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Song des Tages: Sandlotkids – „Super Bowl“ (Zeitstrafe Headquarters Session)


Photo- Bernhard Schinn

Foto: Bernhard Schinn / Facebook

„five dudes from munich, germany.
we love dogs, food and music i guess.“

Okay, diese humorig-knappe Selbstbeschreibung via Facebook sagt eigentlich alles. Und irgendwie auch nix.

So ganz ernst scheinen Sandlotkids weder sich noch ihre Musik zu nehmen, anders ist es kaum zu erklären, dass sich das Emorock-Quintett aus der bayrischen Landeshauptstadt hinter Gang-Pseudonymen wie „T-Dog“, „Shosho“, „Fabsl“, „Cookie“ und „Carl“ versteckt. Dabei haben die absolut kitschfreien, angenehm daher rockenden Songs – seit Bandgründung im Jahr 2013 sind etwa eine Handvoll Singles und EPs (digital) erschienen – durchaus mindestens nationale Indie-Klasse.

 

Besonders schön: diese Version des Songs „Super Bowl“, den Sandlotkids seines Zeichens im vergangenen Oktober als Teil ihrer jüngsten Single veröffentlichten, und im Februar diesen Jahres bei einer reduzierten Session in der Zentrale ihres Hamburger Labels „Zeitstrafe“ zum Besten gaben:

 

„there is a look on your face
it’s the look of disgrace
towards me
what did i do?
i just listened to what my heart was saying
it was speaking true
to me about you
and i’m sorry
oh so sorry

you are the super bowl
and i’m just some kid playing ball on the street
you are stuck and i am free
but you are forever
and i am fading away

so i made it worse where there was no bad
by just lying there next to you in bed
that wasn’t made for you and me
had no room for me to sleep
but i tried
yeah, i tried to hard
i made it worse by playing dead
i made it bad
i made it sad

i am a car crash
and i thought you’re the hospital
but you are a funeral
you are a funeral

i am a car crash
and i thought you’re the hospital
but you are a funeral
my beautiful funeral

you are the super bowl
and im just some kid playing ball on the street
you are stuck and i am free
but you are forever
and i am fading away“

 

Rock and Roll.

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„Bei Hitlers brennt noch Licht“ – bedrückende Zeilen von Simon Pearce


brennt noch licht

Simon Pearce ist ein in München lebender deutscher Schauspieler, Synchronsprecher und Comedian – deutscher geht’s kaum, möchte man meinen. Und trotzdem wurde Pearce seiner Hautfarbe wegen bereits seit frühester Kindheit mit Themen wie Rassismus oder Intoleranz konfrontiert, wie er kürzlich auch in einem Interview zu seinem neuen Buch „So viel Weißbier kannst gar ned trinken: Wie ich als Schwarzer in Bayern groß geworden bin“ erzählte. Da mag sich die bayrische Landeshauptstadt noch so weltgewandt geben…

Nicht nur deshalb, sondern der aktuellen Stimmungsschieflage in Deutschland insgesamt wegen verfasste Pearce, der die ganze Sache als Comedian glücklicherweise auch mit einem lachenden Auge zu nehmen weiß, bereits Ende 2016 ein Gedicht mit dem Titel „Bei Hitlers brennt noch Licht“, welches leise, leise, jedoch auf bedrückende Art und Weise an die Lyrik Erich Kästners im Vorfeld des NS-Regimes erinnert…

 

Bei Hitlers brennt noch Licht.
Es ist nie ganz erloschen,
nur eine kurze, ruhige Zeit war’s Fenster fest verschlossen.
Nur ab und zu, ganz schüchtern fast, kaum hörbar, ein Gewisper…
Man nahm’s kaum wahr und dachte sich: „Was soll’s? Da ist noch Licht an.“
Bei Hitlers brennt noch Licht – Jetzt treten sie ans Fenster.
Jetzt sieht man sie, jetzt hört man sie …
das sind keine Gespenster.
Ganz stolz und lautstark steh’n sie da, entzünden und krakeelen.
Und ihre Drohung ist ganz klar: „WIR GEHEN WIEDER WÄHLEN!“
Bei Hitlers brennt noch Licht.
Vernunft wo bist Du? Wo?
Komm‘ raus und hilf … und schalt‘ es aus.
… sonst brennt es lichterloh.

 

 

Natürlich sind Themen wie Rassismus, Intoleranz, beschränktes Denken und Dummheit kein explizit bajuwarisches Problem. Im Gegenteil: sieht man sich die vorerst amtlichen Wahlergebnisse an, so wird die AfD in meiner alten sächsischen Heimat mit besorgniserregenden 27 Prozent stärkste Kraft.

