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Song des Tages: mastersystem – „Notes On A Life Not Quite Lived“


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Fast, aber nur fast, hätte ich glatt die Veröffentlichung dieser Platte vor einer Woche verpennt! Was eigentlich gar nicht passieren könnte, handelt es sich bei „Dance Music“ – nomen ist in diesem Fall einmal nicht omen und wohl vielmehr mit einem schottischen Augenzwinkern zu sehen – um das Debütalbum der neusten schottischen Supergroup, welcher darüber hinaus noch zur Hälfte aus Mitgliedern der seit eh und je auf diesem bescheidnen Blog verehrten Frightened Rabbit sowie zu je einem Viertel aus einem Mitglied der Editors und Minor Victories besteht. Holla, die Vorschusslorbeeren!

Diesen werden mastersystem für all jene gerecht, die musikalisch in den seligen Neunzigern sozialisiert wurden, denn die gerade einmal neun Songs des Debüts geben dem geneigten Hörer nichts weniger als den Glauben an den crunchy, direkt und ohne große Schnörkel auf Tape gebannten Indierock dieses Jahrzehnts zurück. Und wer die alte Schrammelschrabnelle – mit viel auf Radau gebürsteter Liebe und Herzblut fürs Detail im Gepäck – derart wieder zum Glühen bringt, kann wahrlich kein Schlechter sein…

51guWedpEXLSchon unglaublich gut, wie die mit den Geschwistern Scott Hutchison und Grant Hutchison (Frightened Rabbit), Justin Lockey (Editors) und James Lockey (Minor Victories) dezent prominent besetzte Band, deren Grundstein der Legende nach an einem übelwettrigen Tag in Berlin anno 2016 gelegt wurde, die alte Indie-Flamme wieder zum Lodern bringt und auch das Spiel mit dem langsamen Distortion-Schrammelaufbau zu gesanglichem Lament ebenso beherrscht wie eindrucksvolles Laut-Leise-Stop’n’Go mit Bratzgitarren im Wechselspiel mit Scott Hutchisons zuweilen einsam Raum stehendem Gesang. Die Gitarren haben oft den unwiderstehliche wogenden Klangwucht-Punch der frühen Smashing Pumpkins, gepaart mit Wall-of-Sound-Shoegazer-Anleihen á la Slowdive oder My Bloody Valentine, und einem allzeit wummernden Bass im Stile von Nirvanas „In Utero“. In nicht wenigen der Songs ergeben sich dank der Kombination mit Hutchisons prägnanter Stimmfarbe Momente, in denen einem Sebadoh in den Sinn kommen könnten, in anderen Momenten denkt man wohl an atonale Noise-Indierocker der Sonic Youth’schen Duftmarke, wobei einmal mehr die Gesangsmelodien hängen bleiben und die Scheibe eindrucksvoll über die leider lediglich 35 Minuten tragen. Erstklassige Wiederbelebung der Neunziger gefällig? So und nicht anders, bitte!

 

Hier gibt es das Musikvideo zur ersten – und dezent großartigen – Single „Notes On A Life Not Quite Lived“:

(oder via YouTube…)

 

Mehr Infos aus den Mündern der Band zu den einzelnen Songs von „Dance Music“ gefällig? Auf GoldFlakePaint findet man ein Track-by-Track-Interview mit mastersystem…

 

Rock and Roll.

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Von Shoegazer-Langsamkeit und digitaler Schnelllebigkeit – My Bloody Valentine kehren mit „m b v“ zurück…


My Bloody Valentine

Und plötzlich ging’s ganz schnell… Am 25. Dezember 2012 kam via Facebook unvermittelt die Meldung „On 21-12-12 we finished mastering the new album!“, dann gab der Frontmann bei einem vor wenigen Tagen stattgefunden Konzert in London von sich, dass das neue Album „in zwei oder drei Tagen“ erscheinen werde,  was schließlich in der gestrigen Facebook-Meldung „We are preparing to go live with the new album/website this evening. We will make an announcement as soon as its up.“ gipfelte. Klar, so ungewöhnlich sind solche Vorgehensweisen im Grunde nicht, schließlich nutzen auch andere Musiker das Internet zur direkten Distribution ihrer neusten Klangergüsse. Nur: hier handelt es sich um keine geringere Band als My Bloody Valentine, die Säulenheiligen der wahlweise als ‚Dream Pop‘, ‚Noise Pop‘ oder ‚Shoegazing Alternative Rock‘ mit ins Leben gerufenen Musikrichtung(en). Und die irische Band wies bis heute, seit ihrer Gründung im Jahr 1983, gerade einmal zwei (!) Alben in ihrer Diskographie auf. Klar, zwischen 1993 und 2007 lag das Quartett um Frontmann Kevin Shields quasi auf Eis. Nichtsdestotrotz ist es umso höher zu bewerten, dass My Bloody Valentine, nach einigen voran gegangenen Konzerten in den letzten Jahren, jetzt noch – mir nichts, dir nichts – tatsächlich mit einem Nachfolger zum 1991 (!) erschienenen Shoegaze-Meilenstein „Loveless“ mit der Tür ins digitale Haus fallen.

Auf ihrer Webseite kann man „m b v“ wahlweise als 180-Gramm-Vinyl, CD (beides soll um den 22. Februar herum verschickt werden) und/oder digitalen Download (dieser ist sofort erhältlich) direkt von der Band beziehen – eine fanfreundliche Aktion, die man jedoch gleichsam als provokant erhobenen Mittelfinger in Richtung der dröge vor sich dahinsiechenden Plattenindustrie werten kann.

Wer sich das dritte Werk von My Bloody Valentine, welches sich mit den Jahren zum “ ‚Chinese Democracy‘ der Shoegazer“ entwickelte, vorab zu Gemüte führen mag, hat dazu auf der Youtube-Seite der Band Gelegenheit.

Und während sich alle – Musikindustrie, Musikpresse, Blogger, Fans… – an diesem Sonntagmorgen noch verschlafen bis verwundert die Augen reiben, während Hornbrillen tragende Musiknerds sich noch immer darüber die Köpfe zerbrechen, ob nun „Loveless“ oder das 1988 erschiene Debüt „Isn’t Anything“ das bisher beste Album der Band sei, machen My Bloody Valentine nach über 20 Jahren nun endlich wieder mit neuen „Songs“ (obwohl diese Bezeichnung die vorliegenden neun Stücke höchst unzulänglich beschreibt) von sich Reden. Schöner die Gitarren nie flirrten…

m b v

My Bloody Valentine – „m b v“

01. She Found Now
02. Only Tomorrow
03. Who Sees You
04. Is This And Yes
05. If A Am
06. New You
07. In Another Way
08. Nothing Is
09. Wonder 2

 

Rock and Roll.

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