said goodbye
Would that be a lie

Breathe aloud
I promise it won’t freak me out
I’m not running away
Awkward mouth
I wanna hear that broken sound
Tell me to stay
Oh, I’m not running away

Too far to be near
Are you really here
It’s alright to be scared
I feel you had fear

Breathe aloud
I promise it won’t freak me out
I’m not running away
Awkward mouth
I wanna hear that broken sound
Tell me to stay
Oh, I’m not running away

(Breathe aloud)
(I promise it won’t freak me out)
(I’m not running away)

Oh, I’m not running away
(Awkward mouth)
(I wanna hear that broken sound)
(Tell me to stay)

Oh, I’m not running away
(Breathe aloud) Ooh
(A voice that would freak me out) Ooh
(Not running away) Ooh

Not running away
(Awkward mouth) Ooh
(I wanna hear that broken sound) Ooh
(Tell me to stay) Ooh
I’m not running away“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Lorde – „Perfect Places“


DGVLvtlUAAAHPND

Vergesst all die Madonnas, Beyoncés, Katy Perrys, Rihannas, Lady Gagas, ja sogar all die Taylor Swifts – Ella Marija Lani Yelich-O’Connor ist im Jahr 2017 die nahezu perfekte, da gerade nicht perfekte Queen of Pop. Wohlmöglich sogar, ohne das wirklich zu wollen.

41X43hd--cLEin Geheimtipp ist die heute 20-jährige Neuseeländerin, besser bekannt als Lorde, freilich längst nicht mehr. Spätestens seit sie 2013 mit ihrer Debüt-Single „Royals“ quasi aus dem neuseeländischen Nichts die gesamte Popwelt auf links drehte und sich über Nacht vom Außenseiter zum Spitzenreiter mauserte: „And we’ll never be royals / It don’t run in our blood / That kind of lux just ain’t for us / We crave a different kind of buzz“. DIY-Pop aus einem Land, dass sonst eher für Hobbits und Schafzucht und betörende Backpacker-Romantik bekannt ist. Und obwohl die Songs des Debütalbums „Pure Heroine“ an vielen Stellen an den elektronischen Minimalismus von The xx, an die entrückt-laszive Alterslosigkeit von Lana Del Rey, an die unterschwellig sinistre Feier des Lebens einer Lykke Li erinnerten, war das, was da ein gerade mal 16-jähriges Pop-Kücken auf die vorderen Charts-Plätze rund um den Globus katapultierte, vor allem eines: anders. Less-is-more-Pop mit Herz und Hirn, mit coolen Beats und intelligent gesetzten Sounds, die kein Gramm zu viel hatten und so weit weg wie nur irgendwie möglich waren von all der Übersteigerung, von all der schmonziert-sexualisierten Übertreibung der Konkurrenz. Und da die Popkultur nicht nur gern ihre größten Stimmen zum Frühstück verspeist, bevor sie ihre vermeintlichen neuen  „Wunderkinder“ pünktlich zur Lunch Time feiert, liebte die Welt diese Lorde.

Doch auch die Kehrseite dieser plötzlichen Erfolgswelle ist keine neue: Wie geht Ella Marija Lani Yelich-O’Connor mit der Erwartungshaltung, die all die neuen Fans – sowohl unter der „normalen“ Hörerschaft als auch vom Feuilleton – an das berühmte „schwierige zweite Album“ hatten, um? Einfach den Stiefel durchziehen, und zehn, elf neue Songs der gleichen Machart noch einmal abliefern? Bereits im jungen Alter einen kompletten Richtungswechsel wagen?

Nun: beides. Oder keines von beiden?