*hust*

Ich entschuldige mich nun bereits im Voraus für mein Fehlen an Contenance, aber: Geht’s noch?!? Ich verstehe ja, dass ihr – sorry, aber das kommt von Herzen – Trottel und Vollpfosten, die ihr „der Merkel“ eins auswischen wollt, nun eure Chance gekommen saht, aber hat sich auch nur ein Drittel von euch Wutsparlämpchen einmal das total verquere Wahlprogramm der AfD durchgelesen? Mal ehrlich (und: ja, euch bleibt in diesem Fall meine Polemik nicht erspart): verstehendes Lesen – funktioniert das überhaupt bei euch? Ja? Hm… Ihr wolltet doch mit euren vier zu zwei Kreuzen geformten Strichen bestimmt nur „ein Zeichen setzen“, habe ich recht? Wenn demnächst wieder irgendwelche Flüchtlingsheime brennen oder stramme Hinterlandskameraden mit ihren blank polierten Köpfchen zum Fackelumzug ansetzen, dann war das „ja alles nicht so gewollt“, stimmt’s? Natürlich, ist schon klar – es ging ja bei dieser Wahl um Frisuren, Drei-Tage-Bärte, um stylische, Vertrauen erweckende Schwarz-weiß-Bilder und Urlaubsfotos. „Wohlfühl-Mutti“. „Protest-AfD“. Um einen „Denkzettel“

Und obwohl ich weiß, dass dies am Ende in vielen Fällen die Falschen treffen würde, und mir mein Herz bei im Grunde pauschalen Aufforderungen wie dieser blutet, so bitte ich doch all jene, die in den nächsten vier Jahren einen Trip in so schöne, eigentlich in vielfacher Hinsicht lohnenswerte Städte wie Leipzig oder Dresden planen oder geplant haben: Bitte seht davon ab. Nehmt euch meinetwegen Berlin oder Hamburg, meinetwegen auch Köln oder Stuttgart oder welche deutsche Stadt auch immer vor. Lasst Sachsen mal rechts liegen. Die Menschen da scheinen aktuell ganz andere Problemchen zu haben und mit einem Ausländeranteil von sage und schreibe knapp vier Prozent bereits überfordert zu sein. Wer sich Brett-vorm-Kopf-Maximen wie „Fremde sind gut, solange sie Fremde bleiben“ schon so zu Herzen nimmt, der verdient es leider nicht anders, als für die kommenden vier Jahre mit all den Gaulands, Petrys, von Storchs, Weidels oder Höckes in seiner eigenen braunen Gesinnungssoße zu schmoren. Soll sich doch einer wie Alexander Gauland „unser Volk“ und „unser Land“ unweit der polnisch-tschechischen Grenze zurück holen (das hat ja schließlich vor knapp 80 Jahren schon einmal so prima funktioniert) und im sächsischen Hinterland, gemeinsam mit all jenen Gestrigen, die meinen, „auf der Strecke geblieben“ zu sein, seinen Stolz auf deutsche Soldaten und aufs „deutsche Vaterland“ ausleben. Ganz ehrlich: Haltet den Boykottieren den Spiegel vor und lasst sie ihre häßliche Schaum-vorm-Mund-Fratze einmal selbst zu Gesicht bekommen. Bastelt Schilder auf denen steht: „Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht bei AfD-Wählern!“ – auch das war ja anno dazumal ein Ding von all jenen, von denen sich die AfD-Spitze – wohl aus guten Gründen – nicht klar distanzieren möchte.

Ich schreibe hier klar und entschieden, dass die AfD für mich lediglich einen Haufen von hasserfüllten, gestrigen, profilierungsgeilen Möchtegern-Politikern darstellt. Dass keiner von ihnen „dumm“ ist und der Großteil einen Doktortitel inne zu haben scheint, macht die ganze Sache keineswegs besser (ob sich hier Querverweise zu zweifelhaften „Persönlichkeiten“ wie Hermann Göring oder Joseph Goebbels, darf jeder gern selbst entscheiden). Auch Äußerungen seitens Herrn Gaulands am gestrigen Wahlabend, dass man in den kommenden vier Jahren die amtierende Bundeskanzlerin „jagen“ wolle, verbieten sich – da lasse sich weder Opas stattliche 78 Lenze noch die Euphorie des Wahlergebnisses als Entschuldigung gelten. In einer Demokratie, die die AfD ja im Wahlkampf mehrfach vehement auch für sich eingefordert hat, „jagt“ man keine Menschen – weder metaphorisch, noch verbal, noch politisch, noch sonstwie. Punkt.

Sollten irgendwem meine – freilich recht deutlichen – Zeilen nicht ins Gemüt passen, so würde ich mich freuen, wenn er, sie oder es diesem Blog fortan fern bleibt. Man gestehe mir die Wut zu, die manch einer dieser „Protest-Wähler“ beim Setzen seiner zwei Kreuzchen hatte – auch wenn ich, das gebe ich an dieser Stelle Frank und frei zu, nach langer und reichlicher Überlegung nicht gewählt habe. Die Wege stehen euch freilich frei: Entzieht diesem Blog euer „Like“, löscht ihn aus eurer Lesezeichenliste, „entfreundet“ mich gern auf Facebook (falls ihr mich da persönlich drin haben solltet). Oder – und das muss ein Mensch in einer Demokratie ab können – sucht das konstruktive Gespräch mit mir.

Noch einmal, in aller Deutlichkeit: Die AfD steht für mich vor allem für drei Dinge: gestrige Gedanken, verachtenswerten Populismus und Hass. Und gerade Hass – beziehungsweise negative Gefühle gegenüber alles und jedem – bringt keinen von uns voran, sondern Politiker wie Gauland, Weidel und Co. zunächst einmal nur in den Bundestag (wo sie sich in den kommenden vier Jahren – so bleibt zu hoffen – parteiintern aufreiben werden). Vor vielen Jahren wurde schon einmal „Protest“ gewählt und Hass geerntet. Und obwohl ich fest daran glaube, dass sich Geschichte wiederholt, so hoffe ich doch, dass es dieses Mal nicht so sein wird…

Peace. Over and out.

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Carlos Cipa – „Today And It’s Gone“


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Und der Yann-Tiersen-Gedächtnis-Award des Tages geht an: Carlos Cipa.

Dass man den Komponisten und Multiinstrumentalisten – ebenso des Namens und der sich durch alle Stücke ziehenden melancholischen Sinnschwere wegen – eher in Argentinien (oder von mir aus auch Skandinavien – siehe etwa José González) verortet hätte als im Schickimicki-Schickeria-München, dürfte nicht Wenigen so gehen. Und doch studiert der Herr kontemporäre klassische Komposition an der University of Music and Performing Arts in der bayrischen Landeshauptstadt. Dass dieses Studium durchaus Früchte trägt und Cipa schon jetzt in die Nähe von Szene-Größen wie den Berliner Neoklassik-Star Nils Frahm rückt, durfte man bereits auf dem 2012 erschienenen Debütalbum „The Monarch And The Viceroy“ belauschen.

Und auch der 2014 veröffentlichte Nachfolger „All Your Life You Walk“ steht dem in nichts nach: vom Piano getragene Stücke mit Hang zum Impressionistischen, zum experimentellen Minimalismus, zur Schwermut, aber auch – und das ist schon erstaunlich – zum Pop (à la Yann Tiersen, und eben nur so weit, wie der sich in die klassischen Partituren der weißen und schwarzen Tasten hinein bewegt). Das steckt viel Schönheit drin, viel Sinnieren über fragile Tagträume, über die Liebe und die Vergänglichkeit im Kleinen und Großen.

Bestes Beispiel: das Stück „Today And It’s Gone“, welches noch dazu im vergangenen Jahr ein nicht minder tolles Musikvideo zur visuellen Seite gestellt bekommen hat.

„To fall in love. To fall out of love.“

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Julien Baker – „Funeral Pyre“ (live)


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Dass Julien Baker der Wahnsinn ist, dürfte ja bereits aus meiner Review ihres Debütalbums „Sprained Ankle“ im Mai hervorgegangen sein (und allen anderen sei noch einmal gesagt: Julien Baker ist der helle Wahnsinn!). Was die gerade einmal 21-jährige US-amerikanische Indie-Singer/Songwriterin da an emotionaler Schonungslosigkeit aus den Saiten und auf Tonband und Textblätter zaubert, dürfte auch in einem mindestens okayen Musikjahr wie diesem (was die Veröffentlichungen betrifft und explizit nicht die Verluste!) seinesgleichen suchen. Ich zumindest bin immer noch ganz gefangen von den zwar keineswegs himmelhoch jauchzenden, aber mit jeder Note vereinnahmenden 33 Albumminuten…

Daran ändert auch der neue Song „Funeral Pyre“, welchen Julien Baker bei einem „Hauskonzerte„-Gastspiel in München im Juni diesen Jahres zum Besten gab, nichts. Im Gegenteil: das neue Stück steht seinen neun Kumpelinnen auf „Sprained Ankle“ in Punkto Atmosphäre in nichts nach.

cover-3(An dieser Stelle sei auch noch einmal auf die in der kommenden Woche erscheinende Compilation „Say Yes! – A Tribute to Elliott Smith hingewiesen, zu welcher Baker – nebst Künstlern wie William Fitzsimmons, Amanda Palmer, J Mascis und Lou Barlow von Dinosaur Jr., Yuck oder Jesu/Sun Kil Moon – eine Coverversion des im Oktober 2013 verstorbenen Singer/Songwriters beisteuert und sich „Ballad Of Big Nothing“ vorgenommen hat. Selbst für Leute, die Smiths Songs bereits tausendundeinemal gehört haben, lohnt sich das Ding – versprochen.)

 
 
 

  

„I wake up with the same pain every night
Digging a hatchet to my left side
Clearing my chest for something to burn
Ash from a decorative urn you keep in your mantle piece
Like a trophy for everything

We learn eventually…

Call me a coward but I’m too scared to leave
‚Cause I want you to be the last thing I see
C’mon, call me a coward but I’m too scared to leave
Watched you pouring lighter fluid out onto the leaves
And I would have loved you with the dying fire

If I let you smother me down to the embers
Frost bite turning my limbs as black as cinders, a funeral pyre
But I would have stayed, if you had asked me to
Stood outside until my lips turned blue
I wouldn’t have blamed you
For leaving me there on the porch
While you drink gasoline
‚Cause its what you needed so bad

And it’s true

There’s nothing that we could do…“

 
Rock and Roll.

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Tommy Krappweis hat den „Dunning-Kruger-Blues“


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Tommy Krappweis. Gut, der Name allein wird wohl den wenigsten sofort etwas sagen. Dabei war der gebürtige Münchner, Jahrgang 1972, Mitte der Neunziger Teil des Ensembles der erfolgreichen RTL-Comedy-Reihe „RTL Samstag Nacht“ und etwas später auch quasi „Bäcker“ der stets mies gelaunten KiKa-Figur „Bernd, das Brot„, für welche er 2004 gar den renommierten Adolf-Grimme-Preis erhielt (und deren subtil nihilistische Lebenshaltung wohl nicht nur so manches Kind nachhaltig verstört haben mag). Und auch sonst ist der Mann als Komiker, Autor, Regisseur, Produzent und Musiker bis heute äußerst umtriebig und wohl nur höchst selten von Langeweile geplagt.

Trotzdem hat Krappweis nun den Blues. Und das nicht wegen sich selbst oder seiner vielen Projekte wegen, sondern beim Blick auf die (deutsche) Gesellschaft. Denn er hat eines festgestellt: Ganz egal, ob du AfDler bist oder Zecke, Skeptiker oder Netzfrau, ob du Journalist bist, Troll oder „Lügenpresse!“-Schreihals, wir alle unterliegen dem Dunning-Kruger-Effekt.

„Als Dunning-Kruger-Effekt wird eine kognitive Verzerrung bezeichnet, bei der relativ inkompetente Menschen die Tendenz haben, das eigene Können zu überschätzen und die Kompetenz anderer zu unterschätzen.“ (Wikipedia)

Also singt uns Tommy Krappweis seinen „Dunning-Kruger-Blues“ und brennt damit sowohl auf textlicher wie musikalischer Ebene kleine Feuerwerke ab, die zwar kurzfristig zum Schmunzeln anregen, jedoch auch gern zum Nachdenken. Aber hören Sie selbst…

 

 

Rock and Roll.

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Imagine…


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…weil das Letzte, was man uns nehmen darf, unsere Hoffnung sein sollte. Und vielleicht hatte John Winston Lennon ja genau das im Sinn, als er dieses Lied, welches ein gutes Stück weit zu seinem Vermächtnis werden sollte, damals, 1971, in die Welt entließ.

 

 

„Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion, too

Imagine all the people
Living life in peace

You, you may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you will join us
And the world will be as one

Imagine no possessions
I wonder if you can
No need for greed or hunger
A brotherhood of man

Imagine all the people
Sharing all the world

You, you may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you will join us
And the world will live as one…“

 

Rock and Roll.

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