lorde-perfect-places-video-31216b4a-3051-43c8-b772-ff4d6bfa0ef2

Natürlich tragen die elf neuen Stücke von „Melodrama„, dem im Juni erschienenen zweiten Album, die die mittlerweile 20-Jährige mal in Abgeschiedenheit ihrer neuseeländischen Heimat, mal im wuseligen New York City und gemeinsam mit Produzent Jack Antonoff (Bleachers, Fun.) schrieb, zunächst einmal vor allem ihre Handschrift. Doch war „Pure Heroine“ das schwärmerische Teenie-Dasein in einer vom Internet und Social Media geprägten Welt, so ist „Melodrama“ die Adoleszenz, das Erwachsenwerden. War „Pure Heroine“ die juvenile Chilling Zone in der Nachmittagssonne und die frisch verknallte Vorfreude auf die nächste Party, so ist „Melodrama“ die Nacht und der Morgen danach, der vernebelte Kater, der bittere Nachgeschmack der ersten Liebe: „I do my makeup in somebody else’s car / We order different drinks at the same bars / I know about what you did and I wanna scream the truth / She thinks you love the beach, you’re such a damn liar“ („Green Light“). Vor allem jedoch – und das ist neu – funktioniert „Melodrama“ als Gesamtkunstwerk, das zu keinem Zeitpunkt den Eindruck eines Kompromisses erwecken mag und bei dem subtile, durch moderne Trap-Rap-Beats und altbackenes Schulterpolster-Schlagzeug rhythmusgetriebene Knochengerüste der Marke The xx neben orchestralen Tränenziehern (mit dem ein oder anderen Powerballaden-Moment), Hochdruckhymnen aus der Windmaschinen-Ära und Handclap-Momenten für die nächste (verregnete) Festivalsaison funktionieren. Natürlich wollen diese Songs keine Welten bewegen, aber besser, zeitgeistiger als Lorde, die ebenso burschikos wie feminin erscheint, die gleichsam angepasst wie rebellisch daher kommt, die in Interviews schüchtern gackert, jedoch auch große Festival-Bühnen wie beim diesjährigen Glastonbury mit ihrer ganz eigenen Art in ihren Bann ziehen kann, wird es wohl 2017 nicht mehr. Eine Queen of Pop wider Willen, die ihrer Rolle mehr als gerecht wird.

 

Lorde_Melodrama_album_cover_2017_03_02Einer der besten Songs auf „Melodrama“ ist das ganz ans Ende gestellte „Perfect Places“, das mit Zeilen wie

„Every night, I live and die
Meet somebody, take ‚em home
Let’s kiss and then take off our clothes
It’s just another graceless night, ‚cause

All of the things we’re taking
‚Cause we are young and we’re ashamed
Send us to perfect places
All of our heroes fading
Now I can’t stand to be alone
Let’s go to perfect places“

die letzten Momente der ewig erscheinenden Jugend feiert, während die neuseeländische Sängerin im Musikvideo an ihren mutmaßlich „perfekten Orten“ zu sehen ist: Das ist mal ein vietnamesisches Reisfeld, ein karibischer Sommerstrand, ein Wald oder eine luxuriöse Hotel-Lounge mit Champagner.

 

Dass Lorde mit ihren neuen Songs auch im reduzierten Gewand zu bestehen weiß, zeigte die Sängerin kürzlich während einer in den berühmten New Yorker Electric Lady Studios mitgeschnittenen Live Session, bei der sie sechs Songs von „Melodrama“ mal zu Piano-Begleitung, mal mit Unterstützung eines Frauenchors, zum Besten gab – ein Stück, die Doppel-Nummer „Hard Feelings / Loveless“, gar auf dem Studiodach:

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: The Jury and the Saints – „Monday Morning“


11021316_10153100588681950_2310040895690924004_o

Dass Neuseeland bei etwa viereinhalb Millionen Einwohnern nicht eben die größte Dichte an Rockbands besitzt, dürfte klar sein. (Ja, in Island etwa mag das anders sein – Neuseeland mag dafür das bessere Wetter und mehr Anreize zur Zerstreuung bieten.) Zum Glück bilden die vier Herren von The Jury and the Saints, die – Klischee, Klischee! – dem Aussehen nach auch aus einem Surfermagazin entstiegen sein könnten, da eine willkommene Ausnahme.

The-Jury-And-The-Saints-600x598Ihrer geografischen Herkunft wegen – die Band stammt aus Aukland auf der Nordinsel Neuseelands – mögen Jesse Smith (Gitarre, Gesang), Ivan Beets (Bass, Gesang) Marty Kroon (Schlagzeug, Gesang) und Rowan Crowe (Gitarre, Gesang) einen Exotenstatus besitzen, das, was man da auf ihrem selbstbetitelten Album, welches in Deutschland im Februar 2015 erschien, zu hören bekommt, hat jedoch eindeutig internationales Format. Denn der auf melodiösen Radau geschliffene und im Blut und Schweiß des Crossover geweihte Punkrock könnte genauso aus einem Proberaum in – sagen wir – Los Angeles schallen – Gang-Vocals, massig Singalongs und Hang zur poppigen Verkumpelungmelodie inklusive. Damit reißt man keine Bäume aus (die sollen in Neuseeland auch mal schön stehen bleiben!), damit verändert man nicht die Musikwelt. Aber mit Stücken wie „Monday Morning“ retten The Jury and the Saints dir schonmal den ein oder anderen Montag und tragen dich mit ihren Songs durch lange Wochen. Und gerade das ist manchmal Gold wert…

„Right now I long for the weekend / These days seem to wear me out…“

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Flimmerstunde – Teil 31


5 Zimmer Küche Sarg“ (2014)

wwditskeyartDie meisten Wohngemeinschaften müssen sich ja im Grunde mit denselben Problemen rumschlagen: Putzpläne und Küchendienste werden nicht eingehalten, Mieten nicht gezahlt und zwischen den Mitbewohnern gibt es auch öfter mal böses Blut. „Blut“ ist bei auch einer ganz besonderen WG im neuseeländischen Wellington genau das richtige Stichwort. Bei den fünf Männern – dem stolze 862 Lenze jungen Dracula-Wiedergänger Vladislav (Jemaine Clement), dem etwas dandyhaft-affektierten Viago (Taika Waititi), dem draufgängerischen Deacon (Jonathan Brugh), dem stummen, fledermaushaften Petyr (Ben Fransham) und Neuankömmling Nick (Cori Gonzales-Macuer) – handelt es sich nämlich um waschechte Vampire, die allesamt mit den Tücken des Alltags, der Unsterblichkeit und ihrem höchst untoten Dasein klarkommen müssen. Bei Petyr, der älteste der Gruppe und irgendwie Murnaus „Nosferatu“ zum Verwechseln ähnlich, ist mit 8.000 Jahren die Senilität schon stark spürbar, sodass er aus Versehen Nick, den seine Mitbewohner eigentlich als potentielle Blutmahlzeit auserkoren hatten, zum Blutsauger macht. Nun ist es an Vladislav, Viago und Deacon, den neuerlich unsterblich Gewordenen (notgedrungen) anzulernen und gleichzeitig dem sie für eine Dokumentation stets begleitenden Kamerateam die Welt der Vampire zu zeigen. Vladislav präsentiert stolz seine Folterkammer, Viago betrauert als ehemaliger Dandy den Verlust seiner großen Liebe und seines Spiegelbildes, Deacon mimt den Bad Boy und Nick berichtet naiv und freimütig jedem, den er trifft, von seinem unerwarteten Lebenswandel. Und als wäre das nicht schon Problem genug, steht ja in Kürze das traditionelle große Treffen aller Vampire, Zombies und Hexen von Wellington an, während die WG-Gruppe mal wieder im Clinch mit der örtlichen Werwolf-Gang liegt und immer noch versucht, irgendwie mit der modernen Welt Schritt zu halten…

w964

Regisseur Taika Waititi, der auch die Rolle des schusselig-liebenswerten Vampirs Viago übernahm, liefert mit „5 Zimmer Küche Sarg“ (Originaltitel: „What We Do In The Shadows„) gemeinsam mit Co-Regisseur Jemaine Clement (Freunden von Indie-Serien dürfte der Mann als Teil der HBO-Comedy-Show „Flight Of The Conchords“ bekannt vorkommen) so etwas wie den neuseeländischen, als Mockumentary getarnten Culture Clash aller erdenklichen Vampir-Klischees ab: das Klassische von „Dracula“ und „Nosferatu“, die Erotik von „Interview mit einem Vampir“, der Zwist von Vampir vs. Werwolf (jüngeren Semestern dürfte da „Twilight“ in den Sinn kommen), der vergebliche K(r)ampf der ewig Untoten mit dem modernen Leben, die tägliche Suche nach Blutspendern. Dazu kommt etwas Lokalkolorit, da ausgerechnet die neuseeländische Hauptstadt Windy Wellington als Kulisse der kurzweiligen Horrorkomödie dient – eben jenes Städtchen, in dem Landmann Peter „Herr der Ringe“ Jackson im Jahr 1992 seine längst schon legendäre Splatter-Persiflage „Braindead“ ansiedelte (nur war der Streifen freilich ungleich blutiger). Natürlich nimmt sich keine der 86 Minuten so richtig bierernst, natürlich wird keines der Blutsauger-Klischees komplett durchexerziert, sondern lediglich im Ansatz nonchalant gestreift. Trotzdem – oder gerade: deshalb – ist es amüsant anzusehen, wenn schrullige Spießigkeit auf moralfreie Ewigkeit tritt, wenn der eine der fünf WG-Untoten vor dem Aussaugen seines Opfers zuerst versucht, das Mobiliar fein säuberlich mit Zeitungen vor Blutspritzern zu schützen (was trotzdem nichts nutzt, wenn man versehentlich eine Arterie trifft), während der andere den Blutspender gleich auf dem Esstisch erledigt, der eine lang und breit von gestrig-legendären Schlachten prahlt (welche sich schlussendlich als Beziehungszwist mit der Vampir-Ex herausstellen), während der andere sich eine menschliche Sklavin hält, der er immer wieder den „Biss für die Ewigkeit“ in Aussicht stellt. Dass das Fünfergespann dabei eher als schwerer Fall für die Psychiater-Couch denn als Bande von blutlechzenden Monstern daher kommt, macht „5 Zimmer Küche Sarg“, bei dem man sich, nicht nur der wie so oft miesen deutschen Synchronisation wegen, lieber ans englische Original halten sollte (Kiwi-Slang!), für Freunde des Indie-Kinos nur umso lustiger…

What-We-Do-In-the-Shadows

 

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: